»Fahrradspur statt Blutspur«

Sczcepanski steht auf Fahrradspuren.                                                                                                        Foto: mr

Grüne fordern geschützte Radstreifen auf der Karl-Marx-Straße

Farblich markierte Fahrradstreifen auf der Fahrbahn werden von Autofahrern eher als zweite Parkreihe missbraucht, als dass sie tatsächlich den Radfahrern zugute kommen.
Das ist beim kürzlich freigegebenen Neubau der Karl-Marx-Straße täglich zu beobachten. Radfahrer müssen sich hier im Sla­lom um parkende Autos herum manövrieren und sich dabei in den fließenden Verkehr einfädeln. Zusätzlich haben sie mit plötzlichen Türöffnungen zu rechnen. Noch schlimmer sieht es auf dem nördlichen Teil zwischen Rathaus und Hermannplatz aus, wo es überhaupt keinen Radstreifen gibt.
Am 23. Juni, dem »Tag der Verkehrssicherheit«, startete die »Grüne Jugend«, unterstützt vom »Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln« und den Berliner Abgeordneten der Grünen Antje Kapek, Stefan Taschner und Georg Kössler, die Protestaktion »Protected Bike Lane«. Für die Aktion wurde nördlich der »Neukölln Arcaden« eine Fahrspur durch Verkehrshütchen für den Autoverkehr gesperrt und damit ein geschützter Radstreifen geschaffen. »Fahrradspur statt Blutspur« weiterlesen

Plant besser!

Selbst in diesen schwierigen Zeiten soll es ja tatsächlich auch in Neukölln noch Leute geben, die nicht von Hartz IV, Rente oder Ersparnissen leben, sondern ihr täglich Brot durch Arbeit verdienen. Das Bezirksamt will das anscheinend ändern. Das Ladenschlussgesetz soll derart geändert werden, dass die Sonntagsruhe für »Spätis« nicht mehr gilt, diese also auch sonntags bis spät in die Nacht ihr Sortiment an diejenigen, die (aus meist nicht nachvollziehbaren Gründen) nicht rechtzeitig in der Lage waren, sich angemessen zu bevorraten, verkaufen können.
Der Raum vor vielen »Spätis« wird aber von deren Klientel als öffentliche Kneipe missbraucht. Der damit einhergehende Lärm hindert die darüber lebenden Bewohner an einer erholsamen Nachtruhe; die Arbeitsleistung am nächsten Tag leidet, Folgen für den Arbeitsplatz sind unabsehbar. Gefragt sind hier Rücksichtnahme und Toleranz, aber erfahrungsgemäß gilt das ja immer nur für die anderen!

Harald Schauenburg

Randale auf dem Kindl-Gelände

Unruhen sorgen Anwohner

Das Kindl-Gelände ist einerseits ein Gelände, auf dem viel Schönes passiert. Gewerbe hat sich hier angesiedelt, das »Zentrum für zeitgenössische Kunst« hat hier eine Heimat gefunden, die »Rollbergbrauerei« stellt hier das gute Rollberger Bier her, und am Café »König Otto« ist ein riesiger Biergarten entstanden. Die Treppe am Ende des Geländes stellt inzwischen die Verbindung zur Neckarstraße her.
Die Schattenseite ist, dass hier auch für eine gewaltbereite und polizeibekannte Jugendgang eine Art rechtsfreier Raum entstanden ist, in dem sie sich austobt. Den Mitarbeiter eines Gewerbes kam dies teuer zu stehen. Er wurde durch Steinwürfe am Kopf verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Dieser und andere Vorfälle, wie das Zertrümmern von Fensterscheiben, bewegte die Eigentümer des Geländes so sehr, dass sie eine Einwohneranfrage in der BVV stellten.
Bürgermeister Martin Hikel beantwortete das Anliegen und wies darauf hin, dass gemeinsam mit dem Jugendamt und der Polizei vom Abschnitt 55 an diesem Problem gearbeitet werde. Die Eigentümer wurden gebeten, das Gelände sauber zu halten, Steine zu entfernen und Regeln aufzustellen.

ro

Sollen Spätis auch Sonntis sein?

BVV will Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes

Angesichts langer Arbeitszeiten sind viele Menschen dankbar für ausgedehnte Ladenöffnungszeiten. Vielerorts ist der Rund-um-die-Uhr-Verkauf von Montag bis Samstag bereits obligatorisch. Restriktiv ist und bleibt aber die Ladenöffnung an Sonn- und Feiertagen. Genau hierüber gibt es seit längerer Zeit Streit in der Hauptstadt.

Plakate pro Sonntagsöffnung.                                                                                                                         Foto: mr

Die Spätis, meistens Läden, die Einzelkaufleuten gehören, sehen sich bedroht. Sie stehen Werktags in Konkurrenz zu den großen Supermärkten, deren Preise sie nicht unterbieten können. Sie brauchen daher den Sonntag zur Existenzsicherung. Aus Sicht der Späti-Betreiber besonders schmerzhaft ist die Privilegierung der Tankstellen, die auch sonntags geöffnet haben und ein deutlich größeres Warensortiment anbieten dürfen.
Anja Kofbinger, Neuköllner Abgeordnete der Grünen, setzt sich schon seit längerem dafür ein, die Spätis durch eine Ausführungsvorschrift den Tankstellen gleichzustellen ohne gleich das ganze Ladenschlussgesetz zu kippen. Das würde den Spätis nämlich auch nicht helfen, weil sie dann auch sonntags dem Konkurrenzdruck der Discounter ausgesetzt wären. Sollen Spätis auch Sonntis sein? weiterlesen

Parkraumbewirtschaftung geht doch!

BVV einigt sich auf die Durchführung einer Machbarkeitsstudie

Nur knapp ein Viertel der Nordneuköllner hat ein Auto. Trotzdem sind zugeparkte Straßen, an denen die Anwohner keinen Parkplatz mehr finden und Autos in zweiter Reihe, die den Verkehr behindern, Alltag im Bezirk.

Unsitte Fahrradwegparken – die harmlose Variante.                                                                           Foto: mr

Soll der öffentliche Raum allen Autofahrern weiterhin kostenlos zur Verfügung gestellt werden oder soll mit Park­raumbewirtschaftung, wie sie in einer Petition des »Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln« und von Anwohnern gefordert wird, Druck bei den Autofahrern gemacht werden, sich über alternative Fortbewegungsmöglichkeiten Gedanken zu machen?
Mit dieser Frage hatte sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in ihrer Sitzung am 27. Juni zu beschäftigen. Parkraumbewirtschaftung geht doch! weiterlesen

»Ich wünsche mir faire Chancen auch für Schwarze«

Eine Ausstellung im Café Blume thematisiert institutionellen Rassismus in Neukölln

»Dealende Afrikaner« – schnell sind sie so betitelt, und wer durch die Hasenheide geht, würdigt sie meistens keines zweiten Blickes. Doch nicht jeder Mann afrikanischer Abstammung, der sich in der Hasenheide aufhält, verkauft Drogen, und die wenigsten, die es tun, tun es gerne. Hier stehen Menschen, die ihre eigene Geschichte haben. Und oft schlechte Erfahrungen mit deutschen Institutionen gemacht haben. Diese sichtbar zu machen, hat sich eine Fotoausstellung im »Café Blume« zur Aufgabe gemacht.

Wo ein Wille ist, ist der Weg oft schwer.                                                                                         Foto: Anonym

Die Ausstellung wurde von drei Studierenden der »Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin« organisiert. Dabei haben sie mit der Methode der »Photovoices« gearbeitet. Die Studierenden haben westafrikanische Männer in der Hasenheide kontaktiert, sie gebeten, Fotos von Orten zu machen, mit denen sie gute und schlechte Erfahrungen verbinden und dazu Interviews geführt, um Hintergrundinformationen zur Biografie der Fotografen zu erhalten. Diese werden zusammen mit den Bildern gezeigt, und ermöglichen so den Betroffenen eine direkte Darstellung ihrer eigenen Perspektive. »Ich wünsche mir faire Chancen auch für Schwarze« weiterlesen

Nicht mehr ganz so hoch hinaus

Das neue Konzept für die Bebauung des Ringbahnhofs wurde vorgestellt

Vor gut einem Jahr hatte das Berliner Büro »Wehrhahn Architek­ten« die ersten Pläne für die Bebauung des alten Güterbahnhofes entlang der Ringbahnstraße vorgestellt. Inzwischen gab es ein Bürgerbeteiligungsverfahren, außerdem wurde der Entwurf im Berliner Baukollegium, einem Expertengremium, das über städtebauliche Planungen von gesamtstädtischer Bedeutung berät, besprochen.
Am 21. Juni wurden die neuen Entwürfe auf dem Gelände des Güterbahnhofs der Öffentlichkeit vorgestellt.

Visionen für eine Brache werden konkret.                                                                                                 Foto: mr

Besondere Kritik hatten die beiden Hochhäuser an der Karl-Marx-Straße und an der Hertabrücke hervorgerufen. Darin waren sich die Experten einig mit Baustadtrat Jochen Biedermann (Bündnis 90/Grüne), der solche Hochhäuser auch nicht unbedingt passend für das gründerzeitliche Quartier fand. Nicht mehr ganz so hoch hinaus weiterlesen

Von Neukölln in die Welt

»Impulsiv TV« berichtet über Politik, Wirtschaft und Kultur

Ein Tisch, zwei Stühle, ein paar technisch hochwertige Kameras – mit einfachen Mitteln hat sich der Journalist und Buchautor Ramon Schack gemeinsam mit seinem Produzenten Jens Winter im ehemaligen Haus der Sparkasse am Alfred-Scholz-Platz ein Fernsehstudio eingerichtet. Hier produziert er seit Anfang Juni seine Internetsendung »Impulsiv TV«, zu sehen bei Youtube im Kanal »Impulsiv TV«.

Fritz Felgentreu stellt sich den Fragen von Ramon Schack.                                                               Foto: mr

»Ich will kein Lokal-Fernsehen machen«, erklärt Schack das Konzept seiner Sendung. Aber Neukölln sei ein idealer Hintergrund für Informationen über Themen aus Politik, Wirtschaft und Kultur aus unterschiedlichen Perspektiven. »Neukölln bietet alles, im Guten wie im Schlechten«, fasst er seine Sicht auf den Bezirk zusammen, in dem er seit acht Jahren zu Hause ist.
An der Berichterstattung in den etablierten Medien missfällt ihm, dass sie seiner Ansicht nach oft zu einseitig ausfällt und dass Themen hauptsächlich tagesaktuell betrachtet und danach nicht weiter verfolgt werden. Von Neukölln in die Welt weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 161 – Mittwoch, 10. Juli 1918
Keine Frauen als Standesbeamte. Der Minister des Innern hat, wie wir erfahren, durch einen kürzlich den Regierungen mitgeteilten Erlaß dahin entschieden, daß die Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stellvertretern unzulässig sei. Die Verwaltungsbehörden der Stadt= und Landkreise sind infolgedessen ersucht worden, diese Entscheidung bei künftigen Vorschlägen für diese Aemter zu beachten. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Die letzte Mohikanerin auf der Sonnenallee

Krystyna und ihre Kunst- und Musik-Bar »Café Warschau«

Kristina Näslund – eigentlich Krystyna, doch die Ypsilons fielen einst deutschen Ausweisausstellern zum Opfer – ist eine markante Persönlichkeit. Ihre Bar »Café Warschau« hat eine ebensolche, für manche allerdings auch gewöhnungsbedürftige. Die stets elegant gekleidete Gastgeberin ist Kiez-Urgestein, hat den Wandel hautnah miterlebt und ist dementsprechend stresserprobt und mit allen Wässerchen gewaschen. Ihr Lokal führt sie mit strengem Regiment, aber auch polnisch gewitztem Charme und Akzent.

PROSZĘ wchodzić!                                                                                                                                             Foto: hlb

Die mittlerweile naturerblondete Kristina hat, nicht nur in ihren Jahren als Erzieherin in Schweden, reichlich Menschenkenntnis, Geduld und Durchsetzungsvermögen gesammelt, was ihr hilft, den Laden auf der Sonnenallee unter Kontrolle zu halten. Die letzte Mohikanerin auf der Sonnenallee weiterlesen

Friedhofsfriede, Frühstücksfreude, Flammkuchen

Genussvoller Ruhepol an der Hermannstraße: das »21 gramm«

Was wiegt die menschliche Seele? 21 Gramm, meinte ein Arzt einst herausgefunden zu haben. Nach diesem Seelengewicht hat sich stil- und pietätvollerweise ein neues Restaurantcafé auf dem St. Thomas-Friedhof benannt. Das »21 gramm« ist seit Mitte Juni eine echte gastronomische Attraktion an der Ecke Hermann- und Thomasstraße. Aus der lange nur als Lager genutzten zweiten Friedhofskapelle des Gottesackers im Körnerkiez ist eine bemerkenswert schöne Frühstückskapelle geworden, die auch als Weinlokal samt Biergarten fungiert.

LEBENSFREUDE statt letzter Ruhe.                                                                                                           Foto: hlb

Drei junge Männer haben sich zusammengetan, um aus dem unbeachteten Backstein­ensemble eine Kiezoase zu machen, in der sich Omi und Hipster, junge Familien wie arabische Nachbarn gleichermaßen gern zur entspannenden wie inspirierenden Einkehr einfinden. Mit Unterstützung des Besitzers, des Evangelischen Friedhofsverbandes, und unter der strengen, aber wohlwollenden Aufsicht des Denkmalamtes wurde das Kapelleninnere, inklusive wieder freigelegter Bibelzitate, sorgfältig und professionell restauriert und zu einem einnehmend stimmungsvollen Gastraum gestaltet. Die Kuppeln, ornamentverzierten Säulen und bunten Fenster schaffen in Verbindung mit den begrünten Deckenlampen eine sakral beruhigende und doch anregend freundliche Caféhaus-Atmosphäre. Friedhofsfriede, Frühstücksfreude, Flammkuchen weiterlesen

»Natürlich schön«

Endlich hat Neuköllns Süden wieder ein richtiges Café

Die britztreuen Tim und Nicole – er tischlert, sie unterhält einen Bürodienst-Service – entdeckten vor zwei Jahren beim Spazieren das leerstehende Ladengeschäft an der Rudower Straße, genau gegenüber vom Haupteingang des Krankenhauses Neukölln. Hier konnten sie ihren Traum von einem kleinen, nachhaltigen Café, Geschäft mit Kunsthandwerk und Dienstleistung Anfang 2017 realisieren.

Britz wird hipp.                                                                                                                                                         Foto: rr

Das Äußere ließe vermuten, dass es mitten im hippen Nord-Neukölln liegt. Schon draußen laden selbst getischlerte und gepolsterte Sitzgelegenheiten zum Verweilen im Freien ein. Weiße Schirme spenden Schatten und fahrbare, bunt bepflanzte Hochbeetcontainer, natürlich aus eigener Fabrikation, versuchen, den Straßenverkehr ein wenig abzuschirmen. »Natürlich schön« weiterlesen

Spaziergang durch den Körnerkiez

Mode, Kosmetik, Schmuck und viel Gutes für Leib und Seele

Im Körnerkiez gibt es eine bunte Vielfalt an Gewerbebetrieben, von der gehobenen Gastronomie über Kaffee­röstereien, Backshops bis hin zur Neuköllner Eckkneipe. Durch den Zuzug von finanzkräftigeren Haushalten wird der Kiez zunehmend attraktiver für Gewerbetreibende. Das »Quartiersmanagement Körnerpark« und die »Landesweite Planungsgesellschaft mbH« hatten zu einem Kiezspaziergang eingeladen, um einige Betriebe näher kennen zu lernen.
Den Anfang machte die »Kiezbäckerei«. Der Betreiber, von Beruf Bäcker, kennt sein Handwerk. Er weist auf die schwierige Situation hin, mit schnell verderblichen Lebensmitteln wie Brot zu handeln. Es ist eben nur am Tag der Herstellung verkäuflich, und die Kunden sind unberechenbar. Mal ist der Appetit auf Brot und Gebäck groß, mal nicht. Hinzu kommt, dass die Produkte bezahlbar sein müssen und dem Anspruch des Bäckers genügen sollen. Er hat die besten Croissants im Kiez und führt das Märkische Landbrot mit Demetersiegel. Tische und Stühle vor der Bäckerei machen diesen Ort zum Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Kosmetik, individuell und lovely.                                                                                                                   Foto: mr

Das »Lovely Day« ist eigentlich ein Online-Shop, der Laden eher ein Showroom, in dem aber auch eingekauft werden kann. Spaziergang durch den Körnerkiez weiterlesen

Von Tokio nach Neukölln

Eine japanische Chorleiterin im Kiez

Im Juni sangen sie die Messe brève in C-Dur von Charles Gounod, passend zum 200jährigen Geburtstag des Komponisten. Zur Zeit beginnen sie mit den Proben für das nächste große Konzert – das Magnificat von Antonio Vivaldi für Chor, Solisten und Streicher.

Arisa Ishibashi orgelt.                                                                                                                 Foto: Christof Ellger

Einmal pro Woche treffen sich Sängerinnen und Sänger zur Chorprobe in einer gemischten Gruppe jeden Alters und Berufs. Es geht herzlich zu. Einmal alle vier Wochen gibt es das traditionelle Monats­essen, alle bringen etwas mit, sitzen nach der Probe zusammen, essen und trinken in gemütlicher Runde. Die Kantorei gestaltet unter anderem Gottesdienste und Konzerte in der Genezareth- und Philipp-Melanch­thon-Kirche. Von Tokio nach Neukölln weiterlesen

Musiker bringen das Feld zum Klingen

Open-air-Konzerte am »Haus 104«

Musiker aller Genres treffen sich seit langem zur »Feldmusik« an verschiedenen Orten auf dem Tempelhofer Feld, um gemeinsam zu musizieren. Seit kurzem gibt es einen neuen Treffpunkt: Das Gebäude 104. Vom Eingang des Feldes an der Oder- Ecke Herrfurtstrasse ist es leicht zu finden: Es ist das erste Gebäude rechts.

Jam Session auf Gras.                                                                                                                                          Foto: bs

Jeden ersten Sonntag im Monat bieten Bands zwischen 15 und 18 Uhr ihr Können dar. Ab 18 Uhr gibt es eine fröhliche Jamsession, zu der jeder herzlich eingeladen und aufgefordert ist, mitzumachen.
Das Motto der »Feldmusik 104« lautet: offen, inklusiv und multinational. Die Musiker möchten die bunte Vielfalt der Stadt erlebbar machen. Und das nicht ausschließlich mit Musik, sondern auch durch stadtpolitische Initiativen und die gesamte Kunstszene. Eine Ausstellung und »Ideen-Treffen« zum »Haus 104« sind in Planung. Musiker bringen das Feld zum Klingen weiterlesen

David Lichtenauers Epilog

Science Fiction bei »48 Stunden Neukölln«

Nach knapp 3000 Jahren im Kälteschlaf erwacht man in einer Raumkapsel im Nirgendwo. Die Gerätschaften des Landers »L.A.R.S.« surren monoton vor sich hin, als plötzlich der Bordcomputer spricht: »Guten Morgen Subjekt 361. Ich habe eine gute Nachricht: Du lebst! Außer uns beiden ist hier aber leider niemand, und das Schiff hat schwere Schäden davongetragen, also mach dich an die Arbeit!« Verwirrt durch die Umgebung, bewegt man sich vorsichtig auf der nur vier Quadratmeter großen Fläche zu einer der Luken und erkennt, man ist auf einem fremden, toten Planeten. Ein Gefühl völliger Isolation in einem Meer aus Eis.

David und L.A.R.S.                                                                                                                                               Foto: me

»Epilog« heißt die Simulation von David Lichtenauer, die er vom 22. bis 24. Juni im Rahmen von »48 Stunden Neukölln« zusammen mit den Virtual Reality-Künstlern Tom Frackowiak und Anastasia Semenoff ausstellte. Davids Metall­skulptur der Landekapsel »L.A.R.S.« stand im Hof des Kindl Brauereigeländes und die dazugehörige VR-Erfahrung gab es im Kesselhaus zu sehen. Dort wurden Besucher Zeugen eines Weltuntergangs, begleitet durch die Schauspielerin Paulina als zynischem Bordcomputer PAL. David Lichtenauers Epilog weiterlesen

Einmal um die Welt mit dem »Sommer im Park«

Geballte Bläser-Power, russischer Rock, jazzige Tenorsaxofone und karibische Grooves

Dass Berlin mit harten Technobeats, nimmermüden DJs und Massen von Singer-Songwritern aufwartet, hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass es auch so manche spannende Brassband zu entdecken gibt, die sich nicht selten auch moderner Musikstile wie Techno, Pop und Rock bedient. Seit über 20 Jahren existiert die Berliner Brassband »Schnaftl Ufftschik«.

Schnaftl Ufftschik.                                                                                                                  Foto: Sven A. Hagolani

Daher war es längst an der Zeit, dass sie nach zahlreichen Auftritten in vielen europäischen Ländern auch mal bei »Sommer im Park« gastiert. Am 8. Juli ist es soweit. Eine pralle Brass-Gruppe aus Trompete, Posaune und Sousaphon, dazu noch eine Klarinette, ein Knopfakkordeon und ein wirbelnder Perkussionist werden den Zuhörern im Körnerpark mächtig einheizen mit ihrem musikalischen Cocktail aus Pop, Folk, Jazz und Klezmer. Einmal um die Welt mit dem »Sommer im Park« weiterlesen

Kunst auf die Ohren

Stadtklangbild von Robert Stokowy in der »Galerie im Saalbau«

Es quietscht, knarrt, brummt und säuselt aus vielen Lautsprechern in der Galerie im Saalbau. Die derzeitige Ausstellung »structures [berlin]« ist eher für die Ohren als für die Augen. Der Klangkünstler Robert Stokowy hat die Stadt anhand ihrer Töne vermessen und daraus einen eigenen Sound komponiert.

ORTSSPEZIFISCHE Klänge.                                                                                                                             Foto: mr

Die einzelnen Lautsprecher sind so angeordnet und mit dünnen Kabeln miteinander verbunden, dass sie acht gedachte Linien bilden, die über die Galerie hinaus in alle Himmelsrichtungen weisen. Entlang dieser Linien, die durch die ganze Stadt führen, hat Stokowy Klänge und Geräusche aufgenommen, wie das Kreischen der Straßenbahn, hupende Autos aber auch das Gezwitscher von Vögeln. Aus den Klängen einer Linie entstand dann jeweils eine eigene Komposition, bei der die Geräusche aber wiederum so verfremdet und neu miteinander verknüpft wurden, dass sie nicht ohne weiteres zugeordnet werden können. So müssen sich die Besucher ihre eigene Vorstellung vom Ursprung des Klangs machen.
Diese Klanginstallation wurde eigens für die Galerie komponiert. »Radikal ortsspezifisch« nennt Stokowy diese Arbeitsweise.

mr
Geöffnet ist die Ausstellung bis 5. August jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr.

Kehrbürger im Schillerkiez

Kehrt die Kehrwoche künftig auch hier ein?

Die Schillerpromenade zwischen Leine- und Kienitzer Straße bekommt jeden ersten Sonntag im Monat ab 11 Uhr ihre eigene Verschönerungsaktion.

Überbleibsel wenig zivilisierten menschlichen Wirkens wie Pappbecher, Pizzakartons, zerbrochene Flaschen und ähnliches werden von den orangebewesteten Nachbarn zangenweise in blaue Müllsäcke bugsiert. Das Müllsammel-Equipement wird von der BSR gesponsort, die die gefüllten Säcke gegen 13 Uhr an der Kienitzer Straße abholt.
Ins Leben gerufen hat diese Aktion Alexandra Wirobski mit befreundeten Nachbarn.

bs
Die nächste Schillerpromenaden-Kosmetik findet am 5. August statt. Infos und Anfragen bitte an: schillerkiez­nachbarn@gmx.dbs

Kennenlernen nach Sonnenuntergang im Fahrradladen

Einladung an Kunden zum Fastenbrechen im Ramadan

Was tun, um mehr Gemeinschaft unter den Menschen im Kiez zu fördern, das hat sich Cem, der Fahrradhändler in der Delbrückstraße, gefragt. Wie in den Vorjahren hat er Kunden zu einem Fastenbrechen im Ramadan eingeladen. Cem ist Muslim und wollte sich bei seinen Kunden bedanken. Seine Familie hatte für fünfzehn Leute ein typisches Essen vorbereitet.

Geschichten bei Tisch.                                                                                                                                         Foto: pr

Ein Muslim soll im Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken. Der Ramadan dauert vier Wochen. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten unterbrochen. Zuerst wird ein Glas Wasser getrunken, dann werden Datteln und eine Suppe gegessen, anschließend folgt ein gutes Abendessen. Arhan, ein Freund von Cem, sprach ein Gebet, das wie bei den Christen und Juden mit »Amen« endet. Kennenlernen nach Sonnenuntergang im Fahrradladen weiterlesen

Neuköllner Kneipenfußballmeisterschaft

Kneipenmannschaften messen sich

Nachdem sich die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft hoffnungslos blamiert hat, werden nun Neuköllner Kneipen zeigen, wie es geht.
Noch während der Fußballweltmeisterschaft, am Sonnabend, dem 14. Juli um 11 Uhr treffen sich mindestens zehn Mannschaften, um gegeneinander Fußball zu spielen. Jede der teilnehmenden Kneipen stellt eine Mannschaft mit sechs Spielern und einem Torwart. Die Teams werden gemischt sein, Männer und Frauen gehen gemeinsam an den Start. Neuköllner Kneipenfußballmeisterschaft weiterlesen

Keine Nachbarschaftshilfe

»Schwarz-Weiß Neukölln« steigt in die Landesliga ab

Sechs Siege aus den letzten zehn Partien waren nicht genug – der Schlussspurt der »DJK Schwarz-Weiß« in der Berlin-Liga war, anders als in der letzten Spielzeit, nicht mehr vom Klassenerhalt gekrönt. Bittere Enttäuschung also bei Mannschaft und Trainerteam um Benjamin Kandler. Der Frust richtete sich auch gegen andere Vereine, die spätestens in der Schlussphase der Saison – weil selbst gesichert – nicht mehr die volle Leistung auf den Platz brachten.

Hart umkämpfter Ball.                                                                                                                Foto:Hagen Nickelé

Nicht zuletzt die beiden anderen Neuköllner Teams waren es, auf die diese Beschreibung 2017/18 zutraf. Keine Nachbarschaftshilfe weiterlesen

Abführender Wunderbaum

Giftpflanze des Jahres 2018

Seit knapp zwei Wochen sind die Zeitungen voll von den geplanten Anschlägen in Köln, und da wird behauptet, dass die Rizinussamenkörner aus dem Darknet oder aus Baumärkten stammen. In Neukölln finden sie sich im Körnerpark und können dort ganz einfach von acht Wunderbäumen abgesammelt werden.

Rizinus.                                                                                                                                                       Foto: Eva Willig

Seit Jahren fordere ich, dass in öffentlichen Grünanlagen keine Giftpflanzen angepflanzt werden sollen und wenn doch, dass sie dort gekennzeichnet werden. Am Besten wäre es – auch um dem Ziel »essbare Stadt« näher zu kommen, die Giftpflanzen aus den Anlagen herauszuholen und durch essbare Beerensträucher zu ersetzen. Stattdessen werden beispielsweise Wacholdersträucher entfernt, wie vor kurzem in der Lessinghöhe geschehen. Abführender Wunderbaum weiterlesen

Basteln mit Rolf

Schreib mal wieder mit der Hand!

Nicht nur das Smartphone hat das Schreiben von Briefen und Postkarten mit der Hand verdrängt. Egal wo, wenige Klicks genügen, und ein Selfie ist in Sekundenschnelle überallhin versendet. Dass Kronkorken sich als Schreibfeder eignen, dürfte weniger bekannt sein.

Aus einer Nostalgielaune heraus verrate ich hier, wie es geht. Wir brauchen nur einen Kronkorken, eine Zange mit runden Branchen, einen dünnen Ast, ein gefülltes Tintenfass und natürlich: Lust zum ­Pfriemeln.
Die heute gängigen Kronkorken haben 21 Zacken. Wird ein Kronkorken mit der Hand mittig zusammengedrückt, wird dabei auch ein Zacken eng zusammengefaltet. Mit diesem Zacken wird geschrieben, seine gegenüberliegende Seite wird so wieder aufgebogen und gerundet, dass beispielsweise ein dünner Ast, dort als Federschaft eingeklemmt werden kann. Das ist eigentlich alles. In Tinte getunkt, und es kann losgeschrieben werden.

rr

Petras Tagebuch

Das doppelte Päckchen

Seit vielen Jahren bestelle ich einige Kosmetikprodukte in Süddeutschland, weil diese Firma in Berlin keinen Vertriebsstandort hat. Das klappte immer hervorragend. Nach spätestens zwei Tagen hatte ich die Lieferung bis es auf einmal nicht klappte und das erhoffte Paket ausblieb.
Ich rief bei der Firma an, und die Frau, die schon seit Jahren meine Bestellung aufnimmt, konnte mir Auskunft geben. Das Paket sei bei einem Nachbarn in der Hermannstraße abgegeben worden. Er hieße Tam Tam. Von so einem Nachbarn hatte ich noch nie gehört. Leider fehlte auch die Hausnummer. Ich erklärte der Mitarbeiterin die Situation. Die Hermannnstraße sei sehr lang und wie, bitteschön, soll ich Tam Tam finden? Petras Tagebuch weiterlesen

Vandalismus am Lipschitzbrunnen

Steinbänke mit roher Gewalt zerstört.                                                                                                        Foto: mr

Am 5. Mai wurde bei der Vorstellung des Bundesprogramms »Zukunft Stadtgrün in der Gropiusstadt« bekannt gegeben, dass der Brunnen instand gesetzt wird. Damit soll die Lebens- und Wohnqualität auf den öffentlich zugänglichen Grün- und Freiflächen in der Gropiusstadt weiter verbessert werden. Das scheint nicht allen zu gefallen. Am 14. Mai stellten Mitarbeiter des Straßen- und Grünflächenamtes fest, dass die Bänke um den Brunnen in Teilen zerstört wurden. Sitzplatten wurden von den Sockeln abgerissen und auf die Rasenfläche gekippt und zerbrochen. Vandalismus am Lipschitzbrunnen weiterlesen

Es betrifft uns alle!

Es betrifft uns alle!

Unzufriedenheiten, Ängste und Hass führen zunehmend zu Aggressionen, Respektlosigkeit und Gewalt. Als Ausdruck nicht gelöster Probleme sucht sich Wut unterschiedliche Ventile und führt auch zum Verlust des Sicherheitsgefühls.
Vielerorts werden Men­schen angegriffen, schwer verletzt oder gar getötet. Gegenstände im öffentlichen Bereich werden stark beschädigt oder zerstört. Das friedliche Miteinander und die soziale Kontrolle schlagen immer öfter in Missachtung und Gaffertum um.
Jeder einzelne von uns ist gefordert, sich selber zu fragen, wie und wo er dazu beitragen kann, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Eine Möglichkeit wäre die Selbstverpflichtung zum friedlichen und wertschätzenden Umgang mit sich selbst und anderen.
Die Politik kann diese Probleme nicht lösen, außer durch einen Scheinsicherheit vor­gaukelnden Überwachungsstaat, der unsere Demokratie ad absurdum führen würde.

Beate Storni

Einweg ist kein Weg

Gastronomie diskutiert über Konzepte zur Müllvermeidung

Mit der Kampagne »Schön wie wir« versucht das Bezirksamt Neukölln seit zwei Jahren, die Probleme mit verdreckten Straßen und illegal entsorgtem Müll in den Griff zu bekommen und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Bevölkerung zu stärken. Gleichzeitig wird durch »Müllsheriffs« der Druck auf Umweltrowdys verstärkt.
Seit März 2018 gibt es mit der »Mehrwegberatung« nun einen weiteren Kampagnen-Baustein, mit dem kleine und mittlere Unternehmen der Gastronomiebranche angesprochen werden sollen. Die Mehrwegberaterinnen arbeiten mit Geschäftsleuten und Kreativen zusammen, um innovative Mehrwegprodukte zu entwickeln, die Abfall von vorn herein vermeiden sollen.

Der Bürgermeister ist von der Idee begeistert.                                                                                        Foto: mr

Bezirksbürgermeister Martin Hikel präsentierte am 9. Mai diese neue Projektsäule bei einem Pressefrühstück im »Klunkerkranich«, dem Dachgarten auf den Neukölln Arcaden, der Öffentlichkeit. »Der öffentliche Raum gehört uns allen. Also tragen wir auch alle gemeinsam Verantwortung für unseren Bezirk«, redete er den Anwesenden ins Gewissen. Einweg ist kein Weg weiterlesen

Unterwegs mit Schaufel und Kanne

Bezirkspolitiker pflanzen eine Ess-Kastanie

Gelegentlich zieht es den Ausschuss für Straßen, Grünflächen und Ordnung der Bezirksverordnetenversammlung ins Grüne. Die Sitzung am 9. Mai wurde im Tierpark in der Hasenheide abgehalten. Aber bevor es ans politische Tagesgeschäft ging, wurde am Eingang Columbiadamm ein Baum gepflanzt. Nicht irgendein Baum, sondern eine Ess-Kastanie, die für 2018 zum »Baum des Jahres« ausgerufen wurde. Bewaffnet mit Schaufeln und Gießkanne machten sich Jochen Biedermann, Stadtrat für Stadtentwicklung, Ausschussvorsitzender Marko Preuß sowie Bernd Kanert, Leiter des Neuköllner Grünflächenamts ans Werk.

Biedermann gärtnert.                                                                                                                                         Foto: mr

Der Neuzugang ist Teil des Baumlehr­pfades in der Hasenheide. Im Oktober 2009 eingeweiht, enthält er alle Baum­arten, die seit 1989 zum »Baum des Jahres« gewählt wurden. Zur Identifizierung ist jeder mit einer Hinweistafel versehen. Unterwegs mit Schaufel und Kanne weiterlesen

Klingeln gegen Autos

»Kidical Mass« radelt durch den Kiez

Gemeinsam mit Kindern auf der Straße Fahrrad fahren – mit Laufrad, Kinderrad, Anhänger oder Familienlastenrad – die »Kidical Mass« am 27. Mai machte es möglich.

Zwerge demonstrieren für Sicherheit.                                                                                                         Foto: mr

Die »Kidical Mass« ist der kleine Ableger der »Critical Mass«, bei der an jedem letzten Freitag im Monat Radfahrer gemeinsam, aber unorganisiert die Straßen erobern, indem sie im Verband über mehrere Stunden kreuz und quer durch die Stadt fahren.
Im Gegensatz dazu ist die »Kidical Mass« eine angemeldete Demo, die von der Motorradstaffel der Polizei begleitet und geschützt wird. Kinder unter acht Jahren dürften sonst nicht auf der Fahrbahn fahren. Klingeln gegen Autos weiterlesen

Neuer Stolperstein in Britz

Der Leidensweg des Apothekers Adolf Mockrauer

Kurz vor dem 9. November 2017, dem Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, wurden 16 Stolpersteine in Neukölln gewaltsam entfernt und verschwanden. Daraufhin kam es zu einem überwältigenden, lokal nicht begrenzten Spendenaufkommen, was bereits am Beginn des Folgemonats die Neuverlegung aller Gedenksteine ermöglichte. Aus den übrigen Spenden entstand ein Fonds, der auch Mittel für die Verlegung neuer Gedenksteine in Neukölln bereit stellt. Mit dieser deutlichen Gegenreaktion hatten die Gedenksteinschänder sicher nicht gerechnet.

Haus der ehemaligen Albrecht-Dürer-Apotheke.                                                                                     Foto: rr

Einige Spenden waren sogar mit dem Wunsch verbunden, einen Stolperstein für den damals sehr beliebten jüdischen Apotheker Adolf Mockrauer aus Britz zu verwenden, den die NS-Rassenpolitik nahezu mittellos erst ins Exil und dort dann in den Tod trieb. Seine »Albrecht-Dürer-Apotheke« führte er ab 1927 sehr erfolgreich in einem Neubauabschnitt der Großsiedlung Britz. Neuer Stolperstein in Britz weiterlesen

Wir sind queer und wir sind hier

Tuntenspaziergang durch Neukölln

Begriffe wie »schwul« oder »Transe« waren oder sind Schimpfworte. In den 80er und 90er Jahren machte sich die Community den Begriff zu eigen. Damit hatte sie dem Gegenüber, der sie zu beleidigen versuchte, die Macht genommen. Trotz dieser Bemühungen werden Tunten noch immer geächtet.

Schön sind wir!                                                                                                                                                      Foto: mr

In Neukölln kam es in den vergangenen Wochen zu teilweise schweren Übergriffen auf Trans- und Homosexuelle. Das wollte Maurus Knowles, Besitzer der Bar und Kunstgalerie »Ludwig« in der Anzengruberstraße, nicht länger hinnehmen und lud kurzerhand zu einem »Tuntenspaziergang« durch den Kiez am 26. Mai.
Es gehe darum, queeres Leben sichtbar zu machen, forderten die Teilnehmer. Sie wollen das simple Recht, als Tunte auf der Straße ebenso existieren zu dürfen wie im geschlossenen Raum. Wenn es nach ihnen geht, sollen diesem ersten Spaziergang noch viele weitere in ganz Berlin folgen. Wir sind queer und wir sind hier weiterlesen

Gegendarstellung

BVV-Artikel Mai-Ausgabe

In der Mai-Ausgabe von »Kiez und Kneipe« Neukölln wird auf Seite 3 im Artikel »Wieder mal Durcheinander in der BVV« eine unrichtige Behauptung abgedruckt und mir persönlich zwei falsche Aussagen zugeschrieben.
Nicht nur die LINKE hat sich an dem Begriff »islambasierten Antisemitismus« gestoßen, sondern auch andere Fraktionen. Die Fraktion der Grünen hat in der BVV einen Änderungsantrag zur Entschließung der CDU eingebracht, in dem nur der Begriff »islambasierter Antisemitismus« durch »religiös motivierter Antisemitismus« ersetzt wurde. Dieser Änderungsantrag wurde dann auch so verabschiedet. Gegendarstellung weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 135 – Sonntag, 9. Juni 1918
Strenges Tischtuchverbot. Die Reichsbekleidungsstelle hat, wie bekanntgegeben, vor längerer Zeit ein Tischtuchverbot für die Gastwirtschaften und Hotels erlassen. Eine Ausnahme war nur für diejenigen Wirtschaften gestattet worden, deren Tische mit Fries belegt sind. Da vielfache Umgehungen dieses Verbots festgestellt worden sind, so hat sich die Reichsbekleidungsstelle entschlossen, ein allgemeines Tischtuchverbot anzuordnen. Das neue Verbot tritt mit dem 1. Juli in Kraft. Von dem Verbot werden jetzt auch die Klubs, Kasinos, Kantinen usw. betroffen. Papiergarntischtücher dürfen auch ferner verwendet werden. Bei Privatgesellschaften, Hochzeiten usw. dürfen Tischtücher verwendet werden, wenn sie von den Veranstaltern mitgebracht werden. Die durch das strenge Verbot gewonnenen Wäschestücke sollen in erster Linie für Säuglingswäsche benutzt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Das beste Ramadan-Pide von Neukölln

Seit 20 Jahren lecker

Wer in diesen Wochen des Fastenmonats Ramadan gegen Abend die Hermannstraße entlang spaziert und in die Flughafenstraße kommt, der riecht schon von Weitem den herrlichen Geruch von frisch gebackenem Fladenbrot. Unzählige Kunden stehen hier Schlange, um das mutmaßlich beste Fladenbrot – auf türkisch »Pide« – des Bezirks zu ergattern. Die Bäckerei »Öz Ege« steht seit 20 Jahren für Qualität und ist ein echtes Neuköllner Juwel.

Mehmet Aktop und sein Sohn Emre.                                                                                                             Foto: sh

Natürlich kommen derzeit besonders viele Muslime. Ein knuspriges und warmes Fladenbrot ist schließlich eine hervorragende Beilage zum wohlverdienten Abendbrot. Auch viele andere Neuköllner kaufen hier regelmäßig ein. Im Fastenmonat gibt es nämlich spezielles »Ramadan-Pide«. Dann ist das ohnehin schon leckere Brot noch besser und enthält Sesam und etwas mehr Butter und Öl als sonst, verrät Inhaber Mehmet Aktop. Das beste Ramadan-Pide von Neukölln weiterlesen

Entdeckt, versteckt

Praktisches und Zauberhaftes im »VANRODE«

Im Schaufenster schwebt eine Dose, optische Illusionen bewegen sich, eine bunte Mischung aus Dingen findet sich dort, und auch das Innere des Ladens »VANRODE« am Ende der Schudomastraße hält einige Überraschungen bereit. Der Inhaber Stefan van Rode, gelernter Rettungssanitäter, Hörgeräteakustiker und Heilpraktiker, sieht sich selbst als Zauberer und Magier.

Stefan van Rode.Foto: jr

Angefangen hat alles vor 15 Jahren in einer kleinen Neuköllner Wohnung. Es entstanden die ersten »Geheimverstecke«, kleine Tresore oder Safes mit Mimikryeffekt. Genauer heißt das, Stefan van Rode baute und entwickelte eine Reihe von Reise- oder Geheimtresoren. Erbsendosen, Rasierer, Wanduhren, Getränkedosen – die Verpackungen passen sich wunderbar in das häusliche Equipment in der Speisekammer, im Bad oder der Garage ein. Für Reisen finden sich Reisesafes, zum Beispiel als Sonnencreme oder Feuerzeug getarnt. Es gibt sogar einen Klobürstengeheimsafe. Entdeckt, versteckt weiterlesen

Der »Zauberkönig« macht Pause

Bleiberecht bis zum ersten Spatenstich

Im Laden drängelten sich die Kunden, auf dem Gehweg davor bildeten sich Trauben von Menschen um Zauberkünstler und Artisten, die dort ihre Kunst vorführten, oder einfach nur, um in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen. Eine unglaubliche Menge von Fans hatte sich am 12. Mai versammelt, um – vorläufig – Abschied zu nehmen von einer Institution im Kiez, dem »Zauberkönig«.

Gruseliges und Zauberhaftes im Zauberkönig.                                                                                       Foto: mr

»Seit 1884« verkündet das Schild mit den geschwungenen Buchstaben. Begonnen hat die Geschichte allerdings in der Friedrichstraße, erst 1952 zog der Laden an seinen jetzigen Standort am Rande des Jerusalem-Friedhofes in der Hermannstraße. Kirsi Hinze und Karen German haben das Geschäft 2011 übernommen. Zuvor gehörte es Germans Großvater, danach ihrer Tante. Der »Zauberkönig« macht Pause weiterlesen

Kapern, Pistazien und Hanfteig

Italienische Cucina erobert weiter den Kiez

An italienischer Gastronomie mangelt es wahrlich nicht im Nordneuköllner Kiez, doch die Community aus Bella Italia ist groß und Pizza, Pasta und Co. schmecken halt fast allen. Nicht nur das »Ammazza che pizza« an der Hobrechtbrücke oder das »Monella« in der Weichselstraße haben zuletzt hohe Standards gesetzt; unlängst haben sich gleich mehrere weitere neue Lokale lustvoll der Stiefelküche verschrieben.

MADAMAS Pizza. Foto: hlb

Thomas Mudersbach vom »May am Ufer« liebt die traditionelle Cucina. In Mailand hatte er schon ein Bio-Restaurant und war sogar mal Privatkoch eines Mailänder Fußballpräsidenten. Nun heißt das umgebaute »May« »Capperi!« (Kapern) und fokussiert sich seit April auf »Italian natural kitchen & craft wine«. Das neue Konzept vereint Mudersbachs Kochfreude, das Warenwissen von »Siziliessen«, seit drei Jahren Importeur sizilianischer Spezialitäten, und die Weinkompetenz der veganen Weinbar »Neontoaster«, die hier für das Sortiment an Naturweinen engagierter Winzer zuständig ist. So kommen möglichst chemiefreie Tropfen und authentisch zubereitete sizilianische Produkte auf den Tisch – was allerdings auch seinen Preis hat. Zum Reinschnuppern empfiehlt sich der Aperitivo: Von 17 bis 20 Uhr gibt’s ein Glas Wein mit einem Stück Büffelmozzarella oder einem Hackbällchen für fünf Euro. Kapern, Pistazien und Hanfteig weiterlesen

von Neuköllnern für Neuköllner