Welches Milieu schützt der Milieuschutz?

Mahlower Block verkauft.                                                                                                                                  Foto: fh

200 Mietparteien von Umwandlung betroffen

Erst im Jahre 2016 wurde der Schillerkiez als Milieuschutzgebiet ausgewiesen. Nach Meinung vieler Mieter viel zu spät, denn die Verdrängung der alteingesessenen, meist nicht sehr begüterten Bevölkerung ist seit Jahren im Gange. Zum Teil durch horrend gestiegene Mieten, zum Teil durch Umwandlung in Eigentum und durch Eigenbedarfskündigungen.
Derzeit sehen sich 200 Mietparteien des »Mahlower Block« mit der Umwandlung ihrer Mietwohnungen in Eigentumswohnungen konfrontiert. Dies betrifft mehrere Häuser in der Mahlower und Lichtenrader Straße sowie der Fontanestraße.
Die entsprechenden Schreiben des Stadtentwicklungsamtes erreichten die Mieter im Juli und August. Der Eigentümer, die »convivo Lux Residential« (vormals »Immeo Lux S.a.r.l.«) hatte einen Antrag auf Begründung von Wohn- und Teileigentum gestellt.
Das Bundes-Baugesetzbuch (BauGB), das auch für Berlin gilt, sieht vor, dass solche Beantragungen im Regelfall innerhalb eines Monats zu gewähren sind. Welches Milieu schützt der Milieuschutz? weiterlesen

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Bekannt ist die AfD für die Ausschöpfung demokratischer Instrumente mit dem Ziel, die Demokratie kaltzustellen. Sie bedient sich dabei manchmal lächerlicher Argumente.
So geschah es in der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung, in der das fraktionslose Mitglied der AfD, Anne Zielisch, diesmal in guter Gemeinschaft mit der FDP die Konsensliste ablehnte. Die Begründung: Die Presse kichert.
Was bitteschön hat eine kichernde Presse mit den ernsten Entscheidungen der BVV zu tun? Vielleicht fühlten sich diese wenigen Personen, die räumlich sehr dicht am Pressetisch sitzen, verunsichert. Aber vielleicht suchten sie nur nach einer Begründung für ihr unkonstruktives und arbeitsbehinderndes Verhalten. Man weiß es nicht.
Nur eines weiß ich: Wenn in einem ehrwürdigen Gremium die Presse kichert, dann kann sie nicht anders. Sie kann deshalb nicht anders, weil die Umstände zum Kichern zwingen. Oder soll sie in Tränen ausbrechen?

Petra Roß

Alt-Rudow soll wieder Anschluss bekommen

BVV stimmt über Antrag für bessere Anbindung ab

Um benachteiligte Stadtteile zu unterstützen, wurde 1999 das Berliner Quartiersmanagement (QM) gegründet. Deren Projekte sollen ärmere Stadtteile stabilisieren, bis sie es allein schaffen.
In der Gropiusstadt soll das nun laut Senatorin Katrin Lompscher (LINKE) und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ab 2020 der Fall sein. Viel zu früh, wie die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) findet. In der Sitzung vom 29. August wurde mit Mehrheit beschlossen, dass das Bezirksamt sich bei der Senatsverwaltung dafür einsetzen soll, das Stadtteilbüro weiterhin bestehen zu lassen. AfD, AfD-neu und die Fraktionslosen von AfD und FDP stimmten dagegen. Alt-Rudow soll wieder Anschluss bekommen weiterlesen

Tausende gegen Rechts

Neuköllner von Chemnitzer Aufmärschen geschockt

Der Hermannplatz konnte die Menschenmassen nicht mehr fassen. Sie alle waren gekommen, um gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu demonstrieren. Unter dem Motto »Ob Chemnitz oder Neukölln: Auf die Straße gegen rechte Gewalt« zogen am 30. August nach Schätzungen der Polizei etwa 5.000 Demon­stranten durch Neukölln. Die Veranstalter sprachen dagegen von rund 8.000 Teilnehmern.

Hermannplatz.                                                                                                                                                       Foto: mr

Erwartet hatten sie deutlich weniger, daher äußerten sich alle Redner der Auftaktkundgebung erfreut über den regen Zuspruch. Sie riefen die Demonstranten dazu auf, aufzustehen gegen Rassismus und Hetze, wo immer sie ihnen begegnen. Tausende gegen Rechts weiterlesen

30 in der Fulhamer Allee

Halbherzige Lösung für Anwohner

Der Verkehrssenator Andreas Geisel, der damalige Neuköllner Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer, der Abgeordnete Joschka Langenbrinck und die Neuköllner Bezirksverordnete Deryla Caglar (alle von der SPD) ließen sich im April 2016 von Schülern der Fritz-Karsen-Schule in Britz zufrieden hochleben. Anlass war die Wiedereinführung einer zeitlich begrenzten Tempo-30-Zone auf dem Teil der vielbefahrenen Fulhamer Allee, der an ihre Schule grenzt.

TEMPO-30-Zone.                                                                                                                                                   Foto: rr

Die Fulhamer Allee in Britz ist eine knapp 700 Meter lange Verbindungsstraße. Einspurig durchschneidet sie eine geschützte Grünfläche und ist eigentlich ein Nadelöhr, da sowohl die zuführende als auch die weiterführende Straße jeweils zweispurig ist. Direkte Anrainer sind zwei Kitas, die Fritz-Karsen-Schule mit 1.300 Schülern sowie deren Grundschulfiliale, die Backbergschule auf einem separaten Grundstück 50 Meter weiter. 30 in der Fulhamer Allee weiterlesen

Körnerpark ohne Bänke

Einige randalieren, andere müssen stehen

Der Körnerpark zwischen Jonas- und Schierker Straße ist mit seinen Wasserspielen, hundertjährigen Bäumen und gepflegten Blumenrabatten eine der schönsten Parkanlagen in Berlin.
Leider sind die zahlreichen Bänke, die in früheren Zeiten zum Verweilen einluden, bis auf einen kläglichen Rest verschwunden. So können Besucher den Park nur flanierend genießen, jedenfalls die, die es sich nicht auf dem Rasen gemütlich machen wollen oder können – was im Übrigen, ausweislich der Schilder an den Rasenflächen, verboten ist. Das hindert allerdings kaum jemanden daran.

Hier sollte eine Bank stehen.                                                                                                                           Foto: mr

Für das Verschwinden der Bänke gibt es unterschiedliche Gründe. Aus dem lauschigen kleinen Barockgarten entlang der Jonasstraße wurden sie bereits vor Jahren komplett entfernt. Laut Auskunft des Grünflächenamtes hatten sich hier Trinker niedergelassen, die sich im Rahmen ihrer Trinkgelage auch an den Pflanzen vergriffen. Seit die Bänke weg sind, gebe es diese Probleme nicht mehr. Wer hier ein wenig länger verweilen möchte, muss also auch in Zukunft eine eigene Sitzgelegenheit mitbringen. Körnerpark ohne Bänke weiterlesen

Ruhestätte für Muslime

Grabfeld auf Friedhof Lilienthalstraße eingeweiht

Groß war das Interesse an der Einweihungsfeier des neuen muslimischen Gräberfeldes nicht nur unter den Muslimen selbst. Viele Gäste waren am 31. August zum Friedhof an der Lilienthalstraße gekommen, unter ihnen auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel und etliche Bezirksverordnete der SPD, der Grünen und der LINKEN.

Der Segen des Imam.                                                                                                                                           Foto: mr

Es hatte mehrere Jahre gebraucht, um einen geeigneten Ort zu finden, wo Muslime nach ihrer Tradition würdevoll Abschied von ihren verstorbenen Angehörigen nehmen können. Bislang stand ihnen dafür hauptsächlich der Friedhof in Gatow zur Verfügung, für Neuköllner nicht gerade um die Ecke. Viele Verstorbene wurden auch in ihre Herkunftsländer überführt. Besonders für die hier Geborenen ist das aber oft keine Option mehr. Ruhestätte für Muslime weiterlesen

Respekt und Vielfalt

»Rudow empört sich« und lädt zur offenen Tafel

Menschen aus 190 Staaten der Erde waren Ende 2017 in Berlin registriert. Knapp ein Fünftel der registrierten Einwohner waren so genannte Ausländer. In Neukölln sind über 160 Nationen vertreten. Und in Rudow? Ist die Zahl hier vielleicht auch dreistellig? Wie funktioniert das Zusammenleben vieler Kulturen in Rudow? Leben sie nur nebeneinander her? Sind »Ausländer« in Rudow vielleicht besonders gut integriert? Ist es eine Ausnahme, wenn eine Frau mit Kopftuch in Alt-Rudow zielgerichtet auf dem breiten Fußweg angerempelt und angepöbelt wird? Wie weit ist die wachsende fremdenfeindliche und antisemitische Stimmung auch schon in Rudow auf fruchtbaren Boden gefallen? Respekt und Vielfalt weiterlesen

Kampf gegen Homophobie

Lesben und Schwule in der CDU verbinden sich

Unmittelbar nach dem Christopher-Street-Day am 28. Juli wurde in Neukölln der Kreisverband der »Lesben und Schwulen in der Union« (LSU) gegründet. Oberste Priorität des Kreisverbandes ist die Bekämpfung der Homophobie und die Stärkung der Rechte für Lesben und Schwule im Bezirk.

Kenneth Joiko.                                                                                                                    Foto: Marvin Hanschkatz

Der CDU-Kreisvorsitzende Falko Liecke begrüßte die Gründung der LSU Neukölln. Der neue Kreisverband werde sich gegen jede Art der Ausgrenzung aufgrund der sexuellen Orientierung stark machen.
Auf Bundesebene gibt es die LSU schon seit 20 Jahren. Bereits 1997 schlossen sich Homosexuelle in der CDU und CSU als »Schwule Christdemokraten« zusammen. Ein Jahr später wurde das Bündnis in LSU (Lesben und Schwule in der Union) umbenannt. Ihre Forderungen in der CDU durchzusetzen war nicht einfach für die LSU, aber auf lange Sicht konnte sie doch einiges erreichen; so war sie maßgeblich an der Ehe für alle beteiligt. Kampf gegen Homophobie weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 206 – Sonntag, 1. September 1918
Das Ende des «Dutzend«. Die Reichsregierung beabsichtigt, in dem neuen Zolltarif, die Maßeinheit des »Dutzend« durch das «Zehnt« zu ersetzen, um der Unstimmigkeit, die die Zwölferrechnung in unserem Dekadensystem darstellt, den Garaus zu machen. Schon die gegnwärtig stattfindende Leipziger Messe soll mit dem Werke des Ersatzes des Dutzend durch das Zehnt praktisch beginnen und somit bahnbrechend und vorbildlich wirken. In absehbarer Zeit wird also das Dutzend jenen Gang gehen, den vorher schon Mandel und Schock, Elle und Zoll, Unze und Lot gegangen sind. Tatsächlich fügt sich die Zehnerrechnung unserem ganzen System besser ein. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Pasta, Wein und Plattendeck

Das Ristorante »DocB« beerbt in der Emser den »Fellfisch«

»Carbonara, e uno vino rosso«, das ließe sich hier trefflich singen. DOCG, Denominazione di Origine Controllata e Garantita ist in Italien das staatliche Siegel für bes­te Weine. Im »DocG«, günstig zwischen der Bar »Neuschweinsteiger« und dem zum Edelrestaurant avancierten »Ungeheuer« gelegen, hält man also wohl etwas auf Wein.

VOM DOC empfohlen.                                                                                                                                      Foto: hlb

Die Auswahl an offenen Tropfen ist zwar überraschend klein, doch die Flaschenauswahl für anregende Abende, drinnen wie draußen, ausreichend. Die Papierzettelkarte der im Juli eröffneten Restaurant- und Weinbar hält solide, laut Logo »Italianische Spezialitäten« wie Käse-, Wurst- und Gemüseplatten, Salate, Lasagnen und Spaghetti- und vegane Gerichte bereit. Pasta, Wein und Plattendeck weiterlesen

Naturbub mit Kuhliebe

Georg Weishäupls »Peppis Käselager« und seine kulturellen Lebensmittel

Österreich, felix Austria, schön und eigensinnig, eine der europäischen Genussinseln, wo ganz unvegan noch Milch und Honig auf saftigen Almen fließen. Georg Weis­häupl, im westösterreichischen Vorarlberg aufgewachsen und geprägt, importiert ein Stück vom landwirtschaftlichen Glück seiner Heimatregion in die Weichselstraße.

GEORG und seine Mitarbeiterin rocken und rollen den Käse.                                                        Foto: hlb

Zum einen lässt er in seiner atmosphärischen wie gemütlichen, für seine jazzig-avantgardistischen Live-Musik-Ereignisse beliebten und prämierten Kneipe »Peppi Guggenheim« gute Biere, Weine (Veltliner) und Schnäpse (Enzian, Saubirne!) servieren. Zum anderen ist da der Käse.
Nach 18 Jahren in Wien machte der »Diplomkünstler« Georg nach Neukölln rüber und eröffnete 2008 das »Peppi Guggenheim Spe­ci@l-cafe International« als zunächst sporadischen Projekt- und Kunst-raum, benannt nach seinem Wiener »vagabundieren Kunstkollektiv«. Hier begann es mit Punk und Happenings. Heute bringt das »Peppi« ein erdendes, austrisches Flair und niveauvolle Musik in den Kiez.
Doch den Naturbub ließen die Kuhliebe und das Potenzial der käsigen Vielfalt nicht los. Mit einem Freund baute er in Wien einst ein Portal für einen Sennervertrieb mit auf. Die Vermittlung und Verbreitung von Rohmilchprodukten glücklicher Weiderinder, direkt von den Sennern und Sennerinnen hin zum Käsefan, war und ist seine Passion und sollte irgendwann nicht nur innerhalb Öster­reichs passieren. Sondern auch nach und in Berlin. Denn: »Rohmilchkäse rockt!« Naturbub mit Kuhliebe weiterlesen

»thatchers«

Besonders Schönes zum Anziehen

Selbstbewusste Frauen sind schön und mit dem richtigen Kleid sogar umwerfend. So fühlt es sich für die Frau, die mitten im Leben steht, an, wenn sie das »thatchers« betritt.
Hier findet sie alltagstaugliche Kleider, Röcke und feine Oberteile in hochwertiger Qualität, die, mit einem Accessoire ausgestattet, nach einem Bürotag auch für den Abend passen.

Shirts und mehr.                                                                                                                                       Foto:thatchers

Thomas Mrozek, der Gemanistik und Anglistik studiert hat und aus der Theaterszene kommt, und Ralf Henselleg, der die Modeausbildung am Berliner Lette Verein absolviert hat, taten sich zusammen und gründeten 1989 das Modelabel »thatchers«. Mrozek, der das erste englischsprachige Theater »Berlin play Actors« mitgegründet hatte, bot ihnen die Plattform für Kostümgestaltung. Gemeinsam entwarfen sie die Kostüme für »Saint Joan« von Shaw und »No Exit« von Sartre.
Es kam jedoch der Tag, an dem sie sich zwischen Theater und Modedesign entscheiden mussten. Es war die Mode, zu der sie sich stärker hingezogen fühlten. Denn in Berlin war damals wie heute alles möglich. Von lässig über experimentell zum feinen Outfit gibt bis es hier alles. »thatchers« weiterlesen

»Prăvălia – Romanian Delights«

Kunst am Rollladen

Prăvălia bedeutet übersetzt aus dem Rumänischen Tante-Emma-Laden. Für die Karl-Marx-Straße bedeutet die Boutique vor allem eins: Sie ist ein Farbklecks. Die Gegend um den Karl-Marx-Platz lud über die letzten Jahre nicht zum Bummeln ein, sie war eher bekannt als Fressmeile und litt unter den andauernden Bauarbeiten an der Straße.

Vorher – Nachher.                                                                                                          Foto: Anne-Kathrin Liedtke

Anne-Kathrin Liedtke sorgt seit März vergangenen Jahres für Vielfalt und zeigt das Potenzial der Karl-Marx-Straße als Flaniermeile. Inmitten monotoner Leuchtreklamen steht ihr kleiner Laden, rosa gestrichen und seit Neuestem ausgestattet mit Kunst an der Fassade. »Prăvălia – Romanian Delights« weiterlesen

Hörbert, die »StoryboXX«

Field Trip – interaktiv und historisch

Seit vor zwei Jahren die »BücherBoXX Luftbrücke« aus den Allmende-Gärten auf dem Tempelhofer Feld an den Herrfurthplatz umgezogen ist, fehlte einfach etwas sehr Gemütliches und Bildungsbeförderndes. Bücher wurden vor Ort getauscht, Kinderspielzeug wechselte die Besitzer, auf der Bank davor wurde gelesen, in allen Sprachen geschnattert und gelacht.

Hörbert und Fans.                                                                                                                                                   Foto:fh

Da kamen Eva Stotz und ihr Team auf die Idee, eine neue »BücherBoXX« heranzuschaffen und mit dieser ihren interaktiven Dokumentarfilm »Field Trip« zu bereichern. Sie wühlten sich ein Jahr lang durch Anträge, Bürokratie und die Geschichte des Tempelhofer Feldes, bis sie die »Europa-BücherBoXX« vor Kurzem aufbauen lassen konnten. Mittels solargesteuerter Audioanlage, »Hörbert« genannt, erweiterten sie die ehemalige Telefonzelle zur »StoryboXX«. Hörbert, die »StoryboXX« weiterlesen

Imaginäre Landschaften

Zwischen Kunst, Natur und Stadt

Was bedeutet »Imaginäre Landschaften«? Sind es reale oder symbolische Orte oder exis­tieren sie nur im Kopf und sind nicht auf Anhieb zu sehen? Welchen Stellenwert hat der Mensch, die Natur oder das Urbane darin? In der Ausstellung im Kunstverein Neukölln stellen sich Louis D’Arienzo, Paul Langmead, Deborah S. Phillips, Friederike Linssen, Akiko Wakayama und Wolfgang in der Wie­sche, jeder aus seiner individuellen Perspektive, diesen Fragen. Die Arbeiten reichen dabei von abstrakt bis real.

Imaginär.                                                                                                                                                                   Foto: mr

Friederike Linssens Arbeiten beispielsweise sind abstrakte Zeichen oder Zeichnungen von Elementen aus der Natur, die auf monochrome und einfache Formen reduziert werden. Sie gleichen Zellstrukturen. Imaginäre Landschaften weiterlesen

Battle um einen Flügel

Der schönste Krieg im »Froschkönig«

Der alte Flügel im »Froschkönig« war immer eine ohrliche Her­ausforderung. Statt 89 hatte er nur 88 Tasten, und die befanden sich in einem erbärmlichen Zustand. Der Klavierstimmer konnte das irgendwann nicht mehr ertragen und organisierte einen neuen Flügel. Der Pianisten Wohl ist jedoch des Froschkönigs Problem. Wie soll diese Ohrenweide bezahlt werden?

Aus Alt wurde Neu.                                                                                                                           Foto: Froschkönig

Da taten sich die Stammpianisten Jona­than Klein und Ole Boston, die seit vielen Jahren bereits die privaten Stummfilmkonzerte begleiten, zusammen und entwickelten Ideen.
Für nur 20 Euro wird der Name des edlen Spenders auf den Flügel eingraviert. Für 100 Euro gibt es die Erwähnung des Namens auf einer Taste. Nur einfach so, das war den Pianisten klar, erhielten sie keine Spenden.
Das war die Geburtsstunde des Pianobattle. Jeden dritten Donnerstag im Monat, das nächste Mal am 20. September, stellen sich drei Pianisten einem Wettstreit nach Regeln, die nicht unbedingt eingehalten werden müssen. Battle um einen Flügel weiterlesen

Die gefaltete Stadt

Ausstellung im Saalbau

Die moderne Stadt wächst – in die Höhe und in die Breite. Mit der sozialen Sprengkraft, aber auch den Absurditäten, die aus diesen Prozessen resultieren, setzt sich Claudia von Funcke mit ihrer Ausstellung »Die gefaltete Stadt« auseinander, die bis zum 7. Oktober in der Galerie im Saalbau zu sehen ist. Die Ausstellung ist eine von drei Ausstellungen, die über eine Jury an Neuköllner Künstler vergeben werden.

Claudia v. Funcke.                                                                                                                                                  Foto:mr

»Das Thema der Ausstellung ist hoch aktuell«, sagte Kulturstadträtin Karin Korte bei der Eröffnung am 10. August. Anhaltendes Bevölkerungswachstum, Wohnungsknappheit und Gentrifizierung seien Probleme, mit denen Berlin und Neukölln tagtäglich zu kämpfen hätten. Die Schere zwischen Arm und Reich werde dabei immer größer. Die gefaltete Stadt weiterlesen

Hinter der Oberfläche

Während das Gesprächs in einem Neuköllner Hinterhof steht Elke Graalfs immer wieder auf – mit dem Pinsel in der Hand steigt sie aufs Gerüst, um neue Farben und Striche zu setzen, der 7,5- Tonner soll bald auf die Reise gehen. Der schwarze LKW ist mittlerweile schon rundum mit Linien versehen, sie ist dabei, ihn mit Farben zu bestricken. Für Elke aber eher eine Landschaft, die sich in der Unendlichkeit der Bewegung später auflösen wird.

Wandcollage »wo wer nun«                                                                                                          Foto: Elke Graalfs

In ihrem Atelier stehen einige großformatige Leinwände mit eben diesem Strickmuster. Auf die Frage, weshalb Strickmuster, erzählt sie, dass ihre Professorin sie dazu bringen wollte, mehr Stofflichkeit zu gestalten, also malte sie einen Wollpullover, eher nur die Maschen und die Struktur – »Bild nr 1«. Schwarzer Hintergrund – der Schatten, grau in grau – die Materie, 120 mal 240 Zentimeter groß. Es folgen eine Vielzahl großformatiger Strickbilder, sie sind lebenspersönlich, es gibt immer eine Geschichte dahinter. Für Elke Graalfs umspielt die Oberfläche diese Geschichten, die Oberfläche zeigt das Dahinter. Hinter der Oberfläche weiterlesen

Fritz und Martin

Packen für den Schulanfang

Der Andrang nach Schulmaterial war am letzten Ferientag deutlich höher als im letzten Jahr. Es wurden 107 Schulpakete geschnürt.
Vor dem Nachbarschaftstreff und Mehrgenerationenhaus im Schillerkiez warteten Kinder und Eltern geduldig, bis sie aus den tollen Schulmaterialien das Benötigte und Gewünschte aussuchen konnten. Daniela Lungwitz-Mohamad und ihr Team von »Wunschbäumchen Berlin e.V.« hatte wieder ein Jahr lang alles zusammengetragen, was Kinderherzen begehren, diesmal unter dem Motto »Disney«.

Hikel und Felgentreu beim Schultüten füllen.                                                                                           Foto: bs

Damit die Wartezeit angenehm war, hatte das Team des Vereins »Familienherz der Betriebskrankenkasse Verkehrsbau Union« (BKK VBU Familienherz e.V.) einen Tisch mit Schmink­utensilien aufgebaut. Zwei kundige Künstler schufen erstaunliche Verschönerungen in allen Farben und Formen in die Gesichter der Kinder. Katzen, Schmetterlinge, Feen und Clowns bevölkerten von da an die Mahlower Straße. Fritz und Martin weiterlesen

Berliner Pokal: vier Mal Außenseiter

»SV Tasmania« startet mit einem schweren Auftaktprogramm

Spieler von Tasmania bejubeln das 3:0.                                                                              Foto:Hagen Nickelé

Zu Beginn ein Blick zurück: Die beiden Neuköllner Vertreter in der Berlin-Liga hatten sich gegen Ende der vergangenen Saison alles andere als mit Ruhm bekleckert. In den letzten neun Spielen brachten der »TSV Rudow« (drei Punkte) und der »SV Tasmania« (ein Punkt) nicht einen Sieg zustande. Zum Vergleich: Der dritte Verein aus dem Bezirk in der 6. Spielklasse, die »DJK Schwarz-Weiß«, holte im selben Zeitraum 15 Punkte – und musste am Ende trotzdem absteigen. Rudow und Tasmania hatten eben beizeiten genug Punkte eingefahren, um mit dem Abstieg nichts mehr zu tun zu bekommen.
Die Frage lautet nun also: Wirkt eine solche Negativserie bis in die neue Saison hinein? Berliner Pokal: vier Mal Außenseiter weiterlesen

Weiße Zaunwinde

Geheimnisse auf der Lessinghöhe

Sie rankt an vielen Ecken in der Lessinghöhe und anderswo. Sie wächst in ganz Europa, bis hinauf in den hohen Norden Norwegens.
2017 beobachtete ich, dass die Zaunwinde die Hamamelis in die Zange nahm und informierte das Amt. Noch am gleichen Nachmittag wurde die Zaunwinde beseitigt.

Der Wink mit dem Zaun.                                                                                                                    Foto: historisch

Sie kann sehr gefährlich sein für die Pflanze, die sie umrankt. Dieses Jahr lässt die Pflege in der Lessinghöhe sehr zu wünschen übrig, so dass damit zu rechnen ist, dass spätestens nächstes Jahr diverse Büsche »ihren Geist aufgegeben haben werden«.
Sowohl die Griechen als auch die Römer nutzten die Wurzel der weißen Zaunwinde. Es ist davon auszugehen, dass Hippokrates sie schon verwendete, und Dioskurides hat sie als Arznei­droge beschrieben, die bei Brandwunden helfen kann.
Im Mittelalter wurde mit ihr getrickst. Da die Alraune als die heilsamste Pflanze galt und sehr selten war, wurde Gutgläubigen die Wurzel der weißen Zaunrübe als Alraunenwurzel untergejubelt, mit fatalen Folgen, da sie komplett giftig ist.
Im Volksmund wird sie Gichtrübe, Faselrübe, Faulrübe, Heckenrübe, Hundsrübe, Sauwurzel, Tollrübe oderHundskürbiswurzel genannt.
Sie ist giftig und wirkt stark abführend. Manche rauchen Extrakte dar­aus in der Shisha-Pfeife.
Aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen ist vor Experimenten mit der Weißen Zaunrübe dringendst abzuraten.
Eva Willig

Basteln mit Rolf

Papierablagefächer

Noch kommt nicht nur mit der Post viel Papier ins Haus. Hilfreich sind da Ordnungs- und Ablageelemente. Um so etwas kostenfrei und dazu noch ökologisch selber zu machen, reicht eine nicht mehr benötig­te Broschüre, ein altes Buch oder ein Katalog. Und: Lust zum Pfriemeln.
Durch das Falten aller Seiten schwillt das Seitenvolumen an. Sind sie gebunden, fächern sich die Seiten auf. Dazwischen können dann Briefe, Notizzettel oder Visitenkarten übersichtlich und platzsparend gesteckt werden. Auf dem Bild sind alle Seiten einer Broschüre zu einem Dreieck gefaltet. Liegt die Bindung links, wird anschließend das erste Blatt so nach unten gefaltet, dass die Blatt­oberkante an der Bindung anliegt. Die Falz glattstreichen, dann die Unterkante an die Bindung legen: Ein Dreieck entsteht. Werden alle Seiten so gefaltet, entsteht ein Rhombus. Andere Faltungen sind natürlich auch möglich.

rr

Petras Tagebuch

Betrug

Ein Anruf in der Redaktion machte mich neugierig. Ein Dave hatte ein wichtiges Anliegen, wollte sich aber nicht dazu am Telefon äußern. Also verabredeten wir uns.
An einem sonnigen Tag saßen wir vor der Redaktion und tranken Kaffee. Eigentlich ein ganz sympathischer Mann. Ein wenig vom Leben gekennzeichnet, aber das bleibt nun nicht aus, wenn die 40 überschritten sind.
Seine Geschichte beschrieb ihn als einen Menschen, der berufsunfähig und seit einem schweren Unfall Arbeitsinvalide ist. Er versorgt jetzt seine kranke Frau. Trotz all dem Leid ist er sozial engagiert.
Er habe schon etlichen Flüchtlingen geholfen, im Land zu bleiben, und sei aktuell an einem Fall, der mir unter die Haut ging. Petras Tagebuch weiterlesen

Internationales Freestyle-Inline-Skating-Turnier

Elegant auf einem Bein.                                                                                                                                Foto: pschl

Junge Skater und Skaterinnen begeistern das Neuköllner Publikum

Bei brütender Hitze fand in der Halle des Werner- Seelenbinder-Stadions in der Neuköllner Oderstraße vom 27. bis zum 29. Juli das größte Free­style-Inline-Skating Event Deutschlands statt. Eingeladen dazu hatte das Berliner Team »Slalomplace«. Über 100 der weltbesten Freestyle-Skater, darunter Eu­ropa- und Weltmeister in verschiedenen Disziplinen, lieferten sich spannende Wettkämpfe.
Die jungen Skater und Skaterinnen aus zwölf europäischen Ländern und aus Taiwan traten in sechs Disziplinen gegeneinander an: Freestyle Classic, Pair, Slide, Free Jump, Speedslalom und Battle.
Die Faszination des Freestyle-Skating besteht darin, daß es Elemente aus Breakdance, Eiskunstlauf und Akrobatik miteinander verbindet. So verfolgte das Publikum staunend, mit welcher Rasanz und auch Eleganz sich die jungen Sportler auf ihren Skates bewegten.
Die Organisatoren hatten sich große Mühe gegeben, und das Turnier ging reibungslos vonstatten. Schade war nur, dass es nicht besser angekündigt war, sodass der Publikumszuspruch relativ gering ausfiel.

pschl

Neuköllner Präventionskette

Der Gesundheit unserer Kinder sollte von Anfang an unser besonderes Augenmerk gelten, am besten schon vor der Geburt. Kinder, die in den ersten Lebensjahren liebevolle Fürsorge, Zuwendung und Sicherheit erhalten, haben eine gute Grundlage für ihr ganzes Leben, sowohl für eine stabile Gesundheit als auch für gute soziale Beziehungen.
Frühe Hilfen und eine anschließende Präventionskette scheinen in Neukölln zu ersten bescheidenden Verbesserungen der Kindergesundheit zu führen. Logo- und ergotherapeutische Behandlungen sowie die Möglichkeit zur Masern-Grundimmunisierung werden etwas häufiger in Anspruch genommen als noch ein Jahr zuvor. Zusätzlich können alle jungen Familien den »Neuköllner Familiengutschein« kostenfrei in Anspruch nehmen, der unter anderem Erste-Hilfe-Kurse am Kind und das Erlernen von Babymassage beinhaltet.
Die besten Angebote nutzen allerdings wenig, wenn sie nicht angenommen werden.
Beate Storni

Stadtgrün hat Durst

Großoffensive gegen trockene Bäume

Nicht nur die Menschen leiden unter der Hitze, auch die Straßenbäume in Neukölln haben Durst. Ein ausgewachsener Laubbaum verdampft an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt damit seine Umgebung ab. Doch weil es seit Ostern kaum geregnet hat, haben es die Stadtbäume gerade sehr schwer, an ausreichend Wasser zu kommen. Sie stehen oft inmitten versiegelter Flächen, und nur direkt um den Stamm herum kann Wasser hinabfließen, das die Wurzeln erreicht. Zudem haben sie, anders als in der Natur, nur begrenzten Platz für ihre Wurzeln und trocknen dadurch schneller aus. Besonders die jungen Bäume, die noch keine tiefliegenden Wurzeln haben, leiden unter der anhaltenden Dürre.

PlataneN im Schillerkiez.                                                                                                                                    Foto: fh

Auch wenn die Grünflächenämter beim Gießen von Straßenbäumen und öffentlichen Grünanlagen von der Stadtreinigung und den Berliner Wasserbetrieben unterstützt werden – auch die Polizei ist bereits mit Wasserwerfern angerückt – geraten sie an ihre Grenzen.
Daher sei »jeder Eimer Wasser oder jede volle Gießkanne, die den Straßenbäumen zu gute kommt, eine gute Tat« sagt Bernd Kanert Stadtgrün hat Durst weiterlesen

Was lange währt wird auch noch was

Flüchtlingsunterkunft auf dem BEWAG Sportplatz ist fertig

Mehr als drei Jahre ist es her, als die ersten Planungen für eine Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen BEWAG Sportplatz der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Jetzt stehen hier 40 Container in Reih und Glied. Mitte August sollen die ersten Bewohner einziehen.
Vorher allerdings hatten die Nachbarn Gelegenheit, sich im Rahmen eines Tages der offenen Tür am 19. Juli ein Bild über die neue Gemeinschaftsunterkunft zu machen. Vertreter der »Tamaja Gemeinschaftsunterkünfte GmbH« als Betreiber der Unterkunft, des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) und des Bezirksamtes Neukölln waren ebenfalls vor Ort, um Fragen zu beantworten.

Container sind besser als nichts.                                                                                                                   Foto: mr

»Hier ist man schnell mittendrin«, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel in seinem Grußwort.
Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr biete die Möglichkeit, dass die Bewohner an der Normalität des Stadtlebens teilhaben, und Normalität sei das wichtigste für eine gelingende Integration.
Michael Elias, Geschäftsführer der »Tamaja« sagte, die Bewohner sollen an möglichst vielen Angeboten außerhalb der Unterkunft teilnehmen, damit sie schnellstmöglich einen eigenständigen Weg in ihrer neuen Heimat finden. Was lange währt wird auch noch was weiterlesen

Weniger Autos im Richardkiez

Bezirksamt stellt Konzept zur Verkehrsberuhigung vor

Der Böhmische Platz wird autofrei, die Braunschweiger Straße für Radfahrer attraktiv gemacht, und für den Karl-Marx-Platz gibt es eine Einfahrtsbeschränkung. Diese und viele andere kleine Einzelmaßnahmen sind geplant, um den Durchgangsverkehr im historischen Kern von Rixdorf am Richardplatz zu reduzieren.
In einer Beteiligungswerkstatt hatten im Februar 2018 die »Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG« sowie die »FGS Forschungs- und Planungsgruppe Stadt und Verkehr« die Anregungen und Wünsche aus der Bürgerschaft aufgenommen.

Verkehrshindernis erfüllt seinen Zweck.                                                                                                    Foto: mr

Das Ergebnis wurde bei der Veranstaltung mit dem Titel »Mehr Lebensqualität, weniger Verkehr in Rixdorf« am 2. Juli im Gemeinde­saal der evangelischen Brüdergemeine von Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Baustadtrat Jochen Biedermann und den zuständigen Fachplanern der Öffentlichkeit vorgestellt.
Es gehe darum, »den öffentlichen Raum für alle Verkehrsteilnehmer sicher zu machen, nicht nur für die wenigen, für die bisher immer geplant wurde«, fasste Martin Hikel das Konzept zusammen. Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung, die alle Verkehrsströme berücksichtige, sagte Jochen Biedermann. »Wenn man eine Straße schließt, werden andere stärker belastet. Das muss gut überlegt werden«. Weniger Autos im Richardkiez weiterlesen

Kinder werden gesünder

Präventionskette wirkt

Neuköllner Kinder zwischen fünf und sieben Jahren werden immer gesünder. Den anhaltenden Rückgang bei Sprachdefiziten, Problemen in der Feinmotorik oder mit schlechten Zähnen sowie Verbesserungen im Besuch von Kitas und Vorsorgeuntersuchungen belegt nun die aktuelle Auswertung der Einschulungsuntersuchungen. Neukölln ist der erste Bezirk, der diese Auswertung für das Jahr 2017 vorlegt.
Sogar gegen den Berliner Trend haben Neuköllner Kinder seit 2013 immer seltener Sprachprobleme (41,9%) oder Defizite in der Visuomotorik (23,2%) – das heißt, sie können besser mit einem Stift umgehen und somit leichter Schreiben lernen. Der Anteil von Kindern mit behandlungsbedürftigem Zahnstatus ist auf knapp 17 Prozent gesunken, und auch Übergewicht betrifft tendenziell immer weniger Kinder in Neukölln (14,1%). Kinder werden gesünder weiterlesen

Das kommt in die Tüte

Überraschungen für ABC-Schützen

Es ist wieder so weit! Unsere Erstklässler werden am 25. August in ihren Grundschulen mit kleinen Feiern und Begrüßungsreden willkommen geheißen.

DAniela füllt Schultüten.                                                                                                                                    Foto: bs

Ein aufregender Tag für die ABC-Schützen, der den meisten lange in Erinnerung bleiben wird. Damit es eine schöne Erinnerung wird, hat sich der Verein »Wunschbäumchen Berlin – Gemeinsam etwas bewegen e.V.« auf die Fahne geschrieben, für Kinder, deren Eltern finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, Schultüten und alles, was dort hineingehört, herbeizuschaffen. Dies geschieht durch Sach- und Geldspenden, unter anderem durch den Verein selbst, Privatpersonen, das Quartiersmanagement Schillerpromenade, die Wohnungsbaugesellschaft STADT und LAND und über die Internetplattform »betterplace.org«. Das kommt in die Tüte weiterlesen

Ihre Rechte als Mieter – Einfach erklärt von Kiez und Kneipe

Folge I: Wie man Zähne zeigt bei Mieterhöhungen und Modernisierungen

Die allermeisten Neuköllner sorgen sich, ihre Wohnung bald nicht mehr bezahlen zu können. Viele müssen exorbitante Mieterhöhungen schultern oder ganz wegziehen. Diese Entwicklung lässt sich nicht umkehren, aber immerhin haben Mieter Rechte, die so manche fiese Mieterhöhung abwenden können. »Kiez und Kneipe« hat über viele Schicksale durch Verdrängung berichtet und will nun konkrete Tipps geben. Dafür haben wir uns beim Berliner Mieterverein schlau gemacht.

Bei der »normalen« Mieterhöhung kommt ein Brief des Vermieters ins Haus, der eine höhere Miete verlangt. Die Begründung: Der Berliner Mietspiegel sei gestiegen und rechtfertige die Erhöhung. Doch häufig benennen die Vermieter einen Wert aus dem Mietspiegel, der für die Qualität der Wohnung zu hoch ist. Viele Wohnungen Neuköllns sind nämlich im Seitenflügel oder in einer »besonders lärmbelasteten Lage«, die man geltend machen kann.
So können Sie sich selbst wehren: Ihre Rechte als Mieter – Einfach erklärt von Kiez und Kneipe weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 180 – Freitag, 2. August 1918
Die bargeldlose Zahlung, eine Forderung der Stunde! Die Veredelung der Zahlungssitten steht an Bedeutung in nichts nach der Goldsammelbewegung oder der Kriegsanleihepropaganda; denn »der einzige Vorsprung, den England sich vor unserer Geldwirtschaft im Kriege bewahrt hat, liegt auf dem Gebiete des Umlaufs der papiernen Zahlungsmittel«. Diesen in München gesprochenen Worten ließ der Reichsbankpräsident unmittelbar darauf die Tat folgen; er rief am 2. Mai d.J. eine Organisation der Werbearbeit für den bargeldlosen Zahlungsverkehr über ganz Deutschland ins Leben, welche die Unterstützung sämtlicher Reichs und Staatsbehörden, sämtlicher Bundesregierungen und einer Reihe von maßgebenden Privatverbänden und Instituten gefunden hat. Die neue Organisation wendet sich jetzt an alle Kreise der Bevölkerung mit der Bitte, durch die Abkehr von veralteten Zahlungsgewohnheiten und den Uebergang zu edleren Zahlungssitten die Lücke schließen zu helfen, welche in der deutschen Rüstung noch klafft! Ein Plakat soll der Allgemeinheit das Wesen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs versinnbildlichen und jeden daran mahnen, sich ein Konto bei einem Geldinstitut oder dem Postscheckamt errichten zu lassen und dort alles nicht benötigte Bargeld einzuzahlen; er schafft sich dadurch selbst den größten Vorteil und stärkt obendrein die deutsche Geldwirtschaft. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Jungfernmühlenplatz wird reanimiert

Initiative beendet Dornröschenschlaf

Die Gropiusstadt in Neukölln mit ihren 18.500 Wohneinheiten entstand von 1962 bis 1975. Als eigenen Ortsteil gibt es diese Trabantenstadt dagegen erst seit 2002, dem 40. Jahrestag der Grundsteinlegung. Auf ihrem Gebiet steht Ecke Baumläuferweg und Goldammerstraße die Jungfernmühle, die älteste der noch erhaltenen Mühlen Berlins. Damals versuchten die Stadtplaner, dieser alten Holländer-Korn-Mühle auch baulich etwas gerecht zu werden, indem sie die Neubauten am sie umgebenden Platz als holländische Giebelhäuser, mit roten Backsteinen verklinkert, gestalteten.

Wann kommen die Bienen?                                                                                                                                Foto: rr

Nur, der damals schon attraktiv geschaffene Mühlenplatz befand sich seit längerem in tiefem Dornröschenschlaf. Die riesige Steinkugel des zentralen Brunnens hatte sich ebenfalls schon lange nicht mehr gedreht. Das missfiel nicht nur Mathias, dem Inhaber von »Computer im Griff« und lange ansässig am Mühlenplatz. Nach dem Motto: »Wenn’s keiner macht, mach’s selbst« etablierte er 2017 mit ein paar Mitstreitern die »Initiative Jungfernmühle«. Ihr vorrangiges Ziel: Diesen Platz zu einer nicht nur von den Anwohnern des Viertels gern genutzten Begegnungsstätte wieder aufleben zu lassen. Jungfernmühlenplatz wird reanimiert weiterlesen

Türkisch für Fortgeschrittene

Kreative Meze und Wacholderschnaps in der Restaurantbar »No Bananas«

Mittelmeer, die Ägäis. Urlaubs- und Genusssehnsüchte kommen auf. Wein, Bier, Hochgeistiges und schmackhafte Häppchen in der lauen Abendluft bei unnerviger Musik. Alles easy, »no bananas«. Ohne Machoanmachen. Aufmerksam entspannt.

TÖFTE ohne Köfte.                                                                                                                                              Foto: hlb

So dachte es sich der jahrzehntelang in Istanbul aktive Szenegastronom Nevzat bei der Namensfindung seines neuen Lokals. Vor 15 Monaten kam er nach Berlin, nicht zuletzt bedingt durch unschöne Beispiele der Willkür und Rückwärtsgewandtheit des aktuellen Regimes seiner Heimat, um hier sein Können, seine Kneipenideen und Rezepte freier umzusetzen. Seit drei Monaten gibt es das »No Bananas« nun als Nachfolger des italienischen »Gaia« in der oberen Pannierstraße nah des Landwehrkanals. Türkisch für Fortgeschrittene weiterlesen

Es nadelt auf dem Boulevard Hermannstraße

Belgische Biere und Elektrosounds im »O Tannenbaum«

Schon in den Nullerjahren fanden ausländische Kreative, die ein Nest für ihre Kunst-, Musik-, Mode- und Gastroambitionen suchten, in Nordneukölln ein gutes Pflaster. Wie der Niederländer Pieter Kock, der mit seinem »O Tannenbaum« – mit Pausen – schon über zehn Jahre als Kneipe und Projekt­raum für (vorwiegend elektronische) Musik und Kunst, originelle experimentelle Klang- und Videoprojekte und nicht zuletzt Biergenuss à la Benelux reüssiert.

BEATS und Biere.                                                                                                                                                 Foto: hlb

Von 2010 bis 2015 stand der Tannenbaum in der Sonnenallee, bis der übliche Nachbarschaftskrach um den Krach ihm den Garaus machte. DJ-Partys und ganze -Feste an Gastorten folgten, bis letztes Jahr in der nördlichen Hermannstraße eine nahe und adäquate Nische gefunden war, um den unbekümmert unordentlichen shabby Chic eines Studentenwohnzimmers und seiner Partymöglichkeiten wieder aufleben zu lassen. Es nadelt auf dem Boulevard Hermannstraße weiterlesen

Maultaschen unter Flügeln

Schwäbische Küche in der Jungfernmühle

Es ist kaum zu glauben: Zwischen den Hauptverkehrsadern Neuköllner Straße und Fritz-Erler-Allee tut sich ein etwas schräges Ensemble auf. In der Goldammerstraße, die gefühlt zu einer ruhigen Wohngegend aus den 70er Jahren gehört, aber zwischen zwei stark befahrenen Straßen liegt, genau dort steht trotzig die älteste Mühle Neuköllns, die Jungfernmühle.

Perle mit Restaurant.                                                                                                                                            Foto: fh

Seit März ist dort ein Restaurant, das sich liebevoll Speisenmeisterei nennt, von der Wiesenstein-Gruppe eingerichtet worden. Geschmackvoll eingerichtet, mit hellen Möbeln, hübschen grünen Servietten, und doch wurde der Charakter der alten Mühle erhalten. Auf zwei Ebenen kann gespeist werden. Geplant ist noch der Ausbau der dritten Ebene, die dann womöglich Zigarren rauchenden Herrenclubs vorbehalten ist. Maultaschen unter Flügeln weiterlesen

Italienische Cucina trifft Wildkräuter

Genuss und Nachhaltigkeit im »Café Botanico«

Martin Höfft hält nicht viel von hippen Begriffen wie »Fusion Kitchen«. Italienisch-Berlinisch [sic!] nennt der Diplom-Geograf die Küche seines Restaurants in Alt-Rixdorf. Die Speisekarte richtet sich danach, was der zum Betrieb gehörige Stadtgarten gerade hergibt, und das ist Einiges.

Auf die Zutaten kommt es an.                                                                                                                        Foto: me

Auf 1.000 Quadratmetern baut Höfft mit seinem Team diverse Gemüsesorten, Kräuter, Obst und Wildpflanzen an und setzt dabei auf Nachhaltigkeit. Permakultur heißt die Anbauweise, bei der Mischkulturen für ein naturnahes Gleichgewicht sorgen und gesundes Wachstum der Pflanzen begünstigen. Der Garten ist der einzige seiner Größe in der Berliner Innenstadt und hat seit 2012 ein Bio-Zertifikat des »Verbunds Ökohöfe Nordost«. Die frischen Kräuter, gepaart mit einem rustikalen Gastbereich im Innenhof, sorgen für Entschleunigung, und das Zwitschern der Vögel verleiht der Atmosphäre einen Hauch von kleinstädtischer Gemütlichkeit. Italienische Cucina trifft Wildkräuter weiterlesen

von Neuköllnern für Neuköllner