Lokal handeln für den globalen Klimaschutz

Fahrradfahren und Fahrradwege – wichtige Bestandteile des lokalen Klimaschutzes.                                                                                                                                                                               Foto: Andrew Gook

Berliner Klimatage in Neukölln

Am 22. April fanden auf dem Gelände der alten »Kindl-Brauerei« in Berlin-Neukölln im CRCLR-Haus die Berliner Klimatage statt. Organisiert wurden diese von der Naturschutzorganisation BUND. Teil der Klima­tage waren verschiedene Vorträge aus Politik und Wissenschaft, kulturelle Beiträge und eine Art Mini-Messe, auf der über 40 Aussteller – Start-ups, Nicht-Regierungs-Organisationen, nachhaltige Unternehmen und Kiez-Initiativen – ihr Engagement für praxisnahen und lokalen Klimaschutz vorstellten.
Die Schirmherrschaft für die Klimatage hat der neue Bezirksbürgermeister Martin Hikel übernommen. In seiner Begrüßungsrede bedankte er sich beim BUND dafür, das wichtige Thema Klimaschutz zu thematisieren und den Klimatag nach Neukölln geholt zu haben. Das CRCLR- Haus sei als Veranstaltungsort besonders geeignet, da dort auch zum Thema nachhaltiger Ressourcennutzung gearbeitet werde. In diesem Zusammenhang erwähnte Hikel auch die Initiative »Schön wie wir«, die sich für ein sauberes Neukölln einsetzt – schließlich sei Müllvermeidung und ordentliche Entsorgung auch Ressourcen- und Umweltschutz. Lokal handeln für den globalen Klimaschutz weiterlesen

Bänke weg – Park zu!

Hier stand einmal eine Bank.                                                                                                                           Foto:mr

Vor 100 Jahren waren fehlende Sitzbänke und mangelndes Personal Grund genug, den Körnerpark geschlossen zu halten.
Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, da die Neuköllner es sich mit Decken und Klappstühlen in selbigem Park gemütlich machen und die Wiesen belagern.
Leider kann der barocke, hintere Teil des Parks, der besonders zum beschaulichen Verweilen einlädt, in Ermangelung von Sitzgelegenheiten nicht genossen werden. Im vorderen Teil entlang der Schierker Straße scheinen auch die Hälfte der Bänke auf sonderbare Weise abhanden gekommen zu sein. Lediglich um das Wasserbecken herum stehen einige Bänke, die zu fast jeder Tageszeit besetzt sind. Für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, bietet der Körnerpark somit kaum einen Anreiz, diesen wertvollen Ort zum Ausruhen und Genießen zu besuchen. Im Zeitalter der gewollten Inklusion wirklich schade, oder?

Beate Storni

Skulptur erinnert an einen unaufgeklärten Mord

Gedenkort für Burak Bektaş wurde eröffnet

Eine Gruppe Jugendlicher steht plaudernd an der Straße. Ein Mann geht wortlos auf sie zu, feuert mehrere Schüsse ab und verschwindet unerkannt. Der damals 22-jährige Burak Bektaş stirbt an diesem Abend, zwei Freunde werden schwer verletzt, können aber gerettet werden. Sechs Jahre ist diese Tat her, aufgeklärt wurde sie bis heute nicht. Doch die Tat ist unvergessen.

Mahnmal für Bektaş.                                                                                                                                          Foto: mr

Am 8. April wurde in Anwesenheit von mehreren Hundert Personen in der Nähe des Tatorts auf einer kleinen Grünfläche eine fast zwei Meter hohe Bronze­skulptur enthüllt, die die Erinnerung an das Verbrechen wachhalten soll. Die im Dezember 2017 verstorbene Künstlerin Zeynep Delibalta, die die Skulptur entworfen hat, gab ihr den Namen »Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle« – Hinweis und Mahnung an die Ermittlungsbehörden, den Täter ausfindig zu machen und dabei neue Algorithmen, neue Lösungswege für den Fall zu finden. Skulptur erinnert an einen unaufgeklärten Mord weiterlesen

Wieder mal Durcheinander in der BVV

Einig gegen Antisemitismus, Lob für Ordnungsamtsmitarbeiter

Die antisemitischen Vorfälle der letzten Wochen lassen auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) nicht unberührt. Zur BVV am 25. April waren viele Vertreter der SPD, der Grünen und der Linken mit Kippa erschienen, um ihre Solidarität mit den Berliner Juden zu bekunden.

Solidarische Kopfbedeckung.                                                                                               Foto: Grüne Neukölln

Am Beginn der Sitzung stand die Entschließung zur Verurteilung von Antisemitismus und Homosexuellenfeindlichkeit, die die CDU eingebracht hatte, bei der sich die Linke am Begriff des »islambasierten Antisemitismus« stieß. Antisemitismus komme ausschließlich von Rechts, behauptete Thomas Licher, Fraktionsvorsitzender der Linken. Die Behauptung eines islamischen Antisemitismus sei antiislamische Hetze. AfD-Mann Andreas Lüdecke wies darauf hin, dass Antisemitismus inzwischen wieder in allen Gesellschaftsschichten virulent sei. Die Schlussversion, in der es »politischer und religiöser Antisemitismus» hieß, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Die Linke, die neue AfD, die FDP und die Fraktionslose enthielten sich. Wieder mal Durcheinander in der BVV weiterlesen

»Wir sind stärker, wir sind mehr.«

Keine Einschüchterung durch rechten Terror

Im Süden Neuköllns wurden in den letzten zwei Jahren immer wieder Taten verübt, die Rechtsextremen zugerechnet werden. Es gab Brandanschläge auf Autos von Politikern und Antifaschisten, die Schaufenster der Buchhandlung Leporello wurden eingeworfen, Stolpersteine wurden ausgegraben. Dazu kommen Farbbeutel- und Steinwürfe gegen Privatwohnungen und Graffiti-Schmierereien mit persönlichen Bedrohungen. Und keine zwei Wochen nach Fertigstellung wurde der neue Gedenkort für den in Neukölln erschossenen Burak Bektaş beschädigt. Das Denkmal wurde mit Chemikalien übergossen. In allen Fällen wurden die Täter bisher nicht ermittelt.

BürgermeisTer und Ministerin zeigen Flagge.                                                                                          Foto: mr

Unter dem Motto »Gemeinsam gegen rechten Terror« sind am 21. April rund 1.000 Bürger auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Hetze zu demonstrieren und um zu zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Anwohnerinitiativen. Der Protestzug führte vom Bat-Yam-Platz zum Erinnerungsort für Burak Bektaş an der Ecke Rudower Straße/Möwenweg. Mit dabei Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. »Als ich erfahren habe, dass das Denkmal beschädigt wurde, war es mir ein großes Anliegen, dabei zu sein«, sagte Giffey bei der Abschlusskundgebung. »Wir sind stärker, wir sind mehr.« weiterlesen

Teurer Schachzug

Wundersame Fraktionsvermehrung der AfD

In Neukölln gibt es die AfD jetzt gleich doppelt, jedenfalls als Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Am 16. April gründeten drei der sieben Bezirksverordneten ihre eigene Fraktion. Anne Zielisch war bereits kurz nach der Wahl aus der Fraktion ausgetreten und sitzt als fraktionslose Parlamentarierin in der BVV.
Grund für die Spaltung seien politische und persönliche Gegensätze zwischen den beiden Gruppen gewesen, heißt es aus Kreisen der AfD. Teurer Schachzug weiterlesen

Bekenntnisfreie Schule

Podiumsveranstaltung pro Berliner Neutralitätsgesetz

Kein Kreuz, kein Kopftuch, auch kein »Gottlos glücklich«-Button – an Berliner allgemeinbildenden Schulen, im Gerichtssaal oder bei der Polizei herrscht das Neutralitätsgesetz. Das untersagt Staatsbediensteten, im Dienst Schmuck oder Kleidung zu tragen, durch die sie sich zu einer bestimmten Religion oder Weltanschauung bekennen. Darüber gibt es immer wieder Streit, der ideologische Riss geht quer durch die Parteien.

Auch Nonnen sind vom Neutralitätsgesetz betroffen.                                                                Foto: Münch

Die Gegner des »Berliner Neutralitätsgesetzes« sagen, es verletze die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit, weil es für Musliminnen, die ihr Kopftuch auch in der Schule nicht ablegen wollen, einem Berufsverbot gleich käme.»Gerade in Zeiten von Radikalisierung muss es einen Fels in der Brandung geben – den öffentlichen Dienst«, sagt dagegen Michael Grunst, Bezirksbürgermeister von Lichtenberg und Politiker der Linken. Dieser müsse unbedingt religiös neutral auftreten. Da das Gesetz alle Religionen und Weltanschauungen gleich behandle, sei es weder diskriminierend noch rassistisch. In diese Kerbe schlägt auch der Neuköllner SPD-Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu. Er ist überzeugt, »eine multiethnische und multireligiöse Gesellschaft braucht einen neutralen Staat.« Bekenntnisfreie Schule weiterlesen

Demokrat ist, wer andere Meinungen erträgt

Dialogforum sucht Wege zu Stärkung der Demokratie

Erfolgreiche Neuköllner Initiativen sind das Vorbild für die neue, deutschlandweite Aktion »Dialog – Aufbruch aus Neukölln«, die Kazim Erdogan vom Verein »Aufbruch Neukölln e.V.« ins Leben gerufen hat. Dazu gehören eine »Woche der Sprache und des Lesens«, die vom 18. bis 26. Mai 2019 stattfinden soll, die Etablierung weiterer Väter- und Männergruppen, Dialogforen in Schulen, sowie interreligiöse und interkulturelle Dialogveranstaltungen.

Miteinander reden statt übereinander.                                                                                                      Foto: mr

Das Projekt, das er am 16. April in der Genezarethkirche vorstellte, ist Teil des Programms »Demokratie leben!« des Bundesfamilienministeriums, mit dem der Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen in Deutschland gefördert werden soll. Erdogans Anliegen ist es, dass Menschen miteinander statt übereinander reden. Dazu gab es dann auch gleich Gelegenheit bei der folgenden Dia­logveranstaltung mit dem Thema: »Demokratie stärken! Was kann ICH dafür tun?« Demokrat ist, wer andere Meinungen erträgt weiterlesen

Sportclub zur Lebenshilfe

Besuch aus Rumänien und Italien im Rathaus

Bürgermeister kann auch gut Englisch.                                 Foto: scl

Im Rahmen des »Speech-Projekts« der EU empfing der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel Ende April eine Gruppe vom »SCL Sportclub Lebenshilfe Berlin« im Rathaus Neukölln.
Sportler aus Italien und Rumänien waren zu einem Fussballturnier zu Gast. In fließendem Englisch würdigte Hikel das Engagement des SCL um Integration mit Hilfe des Sports, wodurch Menschen mit geistiger Behinderung in der Gesellschaft zu Anerkennung und Akzeptanz gelangen sollten. Zum feierlichen Abschluss konnten die Sportler einen Gruß, Wunsch oder Kritik im Neuköllner Gästebuch hinterlassen.
Im Anschluss gab es bei strahlendem Wetter eine Führung auf den Rathaus­turm mit unglaublichem Weitblick.

bs
https://scl.berlin/startseite.html

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr 104 – Donnerstag, 2. Mai 1918
Oeffnung des Körnerparks. Um den Bürgern unserer Stadt Gelegenheit zu geben, den Körnerpark zu besichtigen, wird derselbe am Sonntag, den 5. und 12. Mai nachmittags von 4 – 6 Uhr, ausnahmsweise geöffnet gehalten werden. Eine weitere Freigabe wird voraussichtlich vorläufig nicht erfolgen können, da es nicht möglich war, die für den Park notwendigen Bänke zu beschaffen, es auch an Personal zur Beaufsichtigung mangelt. Der Magistrat läßt aber dringend darum bitten, darauf zu achten, daß Beschädigungen jeder Art vermieden werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Aus für Tabakladen in der Jonasstraße

Schwedische »Akelius GmbH« saniert und vertreibt

Eigentlich wollte die Tabakladenbetreiberin Sylvia Voppmann Ende dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Der Laden war kein gewöhnlicher Zeitungs- und Tabakladen. Er war ein sozialer Treffpunkt.

Ende eines sozialen Treffpunkts.Foto: mr

Die alten Herrschaften aus der Nachbarschaft tranken hier ihren Kaffee, lasen ihre Zeitungen und redeten mit- und übereinander. Die Schulkinder konnten die Süßigkeiten einzeln kaufen, und ein Tütensüppchen stand für sie immer bereit. Wenn es Zeugnisse gab, zitterte Voppmann mit und hatte tröstende wie anerkennende Worte für die Knirpse.
Als eine Nachbarin sich nicht mehr selbst versorgen konnte, kochte sie für sie. Und da sie nur große Mengen kochen konnte, richtete sie einen Mittagstisch ein, der von den Bewohnern der Jonasstraße dankbar angenommen wurde. Aus für Tabakladen in der Jonasstraße weiterlesen

Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn

Aktionstage und Demo für eine gerechte Stadt geben Grund zur Hoffnung

Wer in den letzten Wochen mit offenen Augen (und festem Schuhwerk) durch Neukölln gegangen ist, konnte sie nicht übersehen: Plakate mit Aufschriften wie »93 Prozent verstehen Wohnen als Menschenrecht« oder »74 Prozent befürchten, durch eine Mieterhöhung ihre Wohnung zu verlieren«.Damit verbunden war ein Aufruf zur Demonstration »Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn«, die am 14. April stattfand.

Bunt, fantasievoll, bissig und provokant.                    Foto: Monika v. Wegerer / Umbruch Bildarchiv

Hinter dem Aufruf steht ein breites außerparlamentarisches Bündnis aus rund 250 Gruppen, von Mieter– und Nachbarschaftsinitiativen, Kulturgruppen, Hausprojekten, Sozialen Einrichtungen, Mietervereinen, Sozialverbänden, Gewerkschaften bis hin zu Kirchen. Sie fordern eine Neuausrichtung der Wohnungs- und Mietenpolitik und ein Ende der Verdrängung als Geschäftsmodell der Immobilienwirtschaft. Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn weiterlesen

Erst Hikel, dann Spargel

Immer was los bei der »Dicken Linda«

Es ist Frühling, und die »Dicke Linda« ist in bester Stimmung. Dieser Markt hat sich seit seiner Gründung mehr und mehr zu einem Treffpunkt zum Verweilen und miteinander Reden entwickelt.
Am 12. Mai um 13 Uhr wird der neue Bezirksbürgermeister Martin Hikel die Besucher begrüßen. Eine gute Gelegenheit für die Kunden, sich zu informieren.
Am darauffolgenden Sonnabend, dem 19. Mai, haben sich einige Händler zusammengeschlossen und bieten an einer langen Tafel Spargel, Schnitzel, Wein und Bier an.

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Traditionsreicher Trödel-Kiez mit Herz

Unterwegs in der Flughafenstraße

Wer ein bisschen Zeit mitbringt und eine stilechte Retro-Lampe, günstige Küchenstühle oder erstklassige gebrauchte Hifi-Boxen sucht, dem sei ein Besuch in der Flughafenstraße ans Herz gelegt. Zwischen Neukölln-Arkaden und der Hermannstraße lässt sich so manches Schmuckstück entdecken, ausgiebiges Fachsimpeln inklusive.

Jörg Flachmann und sein Sohn reparieren HiFi-Geräte und bieten leckeren Kaffee.             Foto: sh

Als erste Station bietet sich »Firma Hesse – Wohnungsauflösungen« an der Ecke Reuterstraße an. Schon seit 30 Jahren gibt es diesen klassischen und beliebten Trödelladen im Kiez. Hier findet man günstige und rustikale Möbel. Es herrscht ein mitunter gewöhnungsbedürftig direkter, jedoch herzlicher Umgangston. Für die vielen jungen Kunden aus Spanien gäbe es ein freundliches »¡Hola!«. Danach gehe es mit Händen und Füßen weiter, berichten die langjährigen Mitarbeiter. Traditionsreicher Trödel-Kiez mit Herz weiterlesen

Black Beauty trifft Wildschwein

Biergartenoase und Kochlust im »Butter & Bacon«

Eine Kuhtränke, alte Milchkannen, Weidenkörbe, ein Zaun aus Obstbaumstützen, urige Holzbauten und Bierbänke, umrankt von hohen Büschen und Hopfenstauden – inmitten des Sonnenalleegebrauses und S-Bahngesauses ist in den letzten Monaten eine fast ländliche Miniidylle entstanden, in der sich gemütlich treffen, trinken und vorzüglich essen lässt.

ZU mieten und besetzen.                                                                                                                                    Foto: pr

Betritt der Gast das direkt am S-Bahneingang Neukölln gelegene, latteneingezäunte Areal, begrüßt ihn der gut gelaunte Alan, hier Koch und »Mädchen für alles«, hinter einem modern breiten Imbisstresen. Viele handgeschriebene Tafeln machen schnell deutlich, dass es hier mehr als gewöhnliches Fast Food gibt. Black Beauty trifft Wildschwein weiterlesen

Am Ende einer langen Reise

Gegenwind, Sprühregen und löchrige Klamotten

Der schwierigste Teil auf dem Weg von Berlin nach Melbourne mit dem Fahrrad ist das Out­back. Nicht nur, weil das Zentrum Australiens weitgehend menschenleer und äußerst trocken ist, sondern weil dort giftige Schlangen wohnen und weil Sonne und Hitze gnadenlos sind. Das größte Problem ist der Wind, der im Herbst von Süd nach Nord weht und naive Radfahrer wie mich, die hier normalen Gegenwind erwartet haben, komplett fertig macht.

Die Weiten des Outbacks.                                                                                                                        Foto: Moritz

Wie ein überdimensionales Stück Brandenburg, in dem es nie regnet, Kängurus herumspringen und mittelmäßiges Essen astronomisch teuer ist, erstreckt sich das Outback über 3000 Kilometer von Darwin im Norden bis Port Augusta im Süden. Und um alles noch anstrengender zu machen, gibt es eine besonders lästige Sorte Fliegen, deren Lebens­inhalt darin besteht, in Augen, Nase und Mund hinein zu krabbeln. Am Ende einer langen Reise weiterlesen

Kunstgenuss mit Fotoerlaubnis

Interaktive Ausstellung im Schloss Britz

Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. In der neuen Ausstellung »#pARTicipate – Mach Dich zum Kunstwerk« im Schloss Britz kann lustvoll mit Kunst experimentiert werden.

Hoch das Bein!                                                                                                                                                       Foto: mr

Weltberühmte Gemälde, angefangen bei Sandro Botticellis »Geburt der Venus« über Edgar Degas` »Tänzerinnen an der Stange« bis zu »Pulp Fiction« von Banksy, einem Streetart-Künstler, sind im Schloss Britz in dieser ungewöhnlichen Gemäldegalerie versammelt. Sie wurden so reproduziert, dass die Besucher sich in die Bilder hineinstellen können und – als Foto – Teil eines neuen Kunstwerkes werden. Das darf dann selbstverständlich auf Twitter und Instagramm veröffentlicht werden. Eine Kiste mit Requisiten hilft dabei, sich noch besser in Szene zu setzen. Kunstgenuss mit Fotoerlaubnis weiterlesen

Dürfen statt Müssen

Gesamtkunstwerk »Valentin Stüberl« wird zehn

Als Peter Großhauser das heutige »Valentin Stüberl« 2008 anmietete, war es einfach nur hässlich. »Was man hässlich machen kann, war dort drin« erzählt er. Der Künstler und Innenarchitekt warf die Hässlichkeit raus und stellte einfach Bierbänke rein. Auf Bierbänken muss man zusammenrutschen, zwischen den Leuten entsteht etwas, sie lernen sich kennen.

Kultur ist von Anfang an Muss.                                                                                                                        Foto: pr

Vom ersten Tag an gab es im »Hinterstüberl« Konzerte und Ausstellungen. »LaBrassBanda« spielten eines ihrer ersten Konzerte hier, Quentin Tarantino feierte hier schon Silvester. Dürfen statt Müssen weiterlesen

Entwurzelung im Körnerpark

Was Menschen und Bäume verbindet

Im letzten Sommer stürzte bei einem Sturm der alte Ahorn vor der Galerie im Körnerpark um. Er wurde entwurzelt. So heißt auch die Ausstellung des Künstlers Thomas Kilppers in der Galerie, deren Teil der Baum nun geworden ist und die ihm für kurze Zeit ein neues Zuhause bietet.

Wächst mit Geschichten.                                                                                                                                  Foto: mr

Die einzelnen Stücke des riesigen Stammes ziehen sich quer durch die Galerie, am Kopf­ende wächst wie eine Krone eine Skulptur aus Holz.
In der Ausstellung geht es um Menschen, die wie dieser Baum entwurzelt wurden, die ihre Heimat und ihr soziales Umfeld verloren haben und die sich auf die Suche nach einem Ort machen, an dem sie sich neu verwurzeln können. Wird ihnen in den Ankunftsorten geholfen, oder wird ihnen Hass und Ablehnung entgegengebracht? Entwurzelung im Körnerpark weiterlesen

Huhn zum Rum

Chansons und Skulpturen im »Landsmann«

Der »Landsmann« am Herrfurthplatz ist nicht nur ein ausgesprochen gut sortiertes Wein- und Spirituosenfachgeschäft, auch kulturell gibt es hier immer wieder Highlights.
Am 14. April gab es eine Veranstaltung mit Milistu, die Gäste blieben bis in die Morgenstunden.

Milistu.                                                                                                                                                                         Bild: pr

Kein Wunder, Milistu verzaubert mit ihren französischen Chansons. Sie berühren jeden Einzelnen, machen nachdenklich, bauen auf und versöhnen die Zuhörer mit dem Leben.
Die Künstlerin widmet sich nicht nur der Musik, an diesem Abend stellte sie ihre neuesten Skulpturen vor.
Entstanden sind sie in einem ehemaligen Schlachthaus im Nordhessischen. Als Milistu die Räumlichkeit übernahm, hing noch der Blutgeruch in der Luft. Gerätschaften lagen herum und inspirierten die Künstlerin, ein Huhn wieder zum Leben zu erwecken. Sie bediente sich dabei einer seltenen und aufwändigen Technik. Ton wird mit Cellulose ummantelt. Die Oberfläche besteht aus Ölfarbe und Schellack, was der Skulptur Glanz verleiht.
Das Thema, dem sie sich in ihren Arbeiten widmet, ist die Zahl vier. Dem Betrachter muss dazu nichts gesagt werden, er wird es erkennen. Das nächste Mal beim Kauf einer guten Flasche Wein oder dem köstlichen Rum im »Landsmann« lohnt es sich, einen Blick auf die kleine Austellung im hinteren Raum zu werfen.

ro

Axolotl und Marmelade

Natur aktiv erleben in der Britzer Gartenarbeitsschule

Etwas versteckt in einem Park liegt die »August- Heyn-Gartenarbeitsschule« (Fritz-Reuter-Allee 121). Sie trägt den Namen des Sozialdemokraten und Reformpädagogen, der während der Weimarer Republik solche Einrichtungen initiierte und ab 1924 auch mit organisierte. Neukölln besaß damals sieben solcher Gärten, nun ist ein einziger verblieben. Die Ziele damals wie heute: Kindern Wissen über die Natur, gesunde Ernährung, Obst- und Gemüseanbau zu vermitteln und nebenbei auch Bewegung an der frischen Luft zu ermöglichen.

Artenreiche Schule.                                                                                                                                                Foto: rr

Auf 3,3 Hektar des zum ehemaligen Ritterguts Britz gehörenden Areals wachsen artenreich Blumen, Sträucher und Bäume, es ist Raum für Boden- und Wassertiere, für Schafe, Kaninchen und Vögel und inzwischen auch wieder für Füchse. Die modern und gut ausgestatteten Räumlichkeiten erlauben ein praxisorientiertes Lehren und Lernen, und nebenbei kann hier alles noch selbst erlebt und so besser verstanden werden. Inzwischen können Freiwillige ein ökologisches Jahr absolvieren. Axolotl und Marmelade weiterlesen

Hilfe in schwierigen Lagen

Seniorenberatung für ein selbstbestimmtes Leben

Rosa Ortwin weiß nicht mehr so recht, wie sie alles bewältigen soll. Sie wohnt im dritten Stock, hat Probleme, die Treppen zu steigen, die Einkaufstüten sind auch immer schwerer zu tragen, und Geld vom Amt will sie schon gar nicht. Inzwischen verlässt sie kaum noch das Haus. Als die Nachbarn das bemerken, vermitteln sie den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen der Seniorenberatung Neukölln.

Hier finden Senioren Hilfe.                                                                                                                                  Foto:pr

Die Seniorenberatung ist seit über zehn Jahren im Auftrag des Bezirksamtes Neukölln für Menschen ab 60 Jahre zuständig. Das Projekt arbeitet unter der Trägerschaft des Humanistischen Verbandes »KdöR«. Die Sozialarbeiterinnen Frau Gascho, Frau Langbein und Frau McKenzie kümmern sich um Senior_innen in schwierigen Lebenslagen. Sie sind Ansprechpartnerinnen für alle Fragen rund ums Alter und zu sozialrechtlichen Themen, wie beispielsweise Grundsicherung im Alter, Wohngeld oder Hilfe zur Pflege. Hilfe in schwierigen Lagen weiterlesen

Hirtentäschel

Kraut mit vielen Namen

Ich kannte es schon als Kind, denn es stand überall herum und war für uns Kinder über den Sommer Nussersatz. In der Volksheilkunde wird es seit dem 15. Jahrhundert beschrieben.

                                                                                                                                              Foto: historische Zeichnung

Spannend fand ich, wie es zu seinem Namen kam: Die Samenkammer sieht offenbar so aus wie früher die Beutel der Hirten. Seine volkstümlichen Namen machen Spaß: Beutelschneiderkraut, Bettseicherle, Magerblümchen, Soldatenkraut, Beutelschnötterkraut, Blutwurz, Blutkraut, Burenschinken, Crispel (mittelhochdeutsch)oder Dachsenkraut. In Norddeutschland gibt es auf plattdeutsch folgenden Spruch zum Kraut: »Halt nicht ängstlich zu die Tasche, was nützt Dir Geld, wenn Du zu Asche.« Hirtentäschel weiterlesen

Zwei gegen die Ziellosigkeit

Nur noch Schwarz-Weiß hat ein echtes Anliegen: den Klassenerhalt

In Berlins höchster Spielklasse sind immerhin noch sechs Runden zu absolvieren, für den »SV Tasmania« und den »TSV Rudow« ist die Saison dennoch schon gelaufen. Jenseits von Gut und Böse liegen die Bezirksrivalen in der Tabelle. Obwohl die aktuellen Platzierungen den im Sommer 2017 vorgegebenen Saisonzielen entsprechen, droht die Spielzeit beider Vereine mit einem negativen Beigeschmack zu enden.

Dumm gelaufen: Trotz starken Spiels verlor Tasmania (in Blau) das Topspiel bei Blau-Weiß 90 unglücklich.Foto: Hagen Nickelé

Die Tasmanen etwa lieferten zwar dem Über-Team der Berlin-Liga, »Blau-Weiß 90«, Anfang April auf dessen Platz ein großartiges Spiel und unterlagen äußerst unglücklich erst in der Nachspielzeit. Gegen das abgeschlagene Schlusslicht »1. FC Schöneberg« hatte man sich zuvor aber trotz 75 Minuten Überzahl schwer getan – und gegen einen weiteren Abstiegskandidaten verlor man zuhause am Ende sogar trotz eines Spielers mehr (0:1 gegen »Türkspor«). Zwei gegen die Ziellosigkeit weiterlesen

Basteln mit Rolf

Ein Bierbaum

Frühling? Heizung aus, Klimaanlage an! Im Monat Mai basteln wir zwar einen Baum, aber dieser bleibt dann ganzjährig aufgestellt. Meist wird er »Bierbaum« genannt. Wir benötigen einen verästelten Zweig, Holzleim, ein Brettchen, mehrere Kugelmagneten, einen Bohrer, ein Schnitzmesser, etwas Sandpapier und nicht vergessen: LUST zum Pfriemeln.  Mit dem Bohrer (Durchmesser etwa Stärke des Zweigs) ein Loch mittig ins mit Sandpapier geglättete Brett bohren. Der Hauptstiel des Zweiges wird notfalls mit dem Messer passend gemacht, dann mit Holzleim eingeklebt. Die Zweigenden sollten leichte Vertiefungen erhalten; in die kommt ebenfalls Leim und darauf je ein Kugelmagnet. Nach 24 Stunden Trockenzeit ist der (Mai-)Bierbaum fertig!
Von Flaschen­(bier)trinkern wird das Bäumchen so aufgestellt, dass es mit Kronkorken »beblättert« werden kann. Jeder Werfer sollte versuchen, dass sein Deckel am Magneten hängen bleibt. Spielabläufe wie Regeln sind (spielend) selbst zu entwickeln. Viel Spaß!

rr

Petras Tagebuch

Der Tulpenmörder vom Kranoldplatz

Der Kranoldplatz könnte ein Neuköllner Juwel sein. So dachte ich schon häufiger. Er ist schön zwischen den Häusern gelegen, einige Bäume spenden gerade, wenn es heiß ist, wohltuenden Schatten, und eine etwas fragwürdige Skulptur bietet den Anwohnern immerhin den Platz, sitzend zu verweilen.
Das Rundherum stimmt eigentlich, aber die Baumscheiben bieten einen elenden Anblick: Hundekot, leere Schnapsflaschen, verlorene Unterhosen und schwer zu identifizierender Müll und manchmal auch ein kaputter Kinderwagen inklusive entsorgter Windel sind ein nicht so schöner Anblick.
Im Herbst des vergangenen Jahres machte ich mich an die Arbeit. Ausgestattet mit Gummihandschuhen entsorgte ich zunächst den Müll von den Baumscheiben. Dann bewaffnete ich mich mit einer Schippe und einer Harke und buddelte Tulpenzwiebeln ein. Petras Tagebuch weiterlesen

Neukölln macht Ernst mit Dieselfahrverbot

feierliche Übergabe der blauen Plakette im Rathaus.                                                         Fotomontage: fh

Lastenfahrräder statt Stickstoffoxidschleudern

Von vielen befürchtet, aber auch von vielen begrüßt, wird das Dieselfahrverbot in Neukölln nun umgesetzt. Im Schulterschluss von Senat und Bezirk wurde dieser Beschluss zum 1. April gefasst. Somit ist Neukölln wieder einmal Vorreiter für die gesamte Republik.
Überschreiten die Stickstoffoxide für die ausgewählten und besonders belastesten Straßen Hermannstraße, Karl-Marx-Straße, Silbersteinstraße und Sonnenallee die gesetzlich vorgegebenen Werte, tritt das Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Kraft.
Um dessen Umsetzung fürchtet der Neuköllner Abgeordnete Georg Kössler (Grüne) im Senat nicht: »Wir haben die besondere Verantwortung, die Menschen in Gebieten zu schützen, die den höchsten Krankenstand aufweisen und die Ärmsten in Neukölln sind. Insofern können wir durchaus auf Verständnis und Rücksichtnahme der Autofahrer bauen.« Neukölln macht Ernst mit Dieselfahrverbot weiterlesen

Sprungbrett Neukölln

»Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, wo immer du bist.« Diese Worte von Theodore Roosevelt sind der Leitspruch von Franziska Giffey. Starke Worte für immense Aufgaben.
»Als Ministerin werde ich mich für alle einsetzen: für Frauen und Männer, für die Ost- und Westdeutschen, für diejenigen, die in ländlichen Regionen leben und für diejenigen, die aus der Stadt kommen, für Kinder, Jugendliche […], für die Älteren, die Pflege und Unterstützung brauchen, und für die Seniorinnen und Senioren, die aktiv sind und unverzichtbar für ihre Enkelkinder oder ihren Verein, als Lesepaten und Helden des Alltags.«
Ob Kiezministerin oder Quoten-Ossi, entschei­dend ist, dass ihr Bildung, Betreuung und Bürgerbeteiligung wichtig sind. Zu hoffen bleibt, dass sie ihren bürgernahen Kurs beibehält und es durchsetzen kann, die Gehälter in den »sorgenden Berufen« deutlich anzuheben. Dafür wünschen die Neuköllner viel Kraft!

Beate Storni

Neue Chefs im Neuköllner Bezirksamt

Martin Hikel wird Bürgermeister, Karin Korte Bildungsstadträtin

Die aktuellen Stadträte unserer Bezirksregierung.  (von links: Bernward Eberenz, Falko Liecke, Martin Hikel; Karin Korte, Jochen Biedermann.                                                                                    Foto: mr

Morgens hat der Lehrer für Mathematik und Politik noch Abiturprüfungen an der Zehlendorfer John-F.-Kennedy-Schule abgenommen, abends ist er Bezirksbürgermeister von Neukölln. In der Sitzung am 21. März wählte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) den bisherigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Martin Hikel zum neuen Rathauschef. Zugleich ist er Dezernent für die Bereiche Finanzen und Wirtschaft sowie für das Straßen-, Grünflächen- und Ordnungsamt zuständig. Damit beerbt er Franziska Giffey, die Anfang des Monats an die Spitze des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wechselte.
Von den 49 anwesenden Bezirksverordneten – einige aus der rot-grünen Zählgemeinschaft fehlten – stimmten 27 mit Ja, 17 mit Nein, fünf enthielten sich. Das waren mutmaßlich die Linken, deren Fraktionsvorsitzender Thomas Licher das bereits vor der Wahl angekün­digt hatte. Gleichzeitig verlieh er der Hoffnung Ausdruck, dass sich die recht gute Zusammenarbeit der letzten Monate fortsetze. Neue Chefs im Neuköllner Bezirksamt weiterlesen

Sondersitzung der BVV

Über neue Straßennamen und Müllhotspots

Seit Monaten schiebt die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) viele wichtige Vorhaben für Neukölln vor sich her. Unter anderem wegen der Verzögerungstaktik der AfD. Aus diesem Grund wurde am 21. März eine Sondersitzung einberufen – zusätzlich zu der am 23. März – um die vielen vertagten Drucksachen abarbeiten zu können. Es war übrigens die 750. Sitzung der Neuköllner BVV seit ihrer ersten Einberufung am 13. Dezember 1946.
Auch der Antrag, einen neuen Namen für die Wissmannstraße zu finden, wurde bereits fünfmal vertagt. Die Straße ist nach dem Reichskommissar und Gouverneur des ehemaligen Deutsch-Ostafrika benannt, der mit militärischen Expeditionen maßgeblich zur gewaltsamen Kolonisierung des Kongo beitrug. Für die Brutalität, mit der er dabei vorging, erntete er in Deutschland bereits zu seinen Lebzeiten Kritik. SPD und Linke, die den Antrag eingebracht haben, denken dabei an den Namen einer Frau, die entweder »in Neukölln gelebt hat oder einen Bezug zum Thema Antikolonialismus besaß«. Sondersitzung der BVV weiterlesen

Operation am offenen Herzen

Sanierung der Karl-Marx-Straße geht in die dritte Runde

Im April wird der zweite Bauabschnitt der Karl-Marx-Straße von der Uthmannstraße bis zur Briesestraße fertiggestellt sein. Dann geht die Buddelei nahtlos weiter. Bis 2021 soll es noch dauern, bis der dritte Bauabschnitt bis zur Weichselstraße fertiggestellt sein wird.

Jochen Biedermann.                                                                                                                                            Foto: mr

Bei einer Informationsveranstaltung am 12. März, zu der Bezirksstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) ins Rathaus geladen hatte, konnten sich Anwohner, Gewerbetreibende und Kauflustige darüber informieren, was sie in den nächsten zwei Jahren erwartet.
»Es ist eine Operation am offenen Herzen«, sagte Biedermann auf die Frage, warum es zwei Jahre Zeit brauche, um 720 Meter Straße zu sanieren. Denn ebenso wie bei den vorangegangenen Bauabschnitten werde nicht nur die Straße umgebaut. Zusätzlich werde die Decke des U-Bahntunnels saniert, zahlreiche Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Kanalisation, Telefon und Fernwärme werden erneuert, damit sie »die nächsten 100 Jahren halten«. Operation am offenen Herzen weiterlesen

Hier kommt die Tram

Verbindung von Warschauer Straße zum Hermannplatz geplant

Bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts war Berlin die Stadt der Straßenbahnen. Die autofixierte Verkehrspolitik der Nachkriegszeit machte ihnen im Westen der Stadt allerdings den Garaus. Am 2. Oktober 1967 wurde die letzte Linie, die vom Bahnhof Zoo über den Spandauer Damm bis Spandau-Hakenfelde fuhr, stillgelegt. In Ost-Berlin blieb die Tram weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel.
Inzwischen setzt bei den Stadtplanern ein Umdenken ein. Mehr als 20 Straßenbahnstrecken sollen bis 2021 gebaut, geplant oder zumindest vorbereitet werden. Eine davon ist die Linie 10, die von ihrer bisherigen Endhaltestelle an der Warschauer Brücke bis zum Hermannplatz führen soll, wo es Umsteigemöglichkeiten zu den U-Bahn-Linien U 7 und U 8 sowie zu zahlreichen Bussen gibt. Damit würden die Einwohner Neuköllns und Kreuzbergs eine wesentlich bessere Verbindung in den Osten Berlins bekommen. Die BVG erwartet etwa 20.000 Fahrgäste je Werktag. Hier kommt die Tram weiterlesen

Baumscheiben boomen

Das kleine Biotop vor der Tür

Urban Gardening und Guerilla Gardening ist in aller Munde und gerade jetzt im Frühling in den deutschen Großstädten wie auch weltweit Thema. Im letzten Jahr, als spontan der Kranoldplatz mit Rasensamen auf den Baumscheiben versorgt worden ist gab es einige Verunsicherung, weil dann alles wieder umgegraben werden musste. Wir haben uns umgehört. was gepflanzt werden darf und ob überhaupt.

Baumscheibe, der Garten des kleinen Mannes.                                                                                      Foto: mr

Da selbst gut gebildeten Bürgern der Begriff »Baumscheibe« nicht so ganz geläufig ist, hier eine Definition: »Der Begriff Baumscheibe beschreibt die begrenzte Oberfläche der Vegetationstragschicht um den Stamm herum, die offen oder befestigt oder begrünt sein kann und dauerhaft luft- und wasserdurchlässig sein muss.« Das Grünflächenamt Neukölln begrüßt die Bepflanzung ebendieser Baumscheiben sehr, allerdings sind ein paar Regeln zu beachten, dafür gibt es einen Flyer, erhältlich im Grünflächenamt oder unter »www.schoen-wie-wir.de/baumscheiben-richtig-bepflanzen«.Im April und Mai wird es Aktionen geben, bei denen Saatbomben verteilt werden, die bienenfreundliche Samen enthalten und auf Baumscheiben und Brachflächen verstreut werden können.

jr

Karin Korte berichtet über ihre Arbeit

Stadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport

Die Entscheidung fiel Karin Korte schwer. Das Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin wurde erst 2016 von ihrem Wahlkreis Gropiusstadt mit einer stattlichen Mehrheit von 32,9 Prozent gewählt und hatte das beste Ergebnis aller SPD-Kandidaten in Neukölln.


Nachdem Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer sein Amt niedergelegt hatte, fragte die SPD Neukölln, ob Korte seine Nachfolge antreten wolle. Die Sozialarbeiterin und Theaterpädagogin, die sich in der Verwaltung sehr gut auskennt, sagte mit schlechtem Gewissen zu. Hatte sie doch einen Wählerauftrag. Aber nun ist sie den Neuköllnern näher als im Abgeordnetenhaus und kann direkt etwas für die Bürger tun. Seit dem 1. März ist sie Bildungsstadträtin und plant bereits Sprechstunden, die immer an verschiedenen Orten stattfinden sollen. Bürgernahe Politik sieht genau so aus. Karin Korte berichtet über ihre Arbeit weiterlesen

Abschiedsfest im »C&A«-Gebäude

Malteser bedanken sich bei den Ehrenamtlichen

Noch als Bürgermeisterin.                                                                                                                                Foto: mr

Mehr als zwei Jahre wurde das »C&A«-Gebäude in der Karl-Marx-Straße als Notunterkunft genutzt. Bis zu 600 Geflüchtete waren zeitweise dort untergebracht, zuletzt waren es noch 137. Im Februar wurde die Unterkunft geschlossen, die letzten Bewohner zogen in die Gemeinschaftsunterkunft in der Haarlemer Straße um.
Aus diesem Anlass hatte Einrichtungsleiter Raphael Dütemeyer alle Mitarbeiter, Helfer, Partner und Ehrenamtliche eingeladen, um nach über zwei Jahren gemeinsamer Arbeit Abschied zu feiern. Abschiedsfest im »C&A«-Gebäude weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 80 – Donnerstag, 4. April
Oeffentliche Meinung. Die Wohnungsnot. Von allen Stadtverwaltungen werden jetzt Mittel und Wege gesucht, um der Wohnungsnot zu steuern, und zwar handelt es sich um kleinere Wohnungen. Allerdings sind nun schon die Dach= und Kellerwohnungen freigegeben, aber trotzdem mangelt es immer noch an 1=, 2= und 3=Zimmerwohnungen, was allerdings nur derjenige empfindet, der gezwungen ist, auf die Wohnungssuche zu gehen. Es ist nun recht unverständlich, daß der hiesige Magistrat so wenig Rücksicht auf die bestehende Wohnungsnot nimmt und innerhalb eines halben Jahres sämtlichen Mietern eines Hauses kündigt, angeblich für Zwecke der Kleidungsstelle. Ein Teil der geräumten Wohnungen ist diesem Zwecke schon übergeben und jeden Tag kommen Wagen mit alten Möbeln, Betten usw., welche darin untergebracht werden, um dann wieder hergerichtet und später an die heimkehrenden Krieger billig verkauft zu werden. Die Vorsorge des Magistrats in dieser Beziehung ist sehr anerkennenswert, aber ist es nun gerade nötig, zu diesem Zwecke ein Dutzend kleine Wohnungen mit Beschlag zu belegen und der Bevölkerung die Wohnungen zu entziehen? Dadurch wird die Wohnungsnot nur erhöht. Vorteilhafter wäre es doch, für die alten Möbel usw. auf dem geräumigen Hintergelände des Hauses Schuppen oder Baracken zu bauen und dieselben darin unterzubringen, als wie schließlich infolge der sich immer mehr steigenden Wohnungsnot die Familien in Baracken unterzubringen.
Mehrere Mieter. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Wohnungsbau gegen Naturschutz

Investor rodet das ehemalige RIAS-Gelände

Das ehemalige RIAS-Gelände am Britzer Damm 176/Ecke Tempelhofer Weg wurde im letzten Jahr an einen privaten Investor verkauft. Obwohl das Gelände laut Flächennutzungsplan nicht als Bauland ausgewiesen ist, sondern als Landschaftsschutzgebiet vorgesehen war, hat der Eigentümer das dortige Wäldchen ohne Genehmigung gerodet. Ein Gebäude wurde ohne Rücksicht auf geschützte Gebäudebrüter abgerissen und Asbest nicht sachgerecht entsorgt.

Hier fehlen bereits die Bäume.                                                                                                                         Foto: fh

Damit hat er gegen einige Naturschutzverordnungen verstoßen. Das sagte Umweltstadtrat Bernward Eberenz (CDU) auf die mündliche Anfrage von Gerrit Kringel (CDU) in der Bezirksverordnetenversammlung am 21. März. Er habe deshalb ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Wohnungsbau gegen Naturschutz weiterlesen

Die KMS 145 singt

Neuer Ort für Chor- und Vokalmusik

»Gesang hat Menschen schon immer verbunden, unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur. Daher freut es mich sehr, dass das Deutsche Chorzentrum sich in Neukölln niederlässt, einem Bezirk, in dem Menschen aus über 150 Nationen zusammenleben« sagte Franziska Giffey, ehemalige Bezirksbürgermeisterin Neuköllns, bei der Übergabe der Baugenehmigung an den Vorsitzenden des Deutschen Chorverbandes, Christian Wulff.

                                                                                                                                                      Bild: Kaden und Partner

Die Vokalmusik erlebte in den letzten Jahren einen Aufschwung und ist beiweitem nicht mehr mit dem Vorurteil von verstaubten Männergesangsvereinen und altbackenen Kirchenchören zu vergleichen, obgleich diese genauso wichtig in der Gesellschaft sind, wie die neuen jungen oder alten Gospel-, Pop- und Jazzchöre. Allein in Berlin gibt es zwischen 1.500 und 2.000 Chöre, und wie bekannt ist,macht Singen ja auch glücklich. Die KMS 145 singt weiterlesen

von Neuköllnern für Neuköllner