Archiv der Kategorie: 100 Jahre Neukölln

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 266 – Sonntag, 10. November 1918
Eine Extraausgabe des »Vorwärts« meldet: Generalstreik! Der Arbeiter= und Soldatenrat von Berlin hat den Generalstreik beschlossen. Alle Betriebe stehen still. Die notwendige Versorgung der Bevölkerung wird aufrecht erhalten. Ein großer Teil der Garnison hat sich in geschlossenen Truppenkörpern mit Maschinengewehren und Geschützen dem Arbeiter= und Soldatenrat zur Verfügung gestellt. Die Bewegung wird gemeinschaftlich geleitet von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Unabhängigen sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Arbeiter, Soldaten, sorgt für Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung. Es lebe die soziale Republik! Der Arbeiter= und Soldatenrat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 235 – Samstag, 5. Oktober 1918
Auszeichnung von Dienstboten. Beim Vaterländischen Frauenverein Neukölln besteht die Einrichtung, daß Dienstboten von Mitgliedern nach 5, 10 und 20jähriger Tätigkeit bei ein und derselben Herrschaft durch einen Ehrenbrief, ein Geldgeschenk und (bei mehr als 10jähriger Tätigkeit) durch die Verleihung einer Silberbrosche ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung kann auch Dienstboten solcher Dienstherrschaften zuteil werden, die bisher noch nicht dem Vaterländischen Frauenverein angehört haben, sich aber zum Eintritt in den Verein und zu Leistungen in Höhe der entstehenden Aufwendungen verpflichten. Die Auszeichnung findet regelmäßig zum Geburtstage der Kaiserin statt und soll auch in diesem Jahre wieder zu diesem Tage ins Werk gesetzt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 206 – Sonntag, 1. September 1918
Das Ende des «Dutzend«. Die Reichsregierung beabsichtigt, in dem neuen Zolltarif, die Maßeinheit des »Dutzend« durch das «Zehnt« zu ersetzen, um der Unstimmigkeit, die die Zwölferrechnung in unserem Dekadensystem darstellt, den Garaus zu machen. Schon die gegnwärtig stattfindende Leipziger Messe soll mit dem Werke des Ersatzes des Dutzend durch das Zehnt praktisch beginnen und somit bahnbrechend und vorbildlich wirken. In absehbarer Zeit wird also das Dutzend jenen Gang gehen, den vorher schon Mandel und Schock, Elle und Zoll, Unze und Lot gegangen sind. Tatsächlich fügt sich die Zehnerrechnung unserem ganzen System besser ein. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 180 – Freitag, 2. August 1918
Die bargeldlose Zahlung, eine Forderung der Stunde! Die Veredelung der Zahlungssitten steht an Bedeutung in nichts nach der Goldsammelbewegung oder der Kriegsanleihepropaganda; denn »der einzige Vorsprung, den England sich vor unserer Geldwirtschaft im Kriege bewahrt hat, liegt auf dem Gebiete des Umlaufs der papiernen Zahlungsmittel«. Diesen in München gesprochenen Worten ließ der Reichsbankpräsident unmittelbar darauf die Tat folgen; er rief am 2. Mai d.J. eine Organisation der Werbearbeit für den bargeldlosen Zahlungsverkehr über ganz Deutschland ins Leben, welche die Unterstützung sämtlicher Reichs und Staatsbehörden, sämtlicher Bundesregierungen und einer Reihe von maßgebenden Privatverbänden und Instituten gefunden hat. Die neue Organisation wendet sich jetzt an alle Kreise der Bevölkerung mit der Bitte, durch die Abkehr von veralteten Zahlungsgewohnheiten und den Uebergang zu edleren Zahlungssitten die Lücke schließen zu helfen, welche in der deutschen Rüstung noch klafft! Ein Plakat soll der Allgemeinheit das Wesen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs versinnbildlichen und jeden daran mahnen, sich ein Konto bei einem Geldinstitut oder dem Postscheckamt errichten zu lassen und dort alles nicht benötigte Bargeld einzuzahlen; er schafft sich dadurch selbst den größten Vorteil und stärkt obendrein die deutsche Geldwirtschaft. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 161 – Mittwoch, 10. Juli 1918
Keine Frauen als Standesbeamte. Der Minister des Innern hat, wie wir erfahren, durch einen kürzlich den Regierungen mitgeteilten Erlaß dahin entschieden, daß die Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stellvertretern unzulässig sei. Die Verwaltungsbehörden der Stadt= und Landkreise sind infolgedessen ersucht worden, diese Entscheidung bei künftigen Vorschlägen für diese Aemter zu beachten. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 135 – Sonntag, 9. Juni 1918
Strenges Tischtuchverbot. Die Reichsbekleidungsstelle hat, wie bekanntgegeben, vor längerer Zeit ein Tischtuchverbot für die Gastwirtschaften und Hotels erlassen. Eine Ausnahme war nur für diejenigen Wirtschaften gestattet worden, deren Tische mit Fries belegt sind. Da vielfache Umgehungen dieses Verbots festgestellt worden sind, so hat sich die Reichsbekleidungsstelle entschlossen, ein allgemeines Tischtuchverbot anzuordnen. Das neue Verbot tritt mit dem 1. Juli in Kraft. Von dem Verbot werden jetzt auch die Klubs, Kasinos, Kantinen usw. betroffen. Papiergarntischtücher dürfen auch ferner verwendet werden. Bei Privatgesellschaften, Hochzeiten usw. dürfen Tischtücher verwendet werden, wenn sie von den Veranstaltern mitgebracht werden. Die durch das strenge Verbot gewonnenen Wäschestücke sollen in erster Linie für Säuglingswäsche benutzt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr 104 – Donnerstag, 2. Mai 1918
Oeffnung des Körnerparks. Um den Bürgern unserer Stadt Gelegenheit zu geben, den Körnerpark zu besichtigen, wird derselbe am Sonntag, den 5. und 12. Mai nachmittags von 4 – 6 Uhr, ausnahmsweise geöffnet gehalten werden. Eine weitere Freigabe wird voraussichtlich vorläufig nicht erfolgen können, da es nicht möglich war, die für den Park notwendigen Bänke zu beschaffen, es auch an Personal zur Beaufsichtigung mangelt. Der Magistrat läßt aber dringend darum bitten, darauf zu achten, daß Beschädigungen jeder Art vermieden werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 80 – Donnerstag, 4. April
Oeffentliche Meinung. Die Wohnungsnot. Von allen Stadtverwaltungen werden jetzt Mittel und Wege gesucht, um der Wohnungsnot zu steuern, und zwar handelt es sich um kleinere Wohnungen. Allerdings sind nun schon die Dach= und Kellerwohnungen freigegeben, aber trotzdem mangelt es immer noch an 1=, 2= und 3=Zimmerwohnungen, was allerdings nur derjenige empfindet, der gezwungen ist, auf die Wohnungssuche zu gehen. Es ist nun recht unverständlich, daß der hiesige Magistrat so wenig Rücksicht auf die bestehende Wohnungsnot nimmt und innerhalb eines halben Jahres sämtlichen Mietern eines Hauses kündigt, angeblich für Zwecke der Kleidungsstelle. Ein Teil der geräumten Wohnungen ist diesem Zwecke schon übergeben und jeden Tag kommen Wagen mit alten Möbeln, Betten usw., welche darin untergebracht werden, um dann wieder hergerichtet und später an die heimkehrenden Krieger billig verkauft zu werden. Die Vorsorge des Magistrats in dieser Beziehung ist sehr anerkennenswert, aber ist es nun gerade nötig, zu diesem Zwecke ein Dutzend kleine Wohnungen mit Beschlag zu belegen und der Bevölkerung die Wohnungen zu entziehen? Dadurch wird die Wohnungsnot nur erhöht. Vorteilhafter wäre es doch, für die alten Möbel usw. auf dem geräumigen Hintergelände des Hauses Schuppen oder Baracken zu bauen und dieselben darin unterzubringen, als wie schließlich infolge der sich immer mehr steigenden Wohnungsnot die Familien in Baracken unterzubringen.
Mehrere Mieter. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 54 – Sonnabend,  2. März 1918
Mit drakonischer Strenge wird jetzt gegen die »Hamster« vorgegangen. Der Oberingenieur Heinrich Koldt, Lichterfelde, wurde zu einer Woche Gefängnis und außerdem noch zu 100 M. Geldstrafe oder 200 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er Butter, Milch und Fleisch ohne Marken bezogen hatte. Der Ingenieur Bruno Gast in Treptow erhielt wegen unbefugten Bezuges von Lebensmittelkarten 100 M. Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis. Wenn diese Verurteilungen ausgedehnt werden, gibt es binnen kurzer Zeit keinen unbestraften Menschen mehr. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 27 – Freitag,  1. Februar 1918
Die Ausstandsbewegung. Der verbotene Arbeiterrat. Das Oberkommando in den Marken erläßt folgende Bekanntmachung: »Aus den Meldungen über den Verlauf der gegenwärtigen Streikbewegung in Großberlin habe ich ersehen, daß sich ein Ausschuß der Ausständigen unter dem Namen »Arbeiterrat« gebildet hat, um die einheitliche Leitung des Streiks in die Hand zu nehmen. Die Ausstandsbewegung, die unter Mißachtung gesetzlicher Bestimmungen ins Leben getreten ist, gefährdet die öffentliche Sicherheit. Auf Grund des § 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand löse ich hiermit den genannten Ausschuß auf und verbiete ihm jedes weitere Zusammentreten. Gleichzeitig verbiete ich jede Bildung irgend einer neuen Vereinigung zur Leitung der gegenwärtigen Streikbewegung. Der Oberbefehlhaber in den Marken, von Kessel, Generaloberst.«
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Nr. 3 – Freitag, 4. Januar 1918
Sammelt Altpapier! Die Papiernot verschärft sich mehr und mehr. Zum Teil ist sie dadurch verursacht, daß Stoffe zur Papierherstellung, die uns früher aus dem Auslande zugegangen sind, nicht mehr im früheren Maße geliefert werden. Zum Teil aber auch wird Papier jetzt vielfach zu Zwecken verbraucht, für die früher anderes Material zur Verfügung stand. Säcke und Scheuertücher, Anzüge und Textilwaren, insbesondere aber auch unsere Heeresverwaltung benötigt in steigendem Maße Papier. Unter diesen Umständen ist es die dringendste Pflicht eines jeden, alles Altpapier, möge es im Haushalt oder im Geschäft abfallen, möglichst bald der Wiederverwendung zuzuführen. Ganz besonders ist aber davor zu warnen, Altpapier, wie eine »praktische Hausfrau« vor einiger Zeit empfahl, zu Briketts zu formen und zu verbrennen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 282 – Sonntag, 2. Dezember 1917
Weit über 3 Millionen Gefangene. Kürzlich wurde von deutscher amtlicher Seite bekannt gegeben, daß die Zahl der listenmäßig in deutschen Lagern geführten Kriegsgefangenen die Ziffer von 2 000 000 überschritten habe. Die Zusammenstellung unserer österreichisch=ungarischen Bundesgenossen vom 1. November ergibt, wie wir zuverlässig erfahren, für die österreichisch=ungarische Monarchie eine Gesamtziffer an Kriegsgefangenen von über 1 000 000 Köpfen. Auch ohne Hinzurechnung der in den deutschen Aufstellungen nicht mitgezählten, in der Etappe befindlichen Kriegsgefangen sowie der von den Bulgaren und Türken eingebrachten Kriegsgefangen ergibt das allein für Deutschland und Österreich=Ungarn eine Zahl von weit über 3 000 000 Mann. Erinnert man sich bei dieser Gelegenheit, daß vor wenigen Tagen Lord Curzon im englischen Oberhause voller Stolz verkündete, die Engländer hätten auf allen Kriegsschauplätzen im Ganzen bisher 159 000 Gefangene gemacht, so sieht auch der Blinde, wo in diesem Kriege die Sieger zu suchen und zu finden sind. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 259 – Sonnabend, 3. November 1917
Einen Gemeinsinn höchst lobenswerter Art betätigt, wie uns aus Leserkreisen geschrieben wird, der bekannte Schlächtermeister Herr Hans Bopel, Berliner Straße 1 (Rollkrug), indem er jeden Freitag zwischen 2 und 3 Uhr warme Wurstsuppe unentgeltlich an Bedürftige abgibt. Man kann um diese Zeit zahlreiche Frauen und Kinder in den gastlich geöffneten Laden des Meisters strömen sehen, wo sie das ihnen in freundlicher Form zugeteilte Essen in Empfang nehmen und dann mit freudiger Miene nach Hause tragen. Zur Nachahmung an anderen Stellen empfohlen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 233 – Donnerstag, 4. Oktober 1917
Giftmord an einem Säugling. Im Krankenhause Bethanien starb das vier Wochen alte Kind Ilse der Arbeiterin Minna Roskoden, das von der Mutter dorthin gebracht worden war, unter Vergiftungserscheinungen. Unter dem dringenden Verdacht, das Kind vergiftet zu haben, wurde der Geliebte der Roskoden und der Vater des unehelichen Kindes, der Arbeiter Franz Metag, festgenommen. Er soll am 30. September in der Wohnung der Roskoden gewesen sein und in die Milch Gift gemischt haben. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 206 – Dienstag, 4. September 1917
Gegen die hohen Absätze. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit vorgekommenen schweren Unfälle, bei denen Schaffnerinnen überfahren, getötet oder schwer verletzt worden sind, haben die Preußischen Eisenbahnverwaltungen den Schaffnerinnen das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verboten.

Nr. 212 – Dienstag, 11. September 1917
Die Vorschriften für die feindlichen Ausländer werden jetzt in Berlin auch für die chinesischen Staatsangehörigen angewendet, nachdem uns China den Krieg erklärt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 184 – Donnerstag, 9. August 1917
Fort mit den Ohrringen! Zur Stärkung seiner finanziellen und wirtschaftlichen Rüstung verlangt das Vaterland von uns das Gold in jeder Form. Erfreulicherweise wird jetzt den Goldankaufstellen auch Goldschmuck in stärkerem Maße zugeführt. Bei dieser Gelegenheit sei die schon oft gehörte Mahnung: »Fort mit den Ohrringen!« wiederholt, denn jetzt bietet sich Gelegenheit, diesen mehr als überflüssigen Schmuck, gegen den auch vom Kulturstandpunkt schwere Bedenken geltend gemacht werden, ehrenvoll auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. Und hofentlich für immer. Denn dieser Schmuck, zu dessen Anbringung das Ohrläppchen durchbohrt werden muß, ist ein Ueberbleibsel aus grauer Vorzeit, er erinnert an Gewohnheiten wilder Völkerschaften, die bei der Verwendung von Schmucksachen sogar ihren Leib zu verunstalten lieben. Die Nasenringe, die klirrenden Fußringe und Fußketten, gegen die die Propheten des Alten Testaments eiferten, sind im zivilisierten Europa zwar verschwunden, aber der Ohrring ist noch geblieben. Allerdings gibt es bei uns viele deutsche Frauen, die diesen halbbarbarischen, weil das Ohr verunstaltenden »Schmuck« verschmähen, aber viele tragen ihn noch aus alter Gewohnheit. Jetzt ist es an der Zeit, hiermit vollständig aufzuräumen. Der Kultur ist damit ebenso gedient wie der Reichsbank. Wenn man bedenkt, daß das Deutsche Reich 35 Millionen weiblicher Wesen zählt, von denen manche auch doppelte und mehrfache wertvolle »Garnituren« besitzen, so könnte durch die Einschmelzung dieses Goldes eine recht erhebliche Summe dem Goldbestand der Reichsbank zugeführt werden. Also fort mit den Ohrringen zugunsten des deutschen Vaterlandes! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 155 – Freitag, 6. Juli 1917
Eine wohlverdiente Ohrfeige. Es gibt leider immer noch Frauen, die den Wucher unterstützen, indem sie sich zur Zahlung beliebig hoher Preise erbieten. An die Unrechte kam aber eine solche am letzten Markttage in Friedenau. Vor einem Gemüsestande erhandelt eine Frau Kohlrabi und ist eben auf den Preis von 2,75 M. Einig geworden. Da ruft eine »Dame« hinter ihr der Verkäuferin zu: »Lassen Sie mir die Kohlrabi; ich gebe Ihnen 3 M.« Schon dreht sich die erste Käuferin um und gibt ihrer Konkurrentin links und rechts eine Ohrfeige mit den Worten: »So, nun bezahlen Sie die Ohrfeigen auch gleich mit.« Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 130 – Donnerstag, 7. Juni 1917
Alle Spargelschalen sollten als Wintersuppengewürze sorgsam gesammelt werden. Nach dem Schälen flüchtig gewaschen, breitet man sie auf einem Tuche aus, das man am besten wie eine Hängematte auf die Beine eines umgedrehten Stuhles spannt. Völlig getrocknet, zerschneidet man sie mit der Schere in recht kleine Stückchen, damit sie unter das getrocknete Suppengemüse gemischt werden können. Sie verleihen jeder Suppe einen feinen diskreten Spargelgeschmack. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 106 – Dienstag,  8. Mai 1917
Bettwäsche für »Stadtkinder auf dem Lande«. Die Reichsbekleidungsstelle teilt mit: Die besonders in Stoffen für Bettwäsche herrschende Knappheit gestattet es nicht, für Stadtkinder, die zur besseren Ernährung auf das Land geschickt, dort also nur zeitweilig beherbergt werden, Bettwäsche zu ihrer Unterbringung neu zu bewilligen. Es ist darauf hinzuwirken, daß die Kinder aus den vorhandenen Beständen des Beherbergenden versorgt werden oder die Angehörigen der Kinder die für diese vorhandene Bettwäsche mitgeben oder nötigenfalls nachsenden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 78 – Dienstag,  3. April 1917
Weitere Einschränkung des Papierverbrauchs. Nunmehr wird auch die Herstellung von Büchern und Zeitschriften eingeschränkt. Der Reichskanzler hat soeben eine Bekanntmachung erlassen, durch die für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni das Kontingent auf 90 v. H. derjenigen Menge festgesetzt wird, die – berechnet auf einen Zeitraum von 3 Monaten – im Vorjahre zur Herstellung von Büchern und Zeitschriften verwendet worden ist. – Hoffentlich werden nun auch die Behörden etwas sparsamer mit Papier. Es kommt aber nicht darauf an, daß sie ihre Aktenbogen um die Hälfte verkleinern, sondern sie sollten auch die Herstellung von Aufklärungsschriften, neuen Zeitschriften und dergleichen ein klein wenig beschränken. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 50 – Donnerstag, 1. März 1917
Fleischliche Genüsse am goldenen Hochzeitstage. In letzter Zeit haben sich die Anträge auf Ueberweisung von Fleisch zu Festlichkeiten sehr vermehrt. Die Reichsfleischstelle ist aber nicht in der Lage, diese Anträge berücksichtigen zu können und wird in Zukunft Fleischzulagen nur für die Feier der goldenen Hochzeit bewilligen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 31 – Mittwoch, 7. Februar
»Keine Ereignisse von Bedeutung.« Wenn von den verschiedenen Kriegsschauplätzen in den letzten Tagen gemeldet wurde »Keine Ereignisse von Bedeutung«, so hat indessen doch nirgends der Kampf auch nur eine Sekunde gestockt. Auf der gesamten 2000 Kilometer langen Front in Belgien, Frankreich, Rußland, Rumänien und Mazedonien stehen in den Gräben=Labyrinthen die Truppen zu jeder Stunde des Tages und der Nacht am Gewehr, stets bereit, jeden Versuch des belagerten Feindes, den Gürtel der Belagerer zu sprengen, zurückzuweisen. Die Beobachter der Artillerie und Minenwerfer stehen Tag und Nacht auf ihren Posten. Die Batterien, verborgen in Wäldern, in Schnee und Eis versunken, sind jede Minute feuerbereit. An Hunderten von Abschnitten kommt es zu Artilleriekämpfen, Feuerüberfällen und heftigen Kanonaden, die Zähigkeit und Pflichttreue verlangen, auch blutige Opfer fordern. In der Nacht schieben sich Patrouillen vor die Drahtverhaue, kauern die Horchposten in Sappenköpfen und Granattrichtern und vollbringen stille Heldentaten, die nieman kennt. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 1 – Mittwoch, 3. Januar 1917
Der Jahreswechsel wurde in Neukölln in stiller Weise gefeiert. Die Lokale hatten sich zahlreichen Besuches zu erfreuen, aber die Stimmung der Gäste entsprach meist dem Ernste der Zeit. Auf den Straßen wurde es etwas lebhafter, als um 12 Uhr die Kirchenglocken feierlich das neue Jahr einläuteten. Auch als um 1 Uhr die sämtlichen Lokale ihre Gäste entließen, herrschte eine Zeitlang auf den Straßen reges Leben. Allgemeines Aergernis erregten beim Publikum zahlreiche halbwüchsige Burschen und Schuljungen, welche mit Feuerwerkskörpern und Schußwaffen stundenlang auf den Straßen den ärgsten Unfug trieben. Der Neujahrstag selbst verlief in Neukölln in ruhigster Weise. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 288 – Freitag, 8. Dezember
Kriegs=Weihnachtsbäu­me. Das Kriegsernährungsamt schreibt: Bei der Knappheit an Fett, Seife und Lichtern ist in diesem Jahre eine freiwillige Einschränkung in Gebrauch von Weihnachtskerzen dringend geboten. Am schönsten wäre es, wenn jedem Weihnachtsbaum nur eine einzige Kerze aufgesteckt würde. Die Bedeutung und die Feierlichkeit des Vorganges würde dadurch in keiner Weise beeinträchtigt. Den Kindern aber, für die ja die Weihnachtsbäume hauptsächlich bestimmt sind, wird es eine wertvolle Erinnerung für ihr ganzes Leben bleiben, daß im Kriegsjahr 1916 nur eine einzige Kerze an ihrem Baum brennen durfte. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 273 – Sonntag, 19. November 1916
Kohlrüben als Kartoffelersatz. Das Kriegsernährungsamt hat der Reichskartoffelstelle den Auftrag gegeben, in möglichst großem Umfange Kohlrüben aufzukaufen, um dort, wo infolge länger anhaltenden Frostes nicht genügend Speisekartoffeln zur Verfügung stehen, Kohlrüben als Ersatz überweisen zu können. Den Bedarfsverbänden, die Kohlrüben wünschen, wird zunächst die Menge überwiesen werden können, die ausreicht, um für 6 Wochen an Stelle von Kartoffeln Kohlrüben zu geben, unter Zugrundelegung einer doppelten Rübenration gegenüber den für Speisekartoffeln geltenden Tageskopfmengen. Die Kohlrübe soll hierbei nicht etwa die Kartoffeln ganz ersetzen, sondern eine Zugabe bilden, wenn es infolge der Witterungsverhältnisse nicht möglich ist, die Kartoffelration in voller Höhe zu verabfolgen. Daß die Kohlrübe ein sehr gutes und bekömmliches Nahrungsmittel ist, das in vielen Landesteilen auch sich bereits im Frieden sehr eingebürgert hat, ist bekannt. Die Kohlrübe hat überdies den Vorteil, daß sie weniger frostempfindlich ist als die Speisekartoffel, so daß sie auch bei mäßigem Frost ohne Schaden transportiert werden kann. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 233 – Mittwoch,  4. Oktober 1916
Nur alle 10 Tage ein Ei. Noch vor dem 1. Oktober waren alle Neuköllner glücklich im Besitz der Eierkarte, die bis zum Weihnachtsfest Gültigkeit hat. Man gab sich damit zufrieden, daß man 1 Ei für die Woche erhalten sollte. Aber plötzlich am 2. Oktober erfuhr man, daß die Reichs=Eierstelle sich die Sache anders überlegt hat. Nur auf 10 Tage sollte 1 Ei kommen. Nun waren die Karten in Großberlin, die auf Wochenabschnitte lauteten, bereits verteilt, ein Einziehen dieser Karten hätte große Schwierigkeiten bereitet, nicht minder eine Ausgabe neuer. Da ursprünglich von der Z.E.G. 2000 Kisten zu 24 Schock für Großberlin in Aussicht gestellt waren, so hätte auch die Verteilung, wie sie angekündigt war, vorgenommen werden können. Wie die »Voss. Ztg.« hört, hat die Reichs=Eierstelle die Z.E.G. angewiesen, statt der 2000 Kisten nur 1500 Kisten für Großberlin zur Verfügung zu stellen. Es solle dies in weiser Voraussicht geschehen sein, um Vorräte für spätere Zeit in Bereitschaft zu haben. Die jetzt zurückgehaltenen Eier sollen in Kühlhäuser gelegt werden. Manche Sachverständige meinen freilich, daß der rechte Zeitpunkt für die Einlagerung in Kühlhäuser bereits verpaßt sei. Dagegen muß man sich aber mit aller Entschiedenheit wenden, daß wieder einmal in Großberlin im letzten Augenblick herumexperimentiert wird. Alle Maßnahmen, die von den Gemeindeverwaltungen Großberlins hinsichtlich der Eierversorgung getroffen wurden, gingen davon aus, daß 1 Ei auf den Kopf der Bevölkerung für die Woche kommen sollte. Man kann dann nicht plötzlich ohne weiteres verfügen, daß dieses Ei für 10 Tage reichen soll. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 210 – Donnerstag, 7. September 1916
Die Verwertung der Brennesseln. Das Einsammeln der Brennesseln, deren Verwertungsmöglichkeiten uns der Krieg gelehrt hat, soll in diesem Jahre bis Ende Oktober fortgesetzt werden, da es darauf ankommt, möglichst große Mengen Nesselstengel zu ernten.

brennesseln
                                   Foto: Historisches Plakat

Für das kommende Jahr wird man daran festhalten müssen, daß die beste Zeit für das Ernten der Brennesseln von Ende Juni bis Ende Juli ist. Zu dieser Zeit hat die Blüte der Nessel eingesetzt, die Faser ist reif und in höchster Ausbeute vorhanden. Bei späterer Ernte verholzt der Stengel, die Faser selbst wird gröber und ein Teil der Faser geht außerdem in Holz über. Da in diesem Jahre die Organisation zum Sammeln der Brennesseln erst spät eingesetzt hat, müssen die Bedenken gegen eine verspätete Ernte diesmal fortfallen. Die Brennesselfaser=Verwer­tungs=Gesellschaft m.b.H. (Berlin W. 66, Wilhelmstr. 91) übernimmt die völlig getrockneten und entblätterten Nesselstengel zum amtlichen Preise von 14 M. für 100 Kg. Der Prozentsatz, der nach der Trocknung bleibt, ist je nach Standort der Nessel sehr verschieden. Es gibt Brennesseln, die durch die Trocknung 88 Prozent an Gewicht verloren, während andere nur bis zu etwa 56 Prozent einbüßten. Für den Sammler ergibt sich dadurch eine Erhöhung der Entlohnung für seine Arbeit, daß die Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 178 – Dienstag, 1. August 1916
Weibliche Schalterbeamte sind jetzt auf verschiedenen Großberliner Postämtern, auch in Neukölln, eingestellt worden. Sie versehen an denjenigen Schaltern Dienst, in denen Postanweisungen, Einschreibebriefe und Zahlkarten für den Postscheckverkehr entgegengenommen werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 162 – Donnerstag, 13. Juli 1916
Der Körnerpark. Die verhältnismäßig arme Ausstattung des inneren ältesten Stadtteils Neuköllns mit größeren Erholungsplätzen und Freiflächen ließ bei der Stadtverwaltung schon früh die Erkenntnis reifen, daß man darauf bedacht sein müsse, jede sich etwa bietende Gelegenheit zu ergreifen, um durch Ankauf freien Geländes der Neuköllner Einwohnerschaft die zur Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche Zuführung von Licht und Luft zu gewährleisten. – Als im Jahre 1910 der inzwischen verstorbene Kiesgrubenbesitzer Franz Körner mit einem Verkaufsangebot seines zwischen Waßmannsdorfer, Selke=, Thomas und Schierkestraße belegenen Grundbesitzes an die Stadtgemeinde herantrat, wurde ihrerseits sogleich das Augenmerk darauf gerichtet, dasjenige Gelände, welches nach seinen Bodenverhältnissen die Möglichkeit einer günstigen städtebaulichen Entwicklung bot, einer ungünstigen Aufschließung zu entziehen. Auf dem zwischen Thomas= und Kirchhofstraße liegenden Gelände hatte in den 1880er Jahren eine erhebliche Bodenausbeute (Kiesgruben) stattgefunden, wodurch das nach der Hermannstraße zu höher belegene Gelände von dem nach der Bergstraße zu Abfallenden nahezu abgetrennt war.

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Nr. 129 – Sonnabend, 3. Juni
Keine »Kriegswurst« an fleischlosen Tagen. Sogenannte Kriegswurst, die aus Blut, Semmel und flüssigem Fett hergestellt wird, haben in letzter Zeit= Gast= und Schankwirte an den fleischlosen Tagen ihren Gästen wiederholt verabfolgt. Dieses Verfahren muß aber, wie auch von den Vertretern der Gastwirtsvereine anerkannt wird, als unlauterer Wettbewerb angesehen werden, weil es auf eine Täuschung der Käufer berechnet ist, die glauben sollen, es handle sich um wirkliche Fleischwurst. Die Herstellung und Verabfolgung derartiger Wurst an den fleischlosen Tagen ist deshalb untersagt. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 106, Sonnabend,  6. Mai 1916
Schonet unsere Waldungen! Nicht oft und dringend genug kann diese Bitte wiederholt werden. Die Oberförstereien richten auch in diesem Jahre wieder an die Ausflügler nach dem Grunewald durch Anschläge an den Eingängen zu den Forstgebieten die dringende Bitte, die Verbote des Wegwerfens von Papier, Flaschen usw., des Rauchens, des Betretens von Kulturen, Böschungen und Wiesen, der Beschädigung von Alleebäumen, Sträuchern, Jungwüchsen und Holzstapeln, des Reitens und Fahrens auf Touristensteigen zu beachten. Nur unter der einsichtsvollen Mithilfe aller wird es möglich sein, in geringerem Maße von der Zuhilfenahme polizeilichen Schutzes Gebrauch zu machen, und dem Walde Ruhe, Frieden, Schutz und dasjenige Aussehen zu sichern, das ein jeder Naturfreund zu schätzen weiß. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 82 – Donnerstag, 6. April 1916
Einen eigenartigen »Sport« treibt der 20jährige Straßenbahnfahrer Willi L. aus der Bodestraße (heute Altenbraker Straße Anm. d. Red.). Sobald er an dem Finger einer Dame einen sogenannten »Kriegsring« gewahrt, bekundet er für denselben ein außerordentliches Interesse und läßt sich den Ring schließlich zur näheren Besichtigung geben. Ist dies geschehen, steckt er den Ring ein, und wenn die Damen auch noch so heftig protestieren, ihren Ring erhalten sie nicht zurück. Wird eine Dame aber energisch, so erklärt L. bedauernd, daß er den Ring leider verloren habe. Der eigene Vater des L. teilt uns dies zur Warnung der Damen mit und bemerkt dabei, daß er von Geschädigten, die ihren Ring zurückhaben wollen, förmlich überlaufen werde. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 51 – Mittwoch, 1. März 1916
Ein für die Fleischversorgung wichtiges Ersatzmittel ist in letzter Zeit nach einem patentierten Verfahren an den Schlachthöfen unserer Großstädte hergestellt und zum Verkauf gebracht worden. Es wird De=De=Fleisch genannt und besteht zu zwei Dritteln aus getrocknetem und gewässertem Klippfisch und zu einem Drittel aus frischem Rindfleisch unter Verwendung geeigneter Gewürze. Der Preis für dieses Ersatzfleisch stellt sich verhältnismäßig billig, auf etwa eine Mark für das Pfund, Nach den bisherigen Erfahrungen bewährt sich dieses Fleisch sowohl im Geschmack als im Nährwert und wird sich in den Verbraucherkreisen allem Anscheine nach gut einführen. Auf diesem Wege wird sich eine erhebliche Streckung unserer Fleischvorräte ergeben und dem Fisch eine erhöhte Bedeutung für die Volksernährung verschaffen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

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Nr. 29 – Freitag,  4. Februar 1916
Um »Krieg spielen« zu können, sind drei dreizehnjährige Jungen in Neukölln zu Dieben geworden. Der Schüler Gustav W. aus der Weisestr., der aus der Fürsorge=Erziehung entlaufene Bruno R. aus der Selchowstr. Und der Schüler Max K., sämtlich im Alter von 13 Jahren stehend, trieben sich in letzter Zeit fast alltäglich auf dem Tempelhofer Feld herum, um »Krieg zu spielen«, wobei sie sich auch Schützengräben anlegten. Da sie nun Geld zur Beschaffung von »Waffen«, wie Luftbüchsen, Kinderpistolen usw., nicht besaßen, kamen sie auf den Gedanken, Diebstähle und Einbrüche auszuführen, um sich die Mittel zu beschaffen. Vor einigen Nächten brachen sie in ein Konfitürengeschäft in der Okerstr. ein, indem sie nach Art gewiegter Einbrecher die Eingangstür mit einem Dietrich öffneten, worauf sie die Ladenkasse stahlen und mit derselben nach dem Tempelhofer Felde eilten, wo sie den Raub untereinander teilten. Bald darauf, als W. und R. wieder auf der Straße umherlungerten, erblickten sie in der Bodestr. einen Seifenwagen, der dort einen Augenblick ohne Aufsicht stand. Sofort nahmen sie die Gelegenheit wahr und stahlen vier Kartons mit Seife, mit der sie dann in den nächsten Tagen hausieren gingen und sehr schöne Einnahmen erzielten, da Seife jetzt bekanntlich hoch im Preise steht. Schließlich fielen die jugendlichen Seifenhändler jedoch auf und wurden von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen. Sie haben jedenfalls noch weit mehr Diebstähle auf dem Kerbholz, als sie bisher eingestanden haben. R. wurde wieder in die Fürsorge=Anstalt eingeliefert; seine Komplicen werden dem Jugendrichter zugeführt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 2 – Dienstag,  4. Januar 1916
Das neue Jahr wurde in Neukölln in üblicher Weise bei Glockengeläut begrüßt. Kurze Zeit herrschte auch auf den Straßen reges Leben, wobei besonders die halbwüchsige Jugend mit Feuerwerkskörpern Unfug trieb. Die meisten Neuköllner Familien begingen den Jahreswechsel in ernster Stimmung im eigenen Heim, hat doch fast jede Familie liebe Angehörige im Felde, was eine Feststimmung nicht aufkommen läßt. Trotzdem hatten sich die hiesigen Kaffees und Gastwirtschaften eines überaus guten Besuches zu erfreuen. Als das neue Jahr begann und man sich gegenseitig unter Gläserklang beglückwünschte, war überall der innigste Wunsch, daß uns das neue Jahr den endgültigen Sieg und einen ruhmvollen, dauernden Frieden bringen möge. – Am Neujahrstage und am Sonntag machten die besten Geschäfte wieder die Kinos, die fortgesetzt überfüllt waren. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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NK_Tagblatt-KopfNr. 282 – Donnerstag, 2. Dezember 1915
Ueber die Mängel der Müllabfuhr wird schon seit längerer Zeit in Hausbesitzerkreisen lebhafte Klage geführt. Die Abholung der Müllkästen erfolgt sehr unregelmäßig, so daß auf den Höfen oft hohe Müllhaufen liegen, was den Mietern Anlaß zu Beschwerden gibt. An diesen Uebelständen tragen aber, wie uns versichert wird, die Wirtschaftsgenossenschaft Neuköllner Grundbesitzer und ihre Fuhrherrn keine Schuld. Trotz Zahlung enormer Wochenlöhne ist infolge des herrschenden Arbeitermangels kein genügendes Personal zur Müllabfuhr zu haben. Vielfach ist man auf junge Arbeiter angewiesen, die jedoch, sobald sie genügend Geld im Portemonnaie haben, die Arbeit liegen lassen, um sich einen vergnügten Tag zu machen. So kommt es, daß fast alle Wochen neues Personal eingestellt werden muß, das sich natürlich immer erst wieder einarbeiten muß. Bevor dies aber geschehen ist, geben die Arbeiter meist die ihnen nicht zusagende Beschäftigung schon wieder auf. Durch diese Zustände, gegen welche es leider keinen Schutz gibt, entsteht die Müllkalamität. Hausbesitzer und Mieter müssen daher in dieser schwierigen Zeit Nachsicht üben. Die beteilig­ten Faktoren sind eifrig bemüht, nach Kräften für Abhilfe der jetzigen Mißstände zu sorgen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 258 – Mittwoch, 3. November 1915
Der fleischlose Tag. Manche Hausfrau war gestern vormittag nicht wenig überrascht, als sie ihre Einkäufe beim Schlächter machen wollte, den Laden aber geschlossen fand. Viele Frauen hatten eben vergessen, daß gestern zum ersten Male die neue Bundesratsverordnung in Geltung trat, nach welcher Dienstags und Freitags Fleisch und Fleischwaren nicht verkauft werden dürfen. Viele andere Hausfrauen hatten jedoch an die neue Verordnung gedacht und am Montag abend die Schlächterläden förmlich gestürmt, als müßten sie Hungers sterben, wenn sie einmal ohne Fleisch sich behelfen müssen. Man darf wohl annehmen, daß der Sturm auf die Fleischerläden nur in der ersten Aufregung über die neuen bundesratlichen Bestimmungen erfolgt ist und die Hausfrauen künftig die fleischlosen Tage besser respektieren werden, denn sonst wird an diesen Tagen tatsächlich nur in den Restaurants an Fleisch gespart, und damit wird nichts oder nur wenig erreicht. – In den hiesigen Gastwirtschaften spielten gestern auf den Speisekarten die Fische ein große Rolle; man konnte Karpfen, Schellfisch, Kabliau usw. in den verschiedenen Zubereitungen erhalten. Auch Eierspeisen und Kartoffelgerichte fehlten nicht und statt der sonst üblichen Kraftbrühe gab es Kürbissuppe. Gewiß alles schmackhafte und sehr nahrhafte Speisen, welche die sonst gewohnten Fleischgerichte gar nicht vermissen ließen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 232 – Sonntag, 3. Oktober 1915
Ein tiefbedauerlicher Doppelselbstmord erfolgte am Freitag in der Fuldastraße 33. Hier wurden gegen 12 Uhr mittags der 30jährige Schlosser Richard Ehrenfeld sowie seine 25jährige Ehefrau Ella, geb. Westphal, in dem Schlafzimmer ihrer gemeinschaftlichen Wohnung im Bett von einem Kollegen Otto B. mittels Leuchtgas vergiftet, tot aufgefunden. E., der am 1. Oktober d. J. zum Militärdienst einberufen war, hatte am Donnerstag einen Brief an B. geschrieben, worin er diesem mitteilt, daß er sich mit seiner Ehefrau das Leben nehmen wolle. B. ließ darauf in Gegenwart des Hauseigentümers die Wohnungstür öffnen und fand die ihm im Briefe gemachten Angaben leider bestätigt. Wie festgestellt, hatte E. in dem Schlafzimmer die Hängelampe abgeschraubt und so das Gas ausströmen lassen. Da bei beiden die Leichenstarre bereits eingetreten war, so wurde von der Hinzuziehung eines Arztes Abstand genommen. Das Motiv der unglückseligen Tat dürfte auf die bevorstehende Trennung der beiden Eheleute durch die Einberufung des Mannes, die in guten Verhältnissen und glücklicher Ehe lebten, zurückzuführen sein. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in der Wohnung belassen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 205 – Donnerstag, 2. September 1915
Eine große Plansch­wiese ist durch den Wolkenbruch am Sonntag auf dem östlichen Teil des Tempelhofer Feldes entstanden; sie wird von der lieben Jugend fleißig benutzt. Rot wie die Krebse, übermütig wie losgelassene Füllen tollen die Kleinen zum Vergnügen der Großen, bald im Wasser, bald im Sande des Feldes umher. Kein künstlich hergerichteter Spielplatz war so von früh bis spät vom Jauchzen der frohen Kinderschar erfüllt, wie dieses Planschbecken. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

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Nr. 179 – Dienstag,  3. August 1915
Unser Mädchen für alles. Am Sonntag vormittag wurde die Feuerwehr nach dem Grundstück Kopfstraße 9 gerufen. Dort war ein Pferd des Fuhrherrn Werk im Stalle umgefallen und vermochte nicht wieder auf die Beine zu kommen. Die Feuerwehr hob den Gaul in wenig Minuten auf.

Nr. 191 – Dienstag,  17. August 1915
Eckenstehen verboten. Das stellvertretende Generalkommando des 4. Armeekorps hat zum Schrecken aller Eckensteher und Müßiggänger eine Verordnung erlassen, wonach alle Männer, die keine Arbeitsgelegenheit haben, und die sich nichtstuend und faulenzend umhertreiben, von der Polizei festzunehmen und in eine Arbeitsanstalt zu bringen sind. In Halberstadt sind allein zwölf solcher Eckensteher festgenommen und nach dem Arbeitshaus in Seyda gebracht worden. – Sehr nachahmenswert! Neuköllner Alltägliches weiterlesen