Archiv der Kategorie: Literatur

Klassenjustiz

Buchrezension von Anne Seeck

»Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich« heißt das 270-seitige Buch des promovierten Juristen und Redakteurs der Süddeutschen Zeitung Ronen Steinke. Der Autor zeigt systematische Ungerechtigkeiten im Strafsystem auf. Einkommensarme Menschen, die schwarzfahren oder einen kleinen Ladendiebstahl begehen, werden hart bestraft. Verfahren wegen Wirtschaftskriminalität werden dagegen eingestellt oder es wird milde geurteilt. Ronen Steinke recherchierte bei Staatsanwält*innen, Richter*innen, Anwält*innen und Verurteilten. Dabei geht der Autor in verschiedenen Kapiteln die einzelnen Stationen der rechtlichen Verfahren durch. Er beschreibt die Rolle der Anwält*innen, untersucht Urteile (zum Beispiel die Bedeutung verhängter Geldstrafen) und analysiert die Auswirkungen der U-Haft und von Gefängnisaufenthalten. Nach den Kapiteln zur Wirtschafts- und zur Elendskriminalität legt er schließlich Ideen vor, wie es gerechter zugehen könnte. Klassenjustiz weiterlesen

Rosa Luxenburg

Oder der Preis der Freiheit

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Jörn Schütrumpf hat bei »Dietz Berlin« unter diesem Titel ein 190 Seiten starkes Kompendium herausgegeben. Dabei entfallen sechzig Seiten auf zentrale ausgewählte Beiträge Rosa Luxemburgs, nachdem zuvor der geschichtliche Hintergrund, die Zusammenhänge in der Politik der Arbeiterbewegung und dem Wirken Rosa Luxemburgs hergestellt werden. Ein umfangreicher Kernpunkt ist die Analyse der revolutionären Situation, die in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkrieges entsteht und in Russland zur erfolgreichen sozialistischen Oktoberrevolution und in Deutschland zur Weimarer Republik führt. Die lange Schrift Luxemburgs »Zur russischen Revolution« bildet den inhaltlichen Abschluss. Rosa Luxenburg weiterlesen

Eigentum verpflichtet

Jedoch nicht zur Ausbeutung

Sabine Nuss hat eine sehr fundierte Analyse zu dem Komplex Eigentum und Enteignung bei »Dietz Berlin« veröffentlicht. Der provokante Titel entspricht der herausfordernden aktuellen Diskussion um die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne, für die nahezu 60 Prozent aller wahlaktiven Berliner und Berlinerinnen in einer Volksabstimmung »Ja« sagten. Das Buch heißt »Keine Enteignung ist auch keine Lösung«.
Sabine Nuss kommt gleich in der Einleitung zur Sache. Im Kern gibt es zwei Formen der Enteignung, die sich historisch und bis heute nachvollziehen lassen. Die eine Enteignung hat mit der derzeitigen Diskussion um die Vergesellschaftung von finanzkräftigen Immobilienfirmen zu tun, die andere mit der früheren Welle der Privatisierung nach dem Spätmittelalter, in der Grund und Boden durch Feudalherren und frühen Geschäftsbetreibern in Beschlag genommen wurde, ein Vorgang, den Karl Marx als »ursprüngliche Akkumulation« bezeichnete. Den auf den Boden wirtschaftenden Menschen blieb nichts anderes, als ihre Haut als Arbeitskraft zu Markte zu tragen. So geht es vielen heute weiterhin, die keine Profite beziehen. In die laufende Debatte bringt Sabine Nuss zusätzlich den Aspekt ein, wie es um das weltweit umstrittene Urheberrecht auf »geistiges Eigentum« bestellt ist. Ebenso nimmt sie unter die Lupe, wie es in den »realsozialistischen Ländern« zu Fehlplanungen kommen konnte, die ihre Ursache in »dem Markt« hatten. Eigentum verpflichtet weiterlesen

Seit 150 Jahren ein Dauerbrenner

Andrej Holm zur Wohnungsfrage

Die anhaltende Pandemie hat verdeutlicht, was Wohnen für die Menschen bedeutet und an welche Grenzen es stößt. »Insbesondere Familien merkten in der Corona-Krise schnell, dass ihre Wohnung nicht für Home-Office und Home-Schooling geeignet ist und Wohnungsgrößen und Grundrisse nicht auf ein paralleles Arbeiten und Kinderbetreuung ausgerichtet sind.« Das hebt der Sozialwissenschaftler und wohnungspolitische Aktivist Andrej Holm gleich zu Anfang seiner fundierten Analyse »Zur Wohnungsfrage und was Engels noch nicht wissen konnte« hervor.
Im Wohnen spiegeln sich die Widersprüche des Lebens unter Bedingungen der »kapitalistischen Urbanisierung« gleich in drei Dimensionen wider: »Wohnen als Zuhause«, »Wohnen als Immobilie« und »Wohnen als Umverteilungsmechanismus und politischer Kampfplatz«. Seit 150 Jahren ein Dauerbrenner weiterlesen

Rosa Luxemburg in Berlin

Ein biografischer Stadtführer

Unter diesem Titel hat Claudia von Gélieu einen bemerkenswerten Stadtführer vorgelegt, veröffentlicht bei »Dietz Berlin«. Das 138 Seiten umfassende Werk wurde im handlichen Taschenformat gedruckt, enthält eine Übersichtskarte, einen Audioguide und mehr als 120 Abbildungen sowie einen Lebenslauf und eine Bibliografie. In 40 Kapiteln werden die Stationen vorgestellt, in denen Rosa Luxemburg lebte und wirkte. Es entsteht eine umfangreiche Schilderung des Schaffens dieser starken Frau, auch ihrer Liebesbeziehungen.
Claudia von Gélieu schildert die Stationen in 40 chronologischen Kapiteln, die je mindestens zwei Seiten umfassen. Rosa Luxemburg in Berlin weiterlesen

Deutsche Digitale Bibliothek bündelt Wissen

Auch Zeitungen aus mehreren Jahrhunderten jetzt online verfügbar

Wer auf die Homepage der Deutschen Digitalen Bibliothek DDB tappt, wird mit dem Hinweis empfangen, dass er/sie/es sich über 39.216.028 Objekte aus Kultur und Wissenschaft informieren kann.
Dies ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit, genauer seit 2012, als die erste Betaversion ins Netz gestellt wurde. Ende 2014 war die erste Vollversion startklar. Seitdem schafft sie über das Internet kostenfreien Zugang zu den digitalen Angeboten deutscher Bibliotheken, Archive, Mediatheken, Museen, Denkmalpflegeeinrichtungen und Forschungsinstitutionen, indem sie diese vernetzt. Über ein zentrales Portal sind so Millionen von Archivalien, Büchern, Bildern, Skulpturen, Filmen, Musikstücken und anderen Tondokumenten zu finden. So ist das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Deutschlands in gebündelter Form zugänglich. Deutsche Digitale Bibliothek bündelt Wissen weiterlesen

13 Tage im August 1961

Zeitzeugen berichten

Seit 1961 wird alljährlich im August an den Bau der Berliner Mauer gedacht. Kollektiv präsent sind Bilder, wie etwa das von der spektakulären Flucht des Grenzsoldaten Conrad Schumann, der mit geschulter Waffe über eine Stacheldrahtrolle gen Westen sprang. Gern und oft zitiert werden Schlüsselsätze von Politikern, wie zum Beispiel der von Walter Ulbricht, der noch vor dem Mauerbau im ZK behauptete, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten, oder das politische Statement von J. F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg: »Ich bin ein Berliner.«

Foto und Druck:Heike Goldmann

Heike Goldmann aus Britz fragte sich aber: Was spielte sich tatsächlich an jenem schicksalhaften 13. August in Berlin ab, was passierte mit den Menschen hier und mit den Familien? Ihr Vater hatte dazu keine Erinnerungen, und so suchte sie mit ihrem Mann Sven nach solchen Zeitzeugen im Freundes- und Bekanntenkreis. 13 Tage im August 1961 weiterlesen

Schwabylon

Asterix mit Herz und Schnauze

»Habt ihrn Ding anne Glocke? Wat warn dit füa ne Aktion grade?« Als waschechtem Berliner – und Neuköllner sowieso – ist der Dialekt unserer eingeborenen Vorfahren zwar nicht mehr allgegenwärtig, dennoch weit verbreitet.
In einem Goscinny-Uderzo-Werk, sprich: Asterix-Band, vermutet niemand auf Anhieb eine Mundart. Nun denn, liebe Leser, »Schwabylon Berlin« ist der »Asterix berlinert« Band 3. Dank Martin »Gotti« Gottschild raufen sich Asterix und Co mit Berliner Schnauze durch die Römischen Reihen.
Martin »Gotti« Gottschild, der aus den Medien bekannte Berliner – was sonst? – Dialektübersetzer, Musiker, Schauspieler und Comedian, hat sich mit dem 84. Band der Mundart-Reihe selbst übertroffen. Sollte ihn jemand nicht kennen, möge er in die wöchentliche Action-Lesung bei Radio Eins reinhören. Diese vollbringt er mit seinem Kollegen Sven van Thom als Comedy-Duo »Tiere streicheln Menschen«. Außerdem ist er als Vater und Stimme des »Sandmann für Erwachsene« bekannt. Schwabylon weiterlesen

Müllerchen und die Montage

Kriminell komische Geschichten von Herbert Friedrich Witzel

Herbert Friedrich Witzel, seit Jahren ansässig in der Warthestraße, ist ein umtriebiger und vielseitig interessierter und denkender Autor. Ob kuriose Kiez- und bittersüße Weihnachtsgeschichten, historische Krimis, Bücher über Fantasy-Erfinder J.R.R. Tolkien oder übers Angeln in Berlin, ob scharfzüngig witzelnde, politisch-kulturelle Blogposts, Erzählungen oder Gedichte – sein schriftstellerisches Oeuvre wuchs über die Jahrzehnte und trotz längerer Pause in beachtliche Breiten. 50 Jahre schon wirkt Witzel von Berlin aus, veröffentlichte 1976 hier sein erstes Buch und organisierte immer wieder auch Kulturveranstaltungen wie seine »Lied- und Lesebühne«.


In seinem Verlag »worttransport.de« veröffentlicht der 1949 in Braunschweig geborene einstige Kunst- und Lateinstudent und langjährige Speditionskaufmann bei sich daheim handgefertigte Bücher, teils »ohne Eselsohren« (da er ihnen die Ecken abschneidet) und in handlich flexibler »Rixdorfer Japanbindung«. Bücher über Menschenleben wie das der Kinogöttin Jean Harlow, des Banditen Jesse James oder, unter Witzels Autorenpseudonym Hermann Syzygos verfasst, die des Erfinders Nikola Tesla, der Musikikone Johnny Cash oder der Mata Hari. Dazu kommen historisch spannende, von Witzel ins Heute übersetzte »aufgefrischte Originaltexte«. Müllerchen und die Montage weiterlesen

Über Busenbürsten und andere Kalamitäten

Kapielskis Kotmörtel

Frowalt Heimwée Irrgang Hiffenmarkt ist ein etwas sonderbarer Mensch. Ein begnügsamer, an sich zufriedener, fantasievoller und gebildeter Mann, Familienvater und von Beruf Vertreter für Sanitärbürsten. Getrieben wie beseelt ist er vom ständigen Drang seiner Einfälle und Erkenntnisse und davon, diese auf Bahnhofsvorplätzen zu referieren oder in einem Geheimrefugium niederzuschreiben und zu archivieren. Als er am Schweinfurter Bahnhof von einer hübschen Frau zwei Geschenkpakete annimmt, um sie in seiner Heimatstadt Grollstadt-Sauger zu überbringen, was scheitert, landet er für Monate im heimischen Knast. Warum genau – das erfahren Leser und Leserin, wenn überhaupt … Aber will wollen nicht »spoilern«. Über Busenbürsten und andere Kalamitäten weiterlesen

Das Rattenimperium

Horst Ever’s »Der König von Berlin«, neu gelesen

Wer einmal auf »Radio Eins« die lustigen Episoden von Horst Evers gehört oder ihn bei einem seiner Live-Auftritte erlebt hat, wird süchtig nach seinem trockenen Humor und seinen skurrilen Geschichten. Doch auch als Krimiautor weiß Evers zu überzeugen.
In seinem 2012 erschienenen Roman »Der König von Berlin« beschäftigt er sich mit einem fiktiven Rattenimperium in der Hauptstadt.
Wie Evers selbst kommt der junge und ehrgeizige Kommissar Lanner aus Niedersachsen. Seine Versetzung aus Cloppenburg nach Berlin sieht der Kommissar als die große Chance. Doch seine Erwartungen werden sämtlich und umgehend enttäuscht. Lanner wird von den Kollegen schikaniert und trifft auf eine Bevölkerung ohne den geringsten Respekt. Trotzdem lässt er sich nicht beirren und arbeitet hartnäckig an seinem ersten Fall, dem angeblichen Selbstmord Erwin Machalliks, des Chefs der größten Schädlingsbekämpfungsfirma von Berlin. Kurz nach dessen Ableben wird die Stadt von einer gewaltigen Rattenplage heimgesucht. Das Rattenimperium weiterlesen

Die Faszination der Biografien

Wie Worte das Leben noch einmal formen

»Die Biografische Bibliothek« in der Richard­straße 104 bietet als einziges Antiquariat in Deutschland eine enorm große Zahl an inhaltlich wertvollen und aufschlussreichen Biografien, Tagebüchern, Memoiren und Briefeditionen, die anderweitig nur noch schwer erhältlich sind.

Bibliothek erlebter Geschichten.        Foto: pr

Die Bücher sind liebevoll und sorgfältig anhand ihrer inhaltlichen und literarischen Qualität ausgewählt. Schwerpunkte des Sortiments bilden Biografien von und über Frauen sowie antifaschistische Lebensgeschichten und Künstlerbiografien.
In loser Reihenfolge finden seit 2005 »Biografische Lesungen« statt. In der 89. Lesung i m Dezember 2019 stellte beispielsweise Ingeborg Boxhammer ihre Biografie über Margarete Herz vor. Diese radikaldemokratische jüdische Kämpferin für das Frauenwahlrecht und Mitgründerin einer Reformbewegung für eine gesunde Lebensweise schuf ein starkes Netzwerk selbstständiger Frauen. Der antisemitische Naziterror trieb sie ins Exil. Die Faszination der Biografien weiterlesen

Aufruf zur Erinnerung

»Mauergucker und Mauerspechte«

Die SPD-Kreisverbände Treptow-Köpenick und Neukölln rufen gemeinsam dazu auf, persönliche Erinnerungen an die Teilung Berlins und den Fall der Mauer wachzurufen, die in Form von eigenen Berichten oder der künstlerischen Verarbeitung dieser Erinnerung veröffentlicht werden sollen. Beide sammeln die Erinnerungsberichte und beabsichtigen, sie in einer gemeinsamen Veranstaltung anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls öffentlich zu präsentieren. Aufruf zur Erinnerung weiterlesen

Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour«

Vielfältiges Leseprogramm

Bereits zum vierten Mal veranstalten die unabhängigen Buchhandlungen in Neukölln das »LiteraTour-Festival Neukölln!«
Es beginnt am 15. Mai um 20 Uhr in der »Galerie Olga Benario«, Richardstraße 104, mit einer Lesung und anschließendem Berlin-Buffet. Die Buchhändler der teilnehmenden Buchhandlungen lesen ihre Lieblingstexte.
Nebenan in der »Biografischen Bibliothek« blickt Christian Dietrich am 18. Mai um 19 Uhr auf das Schaffen des jungen Revolutionärs Eugen Leviné zurück. Sein Engagement für die KPD, seine Arbeit für die »Rote Fahne« und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik sind Schlaglichter einer bemerkenswerten Biographie. Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour« weiterlesen

Die Schonzeit ist vorbei

Steht zu uns, helft uns, greift ein!

Juna Grossmann ist in Berlin geboren, hängt einer liberalen Form des Judentums an und hat das freie Leben in der Hauptstadt immer geliebt. Auch ihre Eltern und Großeltern sind hier geboren. Deutschland ist ihr Zuhause. Trotzdem wird sie häufiger gefragt: »Wann gehen Sie wieder nach Hause?«

Juna Rossmann stellt ihr Buch vor.                                                                                                               Foto: mr

Diese und viele andere Formen des wiederaufkommenden Antisemitismus beschreibt Grossmann, die seit 2008 den Blog »irgendwie juedisch« betreibt, in ihrem Buch »Schonzeit vorbei«, das sie am 18. Februar auf Einladung der Anwohnerinitiative »Hufeisern gegen Rechts« im »Hufeisencafé« in der Fritz-Reuter-Allee vorstellte. Die Schonzeit ist vorbei weiterlesen

Junge Autoren ringen um Preise und Verlage

Wichtigster Jungautorenpreis wurde im Heimathafen vergeben

Der »open mike« ist unbestritten der wichtigste Preis für junge Literatur.
Zwischen Händeschütteln und Visitenkarten, Lesungen wie Staffelläufen und ein wenig gegenseitigem Schulterklopfen dann vor allem: Ein Wettbewerb. Hier lesen, so der Gedanke, Deutschlands Literaten von morgen. Und vier davon tragen heute schon einen Preis in der Tasche.
Seit 2012 in Neukölln zu Gast, ist die Veranstaltung als Start in den Betrieb gedacht: Eine kleine Zahl an Lektoren wählt 20 Finalisten aus, deren Texte in einer Anthologie erscheinen und gelesen werden – nach den Lesungen ermittelt eine Jury aus drei prominenten Autoren drei Schreibende, die den jeweils auf 7.500 Euro dotierten Preis erhalten und zusätzlich den taz-Publikumspreis gewinnen können. Junge Autoren ringen um Preise und Verlage weiterlesen

»Mission Verantwortung«

Misserfolg ist kein Untergang

Autor Kiesewetter.                                  Foto: pr

Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, tragen wir auch Verantwortung. Entscheidungen zu treffen ist eine Sache, zu den daraus resultierenden Folgen zu stehen, eine andere. Beides in Einklang zu bringen und damit zufrieden, glücklich und erfolgreich zu sein, kann als Lebenskunst bezeichnet werden.
Wir treffen jeden Tag ungefähr zweihundert mehr oder weniger bedeutsame Entscheidungen. Solche hinsichtlich Nahrungsaufnahme oder Wahl des Verkehrsmittels werden als nicht so wichtig empfunden wie solche zu Finanzen, Partnerwahl oder Arbeitsplatz; Der Unterschied liegt in der Tragweite möglicher Folgen. »Mission Verantwortung« weiterlesen

»Glanzparade« zur WM

Peter S. Kaspar hat Frank Stiefels neues Fußball-Buch gelesen

Die Fußball-WM naht und mit ihr zahlreiche Publikationen, die sich rund ums »Runde Leder« drehen. Einschlägige Erfahrung hat der ehemalige Mitarbeiter von Kiez und Kneipe, Frank Stiefel, bereits vor zwölf Jahren gesammelt, als er zur Heim-WM mit »Anschlusstreffer« zum ersten Mal die Fußball-Welt literarisch aufmischte.
Diesmal heißt das Werk »Glanzparade« und ist mit 240 Seiten fast doppelt so dick geraten wie sein Vorgänger. Und die »Glanzparade« hat es dann auch fürwahr in sich. Am bewährten Rezept hat Frank wenig geändert. Es geht um Fragen, Fakten und Zitate – und vor allem um wunderbare Karikaturen, mit denen er kickendes und nicht-kickendes Personal ins Bild setzt. »Glanzparade« zur WM weiterlesen

»Buch Berlin«

Deutschlands drittgrößte Literaturmesse

Innerhalb von vier Jahren hat sich die »Buch Berlin«, die am 25. und 26. November im Hotel »Estrel« stattfand, zur drittgrößten Buchmesse in Deutschland entwickelt.

Verleger Robert S. Plaul und Autorin Miriam Rademacher stellen neue Krimis vor.              Foto: mr

Rund 250 kleine, unabhängige Verlage und Autoren, die selbst verlegen, präsentierten ihr aktuelles Programm.
Genremäßig war ein breites Spektrum abgedeckt. Von Krimis über Fantasy, Belletristik und queerer Literatur bis zu Sachbüchern war alles dabei. Einen gro­ßen Bereich gab es auch für Kinderbücher.
Für die Kinder gab es am Tag vor Beginn der eigentlichen Messe mit der »Buch Berlin Kids« einen eigenen Messeteil. 600 Kinder aus Berliner Schulen waren eingeladen, zu basteln, zu stöbern, sich Lesungen anzuhören. Damit will die »Buch Berlin« einen Beitrag zur Leseförderung leisten.

mr

Weg vom großen Wurf

Leitfaden zur Rettung der Demokratie

Die Wahlergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass autoritäre Kräfte immer stärkeren Zulauf haben. Wie können wir die Substanz unserer Demokratie verteidigen gegen ihre immer lauter werdenden Verächter?
Die Buchandlung »Die gute Seite« hat am 11. Oktober den Journalisten und Philosophen Jürgen Wiebicke eingeladen, der versucht, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Sein Grundgedanke: «Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform, sie ist eine Lebensform, die wir immer wieder neu beleben und verteidigen müssen«. In seinem Buch »Zehn Regeln für Demokratie-Retter« gibt er Tipps, mit deren Hilfe jeder jederzeit damit anfangen kann. Weg vom großen Wurf weiterlesen

»Kazim, wie schaffen wir das?«

Biographie eines Kämpfers gegen Sprachlosigkeit und Gewalt

Ohne Sprachkenntnisse, mit wenig Geld aber großen Träumen kam Kazim Erdoğan 1974 aus der Türkei in Deutschland an. Wie es ihm gelang, in Deutschland anzukommen, einen Studienplatz zu bekommen, Deutsch zu lernen, Psychologie und Soziologie zu studieren und zu einem der führenden Integrationsexperten in Deutschland und Träger des Bundesverdienstkreuzes zu werden, das berichtet die Journalistin Sonja Hartwig in ihrem Buch »Kazim, wie schaffen wir das?«. Am 25. September stellte sie es gemeinsam mit Kazim Erdoğan in der Neuköllner Oper vor.

Kazim Erdoğan und Sonja Hartwig.                                                                                                             Foto: mr

Mehrere Jahre hat sie Erdoğan begleitet und bei seiner Arbeit beob­achtet. Sie zeichnet ein liebevolles Porträt des Gründers der ersten Selbsthilfegruppe für türkische Männer, eines von vielen Projekten des Vereins »Aufbruch Neukölln«, dessen Vorsitzender er ist. »Kazim, wie schaffen wir das?« weiterlesen

Ausgezeichnet und engagiert

»Leporello« in Rudow erhält den deutschen Buchhandlungspreis

So richtig gerechnet hat Heinz Ostermann nicht mehr mit dem Buchhandlungspreis. Zum dritten Mal in Folge hat sich der Inhaber der »Leporello«-Buchhandlung in Rudow für den Preis beworben, zweimal ist er leer ausgegangen. Er sei schon enttäuscht gewesen, erzählt der Buchhändler, denn er sei immer sehr aktiv gewesen.
In der Tat ist Heinz Ostermann sehr engagiert. Sechsmal veranstaltete er bereits das Literaturfestival »Rudow liest«, außerdem organisiert er einen Leseklub, und es finden regelmäßig Lesungen statt. Seit einem Jahr ist er auch in der Initiative »Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus« aktiv. Ausgezeichnet und engagiert weiterlesen

Endstation Neukölln

Kommissar Breschnows dritter Fall

Ein Dealer liegt erstochen in einem Hausflur nahe des S-Bahnhofs Neukölln, und auf der Schillerpromenade wird ein junger Mann aus der rechten Szene erschlagen, als er gerade einen Obdachlosen verprügelt. Kommissar Breschnow und sein Team haben es gleich mit zwei Morden zu tun.
Mit »Endstation Neukölln« stellt Connie Roters ihren dritten Roman um den versoffenen, ständig schlecht gelaunten und Gedichte schreibenden Kommissar vor. Der trifft bei seinen Ermittlungen auf Obdachlose und Fixer, smarte Anwälte, Neo-Nazis, Eltern, die von ihren Kindern überfordert sind, und Kinder, die von den Eltern vernachlässigt werden. Endstation Neukölln weiterlesen

Flüchtling, kommst du nach MeckPomm

Ein Roman mit Witz und Ernst


Wie Flüchtlinge aus verödenden Landstrichen in Ostdeutschland blühende Landschaften machen könnten, erzählt Peter S. Kaspar in seinem ersten Roman »Der gute Mensch von Assuan« auf höchst unterhaltsame Weise.
Bei einem Besuch in Berlin lernt der ägyptische Milliardär Mansur Ghali einen Flüchtling kennen, der ihm von seiner Flucht und von den ernüchternden Erfahrungen des Lebens als Asylbewerber in Deutschland berichtet. Dem Unternehmer, der sein Geld mit dem Bau ganzer Städte gemacht hat, ist es völlig unverständlich, dass diesen Menschen verboten wird zu arbeiten, statt sich ihres Potentials zu bedienen. Denn wer die Flucht mit all ihren Gefahren heil überstanden habe, könne ja so dumm nicht sein, meint er.
Aber er hat eine Idee. Er sucht sich ein heruntergekommenes Dorf in Meck­lenburg-Vorpommern und lädt Flüchtlinge aus Berliner Unterkünften ein, sich dort niederzulassen. Gemeinsam mit ihnen baut er eine Mischung aus Wohnprojekt und Bildungsstätte auf und bietet ihnen damit die Möglichkeit, sich für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Flüchtling, kommst du nach MeckPomm weiterlesen

Schöne Bandwurmworte

Zauber unserer Muttersprache

Ständig gibt es einen Tag des Irgendwas. Vor Kurzem gab es den Tag der Muttersprache. Da finden wir zwei Worte mit 67 und 63 Buchstaben, die doch gewürdigt werden sollten:
»Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung« und »Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz«.

Diese Worte, nach dem fünften Bier in gemütlicher Runde als Sprachübung mit einem Korken im Mund vorgetragen, geben dem munteren Beisammensein einen ungeahnten Kick.
Für Anfänger empfehlen wir die Worte »Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft« mit 46, sowie »Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus» mit nur 40 Buchstaben.

bs

Doppelt warme Herzen

Lesung und Anekdoten in der Aussegnungshalle

Mit den Räumlichkeiten des Bestattungs- und Fuhrunternehmens »Gustav Schöne OHG«, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Buchhandlung »Die gute Seite« befinden, haben die beiden Betreiberinnen einen idealen Platz für ihre Veranstaltungen gefunden. Die große Feierhalle »Rixdorf« wird normalerweise für Trauerfeiern genutzt. Zuletzt wurde Roman Herzog hier verabschiedet, bevor seine sterblichen Überreste an seine letzte Ruhestätte nach Westdeutschland überführt wurden.

Zwei Autoren und eine Buchhändlerin.                                                                                                                         Foto: rb

Der bestuhlte Raum, der Platz für 80 Personen bietet, verfügt über eine so gute Raumakkustik, dass die Vortragenden auf ein Mikrofon verzichten können, ohne ihre Stimmen übermäßig strapazieren zu müssen. So bleibt auch bei einer gut besuchten Lesung eine gewisse Nähe zwischen Vorlesern und Zuhörern erhalten, die eine zwanglose und spontane Interaktion zu jeder Zeit ermöglicht. Doppelt warme Herzen weiterlesen

Timo, der Gedichtemann

Lyrik macht das Leben schöner

Timo rezitiert.                                                                      Foto: jt

Seit fast 20 Jahren bereichert Timo den Alltag von Menschen in ganz Berlin mit seinen Gedichten. Er lebt in Neukölln, weil das seiner Meinung nach die beste Wohnlage ist, und macht jeden Tag die gleiche Runde durch Berlin, weil er »eine wissenschaftliche Affinität zum Immergleichen« pflegt. Er spricht Menschen an, fragt sie, ob sie nicht gerne »eine kleine Alltagsbereicherung« hätten und rezitiert selbstverfasste Gedichte, die Momentaufnahmen von Sinneseindrücken sind. Farbe und alles was die Sinne stimuliert ist für Timo von Bedeutung. Er wünscht, die Menschen würden erkennen, wie viele Möglichkeiten die Erde bietet, um die Sinne zu anzuregen. Seine Gedichte sollen dabei helfen und als »Alltagsunterhaltungssymphonie« die Menschen dazu anregen, sich frei zu entfalten.
Fast jeder, der in Neukölln wohnt, ist Timo schon einmal über den Weg gelaufen, doch fast keiner weiß, dass hinter dem ungezwungenen Mann mit seinen Gedichten ein ganzes philosophisches Konzept steckt. Mit Kiez und Kneipe spricht Timo über seine Gedichte, seine Lebensphilosophie und seinen Wunsch nach mehr Sinnesunterhaltung im Alltag.

Timo, der Gedichtemann weiterlesen

»Da müsst ihr euch mal drum kümmern«

Über einen, der den Finger in die Wunden der Stadt legte

Es war ein eher ungewöhnlicher Ort für eine Buchvorstellung. Aber es ist auch etwas Besonderes, dass ein kommunistischer Neuköllner Arbeiter- und Parteiveteran vier Jahre nach seinem Tod eine Denkschrift erhält.
Am 14. Dezember wurde das Buch »Da müsst ihr euch mal drum kümmern: Werner Gutsche (1923 – 2012) und Neukölln. Spuren, Erinnerungen, Anregungen« im Vorraum des BVV-Saals im Rathaus Neukölln der Öffentlichkeit vorgestellt.
»Der Titel ist passend«, sagte Kulturstadtrat Jan Christopher Rähmer, denn in Neukölln gebe es viele Baustellen und es sei wichtig, auch in die Vergangenheit zu schauen, um zu sehen, wo die Wurzeln vieler Entwicklungen liegen. Und Werner Gutsche war einer derjenigen, der die Funktionsträger immer wieder auf Dinge hinwies, um die sie sich kümmern sollten. »Da müsst ihr euch mal drum kümmern« weiterlesen

Buchhandlungen gegen Rechts

Auseinandersetzung mit der AfD

Gesicht zeigen gegen Rassismus und Ausgrenzung in der deutschen Gesellschaft ist das Ziel der Initiative »Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus«. Zwölf Geschäfte – und damit die meisten Neuköllner Buchhändler – unterzeichneten die Stellungnahme.
»Wir Neuköllner Buchläden möchten, dass alle Menschen sich in Berlin und Deutschland zu Hause fühlen kön‑
­­­nen­ –­­ ganz­ egal welche Hautfarbe sie haben, wo sie geboren sind, was ihre Religion ist oder wen sie lieben«, heißt es in den Programmflyern.
In einer vierteiligen Veranstaltungsreihe mit Diskussionen und einem Workshop sollte dabei der Frage nachgegangen werden: »Wie erklärt sich der Erfolg der Rechtsaußen-Partei »Alternative für Deutschland« (AfD)? Und was kann die Zivilgesellschaft dem entgegen setzen?« Buchhandlungen gegen Rechts weiterlesen

Von Aphorismus bis Zwischenruf

Neues Buch von Wolfgang Endler ist ein facettenreicher Erzählband

buch-wolfgang-endlerWährend sich mancher eine Weltreise oder einen
Luxusschlitten zum Siebzigsten gönnt, hat sich Wolfgang Endler zum runden Geburtstag ein Buch geschenkt. Es ist kein Erzählband im herkömmlichen Sinn, sondern ein Buch, das viele Facetten der Erzählkunst präsentiert: Aphorismen, Erzählungen, Gedichte, Liedtexte oder Märchen. Als Struktur dient eine Art innerer Rhythmus, den der Leser spürt und der die verschiedenartigen Texte zusammenhält. Von Aphorismus bis Zwischenruf weiterlesen

Berliner Buchmesse

Plattform für kleine Verlage

Seit drei Jahren hat auch Berlin eine Buchmesse. Die »BuchBerlin«, 2014 von der Verlegerin Steffi Bieber-Geske ins Leben gerufen, stellt die kleinen unabhängigen Verlage in den Mittelpunkt und hat sich inzwischen zur viertgrößten Messe dieser Art in Deutschland entwickelt nach Frankfurt, Leipzig und Mainz. Am 19. und 20. November gastierte sie erstmals im Neuköllner Hotel »Estrel«.

buchberlin

Jede Menge Lesestoff.                                                                                                                                                              Foto:mr

Rund 200 Verlage stellten ihr Angebot vor, das es nicht in jeder Buchhandlung gibt. Das Sortiment reichte von Romanen – der Schwerpunkt lag hier auf Krimis und Sience Fiction – über Sachbücher bis zu Kinder- und Jugendbüchern. Berliner Buchmesse weiterlesen

Die vererbte Schuld

Matthias Lohre liest bei »Kutschen-Schöne« am Richardplatz

Kriegskinder
Schwere Themen in der Kutsche.                                                                                                                                      Foto: rb

Als »Kriegsenkel« werden die Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1960 bis 1975 bezeichnet. Sie sind die Kinder der »Kriegskinder«, die als Begründer unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft gelten: Zu jung für den direkten Fronteinsatz, aber alt genug, um Hunger, Vertreibung und Bombenangriffe zu erleiden. Ihr ganzes Leben lang mit dem Aufbau einer gesicherten Existenz und dem Anhäufen materieller Güter beschäftigt, blieben sich die Kriegskinder ein Leben lang selbst fremd, sie versagten sich die Konfrontation mit den eigenen schmerzhaften Empfindungen und Erlebnissen. Die vererbte Schuld weiterlesen

Die Magie des Lesens

Museum Neukölln präsentiert Lieblingsbücher

Lesen
Dieser Datenträger ist noch nicht ersetzt worden.                                                                                              Foto:mr

»Lesen ist ein Privileg. Wer diese Fähigkeit nicht besitzt, für den bleibt eine Welt verschlossen. Aus der Phantasie, die eigene Bilder im Kopf des Lesers entstehen lässt, erwächst die Magie des Lesens.«
Mit diesen Worten eröffnete Kulturstadtrat Jan Christopher Rämer am 12. Mai die Ausstellung im Museum Neukölln, bei der es um die Leseerfahrungen und -gewohnheiten der Neuköllner geht. Die Magie des Lesens weiterlesen

Von der heilen Welt in die Wirklichkeit

Familie Lindemann ist angekommen in Neukölln

lindemannAls das dritte Kind der Lindemanns in Prenzlauer Berg ein eigenes Zimmer benötigte, machte sich die Familie auf die Suche nach einer größeren Wohnung. Mit Schrecken musste Thomas Lindemann feststellen, dass sich die Mieten in den zwölf Jahren, die er hier lebte, mehr als verdoppelt hatten.
2002 wohnte der Journalist Thomas Lindemann für kurze Zeit in der Hobrechtstraße. »Damals kam keiner bei mir zu Besuch, die Grenze war die »Ankerklause« am Maybachufer.« Von der heilen Welt in die Wirklichkeit weiterlesen

Süße Zitronen und Löschpapier

Festival der unabhängigen Buchhandlungen und Verlage

Der Juni ist der Festivalmonat in Neukölln. Zu den bereits etablierten Veranstaltungen wie »Sommer im Park« oder »48 Stunden Neukölln« gesellt sich nun am 10. und 11. Juni zum ersten Mal »LiteraTour Neukölln« hinzu, ein Festival der unabhängigen Buchhandlungen und Verlage.
In den letzten Jahren haben eine Vielzahl von Buchläden unterschiedlicher Couleur in Neukölln eröffnet: klassische Buchhandlungen, Antiquariate, Second-Hand-Bookshops und Literaturcafés. Dazu kommt eine Reihe kleiner Verlage. Die Szene ist international und unabhängig. Was die Teilnehmer des Festivals eint, ist die Liebe zum Buch und zur Literatur. Was liegt da näher, als gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen?
Zwei Tage lang können Neuköllner und Rest-Berliner Lesungen und Veranstaltungen an den verschiedensten Orten in Neukölln genießen. Die Darbietungen sind dabei so terminiert, dass die Besucher des Festivals möglichst viele Veranstaltungen besuchen und so die ganze Breite der Neuköllner Buchlandschaft kennenlernen können. Von der klassischen Lesung über Ausstellungen, Musik und Lyrik ist alles dabei. Süße Zitronen und Löschpapier weiterlesen

Bukarester Tagebücher

Robert Stadlober liest im »Laidak«

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Stadlober liest Sebastian.                   Foto: rb

»Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt«, so lautet der Titel des Tagebuchs des jüdisch-rumänischen Autors Mihail Sebastian. Der Hamburger Publizist Thomas Ebermann bearbeitete und verdichtete das 800 Seiten starke Hauptwerk zu einer zweieinhalbstündigen Bühnenfassung. Die szenische Lesung mit Robert Stadlober als Mihail Sebastian hatte 2009 Premiere und wurde seitdem bereits mehr als 50 Mal auf verschiedenen Bühnen in ganz Deutschland gespielt. Die »Schankwirtschaft Laidak« in der Boddinstraße, in der Stadlober an zwei restlos ausverkauften Abenden im April gastierte, war sicherlich die bisher kleinste Bühne, auf der das Stück zur Aufführung kam. Bukarester Tagebücher weiterlesen

Jandl goes Jam

Konkrete Poesie in der »Sinnesfreude«

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N.Rentsch.                                                                                              Foto: pr

Um »lechts und rinks, oh, werch ein iltum« geht es in Jandls Texten. Seine Anhänger vergöttern ihn, andere wenden sich verständnislos ab. Dazwischen gibt es nichts.
Ernst Jandl (1925 -2000) wurde in Wien geboren und war Mitbegründer der Grazer Autorenversammlung. Unter dem Einfluß der konkreten Poesie und des Dadaismus landete Jandl bei der experimentellen Dichtung. Er war nicht nur der Verfasser von Gedichten, sondern auch deren bester Vortragender. Zu seinen bekanntesten Texten gehören Gedichte wie »heldenplatz«, »ottos mops«, oder aus »Laut und Luise« »schtzngrmm« und »lichtung«. Jandl hat seine Texte gerne selbst rezitiert und das mit großem Erfolg.

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A.Nickel.                                                                                                       Foto: pr

Im Weinladen »Sinnesfreude« haben Jandl-Fans die Chance, die nur selten rezitierten Texte zu genießen. Norbert Rentsch (Piano) und Andreas Nickl (Text und Saxophon) setzen die Tradition Jandls auf kongeniale Weise fort. Der Abend verspricht ein musikalisches und sprachliches Abenteuer zu werden – ein Muss für alle Jandl-Fans. Der Genuss wird noch erhöht durch die genial guten Weine, die im »Sinnesfreude« die Veranstaltung abrunden werden.

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19.März – 20:00
Sinnesfreude,Jonasstr. 32

Aus dem Leben eines Großstadtpolizisten

Mit Karlheinz Gaertner auf »Nachtstreife«

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Schon der Anfang ist ziemlich erschütternd. Ein Dealer hält sich eine junge Frau als persönliche Sklavin und misshandelt sie brutal. Zwei anderen jungen Frauen gaukelt er vor, sie in den Urlaub nach Ägypten mitzunehmen. Dort ange- kommen, werden sie eingesperrt, verprügelt und zur Prostitution gezwungen.
Bei dieser Geschichte handelt es sich nicht um einen Roman. »Nachtstreife« von Karlheinz Gaertner beschreibt reale Fälle aus dem Leben eines Großstadt- polizisten.
Gaertner war 44 Jahre Zivilpolizist und Drogenfahnder in Berlin und hat beim langen Kampf gegen das Verbrechen in viele Abgründe geblickt. Er beschreibt raffinierte Einbrecher, brutale Schläger, Mord und organisiertes Verbrechen.
Aber trotzdem, und das scheint immer wieder auf, hat er das Mitge- fühl nicht verloren; nicht das mit den Opfern aber auch nicht das mit den Tätern, die manchmal selber Opfer sind, wie die Junkies, die er immer wieder festgenommen hat nach Ladendiebstählen oder Ein- brüchen mit denen sie ihre Sucht finanzierten und die mit der Zeit gute Bekannte wurden. Er hat ihren körperlichen Verfall miterlebt und viele hat er sterben sehen. Aus dem Leben eines Großstadtpolizisten weiterlesen

Bluttaten im Show-Business

Ein neuer Fall für Kommissar Breschnow

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Connie Roters signiert ihre Bücher.                                                                                                                                 Foto: mr

Eine junge Frau hinterlässt eine kryptische Nachricht auf dem Anrufbeantworter ihrer Eltern. Kurz darauf wird sie in einer kleinen Gartenkolonie in Neukölln tot aufgefunden.
Kommissar Breschnow und sein Team stoßen bei ihren Ermittlungen im Umfeld der Toten auf ein Geflecht aus Lügen und Schweigen. Bald darauf wird eine zweite Leiche in ähnlichem Zustand gefunden. Ein spannendes Verwirrspiel beginnt, und je tiefer der Kommissar in diesen Fall eintaucht, umso mehr menschliche Abgründe tun sich auf.
Die Geschichte führt in die Glitzerwelt des Show-Business, wo die Menschen hinter ihren Fassaden doch so ganz anders sind als vor der Kamera und in der der Schein mehr zählt als das Sein. Die Tote war die Assistentin eines bekannten Showmasters und, wie es scheint, die Geliebte seines Konkurrenten. Wurde sie Opfer der Intrigen und Eitelkeiten des TV- und Filmbetriebs? Bluttaten im Show-Business weiterlesen

20 Jahre »Verbrecher Verlag«

Lesung in der Buchhandlung »Die gute Seite«

Der Kreuzberger »Verbrecher Verlag« feierte sein 20-jähriges Jubiläum in Neukölln in der Buchhandlung »Die gute Seite«. Die beiden Betreiberinnen des schönen Ladens direkt am Richardplatz haben es sich zur Aufgabe gemacht, kleinen unabhängigen Verlagen mit einem anspruchsvollen Verlagsprogramm eine Plattform zu bieten.

Verbrecherverlag
Sarah Schmidt liest aus »Eine Tonne für Frau Scholz«.                                                                                         Foto:rb

In einem launigen Vortrag erzählte Jörg Sundermeier, einer der beiden Verlagsgründer, die Entstehungsgeschichte des Verlags, dessen Programm neben Belletristik auch Sach- und Kunstbücher sowie eine Stadtbuch- und eine Filmliteratur-Reihe enthält. 20 Jahre »Verbrecher Verlag« weiterlesen