Archiv der Kategorie: Gastronomie

Türkisch für Fortgeschrittene

Kreative Meze und Wacholderschnaps in der Restaurantbar »No Bananas«

Mittelmeer, die Ägäis. Urlaubs- und Genusssehnsüchte kommen auf. Wein, Bier, Hochgeistiges und schmackhafte Häppchen in der lauen Abendluft bei unnerviger Musik. Alles easy, »no bananas«. Ohne Machoanmachen. Aufmerksam entspannt.

TÖFTE ohne Köfte.                                                                                                                                              Foto: hlb

So dachte es sich der jahrzehntelang in Istanbul aktive Szenegastronom Nevzat bei der Namensfindung seines neuen Lokals. Vor 15 Monaten kam er nach Berlin, nicht zuletzt bedingt durch unschöne Beispiele der Willkür und Rückwärtsgewandtheit des aktuellen Regimes seiner Heimat, um hier sein Können, seine Kneipenideen und Rezepte freier umzusetzen. Seit drei Monaten gibt es das »No Bananas« nun als Nachfolger des italienischen »Gaia« in der oberen Pannierstraße nah des Landwehrkanals. Türkisch für Fortgeschrittene weiterlesen

Es nadelt auf dem Boulevard Hermannstraße

Belgische Biere und Elektrosounds im »O Tannenbaum«

Schon in den Nullerjahren fanden ausländische Kreative, die ein Nest für ihre Kunst-, Musik-, Mode- und Gastroambitionen suchten, in Nordneukölln ein gutes Pflaster. Wie der Niederländer Pieter Kock, der mit seinem »O Tannenbaum« – mit Pausen – schon über zehn Jahre als Kneipe und Projekt­raum für (vorwiegend elektronische) Musik und Kunst, originelle experimentelle Klang- und Videoprojekte und nicht zuletzt Biergenuss à la Benelux reüssiert.

BEATS und Biere.                                                                                                                                                 Foto: hlb

Von 2010 bis 2015 stand der Tannenbaum in der Sonnenallee, bis der übliche Nachbarschaftskrach um den Krach ihm den Garaus machte. DJ-Partys und ganze -Feste an Gastorten folgten, bis letztes Jahr in der nördlichen Hermannstraße eine nahe und adäquate Nische gefunden war, um den unbekümmert unordentlichen shabby Chic eines Studentenwohnzimmers und seiner Partymöglichkeiten wieder aufleben zu lassen. Es nadelt auf dem Boulevard Hermannstraße weiterlesen

Maultaschen unter Flügeln

Schwäbische Küche in der Jungfernmühle

Es ist kaum zu glauben: Zwischen den Hauptverkehrsadern Neuköllner Straße und Fritz-Erler-Allee tut sich ein etwas schräges Ensemble auf. In der Goldammerstraße, die gefühlt zu einer ruhigen Wohngegend aus den 70er Jahren gehört, aber zwischen zwei stark befahrenen Straßen liegt, genau dort steht trotzig die älteste Mühle Neuköllns, die Jungfernmühle.

Perle mit Restaurant.                                                                                                                                            Foto: fh

Seit März ist dort ein Restaurant, das sich liebevoll Speisenmeisterei nennt, von der Wiesenstein-Gruppe eingerichtet worden. Geschmackvoll eingerichtet, mit hellen Möbeln, hübschen grünen Servietten, und doch wurde der Charakter der alten Mühle erhalten. Auf zwei Ebenen kann gespeist werden. Geplant ist noch der Ausbau der dritten Ebene, die dann womöglich Zigarren rauchenden Herrenclubs vorbehalten ist. Maultaschen unter Flügeln weiterlesen

Italienische Cucina trifft Wildkräuter

Genuss und Nachhaltigkeit im »Café Botanico«

Martin Höfft hält nicht viel von hippen Begriffen wie »Fusion Kitchen«. Italienisch-Berlinisch [sic!] nennt der Diplom-Geograf die Küche seines Restaurants in Alt-Rixdorf. Die Speisekarte richtet sich danach, was der zum Betrieb gehörige Stadtgarten gerade hergibt, und das ist Einiges.

Auf die Zutaten kommt es an.                                                                                                                        Foto: me

Auf 1.000 Quadratmetern baut Höfft mit seinem Team diverse Gemüsesorten, Kräuter, Obst und Wildpflanzen an und setzt dabei auf Nachhaltigkeit. Permakultur heißt die Anbauweise, bei der Mischkulturen für ein naturnahes Gleichgewicht sorgen und gesundes Wachstum der Pflanzen begünstigen. Der Garten ist der einzige seiner Größe in der Berliner Innenstadt und hat seit 2012 ein Bio-Zertifikat des »Verbunds Ökohöfe Nordost«. Die frischen Kräuter, gepaart mit einem rustikalen Gastbereich im Innenhof, sorgen für Entschleunigung, und das Zwitschern der Vögel verleiht der Atmosphäre einen Hauch von kleinstädtischer Gemütlichkeit. Italienische Cucina trifft Wildkräuter weiterlesen

Die letzte Mohikanerin auf der Sonnenallee

Krystyna und ihre Kunst- und Musik-Bar »Café Warschau«

Kristina Näslund – eigentlich Krystyna, doch die Ypsilons fielen einst deutschen Ausweisausstellern zum Opfer – ist eine markante Persönlichkeit. Ihre Bar »Café Warschau« hat eine ebensolche, für manche allerdings auch gewöhnungsbedürftige. Die stets elegant gekleidete Gastgeberin ist Kiez-Urgestein, hat den Wandel hautnah miterlebt und ist dementsprechend stresserprobt und mit allen Wässerchen gewaschen. Ihr Lokal führt sie mit strengem Regiment, aber auch polnisch gewitztem Charme und Akzent.

PROSZĘ wchodzić!                                                                                                                                             Foto: hlb

Die mittlerweile naturerblondete Kristina hat, nicht nur in ihren Jahren als Erzieherin in Schweden, reichlich Menschenkenntnis, Geduld und Durchsetzungsvermögen gesammelt, was ihr hilft, den Laden auf der Sonnenallee unter Kontrolle zu halten. Die letzte Mohikanerin auf der Sonnenallee weiterlesen

Friedhofsfriede, Frühstücksfreude, Flammkuchen

Genussvoller Ruhepol an der Hermannstraße: das »21 gramm«

Was wiegt die menschliche Seele? 21 Gramm, meinte ein Arzt einst herausgefunden zu haben. Nach diesem Seelengewicht hat sich stil- und pietätvollerweise ein neues Restaurantcafé auf dem St. Thomas-Friedhof benannt. Das »21 gramm« ist seit Mitte Juni eine echte gastronomische Attraktion an der Ecke Hermann- und Thomasstraße. Aus der lange nur als Lager genutzten zweiten Friedhofskapelle des Gottesackers im Körnerkiez ist eine bemerkenswert schöne Frühstückskapelle geworden, die auch als Weinlokal samt Biergarten fungiert.

LEBENSFREUDE statt letzter Ruhe.                                                                                                           Foto: hlb

Drei junge Männer haben sich zusammengetan, um aus dem unbeachteten Backstein­ensemble eine Kiezoase zu machen, in der sich Omi und Hipster, junge Familien wie arabische Nachbarn gleichermaßen gern zur entspannenden wie inspirierenden Einkehr einfinden. Mit Unterstützung des Besitzers, des Evangelischen Friedhofsverbandes, und unter der strengen, aber wohlwollenden Aufsicht des Denkmalamtes wurde das Kapelleninnere, inklusive wieder freigelegter Bibelzitate, sorgfältig und professionell restauriert und zu einem einnehmend stimmungsvollen Gastraum gestaltet. Die Kuppeln, ornamentverzierten Säulen und bunten Fenster schaffen in Verbindung mit den begrünten Deckenlampen eine sakral beruhigende und doch anregend freundliche Caféhaus-Atmosphäre. Friedhofsfriede, Frühstücksfreude, Flammkuchen weiterlesen

»Natürlich schön«

Endlich hat Neuköllns Süden wieder ein richtiges Café

Die britztreuen Tim und Nicole – er tischlert, sie unterhält einen Bürodienst-Service – entdeckten vor zwei Jahren beim Spazieren das leerstehende Ladengeschäft an der Rudower Straße, genau gegenüber vom Haupteingang des Krankenhauses Neukölln. Hier konnten sie ihren Traum von einem kleinen, nachhaltigen Café, Geschäft mit Kunsthandwerk und Dienstleistung Anfang 2017 realisieren.

Britz wird hipp.                                                                                                                                                         Foto: rr

Das Äußere ließe vermuten, dass es mitten im hippen Nord-Neukölln liegt. Schon draußen laden selbst getischlerte und gepolsterte Sitzgelegenheiten zum Verweilen im Freien ein. Weiße Schirme spenden Schatten und fahrbare, bunt bepflanzte Hochbeetcontainer, natürlich aus eigener Fabrikation, versuchen, den Straßenverkehr ein wenig abzuschirmen. »Natürlich schön« weiterlesen

Kapern, Pistazien und Hanfteig

Italienische Cucina erobert weiter den Kiez

An italienischer Gastronomie mangelt es wahrlich nicht im Nordneuköllner Kiez, doch die Community aus Bella Italia ist groß und Pizza, Pasta und Co. schmecken halt fast allen. Nicht nur das »Ammazza che pizza« an der Hobrechtbrücke oder das »Monella« in der Weichselstraße haben zuletzt hohe Standards gesetzt; unlängst haben sich gleich mehrere weitere neue Lokale lustvoll der Stiefelküche verschrieben.

MADAMAS Pizza. Foto: hlb

Thomas Mudersbach vom »May am Ufer« liebt die traditionelle Cucina. In Mailand hatte er schon ein Bio-Restaurant und war sogar mal Privatkoch eines Mailänder Fußballpräsidenten. Nun heißt das umgebaute »May« »Capperi!« (Kapern) und fokussiert sich seit April auf »Italian natural kitchen & craft wine«. Das neue Konzept vereint Mudersbachs Kochfreude, das Warenwissen von »Siziliessen«, seit drei Jahren Importeur sizilianischer Spezialitäten, und die Weinkompetenz der veganen Weinbar »Neontoaster«, die hier für das Sortiment an Naturweinen engagierter Winzer zuständig ist. So kommen möglichst chemiefreie Tropfen und authentisch zubereitete sizilianische Produkte auf den Tisch – was allerdings auch seinen Preis hat. Zum Reinschnuppern empfiehlt sich der Aperitivo: Von 17 bis 20 Uhr gibt’s ein Glas Wein mit einem Stück Büffelmozzarella oder einem Hackbällchen für fünf Euro. Kapern, Pistazien und Hanfteig weiterlesen

Schmausen in der Klause

Gut essen im Neuköllner Appendix Alt-Treptow

Unweit des Görlitzer Parks, direkt im Neuköllner Speckgürtel, im Dreiländereck von Neukölln, Kreuzberg und Treptow, spüren die Bewohner nichts von der Neuköllner Umtriebigkeit. Kinder können noch frei auf der Straße laufen, der Autoverkehr beschränkt sich auf Kleinstadtniveau, und die Nachbarn kennen sich.
In diesem beschaulichen Eckchen befindet sich die »Treptower Klause«. Ehemals war diese eine typische Berliner Eckkneipe, in der vorzugsweise der Bierdurst gelöscht wurde. Nach über 80 Jahren Kneipentradition wurde das Lokal geschlossen.

Qualitätskonrolle.                                                                                                                                                  Foto: pr

Das beobachteten Anne und Jussuf, die im gegenüber liegenden Haus wohnen, und beschlossen, hier ihr eigenes Lokal zu eröffnen. Beide haben ihre Erfahrungen in der Gastronomie gemacht. Anne, eigentlich studierte Biologin, hielt sich, als sie 1989 nach Berlin kam, mit Kneipen- und Caféjobs über Wasser. Am 9. November 1989 hatte sie ihren ersten Arbeitstag im »Café Adler« am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße. Das dürfte sie stressresistent gemacht haben. Jussuf ist gelernter Koch. Er hat bei dem österreichischen Sternekoch Franz Raneburger gelernt und setzt nun seine eigene Sterneküche in der »Treptower Klause« um. Schmausen in der Klause weiterlesen

Black Beauty trifft Wildschwein

Biergartenoase und Kochlust im »Butter & Bacon«

Eine Kuhtränke, alte Milchkannen, Weidenkörbe, ein Zaun aus Obstbaumstützen, urige Holzbauten und Bierbänke, umrankt von hohen Büschen und Hopfenstauden – inmitten des Sonnenalleegebrauses und S-Bahngesauses ist in den letzten Monaten eine fast ländliche Miniidylle entstanden, in der sich gemütlich treffen, trinken und vorzüglich essen lässt.

ZU mieten und besetzen.                                                                                                                                    Foto: pr

Betritt der Gast das direkt am S-Bahneingang Neukölln gelegene, latteneingezäunte Areal, begrüßt ihn der gut gelaunte Alan, hier Koch und »Mädchen für alles«, hinter einem modern breiten Imbisstresen. Viele handgeschriebene Tafeln machen schnell deutlich, dass es hier mehr als gewöhnliches Fast Food gibt. Black Beauty trifft Wildschwein weiterlesen

Pac-Man jagt Sunny Krokette

Paniert, frittiert, überbacken ist Teil vom »Style«

Donkey Kong, Pac-Man oder andere Arkade-Spieleklassiker umsonst daddeln und dazu frische Fritten futtern? Das geht seit dem 11. Januar in einer ehemaligen Taxischule in der Reuterstraße. »Vernünftiges Essen für den Kiez, gut gemacht, aber nicht edel« möchte Inhaber Till Heinisch in seiner »Style Stallone Sandwichbar« anbieten – und gleichzeitig seine 80er-Jahre-Sozialisation ausleben.

SATTmacher mit Retroflair.                                                                                                                             Foto: hlb

Darum bestimmen Miami Vice-artige Pastellfarben, ein paillettenverzierter Tresen und ein kultiger Videospielautomat seinen stylischen Disco-Imbiss. Auf dem dem »Lucky Strikes«-Emblem nachempfundenen Logo des Ladens prangt der lachende Kopf des bärtigen Brutzlers. Der Name stammt von einem alten Kumpeljux, erinnert aber natürlich an die »Rocky«-Filme der 80er.
Heinisch ist schon seit 17 Jahren im Kiez und hat seine Kochmeriten in der legendären »Bar 25« und im Kreuzberger »G wie Goulasch« erworben. Pac-Man jagt Sunny Krokette weiterlesen

Abdul Kerim Güzel feiert Geburtstag

Rauschende Feier im »Bierbaum 3

Abdul an seinem Arbeitsplatz.                                                                                                                         Foto: fh

Wenn Abdul Kerim Güzel, der Chef vom »Bierbaum 3«, feiert, dann richtig. Am 10. März lud er Freunde, Bekannte und Stammgäste ein, mit ihm gemeinsam Geburtstag zu feiern. Es gab Geschenke zuhauf; einer hatte ihn sogar in Öl portraitiert. Der – laut Freunden – »netteste Muskelberg der Welt« empfängt jeden mit offenen Armen. Gibt es aber Streit, schreitet er tatkräftig ein. In seiner Kneipe soll es friedlich zugehen. Abdul Kerim Güzel feiert Geburtstag weiterlesen

Kaffee, einfach gut

Die »Roasters«-Kaffeerösterei in der Hermannstraße

KIEZBENGEL an der Röstmaschine.                                                                                                             Foto: dt

Es heißt, das »Roasters« sei die erste und einzige Kaffeerösterei in Neukölln, seit sie vor drei Jahren eröffnet hat. Hier kann man Kaffee trinken oder sich Kaffee für Zuhause mitnehmen.
Doch wer erwartet, die Rösterei würde dem neuen hippen Neukölln mit Geschichten über den bisher kulturlosen Kaffeekonsum im Rest der Stadt, über Kaffeeanbau und -handel oder spezielle Röstverfahren entgegenkommen, der irrt. Über das »Roasters« gibt es keine Informationen online. Keine Webseite, kein »facebook«, kein »instagram«. Nur ein paar Rezensionen bei »google« – und die liegen ja bekanntlich nicht in der Kontrolle der Betreiber. Und im Laden selber? Kaffee, einfach gut weiterlesen

Vom HEISdeRIX zum EISdeRIX

Im Winter zu Suppe, im Sommer zu Eis

Wohnen und Arbeiten im Kiez ist Luxus. Kurze Wege zum Arbeitsplatz sind der Traum vieler Arbeitnehmer. So erging es Chris, Philipp und Paul. Jeden Tag liefen sie an dem leerstehenden Geschäft in der Böhmischen Straße 48 vorbei. Das war nun wirklich kein schöner Anblick. Kurzerhand mieteten sie den Laden und verwirklichten ihre Idee, eine Eisdiele zu eröffnen. Chris hat bei »Vanille-Marille«, der führenden Eismanufaktur in Berlin, die Kunst der Eisherstellung erlernt.

Demnächst wieder im »EISdeRIX«.                                                                                                                Foto: pr

Im »EISdeRIX« startete im Frühjahr letzten Jahres der Eisverkauf. Und das mit großem Erfolg. Die Kunden lieben das Eis, das ohne Zusatzaromen hergestellt wird. Hauptsächlich verkaufen sie die Kernmarken Vanille, Pistazie und Himbeere. Die Himbeere löste das Erdbeereis ab, denn das sieht ohne Farbstoffe zu hell aus, und insbesondere die Kinder, für die ein Eis recht farbig sein soll, lehnten das Eis ab. Die Himbeere enthält hingegen mehr eigenen Farbstoff. Also die Farbe passte und der Geschmack ist himmlisch. Vom HEISdeRIX zum EISdeRIX weiterlesen

Tanzkultur statt Kegeln

Istanbuler Kultbar dockt am Karl-Marx-Platz an

In den Räumen einer legendären Alt-Rixdorfer Kegelbahnkneipe bot zuletzt die »Schiefe Bahn« Cava, Bier, DJs und Patina. Jetzt kehrt mit dem »Arkaoda« weltstädtische Clubkultur am Karl-Marx-Platz ein. Geist und Konzept des Ladens kommen aus Istanbul: Die dort 1999 gegründete, in Kadıköy ansässige Bar »Arkaoda« (die übrigens auch dort schon mal wegen Nachbarschaftsbeschwerden umziehen und sogar auf den anderen Kontinent wechseln musste) ist noch heute ein Raum »für unabhängige, musikalische und künstlerische Positionen und Entwicklungen«. Auch die Berliner Club-Schwester bietet seit Januar Konzerte, Partys und DJ-Radio-Livestreams jenseits von Genre- und internationalen Schranken und einen Ort zum künstlerischen Austausch, vor allem aber zum Tanzen. Tanzkultur statt Kegeln weiterlesen

Yam, Yam – Mmh, Mmh

»Mama Comfort« und ihre nigerianische Kochkunst

Seit einem Jahr wird das Restaurant »Afro-Base« an der Buschkrug­allee in Britz von zwei Schwestern aus Nigeria geführt. Ihren Gästen ermöglichen sie, einen kulinarischen Kurztrip nach Afrika zu machen, indem sie authentisches, traditionelles Essen mit vielen Gewürzen und Zutaten aus ihrer Heimat auf den Tisch bringen.

Afrikanisches in Britz.                                                                                                                                           Foto: rr

Das schätzt auch die Nigerianische Botschaft. Das Essen ist sehr schmackhaft. Gebratene Kochbananen kannte der Autor schon, aber das Wurzelgewächs Yams, das der Kartoffel ähnelt, hatte er bisher noch nicht gegessen.
»Mama Comfort«, wie die Besitzerin liebevoll genannt wird, stand zuvor schon vier Jahre in der Mainzer Straße in Neukölln am Herd. Ihren Wunsch nach einem eigenen Restaurant hat sie nie aufgegeben. Nun residiert sie zusammen mit ihrer Schwester in den Räumen des ehemaligen Restaurants »Buschkrug« in Britz. Yam, Yam – Mmh, Mmh weiterlesen

Wohlfühlen unter Rixdorfs Palmen

Frische Geschmackskontraste vis à vis vom Comeniusgarten

An einer der schönsten Ecken des Böhmischen Dorfs, im Augenwinkel der Statue Friedrich Wilhelms I., lag rund 15 Jahre das Kneipenleben brach. Seit Dezember belebt das Allroundlokal »Paulinski Palme« mit professionellem, aber unkompliziertem Geschick das Juweleck.

NICHT auf, in die Palme!                                                                                                                                    Foto: pr

Die Betreiber Paul Adam (zuvor im »Reinstoff«) und Max Schippmann, Spitzname »Linski«, (zuvor im »Katerschmaus«) machten sich die Namensfindung leicht, die Lektüre eines Connie-Palmen-Buchs machte es dann komplett, und so wurde das Konzept, das Frühstück, Brunch, Bistro, Bar und Abendrestaurant unter ein Dach bringt, flott benamt. Und verbreitet, wie die Berliner Speise- und Getränkekarten-Titelbilder, einen Hauch 20er-Jahre. Wohlfühlen unter Rixdorfs Palmen weiterlesen

Kutscherbier und wilde Würste

Kultivierte Nachtkneipe am Westhang des Rollbergs: Das »BruchBerg«

Gepflegt trinken, diskutieren, rauchen zu angenehmer Musik in stilvollem Ambiente – so lassen sich schöne Abende verbringen. So etwa im »am Westhang des BruchBerg«, kurz »BruchBerg«. Am westlichen Rande des Rollbergs weht das Flair der 1920er-Jahre – durch grazile Lampen mit athletischen Damen, frivole Projektionen, ein Piano und dezente Patina. Dunkles Holz prägt die Einrichtung, ausgesuchte Musik, mal elektronisch, mal swingend, von den zwei Plattentellern, mitunter auch live, und angeregte Gespräche bestimmen das Klangbild.

KWAK trinken statt Quark reden.                                                                                                                Foto: hlb

Die Bar von André Schmermbeck (einst beliebter Gastgeber in der Kreuzberger »Minibar« und nach wie vor fürs »G wie Goulasch« am Chamissoplatz verantwortlich) ist seit gut sechs Jahren eine Institution im Schillerkiez. Hinter dem acht Meter langen Tresen serviert der überzeugte Wirt mit Dortmunder Wurzeln mit Kappe und Kippe Veltins vom Fass, gute Weine, feine Spirituosen und klassische Cocktails. Kutscherbier und wilde Würste weiterlesen

Zur rostig-neurustikalen Ecke

Gelungener Imagewandel – vom Puff zum Schweinebauch

Dieses Eckhaus nahe des Maybachufers hat von der Gründer-Destille über den »Pigalle«-Puff bis zu Bar, Disco und Burgerlokal schon manches beherbergt. Mit der dritten Filiale des eher glücklosen »Filetstück«-Dry-Aged-Steak-Restaurantkonzepts wurde es hier dann auch den probierfreudigen Kiezlern zu viel mit dem mitteartigen Trend- und Wer-die-neuen-Mieten-zahlen-kann-zahlt-auch-das-Gedöns.

RUST-STÄTTE mit Vergangenheit.                                                                                                               Foto: hlb

Dass der Koch wie auch der Restaurantleiter im nun steaklosen »rusty«, das schon vor Eröffnung an gleicher Stelle mit kiez­gerechterer Küche warb und heute noch »alles außer Lüster und Chi-Chi« verspricht, die gleichen blieben und eine Hängematte am Eingang etwas zu demonstrativ von neuer Lockerheit zeugen sollte, weckte Skepsis bis Häme. Unnötigerweise. Zur rostig-neurustikalen Ecke weiterlesen

Trattoria Bar »Bohemia«

Mondän-Traditionelles im Böhmischen Dorf

Schon fast mondän kommt das »Bohemia« am Böhmischen Platz daher. Imposante Säulen weisen dem Gast den Eingang zu dem luftigen Lokal.

Pizza, nicht nur für Bohemiens.                                                                                                                       Foto: fh

Im Moment des Betretens empfängt der Geschäftsführer Sinon Keskin seine Gäste. Das ist gut so, denn sofort fühlen sich die Angekommenen in guter Obhut. An dem Restaurant stimmt alles: Eine hohe Decke, eine peinlichst saubere Umgebung und eine gute Raumakustik schaffen das passende Ambiente für angenehme, ruhige Gespräche. Trattoria Bar »Bohemia« weiterlesen

Afrika auf der Zunge

Von Krokodilen und äthiopischem Grünkohl

Mama Afrika, Wiege der Menschheit, faszinierender, geschundener Kontinent. Und Heimat spannender Kochtraditionen. Das Rixdorfer »Pan Africa« steht seit zwei Jahren für vielfältige Spezialitäten aus allen Teilen Afrikas. Der rührig-lebensfrohe nigerianische Inhaber und Chefkoch Frank Anyangbe, 41, war mit seinem Lokal bereits in einem Restaurantwettbewerb im Privat-TV erfolgreich und betreibt schon seit 2011 einen beliebten Cateringbetrieb für afrikanische Leckereien.

PAN Africa – Munden unter Masken.                                                                                                         Foto: hlb

Die drei Gastbereiche des Lokals, der anregend grün gestrichene Eingangssalon, der sandfarbene Barraum und der erhöhte, für Veranstaltungen abtrennbare Bereich sind stimmungsvoll und authentisch dekoriert mit Stammesmasken, traditionellem Kunsthandwerk und – demnächst auch käuflich erwerbbaren – Patchworktapeten aus afrikanischen Kleidermustern. Afrika auf der Zunge weiterlesen

Über Ludwig, Maurus, Kunst & Wesen

Kiezkneipe der Möglichkeiten

Objekte, die mit der Komposition des Raumes spielen, zeitgenössische Malereien an der Wand, eine wunderbar eigene Eleganz, ein wahrscheinlich hundert Jahre alter Tresenschrank, der sich nicht mehr verrücken lässt und Maurus Knowles – das LUDWIG.

Maurus Knowles mit Schirm und Birne.                                                                                                       Foto:pr

Den Namen hat es vom alten Anzengruber, der hieß mit Vornamen so – »das ist Tradition und Veränderung«.
Maurus Knowles, der Besitzer, hatte nach 20 Jahren das Angestelltendasein satt, »da bleibt nichts anderes, als was Eigenes zu machen«, sagt er, und eröffnete mit seinem Partner das LUDWIG im Juni 2016. Über Ludwig, Maurus, Kunst & Wesen weiterlesen

Auf zarte Nachbarschaft

Neuer Bar-Treffpunkt am Maybachufer im Werden

Nachdem das Team von »Restlos glücklich« nach seinem notgedrungenen Wegzug aus der Kienitzer Straße zuletzt die ehemaligen Räume des »Hepcat’s Corner« am Maybachufer als Pop-up-Restaurant mit wochenendlichen Menus bespielte, wird’s hier nun salopp – und einen Hauch italienisch.

APÉRO tenero al canale.                                                                                                                                  Foto: hlb

Colazione, Brodo, Dolce und Apéro lautet das Angebot der Bar »Zart«. Will sagen: Frühstück – je ein kleines süßes oder herzhaftes –, Suppen – eine stärkende »Livesaferbrühe« und eine Tagessuppe –, Kuchen und schließlich noch gemüsige Snacks sollen das Kiezleben nähren und bereichern. Der Kaffee kommt von der Treptower Rösterei »Passenger Coffee«, einige wenige Weine, Budweiser vom Fass, Longdrinks oder natürlich Apérol Spritz sorgen bei Bedarf für herbstliche Beschwingtheit. Auf zarte Nachbarschaft weiterlesen

Herrn Lindemanns berauschende Heilkräutertinkturen

Originelle Cocktail-Kreationen am Richardplatz

Geschmackvoll eingerichtete Bars mit gut gemixten Drinks und einem aufmerksamen, unaufdringlichen Service sind nicht gerade das gastronomische Markenzeichen unseres mal geliebten, mal gehassten, ach so hippen Kiezes. Insofern zählt die Bar von Peter Edinger und seinem Team wohl eher zu den wohltuenden Ausnahmen des Neuköllner Nachtlebens. Den Futschi für einen Euro, wie in der Vorgänger-Kneipe »Hang Over«, gibt es bei »Herr Lindemann« allerdings nicht mehr.

Am Tresen ist ein Plätzchen frei.                                                                                                                     Foto: pr

Stattdessen findet der Gast bei der Durchsicht der liebevoll gestalteten und sehr informativen Getränkekarte neben bekannten Cocktail-Klassikern auch eine kleine, aber feine Auswahl an von Edinger selbst kreierten und mit selbst hergestellten Kräutertinkturen zubereiteten Cocktails auf Heilkräuter-Basis. Herrn Lindemanns berauschende Heilkräutertinkturen weiterlesen

Natürlich mit Liebe

Sommelier Pedro und Chef Yoav machen Weinbartraum wahr

»Es war Liebe auf den ersten Blick«, sagt – noch auf englisch – Pablo, der einst das Sommelierfach in seiner Heimat in Barcelona lernte, über den Moment, als er die seit Monaten leer stehende Weinbar (zuvor »W«) als Objekt seiner Traumverwirklichung entdeckte. Seit zwölf Jahren kennt er Berlin, arbeitete zuvor – nach vielen gastronomischen Stationen – zwei Jahre mit seinem kochenden Freund Yoav in Mitte, aber erst im Nordneuköllner Kiez fühlt er sich »wie zuhause«. (Nur) mit Yoav sollte es nun ein eigenes Lokal werden, das Liebe, Wein und einfach delikates Baressen verbindet.

ZWEI Naturelle servieren Natürliches.                                                                                                      Foto: hlb

So setzen die beiden freundlich aufmerksamen Männer die Tradition des Vorgängers »W« mit eigenem, einladenden Stil um, und die Nachbarschaft freut sich bereits über den neuen legeren Hangout.
Zu trinken gibt es Weine, die Pedro bei der Verkostung überrascht haben. »Die Berliner sind offener und experimentierfreudiger.« Je vier offene weiße und rote Weine (3 bis 5 EUR pro Glas) – dazu Rosé und »Bubbles« – aus Europa, gern auch mal aus Serbien oder Ungarn, unbedingt organisch und ökologisch einwandfrei bis hin zu Naturweinen, »Naturales« eben, stehen immer auf der Tafel. An der Flaschenkarte wird eifrig gearbeitet (also testgetrunken). Natürlich mit Liebe weiterlesen

Über den Wolken

Kollektiv für gemeinschaftliches Feiern

In einem lockeren Hemd und mit Sonnenbrille sitzt Antoine am Kanal und nippt an seinem Bier. Es ist Freitag, früher Abend, und wer die Freiheit hat, genießt die Sonne. Sieben Jahre lang hat es Antoine deswegen immer wieder nach Berlin gezogen, wegen des Gefühls von Freiheit, das er in der Stadt spürt. In Neukölln ist der gebürtige Pariser schließlich geblieben.

Traumräume.                                                                                                                                                         Foto: pm

Wie er sind viele Franzosen nach Berlin gekommen, aber die große Welle sei vorbei, meint Antoine. Vielen geht es ums Feiern in den Berliner Clubs, und darum geht es auch Antoine, nur anders. Mit Freunden, die von überall aus der Welt nach Berlin gekommen sind, hat er das Kollektiv »Octavibes« gegründet, das, was Feiern angeht, einer Vision folgt: Sie wollen die sonntägliche Afterparty etablieren, die sie aus Paris oder Rom kennen und die in Berlin wegen nie endender Clubnächte meistens wegfällt. »Uns hat einfach die Gemütlichkeit und das Beisammensein der Afterpartys gefehlt«, sagt der 24-Jährige. Über den Wolken weiterlesen

A-Hörnchen & B-Hörnchen

Café, Cocktails und Carpaccio zwischen Heide und Schillerkiez

Wer A sagt, muss auch B sagen. Neben dem beliebten, nach seinem Vater »A.HORN« benannten Café an der Kreuzberger Admiralsbrücke betreiben Ludwig Horn und sein junges motiviertes Team, das über die Jahre zu einer richtigen kleinen Familie geworden ist, nun als kleine Gastroschwester das »B.HORN« an der Fontanestraße, wo Hasenheide und Columbia­damm beginnen.

NACH dem A. ins »B.HORN«.                                                                                                                         Foto: hlb

Der erste Eindruck gibt sich punkig, mit dem großen, wie aus Klebeband improvisierten »B.HORN«-Logo über der Tür und der graffitireichen Fassade. Das Innendesign des Lokals ist jedoch ebenso gemütlich wie cool. Der lässige Stil passt zur freundlichen und kreativen Atmosphäre. Zur Eröffnungsparty Anfang Juni durften die Außenbänke sogar von Freunden, Kindern und sonstigen Künstlern nach Gusto bemalt werden – und dürfen es immer noch, wenn sich eine Idee und das Plätzchen dafür finden. A-Hörnchen & B-Hörnchen weiterlesen

Sonnengelb und stark wie Popeye

Französisches Café »Mimosa« in der Richardstraße

Popeye, der starke Seemann mit der Pfeife, braucht nur eine Dose Spinat zu leeren, um problemlos alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Im echten Leben ist das nicht so leicht, aber Marie, die aus dem Pariser Umland kommt, hat es trotz Widrigkeiten geschafft, sich ihren Traum vom eigenen Café zu erfüllen. Sie lebt seit fünf Jahren in Berlin, und als sie im Januar in ihrem Job als Sous-Chefin plötzlich gekündigt wurde, sagte sie sich: »Es reicht!«

Marie vor ihrem Bébé.                                                                                                                                           Foto: jt

Seit zwei Monaten backt und kocht die in allen Bereichen der Gastronomie professionell ausgebildete Französin nun schon in der Richardstraße. Benannt ist ihr Café nach Pop­eyes Sohn, der auf französisch »Mimosa« heißt, und nach der empfindsamen Pflanze, die mit ihrem leuchtenden Gelb die Landschaft rund ums südfranzösische St. Tropez erstrahlen lässt. Dieses Gelb verleiht dem Inneren des Cafés auch die Gemütlichkeit, die Marie sich wünscht. Die Leute sollen sich hier wohlfühlen, wenn sie typisch französische Gerichte wie Croque Monsieur oder Quiche genießen. Sonnengelb und stark wie Popeye weiterlesen

Die neue Weltküche ist am Maybachufer vor Anker gegangen

Von Rom nach Tokio in zwei Minuten

Nachdem wenige Meter entfernt die Songwriterbühne der »Ofen Bar« leider vor geräuschüberempfindlichen Nachbarn kapitulieren und das preismutige Edelsteakkonzept des »Filetstück Pigalle« irgendwie erwartet am Kiez scheitern musste (für August wird anwohnertypischere Küche versprochen), tut sich direkt am Maybach­ufer auch ganz schön was: Tags behaupten sich auf der Marktmeile dank Weltpublikum kreative vegane Donuts von »Brammibal’s« neben korrekten Burgern und anderen Veganküchen­snacks im Café »rily«. An der Ecke Hobrechtstraße übernimmt bald der Restlebensmittelverwertungsvorreiter »Restlos glücklich« aus der Kienitzer das »Hepcat’s Corner« und das »Café Jacques« und die »Bread Station« sind längst Klassiker.

Mördermäßig beleuchtete Pizza.                                                                                                                  Foto: hlb

Ex-«Eckbert«-Kenner werden sich über das durch viele Spiegel und buntes Bauklötzchendesign etwas eisdielige Interieur des originellen Focaccia- und Pastalokals »Ammazza che pizza« (mördermäßige Pizza) von Davide und Jeanette Gravina wundern. Die neue Weltküche ist am Maybachufer vor Anker gegangen weiterlesen

»neulich« im Brauhaus

Im Schillerkiez braut sich was zusammen

Wer liebt es nicht: das Glas Bier nach getaner Arbeit oder nach einem Ausflug. Die Gelegenheit dazu hat der abgekämpfte erholungsbedürftige Tempelhofer Feldbesucher im Brauhaus »neulich«. Unweit des Feldes in der Lichtenrader Straße, Ecke Selchower Straße ist seit April von Lina Thiele, Steffen Brückner, Michael Lipp, Julius Hausl und Hendrik Fritze das kleine Brauhaus eröffnet.


Michael Lipp hat lange Zeit im Einzelhandel gearbeitet, war dessen überdrüssig und wollte seinem Leben eine neue Farbe geben. Zusammen mit dem Brauer Steffen Brückner war schnell die Idee geboren, sich dem Bier zu widmen. Brückner hat Chemie studiert und erlernte mehr durch Zufall die Kunst des Brauens, ist seither infiziert und mit ganzem Herzen bei der Arbeit. »neulich« im Brauhaus weiterlesen

Café BONA- Ein kreatives Kollektiv

Italienisch – polnische Mischung

Genau gegenüber dem »Zauberkönig« befindet sich bereits seit einigen Monaten auf der lauten und hektischen Hermannstraße eine kleine Wohlfühloase, die sich wohltuend von den sie umrahmenden Geschäften, Waschsalons und Spätis abhebt.

Limonade fürs Volk.                                                                                                                                                                    Foto: mr

Dem Gast, der das Café zum ersten Mal betritt, fällt sofort an der rechten Wand – während seine Ohren von sanften elektronischen Klängen umschmeichelt werden – der altdeutsche Schriftzug in roter Farbe »Das Volk« und darunter in schwarzen Großbuchstaben »TAGESZEITUNG DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS« auf. Matteo, einer der vier Café-Kollektivisten, erzählt, dass der Schriftzug bei der Renovierung zum Vorschein kam und sie daraufhin beschlossen, die Wand so zu belassen, nicht nur, weil sie es originell fanden, sondern auch, weil es ein Zeitdokument darstelle. Café BONA- Ein kreatives Kollektiv weiterlesen

Des »König Ottos« Biergarten

Feierliche Eröffnung auf dem »KINDL«-Gelände

Hoch das Bier.                                                                                                                                  Foto: Nikoletta Bousdoukou

Ein gutes halbes Jahr betreibt nun Nikoletta Bousdoukou mit ihrem Team das griechische Kafenion »König Otto« im »KINDL–Zentrum für zeitgenössische Kunst«. Sie ist mit der Entwicklung zufrieden: »Wir sind erstaunlich gut durch die Wintermonate gekommen. Der Mittagstisch wurde von den Menschen, die hier in der Nachbarschaft arbeiten, positiv angenommen, und für unser Angebot mit selbstgebackenen Kuchen gibt es bereits eine regelrechte Fangemeinde«, erzählt sie bei einem Stück Karottenkuchen zu griechischem Bergtee. »Nur bei schönem Wetter hatten wir einige weniger gute Tage«, fügt sie dann noch hinzu, »aber das ist ja jetzt hoffentlich auch vorbei.« Denn endlich sind die Bauzäune vor dem »König Otto« weggeräumt worden und geben den Blick auf den Biergarten frei, der von der Architektin und Miteigentümerin des »KINDL«, Salome Grisard mit einer langen Schräge aus Beton vom Fußweg abgetrennt wurde. Des »König Ottos« Biergarten weiterlesen

Aus Zucker wird »Hom«

Café am Wildenbruchpark mit neuem Konzept

Ohne dass sie sich kannten, hatten die Engländerin Sarah Playfair und die Österreicherin Hana Hariri beide den Traum, ein eigenes Café zu führen. Sarah studierte Politikwissenschaften in England und Kanada, Hana Design und Produktmanagement in Salzburg. Als die beiden nach Berlin kamen, arbeiteten sie zunächst in einem Cupcake-Laden in Friedrichshain. Hana buk die Kuchen, Sarah dekorierte sie.
Durch die Arbeit lernten sie sich näher kennen und sprachen über ihre Vorstellungen von einem eigenen Café.
Fündig wurden sie am Neuköllner Wildenbruchplatz. Im Mai übernahmen sie die »Madame Zucker«, renovierten sie und luden Freunde, Bekannte und Nachbarn aus dem Kiez zur Eröffnungsparty am 3. Juni ein. »Madame Zucker« wurde umgetauft in »Hom«, eine Anspielung auf das lautmalerische Goutieren guter Speisen, aber auch auf »Home«. Aus Zucker wird »Hom« weiterlesen

Vom Underdog zum Überflieger

Der Neuköllner Hausklub »Griessmühle« feiert seinen sechsten Geburtstag

Mit einem Biertisch, zwei Plattentellern und ein paar mittelmäßigen Boxen hat alles angefangen, im Garten der Sonnenallee 221. Sechs Jahre später ist die »Griessmühle« ein ausgewachsener Nachtklub mit einem Booking, das mit dem Niveau von legendären Läden wie »Tresor« oder »Berghain« locker mithalten kann.

Mucke, Gries und Futter.                                                                                                                                                          Foto: pr

Dadurch hat sich natürlich einiges verändert. Jedes Wochenende warten nun Menschen bis zu 30 Minuten in der Schlange vor dem Bretterverschlag, der die Grenze zwischen »draußen« und »drinnen« markiert. Das Publikum ist deutlich internationaler geworden, an der Tür muss jetzt selektiert werden. »Wir haben aber keine Attitude, wie die Leute aussehen müssen«, betont Geschäftsführer David »wer aber aggressiv ist oder schaut wie eine Eule, hat schlechte Chancen«. Vom Underdog zum Überflieger weiterlesen

Mousse au Blabla

Deutsch-französisches Sprachcafé »Plume« in der Warthestraße

Charlotte bezeichnet sich selbst als Neuberlinerin, obwohl sie schon seit 2007 in der Stadt wohnt. Eigentlich ist sie, genau wie »Café Plume«, deutsch-französisch durch und durch, denn nach ihrem Abitur ging sie für 26 Jahre nach Südfrankreich und Paris. Dort studierte sie Kulturmanagement und wurde später Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache in Schulen und in der Erwachsenenbildung.

Boulevard de la Warthé mit Spraché und Café.                                                                                                       Foto: pr

Diese Fähigkeiten machen das »Plume« (deutsch: »Feder«) zu dem was es ist: Ein Sprachcafé, in dem professionelle Deutsch- und Französischkurse stattfinden und reger Austausch zwischen den Kulturen der beiden Länder herrscht. Bei den Kursen legt Charlotte wert darauf, dass die Teilnehmer, egal ob nun zehn oder 66 Jahre alt, wirklich sprechen lernen. »Ver­glichen mit der Menschheitsgeschichte schreiben wir noch nicht lange und auch bei Kindern kommt das Sprechen vor dem Schreiben«, erklärt die Sprachlehrerin ihr Konzept. Mousse au Blabla weiterlesen

Von den Alpengipfeln ins Sonnental

Verfeinerte Bergküche vom Oberbacher Alois seim Enkel

Erst in der Elisabeth­kirch-, dann in der Torstraße in Mitte ansässig, ist der dritte Anlauf des alpenländischen Restaurants »Alois Oberbacher« im März nun in den renovierten Räumen von »Pape’s Gasthaus« gestartet. Ein mutiger Schritt, ist das »O³« für die Gegend doch eher gediegen modern bis anspruchsvoll und weder hip noch ganz günstig.

Von der Alm auf den Teller.                                                                                                                                                Foto: hlb

Alois Oberbacher gab es tatsächlich: Vor rund 100 Jahren war er Senner in den Alpen. Sein Enkel Erwin Leitner ist der leidenschaftliche Koch, der Opas schlichte Rezepte ins Heute weiterentwickelt und verfeinert. Er freut sich schon, das wurmstichige, Jahrhunderte alte Holz aus Opas Almhütte in das hintere Gastzimmer des Lokals einzubauen und so eine weitere Verbindung zum inspirierenden Ahn zu schaffen.
Leitner liebt – neben seinem privaten Refugium in der ostitalienischen Adriaregion Marche – seine Produkte und Zutaten, die er direkt von seit Jahren bewährten Produzenten bezieht, ob aus Berlin, vom Bodensee oder natürlich aus Bayern. »Vom Berg ins Tal« (beziehungsweise in die Sonnenallee), so verstehen Leitner und sein Geschäftsführer Roy Müller ihr Konzept. Ein von Leitner an der Isar ge- und für besonders schön befundenes Schwemmholzstück, in dessen uriger Form er einen ganz besonderen Baumkuchen herstellen möchte, versinnbildlicht sein Credo »Alles Gute kommt von oben«. Von den Alpengipfeln ins Sonnental weiterlesen

Selig werden nach eigener Façon

Café »Selig« öffnet wieder seine Türen — mit neuen Ideen

Das Nebengebäude der Genezarethkirche am Herrfurthplatz hat schon einige Gastronomiebetriebe beherbergt, alle hießen sie »Selig«. Der Name ist im Pachtvertrag vorgeschrieben, also hatte auch Christian Birkelbach keine Wahl, als er die Zusage bekam, das Lokal übernehmen zu können. Nach anfänglicher Skepsis findet er den Namen mittlerweile »super«, wie er selbst sagt, als er inmitten der Werkstatt steht, die das zukünftige Restaurant mit Café, Bar und Eisdiele momentan noch ist. Bis zur Eröffnungsfeier am 12. Mai mit Grillen und Bier-Truck ist noch einiges zu tun, aber es ist gut zu schaffen.

Pfarrerin Radziwill und der neue Wirt.                                                                                                                            Foto: jt

Der neue Chef ist gebürtiger Kölner und seit 20 Jahren in der Gastronomie tätig, mal als Koch, mal als Restaurantleiter. Erfahrung, die er mit Sicherheit brauchen wird, um einen Laden in der Größe des »Selig« zum Laufen zu bringen. Selig werden nach eigener Façon weiterlesen

Punkten im »Dots«

Karte trifft den Großstadtnerv

»Good Coffee, Good Food – Fresh and Organic« – es wird (natürlich) englisch gesprochen und organisch konsumiert im ungebrochen hippen Weserstraßenkiez. So auch im Café »dots«, das so sein Geschäftskonzept beschreibt und seine Gastroprodukte weitestgehend regional und fair gehandelt und aus ökologischem, nachhaltigem Anbau bezieht.

Für moderne Leute von heute.                                                                                                                                         Foto: hlb.

Das Ambiente des Cafés ist nordisch leger und urban – schwarz-weiß-Kontraste, nacktes Mauerwerk und Stuck, Kohlefadenlampen, Holzmobiliar und Kakteen auf den Tischchen. Es gibt reichlich Lesestoff, etwas Kunst, und da der WiFi-Spot wieder abgeschafft wurde, ist der Laptopfaktor nur mittelhoch. Die eher jungen Gäste plaudern und geben sich der freundlich entspannten Stimmung hin. Punkten im »Dots« weiterlesen

Eisbein auf dem Canapé

Thorsten Pannek macht Alt-Berliner Küchenklassiker zu Trendsnacks

Dem gebürtigen Berliner und Ex-Barkeeper Thorsten Pannek liegt unsere Heimat-Küche am Herzen. Inspiriert durch eine Streetfood-Sendung im TV und einige Asienreisen fragte er sich, warum es hier kaum innovatives regionales Straßenessen abseits der Currywurst gibt. So studierte er alte Berliner Kochbücher und gründete sein eigenes Cateringunternehmen, um die ollen Gerichte als trendige Snacks neu zu interpretieren.

Eisbeinwagen? Eisbein wagen!                                                                                                                                         Foto: hlb

Unter der Marke »Pannek seine Budike« serviert er Eisbein, Buletten, Blutwurst, Kasseler, Falschen Hasen (Hackbraten) oder Königsberger Klopse, aber in Form von belegten Brötchen (neudeutsch Sandwiches), Canapés und Schnittchen. Dazu gibt’s Suppen wie eine Rixdorfer Kartoffelsuppe mit Karotten, Knollensellerie, Porree und Bockwursteinlage, eine Holzhackersuppe mit Graupen und Rinderbrust als Einlage oder Kasseler Eintopf. Ein paar vegetarische und vegane Varianten mit Kartoffelsalat und getrockneten Tomaten, Harzer Käse mit selbstgemachtem Zwiebel-Pflaumen-Senf-Chutney oder Spreewälder Gurken mit Dillfrischkäse sind ebenfalls im Verpflegungsangebot. Eisbein auf dem Canapé weiterlesen

Per Feuermelder in die Kabine

Im »Kauz und Kiebitz« versteckt sich nun auch eine Speakeasy-Bar

Vogelhochzeit wird jeden Abend im Reuterkiez bei handgemachten Bieren, Longdrinks oder jeder Menge feinster Schnäpse gefeiert. Das »Kauz und Kiebitz« hat sich in anderthalb Jahren als gute Ausgehadresse etabliert. Sven Breitenberg heißt der engagierte junge Wirt. Er arbeitete hier am Ende der Lenaustraße bereits in den »Kiebitz«-Vorgängerlokalen »16 Doors« und »Heinz Schüftan«. Jetzt ist er sein eigener Chef und seinem Ziel, eine perfekte, zeitgenössische Kiezkneipe mit qualitativ hochwertigem Angebot zu führen, schon ganz schön nah gekommen. Mit seiner vielseitigen, kenntnisreich kuratierten Getränkekarte lässt er keine Wünsche offen. Mehrere Zapfhähne bringen Hauspils, Craft- und Gastbiere hervor; Gin Tonics, Sekt oder Cidre zeugen von der Sorgfalt der Auswahl.

Tor zum Trunk.                                                                                                                                                                               Foto: hlb

Die begleitende Barfoodkarte konzentriert sich mit Craft Beer-Buletten (leider nur donnerstags bis samstags in Begleitung von in Tonic mariniertem Gurkensalat) oder Brezeln mit Landrahm aufs gute Wesentliche. Jeden Dienstag macht die Küche Platz für ambitionierte Street-Food-Projekte mit ihren Leckereien aus allen Ecken der Welt, von Tacos, Raclette, Rindfleisch- oder veganem Curry bis zu Fish & Chips. Per Feuermelder in die Kabine weiterlesen