Archiv der Kategorie: Kiez

»Wetten, dass« in Neukölln

Heiße Biker bringen Geschenke.   Foto: mr

Hikel gewinnt beim Hilfe-Flashmob »Kaffee gegen Kälte« in der »Teupe«

»Der reine Wahnsinn, ich bin sprachlos«, sagte Michael Lind sichtlich gerührt, als mehr als 150 Menschen ihre Kaffee-Päckchen in die Höhe reckten.
Sie alle waren am 14. Dezember in die Teupitzer Straße zur KUBUS Kältehilfe gekommen, weil Bezirksbürgermeister Martin Hikel auf eine Wette mit dem Geschäftsleiter des Nahkauf-Supermarktes am Kiehlufer eingegangen war. Lind wollte 1.000 Euro an die Kältehilfe spenden, aber nur, wenn es dem Bürgermeister gelänge, 50 Leute mit einer Packung Kaffee vor die Kälteübernachtungseinrichtung zu locken. Obdachlose Menschen bekommen hier ein warmes Abendessen, ein Bett und am Morgen ein Frühstück.

Der Beweis.     Foto:mr

Doch um die überlebenswichtige Kältehilfe aufrechtzuerhalten, ist die Einrichtung auf Spenden angewiesen. Er habe mit dieser Aktion ein Signal setzen wollen, um Menschen für die Unterstützung Obdachloser zu mobilisieren, erklärte Lind. »Wetten, dass« in Neukölln weiterlesen

Ehre, wem Ehre gebührt

Feierliche Verleihung der Neuköllner Ehrennadel

Der Samstag vor dem dritten Advent ist in jedem Jahr für eine besondere Feierlichkeit reserviert. Dann nämlich wird auf Schloss Britz die Neuköllner Ehrennadel verliehen, die höchste Ehrung des Bezirks Neukölln für seine Bürgerinnen und Bürger. Seit sie 1984 das erste Mal verliehen wurde, haben insgesamt 176 Personen, die sich in besonderer Weise um den Bezirk verdient gemacht haben, diese Auszeichnung erhalten. Ihre Namen finden sich an der Ehrenwand in der zweiten Etage des Rathauses.

Gruppenbild mit Urkunden.     Foto:mr

»Was wir brauchen, sind Menschen, die mehr als ihre Pflicht tun. Das sind die Ehrenamtlichen, die wertvolle Arbeit für das Gemeinwohl leisten«, sagte Bezirksverordnetenvorsteher Lars Oeverdiek in seiner Begrüßungsrede. »Neukölln hat Licht und Schatten. Wir brauchen die Menschen, die den Schatten zurückdrängen. Sie bereichern unsere Kieze und machen Neukölln noch lebenswerter«, ergänzte Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der sich dem Anlass angemessen mit seiner Amtskette geschmückt hatte. Ehre, wem Ehre gebührt weiterlesen

Emserstraße 27

Modernisierung steht ins Haus

Vor einem Jahr trat die neue Kappungsgrenze zur Modernisierungsumlage in Kraft. Seit dem 1. Januar 2019 dürfen nur noch acht anstatt vormals elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete umgelegt werden. Außerdem dürfen die Mieten nach Modernisierungen um maximal drei Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren steigen (beziehungsweise zwei Euro bei einem Quadratmeterpreis von unter sieben Euro).

MIetpreistreiber Modernisierung.     Foto: Emser 27

Die gut gemeinte Neuerung hatte jedoch einen Haken: Wer noch vor dem Stichtag die Ankündigung hinausschickte, konnte die Kosten nach altem Recht umlegen. So entstanden teils absurde Fälle von angekündigten Modernisierungen in bis zu drei Jahren. Interessant für alle von ähnlichen Fällen Betroffene ist die Entscheidung des Oberlandesgerichts München in einer Musterfeststellungsklage. Im Oktober 2019 begründete es die Zustimmung zur Klage gegen einen Vermieter damit, dass ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen Ankündigung und Umsetzung bestehen müsse. Emserstraße 27 weiterlesen

Weisestraße 17

»Froschkönig« in Gefahr

Inzwischen hat es gut und gerne Symbolcharakter: Jochen Biedermann, Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste (Grüne) trifft sich mit Mietern eines Hauses, das verkauft worden ist. Diesmal eine Woche vor Heiligabend in der über den Schillerkiez hinaus bekannten sozialen Institution und Kiezkneipe »Froschkönig« in der Weisestraße 17, eben in dem Mietshaus, das gerade verkauft worden ist.

Jochen Biedermann und das »Froschkönig«-Führungsteam.  Foto: mf

Damit be­ginnt auch die zweimonatige Frist, in der der Bezirk sein Vorkaufsrecht über einen sogenannten Drittkäufer, in der Regel eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, ausüben kann. Für diese erscheint auf Grund des »Berliner Mietendeckels« der Ankauf derzeit nicht unbedingt lukrativ. Biedermann sieht trotzdem eine reelle Chance, da sowohl das Bezirksamt Neukölln als auch eine Wohnungsbaugesellschaft ihre Bereitschaft erklärt haben. Da die Weisestraße 17 in einem »Milieuschutzgebiet«, also in einem »Sozialen Erhaltungsgebiet«, liegt, könnten die Mieter Glück haben, dass das Vorkaufsrecht ausgeübt wird. Einige von ihnen leben seit vielen Jahrzehnten in diesem Haus. Weisestraße 17 weiterlesen

Leserbrief Karstadt-Gebäude

Niloufar Tajeri schrieb uns: Ende November fanden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Veranstaltungen zum […]Karstadt-Abriss am Hermannplatz statt. Eine von der SPD Rixdorf […], eine von der Initiative Hermannplatz. Der Termin der Initiative stand […], als die Anfrage der SPD kam. Eigentlich waren zu der Diskussion auch Vertreter der ‚Initiative Hermannplatz‘ eingeladen[…]. Die Ini hat nicht an der SPD-Diskussion teilgenommen, weil sie es zeitlich nicht geschafft hat, (da am Folgetag die längst geplante Infoveranstaltung durchgeführt wurde. Anm. der Redaktion) Es wäre wünschenswert, wenn die Perspektive der Initiative, die es immerhin geschafft hat, knapp 150 Nachbarinnen und Nachbarn auf ihrer Veranstaltung zu versammeln, in einer angemessenen Form transportiert wird.
(Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinngemäß zu kürzen.)

Unterstützung für Schwerkranke

»Ricam«-Tageshospiz ist fertig

Der Veranstaltungsraum war zum Bersten gefüllt, selbst auf dem Flur ging nichts mehr. Rund 200 Besucher waren am 14. Dezember in den Orchideenweg in Rudow gekommen, um bei der Eröffnung eines ganz besonderen Projektes dabei zu sein: Das erste Tageshospiz in Deutschland.

Schlüsselübergabe im »Ricam«-Hospiz.    Foto: Stefanus Parmann

»Es ist etwas Außerordentliches, was wir hier geschaffen haben. Mit der engagierten Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger, von Berliner Unternehmen, der Bundes- und Landespolitik ist es der »Ricam Hospiz Stiftung« gelungen, in Berlin den Weg für ein neues zukunftsweisendes Angebot der Hospiz- und Palliativarbeit zu bereiten«, freute sich Toska Holtz, Geschäftsführerin der »Ricam Hospiz Stiftung«. Unterstützung für Schwerkranke weiterlesen

Neukölln wird geteilt

Glascontainer im Süden nur noch auf der Straße

Die Senatsverwaltung für Umwelt unter der Grünen Senatorin Regine Günther hat 2019 mit der Firma »Berlin Recycling«, einer Tochter der BSR, vertraglich vereinbart, dass sie über 30.000 Altglassammelbehälter abschaffen darf.

Wanderungen zum Container.     Foto: rr

Betroffen sind Wohnanlagen und Privathaushalte in neun Bezirken in Gebieten außerhalb des S-Bahnringes. Neuköllner südlich des S-Bahnringes können nun ihr Altglas nur noch in die raren, öffentlichen Depotcon­tainer geben oder müssen zum Recyclinghof an der Grade­straße. Damit sind Britz, Buckow, Rudow und die Gropiusstadt von Nordneukölln abgetrennt. Neukölln wird geteilt weiterlesen

Kiezgespräche

Von Müll und Mieten

KuK: Welche Themen bewegen Sie im Kiez?
Mike: Was mich und meine Frau beschäftigt, ist das Thema Wohnen. Wir haben ein Kind und hätten gerne ein zweites. Im Moment wohnen wir in einer Zweizimmerwohnung, und es scheint unmöglich, etwas größeres Bezahlbares zu finden. Wir möchten im Schillerkiez bleiben, denn hier ist die Kita und der Arbeitsplatz. Letztens haben wir zum Beispiel gesehen, dass an der Hasenheide neue Häuser gebaut werden mit Mietwohnungen. Als wir uns dort gemeldet haben, sind wir direkt gewarnt worden, dass der Durchschnittspreis für den Quadratmeter bei 25 Euro liege. Da wird gebaut, aber einfach völlig unleistbar. Bleibt uns dann nur ein Umzug? Und wenn ja, wohin? Eventuell müsste mein Sohn dann nochmal die Kita wechseln, was er eh schon mal musste. Oder wir bleiben einfach in einer zu kleinen Wohnung. Kiezgespräche weiterlesen

Leinestraße 8 geht nun doch an Investor

Kommunalisierung scheitert an bezirklichem Verfahrensfehler

Die Zitterpartie um die Ausübung des Vorkaufsrechts in der Leinestraße 8 hat ein Ende gefunden. Doch ist dieses weder im Sinne des Bezirks, noch im Sinne der Bewohner und Bewohnerinnen: Der Käufer, die »Aramid Immobilien GmbH & Co. KG« aus München, hat Widerspruch eingelegt. Nach Prüfung des Anliegens musste der Bezirk einen Verfahrensfehler eingestehen und dem Widerspruch stattgeben.

Leine 8.    Foto: Leine8

Noch vor wenigen Wochen konnte sich die Hausgemeinschaft »Leine8« über die Ausübung des Vorkaufsrechts in letzter Sekunde freuen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft »Degewo« hatte sich nach langer Bedenkzeit für einen Kauf des Hauses im Schillerkiez entschieden. Das Gesetz will es, dass der Bezirk den Käufer innerhalb einer Frist von zwei Monaten nach dem Hauskauf über die Vorkaufsabsicht unterrichtet. Leinestraße 8 geht nun doch an Investor weiterlesen

Soll Karstadt neu gebaut werden?

Gegner und Befürworter diskutieren auf unterschiedlichen Veranstaltungen

Die Diskussion um den Umbau des Karstadtgebäudes im Stil von 1929 geht weiter. Am 19. November befasste sich die SPD-Abteilung Rixdorf mit dieser Frage. Zu Gast im »Cafe Saarbach« in der Sanderstraße 22 waren Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, sowie Timo Schramm, Sprecher der Projektgruppe Mieten und Wohnen der Neuköllner SPD. Moderiert wurde das Gespräch von Nicola Böcker-Giannini, Mitglied des Abgeordnetenhauses.

Causa Karstadt im »Saarbach«.      Foto: mr

Während Schramm die Risiken und Nebenwirkungen des Neubaus wie die Steigerung der Gewerbemieten herausstellte, sah Busch-Petersen eher Chancen. Ein solcher Neubau mit einem funktionierenden Warenhaus darin könnte viele Besucher anlocken, die auch dem Einzelhandel in der Umgebung nützen könnten.
Auch Martin Hikel gehört zu den Befürwortern, knüpft jedoch Bedingungen an seine Unterstützung für den Bau. Soll Karstadt neu gebaut werden? weiterlesen

Unterwegs mit dem Streetworker Malte Dau

»Fixpunkt« zeigt die süchtige Seite

Es ist fast wie »High Noon«. Kurz vor zwölf Uhr mittags stehen circa 20 erwartungsvolle Menschen vor dem Haus Karl-Marx-Straße 202. Dort befindet sich im Erdgeschoss der Anlaufpunkt der Drogenhilfe »Fixpunkt«. Hier ist kostenfreie Beratung, medizinische Ersthilfe und der Empfang sauberer Spritzen für Konsumenten möglich. Für den Drogenkonsum gibt es einen separaten Bereich. Zusätzlich sind Kaffee und Tee, alkohol­freie Getränke und warmes Essen erhältlich, es kann geduscht, die Kleidung gewaschen und gewechselt werden. Mehr als 50 Cent muss für jeden einzelnen Konsumartikel nicht bezahlt werden. Viele der Klienten sind obdachlos. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern. Zwei Männer sprechen Russisch miteinander. Unterwegs mit dem Streetworker Malte Dau weiterlesen

Selbstbewusst gegen das Hurenstigma

»Hydra Café« für Sexarbeiterinnen

Leichtfertig ist vom »ältesten Gewerbe der Menschheit« die Rede, weniger von anstrengender Sexarbeit. In offiziellen Lebensläufen bleibt die Tätigkeit in der Erotikbranche häufig unerwähnt oder wird umschrieben, beispielsweise als Masseurin oder Kosmetikerin. Dabei wird Sexarbeit täglich, überwiegend von Männern, millionenfach in Anspruch genommen, doch der Beruf unterliegt dem Hurenstigma. Wenn sich Sexarbeitende außerhalb ihrer Tätigkeit outen, stößt das oft auf Ablehnung.
Das sogenannte »Prostituiertenschutzgesetz« von 2017 hat keineswegs zu mehr »Schutz« geführt. Stattdessen sind die in diesem Berufsfeld Arbeitenden verunsichert.

Raum für offene Gespräche.Foto: pr

»Hydra«, die seit 1980 bestehende Selbstorgansation von Sexarbeiterinnen, hat darauf reagiert. Zusätzlich zu dem seit 1980 praktizierten Beratungsangebot in Kreuzberg gibt es seit Anfang 2019 das »Hydra Café« in Neukölln. In gemütlich eingerichteten hellen Räumen finden Sexarbeiterinnen einen Ruhepunkt, einen Ort, an dem sie sich erholen und über ihre anspruchsvolle Arbeit miteinander reden und entspannen können. Selbstbewusst gegen das Hurenstigma weiterlesen

Kiezgespräche

Baustellen, Mieten und Hasenheide

KuK: Welche Themen bewegen Sie im Kiez? Ulrike: Keine Frage, die Baustelle auf der Karl-Marx-Straße. In der Anzengruberstraße stecken wir im Moment in einer Sackgasse. Es ist eng, keiner kommt durch, und die Leute sind einfach nicht gut drauf. Seit einem Jahr ist das ein Problem, seit ein paar Monaten kommt man hier gar nicht mehr durch. Kiezgespräche weiterlesen

Singen gegen Armut

Benefizkonzert der »Gropiuslerchen«

Alle Sitzplätze der »Dreieinigkeitskirche« in Gropiusstadt waren belegt, als am Abend des 6. November der Neuköllner Chor »Gropiuslerchen« ein Benefizkonzert gab. Die Erlöse kamen zu gleichen Teilen der Tee- und Wärmestube und dem »Zentrum Dreieinigkeit für Menschen mit Handicap« zu.

Gold für die Lerchen.     Foto: pm

Das Motto des Abends lautete »Armut eine Stimme geben«. Moderatorin Sabrina Rucks betonte, wie wichtig die Enttabuisierung von Armut sei, um Betroffenen die Scham zu nehmen und ein Problembewusstsein seitens der Politik und Öffentlichkeit zu schaffen. Der Sozialbeauftragte der CDU Neukölln und Armutsbeauftragte des Diakoniewerks Simeon, Thomas der Vachroi, plant unter demselben Motto eine Großveranstaltung im kommenden Sommer.
Der Gründer der »Gropiuslerchen«, Bernhard Jahn, ist extra für das Konzert aus Frankreich angereist. Unter den Gästen in der rappelvollen Kirche waren außerdem Christian Nottmeier vom Kirchenkreis Neukölln, Neuköllns amtierender Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der ehemalige Bezirksbürgermeister Bodo Manegold, sowie die Stadträte Bernward Eberenz und Falko Liecke. Singen gegen Armut weiterlesen

Radweg durchs Karstadtgebäude

Links: Alte Karstadtfassade, rechts neue Fahrradstraße im Hof      .Foto: historisch / mr

Investor bemüht sich um Charmeoffensive

Eine neue Fahrradstraße, die über den Innenhof des Karstadt-Kaufhauses am Hermannplatz führt, verbindet seit dem 26. Oktober die Hasenheide mit der Urbanstraße. Mit einem Hoffest, zu dem auch die Eröffnung einer Fahrradwerkstatt und eines Cafés gehörten, wurde sie der allgemeinen Nutzung übergeben.
Die Aktion war Teil einer Charmeoffensive, mit der die »Signa-Holding« die Öffentlichkeit von ihren Plänen zum Umbau des Karstadtgebäudes überzeugen will. Geplant ist, den Gebäudeteil aus den 50er Jahren durch ein Gebäude zu ersetzen, das sich in Größe und in der Optik an den Bau von 1929 anlehnt. »Wir wollen Karstadt fit machen für die nächsten 90 Jahre«, sagte Projektleiter Thibault Chavanat in seiner Eröffnungsansprache. Herzstück bleibe weiterhin das Kaufhaus, daneben solle es eine Mischnutzung aus Wohnungen, Büros, einem Markt, aber auch sozialen Einrichtungen geben. Das neu eröffnete Café soll als Ort des Austausches mit den Anwohnern dienen, um deren Interessen und Ängste kennenzulernen. Dazu sind in der nächsten Zeit verschiedene Gesprächsrunden geplant, bei denen Befürworter und Kritiker ins Gespräch kommen können. Radweg durchs Karstadtgebäude weiterlesen

Umgestaltung des Karl-Marx-Platzes

Mehr Fläche für Markt und Rad

Seit einigen Jahren arbeitet der Bezirk an der Umsetzung eines Verkehrskonzeptes zur Verkehrsberuhigung im Richardkiez. Der Kiez liegt zwischen den wichtigen Verkehrsadern Sonnenallee und Karl-Marx-Straße und wird daher von vielen Autofahrern gerne für Schleichwege genutzt. Rund um den Richardplatz wurden seit dem letzten Jahr bereits eine Reihe von verkehrsberuhigenden Maßnahmen umgesetzt.

KArl-MArx-Platz nach Planerwunsch.       Foto: mr

Als nächstes ist die Umgestaltung das Karl-Marx-Platzes dran. Hier sind eine Vergrößerung der Platzfläche sowie eine neue Radwegeführung vorgesehen. Baubeginn ist voraussichtlich im Sommer 2020.
Bei einer Informationsveranstaltung am 24. Oktober im Rathaus Neukölln stellten Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Fachleute des Straßen- und Grünflächenamts sowie das beauftragte Planungsbüro »LOPP Ing« das Projekt vor. Umgestaltung des Karl-Marx-Platzes weiterlesen

Weigandufer: Streit geht weiter

Bezirk beginnt Rodung, Anwohner sind auf den Barrikaden

Das Weigandufer ist weiter Zentrum des Konflikts zwischen Bezirk und Bürgern. Während die Rodung des Grünstreifens zwischen Wildenbruchstraße und Fuldastraße am 16. Oktober begonnen hat, ist der Streit weiter eskaliert. Anwohner befürchten Verdrängung durch Aufwertung des Gebiets und das Sterben der örtlichen Sperlingspopulation, deren Habitate in der Bundesrepublik nach §44 BNatSchG geschützt sind.

KAhlschlag ohne Rücksicht auf Sperlinge.    Foto: me

Die wilden Sträucher mussten weichen, damit ein barrierefreier Zugang zum Abschnitt sichergestellt werden kann, die Sichtbarkeit von Verkehrsteilnehmern bei Straßenquerungen erhöht wird und eine effizientere Verteilung von Regenwasser durch eine Versickerungsmulde stattfindet. Auf starke Kritik seitens der Bürger­initiative »Weigandufer retten« und Weiteren, darunter Marlis Fuhrmann (LINKE) gegen die Rodung folgten nun Handlungen des Bezirks, die allerdings einen Kompromiss zulassen. Weigandufer: Streit geht weiter weiterlesen

Kleine Freuden

»Weihnachtspäckchen für Kinder in Not«

Bis zum 28. November 2019 stellt Fritz Felgentreu sein Bürgerbüro als Sammelstelle für die Aktion »Weihnachtspäckchen für Kinder in Not« der Stiftung »Kinderzukunft« zur Verfügung. In vielen Familien in den armen Regionen Osteuropas reicht das Geld gerade dafür aus, den täglichen Bedarf abzudecken. Für das kleine Extra, für Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder, genügt es nicht.
Wer mitmachen möchte, füllt einfach einen Schuhkarton mit Süßigkeiten und Gebäck, Spielsachen, Hygieneartikeln, Schreib-, Mal- und Bastelutensilien oder neuer Kleidung für Kinder und Jugendliche und verpackt ihn anschließend mit Geschenkpapier zu einem Weihnachtspäckchen. Hilfreich ist es, außen zu markieren, ob der Inhalt eher für Jungen oder Mädchen gedacht ist.
Die Päckchen können Dienstag – Freitag zwischen 9:00 und 15:00, mittwochs auch bis 18:00 im Bürgerbüro am Lipschitzplatz, Lipschitzallee 70 abgegeben werden.

pr
Weitere Informationen erhalten Sie vor Ort im Bürgerbüro, unter der Telefonnummer 030-568 21 111 oder unter
www.kinderzukunft.de

Widerstand gegen Profitgier

Initiative kämpft für Erhalt des »Schiller‘s«

»Macht eure Profite Samwer else – aber nicht mit unserer Miete« steht in großen Buchstaben auf einem weißen Transparent. Unter diesem Leitspruch, welcher Widerstand gegen das aggressive Geschäftsgebaren der »Zalando-Brüder« auf dem Berliner Wohnungsmarkt ankündigt, haben sich an einem herbstlichen Sonntagnachmittag circa 60 Personen zu einer Kundgebung auf der Schillerpromenade versammelt.

Nachbarn sauer auf die Samwers.   Foto: Alexander Indra

Konkret geht es an diesem Tag um den Fall einer der hier anliegenden Kiezkneipen – dem »Schiller‘s«. Denn das Haus an der Ecke zur Okerstraße, in dem Waldemar Schwienbacher seit nunmehr zehn Jahren seine Gäste bewirtet, ist wie zuletzt viele andere Wohnobjekte in Berlin vor vier Jahren von einer Immobilienfirma der drei Samwer-Brüder, der »Aramis Immobilien GmbH«, aufgekauft worden. Widerstand gegen Profitgier weiterlesen

Als Neukölln Geschichte schrieb

Maueröffnung mit zweistündigem Vorsprung auf die Bornholmer Straße

Nach über 28 Jahren ihrer Existenz öffnete sich in der Nacht des 9. November 1989 die Berliner Mauer. An jenem Tag kündigte der DDR-Funktionär Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz eine neue Reiseregelung für DDR-Bürger an. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann sie denn gelten würde, antwortete Schabowski: »Ab sofort, unverzüglich.«


Da diese Pressekonferenz live im Fernsehen übertragen wurde, strömten unmittelbar nach dieser Aussage überall DDR Bürger zur innerdeutschen Grenze. Der Berliner Übergang Bornholmer Straße wurde noch am selben Tag um 23:30 geöffnet. Das und Bilder von jubelnden Ostberlinern, die in den Westteil drängten, wurde sofort verbreitet. Als Neukölln Geschichte schrieb weiterlesen

Wo die Nachtigall trapst

Drogen im Anita-Berber-Park

Es ist ein Kreuz mit dem sehr eigenwillig angelegten Anita-Berber-Park. Das Areal hat ein hartes Drogenproblem. Immer wieder werden Spritzen gefunden, nicht nur in der Nacht kommen »bedürftige« Menschen und suchen ein Gebüsch. Zur Eröffnung 2017 waren alle zufrieden und optimistisch: Familien, Radfahrer, Hundehalter, Vogelkundler. Die sehr offene Bürgerbeteiligung an den künftigen Nutzungsmöglichkeiten hatte Erfolg.

Dealer oder Parkbesucher? Foto: mr

Der Anita-Berber-Park ist schön. Die Friedhofsmauern stehen unter Denkmalschutz, ebenso die vom Haupttor aus ins Gelände führende Platanenallee. Diese reicht in der Längsachse von der Hermannstraße an das Tempelhofer Feld heran. Radfahrer nutzen diesen für Fußgänger vorgesehenen Weg ausgiebig. Für den Fahrradverkehr ist eigentlich der »Grüne Weg« vorgesehen, der von der Thomasstraße aus direkt zum Eingang des Feldes an der Oderstraße führt. Leider fehlt dort eine Ampel. So wird also temporeich der Platanenweg genutzt. Wo die Nachtigall trapst weiterlesen

Im Schillerkiez wehrt sich was

Verschiedene Initiativen kämpfen gegen Verdrängung – und feiern zusammen

Unverwechselbar ist der Schillerkiez auf der Karte der Recherche-AG der »nk44« Kiezversammlung zu erkennen. Auf ihm kleben lauter bunte Punkte. Kneipen, in denen man auch mal ein Bier trinken sollte? Leider nicht. Jeder Einzelne der Punkte – und es sind viele – steht für Verdrängung. Eigenbedarfsklagen, Leerstand, Dauer-Airbnbs und Modernisierungen sind hier verzeichnet.

Bühne auf dem Weisestraßenfest.Foto: jt

Als die Karte auf dem Weisestraßenfest am 7. September ausgestellt wurde, kamen dauernd neue Punkte dazu, die Festbesucher hatten alle ihre Geschichten dabei. Eine ältere Dame, die nur zufällig mit ihrem Hund vorbeikam, erkannte ihre eigene Wohnsituation in den Redebeiträgen wieder. Schockiert berichtete sie von den Vorgängen in ihrem Haus in der Lichtenrader Straße, das der Immobilienfirma »Covivio« gehört.
Genau wie der ganze Block gegenüber in der Mahlower Straße, wie ein Blick auf die Karte zeigte: Lauter blaue Punkte.
Aber es gibt auch ein paar Punkte, die Orte des Widerstandes markieren. Denn im Schillerkiez wehrt sich was gegen die Verdrängung und den Mietenwahnsinn. Im Schillerkiez wehrt sich was weiterlesen

Erfolg für Mieterinitiative

»Gropiuswohnen« macht Zugeständnisse

Ende 2018 erhielten die Bewohner des Ulrich-von-Hassel-Wegs 5/7 und der Lipschitzallee 59/61 (ULLI) Modernisierungsankündigungen. Mit bis zu 250 Euro sollten die energetischen Modernisierungsmaßnahmen auf die monatliche Miete umgelegt werden. Das wollten die betroffenen Mieter nicht hinnehmen und gründeten die Mieterinitiative »ULLI«.

Gropiusstadt soll bezahlbar bleiben.       Foto: mr

Nach zahlreichen Protestaktionen gibt es jetzt einen ersten Erfolg: In einem Vertrag mit dem Bezirksamt verpflichtet sich »Gropiuswohnen« auf eine Kappung der Mietsteigerung bei zwei Euro pro Quadratmeter.
Die von der Modernisierung betroffenen Mieter hatten/haben wenig Verständnis für die monatliche Mieterhöhung wegen beispielsweise des Einbaus neuer Fenster und einer Fassadendämmung. Die Mieterin Mar­lies P. dazu: »Innerhalb der Wohnräume gibt es keine Modernisierungsmaßnahmen, und eine Strangsanierung ist auch nicht vorgesehen. Eine derartige Erhöhung der Miete ist und war deshalb nicht einzusehen.« Erfolg für Mieterinitiative weiterlesen

Leinestraße 8 in städtischer Hand

Bezirkliches Vorverkaufsrecht versus Mietendeckel

Für die Bewohner der Leinestraße 8 ist es geschafft. Der Verkauf ihres Hauses an den Investor »Aramid GmbH« wurde wortwörtlich in letzter Sekunde abgewehrt. Am Montag, dem 16. September, ist die zweimonatige Frist für das bezirkliche Vorkaufsrecht abgelaufen, die Mieter erhielten am 17. September die frohe Nachricht per Post. Das städtische Wohnungsbauunternehmen »Degewo« hat kurz vor Fristende den Kauf des Hauses zugesagt.

Auf der Suche nach Kompromissen.  Foto: Leine8

Warum konnte erst so knapp eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft zum Kauf gefunden werden? Ein Faktor könnte die Kollision von Vorkaufsrecht und Mietendeckel sein. Auch städtischen Unternehmen muss die Wirtschaftlichkeit eines Objekts garantiert sein. Da sich der Kaufpreis des Hauses in den vergangenen Jahren vervielfacht habe und der Mietendeckel die Einnahmen noch weiter regulieren würde, könne sich der Kauf der Leinestraße 8 erst in 35 bis 50 Jahren rentieren, so Stadtrat Jochen Biedermann laut einem Artikel der »taz« vom 22. September. Leinestraße 8 in städtischer Hand weiterlesen

»Refugio« – zusammen stark

Gemeinsam wohnen – miteinander arbeiten

Seit 2015 gibt es in der Lenaustraße ein Café, das für die gute Sache arbeitet. Welche gute Sache? Eine solidarische Gemeinschaft aus Neu- und Altberlinern mit verschiedenen sozialen Hintergründen, ein Projekt für das »Zusammen« – das »Refugio«, betrieben durch die Berliner Stadtmission unter der Leitung von Anna Pass. Sechs Etagen, inklusive einer Dachterrasse umfasst das Haus, in dem auf drei Stockwerken knapp 40 Personen Lebensraum teilen und miteinander arbeiten.

Refugio.Foto: Tabea Büttner

Das Konzept des Hauses beruht auf gegenseitiger Unterstützung. Ganz bewusst wird hier nicht von einem Angebot für Hilfsbedürftige gesprochen, denn das »Refugio« stigmatisiert nicht. Vielmehr sollen die Bewohner aktiviert werden und ihr Selbstvertrauen stärken. Der Grundgedanke ist, dass jeder Mensch etwas zur Gemeinschaft beitragen kann und dass durch gemeinsames Umsetzen von Plänen Stärken gefördert werden, was auf lange Sicht ein Empowerment auch im Bereich der Integration zum Ziel hat. Immerhin besteht die Community aus einer bunten Mischung von Menschen, die ihre Heimat hinter sich lassen mussten und solchen, die auf der Suche nach einem neuen Leben sind. »Refugio« – zusammen stark weiterlesen

Kiez statt Kies

Gemeinsam die »ReißLEINE« ziehen

»Nun sind auch wir dran! Unser Haus in der Leinestraße 8 wurde an die »Aramid GmbH & Co. KG« verkauft.« Dieser »profitorientierte Investor« hat seinen Sitz in Liechtenstein, schreiben die Bewohner des Hauses in einem Flyer, der an allen Haustüren im Schillerkiez hing. »Wir sind Ur- und Wahlneuköllner, Familien, Berufstätige, Erwerbslose, Rentner und Studierenden-WGs. Wir sind hier zu Hause.«
Am 25. August kamen mehr als fünfzig Menschen zum »Hausbankett mit Kundgebung«. Stadtrat Jochen Biedermann nahm ebenfalls teil. Er ist mehr denn je damit beschäftigt zu prüfen, ob der Bezirk oder das Land vom Vorkaufsrecht für die betroffene Immobilie noch Gebrauch machen kann. Im Kern der Forderungen steht »bezahlbarer Wohnraum für alle«. Zusätzlich wird verlangt, die Veräußerung des Gebäudes durch das bezirkliche Vorkaufsrecht« zu verhindern und die »Übernahme unseres Kaufvertrages durch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft oder Genossenschaft« durchzusetzen.
Der weiterhin aktuelle Aufruf endet mit »Gemeinsam gegen Verdrängung.« Nachdem der Szenekneipe »Syndikat« gekündigt wurde, entstehen immer mehr Initiativen, die sich vernetzen.

th
presse@leine8.de
#leine8bleibt.

Schön wie unsere Kiezhausmeister

Miteinander gegen den Müll

In Neukölln wird dem Abfall der Kampf angesagt. Die Bewegung SCHÖN WIE WIR, die 2016 als Initiative des Bezirksamts Neukölln gegründet wurde, setzt ganz auf die Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern, um ein sauberes, nachhaltiges Neukölln zu fördern. Neben Projekten zur Begrünung und Mehrweg-Beratungen werden hier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert, die vor Ort im Kiez Hilfe für jegliche Müllprobleme anbieten: Die sogenannten Kiezhausmeister.

Kiezhausmeister mit seinem Fahrzeug.    Foto: me

9.480 Kubikmeter illegal abgeladenen Sperrmüll und Elektroschrott musste die Berliner Stadtreinigung (BSR) vergangenes Jahr allein in Neukölln entsorgen. Ein Spitzenwert in Berlin, allerdings sind die Konsequenzen gar nicht spitze. Abfall im öffentlichen Raum sieht nämlich nicht nur schlimm aus, sondern bedeutet Risiken für Hygiene, Gesundheit und Klima. Schön wie unsere Kiezhausmeister weiterlesen

Vorfahrt fürs Fahrrad

Weserstraße soll fast komplett umgebaut werden

Für Fahrradfahrer in Neukölln wird es zukünftig ein bisschen sicherer und komfortabler. Nachdem bereits im September 2017 die Weser­straße zwischen Kottbusser Damm und Pannier­straße zur Fahrradstraße umgebaut wurde, werden jetzt die Planungen für das zweite Teilstück bis zur Ederstraße in Angriff genommen. Die Weserstraße ist bereits jetzt eine viel genutzte Verbindung zwischen Neukölln und Kreuzberg. Mit der Umwandlung zur Fahrradstraße wird sie zu einer echten Alternative zur gefährlichen Sonnenallee.
Auf einer Fahrrad­straße haben Fahrradfahrer mehr Rechte gegenüber Autofahrern. Sie bestimmen das Tempo und haben Vorfahrt gegenüber den aus den einmündenden Nebenstraßen kommenden Autos. Zudem ist die Straße auch verkehrsberuhigt, also nur für Anlieger frei.
Bei einer Informationsveranstaltung am 7. August im Foyer der Sport- und Quartiershalle auf dem Campus Rütli stellten Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung Jochen Biedermann (Grüne) und das beteiligte Planungsbüro die aktuellen Planungen vor.
Es ist vorgesehen, zwischen Pannierstraße und Thiemannstraße das Kopfsteinpflaster durch Asphalt zu ersetzen. Der Abschnitt zwischen Thiemann- und Ederstraße hat bereits eine Asphaltdecke. Die bisherigen Fahrradwege sollen zurückgebaut und zu Autoparkplätzen für die Anwohner werden. Vorfahrt fürs Fahrrad weiterlesen

Für Nachhaltigkeit und Jugendkultur

In den Flughafenkiez fließt wieder Geld für soziale Projekte

In optimistischer Stimmung bewilligte der Quartiersrat Flughafenkiez auf seiner Sitzung am 18. Juni zwei neue Projekte für insgesamt 100.000 Euro. Die Projekte können ab sofort beginnen und bis Juli 2020 laufen. Die Beschlüsse erfolgten nahezu einstimmig. Zum einen geht es um ein nachhaltiges Umweltprojekt »für Jung und Alt«, zum anderen startet ein Kulturprojekt für und mit Schülern und Schülerinnen des Albert Schweizer Gymnasiums.
Das nachhaltige Umweltprojekt setzt hohe Ziele für einen sauberen und grünen Kiez. Am Ende soll eine Vernetzung von jungen und alten Menschen, von Initiativen und lokalen Unternehmen stehen. Die Jugendarbeit ankert an der Boddin Schule.

Gemüse im Pyramidengarten     .Foto: pr

Der »Pyramidengarten« am Columbiadamm wird auch einbezogen. Ein konkretes Ziel ist, zu einem »plastikfreien Kiez« beizutragen und die Sauberkeit zu verbessern. Der Kampagne SCHÖN WIE WIR stehen dafür leider keine Mittel zur Verfügung. Für Nachhaltigkeit und Jugendkultur weiterlesen

Bald wieder Musike in Rixdorf?

Heimatverein möchte Nordneukölln umbenennen

Ein neuer Berliner Ortsteil wäre nicht ungewöhnlich, wie zuletzt Borsigwalde in Reinickendorf. Hilmar Krüger, Vorsitzender des Neuköllner Heimatvereins möchte, dass (Nord-)Neukölln wieder Rixdorf heißt. Ihm wäre es eine Herzenssache, und er verweist dabei auch auf die Historie. »Nord-Neukölln« kann er nicht leiden und bei »Kreuzkölln« sträuben sich ihm die Nackenhaare.

Foto:rr

Der Bezirk Neukölln gliedert sich derzeit in die fünf Ortsteile Britz, Buckow, Rudow, Gropiusstadt und eben (Nord-)Neukölln. Das ist geografisch weitgehend identisch mit jener Stadt, die davor Rixdorf hieß. Hermann Boddin, der damalige Rixdorfer Bürgermeister regte eine Namensänderung an, die schließlich von seinem Nachfolger Kurt Kaiser – und formal auf Anweisung von Kaiser Wilhelm II. – 1912 gegen viel Widerstand durchgebracht wurde. Aus der eigenständigen Stadt Rixdorf (250.000 Einwohner) wurde Neukölln. Dieser Wechsel sollte den schlechten Ruf als Stadt des proletarischen Vergnügens und lockerer Sitten vergessen machen. 1920 wurde Neukölln ein Bezirk von »Groß-Berlin«. Bald wieder Musike in Rixdorf? weiterlesen

Prozession mit Murugan

Hindus feiern Wagenfest

Einmal im Jahr verläßt das Bildnis des Gottes Murugan seinen Platz im Tempel an der Blaschkoallee. In einer prunkvollen Prozession wird es durch die Straßen getragen, begleitet von Hunderten festlich gekleideten Gläubigen, Anwohnern, Musikern und Tänzern. Auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel sprach ein Grußwort und begleitete den Wagen ein Stück.

Hikel beim Festumzug.    Foto: mr

Diese Prozession ist der Höhepunkt des alljährlichen hinduistischen Tempelfestes.
Im Tempel gibt es acht Schreine mit Gottheiten. Im Zentrum Murugan, Kämpfer gegen böse religiöse und weltliche Kräfte. Er ist der Sohn von Shiva und Parvati, Bruder des elefantenköpfigen Gottes Ganesha, dessen Tempel in der Hasenheide errichtet wird.
Auch außerhalb des Festes steht das Gelände täglich für Besucher offen. Es gibt nur wenige Regeln: Das Betreten des Tempels mit Schuhen ist nicht gestattet, dort darf auch nicht fotografiert werden, Alkohol und Zigaretten sind auf dem Gelände tabu.

mr

Litfaßsäulen in Gefahr?

Analoge Werbung im digitalen Wandel

Berlin ist und bleibt mit rund 3.000 Stück die Hauptstadt der Litfaßsäulen, und selbst nach 164 Jahren wird sich daran so schnell nichts ändern, obwohl gerade einige abgerissen oder ausgetauscht werden. Der bisherige Außenwerber Wall hatte die neue Ausschreibung der Säulen gegen eine Firma aus Stuttgart verloren und ist zudem vertraglich verpflichtet, nun alle Säulen abzureißen.

LItfaßsäule in Britz. Foto: rr

Der inzwischen angelaufene Austausch blieb nicht überall unkommentiert. Viele Berliner sahen plötzlich eine Institution in Gefahr, und bald trugen einige vom Abriss bedrohte Säulen Protest- oder Trauerbotschaften. Es wurde auch befürchtet, dass historisch bedeutende Litfaßsäulen ebenso verschwinden könnten. Für 24 kann das nun ausgeschlossen werden, da sie noch rechtzeitig unter Denkmalschutz gestellt wurden. Vom Abriss betroffen wären 2.500 Säulen, darunter auch solche, die wegen Mängel oder wegen einer Asbestbelastung sowieso ausgetauscht worden wären. Litfaßsäulen in Gefahr? weiterlesen

Weigandufer: Streit um Sanierungsarbeiten

Wo einst Bäume und Sträucher standen, nun versiegelte Flächen und Steinbänke ihren Platz fanden

Der Streit um die Rodungen durch Sanierungsarbeiten am Weigandufer geht in die nächste Runde. Nachdem über die vergangenen zwei Monate mehr als 300 Anwohner und Anwohnerinnen Beschwerde beim Rathaus Neukölln, dem Straßen- und Grünflächenamt, dem Sanierungsträger »Brandenburger Stadterneuerungsgesellschaft mbH« (BSGmbH) und den Parteien SPD und GRÜNE einreichten, hat das »Beteiligungsgremium Sonnenallee« am 22. Juli durch einstimmigen Beschluss das Bezirksamt aufgefordert, eine Umplanung vorzunehmen.

Beton statt Büsche.    Foto: mr

Während die Verwaltung weiterhin darauf beharrt, die Rodung von Sträuchern sei notwendig, um Barrierefreiheit garantieren zu können und der Verwilderung des Ufers Einhalt zu gebieten, fordern Anwohner eine gezielte Beachtung des Klima- und Artenschutzes und nennen die Sanierungspolitik des Bezirksamtes »unzeitgemäß und rückwärtsgewandt«. Kritik wird außerdem gegenüber der »BSGmbH« geübt, da diese bei ihrer Planung und Umsetzung eine ökologische Baubegleitung versäumt habe. Weigandufer: Streit um Sanierungsarbeiten weiterlesen

Gute Nachricht für den Körnerpark

Neuköllns schönster Park bekommt neue Bänke

Noch ist der Bänkemangel im Körnerpark den Besuchern ein Dorn im Auge. Entlang der Hauptgrünfläche, zwischen Galerie und Brunnen befinden sich insgesamt 16 Buchten für Sitzflächen, von denen bisher nur noch fünf auch Bänke beinhalten, während in den verbleibenden lediglich Bodenhalterungen von einst dort angebrachten Sitzgelegenheiten prangen.

Bald wieder schöner zum Sitzen. Foto: me

Doch das soll sich nun ändern. Wie Rainer Sodeikat vom Grünflächenamt Neukölln bestätigt, wurden zehn Bänke bestellt. Bereits im vergangenen Jahr versprach Bezirksbürgermeister Martin Hikel die Bestellung neuer Sitzgelegenheiten, wobei sich der Prozess als schwierig herausstellte aufgrund der hohen Kosten jedes Einzelstücks, um den Richtlinien des Denkmalschutzes zu genügen. Gute Nachricht für den Körnerpark weiterlesen

Widerstand in Britz – HUFI

Mieter in der Hufeisensiedlung verbünden sich

Bei Mietern der »Deutsche Wohnen« rund um die Hufeisensiedlung in Britz gärt es. Diese private börsennotierte deutsche Wohnungsbaugesellschaft mit Hauptsitz in Berlin besitzt in dieser Stadt rund 111.000 Wohnungen, 95.000 davon waren ehemals Landeseigentum. Der Berliner Senat gedachte damals, mit ihrem Verkauf der desolaten Finanzlage der Stadt begegnen zu können.

Versammlung im Juni. Foto: rr

Für viele Mieter verkaufter Sozialwohnungen hat das nun fatale Folgen. Die neuen Besitzer erhöhen die Mieten, verdrängen so oft alte Stammmieter und fördern eine soziale Entmischung. Die »Deutsche Wohnen« fällt dabei besonders auf, denn sie muss die Gewinne steigern5, damit ihre Aktionäre gute Dividenden erhalten.
Die Lage für Mieter, nicht nur der »Deutsche Wohnen« in Berlin, wird dramatisch. Stetig steigen die Mieten, bezahlbarer Wohnraum wird stadtweit, selbst im Umland, knapp. Immer mehr Menschen müssen deshalb ihre angestammten Kieze verlassen. Blauäugig hat sich damals die Politik auf eine Regelung durch den freien Markt verlassen. Nun fehlen nicht nur 135.000 Wohnungen, Berlin hat derzeit auch den höchsten Bauüberhang, weil Bauverwaltungen überlastet sind und die Bauindustrie kaum noch Kapazitäten hat.
Aufgeschreckt durch die derzeit desaströsen Zustände auf dem Berliner Wohnungsmarkt, werden die Mieter inzwischen selber aktiv. Widerstand in Britz – HUFI weiterlesen

Nachhaltiges Neukölln

Das »Schön wie wir« Maskottchen Lilo und der Bürgermeister.Foto: mr

Auf dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest wird an die Bürger appelliert

Wie wollen wir langfristig als Gesellschaft leben? Was kann jeder einzelne tun, um ein lebenswertes, nachhaltiges und vor allem müllfreies Neukölln zu gestalten? Das zweite Umweltund Nachhaltigkeitsfest Neukölln am 22. Juni am Herrfurthplatz stellte dazu wichtige Ideen vor. Organisiert wurde es vom »Genug e.V.« und von der Bewegung »Schön wie wir«, das mit dem Projekt »Mehrweg-Beratung« das Müllproblem bei der Wurzel packen will. Nachhaltiges Neukölln weiterlesen

Kiezkultur versus Gesetz

Spätkaufinhaber demonstrieren für Sonntagsöffnung

Die Milch für den Sonntagskaffee ist alle, der Tabak auch, und etwas zum Naschen wär auch noch ganz schön. Alles kein Problem, denn wenn die Supermärkte dicht haben, versorgen die Spätis Anwohner und Touristen mit dem Lebensnotwendigen.
Legal ist das nicht, denn gemäß dem Ladenöffnungsgesetz dürfen Spätis an Sonn- und Feiertagengar nicht geöffnet haben. Für die kleinenLäden sind die Sonntagsöffnungszeiten aber wichtig, weil sie dann quasi konkurrenzlos das beste Geschäft der Wochemachen.
Am 16. Juni haben rund 250 Späti-Betreiber auf dem Hermannplatz füreine Modernisierung des Gesetzes demonstriert und eine Gleichstellung mit Tankstellen und Bahnhofsgeschäften gefordert, für die es Ausnahmen gibt.

Spätidemo. Foto:mr

»Spätis gehören zu Berlin so wie die BVG, der Checkpoint Charlie und der Mauerpark. Sie sind zentraler Bestandteil der Berliner Kiezkultur, Nachbarschaftstreffpunkte und schaffen Arbeitsplätze«, rief Alper Baba, Neuköllner Späti-Betreiber und Vorsitzenderdes Vereins »Späti e.V« den Anwesenden zu. Wenn der Sonntag gestrichen werde, würden viele Läden zumachen müssen und Familien ihre Existenzenverlieren. »Meine Familie und ich wollenselbst entscheiden, wann wir arbeiten.« Kiezkultur versus Gesetz weiterlesen

»58 Plus« will mehr

»Sostaplan e.V.« bremst aktive Senioren aus

»Eine Nachbarin hat mir gesagt, sie kann nur 82 werden, dann sind alle ihre Ersparnisse verbraucht«, sagt Ariane Metzger empört. »Wir haben ein Leben lang gearbeitet und bekommen dafür zu wenig Rente. Steigende Mieten können wir uns nicht leisten. Aus meiner Wohnung im Bergmannkiez wurde ich heraus gentrifiziert, zum Glück habe ich hier im Flughafenkiez eine Genossenschaftswohnung gefunden.« Ariane Metzger gehört zu den Wegbereiterinnen und zum sechsköpfigen Beirat des Projektes »58 plus« für den Flughafenkiez.
Der Flughafenkiez ist dicht bebaut und durchzogen von Durchgangsstraßen. Sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund leben hier und betreiben Geschäfte, ebenso viele junge Menschen, die nur vorübergehend in Berlin sind. Selten sieht man ältere Menschen auf den Straßen. Im Kiez leben etwa 700 Leute, die im Rentenalter sind. Die Altersarmut im Flughafenkiez überschreitet zwanzig Prozent, erreicht damit das Vierfache des Berliner Durchschnitts. »58 Plus« will mehr weiterlesen

»Blaues Gold« kostenlos vor dem Rathaus Neukölln

Neuer Trinkwasserbrunnen für alle

Seit dem 5. Juni sprudelt kostenloses Trinkwasser aus einem schmalen, filigran gestalteten Brunnen auf dem Platz vor dem Rathaus Neukölln. Die künstliche Quelle ist von der Farbe her passend tiefblau gestrichen. Die Einweihung durch Bürgermeister Hikel und Johannes Tiefensee von den Berliner Wasserbetrieben war Teil einer »Trinkwasseroffensive«.

Und fröhlich sprudelt das Nass. Foto: fh

Obwohl Wasser in der Nutzung transparent erscheint, gilt es als »blaues Gold«, welches der Erde den Namen »der blaue Planet« verliehen hat, denn die Erde besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Für die Gesundheit aller Lebewesen auf der Erde ist Wasser unverzichtbar. Es kann zum wichtigsten Rohstoff des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden.
Beliebt ist Wasser bei den Berlinern auf jeden Fall. Im Monat Mai bei starker Hitze verbrauchten sie so viel Trinkwasser wie seit 18 Jahren nicht mehr. Die »Berliner Morgenpost« gibt laut Auswertung der Berliner Wasserbetriebe 21,4 Millionen Kubikmeter an. Doch nur fünf Prozent davon werden für Kochen und Trinken genutzt. 14 Prozent entfallen auf Waschen und Geschirrspülen, 31 Prozent auf Toilettenspülung und 40 Prozent auf Körperpflege. Zum Trinken wird industriell produziertes Mineralwasser bevorzugt. »Blaues Gold« kostenlos vor dem Rathaus Neukölln weiterlesen

»Betolab« bleibt

Milieuschutz für Gewerberäume fehlt

Das italienische Galeriecafé »Betolab« an der Okerstraße bleibt. Es gewann am 13. Juni vor Gericht gegen die Räumungsklage des Vermieters. Das Gericht erklärte Kündigungen gegenüber dem Café für unwirksam, während die Verlängerung des Mietvertrages bis September 2024 als wirksam angesehen wurde. Hinter der Kündigung steckt niemand anderes als eine luxemburgische Briefkastenfirma, die bereits den Mietvertrag mit der Szenekneipe »Syndikat« gekündigt hatte.
Das Team des »Syndikats« hatte recherchiert, dass sich hinter dieser luxemburgischen Firma die britische Milliardärsfamilie Pears verbirgt. Recherchen durch »Tagesspiegel« und »Correctiv« bestätigten dies.
Es bleibt abzuwarten, wie das Gericht im kommenden Räumungsprozess gegen das »Syndikat« entscheiden wird. Für Gewerberäume fehlt leider bislang die Möglichkeit, Milieuschutz einzuführen, so dass kurzfristigere Kündigungen möglich sind als bei Mietwohnungen. Es bleibt derweil nur der vernetzte Widerstand aller Menschen, ob Mieter oder Gewerbetreibender.

th