Archiv der Kategorie: Gastronomie

23 Stunden Spiel und Spül in 44

Der »Tiefpunkt« der Saalestraße ist überschritten

Die nach dem schönen Fluss Saale benannte Straße, die entlang der Ringbahn die Sonnenallee mit der Karl-Marx-Straße verbindet, ist trotz Grün und gepflegter Altbauten nicht unbedingt eine Prachtstraße. Busse und Pkw quetschen sich täglich hindurch, der S-Bahndamm ist vermüllt, und im Wahnwitz der Nazis, Berlin zu Germania umzubauen, wurden 1939 zwischen KMS und Elsterstraße alle Vorderhäuser der Saalestraße 1 bis 24 abgerissen, was sich bis heute an Brachen zeigt, die aber nun zum Teil für Sportanlagen genutzt werden. (Bis 1942 vernichteten die irren Germania-Planer übrigens insgesamt 41.000 Berliner Wohnungen.)

IMMER da für 44er. Foto: hlb

Historisches Flair hat der Siegfried-Aufhäuser-Platz gegenüber dem S-Bahnhof Sonnenallee. Dieser wurde 1912 nahe der Kaiser-Friedrich-Straße (heute Sonnenallee), gebaut nach Plänen von Reinhold Kiehl, eröffnet – seinerzeit noch benannt nach Friedrich III., dem »99-Tage-Kaiser« von 1888. 1961 zerschnitt die Berliner Mauer den S-Bahnring in zwei Teile, die Nationale Volksarmee unterbrach die Gleise, und damit war auch der Bahnhof Sonnenallee geschlossen. Nach dem Mauerfall 1989 begannen die Bauarbeiten zur Wiederherstellung des Südrings, doch erst im Dezember 1997 wurde der S-Bahnhof als Station wiederhergestellt. 23 Stunden Spiel und Spül in 44 weiterlesen

Nudeln oder Reis?

Dumplings und Sushi ganz familiär

Bunt sind hier vor allem die Teigtaschen. Seit letzten Dezember wird auf der Flughafenstraße gefragt: »WANNA EAT«? Ja, Eure Dumplings und Nudelgerichte, darf da die Antwort sein.

WANNA EAT? Immer gern.   Foto: hlb

Freundlich sind Inhaber und Personal des Familienimbisses »WANNA EAT«, die Einrichtung ist hell, hölzern und schlicht, aber effektiv, die offene Küche beweist die frische Zubereitung. Eine farbenfrohe Augenweide sind die Schüsseln mit den acht verschiedenen Dumplings und sechs pikanten hauseigenen Soßen in der Vitrine.
Die Teigtaschen, in China gern schon zum Frühstück gegessen, werden nach Wahl gedünstet oder frittiert und sind hälftig vegan mit Pilzen, Kartoffeln und vielem anderen, eine gar süß, oder mit herzhaften Zubereitungen aus Huhn, Schwein oder Rind gefüllt im Angebot. Wer alles kosten möchte, nimmt die »Rainbow Plate« mit 16 Taschen und vier Saucen für 12 Euro. Nudeln oder Reis? weiterlesen

41 Jahre mit dem »Sandmann«

Wieder feste Feste feiern

Als Helmut Gräber in der 70er Jahren Betriebs- und Volkswirtschaft studierte, ahnte er noch nicht, dass von dem Studium der erfolgreiche Wirt übrig blieb. Am 14. Mai wird er das 41ste Jubiläum des »Sandmann« feiern.
Seinen Start hatte Helmut 1978 als Kneipenmitarbeiter im damaligen »Korner«, dem heutigen »Goldammer«. Als das Lokal schloss, wechselte er 1979 in das »Hadebax« in der Wipperstraße. Das wurde bald verkauft und Helmut schwor sich eines: »Nie wieder Kneipe!«
Dieses Vorhaben wurde ad absurdum geführt, als im damaligen »Erlanger Hof« ein Nachfolger gesucht wurde. Helmut und zwei Freunde ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen. Der »Sandmann« war geboren.


Der Vermieter des Lokals war ein Automatenaufsteller, der auf seine zu zahlende Miete 100 Prozent aufschlug. Das große Glück, das dem Trio entgegenkam, war die Befristung des Mietvertrages zwischen dem Hauseigentümer und dem Automatenaufsteller. Als dieser auslief, wurde ein neuer Vertrag zwischen dem Hauseigentümer und Helmut ausgehandelt. Der »Sandmann« musste zwar die gleiche Miete wie zuvor berappen, hatte in dem neuen Vermieter aber einen guten Freund gefunden. 41 Jahre mit dem »Sandmann« weiterlesen

»It‘s a long Story«

Neues Frühstückscafé auf dem Weg zum Tempelhofer Feld

Der »Späti 178« in der Hermannstraße unweit der Thomasstraße wird seit zehn Jahren von Denis, er war damals 18 Jahre alt, und seinem Bruder geführt. Mit der Unterstützung der gesamten Familie ist dies einer der erfolgreichen Spätis mit dauerhaft guter Laune. Das Verhältnis zwischen Vermieterin und Mieter war so gut, dass das Geschäft bald erweitert werden konnte.

Denis und sein Team.    Foto: mr

Dann kam die böse Überraschung: Die Hausbesitzerin verkaufte das Haus, und der neue Eigentümer entmietete das gesamte Gebäude. Dank der guten Worte, die der Anwalt der Familie bei der neuen Hausverwaltung einlegte, durfte der »Späti 178« bleiben.
Denis hatte aber schon seit einiger Zeit ein Auge auf das benachbarte Lokal Hermannstraße Ecke Thomasstraße geworfen. Als es geschlossen wurde, hätte er es gerne übernommen, aber hierbei hatte er kein Glück. Stattdessen wurde dort eine Shisha-Bar eröffnet.
Nun, nach den vielen Jahren des Wartens, ging Denis‘ Wunsch nach einem Mietvertrag in Erfüllung. Es begannen die Renovierungsarbeiten. Mitte April war es soweit. Es ist ein Frühstücksrestaurant entstanden, das ausgesprochen geschmackvoll gestaltet wurde. Ein helles, freundliches Grau an den Wänden und freigelegte Ziegelsteine laden zum Verweilen ein. »It‘s a long Story« weiterlesen

Vier und mehr Ecken für den Jieper

Imbissen von Biospargelpizza bis Ananasburger am Böhmischen Platz

Pizza geht immer – daher scheinen neue Pizzerien gerade wieder im Kiez wie Pizze aus dem Boden zu schießen. Mal mit eher liefer­orientiertem Standardprogramm wie in »Luigis Pizzeria« in der Kienitzer Straße 92, mal mit ganz auf ausgewählte Fladen fokussierter Vor-Ort-Gastro­nomie wie im »Gran Casino«, das den traurigen Leerstand nach dem »Pizza a Pezzi« am sonnigsten Eck des Reuterplatzes vor kurzem endlich beendete. Mit rund zehn Pizzen in fluffiger neapolitanischer Backweise, auch vegan, mit Friacelli-Stängelkohl und/oder reichlich Büffelmozzarella, sowie lokalen Craftbieren (Weddinger Eschenbräu-IPA!) vom Fass und Antipastiauswahl bringt sich das »Casino« in eine klare Position.

Vier Ecken.    Foto: hlb

In der Sanderstraße 5 überrascht und mitkonkurriert das kleinere »Caputo« mit Trattoriaoptik und durchaus stattlichem italienischem Feinkostgeschäftangebot. Dass es hier – wie auch bei »Luigi« – zwar einen Steinofen, aber nichts Schweinefleischiges und keinen Alkohol gibt, relativiert die Authentizität, doch mit Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, Portafogli (gefalteten Pizzataschen) und üppigen Pastagerichten könnte das »Caputo« sich behaupten.
Am Böhmischen Platz allerdings geht es für Pizzaphile deutlich zeitgemäßer und mit besserem Karma zu. Seit einem Jahr fabriziert und verkauft hier das »Vier Ecken« (natürlich eckige) Pizza und -stücke im römischen Stil, aus (wie beim Dinkel- 24 Stunden) lang geruhtem und dann mehrfach gebackenem Teig. Vier und mehr Ecken für den Jieper weiterlesen

Eckiges Loch mit rundem Programm

Das »Hole44« rockt die Hermannstraße

In der Hermannstraße, Höhe Neubritzer Tor, mögen viele nicht unbedingt einen Hort der Kultur und Unterhaltung vermuten. Doch schon 1949 wurde hier mit dem »Globus«-Filmpalast der erste reine Kinoneubau Berlins nach dem letzten Weltkrieg eröffnet. Das zweigeschossige Rangtheater mit quadratischem Zuschauerraum zeigte fast 20 Jahre lang ein buntes Filmprogramm – dann war Schluss, und der Saal wurde als Supermarkt und zuletzt als polnische Diskothek »Galaxy Club«, berüchtigt für wodkareiche polnische DJ-Nächte, genutzt.

AUSSEN unspektakulär, innen heißt’s »Yeah«.     Foto: hlb

Nach pandemiebedingter Verzögerung eröffnete vor Kurzem hier das »Hole44« als Konzerthalle für etablierte Künstler wie für aufstrebende Talente; Es bereichert nun von Neukölln aus die ohnehin nicht arme Kulturszene der Stadt und bietet mit einem prallen Programm aus den Bereichen Pop, Rock, Punk, Metal und Alternative eine Vollladung für den coronaentleerten Livemusikakku. Von außen unscheinbar, wenngleich durch üppige Plakatierung als Konzertort erkennbar, birgt das »Hole« innen im würfelartigen, säulenfreien und in pragmatischen Grautönen optisch schlicht gehaltenen Raum eine moderne hohe Bühne, zwei Bars und eine Sound- und Lichttechnik auf modernstem Stand. Geblieben ist auch die Tribüne, die beste Sicht aufs Bühnengeschehen ermöglicht. Gut 700 Gäste finden hier unten oder oben ihren (Steh-)Platz. Eckiges Loch mit rundem Programm weiterlesen

Time-out im Kiez auf die britische Art

Fish & Chips, Currys, Cocktails, Pub Quiz and more gibt’s auch hier

Die Briten wollten ja nun weg von uns Nicht-Insel-Europäern – naja, zumindest raus aus der EU. Dann vergnügen wir uns halt hier bei uns auf ihre Art. Und dafür gibt es einige gute Gelegenheiten.

Session im »Gift«.    Foto: hlb

Die Manchester- und Dackel-Kneipe »Posh Teckel« ist ja bereits bekannt aus Presse, Funk und Fernsehen für seine Liebe zum Brit-Pop, für Partys, Konzerte, Pub Quizes, Dackelpommes oder spontane Aktionen und immer mal einen Besuch wert.
Die Misters O‘Reilly und Knight haben mit ihren »Crazy Bastard«-Chilisaucen zu Recht schon einige Preise eingeheimst. Ihr scharfer Shop in der Weserstraße ist mittlerweile zur Restaurantbar geworden und serviert als »Crazy Bastard Kitchen« wöchentlich wechselnde Menüs mit Typischem aus der ganzen Welt – zu denen sich frei und reichlich an den hauseigenen Zungenbrenner-Saucen bedienen lässt. In den Fish & Chip-Wochen kommt der englische Klassiker auf den Tisch: Kabeljaufilet im Bierteig mit Erbsenpüree, Remoulade und Pommes mit Salz und Malzessig – das Ganze auch vegan als Vish & Chips mit Bananenblüte. Time-out im Kiez auf die britische Art weiterlesen

180° mit Ausblick

Nicht nur Süßes am Tempelhofer Feld

Mitten in der Pandemie des vergangenen Juli wagte Sarah Klausen in der Oderstraße 52 ihr eigenes Café zu eröffnen. Es ist auch Bistro und Apero, da sie neben Spitzenpatisserien aus eigener Manufaktur auch täglich wechselnde, vegetarische »salzige Kleinigkeiten« im Stile »Mediterraner Tapas« als Tagesgerichte anbietet.
Das »180°« liegt am Tempelhofer Feld nahe des Haupteingangs Herrfurthstraße.

Sarah und die Mitstreiterin in ihrem Reich.    Foto: rr

Als ihr Vater die stark renovierungsbedürftigen Räume vom ehemaligen »Palsta« sah, riet er nur wegen dieser Lage ab. Er fürchtete, dass es die Mehrzahl der Besucher nur zum Feld zieht, ohne ihr Café zu beachten. Die eigenwillig resolute Tochter hörte nicht. Sie vertraute der hippen Lage sowie der Zugkraft ihres Angebots, das funktioniert. Sie nannte es »180°«, als Reminiszenz an ihre gängigste Backtemperatur und auch, weil hier ein 180° Blick aufs Tempelhofer Feld möglich ist. Bei schönem Wetter können beim Apero die Gäste zusätzlich eindrucksvolle Sonnenuntergänge genießen. 180° mit Ausblick weiterlesen

Viel Au und Ciao in der Kiezgastro

Abschied von liebgewonnenen Klassikern

Frohes neues Jahr? Gäste einiger gastronomischer Institutionen und Oasen werden schon Tränen ob deren Verschwindens verdrückt haben. So musste Wirtin Rosie ihre Kneipe »Oase« in der Bürkner- Ecke Hobrechtstraße nach 20 Jahren aufgeben. Das lange Stehen und Schleppen ging für die Mittsechzigerin aus gesundheitlichen Gründen schon länger nicht mehr, doch befreundete gute Seelen wie Bärbel wussten, wenn auch selbst keine Springinsfelde mehr, den Laden noch zu schmeißen und sich um Leib- und Seelenheil der durstigen Gäste zu kümmern. Auch damit ist seit 26.12. aber Schluss. Kein »DAB«-Pils oder Küstennebel nun also mehr zu Oldies im dichten Zigarettennebel – ade »Oase«!
Die besten Fritten weit und breit, einzigartige Sandwiches mit Kroketten oder Steak, gute Currywurst und dazu »Pinkus«-Bier vom Fass – das gab’s so nur im »Style Stallone«. Nach knapp vier Jahren ist auch dieser originelle Reuterstraßen-Imbiss mit kultigem 80er-Flair Geschichte. Inhaber und Koch Style, bürgerlich Till Heinisch, mochte sich nicht mehr die Abende um die Ohren hauen und wird nun, frisch verheiratet, mehr Zeit mit und für seine Familie genießen. Möge diese Frittieroase bald einen Neubeginn erleben.

Letzter Tag im »Style Stallone«.   Foto: hlb

Sorgen sind angebracht um die linke Kollektivkneipe »Tristeza« in der Pannierstraße. Schon seit Jahren wurde der Stand für das engagierte Lokal durch die Verhipsterung der Nachbarschaft und das Wegbrechen und -ziehen des Zielpublikums schwerer und die Einnahmensituation immer unerfreulicher. Die Getränke sollten für jeden bezahlbar bleiben, die Nutzung der angenehm zerrockten Barräumlichkeiten für Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionsveranstaltungen oder Plenen hätte besser sein können – und dann kam Corona mit all seinen Auflagen und Beschränkungen. Nun ist Tristesse darüber angesagt, dass dieses wichtige Fanal linker Kultur im Kiez zu hat. Viel Au und Ciao in der Kiezgastro weiterlesen

Bunter Gastroreigen im Reuterkiez

Wer macht auf, wer zu und wer anders?

Das »Kuschlowski« in der Weserstraße hat seit 2007 schon manchen Umbau und Konzeptwechsel durchgemacht. Als Wohnzimmerbar mit Kaminfeuer, Eimerhockern und Wodkagedecken gestartet, war es zuletzt russisch-veganes Restaurant und dann nur noch Wochenendcafé. Nun hat Gastronom Artem Hein seine »Vater Bar« in der Reuterstraße zugemacht und hierher verlegt. Der Ausgangspunkt des Bargeschehens befindet sich neuerdings mitten im Lokal; rund um den großen zentralen Tresen wird nun wieder ausgiebig geplaudert, gefeiert, Cocktail oder Bier getrunken und natürlich sich warmgekuschelt. Raucher kommen in einem winzigen Seitenkabuff zu ihrer Sucht und garantiert ins Gespräch.

Göttlich trifft gambisch.     Foto: hlb

Auch die wohnzimmerliche Einrichtung des Nachbarschafts- und Kulturlokals »Göttin der Weisheit« in der Lenau­straße wurde seit Oktober 2018 immer mal wieder umarrangiert. »Trinke Denke Gedeihe« heißt weiterhin das Motto der Geschäftsführerschwestern Jana und Svenja Rühland, die aus dem Voralpenland kamen, um unter dem Eulen-Logo mit Konzerten und Jam Sessions, wissenschaftlichen Vorträgen und Gesprächsrunden sowie begleitenden Getränken zur Grips- und Horizonterweiterung der Gäste beizutragen. Bunter Gastroreigen im Reuterkiez weiterlesen

Lass den Esel von der Kette

»Club del Burro« hat feinen neuen Ableger im Schillerkiez

Was passiert, wenn sich ein Esel und ein Affe aus der Großstadt zusammentun? Im Falle der beiden Herren mit den Spitznamen Burro und Mono entstand daraus 2018 der »Club del Burro«, ein Imbissrestaurant auf der Gastromeile der Herrfurthstraße, das für prall gefüllte Burritos, Tacos und Quesadillas bekannt ist. Neben den mexikanischen Klassikern in lebhaft buntem Ambiente ziehen auch vegetarische Näpfe (aka Bowls) und der berüchtigte »Margarita Monday« mit seinen kühlen gezapften Tequila-Cocktails ein junges internationales Publikum an.

ESELEI.    Foto: hlb

Nach dem Burger-Ableger »NKLN ZOO« auf der anderen Straßenseite hat der Esels-club nun noch ein weiteres Domizil im Schillerkiez eröffnet und in der Allerstraße sozusagen eine feine Schwester bekommen. Im »Burro Unchained« geht es weniger gewalttätig zu als im Quentin-Tarantino-Film »Django Unchained«, aber die Einrichtung mit ihren wild zuplakatierten beziehungsweise knallbunt und kunstvoll bemalten Wänden hat schon das Zeug zur Filmkulisse. Schon das rosarote »MEZCAL«-Neonschild und der Schriftzug »Do or Dine« über und neben der Eingangstür machen klar: Hier geht es um handfestes Abendessen mit alkoholischer Begleitung. Lass den Esel von der Kette weiterlesen

Gute Nacht, »Lange Nacht«?

Eine Institution wird vertrieben

Als Stefan Lange im Jahr 2005 die »Lange Nacht« eröffnete, schuf er in kürzester Zeit eine Institution im Neuköllner Kneipenleben. Jedes Fußballspiel wurde geschaut, Tatort-Abende zelebriert, Musikveranstaltungen abgefeiert. Die nähere und weitere Nachbarschaft lief zusammmen, selbst Fans unterschiedlicher Fußballclubs gingen fair und aggressionsfrei miteinander um.

Lange war`s so schön hier.    Foto: mr

Stefan kannte die meisten der Gäste schon seit einigen Jahren, da er viele Jahre davor die Geschäftsführung für den Vorbesitzer innehatte.
Dann zogen die ersten Gäste seiner Stammkundschaft weg, sie konnten die Mieten nicht mehr zahlen, die »Hipsterisierung« begann, wie Stefan es nennt. Die Gentrifizierung zog mit rasender Geschwindigkeit durch den Schillerkiez. Vor zweieinhalb Jahren bekam auch er eine saftige Mieterhöhung. Die Adler-Group, der das Haus in der Weisestraße 8 inzwischen gehört und die mit dem Slogan »mehr Zukunft pro m²« wirbt, begann die Gegenwart pro Quadratmeter zu zerstören. Gute Nacht, »Lange Nacht«? weiterlesen

Essen gehen wie an der Ägäisküste

Frischer Wind und Fisch am Weigandufer

Das »Begur«, das hier an der luftigen Ecke, wo die Brücke der Treptower Straße über den Neuköllner Schifffahrtskanal führt, seit 2015 eine gehoben kulinarische Reise nach Katalonien bot, ist, auch krankheits- und coronabedingt, nicht mehr. Doch auf delikate Kost muss hier in »Trepkölln«, wie manche die Gegend schon nennen, nicht verzichtet werden. Mit einem freundlichen neuen Wirt, der aus Bodrum an der türkischen Südwestküste stammt und von dort immer gern an die Ägäis fuhr, wurde ein neuer Betreiber gefunden, der viel Lust und Kenne hat, hier mit seinem familiären Team ein neues Konzept zu etablieren: Ein Restaurant für authentische mediterrane Fischgerichte, mit Fokus auf die Ägäisküche. Fisch wie an Urlaubs- und Sehnsuchtsorten zubereitet gibt es also zum Glück weiterhin hier.

Muschelrock.         Foto: hlb

Ziemlich guten Fisch für die heimische Küche zu ergattern, ist in Neukölln kein Problem; Märkte, Supermärkte oder Feinkost- und Fisch­läden wie die zuletzt eröffnete »Fischwelt« in der Hermannstraße bieten ein breites Angebot an frischer Vielfalt. Diese auch lecker zubereitet zu bekommen, ist etwa in der »Fischtheke« in der Flughafenstraße oder im »Ocean Fisch Restaurant« in der Sonnenallee möglich – allerdings in eher kühlem Imbissambiente.
Wenn es ein gemütlicher Abend mit exquisiten Fischgerichten, mittelmeertypischen Vorspeisen, ein paar Glas Wein und fürsorglichem Service sein soll, empfiehlt sich das »Ägäis Fisch Restaurant«. Essen gehen wie an der Ägäisküste weiterlesen

Entzogener Wein zieht ein

»Der Frevel«, es mit, ohne und gemischt zu können

Das althochdeutsche Ravili bezeichnet seit dem Mittelalter übermütige Kühnheit und böswillige Gewalt. Die Religiösen haben dies als »Frevel« zur Schändung der Glaubensgrundsätze umgedeutet, zur Auflehnung gegen »göttliche« Ordnungen. Wo nun liegt der Frevel im »Der Frevel«?

RAUM für Teilzeitfrevler.Foto: hlb

Als Stefan Saarbach sein Galerie-Café »Saarbach« an der Hobrecht- Ecke Sanderstraße letztes Jahr aufgab und die großzügigen Räumlichkeiten auf dem freien Markt waren, griff die »Kolonne Null GmbH« zu. Deren Geschäftsführer Moritz Zyrewitz und Philipp Rößle suchten nach Räumen, um mit Partnern einen genussreichen »Concept Store« zu eröffnen, in dem insbesondere ihr Firmen- und Herzensprodukt, alkoholfreier Wein, präsentiert und verkauft wird. Nicht, dass sie selbst keinen Alkohol tränken, aber das alkoholfreie Geschmackserlebnis als edle Alkalternative, und das doch aus einem alkoholischen Getränk gewonnen, hat es ihnen angetan. Schließlich wollen mehr und mehr Leute auch ohne Dusel und Schädel gesellig mitgenießen. Und etliche Bierbrauer machen es längst vor, dass es einigermaßen gut, trinkbar und fast ohne Umdrehungen geht. Entzogener Wein zieht ein weiterlesen

Vom Späti zu »Janas Coffee Lounge«

Kaufmann Ali ist geschäftlich flexibel

Ali steht häufig in der Tür seiner Bar namens »Janas Coffee Lounge« in der Kie­nitzer Straße 114, oder er sitzt an einem Tisch und trinkt Tee, raucht stets eine Filterzigarette.

Prost!      Foto: jr

Seit 20 Jahren wohnt und arbeitet er dort, als Inhaber einer Videothek und eines Spätkaufs. »Der Späti hat sich nicht mehr dauerhaft rentiert, der Wettbewerb mit den größeren Läden ist zu stark.« Der gestandene Kaufmann bietet weiterhin Carry-out-Getränke wie Bier zu Späti-Konditionen an, setzt aber auch auf den Barbetrieb mit ortsüblichen Preisen. Cocktails sind seine Spezialität, trockene Weine und Markenbiere laufen ebenfalls. Ohne Zigarettenautomat geht es nicht, und offenbar darf auch ein Spielautomat nicht fehlen. Vom Späti zu »Janas Coffee Lounge« weiterlesen

Der Gorilla mit dem Sauerteig

Gläserne Bäckerei verwöhnt auf der Hermannstraße

Die Gorilla-Skulptur des Elektro-Tausendsassas und Künstlers Batman war ein Neuköllner Wahrzeichen an der Ecke Werbellin-/Hermannstraße. Mit dem Elektronikladen ging leider auch der Metallaffe. Aber sympathischerweise erinnert an ihn seit Ende November 2020 der Name der »Gorilla Bäckerei« an gleicher Stelle. Und das sehr würdevoll, ist das »Gorilla« doch weit mehr als eine Bäckerei.

CROISSANTS an der Kreuzung.      Foto: hlb

Die Gründer und Inhaber Frithjof und Matteo haben ein lichtes, minimalistisches Lokal geschaffen, das höchsten kulinarischen Ansprüchen an bestes Backhandwerk genügt. Innenarchitektonisch wurde dafür gesorgt, dass sich das eifrige Treiben in der Backstube wie auch in der Konditorei durch große Scheiben beobachten lässt – und die Backkünstler und -künstlerinnen so natürlich auch die freudige Kundschaft im Blick haben.
Das internationale Team der Gorillas setzt vor allem auf deliziöses Backwerk französischer und italienischer Machart. Sein handgemachtes Sauerteigbrot besteht aus besten Biomehlen, die Teige bekommen genug Zeit zu gehen, um so besonders gut verdaulich und geschmackvoll zu werden. Der Gorilla mit dem Sauerteig weiterlesen

Köstlich Veganes im »Pilz«

Levantinische Leckereien in der Weisestraße

Levante, das ist die alte geografische Bezeichnung für die Länder am östlichen Mittelmeer; das Morgenland, wo die Sonne aufgeht. Heute ist insbesondere die Ostküste des Mittelmeers und ihr Hinterland gemeint: Syrien, Libanon, Israel, Jordanien und die palästinensischen Gebiete. Die Küche dieser Region, also die levantinische Küche, ist voll im Trend. Ist sie doch vielfältig, gesund und lecker und kombiniert kleine Gerichte mit für Abendländler mitunter ungewöhnlichen Aromen, basierend auf Kichererbsen und anderen Hülsenfrüchten, Auberginen und anderen Gemüsen, Joghurt, Kräutern und Ölen.

HUMMUS muss.     Foto: hlb

Einen lässigen Einblick und -schmeck in diese kulinarische Welt bietet das »Café Pilz« im Schillerkiez in der ehemaligen »Nr. 58 Speiserei«. Anton Pilz hat hier das Café-Erbe seines Ur­opas angetreten. Benannt nach einem historischen Café in Tel Aviv-Jaffa bietet er mit seinem Team, von denen einige den Gästen aus der Bar »Heiners« in der Weserstraße bekannt sein könnten, israelisch-levantinische Spezialitäten in tapas-/mezzegroßen Tellerportionen (à 3 bis 5,50 Euro) an. Köstlich Veganes im »Pilz« weiterlesen

Mittagstisch im lauschigen Garten

»James« residiert im »Hüttenpalast« mit feiner Kost

Der »Hüttenpalast« ist seit über zehn Jahren als eines der ungewöhnlichsten Hotels Berlins überregional bekannt. In einer Hinterhoffabrik im Reuterkiez übernachten die Gäste hier in Hallen mit liebevoll gestalteten Oldtimerwohnwagen oder Fabrikloft-Zimmern.

HINTERHOFIDYLL im Reuterkiez    .Foto: hlb

Das Café des Palasts in der Hobrechtstraße 66 ist seit letztem Dezember tagsüber nun das »James«, benannt nach dem Stadtplaner James Hobrecht, der im 19. Jahrhundert unter anderem für den Bau der Berliner Kanalisation verantwortlich war. Das »James« ist Tagesbar, Feinkostgeschäft und Cateringbetrieb in einem.
Internationale Lebensmittel mit mediterranem Schwerpunkt, die sich auch prima zu »Fresskörben« kombinieren lassen, werden hier geschmackvoll arrangiert und übersichtlich feilgeboten: Kekse und salzige Snacks wie getrüffelte Kartoffelchips aus Madrid, italienische Pastasorten, Konserven mit geschälten Tomaten oder Sardinen, Essige und Öle, Salz und Senfe, Schokoladen und Kaffee, dazu ausgesuchte Weine etwa von der Mosel oder Nahe, Chablis, Crémant und leichte Spirituosen wie fruchtiger Limon- und Arancello. Auch mallorquinische Orangen und Zitronen und frische brandenburgische Bio-Eier sind im Angebot. Mittagstisch im lauschigen Garten weiterlesen

Vom Berg zur Bahn und in den Hahn

»Berliner Berg« legt und braut jetzt richtig los

Am 20. Mai war es soweit: Die »Berliner Berg« Brauereihalle wurde an der nordöstlichen Bezirksgrenze Neuköllns zu Treptow, im Gewerbegebiet der Treptower Straße gleich an der S-Bahn-Trasse, eröffnet. Mit Ende der einjährigen Bauarbeiten kann hier nun das Kernsortiment aus deutschen und internationalen Klassikern wie Pils, (Indian) Pale Ale und Lager, aber auch die Berliner Weiße sowie saisonale Spezialitäten gebraut werden – und das mit einer Kapazität von bis zu 10.000 Hektolitern pro Jahr.

HIER fließt bald reichlich das goldene Nass.    Foto: pr

Eine eigene unabhängige, moderne Innenstadtbrauerei war von Anfang an das Ziel der zwei Bierenthusiasten, Berg-Mitbegründer und heute zusammen mit Michéle Hengst Geschäftsführer Ulrich Erxleben und Robin Weber. Sie wollen hochwertige Craft-Biere entwickeln und zugleich alte Sorten und Stile in die Neuzeit führen. Die beiden Ex-Internet-Manager gaben vor über sieben Jahren ihre potenziellen E-Commerce-Karrieren zugunsten des Traums von einer neuen Berliner Bierkultur auf. Vom Berg zur Bahn und in den Hahn weiterlesen

Fleisch ist sein Gemüse

Andreas »Curry-Paule« Kämpf kämpft jetzt für Wurst im Glas

paule am Buckower Damm.    Foto: hlb

Auch vegane Wurst kommt bei ihm inzwischen an die Pommes oder den Kartoffelsalat. Andreas Kämpf ist ein echtes Neuköllner Original. 1964 hier geboren und aufgewachsen, lernte er nach der 9. Klasse Hauptschule Fleischer und war mit 22 Jahren schon der damals jüngste Berliner Meister. Nach ersten Lebensmittelhandelsstationen bekam er einen Verkaufsleiterposten in Ungarn und baute dann in Rumänien eine Discounterkette auf; sogar ein Fleischzerlegewerk legte er sich dort zu.
2013 kam er nach Berlin zurück, schließlich habe sich sein Vater immer gewünscht, dass Sohnemann hier einen eigenen Imbiss eröffnet. Zu Ehren Opa Pauls entstand so der »Curry-Paule«. Fleisch ist sein Gemüse weiterlesen

Blaues Haus mit buntem Ton

Nordafrikanische Berberküche in der Pannierstraße

Die Pannierstraße bleibt gastronomisch in Bewegung. Das »Capperi« am Landwehrkanal mit seinem italienischen Apéro hat, auch coronabedingt, aufgegeben, dafür ist wenige Meter weiter in die Räume des schon im September 2019 geschlossenen Bistros »Julini« neues Leben eingekehrt. Seit März laden Khaled Benhajamor und seine Frau Firanda in ihr kleines aber feines Restaurant »La maison bleue« – beziehungsweise zunächst noch vor dieses –, um traditionelle tunesische Berberküche zum Abholen und Liefern zu kochen und zu servieren.

Blauer Orient im Reuterkiez.     Foto: hlb

Mit alten Familienrezepten will uns Khaled, der schon gastronomische Erfahrung im »Café Rix« sammelte, auf eine kleine Reise in den Orient entführen. Ein Jahr haben die Benhajamors mit ihrem Team renoviert und mit Bodenfliesen und wunderschön handbemaltem Tongeschirr, sämtlich aus Tunesien, atmosphärischen Backsteinwänden und der leuchtend blauen Fassade ein stimmiges mediterranes Ambiente inszeniert. Blaues Haus mit buntem Ton weiterlesen

Sakraler Neustart mit Terz

»21 gramm«-Team beseelt das ehemalige »Café Selig« neu

Die Macher des Restaurantcafés »21 gramm« (benannt nach dem vermuteten Gewicht der menschlichen Seele) auf dem St. Thomas-Friedhof an der Hermannstraße kennen sich aus mit der Verbindung von kirchlichem Ambiente und Leibeswohl. Neben dem Lokal in der Friedhofskapelle des Gottesackers im Körnerkiez wird nun der nahe Schillerkiez zu ihrem gastronomischen Spielfeld.

BALD wieder das pochende Herz des Schillerkiezes.    Foto: hlb

Dort war das »Café Selig« seit 2004 ein beliebter Treffpunkt, befindet es sich doch in einem Trakt direkt an der Genezareth-Kirche, mitten auf der Straßeninsel des Herrfurthplatzes. Ein lichtdurchfluteter hoher Gastraum mit toll gelegener Terrasse direkt vor der Kirche – dennoch konnte sich auch Christian Birkelbach, der jüngste der diversen bisherigen Betreiber, mit seinem Bar-Restaurant-Konzept nicht halten und strich, auch durch Corona gebeutelt und ermüdet, letzten September nach dreieinhalb Jahren und gescheitertem Crowdfunding vorzeitig die Segel. Mit dem Pächterwechsel zu den »21 gramm«-Geschäftsführern Daniel Kalthoff und Jeremias Stüer mit ihrem Team und mit einem neuen musikalischen Namen – »TERZ« – soll die stimmungsvolle Räumlichkeit noch kieznäher werden. Sakraler Neustart mit Terz weiterlesen

Die Bier in Schnaps verwandeln

Rettungsaktion für das Rotbier vom »Rotbart«

Nicht nur, dass alle Kneipen sowieso schon lange unter dem Corona-Lockdown leiden. Viele Gastronomen und Brauereien müssen oft auch noch fässerweise das Verfallsdatum erreichende Bier wegschütten. Bier im Abfluss – bitte nicht! Die Bar »Rotbart« am Böhmischen Platz in Rixdorf und die Berliner Craftbeer-Brauerei »Brewer‘s Tribute« starten daher eine Rettungsaktion, um ihr gemeinsames Rotbier wenigstens zu Schnaps zu brennen. Um die Produktionskosten für dieses Projekt zu stemmen, soll eine Crowdfunding-Kampagne helfen.

Brandneuer Brand.    Foto: pr

Bier zu Schnaps statt Wasser zu Wein – so könnte der süffige Trunk immerhin in stärkerer Form den Lockdown überleben. Die Idee: Veredelung der noch übrigen Rotbierfässer zu einem hochprozentigen Bierbrand. Die Bier in Schnaps verwandeln weiterlesen

Prinzessin pflanzt und backt und kocht

Garten auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof öffnet wieder

Die Gartensaison startet! Neben offenen Gartenarbeitstagen und dem kleinen Hofladen öffnet das Gartencafé und die Küche des »Prinzessinnengarten Kollektivs Berlin« auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof ab Anfang April wieder täglich ab 11 Uhr.


Es wird zu kalten Getränken und Café geladen, und es kann täglich ein anderes, frisch zubereitetes Mittagsgericht, wahlweise vegetarisch oder vegan, sowie selbst gebackener Kuchen genossen werden.
Es wird auch mit Gemüse vom eigenen Acker gekocht. Lebensmittel und Getränke, die von außen bezogen werden, sind in Bioqualität, regional und nach Möglichkeit fair gehandelt.
Am 3. April ist herzlich zu einer kleinen Eröffnungsfeier geladen.
Mit der Nutzung der Fläche auf ehemaligen Teilstücken des Friedhofs trägt das Kollektiv dazu bei, einen historischen Grünraum in Berlin für die Öffentlichkeit zu erhalten und ihn zum Naturerfahrungsraum weiterzugestalten. Es wird behutsam gegärtnert, Umweltbildungsmöglichkeiten werden etabliert und der gewachsene Naturcharakter des Ortes bleibt erhalten. Es lebe die Prinzessin!

jr/Cécile Wagner
Neuer St. Jacobi Friedhof
Hermannstraße 99-105
www.prinzessinnengarten.net/kollektiv/

Retten was zu retten ist

Money statt Oje für den Kneipier

2021 und die Viren und Wirren gehen weiter um und legen zunehmend Lungen, Sinne, Nerven und Lebensenergien eines mittlerweile nicht mehr unerheblichen Teils der Bevölkerung lahm. Und das, obwohl unzählige als potenzielle Infektionstreiber ausgemachte soziale und kulturelle Begegnungsstätten schon eine gefühlte Ewigkeit geschlossen sind. Abstands-, Masken- und Hygieneregelungen, Plexiglaswände, Frischluftgeräte – alle Bemühungen und Investitionen, auch die unserer Gastronomen, waren für die Katz.

Wir woll‘n hier wieder rein!Foto: hlb
Wir woll‘n hier wieder rein!            Foto: hlb

Versuch(t)en unsere Speiselokale und Imbisse noch durch ein Mitnehm­angebot einen Hauch Umsatz zu erwirtschaften, geht für Bars und Kneipen absehbar gar nichts. Notdürftige Staatsgelder sind gut gemeint, verhindern den Pleitetsunami und das Ende vieler unternehmerischer Existenzen allerdings nicht.
Wer ein wenig über hat und seine Lieblingslokale nicht ganz im Regen stehen lassen will, hat außer guten Worten und der hohen Kante (wo die Reserven für bessere Zeiten hingelegt werden) ein paar, wenn auch überschaubare, Unterstützungsmöglichkeiten. Retten was zu retten ist weiterlesen

Alles Taco bei den Quecas!

Die Vielfalt mexikanischer Tortillas im Reuterkiez

Wie schon in der Pflügerstraße, wo sich das »Mucha Muchacha« mit Mezcal und traditioneller mexikanischer Küche ganz ohne Texmex-Klischees und TK-Convenience etabliert hat, setzt seit September auch in der Reuterstraße ein kleines Lokal lust- und kenntnisvoll auf die originalen Gaumenfreuden des einstigen Maya- und Aztekenreichs.

QUICKYS zum Mitnehmen.           Foto: hlb

Amerika- und Mexiko-Kenner Boris Gilsdorff, der auch schon Dokus über die Verdrängung des Straßenhandels in Mexiko-Stadt drehte, und sein Team haben sich der Vielseitigkeit der – hier aus Bio­mais handgemachten! – Tortillas und generell authentischer mexikanischer Gerichte aus selbstgemachten frischen Zutaten verschrieben. Der Name »Madre Tortilla«, den ihr beliebter Streetfood-Stand und kurzlebiger 2019er Kreuzberger Pop-up-Imbiss trug, wich für die Kreuzköllner Niederlassung dem schlüpfrigen »Oh La Queca«. Alles Taco bei den Quecas! weiterlesen

Frische Luft und Käseduft

Kneipen und Käse sind gut fürs Karma

Der Donaukiez trotzt den Viruswirren. Nicht nur Georg »Peppi« Weishäupl sorgt in seinem »Hungerkünstler im Salon Renate« und der Jazzkneipe »Galerie Peppi Guggenheim« in der Weichselstraße für Abstand und Beruhigung. Um die Ecke in der Donaustraße hat das Team des »Valentinstüberl« auch in das Gastvertrauen ins eigene Atmen nach dem Lockdown investiert.

REINE Luft für Reingeher. Foto: hlb

Hier sorgt im Vorder- wie im Hinterstüberl ein »Blue Air Pro L« für luftkurortliches Feeling und filtert circa sechs Mal in der Stunde die komplette Raumluft von 70 Quadratmetern durch. Wärmere Klamotten als in den letzten Jahren sind in diesen Monaten ohnehin allerorten hilfreich, das klarere, fast transparente Aerosol­empfinden kommt dem Geschmacksempfinden für die bayrischen Biere und Bierbegleiter wie Leberkäse (aus neuem Ofen!), Weißwurst oder Obatztem der Valentin- und anderen Humor- und Kunstfreunde entgegen. Frische Luft und Käseduft weiterlesen

Sie sind der Meinung …

Neue Betreiber und weiterhin spitzer (Trink-)Sport im »Zur Spitze«

Etliche Pokale auf Regalen und Fensterbänken erinnern an stolze Gewinne. Vor allem in der Dart-Kunst, die hier in einem prächtig getäfelten kleinen Saal an gleich vier elektrischen Automaten praktiziert werden kann.

FRÜHSTÜCK, Spielen, Alkohol.     Foto: hlb

An der Spitze des türmchengeschmückten Hauses, wo sich Karl-Marx-, Walter- und Delbrückstraße treffen, trotzt die klassische Eck- beziehungsweise Spitz-Kneipe »Zur Spitze« den umherirrenden Zeitmoden und verbindet gelassen und geduldig Trunk und Freizeitsport. Jukebox, Spielgeräte, reichlich Deko und Patina schaffen die bodenständige, raucherfreundliche Kulisse für Austausch und Besinnung bei Flensburger oder Kindl-Bier, Schnäpsen oder Longdrinks (ab 3,50 Euro). Sie sind der Meinung … weiterlesen

Die Freiheit der Nelke

Kaffee, Bier und die nötige Portion Widerstand im »Karanfil«

Karanfil ist türkisch für die Widerstandsblume Nelke – und so zeigt das Logosymbol des gleichnamigen Cafés im Schillerkiez auch eine Faust, die eine rote Nelke hält.

POLITISCH trinken.     Foto: hlb

Turgay Ulu, der mit seinen Freunden Miray und Andrew das Kernteam des »Karanfil« bildet, war Journalist in der Türkei. Von 1996 bis 2011 saß er wegen seiner politischen Tätigkeit im Gefängnis, dann flüchtete er nach Griechenland. Seit sieben Jahren ist er in Berlin und arbeitet mit an der Zeitung »Daily Resistance«; die hier natürlich auch, neben vielen weiteren Publikationen und Flyern über den Kampf gegen die Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Systemfehler in Berlin und auf der ganzen Welt, zum Informieren und sich Mitengagieren ausliegt. Die Freiheit der Nelke weiterlesen

Sportlich, herzlich und kontinuierlich

Immer was los in der Nachbarschaftskneipe »Ilse-Eck«

Auch im Körnerkiez lässt es sich auf verschiedenste Weise treffen und trinken: fein, mediterran, hip, alternativ oder traditionell solide – wie im »Ilse-Eck«. An der Kreuzung Ilse- und Jonasstraße ist diese klassische Eckkneipe ein beliebter Treff für Nachbarn, die sich gern miteinander austauschen und Anregung, Unterhaltung oder einfach nur Entspannung suchen. All das gibt’s hier täglich von früh bis (auch mal sehr) spät.

WILLKOMMENSEIN seit Ewigkeiten.   Foto: hlb

Das bisher hipsterungefährdete »Ilse-Eck« ist seit Jahrzehnten in familiärer Hand. Und familiär ist auch die Stimmung. Die typische Berliner Schnauze gehört hier zum guten Ton. Zu Oldies, Schlagern und anderer Partymucke aus der Jukebox wird hier Billard gespielt, an zwei Dartautomaten die Wirkung des Zielwassers ausgetestet (auch wenn Liga-Spiele diese Saison nicht möglich sind), am Glücksautomaten gedaddelt, gewürfelt oder auch mal Skat gekloppt. Und reichlich geraucht, gebechert und gequatscht. Momentan natürlich alles mit Abstand, aber Tische draußen gibt es für Fans aerosolverdünnter Luft auch. Sportlich, herzlich und kontinuierlich weiterlesen

Zehn Jahre »Pappelreihe«

Leckeres und gemeinwohlorientierte Ökonomie für den Schillerkiez

In bester Kaffeehaus-Tradition eröffnete Tami im September vor genau zehn Jahren die »Pappelreihe« in der Kie­nitzer Straße 109.
Vorher betrieben seine Eltern in diesen Räumlichkeiten ein Zeitungs- und Zigarettengeschäft, das sich nebenbei zum Kieztreffpunkt mauserte, und in dem immer Zeit für einen Klönschnack war. »Wie der Kiez tickt, hab ich damals gelernt«, erzählt Tami, »und wie er begann sich zu verändern auch. Etliche meiner dam­aligen Stammkunden mussten wegziehen, weil sie die ständig steigenden Mieten nicht mehr zahlen konnten. Sie haben die Pappelreihe zu dem lebendigen Kiez-Treffpunkt gemacht, der er glücklicherweise immer noch ist.«

AUF mindestens einen Kaffee in Tamis »Pappelreihe«.   Foto: bs

Inzwischen sind viele der Gäste Studenten, die das Café als erweitertes Arbeitszimmer benutzen, zwei bis drei Jahre in einer Wohngemeinschaft wohnen und dann zurück nach Süddeutschland oder ihre Heimatländer verschwinden. Tami bemängelt, dass sie sich kaum mit dem Kiez identifizieren. Zehn Jahre »Pappelreihe« weiterlesen

»Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt«

Typisch Sizilianisches auf Neuköllns Märkten

Die süditalienische Leidenschaft für gegrilltes Schaf und Lamm, für frittierte Reisbällchen, saftige Pane und viele Gaumenvergnügen mehr infiziert seit Juni risikolos Besucher der Märkte auf dem Hermannplatz und samstags auf dem Kranoldplatz. »Tipico Siciliano« nennt sich der außergewöhnliche Street-Food-Stand, der mit Stolz ein stadtweit überraschendes Angebot an rustikalen Spezialitäten des wilden Siziliens feilbietet.

Grill im Trubel.     Foto: hlb

Alle Stadtbewohner und -besucher von der Sonne sizilianischer Gastronomie zu überzeugen, ist der Antrieb dreier Männer aus Marsala, die hier täglich begeisternd und ehrgeizig deftige traditionelle Spezialitäten ihrer Heimat zubereiten und servieren – überzeugt, gekonnt und leidenschaftlich. In dieser besonderen Imbissbude mit ihren gut gefüllten Kühl- und Warmauslagen finden sich keine gewöhnlichen Mafiatorten, sondern weichbodige Sfincione, zudem feine Fleischwaren (bis hin zum Pferdebraten) zum Grillen und Burger-Belegen, vielfältige Würstchenspieße oder auch hausgemachtes Süßes für danach oder zwischendurch. »Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt« weiterlesen

Karibische Neueröffnung nach Corona

Südliches Flair im Café »Punta Cana« in Britz

Für die Dominikanische Republik besteht weiterhin eine Reisewarnung. Darüber hinwegtrösten könnte das »Punta Cana« in Britz, das in den Räumen des ehemaligen Cafés »natürlich und schön«, gegenüber vom »Vivantes Klinikum Neukölln« kürzlich eröffnete.

glückliche Cafébetreiber.      Foto: rr

Einen Tag vorm hiesigen Lockdown unterschrieben Doreen Schönborn und ihr Partner Jesus Castillo die Übernahmeverträge und durften dann, voller Tatendrang, ihr Café nicht eröffnen. Endlich, am 20. Mai, war Eröffnung. Sie hatten die erzwungene Sperre zum Umbau genutzt, halten vorerst am hier schon etablierten Konzept eines gemütlichen Cafés mit Frühstück fest. Die Umgestaltung ist gelungen und erweitert das Café um einen Raum. Obwohl es beim Interview draußen regnerisch und trübe war, sorgte die neue Einrichtung dennoch für südliches Flair. Karibische Neueröffnung nach Corona weiterlesen

Apéro auf Pannier-Art

Vielerlei mit und aus Korn und Butter im »Butter & Korn«

Ein anregender Drink und dazu ein leckeres Häppchen mit Freunden oder Kollegen, zum Feierabend oder Einstimmen auf den Resttag, so wie es als Apéro oder das Treffen zu Tapas gute Tradition in Frankreich oder Spanien ist – mit diesem Konzept schließt seit Ende Mai die Cocktail-, Wein- und Bierbar »Butter & Korn« eine Gastrolücke in der Pannierstraße.

Schlawiner.  Foto: hlb

Die Inhaber Frank Rauh und Dustin Franke fanden in den Räumen des vormaligen »ZIB« ein schönes Plätzchen mit lebendiger Straßenterrasse. Mit Benni, der zuvor für die kulinarischen Stadtführer von »Eat the World« arbeitete, haben sie einen leidenschaftlichen, sympathischen Geschäftsführer gefunden. Sie kannten sich schon aus dem Kiez und diversen Lokalitäten, wohnen um die Ecke und bauten sich eine Bar mit 80s-/Miami-Vice-Neon-Flair, die sich harmonisch in die Ausgehmeile nahe der Sonnenallee integriert. Clou ist der regionale (aber nicht brutale) Ansatz, bei den Zutaten für die Drinks und Speisen fast ausschließlich auf Lieferanten aus dem deutschsprachigen Raum, am liebsten direkt aus der Nachbarschaft, zu setzen. »Simpel und doch spannend« soll das Angebot sein, so Bennis Idee. Apéro auf Pannier-Art weiterlesen

Drei Jahre immer neue Brauideen

»neulich« – besonderes Bier von hier

Manchmal muss einfach gemacht werden. 2016 kommt eine Gruppe von Freunden, unter ihnen Lina Thiele und Julius Hausl vom Rummelsburger Technoclub »Sysiphos«, Boardsport­experte Michi Lipp, Hendrik Fritze und der Chemiker und Hobbybrauer Steffen Brückner – die fünf Gründer des »neulich« – auf ihrem Campingplatz am Neuendorfer See im Unterspreewald beim Trinken auf die Idee, zu Bierselbstversorgern zu werden.

neulich was los.   Foto: hlb

Getreu dem Motto »Mach doch« bauen sich Steffen, Julius und Henne ein eigenes 300-Liter-Sudwerk und brauen los, zunächst in den Waschräumen des Campingplatzes. Mit so überzeugendem Ergebnis, dass ein eigenes Lokal her muss, um den Spaß am Brauen und eigenen, ausgefallenen Rezepturen mit Gästen und Freunden zu teilen. In einer ehemaligen Eckkneipe am Rande des Schillerkiezes findet sich der perfekte, etwas urig-raue Ort, um seit April 2017 neu(lich)e Biere zu brauen und auszuschenken, zusätzlich auch Bierseminare, Livemusik- und DJ-Sessions, Mario-Kart-Turniere oder gar Bieryoga-Events zu veranstalten. Drei Jahre immer neue Brauideen weiterlesen

Weiße Vielfalt vom Rollberg

»Berliner Berg« – besonderes Bier von hier

Vor über fünf Jahren gaben ein paar Männer ihre potenziellen E-Commerce-Karrieren zugunsten des Traums von einer neuen Berliner Bierkultur auf. »Tradition. Neugebraut.« ist bis heute das Motto der »Berliner Berg Brauerei«, die 2015 ihre Heimstatt in einem Backsteinbau in der unscheinbaren Kopfstraße auf dem Rollberg fand, wo im 19. Jahrhundert bereits eine Schmalzfabrik schmalzte. Das »Bergschloss« war vorn ihre urige Ausschank- und Probierkneipe (einst das »Hopfenstübchen«), die nun aber leider Ende März geschlossen wurde.

BRAUTRIBUT an den Schillerkiez.      Foto: hlb

Wenngleich hier im Hofkeller noch Sudhaus, Lager- und Gärtanks und eine Schrotmühle für das Brauen von Sauerbieren wie dem traditionellen Berliner Trunk, der Weiße, genutzt werden, kommt nun der ganz große Schritt: Eine eigene, neue, große Produktionsbrauerei, die momentan in Neukölln direkt am S-Bahn-Ring im Aufbau ist. Damit hört das Lohn- und Wanderbrauen bei Gastbrauereien wie bisher vor allem in Hohen­thann auf, und »Berliner Berg« wird gänzlich neuköllnisch. Weiße Vielfalt vom Rollberg weiterlesen

Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt?

Rollberger – besonderes Bier von hier

Unter den Virusschutzvorschriften hat das Bar- und Kneipenwesen besonders lang zu leiden. Seit Mitte März bis mindestens Mai rigoros dicht, ließ sich quasi kein Euro gegen den laufenden Kostendruck verdienen. Ein Trauerspiel für Freunde des gezapften Bieres in netter Gesellschaft, zumal wenn es aus dem Kiez kommt. Mehrfach traf es die »Rollberger«: Als Brauerei, die auf Flaschenvertrieb verzichtet, als Lieferanten erlesener hiesiger Gastronomie und als Lokal.

Gut dosiert und fast wie vom Fass. Foto: mr

Die einstige Vielfalt des Berliner Brauwesens hat insbesondere durch die Craft-Bewegung in den 10er-Jahren eine erfreuliche Renaissance erfahren. Diverse Kleinbrauereien erzeugen inzwischen auch bei uns eine Palette an Bieren, die stets bereichernde Trinkerfahrungen abseits der Konzernsuppen ermöglichen. Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt? weiterlesen

Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger

Paketweise Genuss spenden und helfen

 

Wie in diesen Wochen Künstler, kleine Händler und Lebensmittelhersteller unterstützen, die ihre Erwerbs- und Absatzmöglichkeiten verlieren, und zugleich Glücksmomente verbreiten? Das fragte sich Wolfgang Baumeister und das Team vom »Hungerkünstler im Salon Renate«, dem Weichselstraßen-Käse-Bistro, das zugleich Wein- und Feinkosthandel sowie Raum für Verköstigungen, Künstlertermine und andere Pop-up-Events ist.
Wenngleich auch der Gastrobetrieb des »Hungerkünstlers« derzeit ruht, bekocht und beglückt das Team den Kiez derweil mit einem alten Hausmittel gegen Tris­tesse: Käsespätzle. Die feinen handgeschabten Biospätzle von »Josephines Feinkost« sind mit einer »Peppikäse«-Spezialmischung und Miss Sophies Röstzwiebeln zubereitet und können im Laden vorbestellt und küchenfertig abgeholt werden. Zuhause dann nur noch in Ofen oder Pfanne erwärmen und losschlemmen. Auch vegane Varianten soll es geben.

FREUDE statt Hunger.    Foto: jr

Darüber hinaus sind individuelle Pakete mit vielem, was für schöne Stunden sorgen kann, in Vorbereitung. Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger weiterlesen

Austern statt Analogkäse

»Shed« – Trendgastronomie in altvertrauten Räumen

Pastrami mit Lambrusco. Foto: hlb

Einige schmerzliche gastronomische Verluste altgedienter Institutionen hatte der Reuterkiez in den letzten Monaten zu verzeichnen. Auf der Pannierstraße klemmte Wirt Peter die stets gut durchspülten Zapfhähne seines »Dunmore Cave Pub« ab, das »Julini« stellte seine kreative, alpin beeinflusste Rustikalküche ein, das über die Jahrzehnte etwas abgenutzte »La Musica« mit seiner günstigen, hipsterfreien, familienfreundlichen Cucina schloss. Im prächtigen Altbau auf der Friedel- Ecke Weserstraße lief die Pacht für die feinen katalanischen Tapas des »Txokoa« und die griechischen Meze für »Blaue Tische« aus und auch den geräumigen italienischen Imbiss »Pizza a Pezzi« gibt es am Reuterplatz nicht mehr.
In den Eckräumen des »La Musica« haben sich die Macher des Hot­spots für neapolitanisch gebackene Hanfteigfladen, des »W Pizza« am Weigandufer, ein paar Ecken weiter, seit Januar ein neues zusätzliches Domizil geschaffen – als selbstdefinierte »Nachbarschafts-Weinbar mit Essen«. Austern statt Analogkäse weiterlesen

Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus

Die »Bergklause« hält die Nachbarschaft zusammen

Otto und das Palastorchester. Foto: th

Otto, der Inhaber der »Bergklause« in der Boddinstraße, raucht entspannt eine Zigarette und erzählt, wie er als Busfahrer dazu kam, seine vorherige Stammkneipe vor fünf Jahren zu übernehmen. »Es gab keinen Nachfolger. Damit es hier weitergeht, bin ich eingesprungen.« Dieser Schritt wird ihm gedankt. Tags­über kommen die älteren Gäste, einer ist bereits neunzig Jahre »jung«, andere etwas »jünger«, alle sind Neuköllner Urgesteine aus der Nachbarschaft. Abends kommen die »jungen hippen Leute«, die die urige »Zirkus­atmosphäre« lieben. Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus weiterlesen