Archiv der Kategorie: Gastronomie

Mittagstisch im lauschigen Garten

»James« residiert im »Hüttenpalast« mit feiner Kost

Der »Hüttenpalast« ist seit über zehn Jahren als eines der ungewöhnlichsten Hotels Berlins überregional bekannt. In einer Hinterhoffabrik im Reuterkiez übernachten die Gäste hier in Hallen mit liebevoll gestalteten Oldtimerwohnwagen oder Fabrikloft-Zimmern.

HINTERHOFIDYLL im Reuterkiez    .Foto: hlb

Das Café des Palasts in der Hobrechtstraße 66 ist seit letztem Dezember tagsüber nun das »James«, benannt nach dem Stadtplaner James Hobrecht, der im 19. Jahrhundert unter anderem für den Bau der Berliner Kanalisation verantwortlich war. Das »James« ist Tagesbar, Feinkostgeschäft und Cateringbetrieb in einem.
Internationale Lebensmittel mit mediterranem Schwerpunkt, die sich auch prima zu »Fresskörben« kombinieren lassen, werden hier geschmackvoll arrangiert und übersichtlich feilgeboten: Kekse und salzige Snacks wie getrüffelte Kartoffelchips aus Madrid, italienische Pastasorten, Konserven mit geschälten Tomaten oder Sardinen, Essige und Öle, Salz und Senfe, Schokoladen und Kaffee, dazu ausgesuchte Weine etwa von der Mosel oder Nahe, Chablis, Crémant und leichte Spirituosen wie fruchtiger Limon- und Arancello. Auch mallorquinische Orangen und Zitronen und frische brandenburgische Bio-Eier sind im Angebot. Mittagstisch im lauschigen Garten weiterlesen

Vom Berg zur Bahn und in den Hahn

»Berliner Berg« legt und braut jetzt richtig los

Am 20. Mai war es soweit: Die »Berliner Berg« Brauereihalle wurde an der nordöstlichen Bezirksgrenze Neuköllns zu Treptow, im Gewerbegebiet der Treptower Straße gleich an der S-Bahn-Trasse, eröffnet. Mit Ende der einjährigen Bauarbeiten kann hier nun das Kernsortiment aus deutschen und internationalen Klassikern wie Pils, (Indian) Pale Ale und Lager, aber auch die Berliner Weiße sowie saisonale Spezialitäten gebraut werden – und das mit einer Kapazität von bis zu 10.000 Hektolitern pro Jahr.

HIER fließt bald reichlich das goldene Nass.    Foto: pr

Eine eigene unabhängige, moderne Innenstadtbrauerei war von Anfang an das Ziel der zwei Bierenthusiasten, Berg-Mitbegründer und heute zusammen mit Michéle Hengst Geschäftsführer Ulrich Erxleben und Robin Weber. Sie wollen hochwertige Craft-Biere entwickeln und zugleich alte Sorten und Stile in die Neuzeit führen. Die beiden Ex-Internet-Manager gaben vor über sieben Jahren ihre potenziellen E-Commerce-Karrieren zugunsten des Traums von einer neuen Berliner Bierkultur auf. Vom Berg zur Bahn und in den Hahn weiterlesen

Fleisch ist sein Gemüse

Andreas »Curry-Paule« Kämpf kämpft jetzt für Wurst im Glas

paule am Buckower Damm.    Foto: hlb

Auch vegane Wurst kommt bei ihm inzwischen an die Pommes oder den Kartoffelsalat. Andreas Kämpf ist ein echtes Neuköllner Original. 1964 hier geboren und aufgewachsen, lernte er nach der 9. Klasse Hauptschule Fleischer und war mit 22 Jahren schon der damals jüngste Berliner Meister. Nach ersten Lebensmittelhandelsstationen bekam er einen Verkaufsleiterposten in Ungarn und baute dann in Rumänien eine Discounterkette auf; sogar ein Fleischzerlegewerk legte er sich dort zu.
2013 kam er nach Berlin zurück, schließlich habe sich sein Vater immer gewünscht, dass Sohnemann hier einen eigenen Imbiss eröffnet. Zu Ehren Opa Pauls entstand so der »Curry-Paule«. Fleisch ist sein Gemüse weiterlesen

Blaues Haus mit buntem Ton

Nordafrikanische Berberküche in der Pannierstraße

Die Pannierstraße bleibt gastronomisch in Bewegung. Das »Capperi« am Landwehrkanal mit seinem italienischen Apéro hat, auch coronabedingt, aufgegeben, dafür ist wenige Meter weiter in die Räume des schon im September 2019 geschlossenen Bistros »Julini« neues Leben eingekehrt. Seit März laden Khaled Benhajamor und seine Frau Firanda in ihr kleines aber feines Restaurant »La maison bleue« – beziehungsweise zunächst noch vor dieses –, um traditionelle tunesische Berberküche zum Abholen und Liefern zu kochen und zu servieren.

Blauer Orient im Reuterkiez.     Foto: hlb

Mit alten Familienrezepten will uns Khaled, der schon gastronomische Erfahrung im »Café Rix« sammelte, auf eine kleine Reise in den Orient entführen. Ein Jahr haben die Benhajamors mit ihrem Team renoviert und mit Bodenfliesen und wunderschön handbemaltem Tongeschirr, sämtlich aus Tunesien, atmosphärischen Backsteinwänden und der leuchtend blauen Fassade ein stimmiges mediterranes Ambiente inszeniert. Blaues Haus mit buntem Ton weiterlesen

Sakraler Neustart mit Terz

»21 gramm«-Team beseelt das ehemalige »Café Selig« neu

Die Macher des Restaurantcafés »21 gramm« (benannt nach dem vermuteten Gewicht der menschlichen Seele) auf dem St. Thomas-Friedhof an der Hermannstraße kennen sich aus mit der Verbindung von kirchlichem Ambiente und Leibeswohl. Neben dem Lokal in der Friedhofskapelle des Gottesackers im Körnerkiez wird nun der nahe Schillerkiez zu ihrem gastronomischen Spielfeld.

BALD wieder das pochende Herz des Schillerkiezes.    Foto: hlb

Dort war das »Café Selig« seit 2004 ein beliebter Treffpunkt, befindet es sich doch in einem Trakt direkt an der Genezareth-Kirche, mitten auf der Straßeninsel des Herrfurthplatzes. Ein lichtdurchfluteter hoher Gastraum mit toll gelegener Terrasse direkt vor der Kirche – dennoch konnte sich auch Christian Birkelbach, der jüngste der diversen bisherigen Betreiber, mit seinem Bar-Restaurant-Konzept nicht halten und strich, auch durch Corona gebeutelt und ermüdet, letzten September nach dreieinhalb Jahren und gescheitertem Crowdfunding vorzeitig die Segel. Mit dem Pächterwechsel zu den »21 gramm«-Geschäftsführern Daniel Kalthoff und Jeremias Stüer mit ihrem Team und mit einem neuen musikalischen Namen – »TERZ« – soll die stimmungsvolle Räumlichkeit noch kieznäher werden. Sakraler Neustart mit Terz weiterlesen

Die Bier in Schnaps verwandeln

Rettungsaktion für das Rotbier vom »Rotbart«

Nicht nur, dass alle Kneipen sowieso schon lange unter dem Corona-Lockdown leiden. Viele Gastronomen und Brauereien müssen oft auch noch fässerweise das Verfallsdatum erreichende Bier wegschütten. Bier im Abfluss – bitte nicht! Die Bar »Rotbart« am Böhmischen Platz in Rixdorf und die Berliner Craftbeer-Brauerei »Brewer‘s Tribute« starten daher eine Rettungsaktion, um ihr gemeinsames Rotbier wenigstens zu Schnaps zu brennen. Um die Produktionskosten für dieses Projekt zu stemmen, soll eine Crowdfunding-Kampagne helfen.

Brandneuer Brand.    Foto: pr

Bier zu Schnaps statt Wasser zu Wein – so könnte der süffige Trunk immerhin in stärkerer Form den Lockdown überleben. Die Idee: Veredelung der noch übrigen Rotbierfässer zu einem hochprozentigen Bierbrand. Die Bier in Schnaps verwandeln weiterlesen

Prinzessin pflanzt und backt und kocht

Garten auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof öffnet wieder

Die Gartensaison startet! Neben offenen Gartenarbeitstagen und dem kleinen Hofladen öffnet das Gartencafé und die Küche des »Prinzessinnengarten Kollektivs Berlin« auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof ab Anfang April wieder täglich ab 11 Uhr.


Es wird zu kalten Getränken und Café geladen, und es kann täglich ein anderes, frisch zubereitetes Mittagsgericht, wahlweise vegetarisch oder vegan, sowie selbst gebackener Kuchen genossen werden.
Es wird auch mit Gemüse vom eigenen Acker gekocht. Lebensmittel und Getränke, die von außen bezogen werden, sind in Bioqualität, regional und nach Möglichkeit fair gehandelt.
Am 3. April ist herzlich zu einer kleinen Eröffnungsfeier geladen.
Mit der Nutzung der Fläche auf ehemaligen Teilstücken des Friedhofs trägt das Kollektiv dazu bei, einen historischen Grünraum in Berlin für die Öffentlichkeit zu erhalten und ihn zum Naturerfahrungsraum weiterzugestalten. Es wird behutsam gegärtnert, Umweltbildungsmöglichkeiten werden etabliert und der gewachsene Naturcharakter des Ortes bleibt erhalten. Es lebe die Prinzessin!

jr/Cécile Wagner
Neuer St. Jacobi Friedhof
Hermannstraße 99-105
www.prinzessinnengarten.net/kollektiv/

Retten was zu retten ist

Money statt Oje für den Kneipier

2021 und die Viren und Wirren gehen weiter um und legen zunehmend Lungen, Sinne, Nerven und Lebensenergien eines mittlerweile nicht mehr unerheblichen Teils der Bevölkerung lahm. Und das, obwohl unzählige als potenzielle Infektionstreiber ausgemachte soziale und kulturelle Begegnungsstätten schon eine gefühlte Ewigkeit geschlossen sind. Abstands-, Masken- und Hygieneregelungen, Plexiglaswände, Frischluftgeräte – alle Bemühungen und Investitionen, auch die unserer Gastronomen, waren für die Katz.

Wir woll‘n hier wieder rein!Foto: hlb
Wir woll‘n hier wieder rein!            Foto: hlb

Versuch(t)en unsere Speiselokale und Imbisse noch durch ein Mitnehm­angebot einen Hauch Umsatz zu erwirtschaften, geht für Bars und Kneipen absehbar gar nichts. Notdürftige Staatsgelder sind gut gemeint, verhindern den Pleitetsunami und das Ende vieler unternehmerischer Existenzen allerdings nicht.
Wer ein wenig über hat und seine Lieblingslokale nicht ganz im Regen stehen lassen will, hat außer guten Worten und der hohen Kante (wo die Reserven für bessere Zeiten hingelegt werden) ein paar, wenn auch überschaubare, Unterstützungsmöglichkeiten. Retten was zu retten ist weiterlesen

Alles Taco bei den Quecas!

Die Vielfalt mexikanischer Tortillas im Reuterkiez

Wie schon in der Pflügerstraße, wo sich das »Mucha Muchacha« mit Mezcal und traditioneller mexikanischer Küche ganz ohne Texmex-Klischees und TK-Convenience etabliert hat, setzt seit September auch in der Reuterstraße ein kleines Lokal lust- und kenntnisvoll auf die originalen Gaumenfreuden des einstigen Maya- und Aztekenreichs.

QUICKYS zum Mitnehmen.           Foto: hlb

Amerika- und Mexiko-Kenner Boris Gilsdorff, der auch schon Dokus über die Verdrängung des Straßenhandels in Mexiko-Stadt drehte, und sein Team haben sich der Vielseitigkeit der – hier aus Bio­mais handgemachten! – Tortillas und generell authentischer mexikanischer Gerichte aus selbstgemachten frischen Zutaten verschrieben. Der Name »Madre Tortilla«, den ihr beliebter Streetfood-Stand und kurzlebiger 2019er Kreuzberger Pop-up-Imbiss trug, wich für die Kreuzköllner Niederlassung dem schlüpfrigen »Oh La Queca«. Alles Taco bei den Quecas! weiterlesen

Frische Luft und Käseduft

Kneipen und Käse sind gut fürs Karma

Der Donaukiez trotzt den Viruswirren. Nicht nur Georg »Peppi« Weishäupl sorgt in seinem »Hungerkünstler im Salon Renate« und der Jazzkneipe »Galerie Peppi Guggenheim« in der Weichselstraße für Abstand und Beruhigung. Um die Ecke in der Donaustraße hat das Team des »Valentinstüberl« auch in das Gastvertrauen ins eigene Atmen nach dem Lockdown investiert.

REINE Luft für Reingeher. Foto: hlb

Hier sorgt im Vorder- wie im Hinterstüberl ein »Blue Air Pro L« für luftkurortliches Feeling und filtert circa sechs Mal in der Stunde die komplette Raumluft von 70 Quadratmetern durch. Wärmere Klamotten als in den letzten Jahren sind in diesen Monaten ohnehin allerorten hilfreich, das klarere, fast transparente Aerosol­empfinden kommt dem Geschmacksempfinden für die bayrischen Biere und Bierbegleiter wie Leberkäse (aus neuem Ofen!), Weißwurst oder Obatztem der Valentin- und anderen Humor- und Kunstfreunde entgegen. Frische Luft und Käseduft weiterlesen

Sie sind der Meinung …

Neue Betreiber und weiterhin spitzer (Trink-)Sport im »Zur Spitze«

Etliche Pokale auf Regalen und Fensterbänken erinnern an stolze Gewinne. Vor allem in der Dart-Kunst, die hier in einem prächtig getäfelten kleinen Saal an gleich vier elektrischen Automaten praktiziert werden kann.

FRÜHSTÜCK, Spielen, Alkohol.     Foto: hlb

An der Spitze des türmchengeschmückten Hauses, wo sich Karl-Marx-, Walter- und Delbrückstraße treffen, trotzt die klassische Eck- beziehungsweise Spitz-Kneipe »Zur Spitze« den umherirrenden Zeitmoden und verbindet gelassen und geduldig Trunk und Freizeitsport. Jukebox, Spielgeräte, reichlich Deko und Patina schaffen die bodenständige, raucherfreundliche Kulisse für Austausch und Besinnung bei Flensburger oder Kindl-Bier, Schnäpsen oder Longdrinks (ab 3,50 Euro). Sie sind der Meinung … weiterlesen

Die Freiheit der Nelke

Kaffee, Bier und die nötige Portion Widerstand im »Karanfil«

Karanfil ist türkisch für die Widerstandsblume Nelke – und so zeigt das Logosymbol des gleichnamigen Cafés im Schillerkiez auch eine Faust, die eine rote Nelke hält.

POLITISCH trinken.     Foto: hlb

Turgay Ulu, der mit seinen Freunden Miray und Andrew das Kernteam des »Karanfil« bildet, war Journalist in der Türkei. Von 1996 bis 2011 saß er wegen seiner politischen Tätigkeit im Gefängnis, dann flüchtete er nach Griechenland. Seit sieben Jahren ist er in Berlin und arbeitet mit an der Zeitung »Daily Resistance«; die hier natürlich auch, neben vielen weiteren Publikationen und Flyern über den Kampf gegen die Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Systemfehler in Berlin und auf der ganzen Welt, zum Informieren und sich Mitengagieren ausliegt. Die Freiheit der Nelke weiterlesen

Sportlich, herzlich und kontinuierlich

Immer was los in der Nachbarschaftskneipe »Ilse-Eck«

Auch im Körnerkiez lässt es sich auf verschiedenste Weise treffen und trinken: fein, mediterran, hip, alternativ oder traditionell solide – wie im »Ilse-Eck«. An der Kreuzung Ilse- und Jonasstraße ist diese klassische Eckkneipe ein beliebter Treff für Nachbarn, die sich gern miteinander austauschen und Anregung, Unterhaltung oder einfach nur Entspannung suchen. All das gibt’s hier täglich von früh bis (auch mal sehr) spät.

WILLKOMMENSEIN seit Ewigkeiten.   Foto: hlb

Das bisher hipsterungefährdete »Ilse-Eck« ist seit Jahrzehnten in familiärer Hand. Und familiär ist auch die Stimmung. Die typische Berliner Schnauze gehört hier zum guten Ton. Zu Oldies, Schlagern und anderer Partymucke aus der Jukebox wird hier Billard gespielt, an zwei Dartautomaten die Wirkung des Zielwassers ausgetestet (auch wenn Liga-Spiele diese Saison nicht möglich sind), am Glücksautomaten gedaddelt, gewürfelt oder auch mal Skat gekloppt. Und reichlich geraucht, gebechert und gequatscht. Momentan natürlich alles mit Abstand, aber Tische draußen gibt es für Fans aerosolverdünnter Luft auch. Sportlich, herzlich und kontinuierlich weiterlesen

Zehn Jahre »Pappelreihe«

Leckeres und gemeinwohlorientierte Ökonomie für den Schillerkiez

In bester Kaffeehaus-Tradition eröffnete Tami im September vor genau zehn Jahren die »Pappelreihe« in der Kie­nitzer Straße 109.
Vorher betrieben seine Eltern in diesen Räumlichkeiten ein Zeitungs- und Zigarettengeschäft, das sich nebenbei zum Kieztreffpunkt mauserte, und in dem immer Zeit für einen Klönschnack war. »Wie der Kiez tickt, hab ich damals gelernt«, erzählt Tami, »und wie er begann sich zu verändern auch. Etliche meiner dam­aligen Stammkunden mussten wegziehen, weil sie die ständig steigenden Mieten nicht mehr zahlen konnten. Sie haben die Pappelreihe zu dem lebendigen Kiez-Treffpunkt gemacht, der er glücklicherweise immer noch ist.«

AUF mindestens einen Kaffee in Tamis »Pappelreihe«.   Foto: bs

Inzwischen sind viele der Gäste Studenten, die das Café als erweitertes Arbeitszimmer benutzen, zwei bis drei Jahre in einer Wohngemeinschaft wohnen und dann zurück nach Süddeutschland oder ihre Heimatländer verschwinden. Tami bemängelt, dass sie sich kaum mit dem Kiez identifizieren. Zehn Jahre »Pappelreihe« weiterlesen

»Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt«

Typisch Sizilianisches auf Neuköllns Märkten

Die süditalienische Leidenschaft für gegrilltes Schaf und Lamm, für frittierte Reisbällchen, saftige Pane und viele Gaumenvergnügen mehr infiziert seit Juni risikolos Besucher der Märkte auf dem Hermannplatz und samstags auf dem Kranoldplatz. »Tipico Siciliano« nennt sich der außergewöhnliche Street-Food-Stand, der mit Stolz ein stadtweit überraschendes Angebot an rustikalen Spezialitäten des wilden Siziliens feilbietet.

Grill im Trubel.     Foto: hlb

Alle Stadtbewohner und -besucher von der Sonne sizilianischer Gastronomie zu überzeugen, ist der Antrieb dreier Männer aus Marsala, die hier täglich begeisternd und ehrgeizig deftige traditionelle Spezialitäten ihrer Heimat zubereiten und servieren – überzeugt, gekonnt und leidenschaftlich. In dieser besonderen Imbissbude mit ihren gut gefüllten Kühl- und Warmauslagen finden sich keine gewöhnlichen Mafiatorten, sondern weichbodige Sfincione, zudem feine Fleischwaren (bis hin zum Pferdebraten) zum Grillen und Burger-Belegen, vielfältige Würstchenspieße oder auch hausgemachtes Süßes für danach oder zwischendurch. »Wo Ätnaglut im Gaumen tanzt« weiterlesen

Karibische Neueröffnung nach Corona

Südliches Flair im Café »Punta Cana« in Britz

Für die Dominikanische Republik besteht weiterhin eine Reisewarnung. Darüber hinwegtrösten könnte das »Punta Cana« in Britz, das in den Räumen des ehemaligen Cafés »natürlich und schön«, gegenüber vom »Vivantes Klinikum Neukölln« kürzlich eröffnete.

glückliche Cafébetreiber.      Foto: rr

Einen Tag vorm hiesigen Lockdown unterschrieben Doreen Schönborn und ihr Partner Jesus Castillo die Übernahmeverträge und durften dann, voller Tatendrang, ihr Café nicht eröffnen. Endlich, am 20. Mai, war Eröffnung. Sie hatten die erzwungene Sperre zum Umbau genutzt, halten vorerst am hier schon etablierten Konzept eines gemütlichen Cafés mit Frühstück fest. Die Umgestaltung ist gelungen und erweitert das Café um einen Raum. Obwohl es beim Interview draußen regnerisch und trübe war, sorgte die neue Einrichtung dennoch für südliches Flair. Karibische Neueröffnung nach Corona weiterlesen

Apéro auf Pannier-Art

Vielerlei mit und aus Korn und Butter im »Butter & Korn«

Ein anregender Drink und dazu ein leckeres Häppchen mit Freunden oder Kollegen, zum Feierabend oder Einstimmen auf den Resttag, so wie es als Apéro oder das Treffen zu Tapas gute Tradition in Frankreich oder Spanien ist – mit diesem Konzept schließt seit Ende Mai die Cocktail-, Wein- und Bierbar »Butter & Korn« eine Gastrolücke in der Pannierstraße.

Schlawiner.  Foto: hlb

Die Inhaber Frank Rauh und Dustin Franke fanden in den Räumen des vormaligen »ZIB« ein schönes Plätzchen mit lebendiger Straßenterrasse. Mit Benni, der zuvor für die kulinarischen Stadtführer von »Eat the World« arbeitete, haben sie einen leidenschaftlichen, sympathischen Geschäftsführer gefunden. Sie kannten sich schon aus dem Kiez und diversen Lokalitäten, wohnen um die Ecke und bauten sich eine Bar mit 80s-/Miami-Vice-Neon-Flair, die sich harmonisch in die Ausgehmeile nahe der Sonnenallee integriert. Clou ist der regionale (aber nicht brutale) Ansatz, bei den Zutaten für die Drinks und Speisen fast ausschließlich auf Lieferanten aus dem deutschsprachigen Raum, am liebsten direkt aus der Nachbarschaft, zu setzen. »Simpel und doch spannend« soll das Angebot sein, so Bennis Idee. Apéro auf Pannier-Art weiterlesen

Drei Jahre immer neue Brauideen

»neulich« – besonderes Bier von hier

Manchmal muss einfach gemacht werden. 2016 kommt eine Gruppe von Freunden, unter ihnen Lina Thiele und Julius Hausl vom Rummelsburger Technoclub »Sysiphos«, Boardsport­experte Michi Lipp, Hendrik Fritze und der Chemiker und Hobbybrauer Steffen Brückner – die fünf Gründer des »neulich« – auf ihrem Campingplatz am Neuendorfer See im Unterspreewald beim Trinken auf die Idee, zu Bierselbstversorgern zu werden.

neulich was los.   Foto: hlb

Getreu dem Motto »Mach doch« bauen sich Steffen, Julius und Henne ein eigenes 300-Liter-Sudwerk und brauen los, zunächst in den Waschräumen des Campingplatzes. Mit so überzeugendem Ergebnis, dass ein eigenes Lokal her muss, um den Spaß am Brauen und eigenen, ausgefallenen Rezepturen mit Gästen und Freunden zu teilen. In einer ehemaligen Eckkneipe am Rande des Schillerkiezes findet sich der perfekte, etwas urig-raue Ort, um seit April 2017 neu(lich)e Biere zu brauen und auszuschenken, zusätzlich auch Bierseminare, Livemusik- und DJ-Sessions, Mario-Kart-Turniere oder gar Bieryoga-Events zu veranstalten. Drei Jahre immer neue Brauideen weiterlesen

Weiße Vielfalt vom Rollberg

»Berliner Berg« – besonderes Bier von hier

Vor über fünf Jahren gaben ein paar Männer ihre potenziellen E-Commerce-Karrieren zugunsten des Traums von einer neuen Berliner Bierkultur auf. »Tradition. Neugebraut.« ist bis heute das Motto der »Berliner Berg Brauerei«, die 2015 ihre Heimstatt in einem Backsteinbau in der unscheinbaren Kopfstraße auf dem Rollberg fand, wo im 19. Jahrhundert bereits eine Schmalzfabrik schmalzte. Das »Bergschloss« war vorn ihre urige Ausschank- und Probierkneipe (einst das »Hopfenstübchen«), die nun aber leider Ende März geschlossen wurde.

BRAUTRIBUT an den Schillerkiez.      Foto: hlb

Wenngleich hier im Hofkeller noch Sudhaus, Lager- und Gärtanks und eine Schrotmühle für das Brauen von Sauerbieren wie dem traditionellen Berliner Trunk, der Weiße, genutzt werden, kommt nun der ganz große Schritt: Eine eigene, neue, große Produktionsbrauerei, die momentan in Neukölln direkt am S-Bahn-Ring im Aufbau ist. Damit hört das Lohn- und Wanderbrauen bei Gastbrauereien wie bisher vor allem in Hohen­thann auf, und »Berliner Berg« wird gänzlich neuköllnisch. Weiße Vielfalt vom Rollberg weiterlesen

Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt?

Rollberger – besonderes Bier von hier

Unter den Virusschutzvorschriften hat das Bar- und Kneipenwesen besonders lang zu leiden. Seit Mitte März bis mindestens Mai rigoros dicht, ließ sich quasi kein Euro gegen den laufenden Kostendruck verdienen. Ein Trauerspiel für Freunde des gezapften Bieres in netter Gesellschaft, zumal wenn es aus dem Kiez kommt. Mehrfach traf es die »Rollberger«: Als Brauerei, die auf Flaschenvertrieb verzichtet, als Lieferanten erlesener hiesiger Gastronomie und als Lokal.

Gut dosiert und fast wie vom Fass. Foto: mr

Die einstige Vielfalt des Berliner Brauwesens hat insbesondere durch die Craft-Bewegung in den 10er-Jahren eine erfreuliche Renaissance erfahren. Diverse Kleinbrauereien erzeugen inzwischen auch bei uns eine Palette an Bieren, die stets bereichernde Trinkerfahrungen abseits der Konzernsuppen ermöglichen. Wer hat die Dose zum Kühlschrank gerollt? weiterlesen

Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger

Paketweise Genuss spenden und helfen

 

Wie in diesen Wochen Künstler, kleine Händler und Lebensmittelhersteller unterstützen, die ihre Erwerbs- und Absatzmöglichkeiten verlieren, und zugleich Glücksmomente verbreiten? Das fragte sich Wolfgang Baumeister und das Team vom »Hungerkünstler im Salon Renate«, dem Weichselstraßen-Käse-Bistro, das zugleich Wein- und Feinkosthandel sowie Raum für Verköstigungen, Künstlertermine und andere Pop-up-Events ist.
Wenngleich auch der Gastrobetrieb des »Hungerkünstlers« derzeit ruht, bekocht und beglückt das Team den Kiez derweil mit einem alten Hausmittel gegen Tris­tesse: Käsespätzle. Die feinen handgeschabten Biospätzle von »Josephines Feinkost« sind mit einer »Peppikäse«-Spezialmischung und Miss Sophies Röstzwiebeln zubereitet und können im Laden vorbestellt und küchenfertig abgeholt werden. Zuhause dann nur noch in Ofen oder Pfanne erwärmen und losschlemmen. Auch vegane Varianten soll es geben.

FREUDE statt Hunger.    Foto: jr

Darüber hinaus sind individuelle Pakete mit vielem, was für schöne Stunden sorgen kann, in Vorbereitung. Mit Sinnesfreuden gegen Künstlerhunger weiterlesen

Austern statt Analogkäse

»Shed« – Trendgastronomie in altvertrauten Räumen

Pastrami mit Lambrusco. Foto: hlb

Einige schmerzliche gastronomische Verluste altgedienter Institutionen hatte der Reuterkiez in den letzten Monaten zu verzeichnen. Auf der Pannierstraße klemmte Wirt Peter die stets gut durchspülten Zapfhähne seines »Dunmore Cave Pub« ab, das »Julini« stellte seine kreative, alpin beeinflusste Rustikalküche ein, das über die Jahrzehnte etwas abgenutzte »La Musica« mit seiner günstigen, hipsterfreien, familienfreundlichen Cucina schloss. Im prächtigen Altbau auf der Friedel- Ecke Weserstraße lief die Pacht für die feinen katalanischen Tapas des »Txokoa« und die griechischen Meze für »Blaue Tische« aus und auch den geräumigen italienischen Imbiss »Pizza a Pezzi« gibt es am Reuterplatz nicht mehr.
In den Eckräumen des »La Musica« haben sich die Macher des Hot­spots für neapolitanisch gebackene Hanfteigfladen, des »W Pizza« am Weigandufer, ein paar Ecken weiter, seit Januar ein neues zusätzliches Domizil geschaffen – als selbstdefinierte »Nachbarschafts-Weinbar mit Essen«. Austern statt Analogkäse weiterlesen

Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus

Die »Bergklause« hält die Nachbarschaft zusammen

Otto und das Palastorchester. Foto: th

Otto, der Inhaber der »Bergklause« in der Boddinstraße, raucht entspannt eine Zigarette und erzählt, wie er als Busfahrer dazu kam, seine vorherige Stammkneipe vor fünf Jahren zu übernehmen. »Es gab keinen Nachfolger. Damit es hier weitergeht, bin ich eingesprungen.« Dieser Schritt wird ihm gedankt. Tags­über kommen die älteren Gäste, einer ist bereits neunzig Jahre »jung«, andere etwas »jünger«, alle sind Neuköllner Urgesteine aus der Nachbarschaft. Abends kommen die »jungen hippen Leute«, die die urige »Zirkus­atmosphäre« lieben. Ein Busfahrer macht Kneipenzirkus weiterlesen

Vom Eis- zum Flaschderix

Mehr als drei Flaschen in der Böhmischen Straße

Mit mildem Licht die Gemüter erwärmen, bei entspannter Stimmung die Sinne betören – dies möchte das »Drei Flaschen«, welches Ende Oktober eröffnete und schnell zum Tipp im sich urbanisierenden Rixdorf geworden ist. Mit unaufdringlichem, freundlichem Charme, nicht schicki oder artsy, sondern lässig solide und mit kreativem Design zieht das Lokal an der Böhmischen Ecke Zwiestädter Straße ein auch altersmäßig gemischtes Publikum aus Nachbarn, Neu-Neuköllnern und mobilen NK-Fans an.

Käse, Wein und Kerzenschein.   Foto: hlb

Die drei Barbesitzer sind kiezbekannt und beileibe keine Flaschen: Der Franzose Philippe Schröder und der Öster­reicher Paul Kolek wohnen um die Ecke, gründeten den »Tempelburger«-Imbiss auf dem Tempelhofer Feld und führen nebenan die Eisdiele »EISdeRIX«. Zusammen mit Boris Schäfer haben sie das »Drei Flaschen« renoviert und selbst geschmackvoll zu einer Kneipe auf Weinbarniveau ausgebaut. Pflanzen, Kerzen und die Farbe wechselnde Lampen spenden dem L-förmigen Raum mit dem langen Holztresen eine angenehme Atmosphäre. Besonders originell ist der aus alten Holzfenstern zusammengebaute Toilettenbereich. Vom Eis- zum Flaschderix weiterlesen

»Zur Molle« – zu Hause

Familiär Bierchen trinken im Schillerkiez

»Berliner Original! Verruchtet Ambiente, dufte Preise und schnieke Biere. Genau so wie icks mag.« So lautet eine Google Rezension über die Kneipe »Zur Molle« in der Weisestraße 41, Ecke Allerstraße. Alle, die ähnliche Vorstellungen einer soliden Bar haben, sollten sich also dringend in den Schillerkiez bewegen und die Pforten der Molle durchschreiten. Hier wird nicht etwa mit ausgefuchsten Drinks der Kategorie »Gin Basil Smash« geworben, sondern mit Authentizität und einem kühlen Bier. Wenn dann auch noch Johnny Cash aus den Boxen ertönt, kann es schon mal vorkommen, dass ab 17:00 Uhr ausgelassen getanzt wird.

Ausschank bis zum Tanzen.  Foto: fh

Nachdem Jens Sperlich und Melanie Wust das »Allereck« schließen mussten, erhielten sie im Oktober 2018 die Chance für einen Neustart an der gleichen Kreuzung, gegenüber der alten Bar. Auf den ersten Blick wirkt die Molle wie ein Kontrast zum »Allereck«. Altehrwürdiger Eckkneipen-Stil, Musik, die zum Schunkeln einlädt und Stammgäste, die den Schillerkiez länger kennen als viele Neuneuköllner alt sind, laden ein, gemeinsam gegen den Durst zu kämpfen, den einen oder anderen Schwank aus vergangenen Tagen zu hören und das ganze bei einer unvergleichlichen, lockeren Stimmung. »Zur Molle« – zu Hause weiterlesen

Herzliche Gastrobar »Jane Doe«

Blumen, Frauensport und Experimentierfreude

»Alles meins!« Wirtin Tülay ist happy, stolz und aufgeregt, aus dem abgerockten »Cafe Futuro« mit klaren Vorstellungen, glücklichem Händchen und viel Unterstützung von Freunden, Familie und Nachbarn ein anregendes, kommunikatives sowie entspanntes ganz eigenes Lokal geschaffen zu haben.

STILlLEBEN zum Platznehmen.   Foto: hlb

Etliche private Schätzchen hat sie dezent eingebracht (Vasen, Kannen, Zuckertöpfchen, Aschenbecher und viele Details mehr), beruhigendes Grau mit (dank des grünen Daumens des Blumennerds) vielartigem Blumendekor, sanfter Illumination und gemütlichem Mobiliar kombiniert.
Die impressionistische Blumenmotivtapete zieht die Blicke an, die eleganten Stühle, teils aus einer Kirche gerettet, und das cremefarbene Ledersofa mit skandinavisch inspirierter Leichtigkeit die Hinterteile der Gäste. Herzliche Gastrobar »Jane Doe« weiterlesen

Brotzeit wie beim Heurigen

Peppis neue Bistro-Herausforderung für »Hungerkünstler«

Hungerkünstler waren Schausteller, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa als öffentliche Attraktion fasteten und Spenden als Gage nahmen. Vor rund 100 Jahren war Schauhungern eine mitunter gar nicht so brotlose Kunst. Im »Hungerkünstler«, den der aus Vorarl­berg stammende Georg »Peppi« Weishäupl soeben im »Salon Renate« eröffnete, ist Hungern allerdings unmöglich.

SALON für Brettljausen.     Foto: hlb

In den beiden Räumen, die zuletzt als Co-Working-Café genutzt wurden, lassen sich nun zu gutem Brot zumeist alpenländische Rohmilchkäsedelikatessen und Wurstwaren genießen, wie sie Weishäupl in seinem »Peppis Käselager« nebenan und auf diversen Märkten anbietet. Auch warme, einfach vor- und zuzubereitende Gerichte wie Kässpätzle, Fondues oder mal ein Hackbraten sollen zur abendlichen Stärkung aus der Küche kommen. Österreichische Weine, Bier und feine Schnäpse wie Enzian, Meisterwurz oder Marillenbrand beflügeln dazu die Sinne. Brotzeit wie beim Heurigen weiterlesen

Russisch tierlos am Kamin

Lecker kuscheln zu Omsker Küche im »Kuschlowski«

Zakuska, ras, dva, tri – so unterteilt sich die Speisekarte im »Kuschlowski« in der Weserstraße. Ja, hier geht es ein wenig russisch zu. 2007 startete das »Kuschlowski« auf der Ausgehmeile und wurde mit Kaminfeuer, originellen Lampen und Hockern aus Eimern und vor allem großer Auswahl an Wodkas, zu denen kleine Häppchen aus Pumpernickel, Speck und Gurke gereicht wurden, zum beliebten Treffpunkt. Als die Inhaber Lust auf Neues hatten, griff Artem zu, Inhaber der kiezprägenden »Vater Bar« (um die Ecke in der Reuterstraße) mit ihrem russischen Wohnzimmercharme.

RUSSISCHES Kombinat.    Foto: hlb

Der Kamin ist geblieben, auch die nach einem Umbau individuell rustikale Einrichtung mit »mehr Kneipen- als Restaurantflair« – und die Wodkas. Artem, aus dem Omsker Umland stammend, reduzierte sie aber auf drei richtig gute russische, etwa mit Birke gebrannt. Und er machte das Getränkelager zur Küche. Platz schaffte ein hochbett­artiges Konstrukt über dem Bartresen. Selbst gerade Vegetarier geworden, bot er nun auch Speisen an; dass sie vegetarisch oder vegan waren, fiel vielen gar nicht auf, so selbstverständlich wirkten der vegane Döner oder die Suppen. Russisch tierlos am Kamin weiterlesen

Schiller‘s Zitterpartie

Kiezinstitution in Verhandlung

Als das »Schiller‘s« vor Kurzem die Kündigung zum 31.08.2019 von der »Home Real Estate GmbH« erhielt, hielt der Kiez den Atem an. Das konnte und durfte nicht wahr sein. Bitte nicht das »Schiller‘s« sollte es treffen, diesen Treffpunkt aller Generationen und Gesellschaftsschichten.
»Saveschillers« wurde sofort gegründet, eine Initiative zum Erhalt des Lokals. Die wiederum holte den Berliner Blätterwald mit in das Geschehen und es passierte, was passieren sollte. Presse und Initiative konnten den Druck auf die »Home Real Estate GmbH« so stark erhöhen, dass Verhandlungen in Gang kamen. Schiller‘s Zitterpartie weiterlesen

Ein kleines Ristorante, versteckt in Britz

Mediterranes auf die Gabel im »Forchetta & Company«

Der Autor wurde erst durch eine Empfehlung für die leckeren Gnocchi auf »Forchetta & Company« in Britz aufmerksam. Forchetta ist das italienische Wort für Gabel. »Viele unserer Gäste kommen auf Empfehlung anderer Gäste«, bemerkt die Chefin bescheiden. Dieses kleine, gut und authentisch kochende italienische Restaurant braucht das auch, denn es liegt versteckt im nordwestlichsten Zipfel von Britz, am Rand zu Neukölln und Tempelhof.

Gemütliche Gartenplätze.       Foto: rr

»Forchetta & Company« befindet sich in einer ruhigen Nebenstraße des Tempelhofer Wegs, dem Treseburger Ufer 54. Die einseitig bebaute Straße ist gesäumt von hohen, alten Platanen und verläuft parallel zum Teltowkanal. Auf der gemütlichen Außenterrasse des Restaurants wähnt man sich, als sitze man im Grünen. Noch ein Vorteil: in der wenig befahrenen Straße gibt es sogar naheliegend Parkplätze. Ein kleines Ristorante, versteckt in Britz weiterlesen

Empanadas und andere südamerikanische Sünden

Uruguayische Esskultur auf der Sonnenallee

Empanadas, Steaks oder Chorizo al Pan sind nur ein paar der Spezialitäten des »Pecados«. In den gediegenen und großzügigen Räumlichkeiten des einstigen »Pape’s Gasthaus« in der Sonnenallee, wo zuletzt eher glücklos Edelschnitzel angeboten wurden, kommen nun »kleine Sünden«, so »pecados« übersetzt, auf den Tisch.

GAUCHOS Favorit.     Foto: hlb

Gegründet haben das Restaurant Dierk Draeger und seine Frau Mariana, die aus Uruguay kommt, aber seit über zwei Jahrzehnten Wahl-Berlinerin ist. Mit ihren Foodtrucks versorgen sie die Stadt bereits seit Längerem mobil mit uruguayischen Köstlichkeiten, jetzt haben sie seit März ihr festes Lokal, dessen Küche genug Platz für die Produktion ihrer diversen gefüllten Teigtaschen und aufwendigeren Gerichte bietet. Insbesondere südamerikanische Gäste bestätigen und freuen sich über die authentische Qualität der Speisen, die ihnen ein Stück Heimat in die Stadt bringt. Empanadas und andere südamerikanische Sünden weiterlesen

Von Kiezhand gefüllte Stullen

Neue Croques und Piadine im Schillerkiez

Brot mit was drauf beziehungsweise drin – wessen Kühlschrank nicht genug zum Selbstbelegen hergibt, hat nun gleich zwei neue Anlaufstellen im Schillerkiez, die sich Edelvarianten der guten alten Stulle verschrieben haben. Beide seit Mai, nur eine Straßenecke voneinander entfernt, mit Hausnummer 40 und ähnlichem Konzept. Und beide ohne »feindliche« Übernahmen erfreulicherweise aus dem Kiez heraus entstanden.

Fladenbrot hier, nebenan Bier. Foto: hlb

Das »Pipapo« steht nicht für Pizza, Pasta, Pommes, sondern Piadine. In den nahezu unveränderten, mediterran-rustikalen Räumlichkeiten des einstigen Burgerlokals »Rundstück warm« werden nun diese dünnen italienischen Fladenbrote frisch gebacken und gefüllt. Die Inhaber der Kiezbar »Frollein Langner« haben den benachbarten Laden zu ihrem achtjährigen Jubiläum einfach an sich angedockt. Bestellt, gegessen und getrunken werden kann nun hier wie dort. Von Kiezhand gefüllte Stullen weiterlesen

Straßencaféflair mit polnischen Pierogi

Dzień dobry im »Katulki«

Bereits im März 2014 berichtete die Kiez und Kneipe vom besonderen kulinarischen Programm des »Katulki«, das sich seither zu einer Institution auf dem bel(i)ebten Trottoir der oberen Friedelstraße entwickelt hat. Ein multikulturelles, veganer- und allergiegeplagtenfreundliches Kaffeehaus sowie Internet- und Literaturcafé und Restaurant in einem, das von zwei Freundinnen, der polnischen Köchin Justyna Gierlach und der italienischen Dichterin und Übersetzerin Irene Salvatori gegründet wurde.

VOR dem Ansturm der Kuchenliebhaber. Foto: hlb

Der Name bezieht sich auf einen Text des polnischen Dichters Tomasz Rozycki: »Wer noch nie Katulki gekostet hat, weiß nichts über das Leben«. Katulki, das sind – es gibt auch andere Deutungen – leckere Schokoladenküchlein mit Nüssen.
Was das »Katulki« vor allem auszeichnet, sind seine herausragenden Torten und Kuchen, der Mix aus polnischer mit etwas italienischer Küche nach gut recherchierten Originalrezepten (die Betreiberinnen haben auch einen Blog, der Kulinarik und Literatur verbindet) und die heimelige, ein wenig an ein Oma-Wohnzimmer erinnernde Einrichtung. Straßencaféflair mit polnischen Pierogi weiterlesen

Bienvenida muchachas!

Aus eins mach zwei – das »Lagari« hat sich aufgeteilt

Was tun, wenn die Ladenmiete erhöht wird und sich nicht mehr stemmen lässt? Aufgeben oder die Last auf mehrere Schultern verteilen? Peter, Wirt vom »Lagari«, hat seine Musikkneipe schweren Herzens geschrumpft. Das »Lagari« besteht nach über zehn Jahren nurmehr noch aus seinem ehemaligen Billard- und Raucherzimmer, ein paar Außenplätzen und einem Kellerraum, wo alsbald hoffentlich wieder Konzerte aller Couleur, Open-Mic- und Comedyevents stattfinden können, sofern er nicht, wie gleich zu Beginn, unter Wasser steht.

ALLES Taco im »Lagari«. Foto: hlb

Und Peter hat sich »ganz viel Mädchen« dazugeholt: Die anderen, größeren Gasträume sowie die Küche des Lokals in dem Haus Pflüger- Ecke Nansenstraße, wo sich schon seit 1896 stets Gastronomie befindet, bespielt seit einem Monat nämlich ein mexikanisches Restaurant namens »Mucha Muchacha«.
Die Muchacha, betrieben von Janna Kübeck-Valente, Heraclito DeFeso und ihrem Team, versteht sich als traditionelles mexikanisches Restaurant, das aber ohne Texmex-Klischees und Tiefkühlconvenience auskommt. Vielmehr sollen Rezepte präsentiert werden, die die Geschmäcker von der prähispanischen bis zur heutigen Zeit mit einbeziehen, landestypische, authentische und auch weniger bekannte Aromen vorstellen und Einblick in die Geschichte der mexikanischen Küche geben. Bienvenida muchachas! weiterlesen

Aus Lust zum Land

Die »Pomeranze« versorgt Bauch und Balkon nachhaltig

Nach einer Bitterorangenart (und nicht etwa nach naiven Mädchen vom Lande) wurde die Kaffeebar benannt, die Anfang Mai in der Leine- Höhe Weisestraße in den Räumen der einstigen Kunstbar »Art und Weise« eröffnete. Deren Betreiber wollte sich nach sieben Jahren verändern.

Katharina und Marlene.                                                                                                            Foto: : Lena Fingerle

Die neuen Inhaberinnen Katharina Herrlich und Marlene Modick verliebten sich auf der Suche nach einem Standort für ihr erstes eigenes Café sofort in das atmosphärische Ambiente mit den alten Türrahmen, Dielen und Kamin. In einmonatiger Eigenrenovierung schufen sie mit ihrer »Pomeranze« eine helle, gemütliche Oase im Schillerkiez, die die Lust am eigenen Gärtnern aufgreift und den Fokus auf die Verwendung regionaler Produkte und auf Nachhaltigkeit richtet. Dazu gehört zum Beispiel die Verwendung von Pfandbechern zur Müllvermeidung. Aus Lust zum Land weiterlesen

Pochiert und gut kombiniert

Brunch eurasisch im »YaMe NumNums«

Wer japanische, thailändische, vietnamesische und laotische Einflüsse kosten möchte, braucht keinen panasiatischen All-you-can-eat-Buffettempel. Das seit Oktober vor der »Lavanderia Vecchia« in der Flughafenstraße eingezogene »YaMe NumNums« mischt diese Küchen, und das schon ab morgens, und fügt ihnen leicht variierte mexikanische, israelische und europäische Frühstücks- und Brunchklassiker hinzu.

Benedicts Eier.                                                                                                                                                  Foto: hlb

Inhaberin My Linh Phan und ihre Schwester My Huong haben Mutters Kochtalent mitbekommen, die in Laos eine respektierte Köchin war. Namensgeber des Restaurants waren My Linhs Kinder Yakup und Melih; und Num Nums sind halt wohl leckere Kleinigkeiten. Die Fahne der laotisch-panasiatischen Küche hält das übrigens auch von den Phans betriebene »Jimmy Woo« in der Friedelstraße im Reuterkiez schon seit über einem Jahrzehnt hoch; eine solide Referenz. Pochiert und gut kombiniert weiterlesen

»Han West« – Heimat der Teigtaschen

Streetfood trifft Craftbier

Spaziergänger, die vom Tempelhofer Feld in die Lichtenrader Straße einbiegen, können an der Ecke zur Selchower Straße bereits am Duft erahnen, dass sich etwas tut im Kiez. »Han West – Home of Dumplings« hat am 1. Juni eröffnet und verwöhnt ab sofort Neuköllner Gaumen mit asiatischen Teigtaschen.

Vorsicht – Suchtgefahr.                                                                                                                                      Foto: me

»Dumplings sind gutbürgerliche Gerichte in jeder Kultur und fast Jeder, egal ob Europäer, Asiate oder Amerikaner, ist mit Teigtaschen groß geworden. Sie gehören in jede Küche«, erklärt Valentin Spiess, der den Imbiss mit seinem Geschäftspartner Rui Gao eröffnet hat. »Han West« – Heimat der Teigtaschen weiterlesen

Pommes für den Europaspielplatz

Alles neu: Bistro, Toiletten und ein Baum

Was lange der große Wunsch von Eltern und Kindern war, wird nun endlich wahr: Der Europaspielplatz im Park am Buschkrug erhält ein Bistro und öffentliche Toiletten.

Neuer Baum vor Eistüte.                                                                                                                                     Foto: fh

Seit 2015 gibt es auf dem größten Spielplatz in Neukölln – immerhin acht Hektar groß – ein Angebot für die Kleinsten bis zu den Jugendlichen. Vom Buddelkasten über einen Wasserbereich bis hin zu Sportfeldern und Geräten ist der Spielplatz ein ausgesprochen beliebter Ort. Außerdem ist er gut mit der U7 zu erreichen. Nur wenige Gehminuten vom U-Bahnhof Blaschkoallee entfernt können sich auf dem gepflegten Gelände Kinder ausprobieren.
Nun ist das Glück perfekt. Mit Patric Jeschke hat der Bezirk einen erfahrenen Betreiber für das Bistro gefunden. Pommes für den Europaspielplatz weiterlesen

Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur«

Abwechslungsreiche Arbeiten für beeinträchtigte Menschen

Das ehemalige »AWO Café« in der Erkstraße 1 hat seit September letzten Jahres mit der »FSD Lwerk Berlin Brandenburg gGmbH« einen neuen Betreiber gefunden. Unter der Projektleitung von Diana Mertins finden beeinträchtigte Mitarbeiter im Restaurant »Lwerks…cultur« eine spannende Arbeitswelt im Bereich der Gastronomie mit der Devise: saisonal, frisch und lecker. Als Träger des Standorts fungieren »Lwerk« und AWO.

Kerzen für die Deko .                                                                                                                                            Foto: pr

1986 als »Lankwitzer Werkstätten für behinderte Menschen« gegründet, umfasst das »Lwerk« heute ein Netzwerk aus 30 Standorten mit mittlerweile über 1.000 Mitarbeitern, die in verschiedenen Bereichen auf die Angebote des Unternehmens zurückgreifen. Die ursprüngliche Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke Menschen zeichnet sich heute durch ein differenziertes Dienstleistungsportfolio aus. So bietet das »Lwerk« heute die Eingliederung in Werkstätten für behinderte Menschen, Orientierungspraktika, die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt, Ausbildungsplätze und Fördermöglichkeiten. Schmausen und Stöbern im »Lwerks…cultur« weiterlesen

Kleine Teller, straight forward

Britische Unkompliziertheit im »Barra«

Nicht wenige »Foodies« haben dem »Industry Standard« in der Sonnenallee mit seinem zeitgeistigen, trendsettenden Küchen- und Raumkonzept – große, wuselige offene Küche mit kleiner Bar davor – und seinen ungewöhnlichen Gerichten ein Tränchen nachgeweint.
Seit letztem November gibt es guten Ersatz: Daniel Remers, einst Küchenchef im »Standard«, hat mit Koch-Partner Neil Paterson im Schillerkiez das »Barra« eröffnet, ein »Nachbarschaftsrestaurant«, das nach dem inzwischen weit verbreiteten und durchaus geselligen Sharing-Prinzip kleine Gerichte zum untereinander Teilen serviert.

LINKS das Kitchen, rechts die Sharer.                                                                                                         Foto: hlb

Es braucht also schon einige Teller (und das entsprechende Kleingeld dazu), um mit mehreren Gästen satt zu werden …Da die Macher britische Expats sind, geht ok, dass die Hauptsprache im »Barra« englisch ist. Die Gäste sitzen im mit schottischem Holz schlicht gestalteten Essbereich eng beieinander – es gibt noch einen hinteren Raum mit langer Tafel für größere Gruppen oder Tastings. Indiemusik schallt nicht zu verhalten, die Atmosphäre ist locker, wenn auch mit einem Hauch Ehrfurcht vor dem Servierten. Kleine Teller, straight forward weiterlesen