Alle Beiträge von admin

Per Pedale durch Neukölln

In Zukunft sicher durch die Karl-Marx-Straße?                                                                                       Foto: fh

Neue Radwege in der Karl-Marx-Straße

Seit der Regierungsbildung des neuen Senats hat das Fahrrad eine neue Bedeutung bekommen. Radwege sollen entstehen und Gefahrenstellen für Radler entschärft werden.
Als die Lenkungsgruppe [Aktion! Karl-Marx-Straße] am 8. August tagte, stand eben dieses Thema im Vordergrund. Die Lenkungsgruppe ist ein Beteiligungsgremium, das die Belange von Bürgern und Gewerbetreibenden in der Karl-Marx-Straße und den abzweigenden Nebenstraßen koordiniert.
Geplant ist ein Radweg beidseitig der Karl-Marx-Straße von der Weichselstraße bis zum Hermannplatz. Diese Lösung stellt nur eine Zwischenlösung dar, weil die Sanierung der Karl-Marx-Straße wahrscheinlich erst 2022 beendet sein wird. Bis dahin wird an einer dauerhaften Lösung gearbeitet. Die Karl-Marx-Straße ist eine Hauptverkehrsader und fällt von der Zuständigkeit und der Finanzierung dem Senat zu.
Folgerichtig war Roland Jannermann, zuständig in der Senatsverwaltung für Verkehrsplanung, anwesend. Drei Planungsvarianten wurden vorgestellt: Per Pedale durch Neukölln weiterlesen

Wählen gehen!

Zur Bundestagswahl treten diesmal 42 Parteien an. Neben den derzeit vertretenen Parteien sind themenspezifische zu Grundeinkommen, Mieten oder Naturschutz bis hin zur Vegetarier-Partei sowie Allianzen und Bündnisse im Angebot. Da sollte doch für jeden das Passende dabei sein.
Laut Artikel 38 Grundgesetz hat jeder volljährige Deutsche die Möglichkeit, sein Wahlrecht zu nutzen. Schließlich ist der Souverän unseres Landes immer noch das Volk.
Die Wahlprogramme der einzelnen Parteien sind gezielte Absichtserklärungen, an denen sich die spätere Arbeit der Abgeordneten messen lassen muss.
Viele Wähler haben den Glauben an Parteien und Abgeordnete verloren und engagieren sich in Bewegungen und Ini­tiativen, die Direkte Demokratie einfordern und umsetzen. Das ist gut und wünschenswert, widerspricht jedoch in keiner Weise der Möglichkeit, sein Wahlrecht auszuüben.
»Nicht-Wählen« ist zwar auch eine Aussage, nur leider keine, mit der sich inhaltlich arbeiten lässt.

Beate Storni

Haus 104 – Die Stadt sind wir!

Eröffnung des Bürgerhauses auf dem Tempelhofer Feld

Das Gebäude 104 auf dem Tempelhofer Feld ist seit dem 14. August 2017 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Während einer kleinen Feier wurden die Schlüssel für Haus 104 von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz an Evelyn Bodenmeier von der Geschäftsstelle für die Feldkoordination übergeben.

Neue Inhalte zwischen Feldlerchen.                                                                                                             Foto: mr

Es ist eines von circa 30 Bestandsgebäuden auf dem Feld und diente schon im Zweiten Weltkrieg als Peilanlage zur Funkortung von Flugzeugen, später der US Air Force als Radiosondenstation und Flugwetterwarte. Zuletzt wurde das Gebäude von der Freien Universität als Wettermessstation genutzt.
Nun wird das Haus 104 seiner Bestimmung als Treffpunkt der weiteren Bürgerbeteiligung, entsprechend des Entwicklungs- und Pflegeplans (EPP) zum Tempelhofer Feld, zugeführt. Haus 104 – Die Stadt sind wir! weiterlesen

Fritz & Kneipe

Fritz Felgentreu steht Rede und Antwort

Vor vier Jahren wurde Fritz Felgentreu (SPD) von den Neuköllnern als Direktkandidat in den Bundestag gewählt. In der nächsten Legislaturperiode möchte er diese Arbeit fortsetzen. Auch bei dieser Wahl tritt er wieder als Direktkandidat an.

Neulich im »neulich«.                                                                                                                                          Foto: mr

Im Brauhaus »neulich« berichtete er am 22. August über seine Arbeit in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für Verteidigung und gab einen Überblick über die Themen, denen er sich in den kommenden Jahren widmen möchte.
Sein Credo ist, Bildungs- und Familienpolitk als Einheit zu betrachten. Daher setzt er sich auch dafür ein, nicht das Kindergeld zu erhöhen, sondern dieses Geld in Schulen und Kitas zu investieren, weil das die beste Förderung von Familien und Kindern sei. Im Sinne der Chancengleichheit sollten besonders den Kindern aus bildungsfernen Familien, die zuhause keine Unterstützung erhalten, in der Schule gute Rahmenbedingungen zum Lernen geboten werden. Dazu gehöre auch der Rechtsanspruch auf Hortplätze. Ein kostenloses Mittagessen sei zudem für die Familien eine große Erleichterung. Fritz & Kneipe weiterlesen

Deutschland hat die Wahl

Es wird neu gemischt

Am 24. September wird der 19. Deutsche Bundestag, die Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland, gewählt. An diesem Tag können die Bundesbürger darüber entscheiden, welche Parteien für die nächsten vier Jahre im Parlament und in der künftigen Bundesregierung die Geschicke des Staates lenken werden.

Regieren macht Spaß.                                                                                                                                          Foto: fh

42 Parteien bewerben sich um die Stimmen der rund 61,5 Millionen Wahlberechtigten, in Berlin sind es 24 Parteien.
Die Bundesrepublik ist in 299 Wahlkreise eingeteilt, in denen jeweils ein Abgeordneter direkt gewählt wird. Die übrigen Mandate werden über die Landeslisten der Parteien vergeben. Somit haben die Wähler zwei Stimmen, die sie beliebig verteilen können. Mit der Erststimme wählen sie die Wahlkreiskandidaten. Das Direktmandat gewinnt der Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen erhält. Die Zweitstimme entscheidet über die Anteile der Parteien im Bundestag. Ins Parlament einziehen können aber nur Parteien, deren Stimmenanteil mindestens fünf Prozent der abgegebenen Zweitstimmen beträgt. Deutschland hat die Wahl weiterlesen

Wahlen

Direktkandidaten zur Wahl

Im Rahmen der Bundestagswahl hat die Kiez und Kneipe die Neuköllner Direktkandidaten zu ihren Programmen befragt. Ausgewählt wurden die Parteien, die derzeit in der Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln vertreten sind.
Ziel der schriftlichen Befragung ist es, dass die Kandidaten in wenigen Worten ihre Positionen darstellen und der Leser einen direkten Vergleich hat. Alle Kandidaten haben die folgenden Fragen erhalten:
Fragen an die Kandidaten für den Bundestag
1. Welche politischen Themen haben für Sie im Moment die absolute Priorität?
2. Kinder einkommensschwacher Eltern haben schlechtere Bildungschancen. Was wollen sie dagegen tun?
3. Wie schätzen Sie hinsichtlich der Umweltproblematik die Zukunft des Autoverkehrs ein?
4. Wie wollen Sie die Renten für die Zukunft sichern?
5.  Gibt es für Sie eine Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland?
6. Wie stehen Sie zur erkennungsdienstlichen Videoüberwachung im öffentlichen Raum? Wahlen weiterlesen

Aufruf an Kinder und Jugendliche

U18-Wahl und Party in Neukölln

Unter der Schirmherrschaft von Jugendstadtrat Falko Liecke findet am 15. September die U18-Wahl in Neukölln statt. Alle Kinder und Jugendlichen sind aufgerufen, sich in 15 Wahllokalen in ganz Neukölln zu beteiligen.
Eines der Wahllokale befindet sich im Rathaus Neukölln,
Karl-Marx-Straße 83,
Raum A168 (1. Etage), 08:00 bis 15:00 Uhr.
Im Anschluss an die Wahl im Rathaus startet ab 16:00 Uhr die große bezirkliche U18-Wahlparty im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe, Mittelweg 30, 12053 Berlin.
Am 15. September öffnen deutschlandweit die U18-Wahllokale ihre Türen. Alle unter 18-Jährigen, die ihre Stimme abgeben möchten, können vorbeikommen und ihre Kreuzchen machen. U18 liefert damit kurz vor der Bundestagswahl ein politisches Stimmungsbild der Kinder und Jugendlichen in Deutschland.
U18-Wahlen werden seit dem ersten Mal im Jahr 1996 immer neun Tage vor einem offiziellen Wahltermin abgehalten. Zur Bundestagswahl, Europawahl und Landtagswahlen rücken politische Zukunftsdiskussionen ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Das beschäftigt auch Kinder und Jugendliche, sie stellen sich Fragen und äußern politische Wünsche.
pm

Deutschland wählt

Der Gnom aus Neukölln macht sich Gedanken zur Bundestagswahl

Die Wahlen für die Zusammensetzung des nächsten Bundestages stehen vor der Tür. Im Grunde gibt es viel Normalität. Die Rituale sind hinlänglich bekannt. Vom Verlauf des sogenannten Wahlkampfs bis zum Prozedere der Auszählung und Verkündung des »amtlichen« Endergebnisses, eine ewige Wiederholung des immer Gleichen.
Was also hat der statis­tische »Durchschnittsneuköllner« mit seinen hinlänglich bekannten Problemen bei der Bewältigung des Alltags mit diesem »Wahltheater« zu tun? Die »Autonomen« und alle anderen Verfechter des Selbstverwaltungsgedankens wissen nur zu gut: Du musst deine Interessen in die eigenen Hände nehmen und mit den jeweils geeigneten Mitteln dafür sorgen, dass sie in den Parlamenten behandelt und durchgesetzt werden oder eine zivilgesellschaftliche Gegenmacht für deren Durchsetzung sorgt. Deutschland wählt weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 206 – Dienstag, 4. September 1917
Gegen die hohen Absätze. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit vorgekommenen schweren Unfälle, bei denen Schaffnerinnen überfahren, getötet oder schwer verletzt worden sind, haben die Preußischen Eisenbahnverwaltungen den Schaffnerinnen das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verboten.

Nr. 212 – Dienstag, 11. September 1917
Die Vorschriften für die feindlichen Ausländer werden jetzt in Berlin auch für die chinesischen Staatsangehörigen angewendet, nachdem uns China den Krieg erklärt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Über den Wolken

Kollektiv für gemeinschaftliches Feiern

In einem lockeren Hemd und mit Sonnenbrille sitzt Antoine am Kanal und nippt an seinem Bier. Es ist Freitag, früher Abend, und wer die Freiheit hat, genießt die Sonne. Sieben Jahre lang hat es Antoine deswegen immer wieder nach Berlin gezogen, wegen des Gefühls von Freiheit, das er in der Stadt spürt. In Neukölln ist der gebürtige Pariser schließlich geblieben.

Traumräume.                                                                                                                                                         Foto: pm

Wie er sind viele Franzosen nach Berlin gekommen, aber die große Welle sei vorbei, meint Antoine. Vielen geht es ums Feiern in den Berliner Clubs, und darum geht es auch Antoine, nur anders. Mit Freunden, die von überall aus der Welt nach Berlin gekommen sind, hat er das Kollektiv »Octavibes« gegründet, das, was Feiern angeht, einer Vision folgt: Sie wollen die sonntägliche Afterparty etablieren, die sie aus Paris oder Rom kennen und die in Berlin wegen nie endender Clubnächte meistens wegfällt. »Uns hat einfach die Gemütlichkeit und das Beisammensein der Afterpartys gefehlt«, sagt der 24-Jährige. Über den Wolken weiterlesen

Einzelnachhilfe beim Schüler zu Hause

Lernen ohne Stress mit ABACUS

Dorothee Beckmann berät Eltern und Schüler individuell.                                                                                   Foto: pm

Nach den Sommerferien stellt sich für viele Eltern und Schüler wieder die Frage, wie gesteckte Ziele (Notenverbesserung, Klassenziel) zu erreichen sind. Seit 1992 besteht das Institut ABACUS und bietet professionelle Nachhilfe an. Dorothee Beckmann betreut für die Firma die südlichen und südwestlichen Bezirke Berlins und beantwortete wichtige Fragen.
KuK: An welche Schüler richtet sich ihr Angebot?
Beckmann: An alle, die ihre schulischen Leistungen wirklich selbst verbessern möchten. Nur auf Wunsch der Eltern macht das wenig Sinn.
Mit welchen Problemen kommen Eltern und Schüler zu Ihnen?
Meist betrifft die erste Anfrage ein Schulfach. Im Gespräch vor Ort erfrage ich dann Hintergründe der Lernprobleme und mache mir ein Bild vom Schüler. Viele haben wenig Selbstvertrauen und oft den Spaß am Unterrichtsfach verloren. Einzelnachhilfe beim Schüler zu Hause weiterlesen

Die schönen Saiten des Jammens

Schöner Zupfen und Schlagen im Schillerkiez

Nicht immer zart-, aber stets wohlbesaitet – »well strung« auf Englisch –geht es seit Juli 2016 auf der Weisestraße zu. Die »Acoustic Boutique« »Well Strung« ist Shop und Musikschule in einem. Inhaberin Myra Moreta studierte Komposition, Musiktheorie und Gitarre an der kalifornischen Northridge-Uni und widmete sich insbesondere der Weltmusik von Afrika bis Bulgarien. In Berlin lernte sie Gesang und türkische Musik, spielte in diversen Ensembles und veröffentlichte 2014 gar ein eigenes Songwriter-Album.

Myras Akustikboutique.                                                                                                                                   Foto: hlb

Ihr hübscher, liebevoll mit Freunden renovierter Eckladen ist ein echtes Musiker-Dorado. Die Auswahl an Schüler- und Profizupfinstrumenten aus aller Welt dürfte einzigartig sein: Klassik- und Akustikgitarren, Ukulelen, Banjos, Banjotarren, Percussion- und andere Folk-Instrumente wie Balalaikas und Bouzoukis, allesamt von hochwertigen Marken oder Manufakturen, vor allem aus den USA, Irland oder Deutschland. Dazu gibt es Saiten für quasi alle Zupf- und Streichinstrumente sowie Plektren und Gurte. Wer nicht kaufen will oder kann, kann sich ein Instrument zum Üben leihen. Auch wer sein Instrument ein bisschen tunen, zum Beispiel die Saitenlage verbessern möchte, kann es gern vorbeibringen. Eine richtige Werkstatt für größere Reparaturen ist auch schon in Planung. Die schönen Saiten des Jammens weiterlesen

Energie und Wärme aus Neukölln für Neukölln

Das Holzheizkraftwerk in Rudow

Helme, Schutzbrillen und Warnwesten sind Pflicht beim Rundgang durch das Holzheizkraftwerk Rudow. Sicherheit wird hier groß geschrieben. Eingeladen zu diesem Rundgang hatte der Neuköllner Bundestagsabgeordnete der SPD, Fritz Felgentreu, der wissen wollte, wie eine nachhaltige Energieversorgung aussehen könnte, die sicherstellt, dass wir auch in Zukunft warme Wohnungen und eine leistungsfähige Industrie haben, ohne unseren Kindern eine Wüste zu hinterlassen. Die Führung zeigte den Arbeitsablauf vom Abladen des angelieferten Altholzes bis zur Entsorgung der Abfallprodukte.

holzschnitzelHeizkraftwerk.Foto: mr

Das Holzheizkraftwerk in Rudow wurde 2003 auf dem ehemaligen Gelände der »Eternit AG« als Ersatz für ein Kohlekraftwerk errichtet. Das Kraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, was bedeutet, dass Brennstoffenergie in einem Prozess zu Strom und Wärme wird. Es versorgt rund 20.000 Wohnungen in der Gropiusstadt, die Gropius-Passagen, Berlins größtes Einkaufscenter, das Kombibad Gropiusstadt, sowie das Krankenhaus Neukölln mit Wärme. Außerdem wird Strom für 40.000 Haushalte erzeugt.
Als Brennstoff dient Altholz, das keiner mehr haben will und das auch nicht mehr auf Deponien entsorgt werden darf wie alte Möbel, Fenster, Türen, Bauholz und Bahnschwellen. Es kommt überwiegend aus Berlin und dem Umland. Weil das Kraftwerk direkt am Teltowkanal liegt, wird das Holz zum größten Teil per Schiff aus Spandau angeliefert, wo es zuvor in der Holzschred­deranlage zerkleinert wurde. Vereinzelt kommen Holzladungen auch per Lkw. Nur wenn der Teltowkanal zugefroren ist, wird der gesamte Lieferverkehr vom Schiff auf die Straße verlagert. 5.000 Tonnen werden pro Woche verbraucht, im Winter 1.000 Tonnen mehr, pro Jahr rund 240.000 Tonnen.
Vom Schiff transportieren Förderbänder das Holz zu einem Magnetabscheider, der Nägel, Scharniere und Schrauben aussiebt. Anschließend geht das Holz in acht Silos mit je 500 Tonnen Fassungsvermögen und von dort weiter in die beiden Kessel, in denen das Holz bei 850 Grad Celsius verbrannt wird. Durch kleine Fenster durften die Besucher einen Blick in dieses Höllenfeuer riskieren.
Über den Kesseln verlaufen Wasserrohre, in denen Wasser durch die Wärme verdampft. Dieser Dampf wird auf 465 Grad Celsius erhitzt und treibt eine Turbine an, die 20 Megawatt Strom an das örtliche Stromnetz abgibt. Anschließend heizt der Dampf dann das Wasser für das Fernwärmenetz auf. 66 Megawatt thermische Leistung wird dabei erreicht. Für Spitzenzeiten oder für Notfälle steht zudem eine Gaskesselanlage bereit.
Überwacht und gesteuert wird die Anlage an den Computerplätzen im Kontrollraum, dem Gehirn des Kraftwerks.
Die Asche, die nach der Verbrennung übrig bleibt, wird, wenn sie belastet ist, im Bergbau zur Verfüllung von Schächten verwendet. Unbelastete Asche wird im Straßenbau genutzt, Flugasche wird unter Zugabe von Kalk im Tagebau verbaut.
Das Holzheizkraftwerk ist mit einer aufwändigen Rauchgasreinigung ausgestattet, durch die die schädlichen Bestandteile der Holzverbrennung herausgefiltert werden. Die Einhaltung der Emissionswerte wird ständig vom »Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin« (LAGetSi) überwacht.
Durch die Holzbefeuerung werden im Vergleich zur Kohlebefeuerung jährlich etwa 235.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart. So entsteht umweltschonende, regenerative Energie aus Neukölln für Neukölln. mr

Dion und sein Gefolge

Späti für besondere Genüsse

Dion leitet sich ab vom Namen des griechischen Gottes Dionysos, der für entfesselten Genuss, Freude und Hingabe steht. Genau das wollen die Betreiber Bärbel Schütz und André Ebeling des »Dion & Gefolge« vermitteln, das am 10. August in der Bürk­nerstraße 32 eröffnete. Das Gefolge erklärt sich aus den Nachbarn und Freunden, die dieses Projekt mit Tatkraft und Finanzen unterstützen.

DionS, hier ohne Gefolge.                                                                                                                                   Foto: ro

Sobald der Kunde den hellen, freundlichen Laden betritt, versteht er, was dieser griechische Gott meint. Hier gibt es nur erlesene Waren – sowohl aus der Region, als auch aus aller Welt. Schütz und Ebeling legen größten Wert darauf, genau zu wissen, wer die Hersteller der Produkte sind und wie produziert wird. Da finden sich mediterrane Köstlichkeiten wie Pastas, Pestos und hochwertige Öle, süße und salzige Leckereien. Auch an einer Auswahl an Bio-Limos und Säften können sich die Kunden sichtbar erfreuen. Darüber hinaus gibt es eine Abteilung mit unterschiedlichen Bieren. Auch hochwertige Weine sind erhältich sowie ausgewählte Spirituosen. Dion und sein Gefolge weiterlesen

Upcycling auf französisch

Aussortiertes wird umfunktioniert

Der Westschweizer François Rossier kommt eigentlich vom Film. Diese Schaffensseite gedachte er nur kurz zu unterbrechen, um sich einmal seinem Faible, dem Basteln, intensiver widmen zu können. Diese Pause dauert inzwischen fünf Jahre, ohne absehbares Ende. François ist leidenschaftlicher Upcycler. Berlin sei das Paradies, sowohl für seine Ambition als auch fürs Upcycling. Deshalb kam er mit seiner Familie nach Kreuzberg und eröffnete eine Ladenwerkstatt in Neukölln.

François Rossier vor seiner Ladenwerkstatt.                                                                                              Foto: rr

Fast täglich begegnen ihm abgestellte Dinge auf der Straße, die er dann unbedingt mitschleppen muss.
Weil Müll für ihn nur eine Frage der Definition ist, folgt der passionierte Bricoleur (Bastler) nun seinem Wunsch, das gängige Verhalten, stets Neues kaufen zu müssen, zu durchbrechen. Weil viele funktionstüchtige Objekte oder auch solide Materialien leichtfertig als obsolet erklärt und dann entsorgt werden, geht er übers bloße Recyceln hinaus. Er bewertet um und definiert neu, um mehr als nur den stofflichen Wert des Ausgangsobjektes zu erhalten. Upcycling auf französisch weiterlesen

Jazz im »Peppi Guggenheim«

Lina Allemanos Ohrenschmaus

Anfänglich als gemütliche Bar konzipiert, entwickelt sich das »Peppi Guggenheim« immer mehr zum Treffpunkt für Jazzliebhaber und Auftrittsort für internationale Künstler. Der kanadischen Trompeterin Lina Allemano scheint der Ort gut zu gefallen. Bereits drei Mal trat sie dieses Jahr dort auf.

Improvisationen mit Trompete.                                                                                                                 Foto: pschl

Für ihr Konzert am 19. August hatte sie den norwegischen Bassisten Dan Peter Sundland und den deutschen Schlagzeuger Michael Griener, beides virtuose und kreative Musiker, eingeladen.
Allemano spielte als junges Mädchen klassische Musik, wechselte dann zum Jazz und interessierte sich in den letzten Jahren zunehmend für improvisierte Musik und die Erweiterung der Trompetenklänge. »Extended techniques« – unorthodoxe oder »falsche« Techniken zur Erweiterung des Klang­spektrums der Trompete – und der Einsatz diverser Dämpfer ermöglichen eine große Klangvielfalt, die die sonoren Grenzen des Jazz sprengt und dadurch laufend mit Überraschungen aufwartet. Jazz im »Peppi Guggenheim« weiterlesen

Eine Gitarre, ein Fahrrad und 20.000 Kilometer

Von Berlin bis nach Australien

Moritz Ecker, Singer-Songwriter, Gitarrist und leidenschaftlicher Radfahrer aus Neukölln ist wieder auf Reisen. Im Gepäck sein im April erschienenes Debüt-Album »YES« und seine Gitarre.

Moritz Eckert.Foto:                                                                                                                                   Moritz Eckert

Alles fing an mit einem Fahrrad vor der Hochschule, an dem ein Zettel hing: »Zu Verschenken«. Das gefundene Fahrrad wurde repariert und ist seitdem treuer Begleiter von Moritz. Die erste gemeinsame Reise führte ans Nordkap. Und da Abende alleine im Zelt manchmal recht einsam sein können, kaufte er sich in Stockholm eine Ukulele, und damit nahm seine Karriere als Singer-Songwriter ihren Lauf. Die nächste Reise führte nach Istanbul und Albanien. Eine Gitarre, ein Fahrrad und 20.000 Kilometer weiterlesen

Wo Banker kunstvoll weinen

Leuchtende Kunst von der Rolle

Fluoreszierende Zuckerwürfel in dunklen Kellern, weinende Banker, Werbeplakatübermalungen, Kunst von der Rolle – die Arbeiten von Friederike Hammann sind in keinen Stil zu pressen, sondern belebt von sehr unterschiedlichen Materialien, sie spielen aber fast immer mit der Wahrnehmung des Betrachters.

Hammann.Foto:                                                                                                                                    Afonso Azevedo

Die Künstlerin ist am Niederrhein aufgewachsen und lebt seit 1992 in Neukölln. Sie hat Kunst an der UdK studiert und zeichnet und malt, seit sie einen Stift halten kann. Sie erzählt, dass es ganz klassisch dazu kam: Sie lag als Kind krank im Bett und fing an zu zeichnen. Ihre Mutter sorgte in den folgenden Jahren immer für genug Papier und Stifte im Haus. Wo Banker kunstvoll weinen weiterlesen

Fünf Tore in 15 Minuten

Beim Kick im Kiez kriegt man was geboten

Am 17. September trägt Hertha BSC in Hoffenheim das erste Bundesligaspiel aus, das an einem Sonntag um 13:30 Uhr angepfiffen wird – zur besten Amateurfußball-Zeit. Man darf also gespannt sein, ob noch weniger Zuschauer den Weg zum Verein um die Ecke finden, weil man lieber mittags Bundesliga in der Sky-Kneipe guckt.

Schön in Schöneberg – »Tasmania« gewinnt beim Aufsteiger, danach lief es aber nicht mehr so.Foto:                                                                                                                                                         Hagen Nickelé

Dabei wird beispielsweise bei den drei Neuköllner Vereinen in der Berlin-Liga regelmäßig großes Drama geboten. Nach der überraschenden Auftaktniederlage gegen den Aufsteiger »SV Sparta« etwa berappelte sich der »TSV Rudow« und siegte bei den Füchsen in Reinickendorf (2:1) und gegen »Schwarz-Weiß Neukölln«. Fünf Tore in 15 Minuten weiterlesen

TalentCampus

Kinder und Jugendliche bauen Riesenpuppe

Monster in Rixdorf.                                                                                                                                         Foto: pschl

Mit einer mitreißenden Show aus Tanz und Akrobatik von Kindern und Jugendlichen und der Präsentation der größten Marionette Neuköllns endete der vierwöchige »TalentCampus Neukölln«. Auf der Streuobstwiese in der Nähe des Richardplatzes zeigten die Teilnehmer des TalentCampus bei ihrer Abschlussveranstaltung am 19. August, was sie in den vier Wochen geschaffen hatten.
Geleitet wurde das Puppentheaterprojekt von Artur Albrecht, dessen Puppentheatervorführungen im Hotel Rixdorf bereits legendär sind.
Seinem großen Engagement ist es zu danken, dass Kinder und Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern sich während der Sommerferien in spannenden Projekten ausprobieren konnten.
Der Bau einer riesigen Marionette forderte dabei die Fantasie und auch das handwerkliche Geschick aller heraus. So waren sie mit großem Einsatz bei der Sache und stolz darauf, das Ergebnis bei der Abschlussveranstaltung Eltern, Freunden, Verwandten und Bekannten präsentieren zu dürfen.

pschl

Basteln mit Rolf

Kronkorkenrassel

In den Ferien sollten Eltern mit ihren Kindern auch zusammen basteln. Aus Kronkorken lassen sich einfach Geräuschinstrumente herstellen. Heute bauen wir eine Rassel.

Benötigt wird eine Astgabel, ein paar Kronkorken und Blumendraht. Zum Zuschneiden der Astgabel benötigen wir eine Gartenschere, zum Lochen der Korken genügen ein Hammer sowie ein Nagel und zum Ablängen des Drahtes ein Seitenschneider. Noch wichtiger ist die Lust aufs Pfriemeln.
Der Nagel sollte schon etwas dicker sein als der Blumendraht. Das Lochen sollte auf einem alten Brett geschehen, damit der Nagel beim Durchdringen des Korkens per Hammerschlag nicht jedwede teure Unterlage zerstört. Die gelochten Korken werden auf den Draht gezogen und die Drahtenden an die Enden der Astgabel befestigt. Schon kann losgerasselt werden!

rr.

Taubnessel

Weit verbreitet und viel genutzt

Die Taubnessel ist ein »Allrounder«. Ihr Einsatzgebiet reicht von Frauenbeschwerden über Erkältungen bis zum Furunkel. Heute ist sie in Blutreinigungs- und Erkältungstees enthalten. Abgekocht kann sie auch für Umschläge bei Schwellungen genutzt werden. Seit dem frühen Mittelalter wurde sie in unseren Breiten als Heilpflanze genutzt. Die meisten Wirkstoffe sind in den Blüten. Sie blüht von Mai bis September.

Taubnessel.                                                                                                                                    historische Zeichung

Sie enthält neben diversen ätherischen Ölen, Kalium, Phosphor, Calcium, Eisen, Magnesium, Kupfer und Flavonoide sowie Schleim- und Gerbstoffe. Zu den oben beschriebenen Wirkungen kommen noch folgende: adstringierende, auswurffördernde, entzündungshemmende und reinigende Wirkung. Das bedeutet, dass sie zur Blutreinigung, zur Verbesserung der Blutzirkulation oder zur Anregung des Herz-Kreislaufsystems dient. Taubnessel weiterlesen

Petras Tagebuch

Der verlorene Rock

Seit dem Frühling dieses Jahres bin ich mal wieder auf der Suche nach meinem weißen Lieblingsrock.
Bereits im vergangenen Jahr suchte ich und fand ihn zwischen den weißen Tischdecken, aber erst, nachdem ich alle Schränke mehrfach durchwühlt hatte. In diesem Jahr begann die Suche im April und fand ihr glückliches Ende im August.
Wieder durchsuchte ich alle Schränke, wobei ich natürlich bei den weißen Tischdecken startete. Diesmal ohne Erfolg, aber mit dem Erlebnis, vergessene Schätze zu entdecken. Diese Freude tröstete zwar, verhalf mir aber nicht zu meinem Ziel. Ich versuchte es mit der Erinnerung. Aber auch die ließ mich im Stich. Petras Tagebuch weiterlesen

Aus der Zauber

Eingang zum Jerusalem-Friedhof in der Hermannstraße.Foto: fh

Die Bebauung der Friedhöfe rückt näher

An der Hermannstraße südlich des Verbindungsweges zum Tempelhofer Feld befinden sich eine Reihe von Flachbauten aus den 50er-Jahren, die durchweg Ladenlokale beherbergen. Einige Läden stehen bereits leer. An den verdreckten Fensterfronten, die kaum noch einen Blick ins Innere zulassen, ist zu sehen, dass sie nicht erst seit gestern leer stehen. Die anderen bieten eine bunte Mischung aus Trödel, gebrauchten Elektrogeräten und Kulinarischem von Asien bis Nordafrika. Und mittendrin, sozusagen als exotischer Farbtupfer, bietet der »Zauberkönig« bereits seit 1952 vom Niespulver bis zu falschen Bärten alle möglichen Zauber- und Scherzartikel an.
So unterschiedlich die Geschäfte sind, verbindet sie doch ein gemeinsames Schicksal: Ihre Mietverträge laufen allesamt Ende des Jahres aus, denn die Baracken sollen abgerissen werden. Aus der Zauber weiterlesen

»Zentraler Bazillenbunker«

In der ersten Bauphase werden für die Sanierung und den Ausbau des Klinikums Neukölln 160 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das ist eine stolze Summe, jedoch nicht die Lösung des Problems.
Gesundheitsfürsorge, auch in Form der angestrebten Optimierung bestehender Kliniken, ist sehr zu begrüßen. Besser wäre jedoch flächendeckende Prävention der Gesundheitsförderung und -erhaltung in dezentralen Einrichtungen. Vorsorge wäre wichtig zur Vermeidung von Krankheiten. Das kann ein Sportangebot sein oder gesunde Ernährung. Ein erhöhter Personalschlüssel im Ärzte-, Pflege- und Hygienebereich ist zudem unbedingt erforderlich. Und das dazugehörige zeitgemäße digitale Management könnte ebenfalls nutzbringend wirken.

Beate Storni

Ein bisschen mehr Sicherheit

Große Lösung für fahrradfreundliche Hermannstraße nur mit Senatsverwaltung

Über ein kleines Signal für mehr Sicherheit für Radfahrer konnte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 19. Juli berichten. An der Hermannstraße Ecke Kienitzer Straße, wo im Juni ein Radfahrer tödlich verunglückte, wurde der Bereich des absoluten Halteverbotes erweitert und mit einer Fahrbahnmarkierung versehen. Da sich Autofahrer von Halteverbotszonen oft nicht beeindrucken lassen, wurden in die Sperrfläche zusätzlich zwei Poller eingebaut.

Neue Sicherheitszone. Foto:mr

Nachdem die Verkehrslenkung zugestimmt hatte, wurden die Maßnahmen innerhalb von 24 Stunden umgesetzt. Kosten rund 500 Euro.
Aber das ist natürlich nur ein kleiner Schritt. Auf dem großen Rest der Straße sind die Radler weiterhin eingeklemmt zwischen geparkten Autos und dem fließenden Verkehr. »Die Hermannstraße ist eine schwierige Straße«, sagte Giffey. Aber um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden, müsse jetzt in einem ersten Schritt ein Gutachten über mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Radwegesituation erstellt werden. Die Mittel dafür werden beim Senat beantragt.

mr

Klettern im Walfischskelett

Neuer Spielplatz an der Schierker Straße eröffnet

Schon vor der offiziellen Eröffnung am Nachmittag des 15. Juli hatten die Kinder den neuen Spielplatz an der Schierker Straße in Besitz genommen. Fröhlich tobten sie auf so ungewöhnlichen Spielgeräten wie einem Walfischskelett-Klettergerüst, Wollnashorn-Wackelzahn, einer Seilbahn oder einem Mammutkiefer-Balancierknochen.

Gemeinsame Spielplatzeröffnung.                                                                                                                 Foto:mr

Das Klettergerüst mussten die Kinder dann kurzfristig wieder räumen, damit Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey gemeinsam mit den Stadträten Jan-Christopher Rämer und Jochen Biedermann sowie Quartiersmanager Ulrich Lautenschläger mit dem Durchschneiden des Absperrbandes den Platz offiziell eröffnen konnten. Anschließend ließen es sich die Herren nicht nehmen, die Seilbahn auszuprobieren. Klettern im Walfischskelett weiterlesen

Alter Güterbahnhof wird neues Stadtquartier

Planer stellen erste Entwürfe vor

Auf dem alten Güter­bahn­hof Neukölln zwischen S-Bahngleisen und Ringbahnstraße soll zukünftig ein neues Stadtquartier entstehen. Wie das in Zukunft aussehen könnte, davon konnten sich interessierte Anwohner am 12. Juli in der Mensa der Silbersteinschule einen ersten Eindruck verschaffen. Dort stellten die Planer eine städtebauliche Studie mit ersten Entwürfen vor.

Planerträume.                                                                                                              Foto: Wehrhahn Architekten

Die »Projektgesellschaft Ringbahnstraße« möchte auf dem Gelände 400 bis 700 Mietwohnungen errichten, 25 bis 30 Prozent preisgebunden, Eigentumswohnungen sind keine vorgesehen.
Nach den Vorstellungen der Architekten Hans Wehrhahn und Stephan Niewolik soll entlang der S-Bahn ein durchgehender Gebäudekomplex mit sieben Etagen entstehen, der die übrigen Gebäude vom Lärm der Bahn abschirmt. Zur Ringbahnstraße hin sollen begrünte Höfe angelegt werden, um die sich die einzelnen Blöcke gruppieren. Die hier geplanten Fünfgeschosser werden in etwa die gleiche Höhe haben wie die Gründerzeithäuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Alter Güterbahnhof wird neues Stadtquartier weiterlesen

Für Milieuschutz und gegen Zentralisierung

Schulsanierung soll in Bezirkshand bleiben

Gute Nachrichten für Mieter: Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom 19. Juli hat zwei neue Milieuschutzgebiete beschlossen. Dabei handelt es sich um die Gebiete Silbersteinstraße/Glasower Straße und Hertzbergplatz/Treptower Straße. Damit hat der Bezirk auch in diesen Kiezen ein Instrument an der Hand, mit dem aufwändige und damit mietkos­tentreibende Modernisierungen eingeschränkt oder sogar unterbunden werden können, um sozialer Verdrängung entgegenzuwirken. »Wohnungsverlust ist eine existenzielle Bedrohung für Menschen, die sich die sanierten Wohnungen nicht mehr leisten können«, begründete Michael Morsbach (SPD) die Notwendigkeit dieser Entscheidung. Andreas Lüdecke von der AfD forderte dagegen, die Aufwertung zu fördern. Die »Unterschutzstellung von Milieus« sei die Ursache dafür, dass Neukölln die meisten Schulabbrecher und die geringste Lebenserwartung in der Stadt habe, so seine steile These. CDU und FDP sprachen sich gleichfalls gegen einen weiteren Milieuschutz aus, konnten sich gegen SPD, Grüne und Linke aber nicht durchsetzen. Für Milieuschutz und gegen Zentralisierung weiterlesen

Unterstützung im Einsatz gegen Rechts

Podiumsdiskussion mit Fritz Felgentreu

Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten politisch Engagierte Opfer von mutmaßlich rechten Anschlägen. Wie kann Staat und Zivilgesellschaft bürgerliches Engagement für Demokratie und den Einsatz gegen rechtes Gedankengut unterstützen, was brauchen Initiativen, Vereine und Privatpersonen? Um über diese Fragen zu diskutieren, hatte der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu (SPD) gemeinsam mit seiner Kreuzberger Kollegin Cansel Kiziltepe am 4. Juli in das Nachbarschaftsheim Neukölln eingeladen.

Einigkeit über die Stärkung der Demokratie.                                                                                           Foto: mr

Zur Einstimmung ins Thema berichtete Mirjam Blumenthal, DGB-Kreisvorsitzende, über die Anschläge der vergangenen Monate und die Auswirkungen auf die Opfer. Sie selbst gehört auch dazu. Ihr Auto wurde angezündet und auch der Jugendverband »Falken«, den sie leitet, war mehrfach das Ziel mutmaßlich rechtsextremistischer Anschläge. Sie forderte einen Opferfonds, weil die Versicherungen in einem solchen Fall häufig nicht zahlen. Unterstützung im Einsatz gegen Rechts weiterlesen

Krankenhaus Neukölln kann endlich saniert werden

Senat macht Geld locker

Gemeinsam mit Gesundheitssenatorin Dilek Kolat besuchte der Neuköllner Bundestags­abgeordnete Fritz Felgentreu am 17. Juli das Klinikum Neukölln, um sich über die dringend notwendigen Ausbau- und Sanierungsarbeiten zu informieren. Mit ihnen vor Ort war auch Bezirksbürgermeis­terin Franziska Giffey.

Bezirk, Stadt, Bund.                                                                                                                  Foto: Büro Felgentreu

In der Rudower Straße befindet sich das größte »Vivantes Klinikum« Berlins mit 1.200 Betten, 2.500 Mitarbeitern und 47.000 Patienten, die in 25 Fachbereichen versorgt werden. Das Einzugsgebiet der Patienten geht weit über Neukölln hinaus bis nach Brandenburg und Treptow/Köpenick. Insgesamt umfasst das Gebiet etwa 400.000 Bewohner. Krankenhaus Neukölln kann endlich saniert werden weiterlesen

Bundestagskandidat im Einsatz mit der Polizei

Marcus Jensen nachts mit Sirene unterwegs. Ein Erlebnisbericht

Im Rahmen meiner Kandidatur für den Deutschen Bundestag wollte ich unbedingt einmal die Arbeit der Polizei begleiten, um mir ein gutes Bild zu machen. Wie ist die Motivation der Beamten? Wie ist die Polizei ausgestattet, sowohl personell als auch von der Ausrüstung, dem sogenannten Handwerkszeug? Wie ist die Reaktion auf der Straße, wenn die Polizei zum Einsatz unterwegs ist? Alles spannende Themen, über die ich nach der Aktion ein klareres Bild haben wollte.

Rund um die Uhr im Einsatz.                                                                                                                            Foto: pr

Die Begleitung begann um 22 Uhr und dauerte vier Stunden. Kaum hatte ich die Erklärung unterschrieben, meine Schutzweste erhalten und die beiden netten Beamten vorgestellt bekommen, die ich begleiten durfte, da ging es schon im Laufschritt zum Wagen: Grund war häusliche Gewalt in der Nähe. Im Auto sitzend, löste sich der Klettverschluss auf der linken Seite der Schutzweste, und den Sicherheitsgurt bekam ich erst zum Einrasten, als wir angekommen waren. Es ging im schnellen Tempo mit dem Streifenwagen und mit Blaulicht durch den Norden von Neukölln. Hier war mir nach wenigen Minuten klar: Für diesen Job musst du hellwach in jeder Sekunde sein, auch im größten Stress-Moment, vor allem aber sehr starke Nerven haben. Bundestagskandidat im Einsatz mit der Polizei weiterlesen

Sanieren bis der Arzt kommt

Luxussanierung als Schädlingsbekämpfung. Eine Glosse

Es gibt saure Milieus, alkalische Milieus, geschützte Milieus, proletarische Milieus, ph-hautneutrale Milieus und Zille sein Milljöh. Es gibt auch wässrige Milieus. An das hat Anne Zielisch bei ihrem Antrag an die BVV Neukölln vielleicht gedacht, als sie zorneswütig, den Kopf so rot wie Schopf und Brille, niederschrieb, es gelte nun, »den Sumpf trockenzulegen, in dem Linksterrorismus gedeiht«.

Auch ein Milieu.                                                                                                                                                     Foto: mr

Mit dem Sumpf meint die Ex-AfD- und nun fraktionslose Bezirksverordnete die Milieuschutzgebiete Neuköllns wie den Reuterkiez, in dem die »Friedel54« steht. Sich das rechte Auge zuhaltend, erkennt Zielisch beim Blick durchs Mikroskop haarscharf, dass in Milieus, in denen die Mieten noch bezahlbar sind, allerlei bizarre Kreaturen kreuchen und fleuchen: Linksautonome, Hartz IV-Empfänger, Migranten, Studentinnen, Alleinerziehende, Sozialpädagogen und weiß der Himmel was noch.
Also greift Zielisch zum Stift, sie hat eine geniale Idee: »Das Bezirksamt muss alles in seinen Möglichkeiten Stehende unternehmen, um eine Vertreibung dieses Milieus zu fördern. Sanieren bis der Arzt kommt weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 184 – Donnerstag, 9. August 1917
Fort mit den Ohrringen! Zur Stärkung seiner finanziellen und wirtschaftlichen Rüstung verlangt das Vaterland von uns das Gold in jeder Form. Erfreulicherweise wird jetzt den Goldankaufstellen auch Goldschmuck in stärkerem Maße zugeführt. Bei dieser Gelegenheit sei die schon oft gehörte Mahnung: »Fort mit den Ohrringen!« wiederholt, denn jetzt bietet sich Gelegenheit, diesen mehr als überflüssigen Schmuck, gegen den auch vom Kulturstandpunkt schwere Bedenken geltend gemacht werden, ehrenvoll auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. Und hofentlich für immer. Denn dieser Schmuck, zu dessen Anbringung das Ohrläppchen durchbohrt werden muß, ist ein Ueberbleibsel aus grauer Vorzeit, er erinnert an Gewohnheiten wilder Völkerschaften, die bei der Verwendung von Schmucksachen sogar ihren Leib zu verunstalten lieben. Die Nasenringe, die klirrenden Fußringe und Fußketten, gegen die die Propheten des Alten Testaments eiferten, sind im zivilisierten Europa zwar verschwunden, aber der Ohrring ist noch geblieben. Allerdings gibt es bei uns viele deutsche Frauen, die diesen halbbarbarischen, weil das Ohr verunstaltenden »Schmuck« verschmähen, aber viele tragen ihn noch aus alter Gewohnheit. Jetzt ist es an der Zeit, hiermit vollständig aufzuräumen. Der Kultur ist damit ebenso gedient wie der Reichsbank. Wenn man bedenkt, daß das Deutsche Reich 35 Millionen weiblicher Wesen zählt, von denen manche auch doppelte und mehrfache wertvolle »Garnituren« besitzen, so könnte durch die Einschmelzung dieses Goldes eine recht erhebliche Summe dem Goldbestand der Reichsbank zugeführt werden. Also fort mit den Ohrringen zugunsten des deutschen Vaterlandes! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Gletschersterben in Britz

Eine Institution soll weichen

Wieder droht aus Britz Geschichte zu verschwinden. 2001 musste der »Buschkrug«, ein 1385 gegründetes Gasthaus, einer Straßenverbreiterung weichen. Dann wurden die beiden Sendetürme des RIAS einfach weggesprengt.
Das frühere Dorf Britz hat mit dem ehemaligen »Britzer Gutshof«, der Dorfkirche, der alten Schule und dem Schloss ein fantastisches, denkmalgeschütztes Dorfkernensemble. Warum die ehemalige Zahlstelle und der Krämerladen für die Tagelöhner des Gutes direkt am Britzer Dorfanger nicht dazugehört, bleibt fragwürdig.

»Gletscher«-Publikum in alten Zeiten.                                               Foto: Archiv des Museums Neukölln

Wann das Gebäude an der Ecke Alt-Britz und Fulhamer Allee errichtet wurde, bleibt unklar. Dass es sich ab 1872 immer mehr zur Schankwirtschaft wandelte, ist dagegen belegt. Ab 1900 wurde aus dem »Weiss und Bairisch Bier Local« der »Gletscher«, der weit über Britz hinaus beliebt war, auch seines Biergartens wegen. Hier wurde traditionell nach dem Besuch der weitläufigen Britzer Rosenfelder oder während des alljährlichen stattfindenden Rosenfestes eingekehrt. Das blieb auch so, als nach der Isolation West–Berlins zu Zeiten der DDR die »Britzer Baumblüte« zum Werderersatz avancierte. Gletschersterben in Britz weiterlesen

Die Lebenspositiviererinnen

Nachhaltig liebevolle Persönlichkeitsentwicklung ist lernbar

»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« (Einstein).
Jeder kennt das. Die Vorsätze für das neue Jahr haben eins gemein: Sie werden in der Regel nach ein bis zwei Monaten aufgegeben. Die Enttäuschung über die eigene Schwäche ist dann groß.
NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren oder auch Nachhaltig Liebevolle Persönlichkeitsentwicklung) kann hier Abhilfe schaffen. Durch wirksame Techniken können ungüns­tige Verhaltensmuster durch gewünschte ersetzt werden. Die Wahlmöglichkeiten für Handlungsoptionen werden erhöht.
Darüber hinaus unterstützt NLP die Bewältigung und Aussöhnung vergangener, negativ und belastend erlebter Ereignisse. So kann beim Betroffenen die Erkenntnis wachsen, was Gutes aus dem Erlebten entstanden ist, welche Lernaufgabe er vielleicht hatte. NLP zählt zu den erfolgreichsten Methoden, private und berufliche Veränderungen zu realisieren. Die Lebenspositiviererinnen weiterlesen

Sonnengelb und stark wie Popeye

Französisches Café »Mimosa« in der Richardstraße

Popeye, der starke Seemann mit der Pfeife, braucht nur eine Dose Spinat zu leeren, um problemlos alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Im echten Leben ist das nicht so leicht, aber Marie, die aus dem Pariser Umland kommt, hat es trotz Widrigkeiten geschafft, sich ihren Traum vom eigenen Café zu erfüllen. Sie lebt seit fünf Jahren in Berlin, und als sie im Januar in ihrem Job als Sous-Chefin plötzlich gekündigt wurde, sagte sie sich: »Es reicht!«

Marie vor ihrem Bébé.                                                                                                                                           Foto: jt

Seit zwei Monaten backt und kocht die in allen Bereichen der Gastronomie professionell ausgebildete Französin nun schon in der Richardstraße. Benannt ist ihr Café nach Pop­eyes Sohn, der auf französisch »Mimosa« heißt, und nach der empfindsamen Pflanze, die mit ihrem leuchtenden Gelb die Landschaft rund ums südfranzösische St. Tropez erstrahlen lässt. Dieses Gelb verleiht dem Inneren des Cafés auch die Gemütlichkeit, die Marie sich wünscht. Die Leute sollen sich hier wohlfühlen, wenn sie typisch französische Gerichte wie Croque Monsieur oder Quiche genießen. Sonnengelb und stark wie Popeye weiterlesen

Die neue Weltküche ist am Maybachufer vor Anker gegangen

Von Rom nach Tokio in zwei Minuten

Nachdem wenige Meter entfernt die Songwriterbühne der »Ofen Bar« leider vor geräuschüberempfindlichen Nachbarn kapitulieren und das preismutige Edelsteakkonzept des »Filetstück Pigalle« irgendwie erwartet am Kiez scheitern musste (für August wird anwohnertypischere Küche versprochen), tut sich direkt am Maybach­ufer auch ganz schön was: Tags behaupten sich auf der Marktmeile dank Weltpublikum kreative vegane Donuts von »Brammibal’s« neben korrekten Burgern und anderen Veganküchen­snacks im Café »rily«. An der Ecke Hobrechtstraße übernimmt bald der Restlebensmittelverwertungsvorreiter »Restlos glücklich« aus der Kienitzer das »Hepcat’s Corner« und das »Café Jacques« und die »Bread Station« sind längst Klassiker.

Mördermäßig beleuchtete Pizza.                                                                                                                  Foto: hlb

Ex-«Eckbert«-Kenner werden sich über das durch viele Spiegel und buntes Bauklötzchendesign etwas eisdielige Interieur des originellen Focaccia- und Pastalokals »Ammazza che pizza« (mördermäßige Pizza) von Davide und Jeanette Gravina wundern. Die neue Weltküche ist am Maybachufer vor Anker gegangen weiterlesen