Archiv der Kategorie: 100 Jahre Neukölln

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 206 – Dienstag, 4. September 1917
Gegen die hohen Absätze. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit vorgekommenen schweren Unfälle, bei denen Schaffnerinnen überfahren, getötet oder schwer verletzt worden sind, haben die Preußischen Eisenbahnverwaltungen den Schaffnerinnen das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verboten.

Nr. 212 – Dienstag, 11. September 1917
Die Vorschriften für die feindlichen Ausländer werden jetzt in Berlin auch für die chinesischen Staatsangehörigen angewendet, nachdem uns China den Krieg erklärt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 184 – Donnerstag, 9. August 1917
Fort mit den Ohrringen! Zur Stärkung seiner finanziellen und wirtschaftlichen Rüstung verlangt das Vaterland von uns das Gold in jeder Form. Erfreulicherweise wird jetzt den Goldankaufstellen auch Goldschmuck in stärkerem Maße zugeführt. Bei dieser Gelegenheit sei die schon oft gehörte Mahnung: »Fort mit den Ohrringen!« wiederholt, denn jetzt bietet sich Gelegenheit, diesen mehr als überflüssigen Schmuck, gegen den auch vom Kulturstandpunkt schwere Bedenken geltend gemacht werden, ehrenvoll auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. Und hofentlich für immer. Denn dieser Schmuck, zu dessen Anbringung das Ohrläppchen durchbohrt werden muß, ist ein Ueberbleibsel aus grauer Vorzeit, er erinnert an Gewohnheiten wilder Völkerschaften, die bei der Verwendung von Schmucksachen sogar ihren Leib zu verunstalten lieben. Die Nasenringe, die klirrenden Fußringe und Fußketten, gegen die die Propheten des Alten Testaments eiferten, sind im zivilisierten Europa zwar verschwunden, aber der Ohrring ist noch geblieben. Allerdings gibt es bei uns viele deutsche Frauen, die diesen halbbarbarischen, weil das Ohr verunstaltenden »Schmuck« verschmähen, aber viele tragen ihn noch aus alter Gewohnheit. Jetzt ist es an der Zeit, hiermit vollständig aufzuräumen. Der Kultur ist damit ebenso gedient wie der Reichsbank. Wenn man bedenkt, daß das Deutsche Reich 35 Millionen weiblicher Wesen zählt, von denen manche auch doppelte und mehrfache wertvolle »Garnituren« besitzen, so könnte durch die Einschmelzung dieses Goldes eine recht erhebliche Summe dem Goldbestand der Reichsbank zugeführt werden. Also fort mit den Ohrringen zugunsten des deutschen Vaterlandes! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 155 – Freitag, 6. Juli 1917
Eine wohlverdiente Ohrfeige. Es gibt leider immer noch Frauen, die den Wucher unterstützen, indem sie sich zur Zahlung beliebig hoher Preise erbieten. An die Unrechte kam aber eine solche am letzten Markttage in Friedenau. Vor einem Gemüsestande erhandelt eine Frau Kohlrabi und ist eben auf den Preis von 2,75 M. Einig geworden. Da ruft eine »Dame« hinter ihr der Verkäuferin zu: »Lassen Sie mir die Kohlrabi; ich gebe Ihnen 3 M.« Schon dreht sich die erste Käuferin um und gibt ihrer Konkurrentin links und rechts eine Ohrfeige mit den Worten: »So, nun bezahlen Sie die Ohrfeigen auch gleich mit.« Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 130 – Donnerstag, 7. Juni 1917
Alle Spargelschalen sollten als Wintersuppengewürze sorgsam gesammelt werden. Nach dem Schälen flüchtig gewaschen, breitet man sie auf einem Tuche aus, das man am besten wie eine Hängematte auf die Beine eines umgedrehten Stuhles spannt. Völlig getrocknet, zerschneidet man sie mit der Schere in recht kleine Stückchen, damit sie unter das getrocknete Suppengemüse gemischt werden können. Sie verleihen jeder Suppe einen feinen diskreten Spargelgeschmack. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 106 – Dienstag,  8. Mai 1917
Bettwäsche für »Stadtkinder auf dem Lande«. Die Reichsbekleidungsstelle teilt mit: Die besonders in Stoffen für Bettwäsche herrschende Knappheit gestattet es nicht, für Stadtkinder, die zur besseren Ernährung auf das Land geschickt, dort also nur zeitweilig beherbergt werden, Bettwäsche zu ihrer Unterbringung neu zu bewilligen. Es ist darauf hinzuwirken, daß die Kinder aus den vorhandenen Beständen des Beherbergenden versorgt werden oder die Angehörigen der Kinder die für diese vorhandene Bettwäsche mitgeben oder nötigenfalls nachsenden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 78 – Dienstag,  3. April 1917
Weitere Einschränkung des Papierverbrauchs. Nunmehr wird auch die Herstellung von Büchern und Zeitschriften eingeschränkt. Der Reichskanzler hat soeben eine Bekanntmachung erlassen, durch die für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni das Kontingent auf 90 v. H. derjenigen Menge festgesetzt wird, die – berechnet auf einen Zeitraum von 3 Monaten – im Vorjahre zur Herstellung von Büchern und Zeitschriften verwendet worden ist. – Hoffentlich werden nun auch die Behörden etwas sparsamer mit Papier. Es kommt aber nicht darauf an, daß sie ihre Aktenbogen um die Hälfte verkleinern, sondern sie sollten auch die Herstellung von Aufklärungsschriften, neuen Zeitschriften und dergleichen ein klein wenig beschränken. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 50 – Donnerstag, 1. März 1917
Fleischliche Genüsse am goldenen Hochzeitstage. In letzter Zeit haben sich die Anträge auf Ueberweisung von Fleisch zu Festlichkeiten sehr vermehrt. Die Reichsfleischstelle ist aber nicht in der Lage, diese Anträge berücksichtigen zu können und wird in Zukunft Fleischzulagen nur für die Feier der goldenen Hochzeit bewilligen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 31 – Mittwoch, 7. Februar
»Keine Ereignisse von Bedeutung.« Wenn von den verschiedenen Kriegsschauplätzen in den letzten Tagen gemeldet wurde »Keine Ereignisse von Bedeutung«, so hat indessen doch nirgends der Kampf auch nur eine Sekunde gestockt. Auf der gesamten 2000 Kilometer langen Front in Belgien, Frankreich, Rußland, Rumänien und Mazedonien stehen in den Gräben=Labyrinthen die Truppen zu jeder Stunde des Tages und der Nacht am Gewehr, stets bereit, jeden Versuch des belagerten Feindes, den Gürtel der Belagerer zu sprengen, zurückzuweisen. Die Beobachter der Artillerie und Minenwerfer stehen Tag und Nacht auf ihren Posten. Die Batterien, verborgen in Wäldern, in Schnee und Eis versunken, sind jede Minute feuerbereit. An Hunderten von Abschnitten kommt es zu Artilleriekämpfen, Feuerüberfällen und heftigen Kanonaden, die Zähigkeit und Pflichttreue verlangen, auch blutige Opfer fordern. In der Nacht schieben sich Patrouillen vor die Drahtverhaue, kauern die Horchposten in Sappenköpfen und Granattrichtern und vollbringen stille Heldentaten, die nieman kennt. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 1 – Mittwoch, 3. Januar 1917
Der Jahreswechsel wurde in Neukölln in stiller Weise gefeiert. Die Lokale hatten sich zahlreichen Besuches zu erfreuen, aber die Stimmung der Gäste entsprach meist dem Ernste der Zeit. Auf den Straßen wurde es etwas lebhafter, als um 12 Uhr die Kirchenglocken feierlich das neue Jahr einläuteten. Auch als um 1 Uhr die sämtlichen Lokale ihre Gäste entließen, herrschte eine Zeitlang auf den Straßen reges Leben. Allgemeines Aergernis erregten beim Publikum zahlreiche halbwüchsige Burschen und Schuljungen, welche mit Feuerwerkskörpern und Schußwaffen stundenlang auf den Straßen den ärgsten Unfug trieben. Der Neujahrstag selbst verlief in Neukölln in ruhigster Weise. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 288 – Freitag, 8. Dezember
Kriegs=Weihnachtsbäu­me. Das Kriegsernährungsamt schreibt: Bei der Knappheit an Fett, Seife und Lichtern ist in diesem Jahre eine freiwillige Einschränkung in Gebrauch von Weihnachtskerzen dringend geboten. Am schönsten wäre es, wenn jedem Weihnachtsbaum nur eine einzige Kerze aufgesteckt würde. Die Bedeutung und die Feierlichkeit des Vorganges würde dadurch in keiner Weise beeinträchtigt. Den Kindern aber, für die ja die Weihnachtsbäume hauptsächlich bestimmt sind, wird es eine wertvolle Erinnerung für ihr ganzes Leben bleiben, daß im Kriegsjahr 1916 nur eine einzige Kerze an ihrem Baum brennen durfte. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 273 – Sonntag, 19. November 1916
Kohlrüben als Kartoffelersatz. Das Kriegsernährungsamt hat der Reichskartoffelstelle den Auftrag gegeben, in möglichst großem Umfange Kohlrüben aufzukaufen, um dort, wo infolge länger anhaltenden Frostes nicht genügend Speisekartoffeln zur Verfügung stehen, Kohlrüben als Ersatz überweisen zu können. Den Bedarfsverbänden, die Kohlrüben wünschen, wird zunächst die Menge überwiesen werden können, die ausreicht, um für 6 Wochen an Stelle von Kartoffeln Kohlrüben zu geben, unter Zugrundelegung einer doppelten Rübenration gegenüber den für Speisekartoffeln geltenden Tageskopfmengen. Die Kohlrübe soll hierbei nicht etwa die Kartoffeln ganz ersetzen, sondern eine Zugabe bilden, wenn es infolge der Witterungsverhältnisse nicht möglich ist, die Kartoffelration in voller Höhe zu verabfolgen. Daß die Kohlrübe ein sehr gutes und bekömmliches Nahrungsmittel ist, das in vielen Landesteilen auch sich bereits im Frieden sehr eingebürgert hat, ist bekannt. Die Kohlrübe hat überdies den Vorteil, daß sie weniger frostempfindlich ist als die Speisekartoffel, so daß sie auch bei mäßigem Frost ohne Schaden transportiert werden kann. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 233 – Mittwoch,  4. Oktober 1916
Nur alle 10 Tage ein Ei. Noch vor dem 1. Oktober waren alle Neuköllner glücklich im Besitz der Eierkarte, die bis zum Weihnachtsfest Gültigkeit hat. Man gab sich damit zufrieden, daß man 1 Ei für die Woche erhalten sollte. Aber plötzlich am 2. Oktober erfuhr man, daß die Reichs=Eierstelle sich die Sache anders überlegt hat. Nur auf 10 Tage sollte 1 Ei kommen. Nun waren die Karten in Großberlin, die auf Wochenabschnitte lauteten, bereits verteilt, ein Einziehen dieser Karten hätte große Schwierigkeiten bereitet, nicht minder eine Ausgabe neuer. Da ursprünglich von der Z.E.G. 2000 Kisten zu 24 Schock für Großberlin in Aussicht gestellt waren, so hätte auch die Verteilung, wie sie angekündigt war, vorgenommen werden können. Wie die »Voss. Ztg.« hört, hat die Reichs=Eierstelle die Z.E.G. angewiesen, statt der 2000 Kisten nur 1500 Kisten für Großberlin zur Verfügung zu stellen. Es solle dies in weiser Voraussicht geschehen sein, um Vorräte für spätere Zeit in Bereitschaft zu haben. Die jetzt zurückgehaltenen Eier sollen in Kühlhäuser gelegt werden. Manche Sachverständige meinen freilich, daß der rechte Zeitpunkt für die Einlagerung in Kühlhäuser bereits verpaßt sei. Dagegen muß man sich aber mit aller Entschiedenheit wenden, daß wieder einmal in Großberlin im letzten Augenblick herumexperimentiert wird. Alle Maßnahmen, die von den Gemeindeverwaltungen Großberlins hinsichtlich der Eierversorgung getroffen wurden, gingen davon aus, daß 1 Ei auf den Kopf der Bevölkerung für die Woche kommen sollte. Man kann dann nicht plötzlich ohne weiteres verfügen, daß dieses Ei für 10 Tage reichen soll. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 210 – Donnerstag, 7. September 1916
Die Verwertung der Brennesseln. Das Einsammeln der Brennesseln, deren Verwertungsmöglichkeiten uns der Krieg gelehrt hat, soll in diesem Jahre bis Ende Oktober fortgesetzt werden, da es darauf ankommt, möglichst große Mengen Nesselstengel zu ernten.

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                                        Foto: Historisches Plakat

Für das kommende Jahr wird man daran festhalten müssen, daß die beste Zeit für das Ernten der Brennesseln von Ende Juni bis Ende Juli ist. Zu dieser Zeit hat die Blüte der Nessel eingesetzt, die Faser ist reif und in höchster Ausbeute vorhanden. Bei späterer Ernte verholzt der Stengel, die Faser selbst wird gröber und ein Teil der Faser geht außerdem in Holz über. Da in diesem Jahre die Organisation zum Sammeln der Brennesseln erst spät eingesetzt hat, müssen die Bedenken gegen eine verspätete Ernte diesmal fortfallen. Die Brennesselfaser=Verwer­tungs=Gesellschaft m.b.H. (Berlin W. 66, Wilhelmstr. 91) übernimmt die völlig getrockneten und entblätterten Nesselstengel zum amtlichen Preise von 14 M. für 100 Kg. Der Prozentsatz, der nach der Trocknung bleibt, ist je nach Standort der Nessel sehr verschieden. Es gibt Brennesseln, die durch die Trocknung 88 Prozent an Gewicht verloren, während andere nur bis zu etwa 56 Prozent einbüßten. Für den Sammler ergibt sich dadurch eine Erhöhung der Entlohnung für seine Arbeit, daß die Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 178 – Dienstag, 1. August 1916
Weibliche Schalterbeamte sind jetzt auf verschiedenen Großberliner Postämtern, auch in Neukölln, eingestellt worden. Sie versehen an denjenigen Schaltern Dienst, in denen Postanweisungen, Einschreibebriefe und Zahlkarten für den Postscheckverkehr entgegengenommen werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 162 – Donnerstag, 13. Juli 1916
Der Körnerpark. Die verhältnismäßig arme Ausstattung des inneren ältesten Stadtteils Neuköllns mit größeren Erholungsplätzen und Freiflächen ließ bei der Stadtverwaltung schon früh die Erkenntnis reifen, daß man darauf bedacht sein müsse, jede sich etwa bietende Gelegenheit zu ergreifen, um durch Ankauf freien Geländes der Neuköllner Einwohnerschaft die zur Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche Zuführung von Licht und Luft zu gewährleisten. – Als im Jahre 1910 der inzwischen verstorbene Kiesgrubenbesitzer Franz Körner mit einem Verkaufsangebot seines zwischen Waßmannsdorfer, Selke=, Thomas und Schierkestraße belegenen Grundbesitzes an die Stadtgemeinde herantrat, wurde ihrerseits sogleich das Augenmerk darauf gerichtet, dasjenige Gelände, welches nach seinen Bodenverhältnissen die Möglichkeit einer günstigen städtebaulichen Entwicklung bot, einer ungünstigen Aufschließung zu entziehen. Auf dem zwischen Thomas= und Kirchhofstraße liegenden Gelände hatte in den 1880er Jahren eine erhebliche Bodenausbeute (Kiesgruben) stattgefunden, wodurch das nach der Hermannstraße zu höher belegene Gelände von dem nach der Bergstraße zu Abfallenden nahezu abgetrennt war.

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Nr. 129 – Sonnabend, 3. Juni
Keine »Kriegswurst« an fleischlosen Tagen. Sogenannte Kriegswurst, die aus Blut, Semmel und flüssigem Fett hergestellt wird, haben in letzter Zeit= Gast= und Schankwirte an den fleischlosen Tagen ihren Gästen wiederholt verabfolgt. Dieses Verfahren muß aber, wie auch von den Vertretern der Gastwirtsvereine anerkannt wird, als unlauterer Wettbewerb angesehen werden, weil es auf eine Täuschung der Käufer berechnet ist, die glauben sollen, es handle sich um wirkliche Fleischwurst. Die Herstellung und Verabfolgung derartiger Wurst an den fleischlosen Tagen ist deshalb untersagt. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 106, Sonnabend,  6. Mai 1916
Schonet unsere Waldungen! Nicht oft und dringend genug kann diese Bitte wiederholt werden. Die Oberförstereien richten auch in diesem Jahre wieder an die Ausflügler nach dem Grunewald durch Anschläge an den Eingängen zu den Forstgebieten die dringende Bitte, die Verbote des Wegwerfens von Papier, Flaschen usw., des Rauchens, des Betretens von Kulturen, Böschungen und Wiesen, der Beschädigung von Alleebäumen, Sträuchern, Jungwüchsen und Holzstapeln, des Reitens und Fahrens auf Touristensteigen zu beachten. Nur unter der einsichtsvollen Mithilfe aller wird es möglich sein, in geringerem Maße von der Zuhilfenahme polizeilichen Schutzes Gebrauch zu machen, und dem Walde Ruhe, Frieden, Schutz und dasjenige Aussehen zu sichern, das ein jeder Naturfreund zu schätzen weiß. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 82 – Donnerstag, 6. April 1916
Einen eigenartigen »Sport« treibt der 20jährige Straßenbahnfahrer Willi L. aus der Bodestraße (heute Altenbraker Straße Anm. d. Red.). Sobald er an dem Finger einer Dame einen sogenannten »Kriegsring« gewahrt, bekundet er für denselben ein außerordentliches Interesse und läßt sich den Ring schließlich zur näheren Besichtigung geben. Ist dies geschehen, steckt er den Ring ein, und wenn die Damen auch noch so heftig protestieren, ihren Ring erhalten sie nicht zurück. Wird eine Dame aber energisch, so erklärt L. bedauernd, daß er den Ring leider verloren habe. Der eigene Vater des L. teilt uns dies zur Warnung der Damen mit und bemerkt dabei, daß er von Geschädigten, die ihren Ring zurückhaben wollen, förmlich überlaufen werde. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 51 – Mittwoch, 1. März 1916
Ein für die Fleischversorgung wichtiges Ersatzmittel ist in letzter Zeit nach einem patentierten Verfahren an den Schlachthöfen unserer Großstädte hergestellt und zum Verkauf gebracht worden. Es wird De=De=Fleisch genannt und besteht zu zwei Dritteln aus getrocknetem und gewässertem Klippfisch und zu einem Drittel aus frischem Rindfleisch unter Verwendung geeigneter Gewürze. Der Preis für dieses Ersatzfleisch stellt sich verhältnismäßig billig, auf etwa eine Mark für das Pfund, Nach den bisherigen Erfahrungen bewährt sich dieses Fleisch sowohl im Geschmack als im Nährwert und wird sich in den Verbraucherkreisen allem Anscheine nach gut einführen. Auf diesem Wege wird sich eine erhebliche Streckung unserer Fleischvorräte ergeben und dem Fisch eine erhöhte Bedeutung für die Volksernährung verschaffen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 29 – Freitag,  4. Februar 1916
Um »Krieg spielen« zu können, sind drei dreizehnjährige Jungen in Neukölln zu Dieben geworden. Der Schüler Gustav W. aus der Weisestr., der aus der Fürsorge=Erziehung entlaufene Bruno R. aus der Selchowstr. Und der Schüler Max K., sämtlich im Alter von 13 Jahren stehend, trieben sich in letzter Zeit fast alltäglich auf dem Tempelhofer Feld herum, um »Krieg zu spielen«, wobei sie sich auch Schützengräben anlegten. Da sie nun Geld zur Beschaffung von »Waffen«, wie Luftbüchsen, Kinderpistolen usw., nicht besaßen, kamen sie auf den Gedanken, Diebstähle und Einbrüche auszuführen, um sich die Mittel zu beschaffen. Vor einigen Nächten brachen sie in ein Konfitürengeschäft in der Okerstr. ein, indem sie nach Art gewiegter Einbrecher die Eingangstür mit einem Dietrich öffneten, worauf sie die Ladenkasse stahlen und mit derselben nach dem Tempelhofer Felde eilten, wo sie den Raub untereinander teilten. Bald darauf, als W. und R. wieder auf der Straße umherlungerten, erblickten sie in der Bodestr. einen Seifenwagen, der dort einen Augenblick ohne Aufsicht stand. Sofort nahmen sie die Gelegenheit wahr und stahlen vier Kartons mit Seife, mit der sie dann in den nächsten Tagen hausieren gingen und sehr schöne Einnahmen erzielten, da Seife jetzt bekanntlich hoch im Preise steht. Schließlich fielen die jugendlichen Seifenhändler jedoch auf und wurden von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen. Sie haben jedenfalls noch weit mehr Diebstähle auf dem Kerbholz, als sie bisher eingestanden haben. R. wurde wieder in die Fürsorge=Anstalt eingeliefert; seine Komplicen werden dem Jugendrichter zugeführt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 2 – Dienstag,  4. Januar 1916
Das neue Jahr wurde in Neukölln in üblicher Weise bei Glockengeläut begrüßt. Kurze Zeit herrschte auch auf den Straßen reges Leben, wobei besonders die halbwüchsige Jugend mit Feuerwerkskörpern Unfug trieb. Die meisten Neuköllner Familien begingen den Jahreswechsel in ernster Stimmung im eigenen Heim, hat doch fast jede Familie liebe Angehörige im Felde, was eine Feststimmung nicht aufkommen läßt. Trotzdem hatten sich die hiesigen Kaffees und Gastwirtschaften eines überaus guten Besuches zu erfreuen. Als das neue Jahr begann und man sich gegenseitig unter Gläserklang beglückwünschte, war überall der innigste Wunsch, daß uns das neue Jahr den endgültigen Sieg und einen ruhmvollen, dauernden Frieden bringen möge. – Am Neujahrstage und am Sonntag machten die besten Geschäfte wieder die Kinos, die fortgesetzt überfüllt waren. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 282 – Donnerstag, 2. Dezember 1915
Ueber die Mängel der Müllabfuhr wird schon seit längerer Zeit in Hausbesitzerkreisen lebhafte Klage geführt. Die Abholung der Müllkästen erfolgt sehr unregelmäßig, so daß auf den Höfen oft hohe Müllhaufen liegen, was den Mietern Anlaß zu Beschwerden gibt. An diesen Uebelständen tragen aber, wie uns versichert wird, die Wirtschaftsgenossenschaft Neuköllner Grundbesitzer und ihre Fuhrherrn keine Schuld. Trotz Zahlung enormer Wochenlöhne ist infolge des herrschenden Arbeitermangels kein genügendes Personal zur Müllabfuhr zu haben. Vielfach ist man auf junge Arbeiter angewiesen, die jedoch, sobald sie genügend Geld im Portemonnaie haben, die Arbeit liegen lassen, um sich einen vergnügten Tag zu machen. So kommt es, daß fast alle Wochen neues Personal eingestellt werden muß, das sich natürlich immer erst wieder einarbeiten muß. Bevor dies aber geschehen ist, geben die Arbeiter meist die ihnen nicht zusagende Beschäftigung schon wieder auf. Durch diese Zustände, gegen welche es leider keinen Schutz gibt, entsteht die Müllkalamität. Hausbesitzer und Mieter müssen daher in dieser schwierigen Zeit Nachsicht üben. Die beteilig­ten Faktoren sind eifrig bemüht, nach Kräften für Abhilfe der jetzigen Mißstände zu sorgen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 258 – Mittwoch, 3. November 1915
Der fleischlose Tag. Manche Hausfrau war gestern vormittag nicht wenig überrascht, als sie ihre Einkäufe beim Schlächter machen wollte, den Laden aber geschlossen fand. Viele Frauen hatten eben vergessen, daß gestern zum ersten Male die neue Bundesratsverordnung in Geltung trat, nach welcher Dienstags und Freitags Fleisch und Fleischwaren nicht verkauft werden dürfen. Viele andere Hausfrauen hatten jedoch an die neue Verordnung gedacht und am Montag abend die Schlächterläden förmlich gestürmt, als müßten sie Hungers sterben, wenn sie einmal ohne Fleisch sich behelfen müssen. Man darf wohl annehmen, daß der Sturm auf die Fleischerläden nur in der ersten Aufregung über die neuen bundesratlichen Bestimmungen erfolgt ist und die Hausfrauen künftig die fleischlosen Tage besser respektieren werden, denn sonst wird an diesen Tagen tatsächlich nur in den Restaurants an Fleisch gespart, und damit wird nichts oder nur wenig erreicht. – In den hiesigen Gastwirtschaften spielten gestern auf den Speisekarten die Fische ein große Rolle; man konnte Karpfen, Schellfisch, Kabliau usw. in den verschiedenen Zubereitungen erhalten. Auch Eierspeisen und Kartoffelgerichte fehlten nicht und statt der sonst üblichen Kraftbrühe gab es Kürbissuppe. Gewiß alles schmackhafte und sehr nahrhafte Speisen, welche die sonst gewohnten Fleischgerichte gar nicht vermissen ließen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 232 – Sonntag, 3. Oktober 1915
Ein tiefbedauerlicher Doppelselbstmord erfolgte am Freitag in der Fuldastraße 33. Hier wurden gegen 12 Uhr mittags der 30jährige Schlosser Richard Ehrenfeld sowie seine 25jährige Ehefrau Ella, geb. Westphal, in dem Schlafzimmer ihrer gemeinschaftlichen Wohnung im Bett von einem Kollegen Otto B. mittels Leuchtgas vergiftet, tot aufgefunden. E., der am 1. Oktober d. J. zum Militärdienst einberufen war, hatte am Donnerstag einen Brief an B. geschrieben, worin er diesem mitteilt, daß er sich mit seiner Ehefrau das Leben nehmen wolle. B. ließ darauf in Gegenwart des Hauseigentümers die Wohnungstür öffnen und fand die ihm im Briefe gemachten Angaben leider bestätigt. Wie festgestellt, hatte E. in dem Schlafzimmer die Hängelampe abgeschraubt und so das Gas ausströmen lassen. Da bei beiden die Leichenstarre bereits eingetreten war, so wurde von der Hinzuziehung eines Arztes Abstand genommen. Das Motiv der unglückseligen Tat dürfte auf die bevorstehende Trennung der beiden Eheleute durch die Einberufung des Mannes, die in guten Verhältnissen und glücklicher Ehe lebten, zurückzuführen sein. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in der Wohnung belassen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 205 – Donnerstag, 2. September 1915
Eine große Plansch­wiese ist durch den Wolkenbruch am Sonntag auf dem östlichen Teil des Tempelhofer Feldes entstanden; sie wird von der lieben Jugend fleißig benutzt. Rot wie die Krebse, übermütig wie losgelassene Füllen tollen die Kleinen zum Vergnügen der Großen, bald im Wasser, bald im Sande des Feldes umher. Kein künstlich hergerichteter Spielplatz war so von früh bis spät vom Jauchzen der frohen Kinderschar erfüllt, wie dieses Planschbecken. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 179 – Dienstag,  3. August 1915
Unser Mädchen für alles. Am Sonntag vormittag wurde die Feuerwehr nach dem Grundstück Kopfstraße 9 gerufen. Dort war ein Pferd des Fuhrherrn Werk im Stalle umgefallen und vermochte nicht wieder auf die Beine zu kommen. Die Feuerwehr hob den Gaul in wenig Minuten auf.

Nr. 191 – Dienstag,  17. August 1915
Eckenstehen verboten. Das stellvertretende Generalkommando des 4. Armeekorps hat zum Schrecken aller Eckensteher und Müßiggänger eine Verordnung erlassen, wonach alle Männer, die keine Arbeitsgelegenheit haben, und die sich nichtstuend und faulenzend umhertreiben, von der Polizei festzunehmen und in eine Arbeitsanstalt zu bringen sind. In Halberstadt sind allein zwölf solcher Eckensteher festgenommen und nach dem Arbeitshaus in Seyda gebracht worden. – Sehr nachahmenswert! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 151 – Donnerstag, 1. Juli 1915
Die mangelnde Einfuhr pflanzlicher und tierischer Fette und Oele macht es zur Zeit notwendig, die zur Verfügung stehenden Mengen an solchen Stoffen mit größter Sparsamkeit zu verwenden und die aus den Hauswirtschaften fallenden Fettabgänge gewerblichen Zwecken zuzuführen. Größere Gastwirtschaften namentlich sollten deshalb darauf bedacht sein, die bedeutenden Fettabgänge aus ihren Betrieben in geeigneter Weise sorgsam aufzufangen und an Seifenfabriken oder ähnliche Gewerbebetriebe regelmäßig abzugeben. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 130 – Sonntag  – 06. Juni 1915
Gegen die französischen Parfüme und kosmetischen Präparate wehren sich die Friseure und Drogenhandlungen jetzt energisch. Es sollen in Zukunft alle französischen Haarwasser, parfümierte Essenzen und Bartpflegemittel, sowie überhaupt alle kosmetischen Präparate nicht mehr geführt werden, weil man der Anschauung ist, daß die deutsche Industrie in der Lage sei, alle diese Artikel aus eigener Kraft ebenso vollkommen herstellen zu können, wie die französischen Firmen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 103 – Dienstag,  04. Mai 1915
Volkstümliche Sprache in Neukölln. Unter dieser Spitzmarke berichtete die »Voss. Ztg.« folgendes: Bei einem Ferngespräch soll ein Beamter des Königl. Amtsgerichts das Wort »anquatschen« gebraucht haben. Da darin ein unpassender Ausdruck gefunden wurde, reichte man beim Amtsgericht Beschwerde ein, worauf folgende Antwort einging: »In Sachen G. u. Sch. Zwangsverwaltung teilen wir Ihnen auf Anordnung des Königl. Amtsgerichts folgendes mit: Da der Zwangsverwalter bestreitet, die angegebene Äußerung »anquatschen« getan zu haben, bin ich nicht in der Lage, irgend etwas zu veranlassen. Uebrigens ist »anzuquasseln« hier eine volkstümliche Bezeichnung für »telephonisch anrufen«, und man nennt den Fernsprecher auch »Quasselstrippe«. Ich hätte übrigens auch weiter nichts veranlaßt, wenn die Sache erwiesen wäre, als dem Verwalter gesagt, er solle sich bei möglicherweise empfindlichen Leuten nicht so volkstümlich ausdrücken. Unterschrift: unleserlich. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 83 – Sonnabend, 10. April 1915
Warnung vor Butterschwindlerinnen! Seit einiger Zeit wird hier von Händlerinnen, welche die Wohnungen aufsuchen, sogenannte »Landbutter« zum Kauf angeboten. Sie halten diese in halbpfündigen großen blumenverzierten Stücken zum Preise von je 75 Pfg. feil. Später stellt es sich dann heraus, daß es sich um »Margarine« geringerer Qualität handelt. Die Käuferinnen sind mithin betrogen worden. Es hat den Anschein, als ob eine ganze Anzahl von Personen diesen Schwindel gewerbsmäßig betreibt. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 53 – Donnerstag, 04. März 1915
Pappelabholzung auf dem Tempelhofer Felde. Mehr als ein Dutzend alter Pappeln, die den Ringbahndamm in der Nähe des Bahnhofs Papestraße gegen die Westseite des Tempelhofer Feldes begrenzten, sind nunmehr der Axt zum Opfer gefallen. Das Gelände am Ringbahndamm, das der Eisenbahnverwaltung gehört, wird gegenwärtig für Laubenkolonisten hergerichtet und parzellenweise an Beamte und Arbeiter der Staatsbahn vergeben, um mit der Bestellung von Frühkartoffeln und Gemüse zu beginnen. Da die alten Bäume sehr viel Platz beanspruchten und auch infolge ihres Schattens dem Gemüseanbau hinderlich sind, mußten sie leider das Feld räumen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

NK_Tagblatt-KopfNr. 28 – Mittwoch,  03. Februar 1915
Berechtigte Klagen über den Mangel an Nickelgeld. In fast allen Kreisen geschäftlicher Unternehmungen wird seit Beginn des Krieges schwer über den Mangel an Nickelgeld geklagt. Dieser Mangel ist in erster Linie auf die Sammelbüchsen der verschiedenen Vereinigungen zurückzuführen. Die Sammelbüchsen enthalten meistens Nickelmünzen im ungefähren Betrage von je 50 Mark. Bleiben von diesen Büchsen 10.000 Stück längere Zeit und zwar, wie es vorgekommen ist, über vier Monate ungeleert, so ergibt dies einen dem Geldverkehr vorenthaltenen Betrag von einer halben Million Mark. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 1 – Freitag,  01. Januar 1915
Wenn wir Weißbrot und Kuchen, so wie wir es bisher gewohnt waren, weiter essen, wird unser Vorrat an Weizen höchstens noch bis zum April reichen. Früher wurde unser deutscher Weizenvorrat durch eine Zufuhr von etwa vierzig Millionen Zentnern aus dem Auslande ergänzt, von dieser Zufuhr sind wir jetzt abgeschnitten. Es heißt also, sich beizeiten daran zu gewöhnen, nur Roggenbrot zu essen. Dies ist für gesunde und kräftige Menschen nicht schwer, für schwache und kranke aber um so schwerer. Darum ist es die Pflicht jedes gesunden Menschen, schon jetzt auf Weißbrot und Kuchen zu verzichten, damit das Weizenmehl für die, die es nur sehr schwer entbehren können, länger reicht. Es geziemt sich auch nicht, daß wir uns hier in Festkuchen, Stollen, Pfannkuchen, feinen Backwaren usw. gütlich tun, während die Blüte unserer Nation draußen im blutigen Ringen steht und den größten Entbehrungen ausgesetzt ist. Wir müßten uns schämen, wenn wir nicht einmal ein so kleines und unbedeutendes Opfer zu bringen vermöchten. Weihnachten ist vorüber, und es sind gewaltige Mengen von Weizenmehl zu Kuchen verwendet worden. Damit ist es aber genug. Von jetzt ab gehört kein Kuchen mehr in ein deutsches Haus. Betä­tigt diese Gesinnung auch schon zu Neujahr! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr 281 – Dienstag, 01. Dezember 1914
Die Aufgabe von Weihnachtspaketen für unsere Krieger zeitig­te in den letzten Tagen auf dem hiesigen Hauptpostamt einen solchen Ansturm, daß die Paket=Annahmestelle zeitweise geschlossen werden mußte. Freilich hatte sich unsere Post auch in keiner Weise für diesen Ansturm, der vorauszusehen war, vorbereitet. Nur wenige Beamte standen zur Abfertigung des Publikums zur Verfügung, so daß sich die Abnahme der Pakete in einem wahren Schneckentempo bewegte. Hunderte von Paketaufgebern mußten daher stundenlang geduldig im Schalterraum harren, bis sie ihr Paket loswurden, und wem diese Zeit fehlte, mußte leider mit seinem Paket wieder den Heimweg antreten. Es ist bedauerlich, daß auch hierbei unsere Post wieder einmal gänzlich versagte. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 259 – Mittwoch, 04. November 1914
Wem gehören die aus Wunden entfernten Geschosse? Eine seltsame Frage taucht auf. Vor einiger Zeit wurde an einem Berliner kriegsärztlichen Abend eine Gewehrkugel gezeigt. Der Arzt, der die Kugel herumgehen ließ, schien des Glaubens zu sein, daß diese Kugel ihm gehöre. Das legt die Frage nahe, ob der Arzt, der aus einer Wunde ein Geschoß entfernt, Eigentum daran besitzt. Es ist, wie die Berliner »Aerzte=Korrespondenz« schreibt, auffallend, daß die Juristen bisher an die­sem Thema fast achtlos vorübergegangen sind, obwohl vor einigen Jahren ein ähnlicher Fall bereits die Gerichte beschäftigt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 237 – Freitag,  09. Oktober 1914
Uebergabe des Reuterbrunnens. Am Dienstag, den 13. Oktober, vormittags 11 Uhr, findet auf dem Reuterplatz die Uebergabe des Reuterbrunnens statt. Eine offizielle Feier findet nicht statt. Es werden der Vorstand des Komitees sowie Mitglieder der Gartenbau= und Hochbaudeputation zugegen sein. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 206 – Donnerstag, 03. September 1914
Um bei der durch den Kriegszustand herbeigeführten Verteuerung einer Anzahl von Lebensmitteln der Bevölkerung ein nahrhaftes, wohlschmeckendes, gut bekömmliches und billiges Brot zu verschaffen, hat Herr Polizeipräsident Becherer mit der hiesigen Bäckerinnung vereinbart, daß vorläufig eine Anzahl Bäckermeister Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 182 – Donnerstag, 06. August 1914
Feldpostbriefe. Bei sämtlichen Postanstalten und den amtlichen Verkaufstellen für Postwertzeichen werden Formulare zu Feldpostkarten und Briefumschläge zu Feldpostbriefen die für den Gebrauch zu Mitteilungen an die mobilen Truppen bestimmt und zu dem Zwecke auf der Vorderseite mit entsprechendem Vordrucke versehen sind, zum Verkauf an das Publikum bereitgehalten. Die Briefumschläge können sowohl zu gewöhnlichen, als auch zu Geldbriefen benutzt werden. Der Verkaufspreis für die Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 130 – Sonnabend, 6. Juni 1914
Die Telegraphen= und Fernsprechleitungen sind im vergangenen Jahre mutwilligen Beschädigungen noch zahlreicher ausgesetzt gewesen als früher. In der Regel sind es Schulkinder und junge Leute, auch Fortbildungsschüler, die ohne richtige Erkenntnis der Tragweite ihrer Handlung die Porzellanglocken zur Zielscheibe ihrer Neuköllner Alltägliches weiterlesen