Revolten und Revolutionen

»Are you satisfied?« in der Galerie im Körnerpark

Bilder von Straßenkämpfern und Demonstrationen, Aufrufe, Transparente: Die Galerie im Körnerpark widmet sich in der aktuellen Ausstellung »Are you satisfied?« den Bedingungen und Mechanismen revolutionären Handelns und seiner Folgen.
Die Ausstellung wurde bereits in Kiel aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes, dem Auslöser der deutschen Novemberrevolution, gezeigt. Sie thematisiert Formen des Widerstands, des Protests und revolutionären Handelns, die ein Jahrhundert später die mediale Realität der globalisierten Welt der Gegenwart prägen.

Demo als Kunst.                                                                                                                                                    Foto: mr

Die Künstler befassen sich mit den Potenzialen des Aufruhrs, den Grenzen der Partizipation, mit aktuellen Spielarten staatlicher Regulierung, Spuren und Mechanismen von Unterdrückung in den Demokratien und den modernen Konsumgesellschaften. »Die jüngsten Unruhen auf den Straßen Frank­reichs während der Proteste der Gelbwesten haben gezeigt, wie schnell und vehement heutzutage eine aufständische Bewegung die Grundfeste eines Staates in Frage stellen kann«, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung des Kulturamtes. Revolten und Revolutionen weiterlesen

Zerbrechliche Schönheit

Ausstellung von Martina M. Thies im Museum Neukölln

Porzellan, seine zerbrechliche Schönheit ist das Thema der Rauminstallation »Die Blaue Blume«, die am 17. Januar im Museum Neukölln eröffnet wurde.
Martina M. Thies beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vielfalt des Porzellans. »Seit 35 Jahren bin ich auf keramischer Entdeckungsreise und bewege mich in den Bereichen der angewandten und bildenden Kunst sowie der räumlichen Gestaltung mit Kunst am Bau«, beschreibt sie sich und ihre Arbeit. Mit ihren künstlerischen Arbeiten ist sie in zahlreichen Sammlungen im In- und Ausland vertreten.

Neue Kreationen.                                                                                                                                                  Foto: mr

In der von ihr gestalteten Rauminstallation stellt sie ihre verformten, applizierten und bemalten Porzellanarbeiten historischen Objekten aus der Keramik-Sammlung des Museums Neukölln gegenüber. Hier trifft Kunst auf Alltagsgegenstände. Häufig wiederkehrendes Motiv bei ihren ausgestellten Arbeiten ist das Muster der »blauen Blume«, ein zentrales Motiv der Romantik. Es findet sich als Applikation auf Vasen oder gemalt auf Schalen und Kacheln. Zerbrechliche Schönheit weiterlesen

Colossaler Schimmel

Der cremige Schmelz der Büffelmilch

Die Niederlande, das sind nicht nur Tulpen, Frittiertes und Frau Antje aus Gouda. Sie sind auch nach wie vor ein spannendes Käseland, voll mit saftigen Weiden. Hier lassen es sich inzwischen auch Wasserbüffel entspannt gutgehen. Und geben uns ihre fette Milch für gehaltvollen Käse.

blauer Schimmel.                                                                                                                                       Foto: Internet

In unserer Käsereihe soll es heute um Blauschimmel gehen. Als Roquefort, Stilton oder Gorgonzola eine weithin bekannte Delikatesse, doch was die Out­wijker Käserei mit ihrem »Colosso« präsentiert, ist ein ganz besonderer, sanfter Genuss.
Um ein Blauschimmelkäse zu werden, werden die Laibe mit Nadeln pikiert, um sie mit (oft auf Brot gezüchteten) Penicillium-Edelpilzschimmelkulturen zu impfen und mit wachstumsförderndem Sauerstoff zu versorgen.
Die Käserei in Outwijk, einem Stadtteil von Utrecht, unweit Amsterdams im Herzen Hollands, hat sich vor Jahren von einer italienischen Käsemanufaktur beraten und ausbilden lassen, um aus der reichhaltigen Milch holländischer Viecher einzigartige handgemachte Käse mit Liebe zum regional geprägtem Geschmack zu produzieren. Colossaler Schimmel weiterlesen

Basteln mit Rolf

Katzenlesezeichen

Ist es draußen kalt und dazu auch noch richtiges Katzenwetter, verziehen sich einige gern mit einem Buch in eine warme Ecke. Kann die Lektüre nicht beendet werden, ist ein Lesezeichen schon praktisch. Benötigt wird ein Stück Draht, ein Seitenschneider, eine passende Zange, Papier zum Abzeichnen der Vorlage, ein Stift und, natürlich wie immer, Lust zum Pfrie­meln.
Meine Katze hat einen aufgerichteten Schwanz, weil der das Auffinden des ungelesenen Teils deutlich erleichtert. Das Lesezeichen ist prinzipiell eine Büroklammer in Katzenform. Jedes Motiv ist möglich, so das Büroklammergrundprinzip gewahrt bleibt.
Auf dem Bild unten links ist die Lesezeichenklammer vollständig zu sehen. In gewünschter Größe kann die auf ein Blatt Papier übertragen und dann nachgebogen werden. Gestartet wird mit der Öse und dem senkrecht nach unten zeigenden Klammerteil, geendet mit dem Schwanz. Dort bleibt das Lesezeichen offen. Dem Bastler steht es frei, sein Werk selbst zu nutzen oder als Geschenk weiterzugeben.

rr

Petras Tagebuch

Aus 100 Neuköllner Erlebnissen

Zum hundertstenmal erscheint diesmal »Petras Tagebuch«. Das überraschte mich, denn irgendwie ist mir wohl jeden Monat etwas passiert, das auch zeitungstauglich erschien. Ein beliebtes Thema war immer wieder die Post. Auch diesmal könnte ich über den Spannungsbogen, den Paketlieferanten verursachen, berichten.
Auch das Fahrrad, mein bevorzugtes Verkehrsmittel, war immer wieder Thema. Die Erlebnisse mit dem Drahtesel in Neukölln nehmen kein Ende und rufen immer wieder interessante Diskussionen mit Lesern hervor. Nicht alle können meine Meinung teilen, aber das ist auch gut so. Auf jeden Fall wird das Fahrrad, solange ich damit fahre, immer mal wieder auf der Agenda stehen. Sollte ich auf das Fahrrad verzichten müssen, werde ich sicherlich auch umgehend meine Meinung ändern und mich über diese Verkehrsrowdies beschweren. Petras Tagebuch weiterlesen

Geister der Mieter

Weiße Gestalten sitzen im Kiez.                                                                                                                    Foto: mr

Kunstaktion im Schillerkiez gegen Verdrängung

Geisterhaft bleiche Gestalten sitzen auf dem Gehweg. Sie haben Utensilien ihres Alltagslebens dabei, eine Zeitung, einen Kaffeebecher, ein Buch, so als seien sie gerade aus ihrer Wohnung vertrieben worden und wüssten nicht, wohin.
Es sind lebensgroße und – obwohl komplett weiß angestrichen – sehr lebensecht wirkende Puppen, die das Künstlerkollektiv »Reflektor Neukölln« am 15. Dezember einen Tag lang auf der Herrfurthstraße ausgesetzt hat. Jeder Puppe haben die Künstler einen Namen und eine Biographie gegeben, die Passanten mit Hilfe eines Smartphones über einen QR-Code hören oder in einer Sprechblase neben der Puppe lesen können. So werden konkrete Einzelschicksale erfahrbar, Geschichten von jungen und alten Menschen, Frauen und Männern, mit oder ohne Migrationshintergrund. Allen gemeinsam ist der Verlust ihres Lebensumfeldes. Inspiration für diese Geschichten waren die Kiezbewohner und die Situation im Schillerkiez. Geister der Mieter weiterlesen

Liecke diskrimimiert Kriminelle!

Der Jugendstadtrat Falko Liecke will kriminellen arabischen Großfamilien mit speziellem Interesse an großen Goldmünzen die Kinder wegnehmen, damit diese nicht auch kriminell werden. Den Kindern soll so das schlechte Vorbild genommen werden. An sich eine vorbildliche Sache, aber er vergisst dabei, dass sich noch viele weitere organisierte kriminelle Gruppen im Bezirk tummeln, von türkischen und bulgarischen bis zu russischen Banden; und alle haben Kinder!
Die alle werden von Liecke nicht berücksichtigt; Liecke missachtet deren Recht auf Gleichbehandlung! Auch nichtarabische Bandenkriminelle haben das Recht, dass ihnen die Kinder entzogen werden, ebenso wie deren Kinder das Recht haben, vor dem schlechten Beispiel ihrer Eltern geschützt zu werden. Gerechterweise sollte Liecke also seine Forderungen wesentlich ausweiten!

Harald Schauenburg

Über Kindeswohlgefährdung

BVV streitet

Weil die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) immer noch eine Fülle unbearbeiteter Drucksachen vor sich her schob, gab es im Dezember zusätzlich zur regulären BVV eine Sondersitzung.
Zentrales Thema dieser Sitzung war die große Anfrage der SPD an Falko Liecke, in der es um den »Schutz von Minderjährigen in einem kriminellen familiären Umfeld« geht, das derzeitige Lieblingsthema des Jugendstadtrats. »Ich bin überzeugt: Wir kriegen die Clans über zwei Mittel: Die Kohle und die Kinder. Wir müssen denen die Autos wegnehmen, die Immobilien und am Ende auch die Kinder, wenn sie drohen, ebenfalls kriminell zu werden«, schreibt er dazu auf seiner Facebookseite. Über eine Stunde wurde darüber gestritten, ob das Kindeswohl durch die Herausnahme möglicherweise viel stärker gefährdet würde als durch kriminelle Eltern. »Es geht darum, ob das Kind psychische oder physische Verletzungen erleidet, das muss aber nicht zwangsläufig so sein, wenn der Vater mit gestohlenen Autos handelt, meinte Christian Posselt (Die Linke). Mirjam Blumenthal, SPD warf Liecke »gefährlichen, rassistischen Populismus« vor und Thomas Licher (Die Linke) empfahl ihm, »hören Sie auf, den Neuköllner Horst Seehofer zu spielen!« Über Kindeswohlgefährdung weiterlesen

Gewalt gegen Menschen

» Wir sind hier, wir sind queer, wir lassen uns nicht verjagen«

Es kann jeden und jede treffen. Die Gewalt gegen homosexuelle Menschen nimmt in Neukölln wie in ganz Berlin erschreckend zu. Mainzer Straße, Hermannplatz, Sonnenallee, an einer Bushaltestelle: Das sind die Orte, an denen zuletzt Homosexuelle und Transsexuelle aus Hass angegriffen und verletzt wurden. Die Übergriffe sind brutal: Schläge ins Gesicht, Zu-Boden-Werfen, In- den-Kehlkopf-treten, Messerstich in das Bein. Auch Beschimpfungen und Beleidigungen gibt es öfter.


Das Anti-Gewaltprojekt »Maneo« veröffentlicht jährlich zum 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, einen Bericht über Straftaten. 2017 waren es in Berlin 324 Angriffe, 14 Prozent mit Raubüberfall. Die Polizei vermutet eine Dunkelziffer von 80 Prozent, da vieles nicht angezeigt werde, obwohl auch Beleidigungen und Beschimpfungen strafbar seien. Neukölln liegt mit 18 erfassten Übergriffen auf dem erschreckenden Platz drei der Bezirke. Ein weiterer Anstieg wird befürchtet. Gewalt gegen Menschen weiterlesen

Würdigung des gesellschaftlichen Engagements

Verleihung der Neuköllner Ehrennadel

Es ist die höchste Auszeichnung, die in Neukölln vom Bezirks­amt und der Bezirksverordnetenversammlung verliehen wird – die Neuköllner Ehrennadel. Sie zeichnet Menschen aus, die sich besonders für den Bezirk einsetzen und sich ehrenamtlich engagieren. Seit 1984 wurden bereits 172 Bürger geehrt. Am 15. Dezember sind mit Gilles Duhem, Daniela von Hoerschelmann, Sabine Karau und Jo­achim Terborg vier weitere Träger hinzugekommen.

Neue Ehrenbürger mit Bürgermeister und Bürgermeisterin a.D.                                                   Foto: mr

»Sie leisten wertvolle Beiträge für uns alle, für das Gemeinwohl, für den Zusammenhalt und die Solidarität in unserer Gesellschaft. Ohne ihren Einsatz wäre unsere Gesellschaft weniger menschlich, unser Bezirk weniger lebenswert«, sagte Lars Oeverdiek, Vorsteher der BVV bei seiner Begrüßungsansprache. Würdigung des gesellschaftlichen Engagements weiterlesen

Wir brauchen Personal und Konzepte

Digitalpakt vorerst auf Eis gelegt

Der Digitalpakt ist vorerst auf Eis gelegt. Nachdem der Bundestag eine Grundgesetzänderung auf den Weg gebracht hatte, haben sich die Länder im Vermittlungsauschuss am 14. Dezember entschieden gegen eine Aufweichung des Kooperationsverbots und das geplante Finanzierungskonzept des Bundes gestellt. Die Gelder zur Digitalisierung deutscher Schulen in Höhe von fünf Milliarden Euro sind gefordert, allerdings nicht auf Kosten des Föderalismus.

Lehrer müssen lernen.                                                               Foto: pr

Maria Funk, Lehrerin an der Rosa-Parks-Grundschule in Kreuzberg, erklärt, dass moderne Technologien schön und gut seien, aber die Anschaffung von Geräten nicht die Lösung aller Probleme sein könne. »Tablets und Computerräume sind zu wenig. Unser Lehrauftrag beinhaltet die Vermittlung des Umgangs mit Medien. Wir sind dafür aber nicht zur Genüge ausgebildet. Wir Lehrer müssen fachspezifisch in den angebotenen Programmen geschult werden.« Wir brauchen Personal und Konzepte weiterlesen

Mieten in der Gropiusstadt

Umstrukturierungssatzung soll Mieter schützen

Nicht nur in Nordneukölln steigen die Mieten drastisch an, auch die Gropiusstadt wird davon nicht verschont. In der Einwohnerfragestunde der Bezirksverordnetenversammlung vom 5. Dezember ging es um die Steigerung der Mieten im Gropiushaus, die inzwischen bis zu 9,63 Euro pro Quadratmeter erreicht haben.
»Diese Fehlentwicklungen des alten sozialen Wohnungsbaus, die seinen ursprünglichen Sinn konterkarieren, erfüllen mich mit großer Sorge«, antwortete Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Die Grünen). Da aber die Zuständigkeit für die Mietpreisprüfung von sozial geförderten Wohnungen bei der Investitionsbank Berlin (IBB) liege, habe das Bezirks­amt keine Interventionsmöglichkeit.
Aber nicht nur das Gropiushaus ist betroffen. Laut Mietspiegel liegt die Durchschnittsmiete in der gesamten Gropiusstadt inzwischen bei 7,98 Euro pro Quadratmeter. Aber auch Mieten von über zehn Euro sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Mieten in der Gropiusstadt weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 2 – Freitag, 3. Januar 1919
Die Silvesternacht verlief diesmal in Neukölln weit lärmender als sonst. Die ganze Nacht hindurch waren die Hauptstraßen von Menschen, namentlich aber von halbwüchsiger Jugend belebt, die durch Abbrennen von Kanonenschlägen und Feuerwerkskörpern aller Art Unfug verübten oder sich sonstwie bemerkbar machten. Vor dem Rathause spielte sogar mitten in der Nacht ein Leierkasten, nach dessen Klängen auf dem Straßendamm flott getanzt wurde. Auch die Lokale waren gut besucht. Hier waren es meist die Stammgäste der Gastwirte oder Vereine, die das neue Jahr als Friedensjahr fröhlich begrüßten, und bei Eintritt der Polizeistunde um 1 Uhr ruhig nach Hause gingen. In den Kirchen fanden abends Jahresschlußandachten statt, die sämtlich zahlreiche Teilnehmer aufzuweisen hatten. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Trinken, das Wissen schafft

Swingen, bilden und berauschen in der »Göttin der Weisheit«

»Trinke Denke Gedeihe« – so der hehre Dreisatz der neuen Eventbar in den stuckverzierten Räumen des ehemaligen Weinlokals »Galatea«, die sich wünscht, dass der Gast hier in entspannter Umgebung seinen Horizont erweitere. »Göttin der Weisheit« ist ihr nicht minder erhabener Name, doch nicht Pallas Athene oder Minerva, nein, Jana und Svenja Rühland sind hier die Geschäftsführerinnen, die aus München nach Neukölln gefunden haben.

Göttinnen hinter der Theke.                                                                                                                      Foto: privat

Seit Oktober lädt ihre Bar mit dem Eulen-Logo zu Konzerten mit Jazz, Swing, Singer-Songwritern, lateinamerikanischer Folklore und anderen internationalen Musikprojekten. Jeden Mittwoch ist Open Stage für jedermann, und an jeden zweiten und vierten Montag im Monat ist »Monday Free Jam« mit DJ Seraphim zum Mitswingen und -singen. Die Nichtraucherbar mit Klavier ist nicht nur deswegen für viele Kiezler bereits zum zweiten Lieblingswohnzimmer geworden. Relaxt und kunstbeflissen, aber unprätentiös geht es hier zu. Auf dem Klo lädt ein Edding explizit zum kreativen Ausdruck ein. Trinken, das Wissen schafft weiterlesen

»Time Out« Bewertung – gut für Neukölln?

Über Hype und Verdrängung

»Time Out«, ein Stadt-Magazin, erschien 1968 in London zum ersten Mal. 50 Jahre später agiert das Blatt nahezu weltweit. Es will seine Leser gut recherchiert mit den neuesten und besten ortsbezogenen Informationen zu kulturellen Tipps, kulinarischen Trends, angesagten Veranstaltungen und Ausstellungen versorgen.
2018 veröffentlichte es in der Septemberausgabe eine Liste mit den »50 coolest neighbour­hoods in the world«, die 50 besten Kieze der Welt. Ganz vorn auf Platz sieben dabei: Neukölln! Und über Neukölln heißt es darin: »Schaut an Graffiti und Schmutz vorbei, und ihr werdet ein Viertel erleben, das sich ständig neu erfindet.«

HausWand im Schillerkiez.                                                                                                                                 Foto: rr

Zusammengestellt wurde die Liste von eigenen Autoren und Korrespondenten, aber auch die Beurteilung von 15.000 Menschen aus 32 Städten auf der ganzen Welt, flossen mit in das Ranking ein. Die »Time Out« Macher überzeugte die Unabhängigkeit, Vielseitigkeit und Vitalität unseres Szenebezirks; die Kunst- und Gastroszene. Extra erwähnt wurden das »Paulinski Palme« in Rixdorf, der türkische Wochenmarkt am Maybachufer, die »Griessmühle«, das Tempelhofer Feld, das kostenlos jedem offen steht, sowie der »Hüttenpalast«, in dem zentral im Kiez, auf einer 600 Quadratmeter großen Fabriketage, kostengünstig in vintage Caravans übernachtet werden kann. »Time Out« Bewertung – gut für Neukölln? weiterlesen

Kunstwerke besichtigen!

Einladung IM GRÜNEN BEREICH

Ein typischer Eckhäuserblock in Neukölln: Ein schöner Haupteingang und dann diverse Türen, von denen keiner so recht weiß, was sich dahinter verbirgt. Es könnte ein Kohlenkeller sein. Anders ist es in der Weserstraße 180. Die Stahltür führt in ein Appartement mit einem einzelnen Raum, einem kleinen Flur und einer Toilette. Eine weitere Tür öffnet den Blick in einen weiteren Wohnbereich. Hier sind die zum Lager umfunktionierte Küche und zwei Ateliers zu sehen.

Amy und Frédéric.         Foto: pr

Amy J. Klement und Frédéric Krauke arbeiten hier und stellen ihre Werke aus. Amy J. Klements Atelier ist voll mit ihren Häkelarbeiten. Die lebendige rothaarige Frau erzählt mit Begeisterung und Hingabe von ihren Häkelprojekten, die sie auch gerne im öffentlichen Raum ausübt. Inspiriert von einer Kombination aus Mythen, Mathematik, Handarbeit und ausgeführt mit Humor und Ironie, umhäkelte sie beispielsweise die Trümmerfrau in der Hasenheide. Dieses Projekt, und das ist auch ihr zentrales Thema, ist Geduld. Als Gründerin des Anarchic Crochet »Kraft durch Häkeln« ist sie die Initiatorin von großformatigen kooperativen häkelbasierten sozialen Skulpturen im öffentlichen Raum. Kunstwerke besichtigen! weiterlesen

Die Sache mit der Acht

Revolutionen vielleicht besser in anderen Jahren

Revolutionen in Deutsch­land haben die Tendenz, unvollendet zu sein, wenn sie nicht komplett scheitern und zwar in blutigem Gewehr- und Kanonenfeuer. Sie setzen allerdings dauerhafte Zeichen und verändern das Bewußtsein für eine demokratische Transformation der Gesellschaft.
Es beginnt 1848 mit der bis ins nächste Jahr anhaltenden Märzrevolution. Regionale Erhebungen quer durch den Deutschen Bund, Schwerpunkt ist Süddeutschland, münden in der Nationalversammung in der Frankfurter Pauls­kirche.

März-Revolution 1848.                                                                                                                      Foto: historisch

Vorübergehend entgleitet dem Adel unter Führung des preußischen Königs die politische Kontrolle. Nicht weit entfernt vom Schloss in Berlin sind Menschen in der Breiten Straße mit der Schwarz-Rot-Goldenen Trikolore auf den Barrikaden. Die Sache mit der Acht weiterlesen

Der Dorfplatz schließt

Festliches zum Abschied von »Morus 14«

Es war mehr als eine Weihnachtsfeier mit köstlichem Essen. Der Saal im Gemeinschaftshaus Morusstraße 14 war voll, jung und alt kamen zusammen, um ein letztes Mal an einem schon traditionellen Mittwoch um 12.30 Uhr gemeinsam günstig und reichhaltig zu schmausen. Es kochten immer Nachbarn für Nachbarn. Die Tafel war ein kommunikativer »Marktplatz« des 1970 fertig gestellten Rollberg­kiezes. Diesmal war das mehrgängige Menü üppiger und professioneller denn je, es gab Pastinakensuppe, Hirschragout mit Klößen und Rotkohl und zum Dessert ein Christstollenpraliné an Glühweinmouse.

Hikel, Bourgett, Duhem.                                                                                                                                    Foto: th

Seit 2003 stützt sich die Arbeit des Vereins »Morus 14» im Wesentlichen auf Spenden, das Engagement von 150 Freiwilligen und ABM-Kräfte. Auf Grund von Änderungen in den Richtlinien stehen für mindestens ein halbes Jahr keine geförderten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Verfügung. Der Verein kann seine Arbeit in der bisherigen Weise nicht mehr fortsetzen. Es geht nicht allein um die Rollbergtafel. Im Mittelpunkt stehen Bildungs- und Integrationsarbeit für die Jugend sowie die Vernetzung der Bewohner und Bewohnerinnen. Ein Beispiel dafür ist das »Netzwerk Schülerhilfe Rollberg». und »Shalom Rollberg«. Der Dorfplatz schließt weiterlesen

Einfühlsamer Käse, der anficht

Harmonisch dezente Ziege

In unserer Lieblingskäse(rei)reihe geht es wieder einmal in die schöne Schweiz, diesmal zu Willi Schmid nach Lichtensteig. Der kernige Fünfziger ist auf dem väterlichen Hof im Herzen vom Toggenburg aufgewachsen und kennt seine Heimat samt ihrer fruchtbarsten Böden, Alp- und Feldflecken für Gräser und Blumen, Klee, Kräuter und was die Milch noch besonders aromatisch macht, wie seine Westentasche.

GEISS is geil.                                                                                                                                                             Foto: pr

All die Blätter und Kräuter, die die nachbarschaftlichen Kühe wie auch die jungen Gitzi, also Ziegen, fressen, hat er auch selbst gekostet; diese Aromen-Erfahrung und Sensorik kam ihm schon in seiner Käserlehre zugute. Seit 2006 führt er seine eigene Käserei, die »Städtlichäsi«, wo er mit perfekten Rohprodukten, bäuerlichem Wissen um die Naturkreisläufe, Sorgfalt, Fleiß und viel Emotion schon über zwei Dutzend Käseideen, viele davon weltweit mehrfach prämiert und von Sterneköchen geschätzt, realisierte. Gut 3.000 Laibe lagern in seinem Keller. Einfühlsamer Käse, der anficht weiterlesen

Statistik für Fortgeschrittene

Tasmania und Rudow zufreiden mit der Hinrunde

Jahresrückblicke ergeben beim Fußball ja nicht allzu viel Sinn. Die Spielzeit richtet sich schließlich nicht nach dem Kalender, sondern läuft von August bis Mai. So eine streng chronologische Betrachtung müsste also die Rückrunde der vergangenen und die Hinrunde der neuen Saison umfassen – also: Ganz schöner Unsinn. Da dieser einem Fan aber durchaus ein vertrauter Begleiter ist und die beiden besten Vertreter des Neuköllner Fußballs dazu im Jahr 2018 erstaunliche Parallelen aufzuweisen haben, sollen die 12 Monate des »SV Tasmania« und des »TSV Rudow« hier nochmal kurz zusammengefasst werden.

Die Winterpause ist erst am 10. Februar vorbei.                                                           Foto: Hagen Nickelé

Schaut man dabei nur mal auf das zweite Halbjahr (vulgo: die Hinrunde der aktuellen Saison), kann das Urteil nur lauten: Alles prima. Okay, beide Vereine mussten früh im Pokal die Segel streichen – in der Liga aber sind Rang zwei (Tasmania, fünf Punkte hinter Herbstmeister »Sparta Lichtenberg«) und sieben (Rudow) ausgezeichnete Platzierungen. Mit der Punktausbeute aus dem ersten »Semester« 2018 (also: der Rückrunde 2017/18) würde Tasmania aber in der aktuellen Tabelle nur den 12. Platz bekleiden – und die Rudower gar nur den vorletzten. Statistik für Fortgeschrittene weiterlesen

Basteln mit Rolf

Herr mit Nuss und Hund

Die Figurengruppe Herr und Hund entstand aus Erdnussschalen. Dafür brauchen wir zwei ungeknackte Erdnüsse, Draht, einen Seitenschneider, eine Zange, einen Bohrer oder eine Ahle, ein Messer, eine Schere, eine Klebepistole, ein Stück Schnur, einen schwarzen Filzstift und, wie immer, Lust zum Pfriemeln!


Erdnüsse haben eine »Mittelnaht«, an der, mit vorsichtigem Druck darauf, die Schale sich sauber in zwei Hälften teilen lässt. Oft sind sie da auch schon etwas offen. Wer sich das nicht zutraut, kann mit dem Messer dort vorsichtig einstechen und die Schale damit öffnen. Den Inhalt legen wir erst einmal beiseite. Basteln mit Rolf weiterlesen

Petras Tagebuch

Weihnachtliches Geschick

Wie jedes Jahr war der Dezember ein Monat, der mit Missgeschicken gespickt war. Die Anzahl der Missgeschicke verdichtete sich in beängstigender Weise mit der Nähe zum 24. Dezember. Am Interessantesten waren tatsächlich die letzten drei Tage vor Weihnachten.
Am Sonnabend morgen ging es los. Gerade erreichte ich noch um kurz nach sechs mein Flugzeug von Stuttgart nach Berlin. Ich war die letzte, die den Flieger bestieg. Das hing damit zusammen, dass die Sicherheitskontrollen ewig dauerten. In Berlin angekommen, stellte ich fest, dass ich es mit der BVG nicht pünktlich zur Arbeit schaffen würde. Also nahm ich ein Taxi, das mich mal eben 40 Euro kostete.
Auf dem Kranoldplatz angekommen, hatte ich den Plan, mich auf dem Wall-Klo umzuziehen um für den Markt­tag warm genug gekleidet zu sein. Das Klo schluckte das Geld und ließ die Tür verschlossen. Dank der lieben Kollegen auf dem Markt konnte ich mich jedoch in einem Wagen umziehen.

Petras Tagebuch weiterlesen