Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Naturbub mit Kuhliebe

Georg Weishäupls »Peppis Käselager« und seine kulturellen Lebensmittel

Österreich, felix Austria, schön und eigensinnig, eine der europäischen Genussinseln, wo ganz unvegan noch Milch und Honig auf saftigen Almen fließen. Georg Weis­häupl, im westösterreichischen Vorarlberg aufgewachsen und geprägt, importiert ein Stück vom landwirtschaftlichen Glück seiner Heimatregion in die Weichselstraße.

GEORG und seine Mitarbeiterin rocken und rollen den Käse.                                                        Foto: hlb

Zum einen lässt er in seiner atmosphärischen wie gemütlichen, für seine jazzig-avantgardistischen Live-Musik-Ereignisse beliebten und prämierten Kneipe »Peppi Guggenheim« gute Biere, Weine (Veltliner) und Schnäpse (Enzian, Saubirne!) servieren. Zum anderen ist da der Käse.
Nach 18 Jahren in Wien machte der »Diplomkünstler« Georg nach Neukölln rüber und eröffnete 2008 das »Peppi Guggenheim Spe­ci@l-cafe International« als zunächst sporadischen Projekt- und Kunst-raum, benannt nach seinem Wiener »vagabundieren Kunstkollektiv«. Hier begann es mit Punk und Happenings. Heute bringt das »Peppi« ein erdendes, austrisches Flair und niveauvolle Musik in den Kiez.
Doch den Naturbub ließen die Kuhliebe und das Potenzial der käsigen Vielfalt nicht los. Mit einem Freund baute er in Wien einst ein Portal für einen Sennervertrieb mit auf. Die Vermittlung und Verbreitung von Rohmilchprodukten glücklicher Weiderinder, direkt von den Sennern und Sennerinnen hin zum Käsefan, war und ist seine Passion und sollte irgendwann nicht nur innerhalb Öster­reichs passieren. Sondern auch nach und in Berlin. Denn: »Rohmilchkäse rockt!« Naturbub mit Kuhliebe weiterlesen

»thatchers«

Besonders Schönes zum Anziehen

Selbstbewusste Frauen sind schön und mit dem richtigen Kleid sogar umwerfend. So fühlt es sich für die Frau, die mitten im Leben steht, an, wenn sie das »thatchers« betritt.
Hier findet sie alltagstaugliche Kleider, Röcke und feine Oberteile in hochwertiger Qualität, die, mit einem Accessoire ausgestattet, nach einem Bürotag auch für den Abend passen.

Shirts und mehr.                                                                                                                                       Foto:thatchers

Thomas Mrozek, der Gemanistik und Anglistik studiert hat und aus der Theaterszene kommt, und Ralf Henselleg, der die Modeausbildung am Berliner Lette Verein absolviert hat, taten sich zusammen und gründeten 1989 das Modelabel »thatchers«. Mrozek, der das erste englischsprachige Theater »Berlin play Actors« mitgegründet hatte, bot ihnen die Plattform für Kostümgestaltung. Gemeinsam entwarfen sie die Kostüme für »Saint Joan« von Shaw und »No Exit« von Sartre.
Es kam jedoch der Tag, an dem sie sich zwischen Theater und Modedesign entscheiden mussten. Es war die Mode, zu der sie sich stärker hingezogen fühlten. Denn in Berlin war damals wie heute alles möglich. Von lässig über experimentell zum feinen Outfit gibt bis es hier alles. »thatchers« weiterlesen

»Prăvălia – Romanian Delights«

Kunst am Rollladen

Prăvălia bedeutet übersetzt aus dem Rumänischen Tante-Emma-Laden. Für die Karl-Marx-Straße bedeutet die Boutique vor allem eins: Sie ist ein Farbklecks. Die Gegend um den Karl-Marx-Platz lud über die letzten Jahre nicht zum Bummeln ein, sie war eher bekannt als Fressmeile und litt unter den andauernden Bauarbeiten an der Straße.

Vorher – Nachher.                                                                                                          Foto: Anne-Kathrin Liedtke

Anne-Kathrin Liedtke sorgt seit März vergangenen Jahres für Vielfalt und zeigt das Potenzial der Karl-Marx-Straße als Flaniermeile. Inmitten monotoner Leuchtreklamen steht ihr kleiner Laden, rosa gestrichen und seit Neuestem ausgestattet mit Kunst an der Fassade. »Prăvălia – Romanian Delights« weiterlesen

Berlin kann Wein

Britzer WeinKultur sucht die Weinkönigin

Zu jedem Weinanbaugebiet gehört eine Weinkönigin. Das gilt auch für Britz. Gewählt werden soll sie auf dem Weinlesefest am 13. Oktober.

Nachfolgerin gesucht.                                                                                                                                          Foto: pr

Berlin hat eine mehr als 800 Jahre lange Weinbaugeschichte. Seit 1173 ist der Anbau verbrieft. 300 Jahre später gab es hier über 70 Weinberge und 26 Weingärten.
Die gibt es schon lange nicht mehr, aber seit 2002 wachsen wieder Roter Acolon und weißer Ortega und ein gutes Dutzend weitere Sorten am Koppelweg in Britz. Mit 1.500 Pflanzen auf 5.000 Quadratmetern ist die »Britzer Weinkultur« heute die größte Wein­anbaufläche in Berlin. Die Agrarbörse Ost in Berlin hat sie vom Bezirksamt Neukölln gepachtet. Rund 1.000 Flaschen Wein werden pro Jahr produziert, Weiß- und Rotweinanteil sind etwa gleich. Verkauft werden sie außer direkt vom Hersteller auch im NIC, dem Tourismuszentrum im Rathaus Neukölln. Berlin kann Wein weiterlesen

Spaziergang durch den Körnerkiez

Mode, Kosmetik, Schmuck und viel Gutes für Leib und Seele

Im Körnerkiez gibt es eine bunte Vielfalt an Gewerbebetrieben, von der gehobenen Gastronomie über Kaffee­röstereien, Backshops bis hin zur Neuköllner Eckkneipe. Durch den Zuzug von finanzkräftigeren Haushalten wird der Kiez zunehmend attraktiver für Gewerbetreibende. Das »Quartiersmanagement Körnerpark« und die »Landesweite Planungsgesellschaft mbH« hatten zu einem Kiezspaziergang eingeladen, um einige Betriebe näher kennen zu lernen.
Den Anfang machte die »Kiezbäckerei«. Der Betreiber, von Beruf Bäcker, kennt sein Handwerk. Er weist auf die schwierige Situation hin, mit schnell verderblichen Lebensmitteln wie Brot zu handeln. Es ist eben nur am Tag der Herstellung verkäuflich, und die Kunden sind unberechenbar. Mal ist der Appetit auf Brot und Gebäck groß, mal nicht. Hinzu kommt, dass die Produkte bezahlbar sein müssen und dem Anspruch des Bäckers genügen sollen. Er hat die besten Croissants im Kiez und führt das Märkische Landbrot mit Demetersiegel. Tische und Stühle vor der Bäckerei machen diesen Ort zum Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Kosmetik, individuell und lovely.                                                                                                                   Foto: mr

Das »Lovely Day« ist eigentlich ein Online-Shop, der Laden eher ein Showroom, in dem aber auch eingekauft werden kann. Spaziergang durch den Körnerkiez weiterlesen

Das beste Ramadan-Pide von Neukölln

Seit 20 Jahren lecker

Wer in diesen Wochen des Fastenmonats Ramadan gegen Abend die Hermannstraße entlang spaziert und in die Flughafenstraße kommt, der riecht schon von Weitem den herrlichen Geruch von frisch gebackenem Fladenbrot. Unzählige Kunden stehen hier Schlange, um das mutmaßlich beste Fladenbrot – auf türkisch »Pide« – des Bezirks zu ergattern. Die Bäckerei »Öz Ege« steht seit 20 Jahren für Qualität und ist ein echtes Neuköllner Juwel.

Mehmet Aktop und sein Sohn Emre.                                                                                                             Foto: sh

Natürlich kommen derzeit besonders viele Muslime. Ein knuspriges und warmes Fladenbrot ist schließlich eine hervorragende Beilage zum wohlverdienten Abendbrot. Auch viele andere Neuköllner kaufen hier regelmäßig ein. Im Fastenmonat gibt es nämlich spezielles »Ramadan-Pide«. Dann ist das ohnehin schon leckere Brot noch besser und enthält Sesam und etwas mehr Butter und Öl als sonst, verrät Inhaber Mehmet Aktop. Das beste Ramadan-Pide von Neukölln weiterlesen

Entdeckt, versteckt

Praktisches und Zauberhaftes im »VANRODE«

Im Schaufenster schwebt eine Dose, optische Illusionen bewegen sich, eine bunte Mischung aus Dingen findet sich dort, und auch das Innere des Ladens »VANRODE« am Ende der Schudomastraße hält einige Überraschungen bereit. Der Inhaber Stefan van Rode, gelernter Rettungssanitäter, Hörgeräteakustiker und Heilpraktiker, sieht sich selbst als Zauberer und Magier.

Stefan van Rode.Foto: jr

Angefangen hat alles vor 15 Jahren in einer kleinen Neuköllner Wohnung. Es entstanden die ersten »Geheimverstecke«, kleine Tresore oder Safes mit Mimikryeffekt. Genauer heißt das, Stefan van Rode baute und entwickelte eine Reihe von Reise- oder Geheimtresoren. Erbsendosen, Rasierer, Wanduhren, Getränkedosen – die Verpackungen passen sich wunderbar in das häusliche Equipment in der Speisekammer, im Bad oder der Garage ein. Für Reisen finden sich Reisesafes, zum Beispiel als Sonnencreme oder Feuerzeug getarnt. Es gibt sogar einen Klobürstengeheimsafe. Entdeckt, versteckt weiterlesen

Der »Zauberkönig« macht Pause

Bleiberecht bis zum ersten Spatenstich

Im Laden drängelten sich die Kunden, auf dem Gehweg davor bildeten sich Trauben von Menschen um Zauberkünstler und Artisten, die dort ihre Kunst vorführten, oder einfach nur, um in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen. Eine unglaubliche Menge von Fans hatte sich am 12. Mai versammelt, um – vorläufig – Abschied zu nehmen von einer Institution im Kiez, dem »Zauberkönig«.

Gruseliges und Zauberhaftes im Zauberkönig.                                                                                       Foto: mr

»Seit 1884« verkündet das Schild mit den geschwungenen Buchstaben. Begonnen hat die Geschichte allerdings in der Friedrichstraße, erst 1952 zog der Laden an seinen jetzigen Standort am Rande des Jerusalem-Friedhofes in der Hermannstraße. Kirsi Hinze und Karen German haben das Geschäft 2011 übernommen. Zuvor gehörte es Germans Großvater, danach ihrer Tante. Der »Zauberkönig« macht Pause weiterlesen

Weingenuss mit Laura & Sebastien

Naturweine im SCHWARZEN GLAS

Während anderswo erst am Montag nachgefeiert wurde, konnten aufmerksame Leser dieser Zeitung ihre Vorfreude aus- und einige der am Wochenende (13./14. Mai) auf der Weinmesse RAW angebotenen Naturweine schon vorher verkosten. Schon im zweiten Jahr kamen Winzer an den Vorabenden der Weinmesse in DAS            SCHWARZE GLAS in der Jonasstraße, um ausgewählte Naturweine interessierten Liebhabern vorzustellen, über Trauben und Herstellung zu berichten und auch die Böden nicht unerwähnt zu lassen.

Laura.                                                                                                                                            Foto: Stefan Bubenzer

Am Freitag war Laura Seibel von der »Domaine de la Pinte« zu Gast im SCHWARZEN GLAS; für sie war es ein Debut. Die Domaine ist im Jura gelegen, zwischen Burgund und der Schweiz. Das dortige Gebirge ist namensgebend für das gleichnamige Erdzeitalter, da die Folgen der damaligen Entwicklungen noch besonders gut sichtbar sind. Heute ist die Gegend relativ karg, vielerorts recht steil, öfter regnet es. Dies ist nicht für alle Reben geeignet, so dass hauptsächlich die Trauben Savagnin, Chardonnay, Poulsard, Trousseau und Pinot Noir angebaut werden. Weingenuss mit Laura & Sebastien weiterlesen

Wildschweingulasch

Kulinarisches auf der »Dicken Linda«

Nachdem im vergangenen Monat das Spargel­essen auf der »Dicken Linda« ein voller Erfolg war, ist Detlef Bublitz beflügelt. Am 9. Juni wird er die Gäste des Marktes mit Wildschweingulasch verwöhnen. Dazu gibt es Kartoffeln und Gemüse der Saison. Da just an diesem Sonnabend auch der neue Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, die Kranoldplatzbesucher begrüßen wird, können sich die Neuköllner wieder auf einen unterhaltsamen Wo-chenmarktauf­enthalt freuen.

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Aus für Tabakladen in der Jonasstraße

Schwedische »Akelius GmbH« saniert und vertreibt

Eigentlich wollte die Tabakladenbetreiberin Sylvia Voppmann Ende dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Der Laden war kein gewöhnlicher Zeitungs- und Tabakladen. Er war ein sozialer Treffpunkt.

Ende eines sozialen Treffpunkts.                                                                                                                    Foto: mr

Die alten Herrschaften aus der Nachbarschaft tranken hier ihren Kaffee, lasen ihre Zeitungen und redeten mit- und übereinander. Die Schulkinder konnten die Süßigkeiten einzeln kaufen, und ein Tütensüppchen stand für sie immer bereit. Wenn es Zeugnisse gab, zitterte Voppmann mit und hatte tröstende wie anerkennende Worte für die Knirpse.
Als eine Nachbarin sich nicht mehr selbst versorgen konnte, kochte sie für sie. Und da sie nur große Mengen kochen konnte, richtete sie einen Mittagstisch ein, der von den Bewohnern der Jonasstraße dankbar angenommen wurde. Aus für Tabakladen in der Jonasstraße weiterlesen

Erst Hikel, dann Spargel

Immer was los bei der »Dicken Linda«

Es ist Frühling, und die »Dicke Linda« ist in bester Stimmung. Dieser Markt hat sich seit seiner Gründung mehr und mehr zu einem Treffpunkt zum Verweilen und miteinander Reden entwickelt.
Am 12. Mai um 13 Uhr wird der neue Bezirksbürgermeister Martin Hikel die Besucher begrüßen. Eine gute Gelegenheit für die Kunden, sich zu informieren.
Am darauffolgenden Sonnabend, dem 19. Mai, haben sich einige Händler zusammengeschlossen und bieten an einer langen Tafel Spargel, Schnitzel, Wein und Bier an.

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Traditionsreicher Trödel-Kiez mit Herz

Unterwegs in der Flughafenstraße

Wer ein bisschen Zeit mitbringt und eine stilechte Retro-Lampe, günstige Küchenstühle oder erstklassige gebrauchte Hifi-Boxen sucht, dem sei ein Besuch in der Flughafenstraße ans Herz gelegt. Zwischen Neukölln-Arkaden und der Hermannstraße lässt sich so manches Schmuckstück entdecken, ausgiebiges Fachsimpeln inklusive.

Jörg Flachmann und sein Sohn reparieren HiFi-Geräte und bieten leckeren Kaffee.             Foto: sh

Als erste Station bietet sich »Firma Hesse – Wohnungsauflösungen« an der Ecke Reuterstraße an. Schon seit 30 Jahren gibt es diesen klassischen und beliebten Trödelladen im Kiez. Hier findet man günstige und rustikale Möbel. Es herrscht ein mitunter gewöhnungsbedürftig direkter, jedoch herzlicher Umgangston. Für die vielen jungen Kunden aus Spanien gäbe es ein freundliches »¡Hola!«. Danach gehe es mit Händen und Füßen weiter, berichten die langjährigen Mitarbeiter. Traditionsreicher Trödel-Kiez mit Herz weiterlesen

Der Markt swingt

Musiker bereichern DIE DICKE LINDA

Der Neuköllner Regionalmarkt DIE DICKE LINDA feiert am 14. April den Auftakt einer Reihe von musikalischen Märkten. Bis in den September bekommt DIE DICKE LINDA jeden zweiten Samstag im Monat Besuch von Songwritern und Bands der Stadt.

Rob Longstaff spielt für die Marktbesucher.                                                                              Foto: Cleo Fink.

Nikolaus Fink, Marktorganisator und Inhaber von »diemarktplaner«, beschreibt das Treiben so: »Ab dem Frühling wird DIE DICKE LINDA mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. In warmen Sonnenstrahlen sonnen und unterhalten sich Menschen aus dem Kiez, treffen sich Familien, und der Berlin-Besuch staunt, wie entspannt Neukölln sein kann.« Berliner Musiker einzuladen, hier zu spielen, passe wunderbar zum Ort, findet der Marktexperte. Der Markt swingt weiterlesen

»Hoffnung-Kibō-Berlin-Japan e.V.«

Japanische Gemeinschaft auf Neuköllner Boden

Wer hätte vermutet, dass es in Neukölln eine kleine, hoch aktive Japanische Gemeinschaft gibt? Allein im Haus, in dem die Künstlerin Tamiko Yamashita arbeitet, leben vier weitere Japaner. Sie selbst kam 1972 zur Kunstweiterbildung nach Berlin und studierte hier bis 1977 Mode Design an der Hochschule der Künste. Dort lernte sie ihren deutschen Mann kennen, und seitdem lebt und arbeitet sie in Berlin. Die diplomierte Mode­designerin hat in Neukölln ihr eigenes Mode- und Textilatelier.
Im Neuköllner Kiez ist sie mit ihrem Studio schon lange eine anerkannte Institution. In der Kranoldstraße 5 gibt sie schon seit Jahrzehnten Nähkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Schnitt- und Patchworkkurse und betreibt dazu eine Maßschneiderei. Ihre Leidenschaft ist die Textilkunst, die sie auf zahlreichen Ausstellungen und in Galerien zeigt. Ihre Werke sind in Japanischer und Europäischer Tradition verwurzelt. »Hoffnung-Kibō-Berlin-Japan e.V.« weiterlesen

Ötzi wäre stolz

Gastautor Tim Hofmann ließ im »19:28 Tattoo Club« seinen Körper verschönern

Surrende Maschinen und Heavy-Metal-Musik erfüllen den Raum. Auf der schwarzen Wand steht in weißen Lettern »You shall not make any cuttings in your flesh for the dead, or print marks upon you: I am the lord«, ein Satz aus der Bibel.
Ich strecke mich bäuchlings auf einer Liege aus, über mich ein Mann gebeugt. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, ein dicker, schwarzer Querstrich über Nase und Backen tätowiert. Er wird sieben Nadeln immer wieder per Hand in meinen Rücken stechen.

Feine Nadelkunst.                                                                                                                                                  Foto: pr

Was sich anhört wie ein satanistisches Opferritual, ist für Benjamin eher das Gegenteil. »Für mich ist Handpoking fast schon meditativ«, sinniert er. Handpoking, auch »Stick and Poke« genannt, bedeutet, Tattoos ohne Maschine, nur mit mehreren verbundenen Nadeln, zu stechen. Ötzi wäre stolz weiterlesen

Geschenke für die Gelassenheit

Anna Munis Adventsbazar

Der Rixdorfer Weihnachtsmarkt ist inzwischen einer der am besten besuchten Weihnachtsmärk­te Berlins. Da drängen sich die Besucher um den Richardplatz, dass sie kaum noch Luft holen können. Wer sich davon ein wenig erholen möchte, kann nur einen Straßenzug weiter in der Mareschstraße 16 bei Anna Muni etwas Ruhe finden.

Meditationsraum.                                                                                                                                                  Foto: pr

Sie veranstaltet am 8. bis 10. Dezember einen Adventsbazar. Für das leibliche Wohl sorgt sie mit ungarischer Gulaschsuppe. Wer es etwas exotischer liebt, kann sich an indianische Gerichte aus Nordamerika wagen: Topinambur nach Art der Cherokee, Festtagsplätzchen, Cranberry Krapfen, Maispuffer und Beeren- oder Salbeibrot. Geschenke für die Gelassenheit weiterlesen

Weihnachtsmarkt im Böhmischen Dorf

Pommes zu Friedrich Wilhelms I. Füßen

Der traditionelle Weihnachtsmarkt auf dem Richardplatz ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dieses Jahr wird er durch den Weihnachtsmarkt im Böhmischen Dorf in der Kirch­gasse erweitert. Das Prinzip ist das gleiche, der Erlös wird gespendet. Stefan Butt und Familie Zwick initiieren diesen kleinen Markt, der sich direkt an den Rixdorfer anschließt – unter dem Dach der »Hernhuter Brüdergemeine«, des »Archiv im Böhmischen Dorf e.V.« und dem »Förderkreis Böhmisches Dorf«.

Gefäßserie »Vogel und Fell« von Elisabeth Hammann und Josephine Raab.                               Foto jr

Auf Einladung Friedrich Wilhelms I. siedelten sich hier 1737 böhmische Glaubensflüchtlinge an, bis heute leben etwa 70 Nachfahren der damaligen Siedler hier. Der Verein liefert Zeugnis dieser Migrationsgeschichte.
15 Stände wird es geben, der Förderkreis und das Archiv stellen sich vor, das Quartiersmanagement, die Kinderstube »Abeona«, dazu gibt es Pommes und Crepes, Bücher und Fotografie, und vieles mehr. Außerdem gibt es einen Stand mit Baumschmuck, Keramik, Druck und Schmuck, in dem ein loses Kollektiv aus Designern und Künstlern seine Arbeiten verkauft, unter anderem eine Kooperation, in der eine Serie aus Gefäßen mit Zeichnungen entstand.

jr

»Die dicke Linda«

Erlesener Weihnachtsmarkt auf dem Kranoldplatz

»Die dicke Linda« zeigt sich von ihrer besten Seite. Am 16. Dezember von 10 bis 18 Uhr findet auf dem Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz ein Weihnachtsmarkt statt. Mit besten Wintergemüsen von zwei Bauern aus dem Umland, einem Wildspezialisten und Rohmilchkäse aus den Bergen, bestem Brot und einem kleinen, aber auserlesenen Weinsortiment ist das Festtagsmenu gesichert. Bei einem Glühwein können Marktbesucher sich wärmen und entspannen.
Eine der letzten Gerbereien in Brandenburg legt ihre weichen Felle aus, selbstgemachte Kleidung aus Baum- und Tierwolle wird drapiert, hochwertiges Utensil für Küche und Hobbyköche bekommt seinen Platz. »In Ruhe stöbern, Geschenke finden, lecker essen und zwischendurch einen warmen Punsch in den Händen halten«, darauf freut sich jetzt schon Nikolaus Fink, Organisator des Markts und Inhaber von »diemarktplaner«. »Dieser Weihnachtsmarkt hat einen unaufgeregten und besonders anheimelnden Charme. So wie man ihn auf den über 80 Berliner Weihnachtsmärkten nur noch selten findet«, so Fink weiter.
Für gemütliche Stimmung sorgt der Musiker Robert Lee Fardoe. Mit seinen Wintersongs begleitet er die Marktbesucher bei ihren Weihnachtseinkäufen.

ro

Zirkulär wirtschaften!

CRCLR-Haus in der historischen Lagerhalle

Das Gelände der ehemaligen KINDL-Brauerei wird nach und nach weiter belebt und scheint sich zu einem kulturellen Hotspot in Nord-Neukölln zu entwickeln.

Internationales CRCLR-Team.                                                                                                                          Foto: pr

Einen entscheidenden Anteil an der Ausgestaltung des KINDL-Areals hat die Schweizer »Stiftung Edith Maryon«, die das gesamte Gelände einschließlich des Lagerhauses an der Rollberg­straße 26 in Konkurrenz zu »Ziegert Immobilien« erworben und damit vor einer kommerziellen Nutzung bewahrt hat. Die Stiftung hat sich die Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten zur Aufgabe gemacht. Sie erwirbt schwerpunktmäßig im Raum Basel und in Berlin Grundstücke und Immobilien mit dem Ziel, sie auf Dauer der Spekulation zu entziehen und nachhaltigen Projekten zur Verfügung zu stellen. Zirkulär wirtschaften! weiterlesen

ChiChi

Gutes für die Räder

Wer es gerne schnell und billig haben möchte, der ist bei Salka und ihrem Mitarbeiter Eugen, genannt Eugene (sprich: Judschien), an der falschen Adresse. Die Betreiberin des Fahrradladens »CHICHI« in der Flughafenstraße 50 ist gelernte Fahrradmechanikerin mit langjähriger Berufserfahrung, der Laden ein IHK-geprüfter Ausbildungsbetrieb.

Neu, alt und gut.                                                                                                                                                     Foto: pr

Laut Salka ist Vieles, was die Fahrradläden in Berlin, vor allem auch in Neukölln, ihren Kunden anbieten, unseriös und der schnellen Gewinnmaximierung untergeordnet: »Da lassen die Kollegen schon mal jemanden jahrelang mit einem Kindersitz auf einem Fahrrad mit Alu-Rahmen herumfahren. Ich würde meinem Kunden erklären, dass er dafür ein Fahrrad mit Stahlrahmen braucht.« Um sich von ihren Konkurrenten abzuheben, setzt sie auf die »Seriosität des Handwerks«. ChiChi weiterlesen

Kraft für den Alltag

Training für Körper und Geist

Wie für den Alltag Kraft schöpfen ohne in den Medikamentschrank zu greifen? Darauf haben die drei Frauen vom »Raum für Entfaltung« Antworten.

Zwei Kriegerinnen.                                                                                                                                                Foto: pr

Sandra Müller bietet »Training for Warriors« zu Deutsch »Training für Krieger« an. Es ähnelt dem Zirkeltraining, setzt aber auf hohe Intensität bei wenigen Pausen. Alle Muskeln werden beansprucht. Das Ergebnis ist hohe körperliche Fitness und geistige Widerstandskraft gegen die Unbill des Alltags. Der Amerikaner Martin Rooney entwickelte das Programm und setzt auf gemeinsam trainierende Kleingruppen, die den Kampfgeist der Teilnehmer herausfordert. Kraft für den Alltag weiterlesen

Mit Stoff und Seele

Jeder Frau steht ein gut geschnittenes Kleid

Eigentlich wollte Marion Czyzykowski nach der Schule Dekorateurin werden, aber da machte ihr der Staat einen Strich durch die Rechnung. Die DDR wollte nur noch Männer zum Dekorateur ausbilden. Sie fanden die Arbeit für eine Frau zu schwer. Also ist Czyzykowski in die Fußstapfen ihrer Großmutter getreten und wurde Schneiderin.

Modeln bei Kutschen-Schöne.                                                                                             Foto: privat

An dieser Stelle darf dem DDR-Staat durchaus gedankt werden, denn Marion Czyzykowski wurde Schneiderin mit Leib und Seele. Als sie 1979 nach Westberlin kam, lag die Schneiderei in der Stadt am Boden. Sie hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, verlor die Schneiderei jedoch nicht aus den Augen. Über die Jahre hat sie sich einen treuen Kundenstamm aufbauen können, den sie bei der Auswahl von Farben, Mustern und Formen berät. Mit Stoff und Seele weiterlesen

Eine Stimme ist jedem inne

In Hinterhöfe schauen lohnt sich wieder

In den kreativen Neuköllner Hinterhöfen tummeln sich vielfältige Manufakturen, vom Kunsthandwerk über Studios bis hin zum angesagten Restaurant.
In einem der Gewerbehöfe in der Elbestraße hat sich Bianca Döring, Schriftstellerin, Malerin und Sängerin, gemeinsam mit Kunsthistorikerinnen, Journalistinnen, einer Gestalttherapeutin und einem Verein für Kinder und Jugendliche in der vierten Etage eingerichtet.
Ihr Multifunktionsraum lädt mit seiner warmen und bunten Atmosphäre sofort dazu ein, sich wohlzufühlen und völlig ungezwungen auszuprobieren. Worin? Das kann sich jeder aussuchen! Eine Stimme ist jedem inne weiterlesen

Die schönen Saiten des Jammens

Schöner Zupfen und Schlagen im Schillerkiez

Nicht immer zart-, aber stets wohlbesaitet – »well strung« auf Englisch –geht es seit Juli 2016 auf der Weisestraße zu. Die »Acoustic Boutique« »Well Strung« ist Shop und Musikschule in einem. Inhaberin Myra Moreta studierte Komposition, Musiktheorie und Gitarre an der kalifornischen Northridge-Uni und widmete sich insbesondere der Weltmusik von Afrika bis Bulgarien. In Berlin lernte sie Gesang und türkische Musik, spielte in diversen Ensembles und veröffentlichte 2014 gar ein eigenes Songwriter-Album.

Myras Akustikboutique.                                                                                                                                   Foto: hlb

Ihr hübscher, liebevoll mit Freunden renovierter Eckladen ist ein echtes Musiker-Dorado. Die Auswahl an Schüler- und Profizupfinstrumenten aus aller Welt dürfte einzigartig sein: Klassik- und Akustikgitarren, Ukulelen, Banjos, Banjotarren, Percussion- und andere Folk-Instrumente wie Balalaikas und Bouzoukis, allesamt von hochwertigen Marken oder Manufakturen, vor allem aus den USA, Irland oder Deutschland. Dazu gibt es Saiten für quasi alle Zupf- und Streichinstrumente sowie Plektren und Gurte. Wer nicht kaufen will oder kann, kann sich ein Instrument zum Üben leihen. Auch wer sein Instrument ein bisschen tunen, zum Beispiel die Saitenlage verbessern möchte, kann es gern vorbeibringen. Eine richtige Werkstatt für größere Reparaturen ist auch schon in Planung. Die schönen Saiten des Jammens weiterlesen

Energie und Wärme aus Neukölln für Neukölln

Das Holzheizkraftwerk in Rudow

Helme, Schutzbrillen und Warnwesten sind Pflicht beim Rundgang durch das Holzheizkraftwerk Rudow. Sicherheit wird hier groß geschrieben. Eingeladen zu diesem Rundgang hatte der Neuköllner Bundestagsabgeordnete der SPD, Fritz Felgentreu, der wissen wollte, wie eine nachhaltige Energieversorgung aussehen könnte, die sicherstellt, dass wir auch in Zukunft warme Wohnungen und eine leistungsfähige Industrie haben, ohne unseren Kindern eine Wüste zu hinterlassen. Die Führung zeigte den Arbeitsablauf vom Abladen des angelieferten Altholzes bis zur Entsorgung der Abfallprodukte.

holzschnitzelHeizkraftwerk.                                                                                                                            Foto: mr

Das Holzheizkraftwerk in Rudow wurde 2003 auf dem ehemaligen Gelände der »Eternit AG« als Ersatz für ein Kohlekraftwerk errichtet. Das Kraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, was bedeutet, dass Brennstoffenergie in einem Prozess zu Strom und Wärme wird. Es versorgt rund 20.000 Wohnungen in der Gropiusstadt, die Gropius-Passagen, Berlins größtes Einkaufscenter, das Kombibad Gropiusstadt, sowie das Krankenhaus Neukölln mit Wärme. Außerdem wird Strom für 40.000 Haushalte erzeugt. Energie und Wärme aus Neukölln für Neukölln weiterlesen

Dion und sein Gefolge

Späti für besondere Genüsse

Dion leitet sich ab vom Namen des griechischen Gottes Dionysos, der für entfesselten Genuss, Freude und Hingabe steht. Genau das wollen die Betreiber Bärbel Schütz und André Ebeling des »Dion & Gefolge« vermitteln, das am 10. August in der Bürk­nerstraße 32 eröffnete. Das Gefolge erklärt sich aus den Nachbarn und Freunden, die dieses Projekt mit Tatkraft und Finanzen unterstützen.

DionS, hier ohne Gefolge.                                                                                                                                   Foto: ro

Sobald der Kunde den hellen, freundlichen Laden betritt, versteht er, was dieser griechische Gott meint. Hier gibt es nur erlesene Waren – sowohl aus der Region, als auch aus aller Welt. Schütz und Ebeling legen größten Wert darauf, genau zu wissen, wer die Hersteller der Produkte sind und wie produziert wird. Da finden sich mediterrane Köstlichkeiten wie Pastas, Pestos und hochwertige Öle, süße und salzige Leckereien. Auch an einer Auswahl an Bio-Limos und Säften können sich die Kunden sichtbar erfreuen. Darüber hinaus gibt es eine Abteilung mit unterschiedlichen Bieren. Auch hochwertige Weine sind erhältich sowie ausgewählte Spirituosen. Dion und sein Gefolge weiterlesen

Upcycling auf französisch

Aussortiertes wird umfunktioniert

Der Westschweizer François Rossier kommt eigentlich vom Film. Diese Schaffensseite gedachte er nur kurz zu unterbrechen, um sich einmal seinem Faible, dem Basteln, intensiver widmen zu können. Diese Pause dauert inzwischen fünf Jahre, ohne absehbares Ende. François ist leidenschaftlicher Upcycler. Berlin sei das Paradies, sowohl für seine Ambition als auch fürs Upcycling. Deshalb kam er mit seiner Familie nach Kreuzberg und eröffnete eine Ladenwerkstatt in Neukölln.

François Rossier vor seiner Ladenwerkstatt.                                                                                              Foto: rr

Fast täglich begegnen ihm abgestellte Dinge auf der Straße, die er dann unbedingt mitschleppen muss.
Weil Müll für ihn nur eine Frage der Definition ist, folgt der passionierte Bricoleur (Bastler) nun seinem Wunsch, das gängige Verhalten, stets Neues kaufen zu müssen, zu durchbrechen. Weil viele funktionstüchtige Objekte oder auch solide Materialien leichtfertig als obsolet erklärt und dann entsorgt werden, geht er übers bloße Recyceln hinaus. Er bewertet um und definiert neu, um mehr als nur den stofflichen Wert des Ausgangsobjektes zu erhalten. Upcycling auf französisch weiterlesen

Die Lebenspositiviererinnen

Nachhaltig liebevolle Persönlichkeitsentwicklung ist lernbar

»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« (Einstein).
Jeder kennt das. Die Vorsätze für das neue Jahr haben eins gemein: Sie werden in der Regel nach ein bis zwei Monaten aufgegeben. Die Enttäuschung über die eigene Schwäche ist dann groß.
NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren oder auch Nachhaltig Liebevolle Persönlichkeitsentwicklung) kann hier Abhilfe schaffen. Durch wirksame Techniken können ungüns­tige Verhaltensmuster durch gewünschte ersetzt werden. Die Wahlmöglichkeiten für Handlungsoptionen werden erhöht.
Darüber hinaus unterstützt NLP die Bewältigung und Aussöhnung vergangener, negativ und belastend erlebter Ereignisse. So kann beim Betroffenen die Erkenntnis wachsen, was Gutes aus dem Erlebten entstanden ist, welche Lernaufgabe er vielleicht hatte. NLP zählt zu den erfolgreichsten Methoden, private und berufliche Veränderungen zu realisieren. Die Lebenspositiviererinnen weiterlesen

Rückkehr ins Plattenparadies

Schöner in Musik stöbern im wiedereröffneten »A&V«

Compact Discs, ein Medium vorm Aussterben? Jüngere Generationen machen sie jedenfalls nicht mehr an. Zu teuer, empfindlich und platzbeanspruchend. Im Netz ist doch alle Musik ständig verfügbar, auch unterwegs und für ein paar Cent am Tag. Das schwarze Gold, die Vinylplatte, setzt noch einen Gegenpol und erarbeitet sich ein wachsendes Tortenstück vom Markt – mit warmem, vollem Sound und kreativer Verpackungskunst. Wer trotz Streaming, Youtubing und Bluetoothing nicht auf das Haptisch-Rituelle beim Musikgenuss verzichten möchte, hat in unserem Kiez erfreulich viele Möglichkeiten, in Kisten zu stöbern und dabei ein meist günstiges Schnäppchen zu machen.

DIE Welt ist viele Scheiben.                                                                                                                                                 Foto: hlb

Im »A&V Records«, just zu »48h Neukölln« mit erneuertem Angebot und stabileren Stahltischen wiedereröffnet, kommt jede Menge heiße, mitunter obskur-kuriose, oft DJ-rettende Ware in die Kisten. Rückkehr ins Plattenparadies weiterlesen

Neuer Flohmarkt

Markt in Britz-Süd wird erweitert

Ab dem 17. Juni 2017 bereichert ein neuer Flohmarkt-Teil den Neuköllner Wochenmarkt Britz-Süd. Immer samstags von 8.00 bis 14.00 Uhr werden dann neben den üblichen Lebensmittelhändlern auch Anbieter von »Second Hand« an der Gutschmidtstraße, Ecke Fritz-Reuter-Allee zu finden sein. »Der Flohmarkt soll den Wochenmarkt weiter beleben«, hofft Nikolaus Fink, Betreiber und Geschäftsführer von »diemarktplaner«. »Schon jetzt ist der Markt für die Anwohner ein beliebter Treffpunkt. Die Erweiterung soll das Miteinander im Kiez stärken. Die Nachbarschaft ist dann nicht nur Kunde, sondern kann auch teilnehmender Händler auf Britz-Süd werden.« Neuer Flohmarkt weiterlesen

Konsumfreier Ort für Vernetzung neuer Ideen

Der Verein »reSource« schafft Raum der Begegnung im Kiez

Es ist immer wieder erstaunlich, wie besonders in Neukölln kleine Ini­tiativen entstehen, die das Leben im Kiez angenehmer machen und Verbindungen zwischen Menschen schaffen wollen, die sonst vielleicht anonym aneinander vorbei gelebt hätten.

Freiraum für alle.                                                                                                                                                                            Foto: pr

Der neu gegründete gemeinnützige Verein »reSource« folgt einer ähnlichen Idee und hat mit dem »reSpace« in der Wissmannstraße 20 nun einen Ort gefunden. Gründerin Samira will einen Raum bieten, in dem Menschen ihre Ideen und Projekte wachsen lassen und ihre Ressourcen mit anderen bündeln können.
Samira hat bereits Erfahrung in diesem Bereich. Sie gründete schon den Verein »Cosima e. V.« und stellte ein Crossover-Jugendprojekt auf die Beine. »Diesem Empowerment-Gedanken, also der Idee, Menschen vor Ort zu stärken, folgt auch unser neuer Verein«, sagt die Neuköllnerin. Konsumfreier Ort für Vernetzung neuer Ideen weiterlesen

Tabak mit Herz

Stammkundengespräche im Zeitungsladen

Ul Gerock vor ihrem Laden.                                                                                                                                 Foto: jr

Einige werden ihn kennen, den kleinen Tabak- und Zeitungsladen am Anfang der Anzengruberstraße – es gibt ihn nun schon mehr als 30 Jahre. Ul Gerock kaufte ihn 2005 von einem pensionierten Polizisten und einer Hobbyladenbesitzerin. Sie arbeitete in einem Kopierladen in Steglitz – auf der anderen Straßenseite war so ein Tabakladen, den sie immer ganz gemütlich fand. Nun fand sie die Anzeige im Bezirksblatt, die beiden damaligen Besitzer wollten verkaufen. Und sicher war: »Wenn, dann auf jeden Fall Neukölln.« Am Anfang wusste Ul gar nicht, wie lange sie das machen möchte, nun sind es bereits zwölf Jahre, »ganz schön viel Leben ist das, was man mitbekommt, Kinder werden erwachsen und andere altern…« Tabak mit Herz weiterlesen

»PRAVALIA« – Romanian Delights

Delikates und Schönes aus Rumänien

Drinnen ist‘s vielfältig.                                                                                                                                                               Foto: pr

Beim Betreten des Ladens, den Geschäftsführerin Anne-Kathrin Liedtke seit März dieses Jahres betreibt, wird die Erwartungshaltung an ein irgendwie folkloristisches Ambiente gründlich konterkariert. Ein heller Raum, weiß gestrichen und klar strukturiert, mit drei kleinen Regalen auf der rechten und einem langen Tisch auf der linken Seite, empfängt den geneigten Kunden. Direkt am Eingang laden zwei kleine Bistro-Tische zum Verweilen ein. Dort können in Ruhe die vielen verschiedenen Teesorten oder der Kaffee aus der rumänischen Kaffeerösterei probiert werden.
Bei ihren zahlreichen Reisen nach Rumänien hat Anne inzwischen eine kleine, aber feine Auswahl an Produzenten rumänischer Spezialitäten und Hersteller erlesener Handwerkskunst gefunden, die sie zunächst in ihrem Online-Shop verkauft hat, seit kurzer Zeit aber auch in ihrem Laden in der Karl-Marx-Straße anbietet. »PRAVALIA« – Romanian Delights weiterlesen

Steuern ohne Stress

Christine Lachmann hat ihr Büro eröffnet

Mit einem Lächeln an die Belege.                                               Foto: pr

Jeder Unternehmer, insbesondere die jungen Unternehmen zucken ängstlich zusammen, wenn ein Brief vom Finanzamt im Briefkasten liegt. Und so manches Geschäft musste schon seine Pforten schließen, weil die Rücklagen nicht reichten, um die Forderungen zu bedienen.
Um dieses Risiko so klein wie möglich zu halten, und um auch im Zahlenwust und Gesetzgebungen nicht unterzugehen, gibt es Steuerberater.
Christine Lachmann beschäftigt sich seit 25 Jahren mit diesem für Laien leidigem Thema. Jüngst ist sie von Lichterfelde nach Neukölln in die Karl-Marx-Straße 12 gezogen. In ihrem kleinen aber feinen Büro berät und coacht die Berlinerin Existenzgründer, Einzelunternehmer, Freiberufler und Privatpersonen. Steuern ohne Stress weiterlesen

Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance?

Teil 4: Die Zeiten ändern sich — der Kiez auch

In den ersten drei Teilen dieser Serie haben wir uns der Neuköllner Start-up-Szene von außen in einem ersten Eindruck genähert, die Fördermittel von Land und Bezirk erörtert und sind dann ins Innere der Szene vorgedrungen, um zu erfahren, wie sie denn wirklich aussieht. Im letzten Teil stellen wir nun die unumgängliche Frage: Was macht diese Entwicklung eigentlich mit dem Kiez?

»misuki« – Laden für Hangemachtes aus Neukölln.                                                                                             Foto: pr

Auch die Folgen für den Kiez müssten dann um einiges anders aussehen. In Neukölln stellt sich zwingend die Frage nach den Arbeitsplätzen, immerhin steht hier das zweitgrößte Jobcenter Deutschlands, das sich um die 15 Prozent Neuköllner kümmert, die keinen Job haben. Mit einer Existenzgründung schaffen sich Selbstständige erstmal ihren eigenen Arbeitsplatz, müssen dann aber teilweise noch aufstocken, um über die Runden zu kommen. Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance? weiterlesen

Kaffee in die Tasse – Tasse aus Kaffee

Recycling aus dem Kaffeesatz

Kaffeeliebhaber Julian Lechner studierte in Bozen Produktdesign. Nebenbei lernte er in der Heimat der Barista, dass dort Kaffeesatz gern als Haushaltsmittel eingesetzt wird, als Dünger, als Peelingzusatz in Seifen, als Nährboden für Pilze oder auch nur als Geruchskiller. Zunehmend beschäftigte ihn, wie jene gewaltigen Mengen des Brühabfalls, die täglich in Bars und Cafés anfallen, wieder zu verwenden wären. Mit einer Masterarbeit zu diesem spannenden Thema schloss er sein Studium ab.
Die Idee, dem Kaffeesatz eine neue Form zu geben, hatte er 2009. Es hätte ein Tablett werden können, ein Teller, ein Tisch. Er favorisierte die Kaffeesatz-Tasse, weil sie am besten zu einem Recyclingkreislauf passt.

Satz auf Satz.                                                                                                                                                                                      Foto: rr

Experimentiert wurde nebenberuflich über Jahre in der eigenen Küche. Sein erstes Bindemittel: karamellisierter Zucker. Das verwarf er wieder. Der Zucker süßte jeden Kaffee zusätzlich und er begrenzte das Tassenleben auf einen dreimaligen Gebrauch. Kaffee in die Tasse – Tasse aus Kaffee weiterlesen

Großstadthonig

Flucht aus verseuchtem Umland

Wie jeden Frühling schwärmen auch in diesem Jahr die Bienen wieder aus, nicht nur um Schleckermäuler mit Honig zu beglücken, sondern auch, um die Pflanzen zu bestäuben. Ohne Bestäubung gibt es keine Früchte, und die Menschheit müsste auf lebenswichtige Nahrungsmittel verzichten.

Honigsammlerinnen bei der Arbeit.                                                                                                                                 Foto: fh

Und genau das kann passieren. Durch Monokulturen und den dadurch erforderlichen Einsatz von Pestiziden können die Bienen sterben, auf jeden Fall hat das eine negative Auswirkung auf die Brut. Der Honig, den sie produzieren, ist ebenso mit Pestiziden belastet. Die Mittel sind meist fettlöslich, was zur Folge hat, dass die Pestizide sich im Wachs anreichern. Großstadthonig weiterlesen

Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance?

Teil 3: Start-up ist nicht gleich Start-up und Neukölln macht sein Ding

In Teil 1 und 2 unserer Serie berichteten wir schon vom Bild, das gemeinhin von der Neuköllner Start-up-Szene besteht und von den konkreten Fördermöglichkeiten, die Land und Bezirk bereitstellen. Aber wie sieht die Neuköllner Start-up-Szene tatsächlich aus?

Nicht jedem gefällt die Entwicklung.                                                                                                                                Foto: jt

Egal ob die Start-up-Szene zum Heilsbringer auserkoren oder als heiße Luft abgetan wird, was genau mit dieser »Szene« gemeint ist, bleibt meist unklar. »Start-up ist ein Modebegriff, eigentlich geht es hier um Existenzgründung«, erklärt Clemens Mücke. Im Duden wird Start-up schlicht als »neu gegründetes Wirtschaftsunternehmen« definiert, während das Gabler Wirtschaftslexikon das geringe Startkapital der Neuunternehmer hervorhebt, die dann auf die Investition von Risikokapital angewiesen sind, um sich zu vergrößern. Folgt man dieser letzten Definition, müsste Neukölln ganz schnell von der Landkarte des »Berlin Valley« gestrichen werden. Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance? weiterlesen

Total soziale Elektronik

Uneigennützig und PC

Seit 2005 lebt Mustafa Makinist in Neukölln. Hier betreibt er in der Briesestraße 6, den »Sozialen Computerladen«. Bis zu seiner Arbeitslosigkeit wohnte er in Spandau und arbeitete von 1998 bis 2005 dort bei einer Großhandelsfirma als Werkstattleiter und Service-Techniker für Computer. In Neukölln angekommen, half er bei einem Projekt mit Arbeitslosen, Obdachlosen, Senioren und Jugendlichen, ausrangierte PCs wieder flott zu machen. Anschließend wurden die an Bedürftige verschenkt. Daraus entstand 2007 der viel beachtete, gemeinnützige und anfangs auch geförderte Verein »Bighelp«.

Makinist für alle Computerfälle.                                                                                                                                         Foto: rr

Viele Politiker, auch die Neuköllns, sahen das als gute Publicity, denn Mustafa Makinist hat türkische Wurzeln. Aber er sieht sich mehr als Macher und Schrauber, denn als Verwalter. Eine Vereinsleitung mit eigenem Laden bedeutete auch reichlich Bürokratie und viel Zeitaufwand zum Sichern von jeweils nur kurz befristeten Fördergeldern. Für seine eigene Altersabsicherung blieb dabei nichts übrig. Total soziale Elektronik weiterlesen