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Alles retro auf dem Tempelhofer Feld?

Freies Feld weckt wieder Begehrlichkeiten.    Foto: mr

Alte Bebauungspläne kommen wieder auf den Tisch

Die SPD will auf dem Tempelhofer Feld wieder bauen – als Teil einer angekündigten Bauoffensive. Bei den Bürgermeisterkandidaten Franziska Giffey und Martin Hikel kommt das Bauen an erster Stelle im neuen Programm.
Vom Bauwillen auf Berlins größter innerstädt­ischer Freifläche zeugte eine erstaunlich schlichte Diskussionsrunde beim Architekten- und Ingenieurverein am 4. Dezember 2020. Sie wurde unter anderem von der Groth-Gruppe gesponsert, mit der bereits der ehemalige »Degewo«-Vorständler Frank Bielka das Feld bebauen wollte.
Maren Kern, Vorstandsmitglied im »Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen» äußerte Zweifel, ob die Größe der kahlen Fläche allen Feldfreunden klar sei. Eine ihrer Kolleginnen schätzte, dass ein Stadtquartier für 40.000 Bewohnern gut Platz hätte. Alles retro auf dem Tempelhofer Feld? weiterlesen

Energie für alle

Sperrungen von Gas und Strom durch die liefernden Konzerne werden im »Coronawinter« rücksichtslos fortgesetzt. Tausende von Menschen leben im Dunklen und Kalten ohne warmes Essen. Der notwendige Kerzenschein schafft hier keineswegs Romantik, sondern stellt eher eine Brandgefahr da.
Die Misere ist der Politik bekannt. Um mehr Rechtsschutz der Verbraucher gegenüber den Energielieferanten zu ermöglichen, bedarf es einer Gesetzesänderung auf Bundesebene, welche den Kunden eine Sicherheit bietet, wie sie ihnen auch der Kündigungsschutz des Mietrechtes garantiert.
Auf dem langen Weg dorthin liegt es in der Kompetenz des Senats, im »Coronawinter« ein Moratorium gegen Energiesperren zu erwirken. Das kann ein erster Schritt sein, die Energieversorgung komplett in die öffentliche Daseinsvorsorge zu integrieren, damit Länder, Kommunen und Regionen wieder die Kontrolle haben und Gewinne für das Gemeinwohl statt für Shareholder schöpfen.

Thomas Hinrichsen

Radwege für die Hermannstraße

Erfolg für Initiative

Seit Monaten organisiert die Initiative »Hermannstraße für Alle« Fahrraddemos. Sie hat außerdem mehr als 2.200 Unterschriften für ihren Anwohnerantrag gesammelt, in dem gefordert wird, dass auf der gesamten Länge der Hermannstraße so genannte Pop-up Radwege eingerichtet werden.

Radlerdemo für mehr Sicherheit.   Foto: bs

Mit Erfolg. Der Ausschuss für Verkehr, Tiefbau und Ordnung einigte sich in seiner Sitzung am 9. Dezember auf einen Kompromiss mit der Initiative. Danach soll mit dem Bau des ohnehin geplanten Radweges zwischen Glasower Straße und Hermannplatz noch in diesem Winter, sobald die Witterungsverhältnisse das zulassen, begonnen werden. »Ziel ist eine durchgängige gegebenenfalls provisorische Radinfrastruktur auf der Hermannstraße noch vor dem Winter 2021«, heißt es im Änderungsantrag. Ursprünglich war die Fertigstellung nicht vor 2022 in Aussicht gestellt worden. Radwege für die Hermannstraße weiterlesen

BVV für Solaranlagen

Atomwaffen weg, aber Laubbläser bleiben

Damit Neukölln seinen Teil zur Bewältigung der Klimakrise beisteuert, hat Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) am 3. Dezember mit der Stadtwerke-Geschäftsführerin Kerstin Busch einen Kooperationsvertrag über neun Solaranlagen auf den Dächern von Neuköllner Schulen unterzeichnet. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bezirksamtes hervor.

Strom für Neukölln. Foto: Bezirksamt

Sieben Anlagen werden bis Mitte 2021 auf Bestandsgebäuden installiert und vermeiden pro Jahr mit der Produktion von mehr als 262.000 Kilowattstunden den Ausstoß von fast 142 Tonnen CO2. Bis 2022 werden zwei weitere Anlagen auf den Neubauten der Sporthalle der Clay-Schule am Neudecker Weg in Rudow und des Zentrums für Sprache und Bewegung am Campus Efeuweg in Gropiusstadt installiert.

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Lolopfuhl in Not

Tonschicht soll den Pfuhl retten

Ab Januar 2021 werden garten- und landschaftsbauliche Maßnahmen am Naturdenkmal Lolopfuhl durchgeführt als Ausgleichsmaßnahmen für die Errichtung des Stadtquartiers auf den Buckower Feldern. Ziel ist, den Lolopfuhl als Feuchtbiotop zu stabilisieren und damit als Lebensraum für entsprechende Tier- und Pflanzenarten wiederherzustellen.
Der Lolopfuhl stellt als einer der letzten Feldpfuhle im Bezirk ein besonders wertvolles Biotop dar. Als ein in der Eiszeit entstandenes Gewässer in einem später landwirtschaftlich genutzten Umfeld ist er als Lebensraum prinzipiell ein Hotspot biologischer Vielfalt. So war er in der Vergangenheit Lebensstätte für viele Amphibien, darunter auch die mittlerweile selten gewordenen Knoblauchkröte.
Im Zuge der letzten sehr niederschlagsarmen Jahre ist der Lolopfuhl seit Längerem ganzjährig ausgetrocknet. In der Folge konnten sich Brombeergebüsche und Pappeln ausbreiten, die andere, auch seltene Pflanzen verdrängen. Um die Rückhaltung des Wassers zu verbessern, wird nun eine Tonschicht in den Pfuhl eingezogen. Zudem wird die bestehende Brunnenanlage generalüberholt, um die Wasserversorgung des Pfuhls in den nächsten Jahren sicherzustellen.

pr

Dialog statt Kälte

Stromsperrungen treffen arme Menschen

Die großen Energielieferer, das sind »Vattenfall« und »GASAG«, sperren bei säumigen Zahlern die Versorgung. Nicht nur über Weihnachten bleiben daher viele Haushalte im Kalten und Dunkeln, ohne Möglichkeit, warmes Essen zu kochen. Bereits nach vier Wochen Mahnfrist kann die Versorgung eingestellt werden. In Berlin blieben 2018 insgesamt 15.000 Menschen ohne Strom.
Die rot-rot-grüne Koalition hat im Abgeordnetenhaus zeitnah angeregt, dass auf Energiesperren weitgehend verzichtet werden sollte und einen »Runden Tisch Energie« vorgeschlagen. Daraus wurde bisher nichts. Nur das landeseigene Unternehmen »Berliner Stadtwerke« verzichtet auf Stromsperrungen und sucht den Dialog mit den überwiegend von Armut betroffenen Kunden.

th
berlinerstadtwerke.de/

Radeln statt Roden

Fahrraddemo für die Verkehrswende

Vor fünf Jahren wurde im Pariser Klimaabkommen beschlossen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und so die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.

Klingelnd in den Tunnel.         Foto: mr

Daran wollten die Demonstranten erinnern, die am 12. Dezember zu Hunderten über Berliner Autobahnen radelten. Teilabschnitte der A100 und der Avus waren dafür in beiden Richtungen gesperrt, weil es bei früheren Demonstrationen zu Auffahrunfällen gekommen war, da Autofahrer auf der Gegenrichtung die Demonstranten bestaunten.
Zu der Fahrraddemo aufgerufen hatte das Demobündnis für den Klimaschutz aus »Changing Cities«, »Ende Gelände« und weiteren Organisationen.
»Das ist die eigentliche Bestimmung der Autobahn«, sagte eine Radlerin, als der Pulk mit viel Geklingel am Britzer Damm auf die Autobahn fuhr.
Die Demo richtete sich auch gegen die rund 613 Millionen Euro teure Verlängerung der A100 nach Treptow und gegen den Ausbau der A49 in Hessen, für den der Dannenröder Forst auf einer Fläche von 27 Hektar gerodet wird. »Mit dem nicht-motorisierten, sicheren und ökologischen Verkehrsmittel der Zukunft, dem Fahrrad, radeln wir für die Lösung: Für ein lebenswertes Berlin, für eine echte Verkehrswende und für den Dannenröder Wald!« hieß es im Aufruf der Veranstalter.

mr

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus Neuköllner Zeitungen vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Auch in diesem Monat sind die Bibliotheken wieder geschlossen. Deshalb gibt es in dieser Ausgabe eine Sammlung von Artikeln aus dem vergangenen Jahr, die es aus Platzgründen nicht in die Zeitung geschafft haben.

Neuköllner Tageblatt, Donnerstag, 5. 2. 1920
Das Geheimzeichen der städtischen Pflanzen.
Um den immer mehr um sich greifenden Diebstählen an immergrünen Pflanzen entgegenzutreten, hat sich die städtische Parkverwaltung veranlaßt gesehen, die Blätter und Zweige dieser Pflanzen auf der Unterseite mit Farbstoff zu versehen. Die Handelsgärtner und Kranzbindereien werden vor Ankauf derartig gekennzeichneter Pflanzen dringend gewarnt.

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Austausch und Information im Kiez

Das »Britzer Eck« ist die dritte Nachbarschaftslitfaßsäule

Was sich anhört wie der Name einer Eckkneipe, ist eine Art Litfaßsäule, an der die Menschen im Kiez auf dem Weg zum Einkaufen oder beim Spaziergang Informationen und Kontakte für Hilfsangebote finden und sich austauschen können.

Andrang am »Britzer Eck«.    Foto: Stefanus Parmann

Das »Britzer Eck« an der Kreuzung Blaschkoallee/Ecke Britzer Damm ist das dritte seiner Art nach dem »Gropius-Eck« auf dem Ro­traut-Richter-Platz am südlichen Ausgang des U-Bahnhofs Wutzkyallee und dem »Donau-Eck« vor dem Quartiersbüro, Donaustraße 7.
Die dreieckigen Säulen sind aus Holz gezimmert. Eine Seite ist für Flyer, Plakate, Aushänge und Broschüren reserviert, auch aktuelle Informationen zu Corona und zu Tests sind hier zu finden. Auf der zweiten Seite gibt es überdachte Regale für Bücher und andere Gegenstände, und die dritte besteht aus einer Tafel, auf der mit Kreide Botschaften hinterlassen, Gesuche oder Angebote angepinntwerden können. Austausch und Information im Kiez weiterlesen

Kräuter wändeweise

Das »Grüne Café« macht es uns vor

Die Brüder und jungen Unternehmer Lukas und Sebastian Dehl bezeichnen sich selbst als »Stadtgärtner«. In ihrem Start-up »Britzer Kräuter« arbeiten sie beharrlich daran, möglichst überall in dieser Stadt platzsparend Nutzpflanzen anbauen zu können.

Hofladen im alten »Deutscher«.Foto: rr

Ein erster Schritt, nämlich ressourcen- wie umweltschonend und biologisch Kräuter, Salate und essbare Blüten, ganz nah am Kunden und auch noch citynah zu ziehen, ist getan. Seit zwei Jahren gedeihen in Britz, in den alten Gewächshäusern der ehemaligen Gärtnerei Deutscher an der Mohriner Allee und auf Freiflächen dahinter, schon solche Pflanzen.
Ihr Ziel, Pflanzen ohne Erde, auf wenig Grundfläche, dazu mit wenig Wasser und nur mit Sonnenlicht als Energiequelle heranzuziehen, ist bereits erreicht, aber sie tüfteln weiter an der Effizienz. So sind grüne, platzsparende Wände das Herzstück der Dehlschen Planungen. Ihre Kräuter sollten direkt beim Endverbraucher wachsen können. Für einige Berliner Gastronomen bestücken sie bereits solche Wände. Bis aber alle Barkeeper die Minze für den Cocktail vom hängenden Beet in der Bar ernten oder jeder Koch in oder an der Küche seine Kräuter pflückt, wird noch etwas Zeit vergehen. Kräuter wändeweise weiterlesen

Retten was zu retten ist

Money statt Oje für den Kneipier

2021 und die Viren und Wirren gehen weiter um und legen zunehmend Lungen, Sinne, Nerven und Lebensenergien eines mittlerweile nicht mehr unerheblichen Teils der Bevölkerung lahm. Und das, obwohl unzählige als potenzielle Infektionstreiber ausgemachte soziale und kulturelle Begegnungsstätten schon eine gefühlte Ewigkeit geschlossen sind. Abstands-, Masken- und Hygieneregelungen, Plexiglaswände, Frischluftgeräte – alle Bemühungen und Investitionen, auch die unserer Gastronomen, waren für die Katz.

Wir woll‘n hier wieder rein!Foto: hlb
Wir woll‘n hier wieder rein!            Foto: hlb

Versuch(t)en unsere Speiselokale und Imbisse noch durch ein Mitnehm­angebot einen Hauch Umsatz zu erwirtschaften, geht für Bars und Kneipen absehbar gar nichts. Notdürftige Staatsgelder sind gut gemeint, verhindern den Pleitetsunami und das Ende vieler unternehmerischer Existenzen allerdings nicht.
Wer ein wenig über hat und seine Lieblingslokale nicht ganz im Regen stehen lassen will, hat außer guten Worten und der hohen Kante (wo die Reserven für bessere Zeiten hingelegt werden) ein paar, wenn auch überschaubare, Unterstützungsmöglichkeiten. Retten was zu retten ist weiterlesen

Das »Büchernest« in Britz

Literatur in der Telefonzelle

Seit Mitte September des vergangenen Jahres steht in Britz an der Hannemannstraße das »Bücher­nest«, eine umgestaltete, ausrangierte Telefonzelle, gefüllt mit deutscher wie auch fremdsprachiger Belletristik und Kinderbüchern. Es war ein Anliegen zweier Kiezbewohner, dass dort jeder unkompliziert und kostenlos an Bücher kommt, eigene sinnvoll weitergeben oder auch nur tauschen kann.
Die Initiatoren Robert und Nina, zwei engagierte, literaturliebende Filmschaffende, realisierten ihr Projekt mit Unterstützung von hilfsbereiten Freunden und Bekannten und mit finanzieller Unterstützung des Bezirks­amts Neukölln, genauer gesagt von »FEIN« (Freiwilliges Engagement in der Nachbarschaft). Das »Büchernest« in Britz weiterlesen

Kiezgespräch

Übervolle Supermärkte und Böllertraumata

KuK: Welche Themen bewegen dich in deinem Kiez?
Greta: Die Supermärk­te platzen in der Weihnachtszeit schlimmer als je zuvor. Ich muss ja ehrlich ein bisschen schmunzeln, weil kann ja nur ein Witz sein, dass im Jahr von Corona Weihnachten dermaßen dämlich fällt, dass alle Leute für vier Tage gleichzeitig einkaufen müssen. Naja, dafür dürfen wir dann alle festlich fett werden im Lockdown. Normalerweise wäre ich so kurz vor den Feiertagen bei meinen Eltern in Brandenburg. Aber die sind alt und krank, das will ich dieses Jahr dann doch nicht verantworten. Und trotzdem fühle ich mich schlecht bei der Sache, weil die Beiden sich nicht mehr trauen einzukaufen. Normalerweise machen wir das zusammen und kochen dann auch gemeinsam an den Feiertagen. Meine Geschwister kaufen für die Beiden ein, aber »das Fest der Liebe« ist es dieses Jahr nicht. Was soll‘s, hoffentlich geht das nächstes Jahr wieder, und meine Eltern sind noch so lange da.
KuK: Gibt es noch ein Thema, das dich im Moment beschäftigt?
Greta: Eine tolle Sache finde ich persönlich, ist das Böller-, zumindest das Verkaufsverbot von dem ganzen Mist. Die Luft hier ist sowieso schon dick genug, warum müssen wir es uns noch stickiger machen mit dem ekligen Zeug? Das einzige, was man davon immer hat ist ein riesen Haufen Müll an Neujahr. Klang jetzt etwas missionarisch, eigentlich geht’s mir auch mehr um meine Katze, die an Silvester immer durchdreht, die Ärmste. Jeder Böller weniger in der Nacht ist eine Sekunde weniger Panik für alle Haustiere. Wäre ja mal eine schöne Veränderung, wenn unsere Tiere nicht völlig traumatisiert aus dieser Nacht kommen. Meine Mieze dankt dieses Jahr ausnahmsweise mal der Politik.

me
Greta, Ilsestraße

Basteln mit Rolf

Klammeressstäbchen

Essstäbchen haben ihre Tücken für nicht Geübte. Ihnen hilft vielleicht der Trick mit einem Schießgummi und etwas zwischen die Stäbchen geklemmtem Papier. Doch auch damit fällt das Ergriffene oft schnell wieder ab, sobald der Druck auf die Stäbchen nur leicht verringert wird. Mit »Klammeress­stäbchen« passiert das nicht.

Benötigt werden ein Paar Essstäbchen aus Plastik, denn die lassen sich später wieder gut reinigen und erneut verwenden, die Feder einer Wäscheklammer, ein spitzer Bleistift, eine Rundfeile, eine Flachfeile und wie immer: Lust zum Pfriemeln. Basteln mit Rolf weiterlesen

Petras Tagebuch

Paketenttäuschung

Ich hätte es besser wissen können, aber manchmal ist man eben etwas dumm.
Kurz vor Weihnachten fand ich in meinem Briefkasten eine Paketkarte mit der Information, bei einem Nachbarn ein Paket abholen zu können. Das habe ich getan und war voller Vorfreude. In meiner Freude und nicht frei von einer gewissen Neugierde habe ich nicht darauf geachtet, von wem das Paket stammte und öffnete es.
Vorbei war die Freude, als ich den Inhalt erkannte: Es war ein Paar Laufschuhe in Größe 46 und Laufhandschuhe in L. Des weiteren lag eine Rechnung in Höhe von 189 Euro bei.
Dann schaute ich mir das Paket genauer an. Die Adresse war korrekt, der Name auch, aber die Anrede war falsch. Ein Herr war angeschrieben.
Am nächsten Tag rief ich die Firma an. Wir verglichen die Daten. Das Geburtsdatum, die Email­adresse, die Telefonnummer und die Anrede waren falsch. Petras Tagebuch weiterlesen

Wunschbaum steht wieder im Rathaus

Sternenwünsche, die erfüllt werden wollen.    Foto: Stephanus Parmann

Hier gehen Kinderwünsche in Erfüllung

Im Neuköllner Rathaus können wieder Weihnachtswünsche erfüllt werden. Bezirksbürgermeister Martin Hikel schmückte gemeinsam mit Kindern den Wunschbaum im Foyer des Rathauses. Insgesamt wurden 100 Wünsche von Kindern zu Weihnachten aufgehängt, die nun von der Neuköllner Bevölkerung erfüllt werden können. Zum wiederholten Mal unterstützt der Verein »Schenk doch mal ein Lächeln« Kinder aus zahlreichen Einrichtungen im Bezirk, die ansonsten vielleicht keine Weihnachtsgeschenke erhalten. Bezirksbürgermeister Martin Hikel: »Es ist leider nicht in allen Neuköllner Familien eine Selbstverständlichkeit, dass zu Weihnachten Geschenke gemacht werden können. Auch wenn die Wünsche anonym erfüllt werden, bringt der Wunschbaum die Menschen aus unserem Bezirk zusammen. Das ist konkrete nachbarschaftliche Solidarität. Ich freue mich deshalb über rege Beteiligung auch in diesem Jahr.« Ab sofort können die Wünsche der Kinder vom Wunschbaum »gepflückt« werden. Auf den Weihnachtssternen stehen diese Wünsche, häufig sogar mit konkreten Artikelbezeichnungen. Die Geschenke können unverpackt bis zum 11. Dezember von Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr in den Zimmern A008 oder A015 im Rathaus abgegeben werden. Der Verein »Schenk doch mal ein Lächeln« verpackt dann die Geschenke und übergibt sie an die Kinder.

pm

Weihnachten im Coronazeitalter

Jetzt wissen wir alle, was wir schon lange befürchtet haben: Das Thema Corona wird uns alles noch lange begleiten. Auch zu Weihnachten.
Während sich viele Menschen mit den Coronaregeln abgefunden haben, andere immer noch das Virus leugnen, sieht die Sache zu Weihnachten noch mal ganz anders aus.
Fünf Personen aus zwei Haushalten plus Kinder dürfen sich an den Feiertagen treffen. Der Weihnachtsmann ist dabei ausgeschlossen. Für die Kinder mag dies ein kleines Drama sein, dürfte aber keine seelischen Schäden hinterlassen.Während die einen bereits jetzt unglücklich und verunsichert sind, könnte es sein, dass andere sich still und heimlich freuen. Ein Weihnachten ohne die buckelige Verwandtschaft, die versorgt werden will, könnte mancher Hausfrau gefallen. Auch die Tatsache, dass der Stress in diesem Jahr geringer ist, könnte häusliche Gewalt verringern. Und da das Einkaufen eh keinen Spaß mehr macht, wird Geld gespart.

Petra Roß

Widerstand gegen »Heimstaden«

Norwegischer Immobilien-Milliardär kauft in Berlin 3.900 Wohnungen

Es geht um nicht weniger als einen der größten Immobiliendeals in der jüngeren Geschichte Berlins: Die schwedische Immobilienfirma »Heimstaden AB« hat innerhalb der letzten Monate sage und schreibe 140 Häuser mit insgesamt fast 4.000 Wohnungen in Berlin für rund 830 Millionen Euro gekauft. Die Hälfte davon befindet sich in sogenannten Milieuschutzgebieten, also Wohngegenden, die von der Stadt aus sozialen Gründen als besonders schützenswert eingestuft worden sind.
Generell kann in Milieuschutzgebieten von den Bezirken das Vorkaufsrecht ausgeübt werden. Dadurch können selbst gewählte Käufer, beispielsweise städtische Wohnungsgesellschaften, eingesetzt werden.

Wohnungen ohne Spekulation.    Foto: pm

»Heimstaden AB« gehört zu größten Teilen dem norwegischen Investor Ivar Tollefsen, dessen Privatvermögen auf 2,9 Milliarden US- Dollar geschätzt wird. Tollefsen setzte dieses bereits in Tschechien, den Niederlanden und Skandinavien ein, um in unvorstellbaren Größenordnungen auf den dortigen Wohnungsmärkten zu investieren. Nachforschungen haben ergeben, dass zu seinem Immobilien-Imperium in ganz Europa an die 100.000 Wohnungen gehören. Widerstand gegen »Heimstaden« weiterlesen

Hermann von Wissmann macht Platz für Lucy Lameck

BVV beschließt Straßenumbenennung

Lange haben besonders die Grünen dafür gekämpft, jetzt hatten sie Erfolg. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 25. November beschlossen die Verordneten der Fraktionen Bündnis90/Grüne, Linke und SPD mehrheitlich, die Wissmannstraße in Lucy-Lameck-Straße umzubenennen. CDU, AfD und FDP stimmten gegen den Antrag.

Kein Schildbürgerstreich.       Foto: Stephanus Paarmann

Vorausgegangen war ein breiter Beteiligungsprozess, bei dem über 400 Vorschläge von Anwohnern und Interessierten eingegangen waren. Nachdem eine Jury Ende September drei Namensvorschläge ausgewählt hatte, votierte der Bildungsausschuss mehrheitlich für Lucy Lameck (1934-1993), die erste Frau im tansanischen Regierungskabinett. Sie war unter anderem stellvertretende Ministerin für Kommunalentwicklung und Gesundheit und gilt als eine der wichtigsten afrikanischen Vorkämpferinnen für die Rechte der Frauen im 20. Jahrhundert. Hermann von Wissmann macht Platz für Lucy Lameck weiterlesen

Umweltbildung, Gleichberechtigung und Geld für die Heide

Bezirksverordnetenversammlung unterstützt gute Initiativen

In der Gropiusstadt haben inzwischen viele der früheren Sozialwohnungen ihre Mietpreisbindung verloren. Die Mietpreise steigen. Damit die Bevölkerungsstruktur erhalten bleibt, soll jetzt auch die Gropiusstadt Milieuschutzgebiet werden. Das beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit großer Mehrheit am 11. November. Damit fällt nun ein großer Teil Neuköllns unter die »soziale Erhaltungsverordnung«. Umweltbildung, Gleichberechtigung und Geld für die Heide weiterlesen

Kollektivcafé kämpft um seinen Erhalt

»k-fetisch« noch immer vor ungewisser Zukunft

Hier an der Ecke Weser-/Wildenbruchstraße, wo sonst junge Erwachsene neben alteingesessenen Neuköllnern sitzen, ist die Gegend ohne das rege Treiben vor den Kneipen und Restaurants momentan kaum wiederzuerkennen. Auch das Kollektivcafé »k-fetisch«, welches sich ohne falsche Bescheidenheit als links-alternative Institution im Kiez bezeichnen darf, hat geschlossen.

See you soon.      Foto: mf

Das »k-fetisch« gibt es hier am Platz bereits seit mehr als acht Jahren und es veranstaltet neben dem allgemeinen Gastrobetrieb vielfältige Diskussionsrunden und Lesungen zu politischen Themen wie beispielsweise der Bedrohung durch Rechtsradikalismus oder Sexismus. Doch als gäbe es wegen Corona nicht schon genug Gründe, sich darüber Sorgen zu machen, wie es weitergeht, kämpft das Kollektiv bereits seit letztem Jahr dagegen an, aus dem Donaukiez verdrängt zu werden. Kollektivcafé kämpft um seinen Erhalt weiterlesen

Polizei im Fokus

Wenig praktische Fortschritte in der Aufklärung rechter Strafttaten

Die Aufklärung von rechten Straftaten, die sich besonders in Neukölln häufen, bleibt überwiegend auf der Ebene von starkem Tatverdacht und angeblich zu wenig dichten Beweisen stecken. Bereits im September letzten Jahres ergab eine Anfrage der jetzigen Fraktionsvorsitzenden der »Linken« Anne Helm und des Innenexperten Niklas Schrader eine lange Liste von erfassten Delikten, darunter zahlreiche Gewalttaten. Solche erschreckenden Tatsachen passen zu der interaktiven Grafik, die der »Tagesspiegel« mit »Zeit Online« erarbeitet hat, aus der hervorgeht, dass 187 Menschen in der Bundesrepublik seit 1990 von Rechtsextremisten getötet wurden.

Protest gegen Rechtsterror.Foto: mr

Im Herbst 2020 fragten Helm und Schrader erneut im Abgeordnetenhaus nach, da sie besorgt sind über immer mehr bekannt werdende vermutliche Straftaten oder disziplinarische Vergehen bei der Polizei. Demnach werden seit August 2019 rechte Vorkommnisse in der Polizei »systematisch erfasst«, und es sei zu 20 eingeleiteten Strafverfahren und fünf Disziplinarverfahren gekommen, wie der »Tagesspiegel« zusammenfasst. Polizei im Fokus weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus Neuköllner Zeitungen vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Neuköllnische Zeitung, Montag, 6.12.1920
Nur Kaffee-Einfuhr billiger Sorten. Mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage des Reiches soll künftig, wie der Kaffee-Einfuhrverein in Hamburg in Ergänzung der vor einigen Tagen veröffentlichten Notiz mitteilt, nur noch Konsumware von Kaffee eingeführt werden. Höhere Qualitäten zu Luxuspreisen sollen im Auslande zur Einfuhr nach Deutschland nicht mehr angekauft werden. Es dürfen künftig in der Regel Kaffeemengen, die mehr als etwa 3 Mark für das Pfund über dem jeweiligen Weltmarktpreis für prima Santos kosten, nicht eingeführt werden. Der Handel muß den Verhältnissen Rechnung tragen und Rücksicht üben. Keinesfalls darf die Einführung von Kaffeemengen vor Eingang des Einfuhrbewilligungsschreibens der Wirtschaftsstelle eingeleitet werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Körnerpark

Neue Bänke zur Entspannung

Es hat bestimmt zwei Jahre gedauert, bis die Bänke im Körnerpark erneuert wurden. Das Geschehen davor war ein Trauerspiel. Eine Bank nach der anderen verschwand, entweder wegen Vandalismus oder aus Altersschwäche. Zum Schluss gab es nur noch vier Stück.

Mit Blick in den Park.       Foto: mr

Da der Körnerpark unter Denkmalschutz steht, mussten die Bänke auch nach den Vorgaben des Denkmalschutzamtes hergestellt werden. Gut Ding braucht Weile, aber nun ist der ursprüngliche Bestand von 16 Bänken wieder hergestellt.
Die Neuköllner freuen sich und nehmen die Bänke gut an. Zu nahezu jeder Tageszeit bei entsprechendem Wetter sitzen Pärchen, Freunde oder Einzelpersonen auf ihnen und genießen die letzten Herbsttage des Jahres.
Es fällt den Besuchern leicht, sich an die Coronaregeln zu halten. Die Abstände passen, und so kann guten Gewissens gute Laune entstehen.

ro

Nachruf Waldemar Schwienbacher

Trauer um die Seele des »Schillers«

Waldi ganz lässig.    Foto: Felix Hungerbühler

Eines der besten zweiten Wohnzimmer und Partyzonen gab es bei Waldemar im »Schiller‘s«. Das ist nun nicht mehr, denn Waldemar, von seinen Gästen auch Waldi genannt, erlitt am 13. November einen Herzinfarkt und konnte nicht wiederbelebt werden.
Vor zehn Jahren wurde Waldemar Barkeeper des »Schillers«. Damals sah die Eckkneipe noch ganz schön rumpelig aus. Viele kleine Renovierungen und Verschönerungen machten das »Schiller‘s« zu einem Ort, der vieles war: Wohnzimmer, Billardsalon, Treffpunkt von Gruppen, das Zuhause von alleinlebenden Neuköllnern. Spät abends konnte es schon mal passieren, dass eine Party stattfand, die dann bis in die Morgenstunden dauerte. Unzählige Male wurde im Kiez die Frage gestellt »Gehen wir noch auf einen Absacker ins »Schiller‘s«?« Und schon wurden aus einem Absacker auch zwei und mehr. Nachruf Waldemar Schwienbacher weiterlesen

Jonathan Overfeld (1951-2020) ist tot

Ein Nachruf von Anna Simon

Was? Jonathan ist nicht mehr da? »Der große Blonde mit dem losen Maul«, wie er sich selbst gern nannte, und den die meisten, die im Schillerkiez unterwegs sind, zumindest vom Sehen kannten, ist gestorben. An seinem letzten Tag vor dem Krankenhaus war er noch unterwegs bei einer Veranstaltung, die mit einigen Ständen auf der Herrfurthstraße dieselbe »zurückerobern« wollte. Er hatte sich gefragt, wer wohl da was »zurück« bekommen wolle. Und warum »erobern«? »Was sind denn das für Leute?«, fragte er, als er die Gesichter hinter den Ständen sah. Er kannte keines, obwohl er schon so lang hier lebte.
Dann ging alles sehr schnell. Wie vom Blitz getroffen hörte er auf dem Herrfurthplatz zwar noch, dass man zu ihm sprach, verstand aber die Worte nicht mehr. Notruf, Stroke-Einsatz-Mobil der Feuerwehr, erste beste Hilfe. Eine Woche kämpften die Ärzte um sein Leben. Dann ließen sie ihn gehen. Jonathan Overfeld (1951-2020) ist tot weiterlesen

Ideen fürs Urban Gardening auf dem heimischen Balkon

Kaffee, gesunde Kost und Saatkultur in der »Pomeranze«

Die aktuelle Pandemie brachte Katharina und Melanie auf eine zusätzliche Geschäftsidee. Die »grüne Kaffeebar Pomeranze«, bekannt für ihr Angebot an nachhaltig produzierten Lebensmitteln aus regionaler Produktion, betreibt einen übersichtlichen Shop mit Angeboten insbesondere für den Gebrauch im Urban Gardening sowie für möglichst naturnahe Erlebnisse mit Kindern, die in der Stadt aufwachsen. In der Herbst- und Winterzeit, die zum kuscheligen »Einigeln« einlädt, gibt es zudem warme Decken aus Schurwolle.

Katharina und Melanie.       Foto: pr

Leider ist derzeit durch die strengen Coronaauflagen der Shop hauptsächlich im Internet zu erleben und im Schaufenster zu sehen, doch bereits so entsteht eine beinahe haptische Wirkung, und persönliche Beratungsgespräche, bei denen in Ruhe ausgewählt werden kann, sind weiterhin möglich. Ideen fürs Urban Gardening auf dem heimischen Balkon weiterlesen

Alles Taco bei den Quecas!

Die Vielfalt mexikanischer Tortillas im Reuterkiez

Wie schon in der Pflügerstraße, wo sich das »Mucha Muchacha« mit Mezcal und traditioneller mexikanischer Küche ganz ohne Texmex-Klischees und TK-Convenience etabliert hat, setzt seit September auch in der Reuterstraße ein kleines Lokal lust- und kenntnisvoll auf die originalen Gaumenfreuden des einstigen Maya- und Aztekenreichs.

QUICKYS zum Mitnehmen.           Foto: hlb

Amerika- und Mexiko-Kenner Boris Gilsdorff, der auch schon Dokus über die Verdrängung des Straßenhandels in Mexiko-Stadt drehte, und sein Team haben sich der Vielseitigkeit der – hier aus Bio­mais handgemachten! – Tortillas und generell authentischer mexikanischer Gerichte aus selbstgemachten frischen Zutaten verschrieben. Der Name »Madre Tortilla«, den ihr beliebter Streetfood-Stand und kurzlebiger 2019er Kreuzberger Pop-up-Imbiss trug, wich für die Kreuzköllner Niederlassung dem schlüpfrigen »Oh La Queca«. Alles Taco bei den Quecas! weiterlesen

Antikapitalistisch einkaufen

»Robin Hood« eröffnet Filiale in Neukölln

Durch Leistungsgerechtigkeit, Nachhaltigkeit und soziale Fairness die ersten Schritte auf einem Weg zu einem Wirtschaftssystem zu machen, das langfristig eine antikapitalistische Produktion ermöglicht, das ist die Idee, die hinter dem »RobinHoodStore« steht. 100 Prozent der Gewinne werden an gemeinnützige Organisationen gespendet und damit eines der Grundprinzipien des Kapitalismus, die Gewinnmaximierung, ausgehebelt.

Prima leben und spenden.    Foto: mr

Angefangen hat alles mit einem Bioladen und einem Online-Shop, den ein Team von Studenten in ihrem Wohnprojekt in Eberswalde aufbauten. Der erste Schritt nach Berlin war dann im vergangenen Jahr ein Stand auf dem Schillermarkt am Herrfurthplatz. Ein Grund für diese Entscheidung war, dass viele Fördermitglieder aus Neukölln kamen. Seit dem 21. November hat der »RobinHoodStore« nun auch einen Laden in der Altenbraker Straße 15. Antikapitalistisch einkaufen weiterlesen

Neues Lernen in neuen Zeiten

Digitale Weiterbildung im »FrauenComputerZentrumBerlin e.V.«

Ehemalige Teilnehmerin einer Fortbildung.    Foto: Steffi Rose

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, am digitalen Leben teilnehmen zu können. Insbesondere Menschen, die kaum oder gar nicht online sind, verlieren schnell den Anschluss an aktuelle Entwicklungen – gerade auch beruflich. Das betrifft vor allem Frauen, die nach einer längeren Pause beruflich wieder einsteigen wollen. Dafür brauchen sie aktuelle Office- und Internet-Kenntnisse. Und die können sie im »FrauenComputerZentrumBerlin e.V.« (FCZB) erwerben.
Aktuell gibt es Angebote, die sich an Einsteigerinnen richten, die bislang nur wenige oder veraltete Computerkenntnisse haben.
Wer sofort einsteigen will und einen Bildungsgutschein der Arbeitsagentur oder des Jobcenters bekommen kann, hat ab 8.12.2020 in der Fortbildung »Fit für den Beruf-Office und Internet« die Möglichkeit dazu. Auch ein späterer Einstieg ist möglich. Neues Lernen in neuen Zeiten weiterlesen

Augen auf beim Maskenkauf

Große Preis- und Qualitätsunterschiede

»Per ordre de Mufti« kam unsere weitreichende, aber nicht überall gleiche Maskenpflicht. Die Pandemie offenbarte: Deutschland kann nicht ausreichend Masken selbst produzieren. Kurzerhand lockerte die Politik die strengen Prüfregeln und unkontrolliert strömten Milliarden Masken, geprüft gute wie auch untaugliche, ins Land.

Die Qual der Maskenwahl.        Foto: rr   

Die Tragepflicht erfüllt, wer Mund und Nase bedeckt. Dabei können einfache Stoffmasken, Tücher oder gekaufte OP-Masken nur andere bei Abstand etwas schützen, den Träger selbst hingegen nicht. Schutzmasken vom Typ FFP2 oder 3, die Viren ausfiltern, können eine Ansteckung verhindern. Augen auf beim Maskenkauf weiterlesen

Saubere Steine

Sozial verantwortliche Natursteinbeschaffung

Ob eine Mauer im Stadtbild, das neue Gerät auf dem Spielplatz oder die Fassade eines Schulneubaus: Bei Bauten in öffentlicher Hand werden oft Natursteine verbaut. Selten wird aber die Frage gestellt, wo diese Steine herkommen und unter welchen Bedingungen sie abgebaut wurden.
Mit dieser Frage haben sich die Bezirke Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg in drei Pilotprojekten befasst.
Die beiden Bezirke haben in den Ausschreibungen Natursteine aus sozial verantwortlichem Bezug beschafft. In Neukölln wurden 100 Kubikmeter Steine aus Polen für die Gestaltung einer Spielmauer im Hort Wutzkyallee beschafft. In Kreuzberg wurden am Mehringplatz und am Fraenkelufer fair beschaffte Natursteine verbaut. In einer nun veröffentlichen Dokumentation zeigen die Pilotbezirke auf, wie eine sozial verantwortliche Beschaffung rechtlich möglich ist und was öffentliche Bauträger dabei beachten sollten. Saubere Steine weiterlesen

Über Busenbürsten und andere Kalamitäten

Kapielskis Kotmörtel

Frowalt Heimwée Irrgang Hiffenmarkt ist ein etwas sonderbarer Mensch. Ein begnügsamer, an sich zufriedener, fantasievoller und gebildeter Mann, Familienvater und von Beruf Vertreter für Sanitärbürsten. Getrieben wie beseelt ist er vom ständigen Drang seiner Einfälle und Erkenntnisse und davon, diese auf Bahnhofsvorplätzen zu referieren oder in einem Geheimrefugium niederzuschreiben und zu archivieren. Als er am Schweinfurter Bahnhof von einer hübschen Frau zwei Geschenkpakete annimmt, um sie in seiner Heimatstadt Grollstadt-Sauger zu überbringen, was scheitert, landet er für Monate im heimischen Knast. Warum genau – das erfahren Leser und Leserin, wenn überhaupt … Aber will wollen nicht »spoilern«. Über Busenbürsten und andere Kalamitäten weiterlesen

Kiezgespräch

Zwischen Autos und Gebeten

KuK: Was bewegt dich im Kiez?
Said: Im Kiez gerade nicht viel, mein Kopf ist mit anderen Dingen beschäftigt. Mein Vater ist vor zwei Wochen gestorben, in Syrien. Er hat dort ein Grundstück, um das ich mich kümmern soll, aber im Moment ist es sehr schwierig, dort hinzukommen. Die Situation mit der Pandemie blockiert da vieles, aber eigentlich sind sowieso andere Dinge erstmal wichtiger, zum Beispiel, meinen Vater zu beerdigen. Meine ganze Familie ist in Syrien, ich bin als Einziger hier. Ich war nie religiös, aber seit dem Tod meines Vaters bete ich jeden Tag. Für ihn, für meine Familie. Ich bete gleich nebenan, in der Şehitlik-Moschee. Vor dem Gebet gehe ich immer noch hier auf das Tempelhofer Feld und mache Sport. Also gibt es doch etwas im Kiez, das mich bewegt. Kiezgespräch weiterlesen

Basteln mit Rolf

Plissee-Engel

Engel gibt es in vielen Religionen. Für den Engel-Anhänger brauchen wir ein recht­eckiges Blatt (Schmuck)-Papier, ein Lineal, einen Stift, eventuell ein Falzbein, eine Schere, etwas dünne Schnur, eine gelochte (Holz)-Perle und natürlich Lust zum Pfrie­meln.
Mein Engel entstand aus einem weißen DIN A4 Blatt. Mit dem Lineal zog ich parallel zur langen Seite Linien im Abstand von 1,5 cm, was eine gleichmäßige Plisseefaltung erleichtert. Mutige falzen freihändig, und bei dickerem Papier hilft ein Falzbein. Ein Drittel des Plissees wird mittig geteilt, zur Seite hin umgeschlagen und dort seitlich angeklebt. Nun fehlt nur noch eine Hängeschnur und als Kopf eine Holzperle. KuK wünscht allen: Bleibt negativ! Frohe Weihnacht und einen guten Rutsch.

Zwischen Stillstand und Aufbruch

Beim »SV Tasmania« ist einiges in Bewegung gekommen

Ganze 15 Pflichtspiele absolvierte die »1.  Herren« des »SV Tasmania« im Jahr 2020. Keine Frage: Für Verantwortliche, Spieler und Fans der Neuköllner war das rein quantitativ viel zu wenig Kick – doch da ging es den Blau-Weiß-Roten natürlich wie allen anderen Vereinen im Amateurfußball. Zweimal sorgte die Entwicklung der Coronapandemie für Unterbrechungen – aus der ersten im März wurde dann sogar ein Abbruch der Saison 2019/20. Zu diesem Zeitpunkt stand Tasmania als Neuling jenseits von Gut und Böse auf dem 10. Platz, der Aufwärtstrend seit Beginn des zweiten Halbjahrs im Februar war jedoch unverkennbar.

Aufstieg in 2021. Foto: Hagen Nickelé

Sieben Punkte aus drei Begegnungen – auch die Folge eines Umbruchs zum Jahreswechsel: Detlef Wilde, Vorsitzender seit über 20 Jahren und bereits jenseits der 70, gab die Geschicke des Vereins weiter. Der designierte Nachfolger Almir Numic spuckte sogleich in die Hände, Zwischen Stillstand und Aufbruch weiterlesen

Zehn Jahre und keine Feier

Wir sind und bleiben hier für Sie und euch.     Foto: Mario Landsmann

Die Kiez und Kneipe jubiliert im Stillen

Vor zehn Jahren fing alles an. In Neukölln fuhren Immobilienmakler mit Wohnungssuchenden noch durch den Bezirk. Die konnten sich die Wohnung noch aussuchen. Auf dem Tempelhofer Feld war erst seit zwei Jahren der Flugverkehr eingestellt worden. Die Sanierungsarbeiten in der Karl-Marx-Straße begannen. Der Bürgermeister hieß noch Heinz Buschkowsky, der versuchte an dem Bezirk zu retten, was noch zu retten war. Es roch schon überall nach Veränderung.
Die Idee, eine Lokalzeitung zu gründen, wurde geboren. Eine kleine Gruppe von Neuköllnern, die in der Kiez und Kneipe Kreuzberger Ausgabe gelernt und gearbeitet haben, wollte ihre eigene Zeitung machen. Als kleine Schwester der Kiez und Kneipe Kreuzberg startete sie zu viert im November 2010 mit 16 Seiten und einer Auflage von 1.200 Exemplaren. Zehn Jahre und keine Feier weiterlesen