Archiv der Kategorie: Tagebuch

Petras Tagebuch

Irrungen im Traum

Wenn Traum und Wirklichkeit aneinander geraten, ist das Ergebnis Verwirrung. So passierte es mir vor wenigen Tagen.
Am Abend hatte ich ein Telefongespräch mit meinem Chef. Wir vereinbarten etwas. Ich meinte eine Uhrzeit wahrgenommen zu haben wie acht Uhr, und dass jemand zum Leopoldplatz fährt, womöglich ich. Dann ging ich ins Bett.
Nachts hatte ich einen Traum. In diesem Traum hatte ich ein Telefongespräch mit meinem Chef. Wir verabredeten uns für neun Uhr, planten, gemeinsam zum Leopoldplatz zu fahren, weil an diesem Tag der Weddinger Bürgermeister den dortigen Markt besuchen wollte. Außerdem sollte ich unter den Verkaufshänger kriechen. Das sollte ich womöglich machen, weil er nicht so ganz in Ordnung ist. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Lärm in der Stadt

Es ist schon etwa 30 Jahre her als ich in einer Wohnung lebte, die auf der Ecke von Kopfsteinpflasterstraßen lag. Zu jeder Tages- und Nachtzeit fuhren kleinere Autos und Lastwagen durch. Auch durchgeknallte hormongesteuerte Jungautofahrer bewiesen an dieser Ecke, dass Hochgeschwindigkeiten quietschende Reifen hervorrufen. Nicht zu vergessen sind die rivalisierenden Gruppen, die genau an dieser Ecke ihre Kämpfe ausfechten wollten. Das hatte zur Konsequenz, dass in einem Keller eine Taskforce eingerichtet wurde, die aber immerhin ein Jahr brauchte, um die Revierhengste zu vertreiben. Da hatten dann andere Anwohner ihre Probleme.
Im Erdgeschoss des Hauses war ein Restaurant mit Außenbestuhlung. Im Sommer, wenn ich gerne bei geöffnetem Fenster schlafen wollte, konnte ich mich den Gesprächen der Gäste nicht entziehen, allerdings sah es mit dem Schlafen schlecht aus. Und klar, je später es am Abend wurde und umso mehr der Alkoholkonsum stieg, umso lauter wurde es. Keiner der Hausbewohner beschwerte sich. Der Betreiber des Restaurants war sich wohl der Lärmbelästigung bewusst, denn wir bekamen einen ordentlichen Rabatt, wenn wir dort aßen. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Zwei Tanten namens Käthe

Eine von uns zwei Frauen erwähnte den Namen Tante Käthe. Das war bei einem der zufälligen Treffen, die ich so liebe. Birgit und ich sind im gleichen Alter, das heißt, unser Erlebnishorizont ist ähnlich.
Eine Tante Käthe hat uns beide begleitet und einen starken Eindruck bei uns hinterlassen. Birgits Tante Käthe kaufte ihr einmal im Jahr eine »Levi‘s«. Das tat sie bis ins hohe Alter. Die Vorstellung, wie die hochbetagte Dame in einem Jeansgeschäft eine Jeans kaufte, erheiterte uns sehr. Birgit lebte damals in Ostberlin, ihre Tante Käthe in Westberlin in der Neuköllner Donaustraße. Diese Tante Käthe muss eine sehr selbstbewusste Frau mit Prinzipien gewesen sein. Als Birgit die erste eigene Wohnung bezog und mit Alternativmöbeln ausstattete, besichtigte Tante Käthe die Räumlichkeit. Ihre erste Frage war: »Und wann kommen die Möbel, mein Kind?«
Meine Tante Käthe war die Freundin meiner Mutter. Sie war schwerhörig und hatte ihr Leben so eingerichtet, dass sie wenig mit Menschen reden musste. Mit mir aber tat sie es. Sie konnte alles von den Lippen ablesen, und manchmal vergaß ich ihre Schwerhörigkeit.
Tante Käthe spielte unheimlich gern »Mühle«. Wir haben so oft ge­spielt, dass ich, wenn ich den ersten Stein hatte, immer gewann. Außerdem hatte sie eine Strickmaschine. Während ich alle Stricksachen von meiner Mutter ablehnte, weil sie kratzen, liebte ich die Röcke, Jacken und Pullover, die ich von der Tante erhielt. Und ich lernte, mit der Strickmaschine zu stricken. Für mich war das faszinierend, weil die Kleidungsstücke so schnell fertig waren.
Unsere Tanten Käthe waren beeindruckende Frauen, die sich nicht unterkriegen ließen.

Petras Tagebuch

Klingelingeling

Eine Fahrradklingel muss für mich wie eine Fahrradklingel klingen, also keine Hupe, kein Zwitschern oder ähnliches. Ich habe eine solche Klingel, die diesen Dienst erfüllt. Nur der Klingeldeckel will nicht so, wie ich es mir vorstelle. Sobald die Straße uneben wird, und das sind in Neukölln nahezu alle Seitenstraßen, klingelt diese Klingel vor sich hin. Dies ist für alle Fußgänger und auch für mich nervig, errege ich doch eine ungewollte Aufmerksamkeit.
Einmal verlor ich auf Kopfsteinpflaster den Klingeldeckel. Sofort kam ein Fußgänger angelaufen und über­gab mir das gute Stück. Nachdem ich mich bedankt hatte, schraubte ich ihn wieder auf und setzte meine Fahrt fort. Wenige Tage später löste sich der Deckel wieder. Ich hob ihn auf und schraubte ihn wieder an. So langsam schlich sich bei mir der Gedanke ein, dass ich diese Klingel nicht mehr haben wollte. Aber wie es so ist, siegte die Trägheit, und ich beließ alles beim Alten. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Vögel und Stiefmütterchen

Eine der Tätigkeiten, die ich besonders liebe, ist die Entrümpelung des Balkons vom vergangenen Herbst und Winter. In diesem Jahr hatte ich es zunächst mit Tauben zu tun. Sie wollten auf meinem Sommerlieblingsort nisten.
Meine Erfahrung mit nistenden Vögeln auf dem Balkon ist nicht gut. Vor wenigen Jahren hatte sich ein Amselpärchen den Platz ausgesucht. Infolge dessen konnte ich zunächst den Balkon nicht mehr betreten. Die Tiere griffen mich im Sturzflug an, ich fühlte mich an Hitchcocks »Die Vögel« erinnert. Klar, sie haben ihre Brut nur verteidigt, mir allerdings auch mein Sommervergnügen genommen. Mit der Zeit gelang es mir, Vertrauen zu schaffen. Tee trinken ging zwar nicht, aber immerhin durfte ich mal gucken.
Die Tauben habe ich folglich aus Überzeugung vertrieben, indem ich jeden Tag neue Lebensumstände für sie schuf. Ich räumte hin und her,  und irgendwann begriffen sie, dass sie bei mir nicht erwünscht sind.
Nun endlich konnte ich so räumen, dass es mir gefällt. Ich besorgte neue Pflanzen und pflanzte sie ein und entfernte altes Laub.
Es gab eine schöne Überraschung bei den Aufräumarbeiten: Da drängelte sich doch ein kleines Stiefmütterchen durch eine Ritze des Balkonbodens und schaute mich frech an. Wie es dahin kam, ist mir ein Rätsel. Es gibt dort keine Erde, und es ist viele Jahre her, dass ich mal Stiefmütterchen hatte. Nun wächst es bereits seit mehreren Wochen, es kommen neue Blüten hinzu, es ist eine Freude, dem Wachstum auf dem Betonboden zuzuschauen. Und ich gebe zu, dass ich sie gieße.
Auch dieser Frühling musste erobert werden.

Petras Tagebuch

Maskerade

Aktuell scheiden sich die Geister am Tragen eines Mund-und Nasenschutzes. Die Träger eines solchen beschweren sich über die Nachlässigkeit der Mitbürger, die sich verweigern, heben aber mal schnell den Schutz ab, um in ein Brötchen zu beißen oder an einer Zigarette zu ziehen oder eine Limonade zu trinken. Ist ja auch alles nicht verwerflich. Brillenträger leiden ganz besonders unter dem Tragen der Schutzmasken. Mit beschlagenen Gläsern tasten sie sich durch die Straßen und geben ein trauriges Bild ab. Manche Maskenträger haben für sich die Abstandsregelung für erledigt erklärt und verhalten sich so, als gäbe es keine der Situation entsprechenden Regeln. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Trotz alledem

Es ist keine Schande, wenn man sich so richtig beschissen fühlt. So geht es mir gerade. Jeden Tag müssen wir alle mit neuen Tatsachen umgehen. Unsere ganze Kontinuität, unterbrochen durch persönliche Aufreger, ist aus den Fugen geraten. Unternehmen geraten ins Schleudern. Der Bund öffnet seine Taschen und schüttet Gelder aus. Mal sehen, wer dann davon profitiert. Dem asiatischen Modell folgend verwenden wir Mundschutze, halten Distanz oder verlassen gar nicht mehr die Wohnung.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Situation so hätte sein können, wenn eine Atombombe gefallen wäre. Die Sonne scheint, keiner fällt sofort zu Boden, es ist eine verhaltende Stimmung und wir sind alle von etwas Unsichtbarem bedroht. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Wie kommt die Birne in die Flasche?

Ich musste Schnaps kaufen. Mit einem Spickzettel in der Hand kämpfte ich mich im »Kaufland« in den »Neukölln Arcaden« in die Schnapsabteilung. Mir erschien sie recht unübersichtlich, allerdings gestehe ich, dass ich in Schnapsangelegenheiten nicht besonders gut bewandert bin. Ich konnte auch nicht so recht eine Struktur entdecken, es war für mich alles nur bunt.
Leider war kein Mitarbeiter zu entdecken, der mir hätte helfen können. Es konnte doch nicht so schwer sein, braunen Rum zu finden. Endlich fand sich auch noch ein anderer Kunde in der Sprituosenabteilung ein, der nach seinem Schnaps suchte. Ihn fragte ich, und sofort hatte ich, was ich suchte.
Nun forderte der Kunde seinen Tribut. »Wie kommt die Birne in die Flasche?« Er zeigte mir eine Flasche Williams Christ Birne. Tatsächlich füllte eine recht große Birne das Gefäß. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Wirkungslose Patientenverfügung

Bis November letzten Jahres wohnte meine Schwester auf Usedom. Sie hatte sich vor etwa zehn Jahren dazu entschlossen, weil das dortige Klima ihrer Gesundheit sehr entgegen kam.
Mit ihren 78 Jahren entschloss sie sich dann, nach Bad Reichenhall an der österreichischen Grenze zu ziehen. Sie hatte eine schöne Wohnung gefunden, traf sehr nette Menschen und fing wieder an, Pläne zu schmieden.
Sie wollte sich auch mehr um ihre Gesundheit kümmern und suchte einen Arzt auf. Mit der Diagnose, die sie sich anhören musste, begann eine unsägliche Geschichte. Ihr wurde erzählt, dass sie eine schwerkranke Frau sei und sich einer Herzuntersuchung unterziehen solle. Am Abend vor dem Eingriff erzählte sie mir, dass sie eine Patientenaufklärung unterschreiben musste und sagte: »Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mit einer solchen Untersuchung so viele Risiken, die mein Leben beenden könnten, eingehe.« Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Der Handschuh

Winter und Fahrradfahren ist ohne Handschuhe nicht denkbar und ein immer wieder bewegendes Thema.
Als ich vor Kurzem mein Rad abends im Hof angeschlossen hatte, mich mit dem Gepäck, bestehend aus zwei gut gefüllten Fahrradtaschen mit kaputten Verschlüssen in der einen Hand, in der anderen Vorder- und Rücklicht und Schlüssel, durch die Dunkelheit tastete, war ich froh, ohne besondere Blessuren alles in den dritten Stock getragen zu haben.
Am nächsten Morgen hatte ich es eilig. Was mir zu meiner Ausstattung fehlte, waren meine Handschuhe. Ich machte mich auf die Suche nach möglichen Verstecken, wo ich sie schon mal gefunden habe. Diese sind auf dem Schuhschrank, auf dem Küchenherd, dem Flurboden, zwischen nachlässig abgestellten Schuhen, einer meiner Satteltaschen, und selbst im Kühlschrank bin ich schon mal fündig geworden. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Wohlfühlgarage

Meine Kindheit verbrachte ich in einer kleineren Stadt in einer eher langweiligen Einfamilienhaussiedlung. Hinter jedem Haus befand sich so viel Land, dass die Bewohner Landwirtschaft betreiben konnten. Vor jedem Haus war ein kleiner Streifen Land, der dafür vorgesehen war, Blumen anzupflanzen. Eine kleine Rasenfläche, die wöchentlich gemäht wurde, lockerte das Bild auf.
Einmal im Jahr lief eine Delegation durch die Siedlung und begutachtete die Vorgärten. Diese Bewertung wurde sehr ernst genommen, und es gab unter den Nachbarn einen erbitterten Wettbewerb. Auch innerhalb der Familien gab es unterschiedliche Meinungen, die zu Konflikten führten. So auch bei uns. Das Ergebnis war, dass mein Vater, der unbedingt seine Vorgartengestaltung durchsetzen wollte, meiner Mutter anbot, die anstrengende Gartenarbeit nicht mehr erledigen zu müssen, er würde es gerne tun. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Missbrauchtes Blümchen

Als ich einst in Lederschuhen einen veganen Laden betrat und sofort wieder des Geschäftes verwiesen wurde, war mir klar, dass ich mich politisch unkorrekt verhalten hatte. Ich möchte an dieser Stelle meine Meinung dazu für mich behalten. Allerdings bemühe ich mich seither, mich so korrekt wie möglich zu verhalten.
Vor kurzem wollte ich die Einladungskarten für das Jubiläum der Kiez und Kneipe versenden. Bei der Suche nach selbstklebenden 60 Cent Briefmarken fand ich im online-Portal der Post nur eine Sorte selbstklebender Briefmarken, die mit dem Motiv der Kornblume.
Ich mag Kornblumen, aber der kritische Blick von Marianne ließ mich innehalten. »Überlege dir gut, ob du dieses Motiv nimmst. Du erinnerst dich an den Zwischenfall im Berliner Abgeordnetenhaus, als Andreas Wild von der AfD mit diesem Motiv die Empörung aller Mitglieder des Abgeordnetenhauses hervorrief?« Ja, ich erinnerte mich. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Von Hunden und Haltern

Seit vielen Jahren habe ich das zweifelhafte Vergnügen, die Entwicklung von Hunden und deren Besitzern zu verfolgen. Lustig war die Zeit mit Pudeln, auch wenn das Kupieren der Schwänze Tierquälerei war. Die unterschiedlichen Arten des Scherens gaben hinreichend Auskunft über die Besitzer. Der ungeschorene Pudel gehörte zum Freigeist, der akkurat rasierte zum Buchhalter und seiner wohl frisierten Ehefrau. Ältere Damen bevorzugten den niedlichen Pudel als Kuscheltier, und die ältere Künstlerin färbte ihn auch gerne rosa. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Von Foltern und Reparaturen

Ich bin ins Stolpern gekommen. Während des Sturzes stützte ich mich an der Wand ab und landete sicher auf meinen Beinen.
Mein Handgelenk tat etwas weh, dem schenkte ich aber keine Beachtung. Vielleicht waren ein paar Sehnen gezerrt.
Am nächsten Morgen verrichtete ich die Dinge des Alltags in nahezu gewohnter Form, allerdings unter Schmerzen. Meine erste Handlung war, in meinem Badezimmerschrank nach einem Verband zu suchen, um das Handgelenk zu stabilisieren. Wie immer war ich für solche Fälle nicht ausgestattet.
Also rief ich Felix an. »Kannst du bitte mal nachschauen, ob du einen Verband hast? Ich habe mir am Handgelenk weh getan, es sollte stabilisiert werden.« Felix reagierte trocken: »Ich hab sowas, muss aber noch suchen.« Petras Tagebuch weiterlesen

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Ein Tiger in der Wohnung

Wenn ich mich am Sonnabendmorgen auf einen langen Arbeitstag vorbereite, brauche ich schlichtweg meine Ruhe, um alles nochmal durchzugehen, um nichts zu vergessen. Um 8:15 Uhr fahre ich dann los, um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen.
An diesem Sonnabend war meine gewohnte Ruhe vorbei, als es an der Tür klingelte. Dort stand mein Nachbar und bat um Einlass. Ich bot ihm eine Tasse Tee an, und er sagte nur einen Satz: »In meiner Wohnung ist ein Tiger.« Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Vergesslichkeit ist ansteckend

Vor nicht allzu langer Zeit wurde mal wieder mein Fahrrad am hellichten Tag während meiner Arbeitszeit aus dem Hinterhof – letztlich vor unser aller Augen – gestohlen.
Dieser Vorfall brachte meine Kollegen und mich dazu, unsere Fahrräder im Büro abzustellen. Hier ist selbstverständlich ein Abschließen überflüssig.
Als meine Kollegin einen Termin im Bezirks­amt hatte, fuhr sie wie gewohnt mit dem Fahrrad. Wenige Minuten vor dem Termin rief sie an und teilte uns mit, dass sie ihr gesamtes Schlüsselbund, an dem sich auch der Fahrradschlüssel befindet, im Büro vergessen hatte. Die Zeit, noch einmal in die Firma zu fahren, war zu knapp, denn bei Terminen im Bezirksamt ist Pünktlichkeit nicht nur eine Zier, sondern Voraussetzung für einen gelungenen Gesprächsverlauf.
Ich erklärte mich bereit, ihr Fahrrad anzuschließen. Flink machte sie ein Bild von dem Fahrrad mit dem Standort vor dem Amtsgericht. Per WhatsApp sendete sie es in Windeseile. Und ich fuhr los. Das Fahrrad war anhand des Bildes schnell gefunden, und ich dachte so bei mir, dass sie es vor Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Ohne Routine

Es gibt Tage, die ich gerne aus meinem Leben streichen würde. Das sind solche Ereignisse wie Unfälle, das Erfahren von unangenehmen Wahrheiten, die alles wieder in ein neues Licht rücken und das Leben drastisch verändern. Und trotz allem: diese Tage sind unvermeidbar, zwingen zur Veränderung, und das wiederum öffnet Türen, gibt neue Impulse.
Vor Kurzem hatte ich ein solches Erlebnis. Als ich morgens vom Wecker wach wurde, fragte ich mich, was ich mit diesem Tag machen sollte. Wie war der Plan? Er fiel mir nicht ein. Naja, ich stand dann erst mal auf und begann mit der Routine. Unterdessen wurde klar, dass ich arbeiten gehen wollte, danach noch nach Kreuzberg fahren wollte, noch einen Interviewtermin hatte und unbedingt die nicht beantwortete Post erledigen musste. Hinzu kamen noch diverse Abrechnungen und das Bedienen des Finanzamts, mit dem bekanntermaßen nicht zu spaßen ist. Außerdem wurde es Zeit, ein Fest zu organisieren, und die Wäsche musste auch mal wieder gewaschen werden. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Ausflug in die Begegnungszone

Eine Freundin von mir hat eine Boutique in der Kreuzberger Bergmannstraße. Dorthin mache ich gerne einen Ausflug, um mich auch mal über die Neuköllner Grenzen hin zu informieren. Dort sitzen wir dann vor dem Laden gerne auf einem Bänk­chen, trinken Kaffee und tauschen Neuigkeiten aus.
Die Entwicklung der Bergmannstraße zu einer Begegnungszone beäugen wir seit über einem Jahr sehr genau. Dort, wo früher einmal Parkplätze waren, sind nun – na wie soll ich es nennen – Ruhezonen entstanden. Hochsitze, die direkt in die Bergmannstraße reichen, werden tagsüber gerne von stillenden Müttern genutzt. Sie können dann dem quirligem Verkehr zuschauen und werden, da sie so repräsentativ hoch sitzen, auch von jedem Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Schuhe auf der Insel

Endlich, endlich hatte ich Urlaub. Eigentlich war er lange geplant, und das Ziel war wie jedes Jahr im März Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom. Ich mag es, zu dieser Jahreszeit dort zu sein. Es sind noch nicht so viele Touristen unterwegs, und ich liebe die langen Spaziergänge am Strand und am Achterwasser. Das noch etwas ruppige Wetter mit viel Wind, manchmal auch nahezu waagerecht stehendem Regen macht mir gar nichts aus, ganz im Gegenteil, im Urlaub ist das schön.
Diesmal, so muss ich gestehen, waren meine Urlaubsvorbereitungen etwas mangelhaft. Als ich in Heringsdorf ankam, musste ich mit Bedauern feststellen, dass ich mindestens vier Paar Schuhe in Berlin vergessen hatte. Zum Glück hatte ich wenigstens ein Ersatzpaar dabei. Das war entschieden zu wenig.
Ich freue mich immer wieder darüber, dass Felix, mit dem ich unterwegs war, für solche Probleme volles Verständnis hat. Da er gerne einkaufen geht, entpuppte sich für ihn mein Problem zu seinem Glücksfall. Er liebt es, in Geschäfte zu gehen, mich zu beraten und Verkäufer zu belehren. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

»Man wird doch wohl mal ein Geheimnis haben dürfen«

Es begann im Januar. Ich war ganz froh, dass das neue Jahr begonnen hatte, in der Hoffnung, dass alles besser wird.
Es wurde nicht besser oder schlechter, dafür eigenartig. Ich war mit Felix im Auto unterwegs, als sein Telefon klingelte. Es war der Drucker. Die beiden hatten etwas zu besprechen. Ich fragte nach und erhielt keine Antwort. Auf Nachfrage erhielt ich die lapidare Antwort: »Das geht dich nichts an.« Und ob es mich etwas anging! Immerhin halte ich den Kopf für die Kiez und Kneipe hin. Mir wurde klar, dass irgend etwas im Gange war. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Aus 100 Neuköllner Erlebnissen

Zum hundertstenmal erscheint diesmal »Petras Tagebuch«. Das überraschte mich, denn irgendwie ist mir wohl jeden Monat etwas passiert, das auch zeitungstauglich erschien. Ein beliebtes Thema war immer wieder die Post. Auch diesmal könnte ich über den Spannungsbogen, den Paketlieferanten verursachen, berichten.
Auch das Fahrrad, mein bevorzugtes Verkehrsmittel, war immer wieder Thema. Die Erlebnisse mit dem Drahtesel in Neukölln nehmen kein Ende und rufen immer wieder interessante Diskussionen mit Lesern hervor. Nicht alle können meine Meinung teilen, aber das ist auch gut so. Auf jeden Fall wird das Fahrrad, solange ich damit fahre, immer mal wieder auf der Agenda stehen. Sollte ich auf das Fahrrad verzichten müssen, werde ich sicherlich auch umgehend meine Meinung ändern und mich über diese Verkehrsrowdies beschweren. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Weihnachtliches Geschick

Wie jedes Jahr war der Dezember ein Monat, der mit Missgeschicken gespickt war. Die Anzahl der Missgeschicke verdichtete sich in beängstigender Weise mit der Nähe zum 24. Dezember. Am Interessantesten waren tatsächlich die letzten drei Tage vor Weihnachten.
Am Sonnabend morgen ging es los. Gerade erreichte ich noch um kurz nach sechs mein Flugzeug von Stuttgart nach Berlin. Ich war die letzte, die den Flieger bestieg. Das hing damit zusammen, dass die Sicherheitskontrollen ewig dauerten. In Berlin angekommen, stellte ich fest, dass ich es mit der BVG nicht pünktlich zur Arbeit schaffen würde. Also nahm ich ein Taxi, das mich mal eben 40 Euro kostete.
Auf dem Kranoldplatz angekommen, hatte ich den Plan, mich auf dem Wall-Klo umzuziehen um für den Markt­tag warm genug gekleidet zu sein. Das Klo schluckte das Geld und ließ die Tür verschlossen. Dank der lieben Kollegen auf dem Markt konnte ich mich jedoch in einem Wagen umziehen.

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Petras Tagebuch

Chaos in der Karl-Marx-Straße

Ich war immer voll des Lobes über die Bauarbei­ten in der Karl-Marx-Straße. Der einspurige Verkehr stadteinwärts hat eine Verlangsamung hervorgerufen, die Auto- und Fahrradfahrer zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern macht. Zumindest dann, wenn die Fahrradspur nicht zugeparkt ist.
Die Baustelle zog im Herbst weiter bis zur Werbellinstraße. Das ging verkehrstechnisch noch ganz gut. Stadt­auswärts mussten die Radler ein kleines Stück über den Bürgersteig schieben und konnten ab der Briesestraße wieder auf das Rad klettern und auf dem Fahrradstreifen weiter fahren. Die Autos wurden über die Rollbergstraße, die Morus- und Briesestraße wieder auf die Karl-Marx-Straße geführt. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Verkehr könnte so schön sein

Vielleicht liegt es daran, dass es so viele Fahrradfahrer in der Stadt gibt. Wahrscheinlich werden sie von den anderen mehr wahrgenommen und auch als vollwertiger Verkehrs­teilnehmer betrachtet. Es kann aber auch sein, dass ich mit meinem alten Drahtesel in einer Zeit der Rennräder und E-Bikes ein unglaublich mitleiderweckendes Bild abgebe. Vielleicht spielt aber auch die Verkehrs­politik des Senats eine Rolle, die etwas für die Fahrradfahrer tun will, auch wenn sie bisher eher unzureichend umgestzt wurde.

Nantes.                                                                                                                                                                        Foto: fh

Auf jeden Fall passiert es mir immer häufiger, dass ich bei der Rechts-vor-links-Regel von Autofahrern die Vorfahrt gewährt bekomme. Auch wenn ich kein Recht darauf habe. Sie winken mir freund­lich zu, und ich bedanke mich.
In diesem Zusammenhang fiel mir das Verkehrskonzept in Nantes in Frankreich ein. Dort war ich vor Kurzem im Urlaub. Die Anzahl der Einwohner ist etwa so hoch wie die Neuköllns. Zugegebenermaßen stehen den Nantern mehr Quadratkilometer zur Verfügung als den Neuköllnern. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Vom Netz in den Sack

Manchmal verfalle ich in Zustände der Arbeitsunfähigkeit. In der Regel passiert das am Computer.
Wenn ich Hunger habe, studiere ich intensiv Rezepte. Zumeist merke ich nicht, dass ich Hunger habe, kenne jedoch mein Verhalten und schließe daraus, dass ich etwas essen sollte.
Das passiert bei mir in ganz vielen Bereichen: Wenn mir nicht einfällt, was ich anziehen soll, suche ich im Internet, wenn ich meine, ich sollte mal wieder in die Sauna gehen, suche ich nach Salz. wenn ich urlaubsreif bin, suche ich nach Matratzen, und wenn die Jahreszeit wechselt, überlege ich lange Zeit, wie die Kleidung aussehen soll. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Betrug

Ein Anruf in der Redaktion machte mich neugierig. Ein Dave hatte ein wichtiges Anliegen, wollte sich aber nicht dazu am Telefon äußern. Also verabredeten wir uns.
An einem sonnigen Tag saßen wir vor der Redaktion und tranken Kaffee. Eigentlich ein ganz sympathischer Mann. Ein wenig vom Leben gekennzeichnet, aber das bleibt nun nicht aus, wenn die 40 überschritten sind.
Seine Geschichte beschrieb ihn als einen Menschen, der berufsunfähig und seit einem schweren Unfall Arbeitsinvalide ist. Er versorgt jetzt seine kranke Frau. Trotz all dem Leid ist er sozial engagiert.
Er habe schon etlichen Flüchtlingen geholfen, im Land zu bleiben, und sei aktuell an einem Fall, der mir unter die Haut ging. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Geplatzte Einkaufstüte mit Hindernis

Seit geraumer Zeit habe ich mich tatsächlich daran gewöhnt, mich an die Verkehrsregeln zu halten, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin.
Erstaunlicherweise hat das die vorhandene Aggressivität mancher Autofahrer gegenüber Fahrradfahrern nicht gelindert. Das geht so weit, dass ich von nicht nur einem Autofahrer mit dem Spruch »eh, nun fahr doch endlich« angemacht werde, obwohl die Ampel rot ist. Mir ist klar, dass diese Autofahrer nicht neben dem Fahrradfahrer starten wollen, denn der könnte vor sich hin wackeln und somit ein Hindernis darstellen.
So geschah es vor wenigen Tagen. Ich stand an der Ampel Hermannstraße Ecke Leykestraße. Es ist eigentlich eine sehr unaufgeregte Ampel, die eigentlich nur wichtig ist für Fußgänger, die nicht lebensmüde, aber trotzdem sehr aufmerksam sind. Denn genau weil die Ampel so überflüssig erscheint, übersieht mancher Verkehrsteilnehmer die Ampelfarbe und fährt weiter. Das betrifft Auto- wie auch Fahrradfahrer. Der erfahrene Fußgänger schaut an dieser Ampel tatsächlich bei der Grünphase nach rechts und links, um lebendig die Straße zu überqueren. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Das doppelte Päckchen

Seit vielen Jahren bestelle ich einige Kosmetikprodukte in Süddeutschland, weil diese Firma in Berlin keinen Vertriebsstandort hat. Das klappte immer hervorragend. Nach spätestens zwei Tagen hatte ich die Lieferung bis es auf einmal nicht klappte und das erhoffte Paket ausblieb.
Ich rief bei der Firma an, und die Frau, die schon seit Jahren meine Bestellung aufnimmt, konnte mir Auskunft geben. Das Paket sei bei einem Nachbarn in der Hermannstraße abgegeben worden. Er hieße Tam Tam. Von so einem Nachbarn hatte ich noch nie gehört. Leider fehlte auch die Hausnummer. Ich erklärte der Mitarbeiterin die Situation. Die Hermannnstraße sei sehr lang und wie, bitteschön, soll ich Tam Tam finden? Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Freiheitsglocke

Eigentlich bin ich ein sehr pünktlicher Mensch. Es bereitet mir keine Probleme, Verabredungen einzuhalten oder rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen.
Es gibt jedoch eine Ausnahme, und das ist der Sonntag. An diesem Tag treffe ich häufig für 12 Uhr Verabredungen. Leider kann ich da nicht pünktlich sein, denn ich muss die Freiheitsglocke hören. Sie erklingt vor den 12-Uhr-Nachrichten im Deutschlandradio Kultur.
Die Glocke war 1950 ein Geschenk der US-Amerikaner an die Berliner. Initiator der Idee war der Militärgouverneur der USA in Deutschland, Lucius D. Clay, auch bekannt als Vater der Luftbrücke. Er und die Regierung der USA organisierten eine Spendenaktion, an der sich 16 Millionen US-Bürger beteiligten. Zu diesem Zweck wurde die 10.206 Kilogramm schwere Glocke auf die Reise durch die USA geschickt. Jeder, der sie sehen wollte, durfte sie bewundern.
Die Freiheitsglocke ist die Anerkennung für das Durchhaltevermögen der Bürger der Stadt während der Blockade und ein Versprechen an die Völker im Ostblock, dass auch sie eines Tages frei sein würden. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Der Tulpenmörder vom Kranoldplatz

Der Kranoldplatz könnte ein Neuköllner Juwel sein. So dachte ich schon häufiger. Er ist schön zwischen den Häusern gelegen, einige Bäume spenden gerade, wenn es heiß ist, wohltuenden Schatten, und eine etwas fragwürdige Skulptur bietet den Anwohnern immerhin den Platz, sitzend zu verweilen.
Das Rundherum stimmt eigentlich, aber die Baumscheiben bieten einen elenden Anblick: Hundekot, leere Schnapsflaschen, verlorene Unterhosen und schwer zu identifizierender Müll und manchmal auch ein kaputter Kinderwagen inklusive entsorgter Windel sind ein nicht so schöner Anblick.
Im Herbst des vergangenen Jahres machte ich mich an die Arbeit. Ausgestattet mit Gummihandschuhen entsorgte ich zunächst den Müll von den Baumscheiben. Dann bewaffnete ich mich mit einer Schippe und einer Harke und buddelte Tulpenzwiebeln ein. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Miniabo von nichts

Ab und zu wirbt mich der »Tagesspiegel« für ein Miniabo. Es ist sehr praktisch, weil ich keine regelmäßige Tageszeitungsleserin bin. Lieber lese ich mal diese, mal jene Zeitung.
Es passierte im Februar, als mich der »Tagesspiegel« für einen Monat warb. Bereits am ersten Tag, an dem das Abo startete, erhielt ich keine Zeitung. So blieb es den Rest der Woche.
Am Sonntag jedoch erhielt ich ihn. Pünktlich um 8 Uhr klingelte es an meiner Tür, weil der Zeitungsausträger ins Haus musste und offensichtlich keinen Hausschlüssel hatte. Nun, es war ein bisschen früh für mich, insbesondere am Sonntag, aber immerhin erhielt ich den »Tagesspiegel«. Das war aber auch der einzige Tag mit geglückter und pünktlicher Zustellung. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Wer ist ein Berliner?

In dieser Wahnsinnskälte, die in den letzten Tagen herrschte, als Ostwind die Marktstände auf dem Kranoldplatz zerzauste, beob­achtete ich eine Dame, die um Unterschriften warb. Es ging um das Volksbegehren »Berliner Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus«.
Ein mühsames Unterfangen auf einem Markt, der nur zum Teil von Alt-Neuköllnern besucht wird. Die meisten Kunden auf dem Markt sind jedoch neu Hinzugezogene. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Die Frage nach dem erlaubten Wappen

Als Herausgeberin der Kiez und Kneipe erlebe ich manchmal schon, wie sich Dinge völlig überraschend entwickeln können. In den letzten Ausgaben im Dezember und Januar schlich sich bei den Anzeigen ein Fehler ein. Die Anzeige von Fritz Felgentreu »Fritz bringt Neukölln in den Bundestag« war fälschlicherweise mit dem Neuköllner Wappen ausgestattet.
Dies nahm der Stadtrat für Jugend und Gesundheit, Falko Liecke, zum Anlass, Felgentreu wegen des Tragens des Wappens anzuzeigen, denn die Verwendung von Hoheitszeichen ist nur den jeweiligen staatlichen Stellen vorbehalten. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Daktari auf Raumpatrouille

Vor Kurzem gab es eine Diskussion über die Serie »Raumpatrouille«. Ich las eine nette Geschichte von Michael Brandt, dem Sohn des ehemaligen legendären Bundeskanzlers Willi Brandt, die da »Raumpatrouille« hieß.
Felix und Marianne schwärmten in den höchsten Tönen von dieser Serie, die in den sechziger Jahren in der Ära des Schwarzweißfernsehens im Fernsehen lief. Ich hatte sie nie gesehen und fragte sie, um wieviel Uhr die Sendung lief, denn nach 20 Uhr galt für mich Fernsehverbot. Ja, sie lief ab 20 Uhr 15 nach der Tagesschau, und deshalb kannte ich sie nicht.
Die Beiden waren irgendwie schlauer als ich. Ihnen ist es gelungen, die Serie zu sehen. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Pünklichkeit ist die Höflichkeit der Königinnen

Normalerweise bin ich gut sortiert, verliere keine Schlüssel und kann auch unter erschwerten Bedingungen wie neuen Wegen, schlechtem Wetter oder klingelnden Telefonen Termine einhalten.
Vor kurzem jedoch saß der Teufel im Detail. Ich hatte einen Termin und befand mich in meiner Wohnung in der komfortablen Situation, trotz Termin noch Zeit zum Aufräumen zu haben.
Da klingelte das Telefon. Eine Freundin, mit der ich nur ganz selten telefoniere, rief mich an. Nun, ich war froh, denn ich ziehe nette Gespräche dem Aufräumen vor. Die Uhr entzog sich meinem Blick und meinen Gedanken. Ich wurde wieder auf den neuesten Stand gebracht. Mit ihren Kindern geht es weniger gut, und ich war froh, dass ich nicht ganz alleine bin mit den Konflikten mit meiner Tochter. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Mensch und Fahrrad in der Bahn

Neulich war ich auf Usedom. Ich nehme immer mein Fahrrad in der Bahn mit, denn Fahrradtouren auf Usedom sind neben ausgedehnten Strandspaziergängen Urlaubsprogramm.
Irgendwann war die schöne Zeit vorbei, und ich machte mich auf den Rückweg. Als ich in Züssow in den Berliner Zug umsteigen wollte, sah ich bereits auf dem Bahnsteig, dass außer mir noch ganz viele andere Menschen ihre Fahrräder tranportieren wollten.
Der Zug hielt, und der Kampf um einen Platz im Fahrradabteil begann. Zunächst verwies ein Radler zwei junge Frauen des Platzes, die das Abteil mit jeder Menge Gepäck blockierten. Sie machten sich dann auf die Suche nach einer anderen Sitzgelegenheit. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Fragen an die »BSR«

Die Berliner Kranoldplätze in Neukölln und Lichterfelde-Ost sind historisch interessante Orte.
Während der Amtszeit von Viktor Ferdinand Kranold (1838 – 1922) als Präsident der Eisenbahndirektion Berlin wurden die Eisenbahnstrecke nach Lichterfelde-Ost sowie der Bahnhof Hermannstraße in Neukölln gebaut. Ihm zu Ehren erhielten die Plätze ihren Namen.
Über Lichterfelde-Ost kann ich mich nicht äußern, aber den Neuköllner Kranoldplatz besuche ich häufiger. Er sieht schon ein wenig heruntergekommen aus: Die Bäume behaupten sich halblebig zwischen den Pflastersteinen und versuchen zu überleben. In den Baumscheiben finden sich wenige Gräser, die sich stolz, aber kränkelnd über Hundekacke, leere Schnaps- und Bierflaschen, benutzte Windeln und coffee-to-go-Bechern erheben. Die Wall-Toilette ist seit Monaten kaputt und fügt sich somit gut in das morbide Ensemble. Dabei war auf dem Platz vor vielen Jahren ein durchaus lebendiger Markt, der sich bis in die Seitenstraßen zog. Heute ist dort wieder ein Markt: DIE DICKE LINDA. Klein und fein versucht er, die Morbidität zu übertünchen. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Der verlorene Rock

Seit dem Frühling dieses Jahres bin ich mal wieder auf der Suche nach meinem weißen Lieblingsrock.
Bereits im vergangenen Jahr suchte ich und fand ihn zwischen den weißen Tischdecken, aber erst, nachdem ich alle Schränke mehrfach durchwühlt hatte. In diesem Jahr begann die Suche im April und fand ihr glückliches Ende im August.
Wieder durchsuchte ich alle Schränke, wobei ich natürlich bei den weißen Tischdecken startete. Diesmal ohne Erfolg, aber mit dem Erlebnis, vergessene Schätze zu entdecken. Diese Freude tröstete zwar, verhalf mir aber nicht zu meinem Ziel. Ich versuchte es mit der Erinnerung. Aber auch die ließ mich im Stich. Petras Tagebuch weiterlesen

Petras Tagebuch

Testessen aus dem Netz

»Marley Spoon« steht für »Koche besser. Lebe smarter.« Das klang gut. Ich wollte das ausprobieren.
Das Unternehmen verschickt im Paket drei verschiedene Gerichte für je zwei Personen. Die Gerichte werden dann in der heimischen Küche zubereitet. Es entsteht kein Essensabfall. Der Weg in den Supermarkt wird überflüssig, und ich werde vor Impulskäufen bewahrt.
Nachdem ich mich auf der Homepage nur mit fremder Hilfe orientieren konnte und mir dann erst die Bestellung gelang, musste ich nur noch warten. Petras Tagebuch weiterlesen

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Es regnet, es regnet…

Jeder Berliner kann seine Geschichte zu den Regenfällen am Donnerstag, den 29. Juni erzählen. Ich auch.
Abgesehen davon, dass an diesem Tag das Fahrradfahren nur möglich war in dem festen Glauben daran, dass die Autofahrer berücksichtigen, dass ich Brillenträgerin und blind bei Regen bin. Das haben alle erkannt, ich kam lebendig in der Redaktion an.
Als ich mich auf den Weg in die Genezarethkirche machte, in der Pfarrerin Elisabeth Kruse im Rahmen eines Gottesdienstes ihren Abschied feierte, wurde ich mit der nassen Realität konfrontiert. Beim Verlassen der Redaktion watete ich im Hof bis zu den Waden im Wasser. Glücklicherweise hatte ich keine Pumps an, und die Schuhe, die ich an diesem Tag trug, waren zwar durchnässt, haben aber die Nässe vertragen. Petras Tagebuch weiterlesen