Alle Beiträge von admin

Neue Radwege für Neukölln

Geschützter unterwegs.                                                                                                                                     Foto: mr

Schutzstreifen und Poller sollen Radeln sicherer machen

Ein grasgrün eingefärbter, von Pollern geschützter Radweg ermöglicht seit Mitte April sicheres Radfahren entlang der Hasenheide. Er ist einen Kilometer lang und reicht vom Südstern bis zur Wissmannstraße am Hermannplatz; die Breite zwischen Poller und Bordstein beträgt etwa 2,30 Meter.
Am 15. April haben auf der Karl-Marx-Straße vom Hermannplatz bis zur Reuterstraße die Bauarbeiten für einen weiteren 300 Meter langen und 2,60 Meter breiten geschützten Radstreifen begonnen. Auch hier werden Poller zwischen Radweg und Fahrbahn verhindern, dass Kraftfahrzeuge die Radspur überfahren und Falschparker diese Spur zum Parken nutzen. In diesem Abschnitt entfallen die Park- und Lieferbereiche. Diese Maßnahme ist – wie auch in anderen Bezirken Berlins – als Pilotprojekt angelegt.
In Fahrtrichtung stadt­einwärts wird zwischen Weichselstraße und Hermannplatz ein klassischer Fahrradstreifen angelegt. Wegen der hohen Anzahl von Grundstückszufahrten wird hier bewusst auf Poller und Schutzstreifen verzichtet.
Ein anderer Radweg wurde am 16. April bei einer zweistündigen öffentlichen Informationsveranstaltung mit rund 150 Teilnehmern von Bezirksbürgermeister Martin Hikel gemeinsam mit seiner Kreuzberger Amtskollegin Monika Herrmann und Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese im »Heimathafen Neukölln« vorgestellt und diskutiert. Es handelt sich um die sogenannte »Y-Trasse«, die als eine von elf geplanten Radschnellwegen in Berlin eine durchgehende Verbindung von Adlershof bis zum Görlitzer Park und zur Hasenheide bieten soll. Auf rund 17 Kilometern erhalten Radfahrer und Fußgänger dann Vorrang vor anderen Fortbewegungsmitteln. Neue Radwege für Neukölln weiterlesen

Europawahl

Beim Referendum im Britischen Königreich wurde der Brexit gewählt. Die Generation 50+ hatte an dieser Wahl eine sehr hohe Beteiligung für den EU-Austritt, die jungen Menschen sind zuhause geblieben. Für sie waren die Freiheiten, die Europa ewrmöglicht, zur Selbstverständlichkeit geworden. Kein Krieg, das Auslandsstudium, keine Grenzkontrollen, keine Zölle. Das sind keine Selbstverständlichkeiten. Die Älteren unter uns wissen das. Es geht bei der Europawahl auch darum, das zu verteidigen, was bereits errungen wurde und was die EU-Gegner gern verheimlichen.Hoffentlich hat der Brexit die Wahlberechtigen in Europa so aufgerüttelt, dass sie die Notwendigkeit zur Wahl zu gehen erkannt haben.

Petra Roß

Ein unbequemes Drogenresümee

»9 Tage wach« in der Neuköllner Oper

Heute Star der deutschen Fernsehlandschaft, offenbart Eric Stehfest in seinem autobiographischen Werk »9 Tage wach« eine Vergangenheit voller Drogen, Verwirrung und Abstürzen.

Rausch im Rauch.                                                                                                                     Foto: Matthias Heyde

Aufgewachsen im Dresdener Umland mit einer Faszination für das Leben in der Stadt, macht der jugendliche Eric schon früh Erfahrungen mit Subkulturen. Er raucht Gras, experimentiert mit chemischen Drogen und findet seine vermeintliche Erlösung – Crystal Meth. Ein chaotischer Komplex aus Intrigen und der Abtreibung seines Kindes nimmt seinen Lauf. Das Chaos kulminiert, als Eric allein in seiner Wohnung durch den Einfluss von Crystal Meth neun Tage wach ist und sich in Wahnvorstellungen verliert. Ein unbequemes Drogenresümee weiterlesen

BVV – endlich mal entscheidungsfreudig

Über Soldaten, Tempohomes und Nachhaltigkeit

Die Berliner SPD hat auf ihrem Landesparteitag im März einen Antrag für ein Werbeverbot der Bundeswehr an Schulen beschlossen.
Dem will sich die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) jedoch nicht anschließen. In einer Entschließung bekannte sie sich in ihrer Sitzung am 10. April mit großer Mehrheit zur »Bundeswehr als demokratische Parlamentsarmee und deren verfassungsgemäßem Auftrag«. Initiiert hatte den Antrag die FDP, die das Bezirks­amt auffordern wollte, bei den weiterführenden Schulen im Bezirk für die Nutzung der Informationsangebote der Jugendoffiziere der Bundeswehr im Rahmen des Politikunterrichts zu werben. »Die Bundeswehr gehört an die Schulen, um über ihre Arbeit zu informieren«, sagte Roland Leppek (FDP).
Abgestimmt wurde schließlich über einen Änderungsantrag der SPD, nach dem die Entscheidung den Schulen überlassen bleibt. Einzig die Linke stimmte gegen den Antrag. »Mit militärischen Einsätzen wird das Elend in der Welt nicht besser«, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Thomas Licher. »Wir stimmen gegen jede Entschließung, die junge Menschen zum Dienst an der Waffe verführt.«
Einstimmig angenommen wurde dagegen die Entschließung, in der die Schändung der Grabstätten zweier Polizisten auf dem Neuköllner Parkfriedhof verurteilt wurde.

Mit der Tonne in der Sonne.                                                                                                  Foto: Kampagnenbild

Ebenfalls einstimmig wurde beschlossen, dass das Bezirksamt überprüfen soll, ob mit der Kampagne »Schön wie wir« nachhaltige Erfolge erzielt werden konnten. BVV – endlich mal entscheidungsfreudig weiterlesen

Nur zusammen sind wir stark

Europas Zukunft in der Diskussion

Gemischtes Doppel.                                                                                                                                             Foto: mr

Junge Menschen handeln und fordern nicht nur. Kristin Puschmann und Kerstin Mohr von »Polis180« engagieren sich ehrenamtlich im »Grassroots-Thinktank für Außen- und Europapolitik«, in dem Menschen verschiedener Hintergründe daran arbeiten, die deutsche und europäische Außenpolitik moderner, sozialer und nachhaltiger zu gestalten. »Polis180« hat dafür Bildungsmaterialen entwickelt, die Schulen, insbesondere auch Berufsschulen, zur Verfügung gestellt werden. Sie erhoffen sich von Informationen an die Jungen in der Gesellschaft ein größeres Wissen über Europa und die Bereitschaft, zur Europawahl zu gehen. Der Schrecken über den Brexit, als bei dem Referendum insbesondere junge Menschen nicht zur Wahl gingen, sitzt tief und sollte sich nicht wiederholen.
Am 3. April stellten sie in der Braustube auf dem Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei ihre Arbeit vor und diskutierten mit interessierten Bürgern über das Thema »Europas Zukunft im Blick – Für ein soziales und demokratisches Europa«. Eingeladen hatte sie Fritz Felgentreu, Neuköllner Bundestags­abgeordneter der SPD. Mit dabei: Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Nur zusammen sind wir stark weiterlesen

Europa wählt sein Parlament

Wie die EU funktioniert

Alle fünf Jahre wählen die Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten der EU ihre Abgeordneten und entscheiden damit über die Zusammensetzung des Parlaments, das für die europäische Gesetzgebung zuständig ist. Damit ist das Europäische Parlament nicht nur das einzige direkt gewählte Organ der Europäischen Union, sondern die einzige direkt gewählte übernationale Institution weltweit. Vom 23. bis 26. Mai wird es neu gewählt; in Deutschland findet die Wahl am 26. Mai statt.
Digitalisierung, Verbraucherschutz, die Regulierung des Binnenmarkts, die Zukunft der Asyl- und Migrationspolitik, die Energie- und Klimapolitik, Verkehr, Landwirtschaft, fast alle europäischen Richtlinien und Verordnungen, die den Alltag prägen, müssen vom Europaparlament beschlossen werden. Die Gesetzgebungsfunktion teilt es sich mit dem »Rat der Europäischen Union« – der Länderkammer, in der die Regierungen der Mitgliedsländer vertreten sind. Europa wählt sein Parlament weiterlesen

Halb und Halb in der Innstraße

Durcheinander beim Berliner Fahrradroutennetz

Die aktuellen Maßnahmen zur Förderung des Fahrradverkehrs sind aus ökologischer Sicht sehr zu begrüßen. Neue Radfernstraßen, Asphaltierungen von Nebenstraßen, neue Radfahrstreifen an Hauptverkehrsadern machen es Radfahrern leichter. Es gibt ihnen mehr Sicherheit und erlaubt eine effektive Bewältigung auch gro­ßer Distanzen. Vielleicht steigen Autofahrer auf das Rad um, zum Nutzen ihrer Gesundheit und zur Reinhaltung der Berliner Luft.
Jedoch, wie immer läuft nicht alles rund. Neu asphaltierte Nebenstraßen ziehen neben Radfah­rern auch schleichwegsuchende Autofahrer an. Fahrradstreifen werden, wie in der mit viel Liebe frisch sanierten Karl-Marx-Straße, von Lieferverkehr und Kurzparkern zugestellt.

Es kommt immer auf die Richtung an.                                                                                                        Foto: wu

Mutige Radfahrer reihen sich wie ehedem in die Blechlawine ein. Unsichere Kantonisten weichen auf den Bürgersteig aus und schieben. Das ist auch gesund und schont das Fahrrad. Halb und Halb in der Innstraße weiterlesen

Bürgerbeteiligung mit Hindernissen

Unzufriedenheit im Beteiligungsgremium Sonnenallee

Die Bürgerbeteiligung im Bereich Sonnenallee/Weigandufer erzeugt zunehmend Unmut. Eigentlich sollen Bürger zu Planungsvorhaben des Bezirks ihre Meinung kundtun und eigene Vorschläge machen. Dafür müssen sie vorher ausreichend informiert werden. Zu diesem Zweck gibt es Gremien der Bürgerbeteiligung, in die betroffene Bürger Teilnehmer hineinwählen können, die dann mit der durchführenden Behörde zusammenarbeiten sollen. Die Vorschläge der Bürger können in die Planung übernommen werden. Ein Recht darauf gibt es aber nicht, denn allein die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist demokratisch legitimiert, für alle Bürger Entscheidungen zu treffen.

Weigandufer platt gemacht.                                                                                                                           Foto: wu

Für die derzeitige Sanierung hat die ausführende Behörde, das Bezirks­amt von Neukölln, die Planungs- und Durchführungsarbeiten ebenso wie die Öffentlichkeitsarbeit an Privatfirmen vergeben. Die Koordination macht die »Brandenburger Sanierungsgesellschaft mbH« (BSG), eine Fima, mit der Neukölln schon bei anderen Vorhaben zusammenarbeitete und mit der wohl das Bezirksamt, aber nicht unbedingt die Bürger, gute Erfahrungen gemacht hat. Bürgerbeteiligung mit Hindernissen weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 99 – Sonnabend, 3. Mai 1919
Tempelhof gegen den Flughafen auf dem Tempelhofer Feld. Die Tempelhofer Gemeindevertretung beschäftigte sich mit einem Dringlichkeitsantrag des Schöffen Jung, den Gemeindevorstand zu ersuchen, mit allen Kräften und Mitteln der geplanten Anlegung eines Flughafens für den Postdienst auf dem östlichen Teile des Tempelhofer Feldes energisch entgegenzutreten. Bürgermeister Wiesener vertrat den Standpunkt, daß ein großer Flughafen auf dem Tempelhofer Felde nicht angebracht sei. Der östlich der Tempelhofer Chaussee gelegene Teil des Feldes müsse den Großberlinern als Erholungsstätte erhalten bleiben, sei es in Gestalt eines größeren Volksparkes oder als Spielplätze in großem Maßstabe. Wenn auf dem Tempelhofer Felde Schuppen, Reparaturwerkstätten und Benzinstationen errichtet würden, könne das Wohnen in Tempelhof sicherlich keine reine Freude mehr sein. Der Anlegung eines Hafens könne man daher nur mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Er sei dankbar für die Anregung und werde dem Antrage gemäß vorgehen und die Angelegenheit im Verband Groß=Berlin zur Sprache bringen, der sicherlich auch das größte Interesse daran haben werde, daß Feld für genügend große und freie Erholungsplätze vorzubehalten. Die Gemeindevertretung stimmte hierauf einstimmig dem Dringlichkeitsantrage zu. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Ein Herz für den Schillerkiez

Beate Hauke – Gründerin des neuen Schillermarktes am Herrfurthplatz

Auf ihrem Markt.                                                                                                                                                    Foto: th

Der Schillermarkt rund um die Genezarethkirche wird im Mai zehn Jahre alt. Ins Leben gerufen hat ihn Beate Hauke, eine Hauseigentümerin in der Okerstraße, die in Neukölln dafür bekannt ist, sich sozial für das Zusammenleben im Kiez zu engagieren, und das schon seit langem. »Wir hatten hier lange einen Markt, der sich über die Schillerpromenade zog. Er war einst der größte in Berlin. Der musste wieder her.« Die Vereinsmitglieder vom »Pro Schillerkiez e. V.« schrieben ein Konzept, reichten es bei einem Wettbewerb ein und erhielten einen Preis. Es wurden Kontakte zu Behörden aufgenommen, Marktleiter und -Händler gesucht, sehr viel Vorbereitungsarbeit also. »Ich wollte einen Markt, auf dem gute Lebensmittel angeboten werden, der gleichzeitig als unterhaltsamer Treffpunkt für die Anwohner dient. Rund um die Genezarethkirche haben wir doch einen richtigen Dorfplatz.« Das ist ihr gelungen. Ein Herz für den Schillerkiez weiterlesen

Pommes für den Europaspielplatz

Alles neu: Bistro, Toiletten und ein Baum

Was lange der große Wunsch von Eltern und Kindern war, wird nun endlich wahr: Der Europaspielplatz im Park am Buschkrug erhält ein Bistro und öffentliche Toiletten.

Neuer Baum vor Eistüte.                                                                                                                                     Foto: fh

Seit 2015 gibt es auf dem größten Spielplatz in Neukölln – immerhin acht Hektar groß – ein Angebot für die Kleinsten bis zu den Jugendlichen. Vom Buddelkasten über einen Wasserbereich bis hin zu Sportfeldern und Geräten ist der Spielplatz ein ausgesprochen beliebter Ort. Außerdem ist er gut mit der U7 zu erreichen. Nur wenige Gehminuten vom U-Bahnhof Blaschkoallee entfernt können sich auf dem gepflegten Gelände Kinder ausprobieren.
Nun ist das Glück perfekt. Mit Patric Jeschke hat der Bezirk einen erfahrenen Betreiber für das Bistro gefunden. Pommes für den Europaspielplatz weiterlesen

Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur«

Abwechslungsreiche Arbeiten für beeinträchtigte Menschen

Das ehemalige »AWO Café« in der Erkstraße 1 hat seit September letzten Jahres mit der »FSD Lwerk Berlin Brandenburg gGmbH« einen neuen Betreiber gefunden. Unter der Projektleitung von Diana Mertins finden beeinträchtigte Mitarbeiter im Restaurant »Lwerks…cultur« eine spannende Arbeitswelt im Bereich der Gastronomie mit der Devise: saisonal, frisch und lecker. Als Träger des Standorts fungieren »Lwerk« und AWO.

Kerzen für die Deko .                                                                                                                                            Foto: pr

1986 als »Lankwitzer Werkstätten für behinderte Menschen« gegründet, umfasst das »Lwerk« heute ein Netzwerk aus 30 Standorten mit mittlerweile über 1.000 Mitarbeitern, die in verschiedenen Bereichen auf die Angebote des Unternehmens zurückgreifen. Die ursprüngliche Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke Menschen zeichnet sich heute durch ein differenziertes Dienstleistungsportfolio aus. So bietet das »Lwerk« heute die Eingliederung in Werkstätten für behinderte Menschen, Orientierungspraktika, die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt, Ausbildungsplätze und Fördermöglichkeiten. Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur« weiterlesen

Kleine Teller, straight forward

Britische Unkompliziertheit im »Barra«

Nicht wenige »Foodies« haben dem »Industry Standard« in der Sonnenallee mit seinem zeitgeistigen, trendsettenden Küchen- und Raumkonzept – große, wuselige offene Küche mit kleiner Bar davor – und seinen ungewöhnlichen Gerichten ein Tränchen nachgeweint.
Seit letztem November gibt es guten Ersatz: Daniel Remers, einst Küchenchef im »Standard«, hat mit Koch-Partner Neil Paterson im Schillerkiez das »Barra« eröffnet, ein »Nachbarschaftsrestaurant«, das nach dem inzwischen weit verbreiteten und durchaus geselligen Sharing-Prinzip kleine Gerichte zum untereinander Teilen serviert.

LINKS das Kitchen, rechts die Sharer.                                                                                                         Foto: hlb

Es braucht also schon einige Teller (und das entsprechende Kleingeld dazu), um mit mehreren Gästen satt zu werden …Da die Macher britische Expats sind, geht ok, dass die Hauptsprache im »Barra« englisch ist. Die Gäste sitzen im mit schottischem Holz schlicht gestalteten Essbereich eng beieinander – es gibt noch einen hinteren Raum mit langer Tafel für größere Gruppen oder Tastings. Indiemusik schallt nicht zu verhalten, die Atmosphäre ist locker, wenn auch mit einem Hauch Ehrfurcht vor dem Servierten. Kleine Teller, straight forward weiterlesen

»Salonlöwin« Verena Conrad

Von Kapitänen und besonderen Stoffen

60er-Schick.                      Foto: Verena Conrad

Es ist ein bisschen wie das Hineingehen in eine andere Welt – eine Zeitreise. Alte und neue Stoffe aus aller Welt, Stickereien und die vielen Kapitänsmützen. Der Laden »Salonlöwin« von Verena Conrad lädt zum Stöbern und Verweilen ein – es lassen sich Kleider, Röcke, Hosen und Blusen aus den 20er bis 90er Jahren finden.
Verena wuchs in Hamburg auf, studierte dort Mode/Textil/Kostümdesign und lebt seit 13 Jahren in Berlin. Sie hat lange als Stylistin unter anderem für Werbeagenturen gearbeitet. Doch die Werbeleute und das Geld haben sie nicht glücklich gemacht, sie war schon immer selbstständig und entwickelte vor einigen Jahren ihr ganz eigenes Konzept. Dies bewegt sich zwischen dem Verkauf und Verleih von ausgewählten Vintage- und ihren eigenen Kollektionsteilen. »Salonlöwin« Verena Conrad weiterlesen

Ilse und Thea

Zwei muntere Damen erzählen aus ihrem Leben

Sie gehen im Schillerkiez spazieren, einkaufen und kehren in Cafés und bei Waldemar im »Schillers« ein: Ilse und Thea, zwei agile Witwen, über achtzig Jahre alt. Auffällig ist schon ihre bunte, durchaus elegante Kleidung, vor allem die Kopfbedeckungen. Ilse trägt Baskenmützen in verschiedenen Farben, Thea selbst gehäkelte Mützen in Blautönen. Sie machen sich den Lebens­abend so angenehm wie möglich. Ihre Lebensgeschichten lassen sich nur im Zeitraffer zusammen fassen.

Schicke Hüte auf pfiffigen Witwenköpfen.                                                                                                 Foto: th

Als Kinder erlebten sie den Zweiten Weltkrieg, Ilse in Berlin, Thea in Schlesien auf »Landverschickung«. Ilses Mutter starb im Alter von 24 Jahren. »Mein Vater wurde eingezogen und abgeschossen. Ich wuchs bei meiner Großmutter auf. Es ist nicht schön ohne Familie. Ilse und Thea weiterlesen

Sichtungen vor den Toren Neuköllns

Es muss nicht immer ‚Malle‘ sein

EHEMALIGES Kreisgericht Angermünde.                                                                                                  Foto: bs

Raus aus Neukölln, rein in die Uckermark, das statistisch sonnenreichste Gebiet Deutschlands, das ihr die Bezeichnung »Toskana des Nordens« beschert hat. Innerhalb von maximal 90 Minuten per Bahn oder Auto lassen sich Schwedt, Prenzlau, Oberes und Unteres Odertal, Lychen, Templin, Kloster Chorin erreichen, zeitmässig vergleichbar etwa der Strecke mit der U7 von Rudow nach Spandau.
Sinn und Zweck des Ausfalls aus Berlin waren erstens Natursichtungen aller Art und zweitens Entschleunigung.
Erste Sichtungen innerhalb der ersten dreissig Minuten waren etliche Berliner Autos, ein Buddy-Bär und eine weibliche Neuköllner Pflanze, der Liebe wegen in Schwedt gelandet. Ok, Neukölln ist überall, Neuköllner auch – und Fahrräder. Diese können an sich überall gemietet werden, nur nicht wirklich in der Vorsaison. Sichtungen vor den Toren Neuköllns weiterlesen

Kunst und Vielfalt des Druckhandwerks

Druckwerkstatt in der »Galerie im Körnerpark«

Die Welt des Drucks ist derzeit in der Ausstellung »Druck Druck Druck« in der Galerie im Körnerpark zu sehen. Da gibt es Druckerzeugnisse in unübersehbarer Menge zu bestaunen, von Plakaten, Flugblättern über Kunstbücher bis zu sogenannten Zines, von Fans hergestellten Publikationen.

SCHÖN wie gedruckt.                                                                                                                                         Foto: mr

Auch die dazugehörigen Geräte werden präsentiert. Ein besonderer Hingucker: Ein mobiler, auf ein Fahrrad montierter Drucker. Teilweise können die Geräte während der Ausstellung auch benutzt werden, Denn es werden hier nicht nur fertige Druckerzeugnisse gezeigt, hier wird auch gedruckt. Die Galerie wird zur Werkstatt. Kunst und Vielfalt des Druckhandwerks weiterlesen

Aufruf zur Erinnerung

»Mauergucker und Mauerspechte«

Die SPD-Kreisverbände Treptow-Köpenick und Neukölln rufen gemeinsam dazu auf, persönliche Erinnerungen an die Teilung Berlins und den Fall der Mauer wachzurufen, die in Form von eigenen Berichten oder der künstlerischen Verarbeitung dieser Erinnerung veröffentlicht werden sollen. Beide sammeln die Erinnerungsberichte und beabsichtigen, sie in einer gemeinsamen Veranstaltung anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls öffentlich zu präsentieren. Aufruf zur Erinnerung weiterlesen

Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour«

Vielfältiges Leseprogramm

Bereits zum vierten Mal veranstalten die unabhängigen Buchhandlungen in Neukölln das »LiteraTour-Festival Neukölln!«
Es beginnt am 15. Mai um 20 Uhr in der »Galerie Olga Benario«, Richardstraße 104, mit einer Lesung und anschließendem Berlin-Buffet. Die Buchhändler der teilnehmenden Buchhandlungen lesen ihre Lieblingstexte.
Nebenan in der »Biografischen Bibliothek« blickt Christian Dietrich am 18. Mai um 19 Uhr auf das Schaffen des jungen Revolutionärs Eugen Leviné zurück. Sein Engagement für die KPD, seine Arbeit für die »Rote Fahne« und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik sind Schlaglichter einer bemerkenswerten Biographie. Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour« weiterlesen

Neuköllner Maler und Restaurator

Torsten Kluckert (73) ist vor Ostern von uns gegangen

Er hat sein Leben so gelebt, wie er es für sich ausgewählt hatte, und er war glücklich dabei. Dem Weg zur Malerei ging bei Torsten Kluckert eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker vorweg.
Zugleich war sie die Voraussetzung für seine spätere Arbeit als der »Automaler« schlechthin. Hyperrealistisch setzte Kluckert bekannte Automarken perfekt in Szene. Das brachte ihm die Bewunderung der Autoindustrie und vieler Liebhaber der Jung- und Oldtimer ein. Er wurde schnell bekannt und bewundert.
Seit Mitte der 70er-Jahre startete er von Neukölln aus internationale Ausstellungen und er­oberte mit seinen Autogemälden die Welt, war international mit seinen Werken unterwegs, Tokio, Monte Carlo, Osnabrück, Herford, Berlin – um nur einige Stationen zu nennen.
Torsten Kluckert hat nicht nur Chrom perfektioniert, sondern auch die Tiermalerei mit der »Kluckertschen« Genauigkeit – im Mittelpunkt stand die Problematik der Haltung – betrieben. Es war ihm wichtig, und es tat ihn in der Seele weh, dass wir den natürlichen Lebensraum der Tiere so sinnlos zerstören.
Danke mein Mentor, mein guter Freund, für diese wunderbaren Jahre der festen Freundschaft, mit Deiner Kunst und was du mich gelehrt hast. Du wirst tief in meinem Herzen für immer weiterleben, Danke!

Deine Schülerin Künstlerin Mattiesson (Silvana Czech)

Vorteil Lichtenberg

»Tasmania« spielt einmal Remis zuviel

Die Statistik von Neuköllns bestem Fussballclub entwickelte sich im April ebenso überragend wie deprimierend: Vor dem Topspiel beim »SV Sparta« war man 25 Liga-Partien ungeschlagen, 14 der letzten 15 Spiele hatte man dazu gewonnen. Kein Wunder also, dass die Neuköllner zum Frühlingsanfang die Tabellenführung übernahmen.

Zweimal die Führung in Unterzahl bejubelt und doch nur 2:2.                               Foto: Hagen Nickelé

Doch die Freude sollte nicht lange währen: Zwar nahm »Tasmania« die schwere Hürde bei »Croatia« (1:0), doch im folgenden Heimspiel geschah dann das, was auch den größten Favoriten mal passiert. Gegen die »Spandauer Kickers« konnte man erst in der Nachspielzeit nach 0:2-Rückstand noch ausgleichen. Dieser eine Ausrutscher aber reichte dafür aus, dass der »SV Sparta« wieder mit einem Punkt Vorsprung die Tabellenspitze übernahm. Vorteil Lichtenberg weiterlesen

Hamamelis

Das winterliche Blühen ist gestorben

In der Lessinghöhe stand bis diesen Winter ein Exemplar der virginischen Zaubernuss, wie sie botanisch heißt. Im vorletzten Frühjahr schlang sich ein Efeu an ihr hoch, das meldete ich dem Gartenbauamt und noch am gleichen Tag wurde das Gewächs davon befreit. Das waren die guten Zeiten im Bezirk, als sich noch um seltene Gewächse gekümmert wurde. Offensichtlich wird jetzt an Betriebe vergeben, die keine Kenntnisse von Botanik haben oder davon, wie Pflanzen geschützt werden – jedoch Kettensägen-Massaker mit Bravour erledigen.

ZAubernuss.                                                                                                                                                             Foto: fh

Tatsächlich kann der Strauch ein wenig zaubern. Auf englisch heißt er deshalb: Witch-hazel = Hexenhasel, obwohl sie mit der Haselnuss nichts zu tun hat. Die Früchte bilden sich vor den Blüten. In den Früchten entwickelt sich eine Kapsel, die mit einem Knall zerplatzt und zwei schwarze Samen herausschleudert. Hamamelis weiterlesen

Basteln mit Rolf

Resistente Biene

Hoffentlich fliegen alle unsere einheimischen Insekten wieder zahlreich! Pflanzenschutzmittel gefährden zunehmend auch die Nützlinge.
Meine »Biene« ist gegen Gifte resistent, jedoch nutzlos, da sie nur aus Draht und einer Taschenlampenbirne besteht.
Als Werkzeug brauchen wir einen Seitenschneider, eine Zange, einen Lötkolben samt Zubehör, einen kleinen Holz-Rührspatel oder einen schmalen Pappstreifen, etwas guten Holzleim und natürlich auch wieder Lust zum Pfriemeln.
Eine Biene hat sechs Beine, ein Flügelpaar und zwei Fühler. Die werden alle aus dem Draht gebogen beziehungsweise für die Beine gedreht und dann in bienentypischer Anordnung auf das Lampengewinde gelötet. Aus dem Holzleim entstehen anschließend die Flügelhäute. Mit einem Spatel oder dem Pappstreifen wird zähflüssiger Holzleim aufgenommen und so in die Flügelöffnungen gestrichen, dass er diese vollständig füllt und zusammenhängend bleibt. Nach dem Trocknen bleibt eine äußerst dünne, milchige und zum Teil auch durchsichtige Haut zurück.

rr

Petras Tagebuch

Ausflug in die Begegnungszone

Eine Freundin von mir hat eine Boutique in der Kreuzberger Bergmannstraße. Dorthin mache ich gerne einen Ausflug, um mich auch mal über die Neuköllner Grenzen hin zu informieren. Dort sitzen wir dann vor dem Laden gerne auf einem Bänk­chen, trinken Kaffee und tauschen Neuigkeiten aus.
Die Entwicklung der Bergmannstraße zu einer Begegnungszone beäugen wir seit über einem Jahr sehr genau. Dort, wo früher einmal Parkplätze waren, sind nun – na wie soll ich es nennen – Ruhezonen entstanden. Hochsitze, die direkt in die Bergmannstraße reichen, werden tagsüber gerne von stillenden Müttern genutzt. Sie können dann dem quirligem Verkehr zuschauen und werden, da sie so repräsentativ hoch sitzen, auch von jedem Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Petras Tagebuch weiterlesen

Raus aus der Schule, rein in die Demo

Auf der Straße lernen.                                                                                                                                         Foto: mr

Immer freitags gehen Schüler bei den »Fridays for Future«-Demonstrationen auf die Straße, um die Politik zum verstärkten Handeln gegen den Klimawandel aufzufordern. Sie schwänzen dafür den Unterricht. In der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 27. Februar gab es eine lebhafte Debatte darüber, ob diese Demonstrationen als »gelebte politische Bildung und wichtiger Bestandteil einer lebendigen Demokratie« zu gelten haben, wie es in einer von SPD, Grünen und Linken eingebrachten Entschließung heißt, oder ob es sich dabei um Schulschwänzen handelt, das sanktioniert gehört.
»Die Jugendlichen haben die Sonntagsreden satt, normale Proteste wurden nicht zur Kenntnis genommen. Wer behauptet,Tempolimit auf Autobahnen verstoße gegen den gesunden Menschenverstand, hat so eine Ohrfeige verdient«, sagte Bernd Szczepanski (Grüne). Raus aus der Schule, rein in die Demo weiterlesen

Wird Neukölln insektenfrei?

Anscheinend ist es die Absicht der Neuköllner Bezirksverwaltung, durch gartenbautechnische Maßnahmen, die in anderen Kreisen auch als »Kettensägenmassaker« bezeichnet werden, Insekten und anderen Kleintieren die Lebensgrundlage zu entziehen.
Trotz mehrerer Beschlüsse der BVV Neukölln zur Verbesserung der Umwelt mittels Fassadenbegrünung, Heckenschutz, Schaffung von Biotopen und Nisthilfen konterkariert das Handeln des Grünflächenamtes diese an sich guten Absichten. Fehlende ökologische Begleitung während der Planungsphase in Verbindung mit Ignoranz und Arroganz gegenüber besorgten Bürgern – es soll sogar der Satz »Stellen Sie doch einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz!« gefallen sein, und zwar auf einer Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung – machen nichts besser, sondern fördern Politikverdrossenheit. Warum wird denn nicht zugegeben, dass der Zweck der Schutz der Bürger vor lästigen Insekten ist?

Harald Schauenburg

»Schön wie Bier«

Prost auf Neukölln

Inzwischen ist es keinem Neuköllner entgangen, dass der Bezirk schöner werden soll. Die ehemalige Bürgermeisterin Franziska Giffey schritt damals mit einem pinkfarbenen Besen beherzt zur Tat. Ihr Nachfolger Martin Hikel setzte die Aktion fort.
Trotz aller Bemühungen fruchtet die Kampagne nicht so wie gewünscht. Noch immer liegt Sperrmüll auf den Gehwegen, Hundekacke entwickelt sich nach wie vor zu Tretminen und Plastiktüten fliegen den Menschen um die Ohren.
Der Ruf nach einer Neuauflage wurde in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) immer lauter. Nun hat das Gremium bei seinem letzten Zusammentreffen reagiert. Es wird eine neue Kampagne geben.
»Schön wie Bier« löst »Schön wie wir« ab. Der gemeine Neuköllner trinkt gerne Bier, außerdem macht Bier, insbesondere Weizenbier, schön. Die Wirtschaft würde angekurbelt werden, und davon profitieren auch die Brauereien im Bezirk. »Schön wie Bier« weiterlesen

Schwerpunktthemen in der BVV: Verkehr und Wohnungsbau

Verzögerungstaktiken der AfD führten erneut zu einer Sonder-BVV

In der Sitzung vom 20. März werfen SPD, CDU, Grüne und Linkspartei der AfD in einer gemeinsamen Pressemitteilung Sabotage und Erpressung vor. Mit der Verweigerung der Konsensliste wolle die AfD ihren eigenen Willen durchsetzen. Die Mitteilung schließt mit der Forderung: »Wenn Sie schon selbst nichts für die Menschen in diesem Bezirk tun wollen, dann verhindern Sie zumindest nicht mehr, dass andere sich um die Belange der Neuköllnerinnen und Neuköllner kümmern.«
Mit diesen Belangen beschäftigen sich dann die anderen Fraktionen. Beschlossen wurde die wirksame Durchsetzung der Tempobegrenzung in der Hufeisensiedlung. Das Bezirksamt soll prüfen, welche baulichen Vorkehrungen zu treffen sind, damit die Autofahrer gezwungen sind, dort Tempo 30 einzuhalten.

Kieze sollen ruhiger werden.                                                                                                                           Foto: mr

Um die Einhaltung der Tempo-30-Regelung ging es auch bei den Verkehrssicherungsmaßnahmen am Kiehl­ufer. Hier sollen durch Gehwegvorstreckungen, Errichtung von Fahrradabstellanlagen und Verlegung der Glascontainer die Autofahrer am schnellen Fahren und falschen Parken gehindert und die Attraktivität des Gehwegs am Ufer erhöht werden. Schwerpunktthemen in der BVV: Verkehr und Wohnungsbau weiterlesen

Das Erbe der Großväter ist in Gefahr

Zwei Siedlungen  fürchten um ihre Zukunft

Die Angst geht um in den Siedlungen »Neue Heimstatt« und »Am Vogelwäldchen« in Buckow. Viele Anwohner fürchten, zukünftig ihre Bleibe zu verlieren, denn 2031 laufen die Erbpachtverträge aus.

Siedlerhaus in der »Neuen Heimstatt«.                                                                                                       Foto: mr

Eine angebotene Pachtverlängerung soll ab sofort mehr als das Sechzehnfache kosten, nach 20 Jahren mehr als das 29fache im Vergleich zum aktuellen Preis. Verantwortlich für diese Preistreiberei ist in diesem Fall kein gieriger Investor, sondern das Land Berlin in Gestalt der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM. Die Einwohner haben sich deshalb zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie wollen erreichen, dass die Erbbaupachtverträge fortgesetzt werden. In einer Anwohnerveranstaltung am 30. März informierten sie über die Hintergründe und die augenblickliche Lage. Das Erbe der Großväter ist in Gefahr weiterlesen

»Round about« Dreizehn Euro Netto kalt und mehr

1400 neue Wohnungen am Mariendorfer Weg entstehen auf Mischmietweise

»Ich gehe jetzt!« sprang ein älterer Bewohner auf und verließ die Versammlung am 27. März in der Hermann-Sander- Schule am Mariendorfer Weg. »13 Euro sind 13 Euro.« »Unbezahlbar«, hätte er hinzufügen können. Er verabschiedete sich energisch, etwas zu früh. Gerade kam eine kritische Diskussion über die Wohnungs- und Mietensituation nicht nur im Bezirk ins Laufen.

Das Podium wurde in der Diskussion gefordert.                                                                                      Foto: fh

Zuvor hatten die Vertreter der Bauträger auf den Arealen rund um den Mariendorfer Weg ausführlich ihre Pläne erläutert. Von der »Buwag« /»Vonovia« und dem »Avila Projektmanagement« / »Petruswerk« kamen eloquente Vertreter und Vertreterinnen, die, wenn es um Realmieten für Durchschnittsverdiener geht, alles »Round about« beziffern. Es werden 1400 Wohnungen auf dem Areal »St. Marien« und »Neu Marien« entstehen. »St. Marien« wird vom »Avila Projektmanagement» und »Petruswerk« bebaut, »Neu Marien« von der »Buwag/Vonovia«. Bereits in diesem Jahr werden Wohneinheiten bezugsfertig, um Wohnungen kann sich bereits beworben werden. 30 Prozent der Wohnungen werden per Wohnberechtigungsschein erhältlich sein, im nördlichen Bereich für acht Euro pro Quadratmeter, im südlichen Bereich für 6,50 Euro. Für die geplanten Studentenwohnungen steht der Mietpreis noch nicht fest. »Round about« Dreizehn Euro Netto kalt und mehr weiterlesen

Kahlschlag am Weigandufer

Ökologische Baubegleitung – Fehlanzeige

Neukölln soll schöner werden. So oder ähnlich wurde es in Berliner Zeitungen und vom Neuköllner Bezirksamt verbreitet. Es geht um das bereits laufende Sanierungsprogramm zur Umgestaltung von Straßenzügen und Grünanlagen. Anwohner können in Bürgerbeteiligungsverfahren ihre Meinung kundtun und Ideen beisteuern. Für ökologische Belange gäbe es eine Ökologische Baubegleitung. Das klingt gut. Ist es das auch?

Rechts und links der Elsenbrücke. Mit Büschen.                                                      Foto:  wu

Die Bürgerbeteiligung zeugt nicht von basisdemokratischem Verständnis der Neuköllner Politik, sondern ist Vorschrift nach dem Baugesetzbuch des Bundes. Einige Mitbürger haben sich im Beteiligungsgremium für den Bereich Sonnenallee/Weigand­ufer eingefunden. Sie sind nicht zufrieden. Sie fürchten, dass eine Aufwertung des Bezirks gegen ökologische Grundsätze und Klimaschutz im Gange ist, welche Immobilienpreise und Mieten in die Höhe treiben wird. Sie klagen, mangelhaft über Details und Planungsänderungen informiert zu werden. Unbürokratische Einsicht in vollständige Planungsunterlagen wird ihnen verweigert.

Rechts und links der Elsenbrücke. Ohne Büsche.                                                              Foto: wu

Schockierend war die Totalrodung des Gehölzbestandes Ende Februar am Weigandufer im Bereich Wildenbruchpark. Bislang war von einer Ausdünnung die Rede. Selbst in einer Pressemitteilung vom 15. Februar wurde noch behauptet, dass nur Wildwuchs und Gebüsch gerodet, Bestandsbäume aber in die neue Planung integriert würden. Das Beteiligungsgremium hatte sich einstimmig gegen eine Totalrodung ausgesprochen. Briefe von besorgten Anwohnern an Bezirksbürgermeister Hikel (SPD) wurden unwirsch beantwortet. Offenbar wurde alles zu Wildwuchs erklärt. Alles bis auf einen letzten Baum ist gerodet worden. Kahlschlag am Weigandufer weiterlesen

»Schön wie wir« geht neue Wege

Kooperationen und Initiativen für einen sauberen Bezirk

Neuköllns Kieze sind nicht die saubersten. Deshalb rief die damalige Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey 2016 die Kampagne »Schön wie wir« ins Leben, die versucht, den Zustand des öffentlichen Raumes zu verbessern. Unter dem Motto »Von der Kampagne zur Bewegung« lud Bezirksbürgermeister Martin Hikel am 22. März ins Neuköllner Rathaus ein, wo viele der beteiligten Initiativen und Kooperationspartner ihre Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen konnten.

Bürgermeister so schön.                                                                                                                                    Foto: mr

Viele der Mails, die er bekomme, beziehen sich auf die Müllproblematik, sagte Hikel in seiner Begrüßungsansprache. 11.000 Meldungen seien im letzten Jahr eingegangen. »Die Kampagne sensibilisiert, die Menschen gehen mit offenen Augen durch den Kiez«, sagte er. Das Bezirksamt sei aber nicht nur Dienstleister, die Bürger sollen mit anpacken. »Schön wie wir« geht neue Wege weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 78 – Sonnabend, 5. April 1919
Eine Sehenswürdigkeit von Neukölln geworden sind nach ihrer völligen Umgestaltung die bisherigen »Passage=Festsäle«, Bergstraße 151=152, die sich jetzt im neuen Gewande als »Tanz=Paradies und Passage=Kaffee« präsentieren. Gewohnt, das Publikum durch glanzvolle Darbietungen auf jedem Gebiete zu überraschen, haben die Schauburg=Lichtspiele das Kaffee, vor allem aber auch die Saalräume, nach vollendet künstlerischen Entwürfen zu Stätten der gediegensten Vornehmheit und der wohltuendsten Intimität ausgestalten lassen. Es ist staunenswert, welche reiche Erfindungsgabe in dieser materialarmen Zeit die herangezogenen Künstler an den Tag gelegt haben, um ein kostbares, farbenfrohes, von glühenden Beleuchtungseffekten durchstrahltes Werk zu schaffen, daß jedem, der die Räume vorher kannte, als ein schnell hervorgezaubertes Märchenreich erscheinen muß. Damit ist für Neukölln eine entzückende Stätte für das gesellschaftliche Leben bereitet, die dem verwöhntesten Geschmack zu entsprechen vermag. Nicht nur für öffentliche Geselligkeiten, für Feste der Tanzkunst vornehmsten Gepräges, sind die Räume geschaffen, auch für Familienfeste, wie Hochzeiten, Jubiläen usw., sowie für das Vereins= und Klubleben stehen die Lokalitäten für zahlreiche Tage zur Verfügung. Von den neu ausgestatteten Kegelbahnen bis zu dem Luxussaale des Tanzpalastes steht nunmehr alles in neuem glanzvollen Gewande für den Empfang der Gäste bereit. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Königinnen des Zaubers

Der »Zauberkönig« hat eine neue Heimat

Es gab viele Möglichkeiten und Angebote, die nicht geklappt haben oder verworfen wurden. Doch dann – recht kurzfristig vor der endgültigen Kündigung – fand der Zauberkönig ein neues Heim.
Ein geräumiger Eckladen an Weise- und Herrfurtstraße. Gut angekommen sind sie dort in jedem Fall. Die beiden Inhaberinnen Karen German und Kirsi Hinze sind froh, dass es eine Heizung gibt und es nicht mehr reinregnet. Vor allem haben sie viel mehr Platz.

Karen German und Kirsi Hinze im neuen Domizil.     Foto: mr

Noch sind sie nicht ganz fertig mit dem Einrichten, »nach und nach wird immer noch etwas dazukommen«, sagt Kirsi Hinze. Und gut gefüllt mit allerlei Zaubereien ist der Laden jetzt auch schon. Die alten Kunden aus der Hermannstraße sind alle mit umgezogen, und sogar die, die sagten, dass der Zauberkönig nicht umziehen solle und der neue Laden niemals so schön werde wie der alte, sind vom neuen Laden begeistert. Königinnen des Zaubers weiterlesen

Haptische Faszinationen

Die berufliche Leidenschaft eines Buchbinders

»Ryszard Buchbinderei für Einzel- und Sonderanfertigungen« steht auf der Vorderseite der Visitenkarte, auf der Rückseite »Martin Trojanowski Buchbinder«. Martin, »der Buchbinder«, wie er im Schillerkiez bereits genannt wird, hat zwei Ausfertigungen seiner Visitenkarten. Die eine wirkt auf schlichtem weißen Papier, die andere hat einen silbernen Schimmer, beide auf zusammengefügtem Spezialpapier mit Prägedruck. »Fühl mal«, bittet Martin, und ich spüre das Besondere.

Martin Trojanowski an der Prägemaschine.                                                                                              Foto: th

Bevor er bei Karen Wegemann in Hamburg »eine Topausbildung durch vier Meister« erhielt, lernte er Kommunikationsdesign, wohl schon in Vorbereitung auf die qualifizierte Arbeit als Buchbinder. Eine Freundin seiner Mutter hatte Jahre zuvor eine Papierfirma gegründet, die hauptsächlich Kartons herstellte, Martin Trojanowski fühlte die Haptik des gepressten Papiers. »Gutes Handwerk ist wieder gefragt.« Entsprechend hat Martin mit seiner Kollegin Friedericke Goll in einer Garage auf dem Innenhof am Herrfuthplatz 11 eine Buchbinderwerkstatt errichtet. »Wir machen es derzeit noch nebenberuflich und haben Teilzeitjobs. In meiner Firma mache ich alles, Kundenkontakt, Materialbeschaffung und die individuelle Fertigung nach Wunsch des Kunden.« Haptische Faszinationen weiterlesen

Heiße Pinkel-Ecke

Dreifach-Restaurant-Bar bezog »clavis«

Wer sich gefragt hatte, was wohl auf das große Elektronikfachgeschäft »clavis« folgen könnte, war sicherlich überrascht, dass sich ein Gastronomiekomplex traut, in die großzügigen Ladenräume an der Ecke Weichsel-/Karl-Marx-Straße zu ziehen.

AUF die Bank oder an die Bar?                                                                                                                      Foto: hlb

Getraut haben sich das die Macher der »Dschungel-Bar« in der Friedelstraße, die dort seit Jahren schon ein internationales, trinkfreudiges Publikum anziehen. Und dies seit Mitte Januar nun auch hier tun – mit guten Cocktails und anderen Drinks an langer Bar und in nicht unterdimensioniertem Raucherbereich, mit stylisch-coolem 80s-Trash-Retroambiente à la Chinatown und witzigem Namen: Paolo Pinkel war Anfang der Nullerjahre der Rotlichtmilieu-Deckname des streitbaren Frankfurter TV- und Polittalkers Michel Friedman; die Älteren mögen sich erinnern. Da es hier aber auch etwas zu schnabulieren gibt, haben die befreundeten Gründer Sebastian, Nick und Kubi ihrem Traum eines eigenen Restaurants den vollen Namen »Paolo Pinkel und das Schnabulat« gegeben. Heiße Pinkel-Ecke weiterlesen

Wein trifft Taste

Klavierkonzert mit erlesenen Weinen

»Wein trifft Taste« – was da passiert, konnten die Besucher am 9. März im Klaviersalon »Die Taste« erleben. In Zusammenarbeit mit dem Weinladen »Das Schwarze Glas« in der Jonasstraße hat Holger Laudert, Pianist, Klavierlehrer und Eigner des Klaviersalons in der Sonnenallee, ein Konzert veranstaltet. Zu einem Crémant und fünf unterschiedlichen Weinen wurden dazu passend ausgesuchte Klavierstücke von sechs Komponisten dargeboten.

schwarz und schwarz – Klang und Genuss.                                                                     Foto: Holger Laudert

Philip Glass‘ »Etude No. 18« begleitete zum Beginn mit ihren perlend zirkulierenden Tonfolgen, die sofort das Bild der aufsteigenden Bläschen vor Augen führten, den Crémant »Etincelle« auf ideale Weise. Der nachfolgend gereichte Muscadet »La Louvetrie« wurde mit den »Pièces froides« von Erik Satie untermalt. Zum anschließenden »Clair de Lune« der »Domaine Bourdic« konnte selbstverständlich nur ein einziger Komponist gewählt werden: Claude Debussy mit seinem gleichnamigen Stück. Wein trifft Taste weiterlesen

Fisch vom Lavasteingrill

Das »Rusticana« und die Familie Behadini

Entscheidend für eine gute Pizza ist der Ofen, in dem sie gebacken wird. Den hat das »Rusticana« in der Hermannstraße 152. Knusprig kommt die Pizza für den Gast auf den Tisch. Der Teig ist weder zu dünn noch zu dick. Mit den ausgewählten Zutaten, die die Familie Behadini für ihre Pizzen anbietet, wird das Gericht zu einem Genuss.
Dabei blickt das Restaurant auf eine lange Geschichte. Seit 32 Jahren ist es in Neukölln. 2014 wechselte es den Standort in die Hermannstraße Ecke Kranoldstraße.

Der Patriarch wacht über sein Lokal.                                                                                                            Foto: ro

Das Oberhaupt der Familie Behadini hat die Zügel in der Hand. Jede Entscheidung, die die beiden Söhne treffen, wird peinlich genau überprüft, denn sie werden das Geschäft eines Tages weiterführen. Fisch vom Lavasteingrill weiterlesen