Archiv der Kategorie: Kunst

Loriot mit Niki de Saint Phalle?

Neue Ausstellung von Wolfgang Schnell

Warum nicht, wenn Wolfgang Schnell die beiden Figuren im Hof der romanischen Kirche von Drübeck in Sachsen-Anhalt zusammen spielen lässt?
Ein Beispiel für seine neuen Fotofantasien, die ab 24. November bei Mario Landsmann in der Kultur-Lounge am Herrfurthplatz 11 zu sehen sind. Diesmal sämtlich in schwarzweißen digitalen Fotomontagen, die uns von Drübeck über Heringsdorf, Stockholm, ’s-Hertogenbosch, Meißen, Wien und Goslar bis nach Alberobello und Bari in Apulien führen und den markanten dortigen Gebäuden oder Plätzen Menschen und Dinge hinzufügen, die aus dem oft schönen Urlaubsbild etwas ganz anderes werden lassen. Loriot mit Niki de Saint Phalle? weiterlesen

Postsparbuch für Lebensfreude

»Museum für Werte« versucht Abstraktes konkret zu machen

Irgendwo zwischen Leitkultur-Debatte und »wie viel kostet der Döner?« fragen wir uns alle mal: »Was sind eigentlich Werte?« Ein junges Team aus Studenten und Künstlern wollte sich diesem abstrakten, ausgehöhlten Begriff einmal ganz gegenständlich nähern. Im »Museum für Werte« stellten sie im Oktober für fünf Tage Gegenstände aus, die jeweils einen von drei Werten darstellen sollten.

Werte im Wertemuseum .                                                                                                                                    Foto: jt

Zu sehen war dann etwa ein Perlenohrring für Respekt, ein Stofffisch für Freundschaft oder ein Postsparbuch für Lebensfreude. Postsparbuch für Lebensfreude weiterlesen

Stillevens bei »Schiller’s«

Ein Maler packt aus: Bildhörspiele chillen an den Wänden

Wenn das politische Berlin Rastalocken flicht, wenn in den Raucherkneipen der Hauptstadt der Grog aus Jamaika-Rum zum Aschenbecher gereicht wird, und wenn Normalsterbliche im mecklenburgischen Dorf Rechlin-Nord noch einen Platz suchen, überm Zaun zu hängen, dann hängt der Rechliner Maler Michael Ihrke unweit seiner Berliner Dependance im »Schiller’s« ab. Die Ernte des Jahres ist eingebracht.

LEBENSKÜNSTLER Michael Ihrke (77) stellt aus im Schillerkiez. 20 Stilleben und im Original die Mühle für den »Kaffee danach«. Bilderlesung mit Musik vom Gassenhauser Detlef Nell am 18.11.2017 im »Schiller’s«, Schillerpromenade 26.                                                                            Foto: mg

Heute hängt er auf. Zurück aus seiner Gartenlaube an der Müritz – »Studio 3« steht dort am Modderweg auf einem efeuumrankten Keramikschild – hat er sich mit seinen Freunden Jürgen und Michael verabredet, das Licht für seine Vernissage am 18. November zu installieren. »Nee, Vernissage is mir zu fett«, nimmt er sich zurück, während wir den Flyer für die Ausstellung besprechen. »Nennen wir es ›Bilderlesung‹«, korrigiert er beim Absetzen seines Glases. »Oder ›das Bild im Wort‹!«, bemüht sich Jürgen um Originalität. Nach dem Grog sind sie sich einig: »Stillevens VANITAS – Bilder einer Ausstellung«. Das schlittert scheppernd wie Mussorgsky auf nederlands grachtenijs in um uns aufgerissene Ohren. Stillevens bei »Schiller’s« weiterlesen

Gott und die Zeit

Herr Arndt und die Liebe zum Comiczeichnen

Aike Arndt sitzt am liebsten in einem Cafe oder einer Kneipe und zeichnet Storyboards für seine Comics. Er möchte nicht die Menschen oder das Geschehen dort zeichnen, vielmehr mag er die in der Öffentlichkeit belebte Atmosphäre, das Angebundensein ans Leben und doch Ruhe und Raum für sich zu haben. Aike studierte in Münster Illustration, machte 2007 sein Diplom und lebt seit 2010 in Neukölln.
Eines seiner zentralen Themen ist die Zeit. So auch schon in seinem Diplomfilm »STYX«. Der schwarz-weiß gezeichnete Animationsfilm erzählt liebevoll und humoristisch die Überfahrt ins Reich der Toten. In der griechischen Sage ist der Fluß Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Hades, der Unterwelt. Um auf die andere Seite zu gelangen, muss der Fährmann Charon bezahlt werden.

Aike macht Live-Zeichnen auf Hochzeiten, Konferenzen und Betriebsfeiern und zeichnet ab und zu auch für Magazine.
Er gibt auf Anfrage auch Comic-Workshops für alle möglichen Gruppen, seien es Firmen oder Schulklassen. Hauptsächlich allerdings interessiert ihn das narrative Kontinuum des Comics, das Erzählen in mehreren Bildern. Gott und die Zeit weiterlesen

»Anwohnerklopfen«

Isabelle Stamm im Gespräch mit dem Bildhauer Axel Peters

Der Neuköllner Künstler Axel Peters arbeitete vom 17. Juli bis 11. August auf der Terrasse der Galerie im Körnerpark. Die Parkbesucher hatten die Gelegenheit, Zeugen seines künstlerischen Arbeitsprozesses zu werden.
Die Aktion wurde mit Mitteln des Fachbereichs Kultur des Bezirksamts Neukölln unterstützt.

Der Körnerpark wird zur öffentlichen Werksatt                                                                         .Foto: Klenner

Wie haben die Besucher auf Sie und den Steinblock, der sich durch Ihre Hände zum Kunstwerk transformierte, reagiert?
Die Besucher waren sehr interessiert und kommunikativ, mich hat das große Redebedürfnis der Anwohner erstaunt. Wir führten nicht nur Gespräche über die Arbeit des Bildhauers, sondern auch über Gott und die Welt. Alle Bevölkerungsschichten fühlten sich angesprochen Kollegen, Laien, Anwohner, Obdachlose, Kinder. »Anwohnerklopfen« weiterlesen

Spuren und Spiralen

Faszinierende Arbeiten im KINDL

Den aktuellen Arbeiten ist ein großes Publikum zu wünschen, denn beide Ausstellungen sind, so unterschiedlich ihr künstlerischer Ansatz auch ist, absolut sehenswert.

Silo der Stille .                                                                                                                                                           Foto: pr

Die neuesten Werke der Berliner Bildhauerin Asta Gröting, die in der untersten Etage des Maschinenhauses unter dem Titel »Berlin Fassaden« gezeigt werden, sind Silikonabgüsse von Mauerstücken, die noch die Wunden des Zweiten Weltkriegs in Form von Einschusslöchern in sich tragen. Das Silikon lässt jede noch so kleine Unebenheit an den Fassaden sichtbar werden. Durch die starke Haftung werden Jahrzehnte alter Staub, Dreck, kleine Mauerstücke, selbst Graffities auf die Abdrücke mit aufgenommen, die so wie bemalt wirken. Die Einschusslöcher treten als Narben der Geschichte auf den Negativabdrücken hervor. Spuren und Spiralen weiterlesen

Wo Banker kunstvoll weinen

Leuchtende Kunst von der Rolle

Fluoreszierende Zuckerwürfel in dunklen Kellern, weinende Banker, Werbeplakatübermalungen, Kunst von der Rolle – die Arbeiten von Friederike Hammann sind in keinen Stil zu pressen, sondern belebt von sehr unterschiedlichen Materialien, sie spielen aber fast immer mit der Wahrnehmung des Betrachters.

Hammann.Foto:                                                                                                                                    Afonso Azevedo

Die Künstlerin ist am Niederrhein aufgewachsen und lebt seit 1992 in Neukölln. Sie hat Kunst an der UdK studiert und zeichnet und malt, seit sie einen Stift halten kann. Sie erzählt, dass es ganz klassisch dazu kam: Sie lag als Kind krank im Bett und fing an zu zeichnen. Ihre Mutter sorgte in den folgenden Jahren immer für genug Papier und Stifte im Haus. Wo Banker kunstvoll weinen weiterlesen

Ukraine unter Druck

Bilder zwischen Tradition und moderner Krise

Es sind alte Menschen, derer sich Kristina Yarosh und Anna Khodkova in ihrer Ausstellung »Old Heroes« angenommen haben. In der aktuellen Ausstellung im »WerkStadt Kulturverein Berlin e. V.« zeigen sie großformatige Drucke, denen als Klischees dicker Karton diente.

Anna zwischen Kuh und Hase.                                                                                                                          Foto: jr

Kristina Yarush zeigt Straßenmusiker in Kiew, setzt sie vor einen farbigen Hintergrund aus traditionellen Teppichen. Anna Khodkova lässt ihren alten Großmüttern viel Raum, reduziert auf Kopf, Hände, Füße und einem Tier auf dem Schoß – der Körper und die Umgebung gehen in tiefem Schwarz auf. Die Werke strahlen Ruhe aus, eröffnen jedoch gleichzeitig den Diskurs über die politische Situation in der Ukraine. Ukraine unter Druck weiterlesen

Verdrehte Wahrheiten

Ausstellung in der Christophoruskirche

»Wahrheit ist ein spannendes Thema«, sagte Pater Kalle Lenz bei der Eröffnung der neuesten Ausstellung mit dem Titel »Wahrheiten« in der Christophoruskirche am 4. Juli. »Unsere Erkenntnis ist nur Stückwerk«, das sage bereits die Bibel. Um wie viel mehr treffe das heute zu bei der Informationsflut, die täglich über die Menschen hereinbreche. Was davon aber ist wahr und was sind sogenannte »Fake News«?

Wahrheit.                                                                                                                                                                 Foto: mr

Die riesigen in rot und blau gehaltenen Farbflächen, die der Künstler Lars Breuer auf die Wände der Seitenschiffe gemalt hat und die von den Wandvorsprüngen immer wieder geteilt werden, entpuppen sich erst bei näherem Hinsehen als Buchstaben, die sich zu dem Wort »Wahrheit« zusammenfügen. Horizontal und vertikal gespiegelt, stehen sich die Buchstaben der beiden »Wahrheiten« an jeder Wand genau gegenüber und werden so zu einer »verdrehten Wahrheit«.

mr
Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. September. Öffnungszeiten im August nach Vereinbarung, im September:
Do 16 – 19, Fr 19 – 22,
Sa 16 – 18, So 11 – 17 Uhr Tel. 030 6273069 210. St. Christphoruskirche, Nansenstr. 4

Traumschatullen

Alice Baillaud »en passant« in der Galerie im Saalbau

Die U8 ist mal nicht Drogenumschlagplatz sondern Inspirationsquelle für Kunst. Die flüchtigen Begegnungen im Vorübergehen, anonym und zufällig, im nächsten Augenblick bereits wieder vergessen, haben die in Frankreich geborene Künstlerin Alice Baillaud zu ihren zauberhaft poetischen Kunstwerken inspiriert. »En Passant« heißt daher auch ihre Ausstellung, die noch bis zum 27. August in der Galerie im Saalbau zu sehen ist.

»ein Garten für meine Großmütter«.                                                                                                                              Foto: mr

Die Passanten auf ihren Monotypien erscheinen mal als deutliche Silhouetten, mal als sich auflösende Schatten, verblassende Erinnerungen, verschwindende Eindrücke. Die »Passante«, die sich zwischen den Figuren bewegt, ist die schwangere Künstlerin. Traumschatullen weiterlesen

Auseinandersetzung mit der Religion

Schulklassen gestalten spannende Ausstellung

500 Jahre ist es her als Martin Luther seine Thesen in Wittenberg veröffentlichte und damit einen Prozess auslöste, der das Glaubensleben in ganz Europa umgekrempelte.
Das Museum Neukölln hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, gemeinsam mit acht Neuköllner Schulklassen den religiösen Alltag im Bezirk zu erforschen. Herausgekommen ist eine sehenswerte Ausstellung, die interessante Einblicke in die großen Weltreligionen gibt.
Jede Schule gestaltete eine Vitrine, in der Symbole oder auch selbst gestaltete Objekte ausgestellt werden, die Bezug nehmen auf die Religion, mit der sich die Schüler beschäftigten.

religion auf schnellem Fuße.                                                                                                                                                Foto: mr

Im Unterricht entwickelten sie dazu Fragen, die sie Repräsentanten der jeweiligen Religion, Kulturwissenschaftlern und praktizierenden Laien stellten. Die dabei entstandenen Videos werden ebenfalls in der Ausstellung präsentiert. Auseinandersetzung mit der Religion weiterlesen

Kunterbunt gegen Alltagsgrau

Hundertwassers »Farbenspiele« im Schloss Britz

Er war einer der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Friedrich Stowasser, (1928-2000) besser bekannt als Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser, war Maler, Architekt, Philosoph und Umweltschützer, der sich aktiv für den Schutz natürlicher Lebensräume einsetzte. Schloss Britz zeigt in Kooperation mit der »Galerie Saal« bis zum 23. Juli einen Querschnitt durch das grafische Werk des Wiener Künstlers.

Friedensreiches Porträt.                                                                                                                                                         Foto: mr

Hundertwassers Markenzeichen sind die Spirale, die er dem Diktat der geraden Linie der Moderne entgegensetzt und die kräftigen Farben, die die Bilder zum Leuchten bringen. So wirken die kunterbunten Bilder wie ein Gegenentwurf zum Grau des Alltags. Kunterbunt gegen Alltagsgrau weiterlesen

»Das Maß der Dinge«

Ingo Gerken und Florian Neufeldt im Saalbau

Der Aufstieg.                                           Foto: mr

Die Galerie im Saalbau bietet derzeit einen etwas ungewöhnlichen Anblick. Ein Teil der Wandpaneele ist abgenommen und an anderer Stelle wieder zusammenmontiert worden, so dass teilweise die rohen Wände mit Bohrlöchern und Dübeln zu sehen sind.
Das ist das Werk der Künstler Ingo Gerken und Florian Neufeldt, die den Raum selbst als Grundlage für ihre künstlerische Arbeit betrachten. »Sie haben den Raum in die Hand genommen«, beschreibt es Kuratorin Dorothee Bienert. Beide Künstler bedienen sich dabei alltäglicher Dinge, die in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden. »Das Maß der Dinge« weiterlesen

Michael Tilgen

Nachruf auf einen Neuköllner Künstler

Foto: HD Seibt

Michael Tilgen war ein umtriebiger Künstler, der nicht nur Kontakt zu anderen Malern pflegte, sondern auch gerne mit Musikern, Schriftstellern und Schauspielern verkehrte. Das war auch der Impuls für die Gründung seiner »Artgarage«, einer zum Kunstraum umgebauten Garage in der Karl-Marx-Straße, in der einmal jährlich Konzerte, Lesungen und Performances stattfanden.
Leider wird es die »Artgarage« dieses Jahr nicht mehr geben. Am 22. März ist Michael Tilgen im Neuköllner Ricam Hospiz verstorben. Michael Tilgen weiterlesen

Zeitgenössische Avantgarde auf dem Rollberg

Spannendes Ausstellungsprogramm im »KINDL-Zentrum«

Mit dem Vortrag »Vom Risiko der Verknappung« des Kunstkritikers und Kurators Hans-Jürgen Hafner, der sich durchaus geistreich, manchmal aber auch etwas schwer nachvollziehbar um die Begriffe »Malerei«, »Kunst« und »Bild« und deren Verhältnis zueinander drehte, endeten die ersten beiden großen Ausstellungen im Maschinenhaus des »KINDL«.

Ausdauerndes Publikum – interessiert an Verknappung                                                                                 .Foto: rb

Beide Ausstellungen, sowohl die große Einzelausstellung »Inhalt« von Eberhard Havekost in den oberen beiden Räumen M1 und M2, als auch die Gruppenausstellung »How long is now« im unteren Raum M0 zeigten, dass der Umbau der Räume gelungen ist und die Räumlichkeiten für ihre Zwecke sehr gut funktionieren. Zeitgenössische Avantgarde auf dem Rollberg weiterlesen

»Flucht nach vorn«

Ausstellung zeigt Erfolgsgeschichten

»Flüchtling zu sein ist eine Situation, die hoffentlich ein gutes Ende nimmt. Niemals ist es ein Titel oder eine Bezeichnung für eine Person«, zitiert Hervé Tcheumeleu in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung von »Flucht nach vorn« Ehrenamtskoordinator Mboya Ochieng aus Eberswalde. Tcheumeleu und Ochieng sind beide Vorbilder – für Migranten und Migrantinnen genauso wie für Menschen, die ihr Heimatland nie verlassen haben. Beide mussten auf ihrem Weg schwere Hürden nehmen, mehr opfern als andere, die das Glück einer leichteren Ausgangssituation hatten. Trotzdem haben sie es geschafft, haben studiert und helfen nun mit ihrer Arbeit anderen dabei, ihren Weg zu finden.

Porträts der Hoffnungen.                                                                                                                                                         Foto: pr

In dieser Ausstellung erzählt das »Afrika Medien Zentrum« viele solcher Erfolgsgeschichten. Die Portraits der unterschiedlichen Menschen lenken den Blick auf das Positive, auf das, was Hoffnung gibt und nicht auf die natürlich oft sehr beschwerlichen und grausamen Fluchterfahrungen. »Flucht nach vorn« weiterlesen

Draußen trist – drinnen bunt

Galerie im Körnerpark lädt zum »Lustwandeln«

Arabeske.                                                                                                                                                                                           Foto: mr

Draußen ist es eher trist und grau. In der Galerie im Körnerpark dagegen explodieren die Farben. Sattes Gelb, leuchtendes Rot oder knalliges Pink springen den Besucher geradezu an. Draußen trist – drinnen bunt weiterlesen

Architektur aus neuer Sicht

»Exterieur« im »Kunstverein Neukölln«

Einsichten, Aufsichten, Ansichten sind Thema der neuen Ausstellung »Exterieur« im »Kunstverein Neukölln«. Drei Künstler nähern sich hier auf verschiedene Weise der äußeren Erscheinung des umbauten Raums.

                                                                                                                             Foto: mr

Die Betonskulpturen von Ute Hoffritz, die architektonische Grundformen im Miniaturformat darstellen, erscheinen auf den ersten Blick klar, einfach und überschaubar. Hermetisch und kompakt, wirken sie erst einmal abweisend wie Festungen oder Schutzräume. Aber diese Gehäuse haben Öffnungen: Ein Sehschlitz, eine kleine Pforte oder ein sich von oben eröffnender Innenhof. Wohin sie führen, was sich dahinter verbirgt, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Architektur aus neuer Sicht weiterlesen

Linien – real, gedacht, konstruiert

Video, Installation und Skulptur in der Galerie im Körnerpark

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9 Lives erinnert an Warp-Geschwindigkeit.                                                                                                            Foto: mr

Linien, reale oder gedachte, entstehen mit jeder Bewegung durch den Raum. Die Ausstellung »Linear Momentum« in der Galerie im Körnerpark beschäftigt sich mit diesem Thema. Dabei arbeiten die Künstler weniger mit dem Mittel der Zeichnung, sondern sie arbeiten mit Skulptur, Installationen, Videos oder Fotografie. Linien – real, gedacht, konstruiert weiterlesen

Das Problem der Zeit

Vortrag im »KINDL-Zentrum«

Die Ausstellung »How Long is Now?« ist eine der beiden Ausstellungen, mit denen das Maschinenhaus des »KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst« Ende Oktober nach langer Wartezeit endlich eröffnet wurde. Die sehenswerte Gruppenaustellung, die den unteren Bereich des Maschinenhauses (M0) einnimmt, beschäftigt sich mit dem Thema der Zeitgenossenschaft und der Schwierigkeit des Künstlers, die Zeit, in der er selbst lebt, kritisch zu reflektieren.
Der Medientheoretiker Knut Ebeling, Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, versuchte in seinem einstündigen Vortrag »How Deep is now? Eine Archäologie des Zeitgenössischen«, den er am 24.November in den Räumen der Ausstellung vor einem interessierten Publikum hielt, sich dem Thema theoretisch zu nähern. Das Problem der Zeit weiterlesen

Wo Zeitgenossen Kunst genießen

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»Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst« endlich mit weiteren Ausstellungsräumen.       Foto: pr

Das »KINDL« Zentrum eröffnet alle Ausstellungsflächen

Es war den Gastgebern am Eröffnungs­abend anzusehen: Die letzten paar Wochen und Monate haben den Mitarbeitern des »KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst« alles an Kraft und Ener­gie abverlangt. Erschöpft, aber mit einem glücklichen Lächeln, traten die Eigen­tümer des Gebäudeensembles, das Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard, sowie die künstlerische Leitung in Person von Andreas Fiedler und Valeska Schneider vor die zahlreich erschienenen Gäste. Wo Zeitgenossen Kunst genießen weiterlesen

Das Festhalten vor der Veränderung

Fotoausstellung von Corinna Rupp

Der Anblick eines Abrisshauses, das in der untergehenden Sonne aussah wie eine Skulptur, gab den Anstoß. Zufällig hatte sie eine Kamera dabei und fotografierte die Reste dieses Hauses, das es bald nicht mehr geben würde. Seitdem fotografiert Corinna Rupp »Lost Places«. Und so lautet auch der Titel der Ausstellung dieser Fotos, die am 15. Oktober im Café »Madame Zucker« eröffnete.

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Die Künstlerin vor ihren Werken.                                                                                                                                     Foto: mr

Die Bilder zeigen Orte, die es so nicht mehr gibt. Da ist das Feld mit der einsamen Mohnblume, auf dem jetzt Häuser stehen oder die Kneipe, die nach einem Besitzerwechsel ganz anders aussieht.
Daneben hat sie flüchtige Momente festgehalten wie das Graffito, das längst übermalt wurde oder die Blume, die sich nach einem Sturm in den Speichen eines Fahrrads verfangen hat. Das leuchtende Gelb der Blüte bildet dabei einen wunderschönen Kontrast zum Silber und Schwarz des Fahrrads.
Bei Kaffee und leckerem Kuchen lässt sich schön über Vergänglichkeit und den ständigen Wandel der Stadt philosophieren.

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Zu sehen sind die Bilder noch bis Mitte Dezember. »Madame Zucker«, Wildenbruchplatz 5

Es werde Abendrot

Handgekurbeltes Licht beleuchtet Exponate

In Susanne Kriemanns Ausstellung »ich bin, varim, je suis Abendrot« in der Galerie im Körnerpark geht es um Licht und die Möglichkeit der nachhaltigen Beleuchtung des Körnerparks. Beleuchtet werden Objekte, die einen direkten Zusammenhang mit dem Körnerpark haben und für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen.
Für die Urzeit steht ein Mammutknochen aus der Eiszeit, der um 1900 in Franz Körners Kiesgrube gefunden und bisher noch nie öffentlich ausgestellt wurde. Daneben gibt es den Fries eines Gründerzeithauses oder einen mit Glitzerpartikeln versetzten Betonblock.

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Kulturstadtrat Rämer erzeugt Strom für die    Kunst.                                                                                       Foto: mr

Beleuchtet werden sie durch Lampen, die die Besucher mit Hilfe einer Handkurbel selber in Betrieb setzen. Vor jeder Lampe ist eine durchscheinende, mit den Farben des Abendrots beschichtete Platte angebracht, die sich ebenfalls dreht und die Exponate in die unterschiedlichsten Farben taucht. Bei der Eröffnung am 9. September drehten die Gäste eifrig und freuten sich an dem Farbenreichtum. Es werde Abendrot weiterlesen

Menschen in der Großstadt

Begegnungen und Streiflichter, fotografiert von Jürgen Bürgin

Eine Frau schreibt etwas in ein Heft. Ein alter Mann steht wartend am Straßenrand. Solche Szenen aus dem Alltagsleben von Großstädten zeigt Jürgen Bürgin in seiner Fotoausstellung »Mensch und Metropole« in der »Galerie im Saalbau«.

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Momentaufnahme von Jürgen Bürgin.

In seinen Bildern, die in den Jahren 2009 bis 2015 aufgenommen wurden, porträtiert Bürgin die großen Metropolen dieser Welt und das Leben der Menschen darin. Gezeigt werden in dieser Ausstellung vor allem Bilder aus New York, daneben aber auch aus Berlin, Lissabon, Shanghai, Saigon und Tokio. Menschen in der Großstadt weiterlesen

»OLYMPIA« – eine Zeitwahrnehmung

Echtzeitprojektion auf 1.000 Jahre im Kesselhaus

Vor genau einem Jahr wurde das Kesselhaus, der erste Ausstellungsraum des »KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst« mit der Installation »Kitfox Experimental« von Roman Signer eröffnet. Nun folgt mit der Real-Time-Videoprojektion »OLYMPIA« des belgischen Künstlers David Claerbout der zweite Streich. Die Videoarbeiten Claerbouts zeichnen sich durch eine suggestive Langsamkeit aus. Dadurch wird die Zeit für den Betrachter auf beinahe körperliche Weise erlebbar.

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Olympiastadion mit realem Wetter.                                                                                                                                  Foto: jr

Mit seiner neuesten Arbeit zielt der Künstler nun auf eine Dimension ab, die das menschliche Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt: Die Echtzeit-Projektion ist auf 1.000 Jahre angelegt und entzieht sich damit radikal unserer realen Erfahrung. Claerbout nimmt zwar auch Bezug auf das »Tausendjährige Reich«, einen von den Nationalsozialisten geprägten Begriff. Gleichzeitig ist das Projekt als eine Arbeit über Wahrnehmung und Zeit zu verstehen. »OLYMPIA« – eine Zeitwahrnehmung weiterlesen

Es geht los im »KINDL«

Olympische Kunst im Brauereigebäude

Ende Oktober öffnet das »KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst« im gesamten ehemaligen Brauerei-Gebäude mit drei Ausstellungsetagen im Maschinenhaus und dem Café im Sudhaus seine Pforten. Damit kann nun nach umfangreichen, schier endlosen Sanierungsarbeiten der regelmäßige Ausstellungsbetrieb im kompletten Gebäudeensemble aufgenommen werden.

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David Claerbout – Olympia.                                                                                                                                                  Foto: pr

Die Eigentümer, das deutsch-schweizerische Kunstsammler-Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard, und die künstlerische Leitung unter der Regie des Schweizer Kurators Thomas Fiedler, hatten sehr hohe bürokratische Hürden zu überwinden und mussten starkes Durchhaltevermögen aufbringen, um das ambitionierte Projekt verwirklichen zu können. Es geht los im »KINDL« weiterlesen

Unterwegs Zuhause

Ausstellung von Christian Hasucha

Der öffentliche Raum ist für Christian Hasucha Bühne und Atelier zugleich. Scheinbar völlig unspektakuläre alltägliche Situationen bilden die Grundlage für seine öffentlichen Interventionen wie die Balustrade aus dem Baumarkt, die er in einen Sandhaufen baut. Mit diesen Eingriffen will er irritieren, Anwohner ebenso wie zufällig vorbeikommende Passanten.

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Sandhaufen will irritieren.                                                                                                                                                     Foto: mr

Reisen mit dem Auto nutzt er, um Videos zu drehen, deren Schnipsel er in Endlosstreifen aneinander reiht. Für die Ausstellung in der Unterwegs Zuhause weiterlesen

Sehen und gesehen werden

»Jägerporn« im »Raum für drastische Maßnahmen«

Eine Jägerhütte in der Ardèche in Frankreich. Eine Französin, die ihre Kindheit in den Bergen verbringt. In der Hütte treffen sich Jäger zum gemeinsamen Jagen. An der Wand hängen Erotik-Kalender zum Ergötzen. Jäger auf dem Jägerstand – glotzen und jagen. Das Mädchen klappt die Fallen für die Hasen und Füchse zu und singt dabei das französische Kinderlied über das Kaninchen, das am Morgen den Jäger getötet hat.

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Akt im Walde.Foto:                                                                                                                                                                      A. Edely

Anaïs Edely wuchs in den Bergen der Ardèche auf, studierte in Paris und Münster Design und Illustration. Heute lebt sie in Neukölln. Das Beobachten, die Natur und der Körper sind Themen ihrer künstlerischen Arbeit geblieben. Sehen und gesehen werden weiterlesen

Graue Tristesse weicht bunten Farben

Fassadenmalerei gibt Häusern ein besonderes Gesicht

Die französische Künstlergruppe »CitéCréation« hat bereits mehr als 600 monumentale Wandgemälde in aller Welt realisiert. Das Museum im Schloss Britz präsentiert bis zum 31. Juli eine große Auswahl beeindruckender Fotografien dieser Fassadenmalereien.

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Augenweide in der Jupiterstraße.                                                                                                                                   Foto: mr

Angefangen hat alles in Lyon. Die Künstlergruppe »CitéCréation« kam auf die Idee, die dortigen Sozialwohnungen zu renovieren und die Wände der Gebäude mit großen Gemälden zu bemalen. Das Konzept entwickelten sie gemeinsam mit den Bewohnern. Aus tristen Häuserblöcken wurde so ein wohnliches Zuhause. Das Ergebnis war eine Aufwertung des Bezirks, nicht durch Verdrängung der Bewohner, sondern dadurch, dass die Bewohner Stolz entwickeln. Graue Tristesse weicht bunten Farben weiterlesen

Hundert Jahre Leben

Porträts Neuköllner Damen

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lse.Foto:                                                   Iona Dutz

Die Ausstellung »geboren 1916« widmet sich den Neuköllnern, die im Jahr 2016 Hundert werden. Ein stolzes Alter, das sich die meisten wohl kaum vorstellen können. Das Projekt entsteht im Rahmen »100 Jahre Körnerpark« in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Neukölln. Von ursprünglich 31 Menschen, die hundert Jahre alt werden, blieben am Ende acht Frauen übrig, die ihre Zustimmung gaben, Teil des Projektes zu werden.
Die Künstlerinnen Iona Dutz und Josephine Raab besuchten die betagten Damen zu Hause, stellten Fragen, erzählten und fotografierten. »Für uns war es natürlich sehr spannend, Einblicke in das Leben eines Menschen zu bekommen, der so viel erlebt und gesehen hat. Hundert Jahre Leben weiterlesen

Rohstoffgewinnung verändert Landschaften

Neue Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

Vor 100 Jahren wurde eine abgebaute Kiesgrube zum Park umgestaltet, dem heutigen Körnerpark. Was Ressourcenabbau andernorts mit der Landschaft macht, das ist das Thema der Ausstellung „Graben Graben“, die am 8. April in der Galerie im Körnerpark eröffnet wurde. Zehn Künstler zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Landschaften durch Rohstoffgewinnung- und verwertung umgeformt, zerstört oder auch wieder neu gestaltet werden.

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Das letzte seiner Art.                                                                                                                                                                  Foto:mr

So zeigt die Fotoserie »Rohrgebiet« von Henrik Lietmann gigantische Rohrsysteme, die sich durch das gesamte Ruhrgebiet ziehen und wie selbstverständlich zu einem Teil der Landschaft werden. Rohstoffgewinnung verändert Landschaften weiterlesen

Heiliger Vinzenz

Ausstellungseröffnung zeichnet Pfarrerleben nach

Die »Vereinigung vom Katholischen Apostolat« ist eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, Ordensleuten, Priestern und Laien. Ihre Botschaft ist, dass nicht nur Kleriker berufen sind, sondern dass jeder ein Apostel Gottes sein kann.
Gegründet wurde diese Gemeinschaft von Vinzenz Pallotti, der von 1795-1850 in Rom lebte und am 20. Januar 1963 von Papst Johannes XXIII. während des 2. Vatikanischen Konzils heiliggesprochen wurde. Mitglieder dieser Gemeinschaft sind seit 1993 in der Gemeinde St. Christophorus in Neukölln als Seelsorger tätig.

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In Gottes Auftrag immer unterwegs.                                                                                                                             Foto: mr

Im Rahmen des Projekts »Kunst in der Kirche« wurde die Zeichnerin Christine Kriegerowski beauftragt, sich mit der Figur dieses Heiligen auseinanderzusetzen. Heiliger Vinzenz weiterlesen

Hält sich die Bräune?

Urlaubsgrüße von DDR-Touristen

Wo verbrachten die DDR-Bürger ihren Urlaub? Sonnten sie sich am FKK-Strand auf Hid­densee oder wanderten im Harz? Nicht nur, einige zog es viel weiter weg, auf Weltreise – in den Osten. Von den unvergesslichen Wochen zwischen Balaton, Budapest, Schwarzem Meer und dem Balkangebirge zeugen zahlreiche Postkartengrüße.

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Ost-Post aus Rumänien.                                                                                                                                   Foto: Georg Keim

Viele davon sind noch bis 28. Mai in der Ausstellung »Hoffentlich hält sich die Bräune« zu sehen, im »Raum B« in der Wildenbruchstraße 4. Hält sich die Bräune? weiterlesen

Umgerahmt – Eingerahmt – Aus dem Rahmen gefallen

»MenschenSindWir« – Wir sind die Kunst

»Jeder hat das Recht auf ein ordentliches Bild«, meint Fotograf J. A. Fischer. Seine Idee: Er fotografiert die Menschen aus dem Kiez und macht sie zu einem Teil seines Projektes »MenschenSindWir«. »Kunst ist immer von anderen gemacht, bei mir sind die Menschen die Kunst, ich drücke nur ab«, beschreibt er seine Arbeit.

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Der Künstler J.A. Fischer.Foto: mr

Die so entstandenen Porträts sind in schwarz-weiß gehalten, damit sich das Auge des Betrachters auf das Gesicht konzentrieren kann. Buntfarbige Kleidung würde dabei nur ablenken. »Es sind die Augen«, sagt Fischer, »auf die als erstes der Blick fallen soll«. Umgerahmt – Eingerahmt – Aus dem Rahmen gefallen weiterlesen

Neues vom »KINDL«

Auf der Baustelle sind Fortschritte erkennbar

Kindl-Zentrum
Die Lüftungsanlage.                           Foto: pr

Es tut sich was im »KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst« auf dem ehemaligen Gelände der »KINDL«-Brauerei.
Die Eigentümer des Gebäudeensembles, das deutsch-schweizerische Kunstsammler-Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard, und die künstlerische Leitung unter der Regie des Schweizer Kurators Thomas Fiedler, mussten sehr hohe Hürden überwinden und starkes Durchhaltevermögen aufbringen, um das ambitionierte Projekt auf den Weg zu bringen.
Im Zuge der umfangreichen Umbaumaßnahmen, die bereits 2012 begonnen hatten, stellte sich heraus, dass das beauftragte Architekturbüro mit der Durchführung des Projekts überfordert war. Im Herbst 2014 wurde schließlich die Notbremse gezogen. Das Architekturbüro »Dr. Krekeler & Partner« übernahm die Planung für die weitere Sanierung des »KINDL«, Entwurf und Konzept des Umbaus stammen von »grisard‘architektur« aus Zürich, dem Architekturbüro von Salome Grisard. Neues vom »KINDL« weiterlesen

Kunstpädagogik im Seniorenheim St. Richard

Im Malkurs mal kreativ in die Ferne schweifen

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Das Senioren- heim St.Richard hat jetzt auch eine Malgruppe, die Woche für Woche kleine Kunstwerke auf die Leinwand zaubert.

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Kunstwerk aus Detlefs Atelier.                                                                                                                                           Foto: pr

Zum Erstellen eines von dem Kontinent Afrika inspirierten Bildes, in der bekannten Dreifarben-Technik wird der Pinsel geschwungen. Für schwierigere und detailreiche Motive, sowie für die Erstellung der stimmungsvollen Großstadtsilhouetten kommen Schablonen zum Einsatz. Oder aber es entstehen Collagen, die mit Acrylfarben und Spachtel bearbeitet werden. Kunstpädagogik im Seniorenheim St. Richard weiterlesen

Abschied vom Haus der Mutter

Auseinandersetzung mit der Erinnerung

Eine ungewöhnliche und sehr persönliche Ausstellung ist derzeit im »Museum Neukölln« zu sehen. Die Hamburger Künstlerin Dorothea Koch setzt sich darin vier Jahre nach dem Tod ihrer Mutter mit deren Haus und all den zurückgelassenen Utensilien auseinander, die ihre Mutter und sie selbst ein Leben lang begleitet haben.
Zu sehen sind Dinge, die einen kleinen Eindruck vom bescheidenen Leben der Mutter in dem Haus im Britzer Haselsteig vermitteln: Besteck, Porzellanfigürchen, ein alter Sessel, sogar uralte Rechnungen über den Kauf eines Bettes oder einer Couchgarnitur.

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Mutterns Lieblingsstück.                                                                                                                                                        Foto: mr

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Comics über schreckliche Zeiten

Graphic-Novel-Künstler erzählen Geschichten aus der NS-Zeit

Für junge Menschen rückt der Holocaust in immer weitere Ferne, denn es gibt kaum noch Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen berichten könnten. Rassismus und Antisemitismus sind jedoch immer noch virulent. Deshalb wird es immer dringlicher, nach neuen lebendigen Konzepten der Erinnerung zu suchen, die junge Menschen ansprechen.

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Zeitdokument.Foto: mr

Mit dem Projekt »Redrawing Stories from the Past«, das derzeit in der »Galerie im Saal- bau« zu sehen ist, haben sich fünf Graphic-Novel-Künstler aus verschiedenen Ländern Europas sowie Schüler aus Chemnitz und Serbien daran gemacht, die gemeinsame Vergangenheit zu erforschen und auf zeitgenös-sische Weise mit den Mitteln des Comics darzustellen.
Die Ausstellung zeigt den Weg des Projekts in drei Phasen. Am Anfang stand die Diskussion. Die Erinnerungen der europäischen Länder sind vielfältig und unter-schiedlich. Wie also könnte ein »europäisches Gedächtnis« aussehen? Comics über schreckliche Zeiten weiterlesen

Aufbruch zu neuen Ufern

Der Kunstraum »t27« ist in die Mainzer Straße gezogen

Der »Kunstraum t27« ist Geschichte. Nach zehn Jahren erhielt der »Kunstverein Neukölln« vom Eigentümer die Kündigung, ein Schick- sal, das auch die anderen Gewerbemieter in der Remise ereilte.
Aber bevor es an den Umzug ging, wurde vom 23. bis 25. Oktober mit Lesungen, Konzerten, Performances und einer letzten Ausstellung von den großzügigen Ausstellungsräumen in der Thomasstraße Ab- schied genommen.

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»T27« in kleinen Stücken.                                                                                                                                                      Foto: mr

Unzählige sich überlagernde Rechtecke aus Klebeband in unter-schiedlicher Größe und Farbe an den Wänden und auf dem Boden markieren all die Stellen im Raum, an denen in den letzten zehn Jahren Malereien, Zeichnungen, Installationen, Skulpturen, Grafiken gehangen, gestanden oder gelehnt haben. Es ist der Versuch, 108 Ausstellungen mit mehr als 400 Künstlern in Schichten und Über- lagerungen sichtbar zu machen. Wer wollte, konnte sich ein Stück davon mit nach Hause nehmen, denn am Ende des Abends wurden DIN A4-Blatt große Ausschnitte verkauft. Aufbruch zu neuen Ufern weiterlesen

Berlinerinnen porträtiert

Subtile Signale spiegeln Lebensumstände

Ein Stadtporträt der etwas anderen Art ist derzeit in der »Galerie im Körnerpark« anzuschauen. Der Fotograf Ashkan Sahihi hat 375 in Berlin lebende Frauen fotografiert und sie gebeten, einen Fragebogen handschriftlich auszufüllen.
Mit 35 Suchbegriffen legte Ashkan Sahihi zunächst Kategorien fest, nach denen anschließend Berliner Frauen als Fotomodelle gesucht wurden, die beispielsweise in die Kategorien Politikerin oder Lobbyistin, Mutter oder auch Frau in Uniform passen.

Berliner Frauen
Aug in Aug mit Frauen.                                                                                                                                                              Foto: mr

Jede Frau wurde bei natürlichem Licht in der Umgebung ihrer Wahl und in der eigenen Kleidung aufgenommen, so dass sie ihrer Individualität volle Geltung verschaffen konnte. So machen diese Fotos auch den Kontext sichtbar, aus dem die Frauen kommen und in dem sie leben. Kleine Details in der Umgebung und der Kleidung geben Hinweise auf kulturellen Hintergrund und Milieu, auf Beruf und Stellung, auf Ort und Zeit. Die Fragebögen, die neben den Porträts hängen, zeigen das Selbstverständnis der Frauen. Berlinerinnen porträtiert weiterlesen