Archiv der Kategorie: Gastronomie

Sie sind der Meinung …

Neue Betreiber und weiterhin spitzer (Trink-)Sport im »Zur Spitze«

Etliche Pokale auf Regalen und Fensterbänken erinnern an stolze Gewinne. Vor allem in der Dart-Kunst, die hier in einem prächtig getäfelten kleinen Saal an gleich vier elektrischen Automaten praktiziert werden kann.

FRÜHSTÜCK, Spielen, Alkohol.     Foto: hlb

An der Spitze des türmchengeschmückten Hauses, wo sich Karl-Marx-, Walter- und Delbrückstraße treffen, trotzt die klassische Eck- beziehungsweise Spitz-Kneipe »Zur Spitze« den umherirrenden Zeitmoden und verbindet gelassen und geduldig Trunk und Freizeitsport. Jukebox, Spielgeräte, reichlich Deko und Patina schaffen die bodenständige, raucherfreundliche Kulisse für Austausch und Besinnung bei Flensburger oder Kindl-Bier, Schnäpsen oder Longdrinks (ab 3,50 Euro). Sie sind der Meinung … weiterlesen

Die Freiheit der Nelke

Kaffee, Bier und die nötige Portion Widerstand im »Karanfil«

Karanfil ist türkisch für die Widerstandsblume Nelke – und so zeigt das Logosymbol des gleichnamigen Cafés im Schillerkiez auch eine Faust, die eine rote Nelke hält.

POLITISCH trinken.     Foto: hlb

Turgay Ulu, der mit seinen Freunden Miray und Andrew das Kernteam des »Karanfil« bildet, war Journalist in der Türkei. Von 1996 bis 2011 saß er wegen seiner politischen Tätigkeit im Gefängnis, dann flüchtete er nach Griechenland. Seit sieben Jahren ist er in Berlin und arbeitet mit an der Zeitung »Daily Resistance«; die hier natürlich auch, neben vielen weiteren Publikationen und Flyern über den Kampf gegen die Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Systemfehler in Berlin und auf der ganzen Welt, zum Informieren und sich Mitengagieren ausliegt. Die Freiheit der Nelke weiterlesen

Sportlich, herzlich und kontinuierlich

Immer was los in der Nachbarschaftskneipe »Ilse-Eck«

Auch im Körnerkiez lässt es sich auf verschiedenste Weise treffen und trinken: fein, mediterran, hip, alternativ oder traditionell solide – wie im »Ilse-Eck«. An der Kreuzung Ilse- und Jonasstraße ist diese klassische Eckkneipe ein beliebter Treff für Nachbarn, die sich gern miteinander austauschen und Anregung, Unterhaltung oder einfach nur Entspannung suchen. All das gibt’s hier täglich von früh bis (auch mal sehr) spät.

WILLKOMMENSEIN seit Ewigkeiten.   Foto: hlb

Das bisher hipsterungefährdete »Ilse-Eck« ist seit Jahrzehnten in familiärer Hand. Und familiär ist auch die Stimmung. Die typische Berliner Schnauze gehört hier zum guten Ton. Zu Oldies, Schlagern und anderer Partymucke aus der Jukebox wird hier Billard gespielt, an zwei Dartautomaten die Wirkung des Zielwassers ausgetestet (auch wenn Liga-Spiele diese Saison nicht möglich sind), am Glücksautomaten gedaddelt, gewürfelt oder auch mal Skat gekloppt. Und reichlich geraucht, gebechert und gequatscht. Momentan natürlich alles mit Abstand, aber Tische draußen gibt es für Fans aerosolverdünnter Luft auch. Sportlich, herzlich und kontinuierlich weiterlesen

Zehn Jahre »Pappelreihe«

Leckeres und gemeinwohlorientierte Ökonomie für den Schillerkiez

In bester Kaffeehaus-Tradition eröffnete Tami im September vor genau zehn Jahren die »Pappelreihe« in der Kie­nitzer Straße 109.
Vorher betrieben seine Eltern in diesen Räumlichkeiten ein Zeitungs- und Zigarettengeschäft, das sich nebenbei zum Kieztreffpunkt mauserte, und in dem immer Zeit für einen Klönschnack war. »Wie der Kiez tickt, hab ich damals gelernt«, erzählt Tami, »und wie er begann sich zu verändern auch. Etliche meiner dam­aligen Stammkunden mussten wegziehen, weil sie die ständig steigenden Mieten nicht mehr zahlen konnten. Sie haben die Pappelreihe zu dem lebendigen Kiez-Treffpunkt gemacht, der er glücklicherweise immer noch ist.«

AUF mindestens einen Kaffee in Tamis »Pappelreihe«.   Foto: bs

Inzwischen sind viele der Gäste Studenten, die das Café als erweitertes Arbeitszimmer benutzen, zwei bis drei Jahre in einer Wohngemeinschaft wohnen und dann zurück nach Süddeutschland oder ihre Heimatländer verschwinden. Tami bemängelt, dass sie sich kaum mit dem Kiez identifizieren. Zehn Jahre »Pappelreihe« weiterlesen

»Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt«

Typisch Sizilianisches auf Neuköllns Märkten

Die süditalienische Leidenschaft für gegrilltes Schaf und Lamm, für frittierte Reisbällchen, saftige Pane und viele Gaumenvergnügen mehr infiziert seit Juni risikolos Besucher der Märkte auf dem Hermannplatz und samstags auf dem Kranoldplatz. »Tipico Siciliano« nennt sich der außergewöhnliche Street-Food-Stand, der mit Stolz ein stadtweit überraschendes Angebot an rustikalen Spezialitäten des wilden Siziliens feilbietet.

Grill im Trubel.     Foto: hlb

Alle Stadtbewohner und -besucher von der Sonne sizilianischer Gastronomie zu überzeugen, ist der Antrieb dreier Männer aus Marsala, die hier täglich begeisternd und ehrgeizig deftige traditionelle Spezialitäten ihrer Heimat zubereiten und servieren – überzeugt, gekonnt und leidenschaftlich. In dieser besonderen Imbissbude mit ihren gut gefüllten Kühl- und Warmauslagen finden sich keine gewöhnlichen Mafiatorten, sondern weichbodige Sfincione, zudem feine Fleischwaren (bis hin zum Pferdebraten) zum Grillen und Burger-Belegen, vielfältige Würstchenspieße oder auch hausgemachtes Süßes für danach oder zwischendurch. »Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt« weiterlesen

Karibische Neueröffnung nach Corona

Südliches Flair im Café »Punta Cana« in Britz

Für die Dominikanische Republik besteht weiterhin eine Reisewarnung. Darüber hinwegtrösten könnte das »Punta Cana« in Britz, das in den Räumen des ehemaligen Cafés »natürlich und schön«, gegenüber vom »Vivantes Klinikum Neukölln« kürzlich eröffnete.

glückliche Cafébetreiber.      Foto: rr

Einen Tag vorm hiesigen Lockdown unterschrieben Doreen Schönborn und ihr Partner Jesus Castillo die Übernahmeverträge und durften dann, voller Tatendrang, ihr Café nicht eröffnen. Endlich, am 20. Mai, war Eröffnung. Sie hatten die erzwungene Sperre zum Umbau genutzt, halten vorerst am hier schon etablierten Konzept eines gemütlichen Cafés mit Frühstück fest. Die Umgestaltung ist gelungen und erweitert das Café um einen Raum. Obwohl es beim Interview draußen regnerisch und trübe war, sorgte die neue Einrichtung dennoch für südliches Flair. Karibische Neueröffnung nach Corona weiterlesen

Apéro auf Pannier-Art

Vielerlei mit und aus Korn und Butter im »Butter & Korn«

Ein anregender Drink und dazu ein leckeres Häppchen mit Freunden oder Kollegen, zum Feierabend oder Einstimmen auf den Resttag, so wie es als Apéro oder das Treffen zu Tapas gute Tradition in Frankreich oder Spanien ist – mit diesem Konzept schließt seit Ende Mai die Cocktail-, Wein- und Bierbar »Butter & Korn« eine Gastrolücke in der Pannierstraße.

Schlawiner.  Foto: hlb

Die Inhaber Frank Rauh und Dustin Franke fanden in den Räumen des vormaligen »ZIB« ein schönes Plätzchen mit lebendiger Straßenterrasse. Mit Benni, der zuvor für die kulinarischen Stadtführer von »Eat the World« arbeitete, haben sie einen leidenschaftlichen, sympathischen Geschäftsführer gefunden. Sie kannten sich schon aus dem Kiez und diversen Lokalitäten, wohnen um die Ecke und bauten sich eine Bar mit 80s-/Miami-Vice-Neon-Flair, die sich harmonisch in die Ausgehmeile nahe der Sonnenallee integriert. Clou ist der regionale (aber nicht brutale) Ansatz, bei den Zutaten für die Drinks und Speisen fast ausschließlich auf Lieferanten aus dem deutschsprachigen Raum, am liebsten direkt aus der Nachbarschaft, zu setzen. »Simpel und doch spannend« soll das Angebot sein, so Bennis Idee. Apéro auf Pannier-Art weiterlesen

Drei Jahre immer neue Brauideen

»neulich« – besonderes Bier von hier

Manchmal muss einfach gemacht werden. 2016 kommt eine Gruppe von Freunden, unter ihnen Lina Thiele und Julius Hausl vom Rummelsburger Technoclub »Sysiphos«, Boardsport­experte Michi Lipp, Hendrik Fritze und der Chemiker und Hobbybrauer Steffen Brückner – die fünf Gründer des »neulich« – auf ihrem Campingplatz am Neuendorfer See im Unterspreewald beim Trinken auf die Idee, zu Bierselbstversorgern zu werden.

neulich was los.   Foto: hlb

Getreu dem Motto »Mach doch« bauen sich Steffen, Julius und Henne ein eigenes 300-Liter-Sudwerk und brauen los, zunächst in den Waschräumen des Campingplatzes. Mit so überzeugendem Ergebnis, dass ein eigenes Lokal her muss, um den Spaß am Brauen und eigenen, ausgefallenen Rezepturen mit Gästen und Freunden zu teilen. In einer ehemaligen Eckkneipe am Rande des Schillerkiezes findet sich der perfekte, etwas urig-raue Ort, um seit April 2017 neu(lich)e Biere zu brauen und auszuschenken, zusätzlich auch Bierseminare, Livemusik- und DJ-Sessions, Mario-Kart-Turniere oder gar Bieryoga-Events zu veranstalten. Drei Jahre immer neue Brauideen weiterlesen

Weiße Vielfalt vom Rollberg

»Berliner Berg« – besonderes Bier von hier

Vor über fünf Jahren gaben ein paar Männer ihre potenziellen E-Commerce-Karrieren zugunsten des Traums von einer neuen Berliner Bierkultur auf. »Tradition. Neugebraut.« ist bis heute das Motto der »Berliner Berg Brauerei«, die 2015 ihre Heimstatt in einem Backsteinbau in der unscheinbaren Kopfstraße auf dem Rollberg fand, wo im 19. Jahrhundert bereits eine Schmalzfabrik schmalzte. Das »Bergschloss« war vorn ihre urige Ausschank- und Probierkneipe (einst das »Hopfenstübchen«), die nun aber leider Ende März geschlossen wurde.

BRAUTRIBUT an den Schillerkiez.      Foto: hlb

Wenngleich hier im Hofkeller noch Sudhaus, Lager- und Gärtanks und eine Schrotmühle für das Brauen von Sauerbieren wie dem traditionellen Berliner Trunk, der Weiße, genutzt werden, kommt nun der ganz große Schritt: Eine eigene, neue, große Produktionsbrauerei, die momentan in Neukölln direkt am S-Bahn-Ring im Aufbau ist. Damit hört das Lohn- und Wanderbrauen bei Gastbrauereien wie bisher vor allem in Hohen­thann auf, und »Berliner Berg« wird gänzlich neuköllnisch. Weiße Vielfalt vom Rollberg weiterlesen

Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt?

Rollberger – besonderes Bier von hier

Unter den Virusschutzvorschriften hat das Bar- und Kneipenwesen besonders lang zu leiden. Seit Mitte März bis mindestens Mai rigoros dicht, ließ sich quasi kein Euro gegen den laufenden Kostendruck verdienen. Ein Trauerspiel für Freunde des gezapften Bieres in netter Gesellschaft, zumal wenn es aus dem Kiez kommt. Mehrfach traf es die »Rollberger«: Als Brauerei, die auf Flaschenvertrieb verzichtet, als Lieferanten erlesener hiesiger Gastronomie und als Lokal.

Gut dosiert und fast wie vom Fass. Foto: mr

Die einstige Vielfalt des Berliner Brauwesens hat insbesondere durch die Craft-Bewegung in den 10er-Jahren eine erfreuliche Renaissance erfahren. Diverse Kleinbrauereien erzeugen inzwischen auch bei uns eine Palette an Bieren, die stets bereichernde Trinkerfahrungen abseits der Konzernsuppen ermöglichen. Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt? weiterlesen

Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger

Paketweise Genuss spenden und helfen

 

Wie in diesen Wochen Künstler, kleine Händler und Lebensmittelhersteller unterstützen, die ihre Erwerbs- und Absatzmöglichkeiten verlieren, und zugleich Glücksmomente verbreiten? Das fragte sich Wolfgang Baumeister und das Team vom »Hungerkünstler im Salon Renate«, dem Weichselstraßen-Käse-Bistro, das zugleich Wein- und Feinkosthandel sowie Raum für Verköstigungen, Künstlertermine und andere Pop-up-Events ist.
Wenngleich auch der Gastrobetrieb des »Hungerkünstlers« derzeit ruht, bekocht und beglückt das Team den Kiez derweil mit einem alten Hausmittel gegen Tris­tesse: Käsespätzle. Die feinen handgeschabten Biospätzle von »Josephines Feinkost« sind mit einer »Peppikäse«-Spezialmischung und Miss Sophies Röstzwiebeln zubereitet und können im Laden vorbestellt und küchenfertig abgeholt werden. Zuhause dann nur noch in Ofen oder Pfanne erwärmen und losschlemmen. Auch vegane Varianten soll es geben.

FREUDE statt Hunger.    Foto: jr

Darüber hinaus sind individuelle Pakete mit vielem, was für schöne Stunden sorgen kann, in Vorbereitung. Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger weiterlesen

Austern statt Analogkäse

»Shed« – Trendgastronomie in altvertrauten Räumen

Pastrami mit Lambrusco. Foto: hlb

Einige schmerzliche gastronomische Verluste altgedienter Institutionen hatte der Reuterkiez in den letzten Monaten zu verzeichnen. Auf der Pannierstraße klemmte Wirt Peter die stets gut durchspülten Zapfhähne seines »Dunmore Cave Pub« ab, das »Julini« stellte seine kreative, alpin beeinflusste Rustikalküche ein, das über die Jahrzehnte etwas abgenutzte »La Musica« mit seiner günstigen, hipsterfreien, familienfreundlichen Cucina schloss. Im prächtigen Altbau auf der Friedel- Ecke Weserstraße lief die Pacht für die feinen katalanischen Tapas des »Txokoa« und die griechischen Meze für »Blaue Tische« aus und auch den geräumigen italienischen Imbiss »Pizza a Pezzi« gibt es am Reuterplatz nicht mehr.
In den Eckräumen des »La Musica« haben sich die Macher des Hot­spots für neapolitanisch gebackene Hanfteigfladen, des »W Pizza« am Weigandufer, ein paar Ecken weiter, seit Januar ein neues zusätzliches Domizil geschaffen – als selbstdefinierte »Nachbarschafts-Weinbar mit Essen«. Austern statt Analogkäse weiterlesen

Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus

Die »Bergklause« hält die Nachbarschaft zusammen

Otto und das Palastorchester. Foto: th

Otto, der Inhaber der »Bergklause« in der Boddinstraße, raucht entspannt eine Zigarette und erzählt, wie er als Busfahrer dazu kam, seine vorherige Stammkneipe vor fünf Jahren zu übernehmen. »Es gab keinen Nachfolger. Damit es hier weitergeht, bin ich eingesprungen.« Dieser Schritt wird ihm gedankt. Tags­über kommen die älteren Gäste, einer ist bereits neunzig Jahre »jung«, andere etwas »jünger«, alle sind Neuköllner Urgesteine aus der Nachbarschaft. Abends kommen die »jungen hippen Leute«, die die urige »Zirkus­atmosphäre« lieben. Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus weiterlesen

Vom Eis- zum Flaschderix

Mehr als drei Flaschen in der Böhmischen Straße

Mit mildem Licht die Gemüter erwärmen, bei entspannter Stimmung die Sinne betören – dies möchte das »Drei Flaschen«, welches Ende Oktober eröffnete und schnell zum Tipp im sich urbanisierenden Rixdorf geworden ist. Mit unaufdringlichem, freundlichem Charme, nicht schicki oder artsy, sondern lässig solide und mit kreativem Design zieht das Lokal an der Böhmischen Ecke Zwiestädter Straße ein auch altersmäßig gemischtes Publikum aus Nachbarn, Neu-Neuköllnern und mobilen NK-Fans an.

Käse, Wein und Kerzenschein.   Foto: hlb

Die drei Barbesitzer sind kiezbekannt und beileibe keine Flaschen: Der Franzose Philippe Schröder und der Öster­reicher Paul Kolek wohnen um die Ecke, gründeten den »Tempelburger«-Imbiss auf dem Tempelhofer Feld und führen nebenan die Eisdiele »EISdeRIX«. Zusammen mit Boris Schäfer haben sie das »Drei Flaschen« renoviert und selbst geschmackvoll zu einer Kneipe auf Weinbarniveau ausgebaut. Pflanzen, Kerzen und die Farbe wechselnde Lampen spenden dem L-förmigen Raum mit dem langen Holztresen eine angenehme Atmosphäre. Besonders originell ist der aus alten Holzfenstern zusammengebaute Toilettenbereich. Vom Eis- zum Flaschderix weiterlesen

»Zur Molle« – zu Hause

Familiär Bierchen trinken im Schillerkiez

»Berliner Original! Verruchtet Ambiente, dufte Preise und schnieke Biere. Genau so wie icks mag.« So lautet eine Google Rezension über die Kneipe »Zur Molle« in der Weisestraße 41, Ecke Allerstraße. Alle, die ähnliche Vorstellungen einer soliden Bar haben, sollten sich also dringend in den Schillerkiez bewegen und die Pforten der Molle durchschreiten. Hier wird nicht etwa mit ausgefuchsten Drinks der Kategorie »Gin Basil Smash« geworben, sondern mit Authentizität und einem kühlen Bier. Wenn dann auch noch Johnny Cash aus den Boxen ertönt, kann es schon mal vorkommen, dass ab 17:00 Uhr ausgelassen getanzt wird.

Ausschank bis zum Tanzen.  Foto: fh

Nachdem Jens Sperlich und Melanie Wust das »Allereck« schließen mussten, erhielten sie im Oktober 2018 die Chance für einen Neustart an der gleichen Kreuzung, gegenüber der alten Bar. Auf den ersten Blick wirkt die Molle wie ein Kontrast zum »Allereck«. Altehrwürdiger Eckkneipen-Stil, Musik, die zum Schunkeln einlädt und Stammgäste, die den Schillerkiez länger kennen als viele Neuneuköllner alt sind, laden ein, gemeinsam gegen den Durst zu kämpfen, den einen oder anderen Schwank aus vergangenen Tagen zu hören und das ganze bei einer unvergleichlichen, lockeren Stimmung. »Zur Molle« – zu Hause weiterlesen

Herzliche Gastrobar »Jane Doe«

Blumen, Frauensport und Experimentierfreude

»Alles meins!« Wirtin Tülay ist happy, stolz und aufgeregt, aus dem abgerockten »Cafe Futuro« mit klaren Vorstellungen, glücklichem Händchen und viel Unterstützung von Freunden, Familie und Nachbarn ein anregendes, kommunikatives sowie entspanntes ganz eigenes Lokal geschaffen zu haben.

STILlLEBEN zum Platznehmen.   Foto: hlb

Etliche private Schätzchen hat sie dezent eingebracht (Vasen, Kannen, Zuckertöpfchen, Aschenbecher und viele Details mehr), beruhigendes Grau mit (dank des grünen Daumens des Blumennerds) vielartigem Blumendekor, sanfter Illumination und gemütlichem Mobiliar kombiniert.
Die impressionistische Blumenmotivtapete zieht die Blicke an, die eleganten Stühle, teils aus einer Kirche gerettet, und das cremefarbene Ledersofa mit skandinavisch inspirierter Leichtigkeit die Hinterteile der Gäste. Herzliche Gastrobar »Jane Doe« weiterlesen

Brotzeit wie beim Heurigen

Peppis neue Bistro-Herausforderung für »Hungerkünstler«

Hungerkünstler waren Schausteller, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa als öffentliche Attraktion fasteten und Spenden als Gage nahmen. Vor rund 100 Jahren war Schauhungern eine mitunter gar nicht so brotlose Kunst. Im »Hungerkünstler«, den der aus Vorarl­berg stammende Georg »Peppi« Weishäupl soeben im »Salon Renate« eröffnete, ist Hungern allerdings unmöglich.

SALON für Brettljausen.     Foto: hlb

In den beiden Räumen, die zuletzt als Co-Working-Café genutzt wurden, lassen sich nun zu gutem Brot zumeist alpenländische Rohmilchkäsedelikatessen und Wurstwaren genießen, wie sie Weishäupl in seinem »Peppis Käselager« nebenan und auf diversen Märkten anbietet. Auch warme, einfach vor- und zuzubereitende Gerichte wie Kässpätzle, Fondues oder mal ein Hackbraten sollen zur abendlichen Stärkung aus der Küche kommen. Österreichische Weine, Bier und feine Schnäpse wie Enzian, Meisterwurz oder Marillenbrand beflügeln dazu die Sinne. Brotzeit wie beim Heurigen weiterlesen

Russisch tierlos am Kamin

Lecker kuscheln zu Omsker Küche im »Kuschlowski«

Zakuska, ras, dva, tri – so unterteilt sich die Speisekarte im »Kuschlowski« in der Weserstraße. Ja, hier geht es ein wenig russisch zu. 2007 startete das »Kuschlowski« auf der Ausgehmeile und wurde mit Kaminfeuer, originellen Lampen und Hockern aus Eimern und vor allem großer Auswahl an Wodkas, zu denen kleine Häppchen aus Pumpernickel, Speck und Gurke gereicht wurden, zum beliebten Treffpunkt. Als die Inhaber Lust auf Neues hatten, griff Artem zu, Inhaber der kiezprägenden »Vater Bar« (um die Ecke in der Reuterstraße) mit ihrem russischen Wohnzimmercharme.

RUSSISCHES Kombinat.    Foto: hlb

Der Kamin ist geblieben, auch die nach einem Umbau individuell rustikale Einrichtung mit »mehr Kneipen- als Restaurantflair« – und die Wodkas. Artem, aus dem Omsker Umland stammend, reduzierte sie aber auf drei richtig gute russische, etwa mit Birke gebrannt. Und er machte das Getränkelager zur Küche. Platz schaffte ein hochbett­artiges Konstrukt über dem Bartresen. Selbst gerade Vegetarier geworden, bot er nun auch Speisen an; dass sie vegetarisch oder vegan waren, fiel vielen gar nicht auf, so selbstverständlich wirkten der vegane Döner oder die Suppen. Russisch tierlos am Kamin weiterlesen

Schiller‘s Zitterpartie

Kiezinstitution in Verhandlung

Als das »Schiller‘s« vor Kurzem die Kündigung zum 31.08.2019 von der »Home Real Estate GmbH« erhielt, hielt der Kiez den Atem an. Das konnte und durfte nicht wahr sein. Bitte nicht das »Schiller‘s« sollte es treffen, diesen Treffpunkt aller Generationen und Gesellschaftsschichten.
»Saveschillers« wurde sofort gegründet, eine Initiative zum Erhalt des Lokals. Die wiederum holte den Berliner Blätterwald mit in das Geschehen und es passierte, was passieren sollte. Presse und Initiative konnten den Druck auf die »Home Real Estate GmbH« so stark erhöhen, dass Verhandlungen in Gang kamen. Schiller‘s Zitterpartie weiterlesen

Ein kleines Ristorante, versteckt in Britz

Mediterranes auf die Gabel im »Forchetta & Company«

Der Autor wurde erst durch eine Empfehlung für die leckeren Gnocchi auf »Forchetta & Company« in Britz aufmerksam. Forchetta ist das italienische Wort für Gabel. »Viele unserer Gäste kommen auf Empfehlung anderer Gäste«, bemerkt die Chefin bescheiden. Dieses kleine, gut und authentisch kochende italienische Restaurant braucht das auch, denn es liegt versteckt im nordwestlichsten Zipfel von Britz, am Rand zu Neukölln und Tempelhof.

Gemütliche Gartenplätze.       Foto: rr

»Forchetta & Company« befindet sich in einer ruhigen Nebenstraße des Tempelhofer Wegs, dem Treseburger Ufer 54. Die einseitig bebaute Straße ist gesäumt von hohen, alten Platanen und verläuft parallel zum Teltowkanal. Auf der gemütlichen Außenterrasse des Restaurants wähnt man sich, als sitze man im Grünen. Noch ein Vorteil: in der wenig befahrenen Straße gibt es sogar naheliegend Parkplätze. Ein kleines Ristorante, versteckt in Britz weiterlesen

Empanadas und andere südamerikanische Sünden

Uruguayische Esskultur auf der Sonnenallee

Empanadas, Steaks oder Chorizo al Pan sind nur ein paar der Spezialitäten des »Pecados«. In den gediegenen und großzügigen Räumlichkeiten des einstigen »Pape’s Gasthaus« in der Sonnenallee, wo zuletzt eher glücklos Edelschnitzel angeboten wurden, kommen nun »kleine Sünden«, so »pecados« übersetzt, auf den Tisch.

GAUCHOS Favorit.     Foto: hlb

Gegründet haben das Restaurant Dierk Draeger und seine Frau Mariana, die aus Uruguay kommt, aber seit über zwei Jahrzehnten Wahl-Berlinerin ist. Mit ihren Foodtrucks versorgen sie die Stadt bereits seit Längerem mobil mit uruguayischen Köstlichkeiten, jetzt haben sie seit März ihr festes Lokal, dessen Küche genug Platz für die Produktion ihrer diversen gefüllten Teigtaschen und aufwendigeren Gerichte bietet. Insbesondere südamerikanische Gäste bestätigen und freuen sich über die authentische Qualität der Speisen, die ihnen ein Stück Heimat in die Stadt bringt. Empanadas und andere südamerikanische Sünden weiterlesen

Von Kiezhand gefüllte Stullen

Neue Croques und Piadine im Schillerkiez

Brot mit was drauf beziehungsweise drin – wessen Kühlschrank nicht genug zum Selbstbelegen hergibt, hat nun gleich zwei neue Anlaufstellen im Schillerkiez, die sich Edelvarianten der guten alten Stulle verschrieben haben. Beide seit Mai, nur eine Straßenecke voneinander entfernt, mit Hausnummer 40 und ähnlichem Konzept. Und beide ohne »feindliche« Übernahmen erfreulicherweise aus dem Kiez heraus entstanden.

Fladenbrot hier, nebenan Bier. Foto: hlb

Das »Pipapo« steht nicht für Pizza, Pasta, Pommes, sondern Piadine. In den nahezu unveränderten, mediterran-rustikalen Räumlichkeiten des einstigen Burgerlokals »Rundstück warm« werden nun diese dünnen italienischen Fladenbrote frisch gebacken und gefüllt. Die Inhaber der Kiezbar »Frollein Langner« haben den benachbarten Laden zu ihrem achtjährigen Jubiläum einfach an sich angedockt. Bestellt, gegessen und getrunken werden kann nun hier wie dort. Von Kiezhand gefüllte Stullen weiterlesen

Straßencaféflair mit polnischen Pierogi

Dzień dobry im »Katulki«

Bereits im März 2014 berichtete die Kiez und Kneipe vom besonderen kulinarischen Programm des »Katulki«, das sich seither zu einer Institution auf dem bel(i)ebten Trottoir der oberen Friedelstraße entwickelt hat. Ein multikulturelles, veganer- und allergiegeplagtenfreundliches Kaffeehaus sowie Internet- und Literaturcafé und Restaurant in einem, das von zwei Freundinnen, der polnischen Köchin Justyna Gierlach und der italienischen Dichterin und Übersetzerin Irene Salvatori gegründet wurde.

VOR dem Ansturm der Kuchenliebhaber. Foto: hlb

Der Name bezieht sich auf einen Text des polnischen Dichters Tomasz Rozycki: »Wer noch nie Katulki gekostet hat, weiß nichts über das Leben«. Katulki, das sind – es gibt auch andere Deutungen – leckere Schokoladenküchlein mit Nüssen.
Was das »Katulki« vor allem auszeichnet, sind seine herausragenden Torten und Kuchen, der Mix aus polnischer mit etwas italienischer Küche nach gut recherchierten Originalrezepten (die Betreiberinnen haben auch einen Blog, der Kulinarik und Literatur verbindet) und die heimelige, ein wenig an ein Oma-Wohnzimmer erinnernde Einrichtung. Straßencaféflair mit polnischen Pierogi weiterlesen

Bienvenida muchachas!

Aus eins mach zwei – das »Lagari« hat sich aufgeteilt

Was tun, wenn die Ladenmiete erhöht wird und sich nicht mehr stemmen lässt? Aufgeben oder die Last auf mehrere Schultern verteilen? Peter, Wirt vom »Lagari«, hat seine Musikkneipe schweren Herzens geschrumpft. Das »Lagari« besteht nach über zehn Jahren nurmehr noch aus seinem ehemaligen Billard- und Raucherzimmer, ein paar Außenplätzen und einem Kellerraum, wo alsbald hoffentlich wieder Konzerte aller Couleur, Open-Mic- und Comedyevents stattfinden können, sofern er nicht, wie gleich zu Beginn, unter Wasser steht.

ALLES Taco im »Lagari«. Foto: hlb

Und Peter hat sich »ganz viel Mädchen« dazugeholt: Die anderen, größeren Gasträume sowie die Küche des Lokals in dem Haus Pflüger- Ecke Nansenstraße, wo sich schon seit 1896 stets Gastronomie befindet, bespielt seit einem Monat nämlich ein mexikanisches Restaurant namens »Mucha Muchacha«.
Die Muchacha, betrieben von Janna Kübeck-Valente, Heraclito DeFeso und ihrem Team, versteht sich als traditionelles mexikanisches Restaurant, das aber ohne Texmex-Klischees und Tiefkühlconvenience auskommt. Vielmehr sollen Rezepte präsentiert werden, die die Geschmäcker von der prähispanischen bis zur heutigen Zeit mit einbeziehen, landestypische, authentische und auch weniger bekannte Aromen vorstellen und Einblick in die Geschichte der mexikanischen Küche geben. Bienvenida muchachas! weiterlesen

Aus Lust zum Land

Die »Pomeranze« versorgt Bauch und Balkon nachhaltig

Nach einer Bitterorangenart (und nicht etwa nach naiven Mädchen vom Lande) wurde die Kaffeebar benannt, die Anfang Mai in der Leine- Höhe Weisestraße in den Räumen der einstigen Kunstbar »Art und Weise« eröffnete. Deren Betreiber wollte sich nach sieben Jahren verändern.

Katharina und Marlene.                                                                                                            Foto: : Lena Fingerle

Die neuen Inhaberinnen Katharina Herrlich und Marlene Modick verliebten sich auf der Suche nach einem Standort für ihr erstes eigenes Café sofort in das atmosphärische Ambiente mit den alten Türrahmen, Dielen und Kamin. In einmonatiger Eigenrenovierung schufen sie mit ihrer »Pomeranze« eine helle, gemütliche Oase im Schillerkiez, die die Lust am eigenen Gärtnern aufgreift und den Fokus auf die Verwendung regionaler Produkte und auf Nachhaltigkeit richtet. Dazu gehört zum Beispiel die Verwendung von Pfandbechern zur Müllvermeidung. Aus Lust zum Land weiterlesen

Pochiert und gut kombiniert

Brunch eurasisch im »YaMe NumNums«

Wer japanische, thailändische, vietnamesische und laotische Einflüsse kosten möchte, braucht keinen panasiatischen All-you-can-eat-Buffettempel. Das seit Oktober vor der »Lavanderia Vecchia« in der Flughafenstraße eingezogene »YaMe NumNums« mischt diese Küchen, und das schon ab morgens, und fügt ihnen leicht variierte mexikanische, israelische und europäische Frühstücks- und Brunchklassiker hinzu.

Benedicts Eier.                                                                                                                                                  Foto: hlb

Inhaberin My Linh Phan und ihre Schwester My Huong haben Mutters Kochtalent mitbekommen, die in Laos eine respektierte Köchin war. Namensgeber des Restaurants waren My Linhs Kinder Yakup und Melih; und Num Nums sind halt wohl leckere Kleinigkeiten. Die Fahne der laotisch-panasiatischen Küche hält das übrigens auch von den Phans betriebene »Jimmy Woo« in der Friedelstraße im Reuterkiez schon seit über einem Jahrzehnt hoch; eine solide Referenz. Pochiert und gut kombiniert weiterlesen

»Han West« – Heimat der Teigtaschen

Streetfood trifft Craftbier

Spaziergänger, die vom Tempelhofer Feld in die Lichtenrader Straße einbiegen, können an der Ecke zur Selchower Straße bereits am Duft erahnen, dass sich etwas tut im Kiez. »Han West – Home of Dumplings« hat am 1. Juni eröffnet und verwöhnt ab sofort Neuköllner Gaumen mit asiatischen Teigtaschen.

Vorsicht – Suchtgefahr.                                                                                                                                      Foto: me

»Dumplings sind gutbürgerliche Gerichte in jeder Kultur und fast Jeder, egal ob Europäer, Asiate oder Amerikaner, ist mit Teigtaschen groß geworden. Sie gehören in jede Küche«, erklärt Valentin Spiess, der den Imbiss mit seinem Geschäftspartner Rui Gao eröffnet hat. »Han West« – Heimat der Teigtaschen weiterlesen

Pommes für den Europaspielplatz

Alles neu: Bistro, Toiletten und ein Baum

Was lange der große Wunsch von Eltern und Kindern war, wird nun endlich wahr: Der Europaspielplatz im Park am Buschkrug erhält ein Bistro und öffentliche Toiletten.

Neuer Baum vor Eistüte.                                                                                                                                     Foto: fh

Seit 2015 gibt es auf dem größten Spielplatz in Neukölln – immerhin acht Hektar groß – ein Angebot für die Kleinsten bis zu den Jugendlichen. Vom Buddelkasten über einen Wasserbereich bis hin zu Sportfeldern und Geräten ist der Spielplatz ein ausgesprochen beliebter Ort. Außerdem ist er gut mit der U7 zu erreichen. Nur wenige Gehminuten vom U-Bahnhof Blaschkoallee entfernt können sich auf dem gepflegten Gelände Kinder ausprobieren.
Nun ist das Glück perfekt. Mit Patric Jeschke hat der Bezirk einen erfahrenen Betreiber für das Bistro gefunden. Pommes für den Europaspielplatz weiterlesen

Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur«

Abwechslungsreiche Arbeiten für beeinträchtigte Menschen

Das ehemalige »AWO Café« in der Erkstraße 1 hat seit September letzten Jahres mit der »FSD Lwerk Berlin Brandenburg gGmbH« einen neuen Betreiber gefunden. Unter der Projektleitung von Diana Mertins finden beeinträchtigte Mitarbeiter im Restaurant »Lwerks…cultur« eine spannende Arbeitswelt im Bereich der Gastronomie mit der Devise: saisonal, frisch und lecker. Als Träger des Standorts fungieren »Lwerk« und AWO.

Kerzen für die Deko .                                                                                                                                            Foto: pr

1986 als »Lankwitzer Werkstätten für behinderte Menschen« gegründet, umfasst das »Lwerk« heute ein Netzwerk aus 30 Standorten mit mittlerweile über 1.000 Mitarbeitern, die in verschiedenen Bereichen auf die Angebote des Unternehmens zurückgreifen. Die ursprüngliche Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke Menschen zeichnet sich heute durch ein differenziertes Dienstleistungsportfolio aus. So bietet das »Lwerk« heute die Eingliederung in Werkstätten für behinderte Menschen, Orientierungspraktika, die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt, Ausbildungsplätze und Fördermöglichkeiten. Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur« weiterlesen

Kleine Teller, straight forward

Britische Unkompliziertheit im »Barra«

Nicht wenige »Foodies« haben dem »Industry Standard« in der Sonnenallee mit seinem zeitgeistigen, trendsettenden Küchen- und Raumkonzept – große, wuselige offene Küche mit kleiner Bar davor – und seinen ungewöhnlichen Gerichten ein Tränchen nachgeweint.
Seit letztem November gibt es guten Ersatz: Daniel Remers, einst Küchenchef im »Standard«, hat mit Koch-Partner Neil Paterson im Schillerkiez das »Barra« eröffnet, ein »Nachbarschaftsrestaurant«, das nach dem inzwischen weit verbreiteten und durchaus geselligen Sharing-Prinzip kleine Gerichte zum untereinander Teilen serviert.

LINKS das Kitchen, rechts die Sharer.                                                                                                         Foto: hlb

Es braucht also schon einige Teller (und das entsprechende Kleingeld dazu), um mit mehreren Gästen satt zu werden …Da die Macher britische Expats sind, geht ok, dass die Hauptsprache im »Barra« englisch ist. Die Gäste sitzen im mit schottischem Holz schlicht gestalteten Essbereich eng beieinander – es gibt noch einen hinteren Raum mit langer Tafel für größere Gruppen oder Tastings. Indiemusik schallt nicht zu verhalten, die Atmosphäre ist locker, wenn auch mit einem Hauch Ehrfurcht vor dem Servierten. Kleine Teller, straight forward weiterlesen

Heiße Pinkel-Ecke

Dreifach-Restaurant-Bar bezog »clavis«

Wer sich gefragt hatte, was wohl auf das große Elektronikfachgeschäft »clavis« folgen könnte, war sicherlich überrascht, dass sich ein Gastronomiekomplex traut, in die großzügigen Ladenräume an der Ecke Weichsel-/Karl-Marx-Straße zu ziehen.

AUF die Bank oder an die Bar?                                                                                                                      Foto: hlb

Getraut haben sich das die Macher der »Dschungel-Bar« in der Friedelstraße, die dort seit Jahren schon ein internationales, trinkfreudiges Publikum anziehen. Und dies seit Mitte Januar nun auch hier tun – mit guten Cocktails und anderen Drinks an langer Bar und in nicht unterdimensioniertem Raucherbereich, mit stylisch-coolem 80s-Trash-Retroambiente à la Chinatown und witzigem Namen: Paolo Pinkel war Anfang der Nullerjahre der Rotlichtmilieu-Deckname des streitbaren Frankfurter TV- und Polittalkers Michel Friedman; die Älteren mögen sich erinnern. Da es hier aber auch etwas zu schnabulieren gibt, haben die befreundeten Gründer Sebastian, Nick und Kubi ihrem Traum eines eigenen Restaurants den vollen Namen »Paolo Pinkel und das Schnabulat« gegeben. Heiße Pinkel-Ecke weiterlesen

Fisch vom Lavasteingrill

Das »Rusticana« und die Familie Behadini

Entscheidend für eine gute Pizza ist der Ofen, in dem sie gebacken wird. Den hat das »Rusticana« in der Hermannstraße 152. Knusprig kommt die Pizza für den Gast auf den Tisch. Der Teig ist weder zu dünn noch zu dick. Mit den ausgewählten Zutaten, die die Familie Behadini für ihre Pizzen anbietet, wird das Gericht zu einem Genuss.
Dabei blickt das Restaurant auf eine lange Geschichte. Seit 32 Jahren ist es in Neukölln. 2014 wechselte es den Standort in die Hermannstraße Ecke Kranoldstraße.

Der Patriarch wacht über sein Lokal.                                                                                                            Foto: ro

Das Oberhaupt der Familie Behadini hat die Zügel in der Hand. Jede Entscheidung, die die beiden Söhne treffen, wird peinlich genau überprüft, denn sie werden das Geschäft eines Tages weiterführen. Fisch vom Lavasteingrill weiterlesen

Die kleine Bühne unter der Oper

Kultur und Gastronomie im »VORWERCK«

Im Oktober berichtete die Kiez und Kneipe von der offiziellen Eröffnung des VORWERCK, des Nachfolgerestaurants der »Hofperle« in der Passage der »Neuköllner Oper«. Einiges hat sich getan in den ersten Monaten. So wird am Ziel des engeren Zusammenwirkens zwischen Oper, lokaler Kultur und Gastronomie eifrig weitergearbeitet.

Nicht nur gut zum Essen.                                                                                                                                  Foto: hlb

Der neue Betreiber Roman Plappert nutzt die Bühne seines schmucken Lokals donnerstagabends für akustische Livekonzerte mit mehreren Musikern diverser Genres, freitags gibt’s zum Candlelight Dinner sanfte Klänge vom von der Oper gesponserten Piano und samstags ab 22 Uhr finden die »Late Night Concerts« internationaler Musiker statt, die sich auf einen gut gefüllten Hut freuen. Engagierte Künstler, die die kleine Opernbühne kreativ nutzen möchten, sind aufgefordert, sich zu melden und im Restaurant vorzustellen. Die kleine Bühne unter der Oper weiterlesen

Kaffee, Cocktail, Kuchen

Neue edle Bar im Körnerkiez

»Tamper meets Jigger« bedeutet frei übersetzt Kaffee trifft Cocktail. In der neu eröffneten Bar in der Jonasstraße 22 bietet Raymund Peters edle Getränke in einer gepflegten Atmosphäre an. Der Spandauer, der in Neukölln aufwuchs, arbeitete in den Cocktailbars vom »Adlon« und »Ritz-Carlton«. Er ist in seinem Fach so gut, dass er bei einer Cocktailweltmeisterschaft den zweiten Platz für »Beluga Cocktails« als Vertreter Deutschlands gewann. »Beluga« ist ein edler russischer Wodka. In Melbourne dann entdeckte er als Restaurantleiter seine Liebe zum Kaffee.

Ort der Kommunikation.                                                                                                                                    Foto: pr

Das dürfen nun seine Gäste genießen. Vorwiegend lokale Produkte bietet er an: Deutsche Weine von kleinen Weingütern, Spirituosen aus Berlin und Brandenburg, alles mit Liebe ausgesucht. Der Service ist wie zu erwarten perfekt. Der Weißwein wird im Kühler serviert, eine kleine Knabberei ist dabei, die Beratung ist professionell.
Die Cocktailkarte ist besonders originell. Aufgeteilt nach den Sektoren der ehemaligen Besatzer in Berlin. Der »Raisin Bomber« beispielsweise für den amerikanischen Sektor. Einen Sektor erfand Peters hinzu: Den Körnerparkcocktail, schön bunt und sehr lecker.
Eine kleine Leidenschaft setzt Peters im »Tamper meets Jigger« um: Jeden Tag backt er Kuchen. Dieser, serviert mit dem hervorragenden Kaffee, zaubert selbst gestressten Menschen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

ro
Di-So ab 10 Uhr.
Jonasstraße 22

Die kleine Kneipe in der Fuldastraße

Zeitlos nette Gastfreundschaft: »Zur Pinte«

Schön, dass es sie trotz aller hippen auf und wieder zu machenden Trendlokale noch und hoffentlich noch lange gibt – unsere alten Eckkneipen. Wo hinter Gardinen gemeinsam mit den Lieblingssportvereinen mitgefiebert, zu guter bewährter Mucke geschwelgt, handfest diskutiert und natürlich gepflegt gebechert wird. Wobei die Pinte »Zur Pinte« gar nicht an einer, dafür aber gleich um die Ecke der Neuköllner Arcaden liegt.

Klassische Gemütlichkeit.                                                                                                                                Foto: hlb

Die kleine gemütliche Kneipe hat die freundliche Wirtin Babsi vor vier Jahren als Stammgast von den vorherigen Betreibern übernommen, die hier 2002 aus einem ehemaligen Puff ein Lokal gemacht hatten. Nun serviert Bankkauffrau Babsi, die auch schon über 14 Jahre Imbisserfahrung hat, Kindl, Flens, helles und – sehr beliebt – dunkles böhmisches Fassbier zu sehr zivilen Preisen aus dem ziegelbedachten Tresenbereich. Die kleine Kneipe in der Fuldastraße weiterlesen

Trinken, das Wissen schafft

Swingen, bilden und berauschen in der »Göttin der Weisheit«

»Trinke Denke Gedeihe« – so der hehre Dreisatz der neuen Eventbar in den stuckverzierten Räumen des ehemaligen Weinlokals »Galatea«, die sich wünscht, dass der Gast hier in entspannter Umgebung seinen Horizont erweitere. »Göttin der Weisheit« ist ihr nicht minder erhabener Name, doch nicht Pallas Athene oder Minerva, nein, Jana und Svenja Rühland sind hier die Geschäftsführerinnen, die aus München nach Neukölln gefunden haben.

Göttinnen hinter der Theke.                                                                                                                      Foto: privat

Seit Oktober lädt ihre Bar mit dem Eulen-Logo zu Konzerten mit Jazz, Swing, Singer-Songwritern, lateinamerikanischer Folklore und anderen internationalen Musikprojekten. Jeden Mittwoch ist Open Stage für jedermann, und an jeden zweiten und vierten Montag im Monat ist »Monday Free Jam« mit DJ Seraphim zum Mitswingen und -singen. Die Nichtraucherbar mit Klavier ist nicht nur deswegen für viele Kiezler bereits zum zweiten Lieblingswohnzimmer geworden. Relaxt und kunstbeflissen, aber unprätentiös geht es hier zu. Auf dem Klo lädt ein Edding explizit zum kreativen Ausdruck ein. Trinken, das Wissen schafft weiterlesen

Rinderherz und Wein? Aber natürlich!

Savoir boire et manger in der Flughafenstraße

Naturwein hat Konjunktur in Neukölln. Neben dem »Jaja« in der Weser- und dem »Motif Wein« in der Weser- nun dank Pierre Lejeune auch in der Flughafenstraße. Der aus Marseille stammende Koch importiert nicht nur Weine für die hiesige Gastronomie, seit Juli hat er auch selber eine: das »La Malo«. Der Wein- und Foodliebhaber machte vor zehn Jahren seinen Abschluss an der »Culinary School of Ferrandi« in Paris und wurde direkt Chefkoch eines vegetarischen Pariser Restaurants. 2011 kam er nach Berlin und widmete sich in den Kreuzberger »Prinzessinengärten« der gesunden saisonalen Naturküche.

VENI, vidi: vin.                                                                                                                                                       Foto: hlb

Sein »La Malo« ist Café, Restaurant und Weingeschäft in einem. Lejeune versteht das helle, karg, aber mit Holzmöbeln und Pflanzen freundlich eingerichtete Lokal als »Néo-Bistrot«-– weltläufig, innovativ und durch gutes Essen und Trinken überzeugend. Rinderherz und Wein? Aber natürlich! weiterlesen

Willkommen im Waschhaus

Klönen und mangeln

Die Gropiusstadt entstand nach der Teilung Berlins im Süden Neuköllns zwischen 1962 bis 1975 auf Ackerflächen von Britz, Buckow und Rudow. Berlins erste Trabantenstadt hat 18.500 Wohnungen und wurde damals komplett ohne private Investoren finanziert. Deshalb waren 90 Prozent davon Sozialwohnungen. Der Mangel an ausreichend Baugrund zu Mauerzeiten wurde kompensiert, indem dichter und in die Höhe gebaut wurde. Vom ursprünglichen Konzept von Walter Gropius blieb wenig, dafür aber sein Name.

Reinschnuppern und rein waschen.                                                                                                                Foto: rr

Es rächte sich, nicht alle seine Vorgaben umgesetzt zu haben. Den öffentlichen Bereichen fehlte die Aufenthaltsqualität. Kieze entwickelten sich keine. Wohnungsbaugesellschaften bauen nur Wohnraum, kein Gewerbe. Dazu konzentrierte eine falsche soziale Bewirtschaftung in weiten Teilen der Gropiusstadt, besonders nach der Wiedervereinigung, den Anteil prekärer wie ausländischer Mieter. Mit erheblichen Wohnumfeldverbesserungen und einer Aufhebung der sozialen Wohnraumvergabe versuchte die Politik, präventiv dagegen anzusteuern. Seit 2006 ist deshalb ein Teil der Gropiusstadt Quartiersmanagementgebiet. Willkommen im Waschhaus weiterlesen

Weniger Zucker im Café

Zeitgeistig gesünderes Genießen in der Donaustraße

»Das Café« – ein unprätentiös schlichter, cleverer und überraschend eindeutiger Name. Doch so klein, nett, freundlich und normal dieses seit Januar sich hinterm Rathaus etabliert habende Café wirkt und ist: Es achtet mehr auf Gesundheit und Wohlbefinden als andere.

VORN Café, hinten Büro.                                                                                                                                 Foto: hlb

Alle wissen um den heutigen Zuckerwahnsinn, all die Zusatzstoffe und Allergieförderer, viele essen lieber bewusster und vorsichtiger. Dass das selbstverständlich und genussvoll funktionieren kann, beweisen Nadin Eberlein und ihr Team. Mit undogmatischem, geschmackvoll gepflegtem Einrichtungsambiente samt buntem Möbelmix von IKEA & Co. auf hellem Parkett und vor allem einer ordentlichen und ordentlich gefüllten Vitrine ist »Das Café« die Großstadtoase, die sie sein will. Weniger Zucker im Café weiterlesen

Ein Licht in der Passage

Restaurant VORWERCK in der »Neuköllner Oper«

Die »Hofperle« an der »Neuköllner Oper« ist nicht mehr. Das Opernteam rund um Andreas Altenhof beschloss Anfang des Jahres, die Zusammenarbeit mit den Cafébetreibern zu beenden und im Rahmen von Umbauarbeiten an der Oper eine Ausschreibung für ein neues Konzept zu starten. Der Zweck war eine engere Zusammenarbeit zwischen Kultur und Gastronomie.

Nach der Oper ist vor der Oper.                                                                                                        Foto:Vorwerck

Zwei Monate lang war das Café eine Baustelle und somit geschlossen. Die neuen Betreiber Roman Plappert und Ramon Walzgott ließen es sich nicht nehmen, bereits Ende des Sommers die Pforten zum neuen Café zu öffnen, als sogenanntes »Soft Open«. Der Barbetrieb wurde gestartet, ohne es an die große Glocke zu hängen. Auf diese Art und Weise konnte Gästen vermittelt werden, dass hier etwas Neues entsteht. Ein Licht in der Passage weiterlesen