Schwerpunkteinsätze von Ordnungsamt und Polizei in Neukölln – Sonnenallee und Rudow

Schwerpunkteinsatz Sonnenalle

Mit rund 90 Beamten von Polizei, Zoll und dem Landeskriminalamt hat das Ordnungsamt Neukölln am vergangenen Freitag einen brennpunktorientierten Schwerpunkteinsatz in insgesamt acht Lokalen in Neukölln rund um die Sonnenallee durchgeführt. Weil die Mehrzahl dieser Betriebe in Bezug zu

kriminellen arabischen Großfamilien stehen, hat auch eine Staatsanwältin der Neuköllner „Staatsanwaltschaft vor Ort“ den Einsatz begleitet.

21 Ordnungswidrigkeiten im Geltungsbereich des Gewerberechts, drei Verstöße durch Schwarzarbeit, fünf Feststellungen zu Drogenhandel und Drogenbesitz, illegales Glücksspiel, illegaler Aufenthalt, eine beendete Profilierungsfahrt und eine aufgefundene Waffe sind die Bilanz des Einsatzes. Insgesamt wurden sechs Geldspielgeräte beschlagnahmt, zweimal wurden Öfen für die Zubereitung von Shishakohlen stillgelegt und der Verkauf von Shishapfeifen untersagt. In einem der beiden Fälle musste ein Teil eines Lokals wegen einer lebensgefährlichen Konzentration von giftigem Kohlenmonoxid sofort evakuiert werden. Ein weiteres Lokal wurde wegen eines festgestellten Drogenhandels mit richterlichem Beschluss gründlich durchsucht, wobei weitere Drogen gefunden wurden.

Eine Profilierungsfahrt durch einen Mercedes-Geländewagenfahrer wurde abrupt beendet. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt, der Fahrer musste seinen Führerschein auf Probe abgeben.

Während der umfangreichen Überprüfungsmaßnahmen wurde die Sonnenallee zeitweise für den Fahrzeugverkehr in südlicher Richtung gesperrt. Zeitgleich stattfindende Verkehrsüberwachungsmaßnahmen von Polizei und Ordnungsamt im Umfeld der Lokalitäten führten zu Bußgeldern für rund 70 Falschparkern und der Umsetzung von neun falsch geparkten Autos.

 

Schwerpunkteinsatz in Rudow

Bereits in der Vorwoche hatten rund 60 Beamtinnen und Beamten einen weiteren Schwerpunkteinsatz im Süden Neuköllns durchgeführt. In den Ortsteilen Britz, Buckow und Rudow wurden sieben Lokalkontrollen durchgeführt, parallel erfolgten Verkehrskontrollen.

In einem Lieferbetrieb für Sushi wurden große Mengen der vorhandenen Lebensmittel vernichtet, weil diese nicht mehr für den Verzehr geeignet waren. Die in dem Betrieb arbeitende Person arbeitete schwarz und hatte keinerlei Sachkunde in der Lebensmittelzubereitung, weshalb der Betrieb geschlossen wurde.

In einem weiteren Betrieb, einem Wettbüro, wies sich eine Person mit einem fremden Personaldokument aus. Bei der anschließenden Identitätsermittlung stellte sich heraus, dass gegen die Person zwei Haftbefehle vorlagen. Die Person wurde unmittelbar in die Justizvollzugsanstalt gebracht. Darüber hinaus wurden in dem Lokal

mehrere Verkaufseinheiten Kokain sowie eine Waffe gefunden. Auch dieses Lokal wurde geschlossen.

Die Bilanz des Abends belief sich auf 13 Ordnungswidrigkeiten im Bereich Gewerberecht, fünf Verstöße im Bereich der Schwarzarbeit und der Feststellung eines Sozialleistungsbetrugs. Bei den Verkehrskontrollen wurden insgesamt 99 Verkehrsordnungswidrigkeiten im Neuköllner Süden festgestellt.

Insgesamt fanden im Oktober 2018 vier Schwerpunkteinsätze statt, an denen neben Polizei, Zoll, das Neuköllner Ordnungsamt sowie weitere Neuköllner Behörden teilgenommen haben.

pm

»Überlastungsbrief« beschäftigt die BVV

Sonnen-Grundschule.                                                                                                                                           Foto: fh

Üblicherweise gibt es eine Bezirksverordnetenversammlung (BVV) pro Monat, im September waren es gleich drei. Grund dafür war der Berg an Drucksachen, den die BVV seit Monaten unbearbeitet vor sich her schob.
Das Thema Schule kam gleich in mehreren Drucksachen zur Sprache. Carsten Schulze (CDU) fragte nach dem Stand des Sanierungsbedarfs, und Roland Babilon (BN-AfD)wollte in einer Gro­ßen Anfrage wissen, wie das Bezirksamt auf den »Überlastungsbrief« der Sonnen-Grundschule an die Bildungssenatorin reagiert. In diesem Brief beklagt die Schule einen gravierenden Personalmangel bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitsbelastung. So seien, um »von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, Lernstörungen, Schulversagen bedrohten Kindern beizustehen, Unmengen von Formalitäten« zu bewältigen, Konferenzen abzuhalten, Gespräche zu führen, die nichts mit dem eigentlichen Lehrauftrag zu tun hätten. »Eine unbegrenzte und alternativlose Integration von verhaltensauffälligen oder lernbehinderten Kindern kann unter unseren Bedingungen nicht gelingen«, schreiben die Lehrer und fordern eine deutliche Reduzierung der Pflichtstundenzahl, die Beibehaltung kleiner Klassenfrequenzen und bessere personelle Unterstützung. »Überlastungsbrief« beschäftigt die BVV weiterlesen

Ein Hauch von Weimar

Die Neuköllner Situation erscheint uns unübersichtlich und –mehr noch – unsicher. Kriminalität, massive rassistische Gewalt der extremen Rechten und Angriffe der radikalen Linken können beunruhigen. Hingegen: In Neukölln leben Menschen aus über hundert Nationen zusammen, darunter viele Geflüchtete, und das überwiegend friedlich.
Wir leben in einer Zeit der Brandbriefe, Bürgerproteste und hohen Erwartungen an die Politik. Bleiben diese unerfüllt, werden Verdrossenheit und extremistische Gewaltbereitschaft zunehmen.
Bisher haben wir es immer geschafft, unsere Situation gemeinsam zum besseren zu wenden, weil viele Menschen ideenreiche Verantwortung übernehmen, statt die Hände in den Schoß zu legen. Unsere Verschiedenheit ist und bleibt unsere Stärke und belebende Kraft für ein friedliches Miteinander.

Thomas Hinrichsen

Halbfigur füllt Raum

Neue Installation im Kesselhaus auf dem Kindl-Gelände

Nach Roman Signer mit seinem kopfüber hängenden Flugzeug »Kitfox Experimental«, David Claerbout mit der auf 1000 Jahre angelegten Echtzeitprojektion »Olympia« und Haegue Yang mit ihrer mitten im Raum aufgehängten Installation »Silo of Silence – Clicked Core« ist Thomas Scheibitz nun der erste Künstler, der auf die räumliche Ausgangslage mit einem auf dem Boden stehenden Werk antwortet.

»Plateau mit Halbfigur«.                                                                                                                                       Foto: jr

Die Aufgabe, die der Kurator Andreas Fiedler dem Künstler stellte, war, ein ortsspezifisches Kunstwerk auf einem Sockel zu schaffen. Entstanden ist das »Plateau mit Halbfigur«.
Eineinhalb Jahre verwendete Scheibitz für die Umsetzung der Installation, die seit dem 9. September im Kesselhaus auf dem Kindl-Gelände zu besichtigen ist. Ein mehrköpfiges Team inklusive einem Statiker füllten den etwa 20 Meter hohen Raum mit einem Werk von sieben Elementen oder, wie Scheibitz sie selbst bezeichnet, sieben Prototypen: Gebäude, Buchstabe, Gesicht, Tropfen, Tor, Brücke und Stiefel. Die Prototypen bilden ein Ensemble, das zu einer allansichtigen Skulptur zusammenwächst. Somit ist es für den Betrachter möglich, um das Werk herumzulaufen und immer wieder neue Perspektiven, Durchblicke und Situationen zu entdecken. Das Objekt fügt sich erstaunlich gut in diesen hohen Raum, die Proportionen sind perfekt auf das Kesselhaus abgestimmt. Halbfigur füllt Raum weiterlesen

Fabrik wird zum Wohngebiet

Vorstellung der Planungen zum neuen Quartier in der Glasower Straße

Seit 1878 ist die Dachbahnenfabrik Quandt in der Glasower Straße ansässig. Jetzt wird dort ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Firma Quandt hat dort 2016 die Produktion aufgegeben und das Gelände an Investoren verkauft. Jeweils rund 100 Wohnungen, eine Kita mit 60 Plätzen und eine Gemeinschaftseinrichtung für die Nachbarschaft sollen auf dem Firmengelände und auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstehen.

Modell.Foto: fh

»Ein Stück Neuköllner Geschichte geht damit zu Ende«, sagte Baustadtrat Jochen Biedermann bei der Vorstellung der Pläne am 22. September. Dafür entstehe aber etwas Neues, wofür dringender Bedarf bestehe.
Biedermann freut sich besonders über die Anwendung der »kooperativen Baulandentwicklung«, wonach 30 Prozent der Wohnungen zu sozial verträglichen Mieten (für 6,50 Euro pro Quadratmeter) entstehen sollen. Fabrik wird zum Wohngebiet weiterlesen

Unter Dach und Fach?

Umstrittener Dachgeschossausbau

Die FDP sieht in einem weiteren Ausbau von Dachgeschossen einen Weg zur Lösung der Wohnungsprobleme. »Dachgeschossausbau ist der einfachste Weg zu mehr Wohnraum«, sagte Franz Wittke (FDP) in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 17. September.

Schräger wohnen.                                                                                                                                      Foto: Internet

In einer Großen Anfrage wollte er wissen, wie viele Anträge auf Dachgeschoss­ausbau in den letzten drei Jahren in Neukölln gestellt und wie viele davon abgelehnt wurden.
Jochen Biedermann, Stadtrat für Stadtentwicklung, antwortete, dass es 2015 und 2016 jeweils rund 50 und 2017 rund 30 Anträge gegeben habe. Davon seien insgesamt fünf Anträge mit rund 20 Wohneinheiten abgelehnt worden. Unter Dach und Fach? weiterlesen

Gründerin des Hospizes »Ricam« verabschiedet sich

Dorothea Becker geht in den Ruhestand

Hikel und Dorothea Becker.       Foto: mr

Vor 20 Jahren gründete Dorothea Becker das stationäre »Ricam Hospiz« in der Neuköllner Delbrückstraße 22, die erste Einrichtung dieser Art in Berlin. Es sollte ein Ort werden, an dem es Schwerstkranken ermöglicht wird, eine gute letzte Zeit zu verbringen. Gemeinsam mit eigens ausgebildeten Ärzten, Pflegern, Musiktherapeuten, Seelsorgern und vielen ehrenamtlichen Helfern versucht sie seitdem, den Patienten die letzte Phase des Lebens so lebenswert wie möglich zu gestalten. Dazu gehört die schmerzlindernde Palliativmedizin ebenso wie menschliche Zuwendung und viel Zeit, um sich würdevoll zu verabschieden. Als Krankenschwester auf der Krebsstation des Neuköllner Krankenhauses hatte sie erlebt, dass es im Alltag einer Klinik genau daran mangelt. Gründerin des Hospizes »Ricam« verabschiedet sich weiterlesen

»Er hat mich gehauen!«

Vom Kichern und Tuscheln, Fuchteln und Klagen

Das Verhältnis zwischenAnne Zielisch (fraktionslos, AfD) und der Presse war von Beginn ihrer Mitgliedschaft in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV)nicht gerade von inniger Zuneigung geprägt.
Sie fühlt sich von den leisen Unterhaltungen und gelegentlichen Heiterkeitsausbrüchen (Kicherpresse) am Pressetisch gestört. Mehrfach hat sie BVV-Vorsteher Lars Oeverdiek aufgefordert, die Presse zur Ordnung zu rufen. Weil der dazu aber keinen Anlass sah, da sich offenbar sonst niemand gestört fühlte, erklärte sie, solange die Konsensliste zu blockieren, bis er ihrer Aufforderung nachkäme.
Bei der Sitzung am 5. September ließ sie die Situation dann eskalieren. Wütend und äußerst aggressiv stürzte sie auf den Pressetisch zu. Obwohl auch die Reporterinnen getuschelt hatten, baute sie sich vor dem einzigen männlichen Pressevertreter auf, fuchtelte mit ausgestrecktem Zeigefinger wild vor seinem Gesicht herum und forderte ihn auf, den Saal zu verlassen. »Er hat mich gehauen!« weiterlesen

Martin Hikel berichtet über seine Arbeit

Der Bürgermeister stellt seine Positionen vor

Nachdem Franziska Giffey dem Ruf in die Bundespolitik gefolgt war, musste schnell ein Nachfolger gefunden werden. Mit den Stimmen der Neuköllner SPD und von Bündnis90/Die Grünen wurde Martin Hikel, der bis dahin in der Bezirksverordnetenversammlung den Fraktionsvorsitz für die SPD innehatte, zum Neuköllner Bezirksbürgermeister gewählt. Mit seinen 32 Jahren ist er Berlins jüngster Bürgermeister, seit dem 21. März übt er sein Amt mit großem Elan aus.
Bei dem Thema Kitapflicht vertritt Hikel die Meinung, dass sie gut sei, jedoch müssten erst die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Es sollten ausreichend Kitaplätze und genügend Erzieher zur Verfügung stehen. Um mehr junge Menschen zu einer Erzieherausbildung zu bewegen, bedarf es nicht nur ausreichender Ausbildungsplätze, sondern auch einer höheren gesellschaftlichen Anerkennung und angemessener Bezahlung. Martin Hikel berichtet über seine Arbeit weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 235 – Samstag, 5. Oktober 1918
Auszeichnung von Dienstboten. Beim Vaterländischen Frauenverein Neukölln besteht die Einrichtung, daß Dienstboten von Mitgliedern nach 5, 10 und 20jähriger Tätigkeit bei ein und derselben Herrschaft durch einen Ehrenbrief, ein Geldgeschenk und (bei mehr als 10jähriger Tätigkeit) durch die Verleihung einer Silberbrosche ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung kann auch Dienstboten solcher Dienstherrschaften zuteil werden, die bisher noch nicht dem Vaterländischen Frauenverein angehört haben, sich aber zum Eintritt in den Verein und zu Leistungen in Höhe der entstehenden Aufwendungen verpflichten. Die Auszeichnung findet regelmäßig zum Geburtstage der Kaiserin statt und soll auch in diesem Jahre wieder zu diesem Tage ins Werk gesetzt werden. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Ein Licht in der Passage

Restaurant VORWERCK in der »Neuköllner Oper«

Die »Hofperle« an der »Neuköllner Oper« ist nicht mehr. Das Opernteam rund um Andreas Altenhof beschloss Anfang des Jahres, die Zusammenarbeit mit den Cafébetreibern zu beenden und im Rahmen von Umbauarbeiten an der Oper eine Ausschreibung für ein neues Konzept zu starten. Der Zweck war eine engere Zusammenarbeit zwischen Kultur und Gastronomie.

Nach der Oper ist vor der Oper.                                                                                                        Foto:Vorwerck

Zwei Monate lang war das Café eine Baustelle und somit geschlossen. Die neuen Betreiber Roman Plappert und Ramon Walzgott ließen es sich nicht nehmen, bereits Ende des Sommers die Pforten zum neuen Café zu öffnen, als sogenanntes »Soft Open«. Der Barbetrieb wurde gestartet, ohne es an die große Glocke zu hängen. Auf diese Art und Weise konnte Gästen vermittelt werden, dass hier etwas Neues entsteht. Ein Licht in der Passage weiterlesen

Bücher für jedermann

Berliner Büchertisch ist ein Paradies für Leseratten

Eine kleine Garage in der Richardstraße, davor ein Wagen mit Büchern. Im ersten Moment sieht alles etwas unscheinbar aus, doch Leseratten und Bücherliebhabern ist es ein kleines Paradies – der Berliner Büchertisch. Von Romanen über Sachbücher und Bildbände bis hin zu Kinderbüchern und Krimis sowie englischsprachiger Literatur – für jeden ist etwas zu finden.

Christa und Melissa erwarten Leser.                                                                                                               Foto: jr

Angefangen hat alles vor vierzehn Jahren in Kreuzberg. Die Idee dahinter ist eigentlich eine ganz simple: gelesene Bücher weiterzugeben und für alle zugänglich zu machen, anstatt sie wegzuwerfen. Die Bücher kosten zwischen 50 Cent und 2,50 Euro.
Seit eineinhalb Jahren ist das Lager des Berliner Büchertisches in der Richardstraße zu Hause, seit Mai 2018 gibt es die kleine Garage als Verkaufsraum – »erst einmal ein Experiment«, erzählt Cornelia Temesvári, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, was bisher aber »sehr gut angenommen wird.« Die Garage ist allerdings nicht beheizbar, und deshalb bleibt sie für die kalten Monate ein Versuch: »Es kommt darauf an, wieviele Menschen kommen und Bücher kaufen wollen.« Das Wesentliche des Büchertisches ist es, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, schöne Bücher weiterzugeben und einen Austausch zu haben. Bücher für jedermann weiterlesen

Schöne Tränke in der Scheune

Im Böhmischen Dorf wiehert leise der »Zosse«

»Zosse« bezeichnet mundartlich ein altes Hauspferd. Vielen von ihnen hat Schmiedemeister Kiel hier im Hof seit 1888 in seiner Hufschmiede die Füße stadtlauftauglich gemacht. Lange, bis in die 1950er-Jahre, wurde hier gefeuert, gehämmert und behauen. Die »Zosse« atmet noch diese Rixdorfer Handwerksgeschichte.

Cocktails am Kamin.                                                                                                                                          Foto: hlb

Unscheinbar ist der Eingang in den Hinterhof an der Richardstraße, gleich neben dem Comeniusgarten. Nach dem letzten Krieg fungierte die Adresse als Garagenhof und Autowerkstatt. Hinter dem flachen Haus, vorbei am privaten Gärtchen der Bewohner und den Garagen befindet sich das alte hohe Backsteingebäude mit den großen grünen Scheunentoren, das das Team der »Zosse« in mehrjährigem Einsatz zu einer höchst gemütlichen Bar umgebaut hat, die nun seit Mitte Juni auch wegen ihres idyllischen Biergartens einlädt. Schöne Tränke in der Scheune weiterlesen

Gesund beginnt im Mund

Zahnärztliches Zentrum für Schwerbehinderte

Viehoff und Dericioğlu.                                                                                                                                       Foto: ro

Ganz drahtig kommt der Mann daher, der eigentlich vor fünf Jahren in den Ruhestand gehen wollte. Matthias Viehoff kam damals der Bitte nach, das erste und bis heute einzige zahnärztliche Zentrum in Deutschland für schwer mehrfach behinderte Menschen zu leiten. Für ihn war es eine Herzensangelegenheit, diese Aufgabe zu übernehmen. Das Projekt finanziert sich über die Krankenkassen und ist im Neuköllner Vivantes Krankenhaus angesiedelt. Gesund beginnt im Mund weiterlesen

Sportclub leistet Lebenshilfe

Gropiuslauf und andere Wettkämpfe für mehr Integration

Foto: bs

Der Sportclub der »Lebenshilfe e.V.« wurde 1995 mit dem Zweck gegründet, Menschen mit vorwiegend geistiger Behinderung ein vielseitiges Sportangebot zu eröffnen. Er setzt sich gemäß dem Leitbild der Lebenshilfe für die Achtung und Wahrung der Persönlichkeitsrechte aller Menschen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung, ihr Recht auf Selbstbestimmung und ihre Integration in die Gesellschaft ein. Der SCL ist anerkannter zertifizierter Anbieter für Rehabilitationssport.
800 Sportlerinnen und Sportler mit unterschiedlicher Ausprägung der Behinderung sind in 60 Sportgruppen aktiv. Sportclub leistet Lebenshilfe weiterlesen

Mit wehenden Fahnen in den Untergang

Viktor Ullmanns »Die Weise von Liebe und Tod«

Hrund Ósk Árnadóttir und Dennis Herrmann.                                                            Foto: Matthias Heyde

Rainer Maria Rilkes Jugenddichtung »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« mag heute fast vergessen sein, doch war sie zu Zeiten der Weltkriege eine der beliebtesten Lektüren bei deutschen Soldaten an der Front. Sie thematisiert das Schicksal eines Vorfahren Rilkes, Cornet Christoph Rilke, welcher im 17. Jahrhundert während der Türkenkriege den Heldentod stirbt, als er unbewaffnet, doch mit erhobenem Banner durch 16 Säbelhiebe niedergestreckt wird. Der Mythos des Heldentods, die Verherrlichung des Krieges, aber auch die Sinnlosigkeit, junge Leben im Krieg zu verschwenden, haben das Werk zum Klassiker gemacht.
Die Neuköllner Oper zeigt die Vertonung durch Viktor Ullmann, der im Jahre 1944 in Auschwitz umgebracht wurde. Warum sich Ull­mann kurz vor seinem Tod durch die Nazis gerade mit dem Werk eines bekennenden Faschisten auseinandersetzte und es vertonte, bleibt wohl ein Rätsel. Auch die Inszenierung an der Neuköllner Oper liefert hierzu keine Antwort, was aber Absicht zu sein scheint. Mit wehenden Fahnen in den Untergang weiterlesen

Immer Salonmusik, immer sonntags, immer 18 Uhr

Rasanter Gipsy Swing, groovige Italienerin, sphärische Trialogues

Zur Eröffnung der herbstlichen »Salonmusik« am 14. Oktober spielt die vierköpfige Band »Temmingberg« ein abwechslungsreiches Programm aus Latin, Swing und Klassik. Gegründet wurde die Gruppe 2016 vom jungen Geiger und Sänger Lucas Temming. Mit dem Gitarristen Thomas Dekas fand er den idealen Partner für seine Musik. Beide vereint die Leidenschaft für mitreißenden Swing. Da fehlte nur noch eine treibende Rhythmusgruppe. Mit dem Perkussionisten Jesus Véga und dem Kontrabassisten und Sänger Jesse Bravermann war nun die Band komplett. Das vielseitige Programm der Band reicht von Swing, Jazz und Latin-Stücken bis zu Klassik von J.S. Bach. Virtuose Soli à la Django Reinhardt und Stephane Grapelli treffen auf sanfte Balladen und melancholische Melodien.
Zur jüngeren Musikergeneration zählt auch Bianca Ciocca, die am 21. Oktober gemeinsam mit dem Trompeter Roberto Vicchio auftreten wird.

Eigener Stil, auch auf dem Kopf: Bianca Ciocca.                                                              Foto: Leonid Cheisr

Geboren wurde sie in Italien als Tochter einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters. Immer Salonmusik, immer sonntags, immer 18 Uhr weiterlesen

Der Gärtner des Körnerparks

Mit grünem Daumen durch das Jahr

Jens Karsten in »seinem« Park.                                                                                                                         Foto: jr

Es regnet in Strömen – Jens Karsten zieht seine Kapuze über den Kopf und bemerkt, dass er eigentlich jedes Wetter mag, nur nicht, wenn es ihm auf den Kopf regnet – doch damit hat er sich irgendwie arrangiert – seit 20 Jahren schon ist er Gärtner im Körnerpark. Er pflegt und hegt ihn, pflanzt, begrünt, repariert und liebt »sein« kleines Sanssouci von Herzen. Der Berliner machte seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner beim Grünflächenamt in Neukölln. Seit er im Körnerpark arbeitet, ist er »sehr glücklich mit seinem Beruf und möchte nichts anderes machen«. Der Gärtner des Körnerparks weiterlesen

HORST BOSETZKY

Erinnerung an eine lange Freundschaft

Er sei ein Neuköllner Hinterhofkind gewesen, hat mir Horst Bosetzky nicht nur einmal erzählt, Rütlischüler und vom Leben nicht begünstigt. Er wurde zwar in Köpenick geboren, aber schon in seinem ersten Lebensjahr zogen seine Eltern mit ihm in die Ossastraße. Als dort die Bomben einschlugen, blieb seine Familie als einzige im Umkreis verschont und wurde in die Prignitz evakuiert, wo der kleine Horst allerdings die Erfahrung machen musste, wie es ist, auf der Straße von Tieffliegern angegriffen zu werden. »Mit dem Tod hab ich schon früh Bekanntschaft gemacht«, sagte er einmal.
Seinen Namen Horst hat er von Anfang an gehasst, auch als er noch nicht wusste, dass er nach dem Naziführer Horst Wessel benannt worden war – eine Schutzmaßnahme seiner Mutter, die Angst hatte, als Halbjüdin aufzufliegen. HORST BOSETZKY weiterlesen

»Mission Verantwortung«

Misserfolg ist kein Untergang

Autor Kiesewetter.                                  Foto: pr

Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, tragen wir auch Verantwortung. Entscheidungen zu treffen ist eine Sache, zu den daraus resultierenden Folgen zu stehen, eine andere. Beides in Einklang zu bringen und damit zufrieden, glücklich und erfolgreich zu sein, kann als Lebenskunst bezeichnet werden.
Wir treffen jeden Tag ungefähr zweihundert mehr oder weniger bedeutsame Entscheidungen. Solche hinsichtlich Nahrungsaufnahme oder Wahl des Verkehrsmittels werden als nicht so wichtig empfunden wie solche zu Finanzen, Partnerwahl oder Arbeitsplatz; Der Unterschied liegt in der Tragweite möglicher Folgen. »Mission Verantwortung« weiterlesen

Multitalent Bossen

Silicon Valley für Kunst in Britz

Eindrucksvoll und bewundernswert, dass Thomas Bossen es seit 2010 immer wieder schafft, in einer Garage in Britz und dazu noch in einer eher als beschaulich zu nennenden Wohngegend zwischen dem Koppelweg und der Mohriner Allee engagiert und ambitioniert Kunst und Kultur zu präsentieren.

Galerie Bossen.                                                                                                                                                        Foto: rr

Thomas Bossen kam als junger Mensch nach Berlin und machte 1979 am Albert-Einstein-Gymnasium in Britz sein Abitur. Bei H. Pasch in Wannsee erlernte er das Tischlerhandwerk und machte sich unmittelbar nach der Gesellenprüfung 1983 in Schöneberg, in der Gersdorfstraße, selbstständig. Im gleichen Jahr noch, voller Tatendrang und einer Laune folgend, eröffnete er in seiner Werkstatt auch eine Galerie, studierte Kunstgeschichte an der FU Berlin und absolvierte nebenher eine Gesangsausbildung. Da sein Leben jedoch stark vom Möbelrestaurieren, von Bilderrahmungen und von der Galerie bestimmt wurde, gab er schließlich das Studium auf, nicht aber die Galerie und nicht das Singen. Multitalent Bossen weiterlesen

Gut aufgestellt

»TSV Rudow« und »SV Tasmania« sind jetzt im vorderen Drittel

Voll gefüllter Strafraum.                                                                                                             Foto:Hagen Nickelé

Es gibt sie noch, die seltenen Glücksmomente – auch im unterklassigen Fußball. Der »TSV Rudow« hatte im September so einen: Seit dem Wiederaufstieg 2010 waren die Spieler aus dem Neuköllner Süden nicht ein einziges Mal Tabellenführer der Berlin-Liga gewesen. Nun war es aber so weit: am 6. Spieltag eroberte man Platz eins. Dabei hatte es im Topspiel an der Stubenrauchstraße lange nicht nach einem Heimsieg gegen »Sparta Lichtenberg« ausgesehen. Die Gäste führten bis kurz vor Spielende, dann aber schlugen die Rudower zu: Torjäger Görkem Üre (8 Saisontreffer) und Julian Holtz trafen in den letzten drei Minuten noch zum 2:1-Sieg. Auch wenn der Jubel über die Tabellenführung schnell verebben sollte – am folgenden Spieltag verlor man 1:3 bei »Stern 1900« –, so blieb den Grün-Weiß-Roten zumindest die schöne Momentaufnahme. Gut aufgestellt weiterlesen

Für Bier, Käse und Heilung

Echtes Labkraut

Es wächst in Europa und in Vorderasien und hat keine großen Ansprüche an den Boden, wo es wachsen will, sogar in Mooren ist es zu finden. Es gehört zu den Rötegewächsen. Neben seinen nach Honig duftenden gelben und weißen Blüten ist auffällig, dass der Stängel vier­eckig ist. Das gelbe Labkraut hat stärkere Heilkräfte als das weiße. In den Grünanlagen bei der Bus­haltestelle »Goldenes Horn Süd« steht es sowohl in Gelb als auch in Weiß.

Galium verum.                                                                                                                                         Foto: historisch

Es enthält das Labferment, welches schon seit 4.000 Jahren auch zur Käseherstellung genutzt wird. Mit Farbstoffen aus den Blüten erhalten heute noch der Chester und andere Käsesorten ihre gelblich-orange Farbe, und sie ist verantwortlich für den besonderen Geschmack. Für Bier, Käse und Heilung weiterlesen

Basteln mit Rolf

Taschenlampenbirnenspinne

Unser Spätjahr hat Ende Oktober inzwischen auch Halloween und bezaubert zudem mit dem Altweibersommer. Spinnen spielen bei beiden Anlässen auch eine Rolle. Zu diesem Anlaß hier die Anleitung zum Basteln einer Spinne. Benötigt wird nur eine alte Taschenlampen- oder Signallampenbirne, etwas Draht für die langen Spinnenbeine, ein Seitenschneider, eine Biegezange, ein Lötkolben und ganz besonders: Lust zum Pfriemeln.
Eine Spinne hat acht lange Beine. Die werden aus dem Draht gebogen. Die Beinlänge ist wichtig, und die sollte mindestens zweifach so lang sein wie die Lampenlänge ausmacht. Gut auf dem Foto zu sehen, bestehen die Beine aus einem doppelt zusammen gedrehten Draht. Die Rillen der Schraubfassung erleichtern ein platziertes Anlöten. Werden anschließend die noch in charakteristischer Manier gebogen und angeordnet, ist das Spinnentier schon fertig. Natürlich könnte das Tier nun schwarz angemalt und auch mit einem Kreuz zusätzlich versehen werden, aber die eigentlichen, an einem Faden fliegenden Baldachinspinnen des Altweibersommers sind eher bräunlich, wie die gemeine Kreuzspinne eigentlich auch.

rr

Petras Tagebuch

Vom Netz in den Sack

Manchmal verfalle ich in Zustände der Arbeitsunfähigkeit. In der Regel passiert das am Computer.
Wenn ich Hunger habe, studiere ich intensiv Rezepte. Zumeist merke ich nicht, dass ich Hunger habe, kenne jedoch mein Verhalten und schließe daraus, dass ich etwas essen sollte.
Das passiert bei mir in ganz vielen Bereichen: Wenn mir nicht einfällt, was ich anziehen soll, suche ich im Internet, wenn ich meine, ich sollte mal wieder in die Sauna gehen, suche ich nach Salz. wenn ich urlaubsreif bin, suche ich nach Matratzen, und wenn die Jahreszeit wechselt, überlege ich lange Zeit, wie die Kleidung aussehen soll. Petras Tagebuch weiterlesen

Kinder! Seid Ihr die Helden von Morgen?

Theater selber machen, Geschichten spielend selbst erfinden und mit Freunden ausprobieren – da ist Musik drin! Und wir suchen Euch – Kinder und Jugendliche von 8 – 16 Jahren…
Seit über zehn Jahren gibt es den Neuköllner Oper Kinder Klub (NOKK), und in dieser Zeit sind nicht nur eine Menge Theaterstücke entstanden und aufgeführt, sondern manche Freundschaft gestiftet und Theaterleidenschaft entfacht worden.


In dieser Spielzeit möchten wir in zwei Gruppen der Frage nachgehen, was eine Heldin oder einen Helden ausmacht. Könnte sein, dass die Jüngeren (Gruppe 8-13 Jahre) und die Älteren (Gruppe 13-16 Jahre) zur Aufführung am 15. April 2019 ein Dreamteam präsentieren, dessen unschlagbarer Attraktivität sich auch wir Zuschauer uns nicht entziehen können!

Und hier ist der verbindliche Probenplan (die Proben finden in der Neuköllner Oper statt):
1. Treffen: Sa, 10. November, 11-14 Uhr – Alle gemeinsam
2.Treffen: Sa/So, 01./02. Dezember, 11-16 Uhr – Sa »die Alten« (13-16 Jahre) / So »die Jungen« (8-13 Jahre)
3. Treffen: Sa/So, 19./20. Januar, 11-16 Uhr – Sa »die Alten« / So »die Jungen«
4./5. Treffen: Sa/So, 23./24. Februar, 11-16 Uhr – gemeinsam
6. Treffen: Sa/So, 23./24. März, 11-16 Uhr Sa »die Alten« / So »die Jungen«
Endproben gemeinsam:
7. Treffen Freitag, 12.April, 15 bis 19 Uhr
8./9.Treffen: Samstag/Sonntag/ 12./13./14. April, 11 bis 16 Uhr
10. Treffen: Montag, 15. April, 14 bis 19 Uhr Generalprobe/Aufführung
Das passt? Dann schnell anmelden bis zum 11. Oktober unter stein@neukoellneroper.de