Zweites Schäfchenzählen

Selektives futtern.         Foto: mr

Die wolligen Rasenmäher vom Tempelhofer Feld

Als Niels Rickert, Mitbegründer der Allmende-Gärten, 2018 das erste »Schäfchen zählen« auf dem Tempelhofer Feld initiiert hatte, war das auch der Start der erneuten Beweidung für diese Fläche. Bis 1992 war das Feld ohnehin ganzjährig beweidet.
Achtzig Skudden-Schafe leben seit 2019 das ganze Jahr auf dem Feld und futtern die Wiesen kurz. Im Sommer sind sie in unterschiedlichen Bereichen anzutreffen, den Winter verbringen sie in eigens dafür hergerichteten Zelten in der »Alten Gärtnerei« am Südrand des Feldes.
Dies ist ein wissenschaftlich angelegtes Projekt über fünf Jahre, das zeigen soll, wie sich die Beweidung auf Flora und Fauna auswirkt. Da Schafe beileibe nicht alles futtern, sondern selektiv mampfen, bleibt genug Grünes für Vögel und Insekten stehen. Das kommt auch den bodenbrütenden Feldlerchen zugute, deren Anzahl sich seit Beginn der Beweidung deutlich erhöhte. Zweites Schäfchenzählen weiterlesen

Die Kunst lebt auf

Nach einem langen und dunklen Coronawinter ist die Kunst­szene wieder aktiv. Open Air Konzerte, Ausstellungen, Vorstellungen in den Kinos, alles lebt wieder auf. Die dunkle Wolke der Pandemie hat sich in Luft ausgelöst. Vorläufig. Die »3G«-Regelung macht derzeit einen unbeschwerten Kulturbetrieb möglich, vielfach wird auf »2G« gepocht.
Die Weichen für einen weiterhin freien Kulturbetrieb vor und mit Publikum sind gut gestellt. Leider steigen zeitgleich die Inzidenzen und Hospitalisierungszahlen. Die Sonderermächtigung für die Regierungen in Bund und Ländern existiert noch bis Ende November. Sollte die erneute Coronawelle überhand nehmen, kann es als erstes, noch vor der Gastronomie und Hotellerie, wieder die Kunst treffen
Halten wir doch bitte die Regeln ein. Wer will denn schon wieder zu zweit zuhause sitzen oder sich bei Ausgangssperre nach einer Houseparty vorsichtig auf die Straße schleichen?

Thomas Hinrichsen

Zu Hause heilt es sich am Besten

Sozialpsychologische Hilfe im vertrauten Umfeld

Pionier einer neuen Sozialpsychiatrie.      Foto: Sandeep Rout privat

Mehr als ein Drittel aller Menschen gerät mindestens einmal im Leben in eine seelische Krise. Mit Hilfe von Freunden und Familien und aus eigener Kraft lassen sich solche Situationen bewältigen. Doch es offenbaren sich bei vielen Betroffenen tieferliegende Probleme, die sie in einer schweren Krise aus dem gewohnten Leben reißen können. Die konventionelle Behandlung bietet diesen Patienten in der Regel nur den Gang in die psychiatrische Klinik an, häufig in eine geschlossene Einrichtung, da es keinen anderen Ausweg zu geben scheint.
Dieser Schritt fällt vielen von seelischen Problemen Betroffenen oft schwer. Sie müssen dann ihr soziales Umfeld und ihre Angehörigen verlassen. Demgegenüber stellt »StäB« alias »Home Treatment« eine sehr gute und niedrigschwellige Alternative dar: Die ärztliche und sonstige fachliche Hilfe kommt flexibel zu den Patienten nach Hause. Zu Hause heilt es sich am Besten weiterlesen

Fehler, aber kein Chaos

Stadtrat Jochen Biedermann antwortet in der BVV auf Fragen zur Wahl

Wenige Tage vor dem Ende der Legislaturperiode trat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 28. Oktober noch einmal zu einer Sondersitzung zusammen. Einberufen hatte sie die AfD, die über die Probleme und Fehler am Wahltag sprechen wollte und dabei schweres Geschütz auffuhr.
In den Drucksachen war die Rede von massenhaft verschwundenen oder untergeschobenen Stimmzetteln und von Menschen, die an der Ausübung ihres Wahlrechts gehindert wurden. »Diese Wahl in Berlin weckt bei vielen Berlinern die Erinnerung an die gefälschte DDR-Kommunalwahl im Mai 1989« hieß es in einem Antrag. Die neue BVV sei nicht demokratisch legitimiert, sagte Steffen Schröter und forderte gleich Neuwahlen. Fehler, aber kein Chaos weiterlesen

»Die Linke« will es einfacher machen

Sarah Nagel als Bezirksstadträtin für Ordnung nominiert

 

Es ist das Ordnungsamt, welches die Neuköllner »Linke« leiten wird. Nach dem sehr guten Abschneiden bei den Wahlen am 26. September besteht Anspruch auf Mitwirkung im Bezirks­amt. »Die Linke« erzielte 14,8 Prozent und zieht mit einer neunköpfigen Fraktion in die Bezirksverordnetenversammlung ein. Sarah Nagel wurde von der Mitgliederversammlung als Bezirksstadträtin nominiert.

Gut aufgestellt und eingetopft.     Foto: Die Linke Neukölln

»Das Ordnungsamt ist erst einmal nicht so naheliegend. Doch wir werden die Aufgaben jetzt anpacken. Wir fordern schon lange, die stigmatisierenden Razzien in Shisha-Bars und Spätis zu beenden. Hier ist eine Aufarbeitung nötig.« Um den öffentlichen Raum werde es in den nächsten Jahren sicher noch Auseinandersetzungen geben. »Wir wollen Politik für die Neuköllnerinnen und Neuköllner machen, nicht für diejenigen, die Profite aus unseren Kiezen schlagen wollen. Deshalb können wir uns zum Beispiel gut vorstellen, dass illegale Hostels und Ferienwohnungen stärker kontrolliert werden«, sagt sie.
»Die zunehmende Vermüllung stellt für viele Neuköllnerinnen und Neuköllner ein großes Problem dar. Das ist eine soziale Frage. »Die Linke« will es einfacher machen weiterlesen

Mehr Miteinander auf der Hermannstraße

Markierung neuer Radwege und Lieferzonen geht los

Voraussichtlich am 18. Oktober beginnen die Arbeiten für eine sichere Radinfrastruktur auf der Neuköllner Hermannstraße. Neu markiert werden eine Radspur beziehungsweise eine gemeinsame Bus­spur sowie neue Lieferzonen für das Gewerbe an der Hermannstraße. Die neue Radspur wird an vielen Stellen durch Poller abgesichert. Auf Höhe der Schierker Straße entsteht eine zunächst provisorische Mittelinsel.

Glücklich auf Spur.   Foto: Bezirksamt

Bezirksbürgermeister Martin Hikel: »Die Radinfrastruktur auf der Hermannstraße ist ein wichtiges Signal für mehr Miteinander im Verkehr. Sie ist nötig für einen sicheren Radverkehr und bietet gleichzeitig mehr Übersicht für den Autoverkehr auf der bislang uneinheitlichen Führung mit anderthalb Spuren. Auch wenn der Weg bis zur fertigen Anordnung sehr zäh war – heute bin ich einfach nur glücklich, dass es losgeht. Und dann setzen wir uns zeitnah an die Planung für das nächste Stück bis zum Hermannplatz.« Mehr Miteinander auf der Hermannstraße weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus Neuköllner Zeitungen vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Neuköllnische Zeitung – Dienstag, 1.11.1921
An den Unrechten gekommen. In einem Lokal in der Steglitzer Straße machte sich in der Nacht zu Sonntag der 35 Jahre alte Kellner Kurt Winkler an einen ihm völlig unbekannten Mann heran und forderte ihn auf, mit ihm gemeinschaftlich den Buchbinder Franz Berger zu überfallen und zu berauben. Der Fremde ging auch scheinbar auf den Vorschlag ein. Als nun Winkler über Berger herfallen wollte, bemerkte er zu seinem nicht geringen Schreck, daß sich nicht nur sein vermeintlicher Helfershelfer, sondern auch zwei plötzlich auftauchende Kriminalbeamte gegen ihn wandten und ihn festnahmen. Winkler war gründlich hereingefallen, denn er hatte zu seinem Komplizen – den Bruder des Berger erkoren. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Versteckter Held des Alltags

Thomas de Vachroi

Thomas de Vachroi wird im November als erster Berliner mit dem »Voice Aid Award Hidden Champions of Life Deutschland 2020« geehrt.
Seit vielen Jahren setzt er sich für die Ärmsten und Schwächsten unserer Gesellschaft ein.

Stimme für Menschen in Not.      Foto: Diakoniewerk Simeon

Sei es als Armutsbeauftragter des evangelischen Kirchenkreises Neukölln, als Leiter des »Haus Britz« des Diakoniewerks Simeon oder als Sozialbeauftragter der CDU Neukölln. Durch seine breitgefächerten Kontakte hat er Zugang zu vielen Einrichtungen und Projekten, die er auch mit erhaltenen Spenden versorgt. Versteckter Held des Alltags weiterlesen

Hilfe ist nicht einfach zu bekommen

Ein Hürdenlauf für Menschen mit Pflegebedarf

Herta B. (73) besteht auf Pflegehilfen, die ihr gesetzlich zustehen. Sie ahnt nicht, dass ihre Suche nach Pflegehilfen einer Odyssee gleichen würde. Die alte Dame ist gehbehindert und benötigt ein Hörgerät. Ihre Tochter lebt in Frankreich und ihr Sohn in Dänemark.


Mit dem Rollator als »Gehhilfe« ging es vergleichsweise glatt. Ein Rezept von ihrer Ärztin genügte, um gegen Zuzahlung in einem orthopädischen Fachgeschäft ein Modell zu erwerben. Das Kassenmodell war ihr allerdings zu klapperig. Sie griff tief ins eigene Portemonnaie und kaufte ein solides Gerät, mit dem sie auch ihre Einkäufe tätigen konnte. Vom Hörgerät kannte sie das bereits. Das Modell der Kasse piepste, wenn zuviele Geräusche gemeinsam zu verarbeiten waren, und aus dem Fernseher klangen wirre Geräusche. Das eigene Portemonnaie verhalf ihr zu einem störungsfreien Gerät. Hilfe ist nicht einfach zu bekommen weiterlesen

Essen gehen wie an der Ägäisküste

Frischer Wind und Fisch am Weigandufer

Das »Begur«, das hier an der luftigen Ecke, wo die Brücke der Treptower Straße über den Neuköllner Schifffahrtskanal führt, seit 2015 eine gehoben kulinarische Reise nach Katalonien bot, ist, auch krankheits- und coronabedingt, nicht mehr. Doch auf delikate Kost muss hier in »Trepkölln«, wie manche die Gegend schon nennen, nicht verzichtet werden. Mit einem freundlichen neuen Wirt, der aus Bodrum an der türkischen Südwestküste stammt und von dort immer gern an die Ägäis fuhr, wurde ein neuer Betreiber gefunden, der viel Lust und Kenne hat, hier mit seinem familiären Team ein neues Konzept zu etablieren: Ein Restaurant für authentische mediterrane Fischgerichte, mit Fokus auf die Ägäisküche. Fisch wie an Urlaubs- und Sehnsuchtsorten zubereitet gibt es also zum Glück weiterhin hier.

Muschelrock.         Foto: hlb

Ziemlich guten Fisch für die heimische Küche zu ergattern, ist in Neukölln kein Problem; Märkte, Supermärkte oder Feinkost- und Fisch­läden wie die zuletzt eröffnete »Fischwelt« in der Hermannstraße bieten ein breites Angebot an frischer Vielfalt. Diese auch lecker zubereitet zu bekommen, ist etwa in der »Fischtheke« in der Flughafenstraße oder im »Ocean Fisch Restaurant« in der Sonnenallee möglich – allerdings in eher kühlem Imbissambiente.
Wenn es ein gemütlicher Abend mit exquisiten Fischgerichten, mittelmeertypischen Vorspeisen, ein paar Glas Wein und fürsorglichem Service sein soll, empfiehlt sich das »Ägäis Fisch Restaurant«. Essen gehen wie an der Ägäisküste weiterlesen

Wider die Großstadtanonymität

Nun hat auch Buckow seinen Heimatverein

Buckow geht auf das slawische Wort »buck« für Buche zurück. Als 1920 Großberlin entstand, kam Buckow zu Neukölln. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Buckow immer großstädtischer. Es gab kaum noch Ackerflächen und, als 2002 die Gropiusstadt zum eigenen Ortsteil wurde, wurde Buckow sogar zweigeteilt.

Ein Dorf hat seine Heimat gefunden.        Foto: rr

Seit 2020 hat nun auch Buckow endlich seinen Heimatverein, sogar mit kleinem Museum. Beides befindet sich im Haus des Schmiedemeisters Herzer, das der Familie seit 1864 gehört. Symbolträchtig liegt es an jener Straße, die damals und heute Buckow mit dem Zentrum Berlins und mit Brandenburg verbindet. Wider die Großstadtanonymität weiterlesen

Drinnen und draußen

Ausflüge nach Marzahn und Potsdam

Mein Nachbar hatte Besuch. Wenn Besuch kommt – das kennt man von früher, da muss was unternommen werden.
Der Besuch hatte klare Vorstellungen, da er viele Jahre in Berlin gelebt hat. Montag, »Gärten der Welt« in Marzahn, Dienstag »Biosphäre Potsdam«. Da habe ich mich angeschlossen.
Also auf zur berühmten Seilbahn der »Gärten der Welt«, die über den Kienberg schwebt. Im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung Berlin 2001 wurde sie von österreichischen Seilbahnbauern entwickelt und umgesetzt.
Die Anreise zur U-Bahn Kienberg gestaltete sich etwas holprig. Schienen­ersatzverkehr ab Friedrichsfelde. Dann eine Station mit der U-Bahn. Beim Ausstieg war die Seilbahn schon zu sehen. Dort oben angekommen, fuhr sie aber nicht. Was nun?

Gärten der Welt.Foto: Edda

Wir studierten die Karte und fanden einen Weg am Kienberg entlang. Sehr schön angelegt mit vielen Gräsern am Rande des Weges. Am Haupteingang gönnten wir uns einen Kaffee. Dann sind wir alle Gärten abgelaufen. Mein Liebling ist der japanische Garten, und zum Abschluss gab es einen grünen Tee im chinesischen Garten. Mein Tagesprogramm von 10.000 Schritten habe ich locker übertroffen. Drinnen und draußen weiterlesen

100 Jahre Märchenwiese

Von der Hermannstraße in die freie Körperkultur

Vor langer Zeit, genauer 1921, entdeckte eine Gruppe Wanderer einen Wiesenstreifen voller Blumen am Ufer eines Sees in Brandenburg – sie nannten diesen verwunschenen Ort »Märchenwiese«. Einer von ihnen war der Unternehmer Wilhelm Bartsch. Er kaufte das Areal mit eigenen Mitteln und gründete 1928 den »Freilichtbund Märchenwiese«. Nicht untypisch für diese Zeit. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine bürgerlich elitäre, meist illegale Nacktkultur.


Auf dem Gelände konnte, neben einer Vereins- oder Besuchergebühr, auch gegen Geld gezeltet oder eine kleine Hütte aufgestellt sowie eine Bootsanlegestelle gemietet werden. Immer mehr Menschen kamen, was auch mit der guten Anbindung an Berlin zu tun hatte – so gab es zum Beispiel eine Direktverbindung vom der Haltestelle Hermannstraße. Und doch ist es keinesfalls selbstverständlich, dass dieses Gelände heute, nach 100 Jahren, noch immer nach gleichen Idealen genutzt werden kann. Eine Geschichte mehrerer Staatsformen und der Kampf um den Erhalt das Geländes liegt hinter den heutigen Bewohnern. 100 Jahre Märchenwiese weiterlesen

Wut tut gut

Galerie im Saalbau widmet sich einem zwiespältigen Gefühl

Wut ist ein zwiespältiges Gefühl, schwer zu kontrollieren, in Kombination mit Rachegedanken eine explosive Mischung, die in Aggression münden kann. In der katholischen Kirche gehört sie zu den sieben Todsünden, in der modernen Erregungsgesellschaft ist sie in Gestalt des »Wutbürgers« allgegenwärtig.


Wut hat aber auch das Potenzial, Energie freizusetzen, um auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen, wenn keine andere Kritik Wirkung zeigt, und Menschen dazu zu bewegen, sich zu wehren. Und wenn ein kurzer Wutanfall wie ein reinigendes Gewitter wirkt, tut Wut auch mal gut. Somit kann Wut in kontrollierter Form sogar etwas Positives bewirken.
In der Ausstellung »@wut« versucht Gunilla Jähnichen, die Facetten dieses Gefühls zu ergründen. Auf ihren Gemälden sehen wir kindliche Wesen mit niedlichen Knopfaugen, manche erinnern an Gespenster aus Zeichentrickfilmen und scheinen an sich friedlich. Werden sie wütend, mutieren sie zu grellen Monstern mit riesigen Mündern, die vor Zorn zu bersten scheinen. Andere schauen angriffslustig mit verkniffenen Mündern. Ist der Zorn verraucht, schauen sie eher betreten drein, so als würden sie sich für ihren Ausbruch schämen.

mr
Zu sehen sind die Werke bis zum 28. November in der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 145, täglich von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Neue Akzente und Nahbarkeit

Die künstlerische Direktion des KINDL in neuen Händen

Kathrin Becker.    Foto: Nihad Nino Pušija 

»Meine erste Aktion war die Schließung des Hauses.« Das war im Februar 2020. Ein merkwürdiger Einstieg der neuen künstlerischen Direktorin Kathrin Becker in das »KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst«.
Sie löst Andreas Fiedler ab, der sich nach acht Jahren wieder freier Kuration widmet. Becker greift die Ideen von Fiedler auf, setzt aber auch neue Akzente und gibt dem Medium Video mehr Raum. Sie installiert eine permanente schwarze Box für Video­installationen. Einerseits ist ein ständiger Videoraum nachhaltig, und gleichzeitig wird damit der 400 Quadratmeter große Raum »Maschinenhaus M1« etwas kleiner. Das macht es gerade für junge Künstler und Künstlerinnen, deren Werk noch nicht so umfangreich ist, einfacher auszustellen.
Videoarbeiten sind Kathrin Becker ein dringendes Anliegen. Sie hat 20 Jahre das Videoforum im »Neuen Berliner Kunstverein« geleitet. Diese Affinität wird sie im KINDL weiter fortführen. Neue Akzente und Nahbarkeit weiterlesen

Adventsmärkte

Richardplatz wird 2G

Auch in diesem Jahr werden wegen der Coronarestriktionen nur wenige Weihnachtsmärkte in Neukölln stattfinden.

Schneekönigin in Britz.       Foto: mr

In der Martin-Luther- Kirche in der Fuldastraße 50 gibt es am 1. Adventswochenende einen Adventsbasar. Am Samstag 27. und Sonntag 28. November, jeweils von 11 bis 16 Uhr, öffnen sich die Türen für einen Flohmarkt und Begegnung am selben Ort zum Einläuten der Advents- und Vorweihnachtszeit.
Der traditionelle Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt findet immer am zweiten Adventswochenende im historischen böhmischen Dorf rund um den Richardplatz statt. Zur Eröffnung findet am Freitag, 3. Dezember um 18 Uhr ein Gottesdienst in der Bethlehemskirche am Richardplatz statt.
Bereits ab 17 Uhr präsentieren mehr als 200 karitative Vereine, Organisationen und Verbände selbstgemachte Kleinigkeiten, schönes Kunsthandwerk und liebevoll Gebasteltes für die zahlreichen Besucher, aber auch Kulinarisches wie Feuerfleisch, Bratwurst, Waffeln, Erbsensuppe und zahlreiche Sorten Glühwein, gebraut nach alten Familienrezepten. Adventsmärkte weiterlesen

Neuköllner Achterbahn

Sieg gegen »Energie Cottbus« und Niederlage gegen »FC Eilenburg«

Zum ersten Mal trafen die beiden Ex-Bundesligisten in ihrer Historie aufeinander – doch die Rollen zwischen dem »SV Tasmania« und »FC Energie Cottbus« waren am vorletzten Oktober-Wochenende klar verteilt.

Kampf ums Tor.       Foto: Hagen Nickelé

Der Gast aus der Lausitz kam zwar nur als Tabellen-Achter ins Stadion Lichterfelde, spielte vor zwei Jahren aber noch in der dritten Liga. Dazu war die Mannschaft des Ex-Bundesligaprofis Claus-Dieter »Pele« Wollitz seit sieben Pflichtspielen ungeschlagen. »Tasmania« hingegen wartete seit dem 1. September auf den dritten Sieg in der Regionalliga Nord­ost 2021/22. Doch das »kleine Wunder« sollte den Neuköllnern gelingen – und das hatte durchaus damit zu tun, dass der Aufsteiger aus den zahlreichen Lektionen zuvor etwas gelernt hatte. Neuköllner Achterbahn weiterlesen

Kiezerfahrungen

Fränk Stiefel besucht Neukölln

Nach zwei Jahren endlich mal wieder in Berlin gewesen – genauer, in Berlin Neukölln. Ein schöner Sonntag im Oktober. Keine zeitnahen Termine oder Verabredungen, einfach nur mal wieder »meinen« alten Schillerkiez genießen.
Das Tempelhofer Feld anschauen war meine erste Idee. Was hat sich da inzwischen verändert? Einfach in die Wiese setzen, eine Kippe rauchen und die Gedanken schweifen lassen. Keinen Tabak! Ok, ich wollte in den nächsten Späti. Zu. Dann halt der nächste Späti. Wieder geschlossen.

Dritter Späti das Gleiche. »Anything that can go wrong will go wrong.« Murphys Law hatte mich bezüglich meiner Nikotinsucht erreicht. Aber warum? Ich habe dann einen Mann nach einer Kippe gefragt. Er hat es mir kurz erklärt. »Nikotin musste dir spätestens am Samstach besorjen, Spätis haben Sonntags zu. Aber ick verkoof dir nen Tabak, ick habe noch dreie uff Tasche.«
Das Tempelhofer Feld mal wieder zu sehen war sehr schön (mit Rauchgenuss). Die spätere Recherche, warum die Spätis sonntags zuhaben, war indes nur traurig. Warum kann sich irgendeine Behörde anmaßen zu entscheiden, dass Spätis sonntags geschlossen haben müssen. Bei einer Tanke geht es. Auto, Wegzehrung, mit 3 Promille und 180 ins Nirvana. Die Behauptung, dass entweder alle offen haben müssen,(Aldi, Lidl, etc.) oder keiner, ist doch absurd. Wenn ein Aldi sonntags geschlossen hat, isses halt so, wenn ein Späti sonntags zuhaben muss, raubt »das Gesetz« dem Menschen seine Exi­stenzgrundlage. Liebe Beamte: Nächstes Jahr bin ick wieda zurück. Und dann gibt’s Alarm. Ich bin Pazifist, ihr braucht keine Schutzweste, aber einen Funken Gehirn.
Trotzdem: Ich liebe Neukölln.

Basteln mit Rolf

Vogelfutterhaus

Die Futterzeit für Vögel naht. Für ein Vogelfutterhaus mit nachfließendem Vorrat reichen ein leerer, sauberer Getränkekarton, ein scharfes Messer, zwei dünne Äste, eine Ahle und etwas Draht oder eine Schnur. Natürlich auch Vogelfutter und Lust zu Pfriemeln!


Drei Zentimeter über dem Kartonboden schneiden wir parallel dazu jede Eckwand 2,5 Zentimeter ein. Die vier Ecken darüber werden anschließend nach innen gedrückt. So entstehen vier Futterluken. Mit der Ahle wird in jede Futterlukenecke bodennah ein Loch gestochen, durch das die zwei Äste, unsere Anflugstangen diagonal durchgesteckt werden. Zum Aufhängen mittels Draht oder Schnur erhält der Falz oben zwei Löcher.
Das Vogelfutter wird durch den Schraubverschluss eingefüllt. Damit ist das Futterhaus, mit reichlich Vorrat, fertig. Wer es individueller mag, könnte es nun noch bemalen und bekleben
Für Hilfe: Mail an rolf@kuk-nk.de

rr

Petras Tagebuch

Fortsetzung Telefon 115

In der letzten Ausgabe beschrieb ich das Onlineverfahren des Senats für den Austausch des alten Führerscheins in die Plastikkarte. Es endete darin, dass ich einen Brief von der Führerscheinstelle erhielt mit der Bitte, über die Telefonnummer 115 einen Termin zu vereinbaren.
Viele, viele Anrufe bei der 115 wurden schnöde von einem Automaten beantwortet mit dem Hinweis »Versuchen Sie es später noch einmal.«
Ich entschloss mich, zu Beginn der Telefonzeit um 7 Uhr anzurufen. Das ist nun leider nicht meine Hochzeit. Mein Gehirn und auch das Sprachzentrum befinden sich noch in einer gewissen Schläfrigkeit, die erst nach einer Kanne Tee beseitigt ist. Petras Tagebuch weiterlesen

Endlich doch noch

Neues Haus für Bücher.     Foto: rr

Eröffnung der Stadteilbibliothek in Rudow

Die Stadtteilbibliothek in Rudow, davor stets etwas vernachlässigt, was ihre Räumlichkeiten und die technische Ausstattung anbelangten, logierte zuletzt in der Clay-Schule am Bildhauerweg 9. Die Schule entsteht gerade neu, und der Kosten wegen wollte der Senat dort nicht auch noch eine öffentliche Bib­liothek mitfinanzieren. Daraufhin verständigten sich die Neuköllner Bezirksverordneten auf einen Neubau direkt im Herzen von Rudow. Dafür musste die ohnehin baufällige Seniorenfreizeitstätte weichen, die inzwischen einen Neubau hinter der Alten Dorfschule bekam.
Nun endlich, nach sechs zähen Jahren Bauzeit, konnte am 17. September die neue »Gertrud-Haß-Bibliothek« an der Straße Alt-Rudow 45 feierlich eingeweiht werden. Bezirksbürgermeister Hikel, Bildungsstadträtin Karin Korte, die ehemalige Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey und wenige, ausschließlich geladene Gäste nahmen an diesem Festakt teil. Den musikalischen Rahmen bildeten die munteren Bläser von »House of Bones« der Neuköllner »Paul-Hindemith-Musikschule«. Endlich doch noch weiterlesen

Segen ist für alle da

Ja, und im besten christlichen Sinne für Menschen, Tiere und die gesamte Natur.
Dass Hunde die besten Freunde der Menschen sind, ist hinlänglich bekannt. Dieser Tatsache folgend, und der, dass die christlichen Kirchen seit Jahren Mitglieder verlieren, wurde das Team des Segensbüros kreativ.
Am ersten Oktober-Montag kamen zahlreiche Mensch-Hund-Teams in die Genezareth-Kirche, um Segen zu empfangen. Spürbar war eine entspannte und zufriedene Athmospäre.
Segen soll Kraft spenden, Trost, Unterstützung und Mitgefühl geben. Die Besinnung auf die zugrundeliegende Spiritualität (lat.: spiritus: Geist, Hauch -> spiro: ich atme) wirkt wohltuend und stärkt unser inneres Wesen. Wir können wieder durchatmen. Helfen wir anderen, dies auch tun zu können, und lasst uns gemeinsam tief durchatmen und Luft schnappen.

Beate Storni
Mario Landsmann

Wahlerfolg für die SPD

Bezirk bleibt rot

Die SPD ist in Neukölln die Gewinnerin, die bei allen Wahlen die Nase vorn hat. Kräftig zulegen können allerdings auch die Grünen. Mit 22,7 Prozent der Zweitstimmen erreichen sie ihr bisher bestes Ergebnis bei Bundestagswahlen, eine Steigerung um 9,6 Prozent. Den ersten Platz mit 24,1 Prozent belegt aber die SPD, die sich um 4,7 Prozent gesteigert hat. Auch das Direktmandat sichert sich mit 26 Prozent der Sozialdemokrat Hakan Demir und tritt damit die Nachfolge von Fritz Felgentreu an, der sich nach zwei Wahlperioden nicht erneut zur Wahl stellte.
Aber auch der Grünen-Kandidat Andreas Audretsch, der 19,9 Prozent erreicht, wird über die Landesliste als erster Neuköllner Grüner in den Bundestag einziehen.
Christina Schwarzer (CDU) verliert 5,8 Prozent und muss sich mit 18,7 Prozent zufrieden geben. Bei den Zweitstimmen sind es sogar nur 16,6 Prozent. Damit verpasst sie den Einzug in den Bundestag, denn auch ihr Listenplatz reicht dafür nicht aus. Wahlerfolg für die SPD weiterlesen

Eindeutiges Votum

Rechtssicher vergesellschaften

Mit 1.034.923 Ja-Stimmen – von 1.749.923 gültigen –- haben sich die Berliner am Wahltag im September eindeutig für den Volksentscheid »Deutsche Wohnen & Co enteignen« ausgesprochen. Mit Stand vom 30. September sind also 56,4 Prozent der Berliner für die Vergesellschaftung der Wohnungsbestände bei renditeorientierten Großvermietern. Somit hat der Berliner Senat den eindeutigen Auftrag zur Erarbeitung eines Gesetzes erhalten.
Um jahrelanges juristisches und verwaltungstechnisches Hick-Hack zu vermeiden, sollte ein kreativer Umgang mit dem vorliegenden Volksentscheid gefunden werden. Laut Tilmann Heuser, dem Geschäftsführer des BUND Berlin, und dem Stadtsoziologen Andrej Holm könnte der erarbeitete Gesetzentwurf der Initiative »Deutsche Wohnen & Co enteignen« zur Entscheidung übergeben werden. Vor­aussetzung wäre ein transparenter Prozess, der einen von Senat und Initiative befürworteten Gesetzesentwurf zum Ergebnis hat. Damit könnte ein erneutes Volksbegehren gestartet werden, um die Meinung der Berliner zu erfragen. Nach zu vermutender Zustimmung, liegt das Gesetz wiederum beim Senat, der es dann auf Rechtssicherheit – dass es nicht gegen höher geltendes Recht verstößt – prüfen lassen kann.
Letztendlich wird das Verfassungsgericht entscheiden und mögliche Hinweise zu den Kosten erläutern. Auf dieser Grundlage kann das Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) entscheiden, ob es das Gesetz annimmt.

bs

Andenken an ermordete Polizisten

Gedenktafel im Rathaus enthüllt

In einer feierlichen Zeremonie enthüllte Bezirksbürgermeister Martin Hikel gemeinsam mit Polizeipräsidentin Barbara Slowik am 14. September eine Gedenktafel im Rathaus Neukölln. Direkt vor dem BVV-Saal und neben den Namen der Träger der Neuköllner Ehrennadel erinnert sie künftig an die im Dienst getöteten Polizisten Uwe Lieschied und Roland Krüger. Begleitet wurde der Festakt von einem Streicher-Trio der Musikschule Paul Hindemith.

Die Enthüllung.    Foto: mr

Als Gäste dabei waren der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Lars Oeverdieck, die Stadträte Jochen Biedermann (Grüne) und Falko Liecke (CDU) sowie die Fraktionsvorsitzenden von Grünen, SPD und Linken, außerdem Vertreter des Abschnitts 55 und des SEK Berlin.
»Wir wollen, dass im Rathaus der Menschen gedacht wird, die gestorben sind, während sie ihren Dienst versahen«, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel. »Wie alle Polizeibeamten waren sie unterwegs, um unsere Stadt und unseren Bezirk sicherer zu machen. Sie setzten sich dafür ein, dass die Werte unserer Demokratie und die Normen unseres gesellschaftlichen Mitein­anders geschützt werden«, sagte er weiter. Nur das sei die Grundlage dafür, dass Menschen aller Herkunft in Frieden, Sicherheit und Selbstbestimmung leben können. Andenken an ermordete Polizisten weiterlesen

Bau auf, bau auf!

Baubeginn auf den Buckower Feldern und an der Glasower Straße

Nach rund zehnjähriger Planung, vielen Diskussionen und Workshops ging mit einem symbolischen Spatenstich am 3. September eines der größten Neubauprojekte Berlins an den Start.

Schippen für die Zukunft.   Foto: mr

Auf den Buckower Feldern zwischen Buckower Damm und Gerlinger Straße wird das landeseigene Wohnungsunternehmen »Stadt und Land« gemeinsam mit mehreren Genossenschaften in den kommenden Jahren ein Stadtquartier mit 900 Wohneinheiten errichten.
Als »großen Schritt nach vorn« und wichtige Entlastung des Wohnungsmarktes lobte der Regierende Bürgermeister Michael Müller das Projekt, das für nachhaltigen, klimabewussten und sozial verantwortungsvollen Wohnungsneubau stehe.
Dieses neue Quartier zeige, wie Stadtplanung der Zukunft aussehen müsse, autoarm mit Spielplätzen statt Parkplätzen, sagte Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass rund 20 Prozent der Wohnungen von Genossenschaften gebaut werden. Darüber hinaus werde hier gezeigt, dass mit typisierten Wohnformen preisgünstig und trotzdem anspruchsvoll gebaut werden könne. Bau auf, bau auf! weiterlesen

Schutz vor Falschparkern

Umzäunung für die Schillerpromenade

Um das unzulässige Parken von Fahrzeugen in der Grünanlage an der Schillerpromenade zu unterbinden, wird das Bezirksamt ein 80 Zentimeter hohes so genanntes Berliner Tiergartenband mit zwei Stahlbändern auf allen Abschnitten der Schillerpromenade errichten. Die bisherige Umzäunung ist nur etwa 40 Zentimer hoch und wurde regelmäßig überfahren.
In der Vergangenheit wurden durch falsch geparkte Fahrzeuge erhebliche Schäden an der Grünanlage verursacht. Das Wurzelwerk der Platanen wurde dadurch beschädigt, der Rasen häufig zerstört. Die neue Einfriedung auf den vier Abschnitten mit einer Gesamtlänge von 450 Metern soll die historische Grünanlage schützen und gleichzeitig die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit im Schillerkiez erhöhen. Schutz vor Falschparkern weiterlesen

Piktogramme

Verkehrserziehung auf Gehwegen

Das Bezirksamt Neukölln hat heute ein Pilotprojekt vorgestellt, um gegen die Benutzung von Gehwegen durch Radfahrende und E-Scooter-Fahrende zu sensibilisieren. An fünf Stellen im Norden des Bezirks wurden Piktogramme auf die Gehwege gesprüht, die ein durchgestrichenes Fahrrad bezeihungsweise einen durchgestrichenen E-Scooter zeigen. Gehwegfahrende werden so aufgefordert, die vorhandene Radinfrastruktur oder Straße zu benutzen und sich damit straßenverkehrskonform zu verhalten.
Hintergrund des Pilotprojekts sind zunehmende Konflikte auf Gehwegen insbesondere im Norden des Bezirks. In den vergangenen Wochen hat sich die Beschwerdelage im Bezirksamt deutlich erhöht. Radfahren auf dem Gehweg ist ausschließlich für Kinder bis zu zehn Jahren in Begleitung einer Aufsichtsperson erlaubt. Piktogramme weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus Neuköllner Zeitungen vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Neuköllner Tageblatt–Mittwoch, 5.10.1921
Bekämpfung der Schundliteratur.
Die Unabhängigen haben der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden Dringlichkeitsantrag unterbreitet: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, sofort eine großzügige Aktion zur Bekämpfung der Schundliteratur zu unternehmen. Es sind sofort 100 000 M. bereit zu stellen, um in allen Bezirksjugendämtern Bücherverteilungsstellen einzurichten; die Berliner Schulverwaltung hat sofort auf dem Wege der Schulordnung den Schülern zu verbieten, in Buchhandlungen zu laufen, die Schundliteratur zum Verkauf bringen, Buchhandlungen zu empfehlen, welche nur gute Literatur führen. Der Polizeipräsident ist zu ersuchen, durch Polizeiverordnung sofort allen Produktengeschäften jeden Bücherverkauf zu untersagen.

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Startklar für »Startbahn«

Sitzreihen raus, Kissen rein, Farbe an die Wände

Die Genezareth-Kirche erstrahlt seit dem ersten Wochenende im September nicht nur im neuen Outfit, sondern auch mit originellem Konzept.

Zwei starke Frauen am Start.Foto: bs

Die drei Emporen, auf denen ehemals der Chor schmetterte, wurden in unterschiedlichen Farben gestrichen, die Stufen mit bequemen Kissen versehen, Liegestühle und Pflanzen drapiert.
Im Kirchenraum wurden an den Seiten die Türen entfernt und Platz für mobile Sitz­ecken, Kunstinstallationen, Tafeln und Whiteboards und eine Bücher-Tauschbox geschaffen.
Neben dem Mosaik im Eingangsbereich wurde eine kleine Mooswand installiert und so ein ruhiger Ort für Gebete geschaffen. Auf der anderen Seite steht ein rundes Etwas, das als Info-Tisch dient und sich gleich den Spitznamen »Tresen« eingehandelt hat. In der Mitte liegt ein grosser runder Teppich mit vielen Kissen, die zur Meditation genutzt werden können. Bei Bedarf können bis zu 150 Stühle aufgestellt werden. Und das WLAN funktioniert auch. Startklar für »Startbahn« weiterlesen

Entzogener Wein zieht ein

»Der Frevel«, es mit, ohne und gemischt zu können

Das althochdeutsche Ravili bezeichnet seit dem Mittelalter übermütige Kühnheit und böswillige Gewalt. Die Religiösen haben dies als »Frevel« zur Schändung der Glaubensgrundsätze umgedeutet, zur Auflehnung gegen »göttliche« Ordnungen. Wo nun liegt der Frevel im »Der Frevel«?

RAUM für Teilzeitfrevler.Foto: hlb

Als Stefan Saarbach sein Galerie-Café »Saarbach« an der Hobrecht- Ecke Sanderstraße letztes Jahr aufgab und die großzügigen Räumlichkeiten auf dem freien Markt waren, griff die »Kolonne Null GmbH« zu. Deren Geschäftsführer Moritz Zyrewitz und Philipp Rößle suchten nach Räumen, um mit Partnern einen genussreichen »Concept Store« zu eröffnen, in dem insbesondere ihr Firmen- und Herzensprodukt, alkoholfreier Wein, präsentiert und verkauft wird. Nicht, dass sie selbst keinen Alkohol tränken, aber das alkoholfreie Geschmackserlebnis als edle Alkalternative, und das doch aus einem alkoholischen Getränk gewonnen, hat es ihnen angetan. Schließlich wollen mehr und mehr Leute auch ohne Dusel und Schädel gesellig mitgenießen. Und etliche Bierbrauer machen es längst vor, dass es einigermaßen gut, trinkbar und fast ohne Umdrehungen geht. Entzogener Wein zieht ein weiterlesen

Britz royal

Mary Lou I erringt die Krone als Britzer Weinkönigin

Neukölln ist der einzige Bezirk, in dem der Bürgermeister eine Königin krönt. Dazu hatte Martin Hikel am 18. September wieder Gelegenheit, als er Mary Lou I zur neuen Britzer Weinkönigin krönen konnte.

Hoheiten des Weines. Mary Lou I mit ihrer Vorgängerin Daniela I     Foto: mr

Da sich auch die seit drei Jahren amtierende Weinkönigin Daniela Schulz noch einmal beworben hatte, mussten sich beide Kandidatinnen einem Wettbewerb stellen, bei dem sie einige knifflige Fragen zum Thema Wein zu beantworten hatten. Richtig spannend wurde es, als sie mit verbundenen Augen unter drei Rotweinen den Britzer »Knorke« erkennen mussten. Beide Kandidatinnen lösten die Aufgabe mit Bravour, und da auch bei den Fragen Gleichstand herrschte, war es am Ende das Publikum, das die Entscheidung zu treffen hatte. Britz royal weiterlesen

Vom Glasfluss bis Bronzeguss bis Politik

»Hörstation« in der Otto-Suhr-Volkshochschule

Foto: Jürgen Schmidt

Der Schmelzofen für Emaille brennt in leuchtendem Orange. Um ihn herum sammeln sich die Teilnehmerinnen eines kreativen Seminars, entstanden 1985 unter Leitung der Künstlerin Elisabeth Rothe. Sie sitzt am Rande der Gruppe und überläßt es ihren kreativen Schülerinnen, sich in der Gemeinschaftsarbeit zu deuten. Sie offenbaren ausdrucksstarke und nachdenkliche Gesichter. Daraus ist ein Mosaik aus Emaillebausteinen erwachsen, das wie ein sorgfältig verwobenes Freskowerk anmutet. Vom Glasfluss bis Bronzeguss bis Politik weiterlesen

Die Werbewelt der Belle Epoque

Toulouse-Lautrec und seine Zeitgenossen im Schloss Britz

Henri de Toulouse-Lautrec steht im Mittelpunkt einer hochkarätigen Ausstellung im Schloss Britz, die rund 60 Werke der wichtigsten Vertreter der französischen Plakatkunst um 1900 präsentiert.

Divan Japonais.Foto: mr

Sie spiegelt die Jahre zwischen den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des Ersten Weltkriegs, die auch in der Dauerausstellung des Schlosses präsent sind: die Belle Époque.
Diese Zeit war geprägt von einem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Produzenten waren gezwungen, auf sich aufmerksam zu machen und Bedürfnisse zu wecken, es entstand eine neue Kunstform: die Werbung. Die Nutzung der Lithographie ermöglichte die Herstellung und massenhafte Verbreitung großflächiger farbiger Drucke. Es war die Geburtsstunde des modernen Plakats. Die Werbewelt der Belle Epoque weiterlesen

Sandsturm

Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

Um Wasser beziehungsweise dem Mangel daran und die daraus resultierende Versteppung ganzer Regionen geht es in der Ausstellung „Sandsturm – And Then There Was Dust“, die noch bis zum 14. November in der Galerie im Körnerpark zu sehen ist.

Turtles.    Foto: mr

Sieben Künstler und Kollektive aus Iran, dem Irak und der Türkei untersuchen die Wurzeln und Konsequenzen von Sandstürmen in den betroffenen Regionen Mesopotamiens und deren Ausläufern (heutige Türkei, Irak und Iran) mit künstlerischen und wissenschaftlichen Ansätzen.
Sie thematisieren die Konsequenzen menschlichen Handelns für das Leben und Überleben aller Spezies und suchen nach einem Weg, mit den Veränderungen umzugehen. Sandsturm weiterlesen

Kunst im »Örtchen«

Toilette wird zur Galerie

Die Wildenbruchbrücke über den Neuköllner Schifffahrtskanal ist eine Rarität unter den Berliner Brückenbauten, denn im Brückenpfeiler am Weigandufer neben der ehemaligen Schiffsanlegestelle verbirgt sich eine alte Toilettenanlage.

Gelungene Eröffnung. Foto: mr

Vor rund 20 Jahren stillgelegt, dämmerte das skurrile Bauwerk vor sich hin und verfiel zusehends. Lediglich der »Kunstverein Neukölln« nutzte es häufiger als temporäre Dependance bei den Kulturfestivals »48h Neukölln« und »Nacht und Nebel«.
Doch nun wurde es als ein in Berlin einmaliger dauerhafter Kulturort für bunte, vielfältige, experimentelle Kunst wieder eröffnet. Am 3. September wurde das »stille Örtchen« unter großem Publikumsandrang seiner neuen Bestimmung als kommunale Galerie unter der Führung des Kulturamtes übergeben.
Die »Kunstbrücke am Wildenbruch« umfasst neben vier kleinen Ausstellungsräumen, in denen die ursprüngliche Nutzung noch deutlich zu sehen ist, ein Außengelände mit einer großen Kunstwand.
»Fluide Realitäten« heißt die erste Ausstellung, die sich mit dem Thema Wasser als Grundlage des Lebens und den Folgen menschlicher Eingriffe beschäftigt.

mr
Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wegen fehlender Heizung wird vom 1.11.2021 – 31.3.2022 eine Winterpause eingelegt.

von Neuköllnern für Neuköllner