Archiv der Kategorie: Kunst

Chapeau, Jurassica Parka

Hauptberuflich Frau

Jurassica Parka.                                                       Foto: M.Olszinksi

Mario Olszinski wurde 1979 in Neukölln geboren und ist dort auch aufgewachsen. Er studierte Kommunikationsdesign und war in Werbeagenturen als »Art Director« erfolgreich. Ab 2003 trat er nebenberuflich so lange als Travestiekünstler auf, bis er merkte, dass ein Bürojob unter der Woche und die Bühnenarbeit am Wochenende nicht befriedigend zu stemmen waren. Deshalb tauschte er 2008 mutig den »ordentlichen Beruf« gegen seine Berufung Travestie ein.
Seitdem ist Mario Olszinski hauptberuflich: Frau. Das ist seine erfüllte, gelebte und inzwischen auch einträgliche Leidenschaft. Seine gegengeschlechtliche Kunstfigur heißt Jurassica Parka, eine Verballhornung aus Jurassic Park und Sarah Jessica Parker, deren beider Fan er ist. Chapeau, Jurassica Parka weiterlesen

Unstable Fakers of Change in Self

Die inspirierende Kraft von 20 Cent

Auf den ersten Blick: Im Maschinenraum M0 auf dem Kindl Gelände sieht es aus, als wenn morgen wieder der Bautrupp kommt. Gerüste stehen im Raum verteilt, dazu stoßen Videos mechanische Klänge aus, in der Endlosschleife steckend. Auf den zweiten Blick zeigen sich in dieser konstruktiven Eckigkeit Feinheiten, eine elegante Akribie ist zu entdecken.

Stabile Unstabilität.Foto: pr

Die Skulpturistin und Videokünstlerin Sofia Hultén hat in der großen Halle M0 neun Installationen aufgestellt, die auf Gerüsten ruhen. Ausgangspunkt ist eine italienische 20-Cent-Münze, auf der Umberto Boccionis 1913 entstandene Bronzeplastik »Unique Forms of Continuity in Space« zu sehen ist. Dieses futuristische Werk wollte die Bewegung eines Körpers und dessen Dynamik im Raum sichtbar machen. Sofia Hultén hat die Anfangsbuchstaben U-F-o-C- i-S genommen und ihrer Installation den Titel »Unstable Fakers of Change in Self« gegeben. Auf den Grundgerüsten finden sich Gegenstände zunächst alltäglicher Art: Baunetz, Rundschlinge, Blecheimer, Holzplatte, Kabelbinder, Plastilinkugel und italienische 20-Cent-Münzen. Die Spuren, die die Künstlerin dabei hinzufügt, lassen sich durch Videosequenzen nachvollziehen. Unstable Fakers of Change in Self weiterlesen

Alabaster, Papier und ein Schwarm

Künstlerportrait über Line Claudius

Als Kind besuchte Line Claudius eine Malerin in ihrem Atelier, sie war fasziniert und sagte sich, das mache ich, wenn ich alt bin. Malerin ist sie nicht geworden, Künstlerin aber doch. Sie wuchs in Hamburg auf und lebt seit mehr als dreißig Jahren in Berlin. Anfangs stand sie Modell bei Bildhauer- und Aktzeichenkursen, bis sie selbst ihre Liebe zu den Steinen und zum Zeichnen entdeckte. Sie arbeitet vor allem mit Marmor und Alabaster.

Alabasterkörper.                                                                                                          Foto: pr

Ihre feinsinnigen, schmiegsamen Skulpturen aus Alabaster haben eine lichtdurchscheinende Leichtigkeit. Für Claudius trägt das Material zugleich Stabilität, Weichheit und Dehnbarkeit inne. Sie sucht sich einen Stein aus, hat eine schlummernde Idee, schleicht manchmal wochenlang um ihn herum und fängt dann an, ihn zu bearbeiten, steigt in den Stein ein, und er gibt zurück. Steine zu hauen: »Das Schönste ever, es gibt fast nichts Schöneres«, erzählt sie. Alabaster, Papier und ein Schwarm weiterlesen

»So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer«

Ausstellung in der »Galerie im Körnerpark«

Die bettelnde Frau oder musizierende Männer in der U-Bahn: Oftmals werden die Bilder von Roma auf diese Klischees reduziert. »Die anderen Roma sehen wir eigentlich nicht, weil die versuchen, unsichtbar zu bleiben«, sagt der Fotograf Nihad Nino Pušija. Wie ihr Leben jenseits von Vorurteilen aussieht, zeigt er in der Ausstellung »So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer«, die noch bis zum 9. Januar in der Galerie im Körnerpark zu sehen ist.

Nihad Nino Pušija.                                                                                                                                               Foto: mr

Pušija hat mit etwa 20 Roma-Familien in ganz Europa Kontakt. Er trifft sich immer wieder mit ihnen und dokumentiert ihr Leben. Viele von ihnen sind wie er selbst vor den Bürgerkriegen auf dem Balkan geflüchtet und versuchen, unter schwierigsten Bedingungen ihr Überleben zu sichern. Ungeschminkt zeigt er den deprimierenden Alltag, aber auch die Familienzusammengehörigkeit und ihre Feste. Mit seinen Fotos schafft er einen Gegensatz zu den folkloristischen, exotischen Stereotypen von Handleserinnen, Tänzerinnen oder Dieben, die in einer digitalen Collage von Bildern alter Meister in einem abgetrennten Raum zu sehen sind. »So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer« weiterlesen

»Down There Where the Spirit Meets the Bone«

Bildband von Nihad Nino Pušija

Es liegt ein beeindruckend wuchtiger und schöner Bildband des Fotokünstlers und Fotojournalisten Nihad Nino Pušija vor: »Down There Where The Spirit Meets the Bone«. Der bei »Peperoni Books« erschienene Foliant ist eine lyrische Liebeserklärung an die Menschen und ihre Schicksale, denen Pušija auf seiner Migrationsreise aus Ex-Jugoslawien durch den Balkan bis Berlin begegnet ist.

Sprung von der Mostarbrücke.                                                                                       Foto: Nihad Nino Pušija­

Angst und Leid gehen einher mit einem verlangendem Ja zum Leben. Ob aller sichtbarer Armut, in kargen Wohnungen und zwischen Ruinen, Frauen wie Männer gewinnen an Stolz in schmucken Kleidern. Es wird viel gefeiert. »Down There Where the Spirit Meets the Bone« weiterlesen

»Pirate Jenny« im Saalbau

Erinnerung an die Arbeiterkultur der Weimarer Republik

Vor Hundert Jahren stürzte eine Massenbewegung den Deutschen Kaiser und beendete den Ersten Weltkrieg. Den Jahrestag dieser deutschen Novemberrevolution nimmt Ina Wudtke zum Anlass, sich mit den künstlerischen Methoden der Arbeiterkultur in der Weimarer Republik auseinanderzusetzen.

November.                                                                                                                                                                Foto: mr

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Pirate Jenny“, die noch bis zum 25. November in der Galerie im Saalbau zu sehen ist, steht das gemeinsame Wirken von Bertolt Brecht und Margarete Steffin. Der aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Dichter und die Arbeiterin lernten sich in der Theaterklasse der „Marxistischen Arbeiterschule“ in Neukölln kennen. Sie arbeiteten seit Anfang der 1930er Jahre bis zu Steffins Tod 1941 im Moskauer Exil eng zusammen. »Pirate Jenny« im Saalbau weiterlesen

Halbfigur füllt Raum

Neue Installation im Kesselhaus auf dem Kindl-Gelände

Nach Roman Signer mit seinem kopfüber hängenden Flugzeug »Kitfox Experimental«, David Claerbout mit der auf 1000 Jahre angelegten Echtzeitprojektion »Olympia« und Haegue Yang mit ihrer mitten im Raum aufgehängten Installation »Silo of Silence – Clicked Core« ist Thomas Scheibitz nun der erste Künstler, der auf die räumliche Ausgangslage mit einem auf dem Boden stehenden Werk antwortet.

»Plateau mit Halbfigur«.                                                                                                                                       Foto: jr

Die Aufgabe, die der Kurator Andreas Fiedler dem Künstler stellte, war, ein ortsspezifisches Kunstwerk auf einem Sockel zu schaffen. Entstanden ist das »Plateau mit Halbfigur«.
Eineinhalb Jahre verwendete Scheibitz für die Umsetzung der Installation, die seit dem 9. September im Kesselhaus auf dem Kindl-Gelände zu besichtigen ist. Ein mehrköpfiges Team inklusive einem Statiker füllten den etwa 20 Meter hohen Raum mit einem Werk von sieben Elementen oder, wie Scheibitz sie selbst bezeichnet, sieben Prototypen: Gebäude, Buchstabe, Gesicht, Tropfen, Tor, Brücke und Stiefel. Die Prototypen bilden ein Ensemble, das zu einer allansichtigen Skulptur zusammenwächst. Somit ist es für den Betrachter möglich, um das Werk herumzulaufen und immer wieder neue Perspektiven, Durchblicke und Situationen zu entdecken. Das Objekt fügt sich erstaunlich gut in diesen hohen Raum, die Proportionen sind perfekt auf das Kesselhaus abgestimmt. Halbfigur füllt Raum weiterlesen

Multitalent Bossen

Silicon Valley für Kunst in Britz

Eindrucksvoll und bewundernswert, dass Thomas Bossen es seit 2010 immer wieder schafft, in einer Garage in Britz und dazu noch in einer eher als beschaulich zu nennenden Wohngegend zwischen dem Koppelweg und der Mohriner Allee engagiert und ambitioniert Kunst und Kultur zu präsentieren.

Galerie Bossen.                                                                                                                                                        Foto: rr

Thomas Bossen kam als junger Mensch nach Berlin und machte 1979 am Albert-Einstein-Gymnasium in Britz sein Abitur. Bei H. Pasch in Wannsee erlernte er das Tischlerhandwerk und machte sich unmittelbar nach der Gesellenprüfung 1983 in Schöneberg, in der Gersdorfstraße, selbstständig. Im gleichen Jahr noch, voller Tatendrang und einer Laune folgend, eröffnete er in seiner Werkstatt auch eine Galerie, studierte Kunstgeschichte an der FU Berlin und absolvierte nebenher eine Gesangsausbildung. Da sein Leben jedoch stark vom Möbelrestaurieren, von Bilderrahmungen und von der Galerie bestimmt wurde, gab er schließlich das Studium auf, nicht aber die Galerie und nicht das Singen. Multitalent Bossen weiterlesen

Imaginäre Landschaften

Zwischen Kunst, Natur und Stadt

Was bedeutet »Imaginäre Landschaften«? Sind es reale oder symbolische Orte oder exis­tieren sie nur im Kopf und sind nicht auf Anhieb zu sehen? Welchen Stellenwert hat der Mensch, die Natur oder das Urbane darin? In der Ausstellung im Kunstverein Neukölln stellen sich Louis D’Arienzo, Paul Langmead, Deborah S. Phillips, Friederike Linssen, Akiko Wakayama und Wolfgang in der Wie­sche, jeder aus seiner individuellen Perspektive, diesen Fragen. Die Arbeiten reichen dabei von abstrakt bis real.

Imaginär.                                                                                                                                                                   Foto: mr

Friederike Linssens Arbeiten beispielsweise sind abstrakte Zeichen oder Zeichnungen von Elementen aus der Natur, die auf monochrome und einfache Formen reduziert werden. Sie gleichen Zellstrukturen. Imaginäre Landschaften weiterlesen

Die gefaltete Stadt

Ausstellung im Saalbau

Die moderne Stadt wächst – in die Höhe und in die Breite. Mit der sozialen Sprengkraft, aber auch den Absurditäten, die aus diesen Prozessen resultieren, setzt sich Claudia von Funcke mit ihrer Ausstellung »Die gefaltete Stadt« auseinander, die bis zum 7. Oktober in der Galerie im Saalbau zu sehen ist. Die Ausstellung ist eine von drei Ausstellungen, die über eine Jury an Neuköllner Künstler vergeben werden.

Claudia v. Funcke.                                                                                                                                                  Foto:mr

»Das Thema der Ausstellung ist hoch aktuell«, sagte Kulturstadträtin Karin Korte bei der Eröffnung am 10. August. Anhaltendes Bevölkerungswachstum, Wohnungsknappheit und Gentrifizierung seien Probleme, mit denen Berlin und Neukölln tagtäglich zu kämpfen hätten. Die Schere zwischen Arm und Reich werde dabei immer größer. Die gefaltete Stadt weiterlesen

Hinter der Oberfläche

Während das Gesprächs in einem Neuköllner Hinterhof steht Elke Graalfs immer wieder auf – mit dem Pinsel in der Hand steigt sie aufs Gerüst, um neue Farben und Striche zu setzen, der 7,5- Tonner soll bald auf die Reise gehen. Der schwarze LKW ist mittlerweile schon rundum mit Linien versehen, sie ist dabei, ihn mit Farben zu bestricken. Für Elke aber eher eine Landschaft, die sich in der Unendlichkeit der Bewegung später auflösen wird.

Wandcollage »wo wer nun«                                                                                                          Foto: Elke Graalfs

In ihrem Atelier stehen einige großformatige Leinwände mit eben diesem Strickmuster. Auf die Frage, weshalb Strickmuster, erzählt sie, dass ihre Professorin sie dazu bringen wollte, mehr Stofflichkeit zu gestalten, also malte sie einen Wollpullover, eher nur die Maschen und die Struktur – »Bild nr 1«. Schwarzer Hintergrund – der Schatten, grau in grau – die Materie, 120 mal 240 Zentimeter groß. Es folgen eine Vielzahl großformatiger Strickbilder, sie sind lebenspersönlich, es gibt immer eine Geschichte dahinter. Für Elke Graalfs umspielt die Oberfläche diese Geschichten, die Oberfläche zeigt das Dahinter. Hinter der Oberfläche weiterlesen

Bruch mit den Regeln des Kunstmarkts

Anonyme Zeichner in der Galerie im Körnerpark

Stammt das Bild von einem bekannten Künstler oder einem talentierten Laien? Oder ist es die Zeichnung eines Kindes? Dieses Geheimnis wird bei der Aktion »Anonyme Zeichner« erst beim Kauf des Bildes gelüftet. Erst dann erfährt der neue Besitzer den Namen des Urhebers und den Titel des Werkes. Und vielleicht ist dann ja auch die eine oder andere Überraschung mit dabei.

Alles für nur 200 Euro.                                                                                                                                       Foto: mr

Die in Berlin lebende Künstlerin Anke Becker hat das Ausstellungsprojekt, das ganz bewusst mit den Regeln des Kunstmarktes brechen will, erstmals 2006 in Prenzlauer Berg umgesetzt. Seitdem war es in mehreren europäischen und deutschen Städten sowie in einigen Berliner Bezirken zu sehen. Bis zum 19. September ist die Ausstellung zu Gast in der Galerie im Körnerpark.
Aus über 2.000 Einsendungen aus allen Teilen der Welt wählte Anke Becker rund 600 Zeichnungen für die Ausstellung aus. Biografie, Alter oder Geschlecht der Einsender spielten dabei keine Rolle. Es gab nur eine einzige formale Regel: Ausgestellt werden ausschließlich Arbeiten bis zu einem Format von A 3.
Bei der Hängung ließ sie sich von inhaltlichen oder formalen Analogien leiten, jede Wand bildet einen Zusammenklang, in dem es keine Hierarchien geben soll. Bruch mit den Regeln des Kunstmarkts weiterlesen

Power mit Mähne

Adina Asbeck und ihre Kunstprojekte

Ihr Papa schenkt ihr zum Abitur eine Spiegelreflexkamera. Die nimmt sie mit nach Malta, wo sie ein freiwilliges Soziales Jahr absolviert, Kunst unterrichtet und Theaterworkshops veranstaltet. Am Ende sind es zwei Jahre, in denen sie nach Ghana und durch Europa reist und arbeitet.

Aus der Ausstellung »Children of Begoro«                                                                                          Foto: Adina

Adina Asbeck wächst zweisprachig in Waldkirch nahe Freiburg auf und verbringt die Sommermonate oft in Kroatien. Sie erinnert sich nicht mehr, wann und wie sie zur Kunst kam, nur, dass es sehr früh war. Sie spielt zehn Jahre Theater, arbeitet als Maskenbildnerin und macht Musik. Sie studiert in Marburg und Berlin Kunstgeschichte. Power mit Mähne weiterlesen

»Ich wünsche mir faire Chancen auch für Schwarze«

Eine Ausstellung im Café Blume thematisiert institutionellen Rassismus in Neukölln

»Dealende Afrikaner« – schnell sind sie so betitelt, und wer durch die Hasenheide geht, würdigt sie meistens keines zweiten Blickes. Doch nicht jeder Mann afrikanischer Abstammung, der sich in der Hasenheide aufhält, verkauft Drogen, und die wenigsten, die es tun, tun es gerne. Hier stehen Menschen, die ihre eigene Geschichte haben. Und oft schlechte Erfahrungen mit deutschen Institutionen gemacht haben. Diese sichtbar zu machen, hat sich eine Fotoausstellung im »Café Blume« zur Aufgabe gemacht.

Wo ein Wille ist, ist der Weg oft schwer.                                                                                         Foto: Anonym

Die Ausstellung wurde von drei Studierenden der »Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin« organisiert. Dabei haben sie mit der Methode der »Photovoices« gearbeitet. Die Studierenden haben westafrikanische Männer in der Hasenheide kontaktiert, sie gebeten, Fotos von Orten zu machen, mit denen sie gute und schlechte Erfahrungen verbinden und dazu Interviews geführt, um Hintergrundinformationen zur Biografie der Fotografen zu erhalten. Diese werden zusammen mit den Bildern gezeigt, und ermöglichen so den Betroffenen eine direkte Darstellung ihrer eigenen Perspektive. »Ich wünsche mir faire Chancen auch für Schwarze« weiterlesen

David Lichtenauers Epilog

Science Fiction bei »48 Stunden Neukölln«

Nach knapp 3000 Jahren im Kälteschlaf erwacht man in einer Raumkapsel im Nirgendwo. Die Gerätschaften des Landers »L.A.R.S.« surren monoton vor sich hin, als plötzlich der Bordcomputer spricht: »Guten Morgen Subjekt 361. Ich habe eine gute Nachricht: Du lebst! Außer uns beiden ist hier aber leider niemand, und das Schiff hat schwere Schäden davongetragen, also mach dich an die Arbeit!« Verwirrt durch die Umgebung, bewegt man sich vorsichtig auf der nur vier Quadratmeter großen Fläche zu einer der Luken und erkennt, man ist auf einem fremden, toten Planeten. Ein Gefühl völliger Isolation in einem Meer aus Eis.

David und L.A.R.S.                                                                                                                                               Foto: me

»Epilog« heißt die Simulation von David Lichtenauer, die er vom 22. bis 24. Juni im Rahmen von »48 Stunden Neukölln« zusammen mit den Virtual Reality-Künstlern Tom Frackowiak und Anastasia Semenoff ausstellte. Davids Metall­skulptur der Landekapsel »L.A.R.S.« stand im Hof des Kindl Brauereigeländes und die dazugehörige VR-Erfahrung gab es im Kesselhaus zu sehen. Dort wurden Besucher Zeugen eines Weltuntergangs, begleitet durch die Schauspielerin Paulina als zynischem Bordcomputer PAL. David Lichtenauers Epilog weiterlesen

Kunst auf die Ohren

Stadtklangbild von Robert Stokowy in der »Galerie im Saalbau«

Es quietscht, knarrt, brummt und säuselt aus vielen Lautsprechern in der Galerie im Saalbau. Die derzeitige Ausstellung »structures [berlin]« ist eher für die Ohren als für die Augen. Der Klangkünstler Robert Stokowy hat die Stadt anhand ihrer Töne vermessen und daraus einen eigenen Sound komponiert.

ORTSSPEZIFISCHE Klänge.                                                                                                                             Foto: mr

Die einzelnen Lautsprecher sind so angeordnet und mit dünnen Kabeln miteinander verbunden, dass sie acht gedachte Linien bilden, die über die Galerie hinaus in alle Himmelsrichtungen weisen. Entlang dieser Linien, die durch die ganze Stadt führen, hat Stokowy Klänge und Geräusche aufgenommen, wie das Kreischen der Straßenbahn, hupende Autos aber auch das Gezwitscher von Vögeln. Aus den Klängen einer Linie entstand dann jeweils eine eigene Komposition, bei der die Geräusche aber wiederum so verfremdet und neu miteinander verknüpft wurden, dass sie nicht ohne weiteres zugeordnet werden können. So müssen sich die Besucher ihre eigene Vorstellung vom Ursprung des Klangs machen.
Diese Klanginstallation wurde eigens für die Galerie komponiert. »Radikal ortsspezifisch« nennt Stokowy diese Arbeitsweise.

mr
Geöffnet ist die Ausstellung bis 5. August jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr.

GODsDOGs

Ein Neuköllner Paar rockt die Kunstwelt

GODsDOGs – überall sind Ausstellungsstücke verteilt, fertiggestellte und noch zu bearbeitende, die Farben von Hell- bis zu Tiefblau oder ganz bunt: Der Ort hat einen ganz eigenen Zauber. Hinter GODs­DOGs stehen das Künstlerehepaar Britta und Ron Helbig, seit 2009 haben sie die Räume in der Jonasstraße. In ihrer Arbeit vereinen sie unterschiedliche Genres und Materialien, von Malerei über Skulptur bis zu Objekten, Fotografie, Installation und Performance. Sie entscheiden von Werk zu Werk, welche Form ihnen die nächste und aussagekräftigste ist.

Kultur ist von Anfang an Muss.                                                                                                                        Foto: pr

Immerwährend suchen sie nach Verbindungen und Spannungen – nach dem Blick dazwischen und hinter den Vorhang. Der Name GODsDOGs trägt das Göttliche, also das Oben, und den Underdog, das am Boden liegende, in sich. Britta und Ron bewegen sich zwischen diesen Polen und an den Grenzen des Dazwischen. GODsDOGs weiterlesen

Kunstgenuss mit Fotoerlaubnis

Interaktive Ausstellung im Schloss Britz

Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. In der neuen Ausstellung »#pARTicipate – Mach Dich zum Kunstwerk« im Schloss Britz kann lustvoll mit Kunst experimentiert werden.

Hoch das Bein!                                                                                                                                                       Foto: mr

Weltberühmte Gemälde, angefangen bei Sandro Botticellis »Geburt der Venus« über Edgar Degas` »Tänzerinnen an der Stange« bis zu »Pulp Fiction« von Banksy, einem Streetart-Künstler, sind im Schloss Britz in dieser ungewöhnlichen Gemäldegalerie versammelt. Sie wurden so reproduziert, dass die Besucher sich in die Bilder hineinstellen können und – als Foto – Teil eines neuen Kunstwerkes werden. Das darf dann selbstverständlich auf Twitter und Instagramm veröffentlicht werden. Eine Kiste mit Requisiten hilft dabei, sich noch besser in Szene zu setzen. Kunstgenuss mit Fotoerlaubnis weiterlesen

Dürfen statt Müssen

Gesamtkunstwerk »Valentin Stüberl« wird zehn

Als Peter Großhauser das heutige »Valentin Stüberl« 2008 anmietete, war es einfach nur hässlich. »Was man hässlich machen kann, war dort drin« erzählt er. Der Künstler und Innenarchitekt warf die Hässlichkeit raus und stellte einfach Bierbänke rein. Auf Bierbänken muss man zusammenrutschen, zwischen den Leuten entsteht etwas, sie lernen sich kennen.

Kultur ist von Anfang an Muss.                                                                                                                        Foto: pr

Vom ersten Tag an gab es im »Hinterstüberl« Konzerte und Ausstellungen. »LaBrassBanda« spielten eines ihrer ersten Konzerte hier, Quentin Tarantino feierte hier schon Silvester. Dürfen statt Müssen weiterlesen

Entwurzelung im Körnerpark

Was Menschen und Bäume verbindet

Im letzten Sommer stürzte bei einem Sturm der alte Ahorn vor der Galerie im Körnerpark um. Er wurde entwurzelt. So heißt auch die Ausstellung des Künstlers Thomas Kilppers in der Galerie, deren Teil der Baum nun geworden ist und die ihm für kurze Zeit ein neues Zuhause bietet.

Wächst mit Geschichten.                                                                                                                                  Foto: mr

Die einzelnen Stücke des riesigen Stammes ziehen sich quer durch die Galerie, am Kopf­ende wächst wie eine Krone eine Skulptur aus Holz.
In der Ausstellung geht es um Menschen, die wie dieser Baum entwurzelt wurden, die ihre Heimat und ihr soziales Umfeld verloren haben und die sich auf die Suche nach einem Ort machen, an dem sie sich neu verwurzeln können. Wird ihnen in den Ankunftsorten geholfen, oder wird ihnen Hass und Ablehnung entgegengebracht? Entwurzelung im Körnerpark weiterlesen

Groteske Kombinationen

Ausstellung von Helena Hernández in der Galerie im Saalbau

Von düster surrealen Rauminstallationen bis zu absurden Wimmelbildern reicht das Repertoire der mexikanischen Künstlerin Helena Hernández. »Crossing the Line« heißt ihre Ausstellung, die seit dem 23. März in der Galerie im Saalbau zu sehen ist.

Tannenbeine.                                                                                                                                                          Foto: mr

Die Künstlerin zeichnet auf langen Papierbahnen, die sie mit verstörenden plastischen Objekten kombiniert und sie so mit den Dimensionen des Galerieraums verknüpft. So ist der Weihnachtsbaum, den sie irgendwo in Neukölln am Straßenrand entdeckte, schwarz einfärbte und mit Füßen versah, die Erweiterung eines düsteren Tannenwaldes. Groteske Kombinationen weiterlesen

»Die Zeit ist Linie«

Christoph N. Fuhrer, ein zeichnender Schweizer

Christoph N. Fuhrer, Illustrator und Zeichner, ist in Bern geboren. Da in der Schweiz die Heimat vererbt wird, ist seine auch das Emmental. Seine Kindergärtnerin sagte ihm an seinem letzten Tag dort, er hätte die dickste Zeichenmappe, was ihn damals mit Stolz erfüllte; und wie ihm anzusehen ist, auch heute noch ein wenig, wie er lachend erzählt.

Hermannstraße.                                                                                                    Zeichnung: Christoph N. Fuhrer

Das Zeichnen bleibt Inhalt seines Lebens, obwohl er nebenher immer anderen Jobs nachgeht und auch in der Gastronomie lange mit der gleichen Freude arbeitet. »Die Zeit ist Linie« weiterlesen

Zartes im Körnerpark

Ausstellung von Anne Brannys

Eine Perspektive des Zarten.                                                                                                                        Photo: mr

Anne Brannys hat in ihrer Dissertationsschrift »Eine Enzyklopädie des Zarten« all das versammelt, was sie mit dem Begriff des Zarten verbindet und es aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
In der gleichnamigen Ausstellung in der »Galerie im Körnerpark«, die auf dieser Arbeit basiert, zeigt sie die Widersprüchlichkeit dieses Begriffes. Zart ist eben nicht nur zerbrechlich, es kann auch hart und verletzend sein. Zartes im Körnerpark weiterlesen

Das »LUDWIG« – Ein Ort zum Verweilen und Staunen

»Das Wesen der Dinge« – eine Ausstellung im Fluss

Maurus, der Betreiber des LUDWIG und gleichzeitig Kurator der wechselnden Ausstellungen, die in den großzügigen Räumen gezeigt werden, nennt seinen Ort »neukölln bar – venue – art space«. Mit diesen drei Begriffen wird das Konzept des LUDWIG klar umrissen.

Maurus und eines seiner Werke.                                                                                                      Foto: pr

Maurus: »LUDWIG, Kiez-Kneipe seit 1909, ist eine entspannte, offene und queere Kiez-Bar, in der die unterschiedlichsten Wesen und Dinge aufeinander treffen, sich begegnen, austauschen und kennenlernen können.« Maurus legt gro­ßen Wert darauf, in die Nachbarschaft integriert zu sein, und pflegt daher auch den Kontakt zu den anderen Gewerbetreibenden in seiner Straße. »Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wo man hingehen kann, wenn man einmal Hilfe benötigt«, sinniert Maurus. Das »LUDWIG« – Ein Ort zum Verweilen und Staunen weiterlesen

Spurensuche im Nebel der Geschichte

Ausstellung »Nebeltage« im Museum Neukölln

Vor 70 Jahren, am 24. Juni 1948, begann die Berliner Luftbrücke, die bis zum 12. Mai 1949 die abgeriegelte Stadt mit dem Lebensnotwendigsten versorgte. Der Flughafen Tempelhof war einer der Orte, an denen im Minutentakt die Transportflugzeuge landeten und starteten.

Rosinenbomber und Dagmar Gester.                                                                                                          Foto: mr

Die Fotografin und Journalistin Dagmar Gester hat sich auf die Suche nach den Spuren begeben, die wechselnde Nutzungen auf dem Tempelhofer Feld hinterlassen haben und nach dem, was von dieser Geschichte und der ursprünglichen Funktion des Areals noch zu spüren ist.
»Nebeltage. 70 Jahre nach der Berliner Luftbrücke« heißt die Ausstellung, die am 19. Januar im Museum Neukölln eröffnete und bis zum 15. April zu sehen ist. Spurensuche im Nebel der Geschichte weiterlesen

Der Dialog der Betrachtung

Anaïs Edely schult die Wahrnehmung in Zeichen-Workshops

Gerade ist sie aus Marokko zurückgekommen, doch Urlaub anderswo ist bei Anaïs Edely nicht einfach nur Wegfahren und am Strand liegen – ob auf den Philippinen, in der Ukraine, in den Niederlanden – sie verknüpft ihre Reisen immer mit einem Projekt.

Druck.                                                                                                                                                            © Anaïs Edely

Sie ist vor zehn Jahren aus Frankreich nach Deutschland gezogen und lebt als Zeichnerin und Grafikerin in Neukölln. Für sie sind die Workshops, die sie auf ihren Reisen in Schulen und anderen Institutionen gibt, eine Art anzukommen und nicht nur Touristin zu bleiben, sondern direkt »mit den Menschen vor Ort zusammen zu arbeiten, Erfahrungen zu teilen und einen kreativen Austausch entstehen zu lassen«. Der Dialog der Betrachtung weiterlesen

Strukturen

Malerei von Dagmar Stade-Schmidt

Vieles ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, aber der lohnt sich. Die Bilder der Malerin Dagmar Stade-Schmidt sind reduziert auf das Wesentliche: Struktur und Farbe. »Strukturen« heißt daher auch der Titel der Ausstellung, die derzeit im Foyer der Gemeinschaftshauses Gropiusstadt zu sehen ist.

                                                                                                                                                                                       Foto:mr

Die großformatigen Gemälde, bestehen aus vielen Farbschichten, sind mehr geformt als gemalt. Die relief­artigen Oberflächen erzeugen den Eindruck von Tiefe und Bewegung. Und bei näherem Hinsehen ergeben diese Strukturen dann auch einen Sinn, sind Landschaften, Bäume, Häuser, Silhouetten von Menschen zu erkennen.
Die Bilder sind im Laufe vieler Jahre und aus Eindrücken von vielen Reisen entstanden. Steinformationen eines Tagebaus in der Lausitz finden sich neben Feuerbergen auf Lanzarote oder der Brandung eines Meeres.

mr
Die Ausstellung ist noch bis zum 17. März zu sehen
Gemeinschaftshaus Gropiusstadt – Foyer, Bat Yam Platz 1

Neuköllner Kunstpreis

Preisgelder für Claudia von Funcke, Regina Weiss und Doro Zinn

»Kunst und Neukölln gehören zusammen«, sagte Bezirksstadtrat Jochen Biedermann in seinem Grußwort zur Verleihung des Neuköllner Kunstpreises am 20. Januar im »Heimathafen«. Dieser Preis wurde 2017 vom Kulturnetzwerk in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Neukölln ins Leben gerufen, um der bildenden Kunst aus dem Bezirk und auch den hier lebenden und arbeitenden Künstlern Aufmerksamkeit zu verschaffen. Bewerben konnten sich alle Künstler, die einen Atelierstandort in Neukölln haben.

Die Gewinnerinnen.                                                                                                                                              Foto:mr

Eine unabhängige Jury, der unter anderen Dorothee Bienert, Leiterin der kommunalen Galerien Neuköllns, Andreas Fiedler, Künstlerischer Leiter des »Kindl-Zentrums« für zeitgenössische Kunst, Rainer Traube, Kulturchef der Deutschen Welle Berlin, und Martin Steffens vom »Kulturnetzwerk Neukölln« angehörten, hatte aus rund 90 Bewerbungen vorab zehn Kunstschaffende nominiert. Neuköllner Kunstpreis weiterlesen

»Kunstverein Neukölln« feiert Geburtstag

Künstlerische Weggefährten zeigen Arbeiten aus dieser Zeit

Seit zehn Jahren bereichert der »Kunstverein Neukölln« durch Ausstellungen und viele weitere Projekte die kulturelle Landschaft in Berlin-Neukölln. Aus Anlass dieses runden Geburtstages hat der Verein alle Künstler, die während dieser Zeitspanne mit ihm zusammengearbeitet haben, eingeladen, ausgewählte Werke in einer gemeinsamen Ausstellung zu präsentieren.

RückblicK auf zehn Jahre.                                                                                                                                Foto: mr

»10 Jahre« heißt die Ausstellung, die noch bis zum 28. Januar zu sehen ist. Die Bilder, angeordnet in Form einer Zeitleiste, die sich über die Wände der Ausstellungsräume zieht, zeigen individuelle und kollektive Erfahrungen innerhalb eines Jahrzehnts. »Kunstverein Neukölln« feiert Geburtstag weiterlesen

Schwarz, bunt und Fiktion

Über Zeit und Raum

Julia Schwarz ist 1986 geboren und in Berlin, Oberhausen und Mülheim aufgewachsen. Mittlerweile wohnt sie wieder in Neukölln. Sie studierte an der Folkwang-Universität in Essen Kommunikationsdesign und schloss 2015 ihren Master in Düsseldorf ab. Ihre Abschlussarbeit »Chronozeichen« trägt den Untertitel »Wie moderne Medien unseren Raum und unsere Zeitwahrnehmung beeinflussen«.

Schwarm ist immer in Gefahr.              Bild: Julia Schwarz

Es ist eine mediale Aufzeichnung von zeitlichen Begebenheiten und lässt eine Fülle an Zeichen entstehen, die das Zeiterleben entscheidend beeinflussen. Diese »Chronozeichen« beschreiben den gedanklichen Umgang mit Zeit. Und veranschaulichen, wie die modernen bildgebenden Medien unsere Idee und Wahrnehmung von Zeit und Raum verformen. Schwarz, bunt und Fiktion weiterlesen

Wenn Heirat zur Menschenrechtsverletzung wird

Eine Ausstellung zu Zwangsehen

Sie sind kaum dem Alter entwachsen, in dem sie noch mit Puppen spielten. Doch dann müssen sie heiraten. Einen Mann, den sie kaum oder gar nicht kennen, den ihre Eltern für sie ausgesucht haben.
Wie sich die Mädchen dabei fühlen, lässt die Ausstellung »Mit dem Pinsel gegen die geraubte Kindheit« im »Frauenzentrum Affidamento« in der Neuköllner Schmiede am Richardplatz erahnen.

Heirat kann töten.                                                                                                                                                Foto: mr

Die Bilder, die hier ausgestellt sind, wurden von Schülerinnen und Schülern zwischen acht und 16 Jahren aus dem südosttürkischen Van gemalt. Sie entstanden im Rahmen von Malwettbewerben, die »Yaka-Koop«, eine türkische Partnerorganisation von »Terre des Femmes«, seit 2013 jährlich ausrichtet. Wenn Heirat zur Menschenrechtsverletzung wird weiterlesen

Ein Jahr KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst

Wo Kultur auf Skater trifft

Mit der Eröffnung der Ausstellung »Berlin Fassaden« der Berliner Künstlerin Asta Gröting im September hat bereits der zweite Ausstellungszyklus des »KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst« begonnen. Am Sonntag, den 3. Dezember um 16 Uhr endet die sehenswerte Ausstellung mit einem Rundgang. Im Dialog mit Kurator Andreas Fied­ler wird sich Asta Gröting anlässlich der Finissage über ihre Arbeiten äußern.

Kultureller Leuchtturm.                                                                                                                Foto: Daniel Bokor

Der Termin bietet einen guten Anlass, einmal auf das erste Ausstellungsjahr des KINDL zurückzublicken und sich an die Eröffnung der ersten Ausstellungen im Maschinenhaus vor gut einem Jahr zurückzuerinnern. Zu diesem Zeitpunkt waren die drei Ausstellungsräume des Maschinenhauses gerade fertiggestellt worden. Die Ostfassade des Gebäudes mit Foyer und Außentreppe wurde noch von einem Baugerüst verdeckt, der Vorplatz vor dem Gebäude war von Bauzäunen umgeben. Das ganze Areal wirkte unfertig und versprühte den Charme einer Großbaustelle. Ein Jahr KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst weiterlesen

Körperarbeit auf allen Ebenen

Aus dem Leben einer Rixdorfer Lichtartistin

Reisen verändert das Leben. So war es bei der Lichtartistin Hanna Lange. Mit ihrer Zwillingsschwester Christina reiste sie nach dem Abi­tur nach Australien. Die Welt entdecken, im
Great Barrier Reef tauchen, durch die Wüste fahren, Leute kennenlernen. An den Stränden spielten viele Reisende ein ihnen unbekanntes Spiel. Das Spiel mit dem Feuer, das nachts leuchtende Muster in den Himmel zeichnet. Dabei werden an Ketten befestigte Kugeln, die Poi, mit Feuer entzündet und um den Körper geschwungen. Die Maoris auf Neuseeland verbesserten so ihre Kampffertigkeiten.

Lichtkünstlerin Hanna Lange.                                                                                             Foto: Dorothee Lange

Infiziert mit dem Poifieber spielten die Schwes­tern nach ihrer Rückkehr nach Deutschland weiter. Als Zwillinge erprobten sie Figuren zu zweit und entwickelten das bis dahin noch nicht etablierte Partnerpoi. Zusammen mit zwei Freunden, die ebenfalls an Partnerübungen tüftelten, kreierten sie neue Spieltechniken und drehten ein Youtube-Video. Auf einen Schlag waren sie in der Jonglierszene bekannt. Körperarbeit auf allen Ebenen weiterlesen

Avantgarde auf Schloss Britz

Kampmann – Eine Berliner Künstlerfamilie

Die Künstlerfamilie Kampmann brachte zahlreiche Maler, Bildhauer und Architekten hervor, die prägend waren für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Ihre Kunst ist untrennbar mit der gesellschaftlichen Entwicklung dieser Zeit verbunden.
Unter dem Titel »Kampmann – Eine Berliner Künstlerfamilie« findet im Schloss Britz eine Ausstellung statt, die sich mit gleich sechs Vertretern dieser Familie beschäftigt.

Kat Kampmanns Frauen.                                                                                                                                  Foto: mr

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Arbeiten Walter Kampmanns (1887–1945). Walter Kampmann gehörte zur Berliner Avantgarde der Weimarer Republik. Er war, ebenso wie seine zweite Frau Kat, ein aktives und engagiertes Mitglied der »Novembergruppe«, einer 1918 in Berlin gegründeten Künstlervereinigung, die sich der künstlerischen wie auch gesellschaftlichen Erneuerung verschrieben hatte und führende Köpfe der Klassischen Moderne aus Architektur, Malerei, Bildhauerei, Dichtung und Musik vereinigte. Avantgarde auf Schloss Britz weiterlesen

Geschichten von Flucht und Vertreibung

Ausstellung im Saalbau gibt Opfern eine Stimme

Wenn von Flucht und Vertreibung die Rede ist, kommen die Betroffenen selten selbst zu Wort. Die neue Ausstellung in der Galerie im Saalbau, die am 17. November eröffnete und bis zum 14. Januar zu sehen sein wird, möchte diesen Menschen eine Stimme geben.

Freiheit ist immer in Gefahr.                                                                                                                            Foto: mr

»Translations«, Übersetzungen, heißt die Ausstellung, in der die Erinnerungen geflüchteter Menschen, ihre Gefühle, Sehnsüchte und traumatischen Erlebnisse im Mittelpunkt stehen.
Das Künstlerduo Anna Faroqhi und Haim Peretz versucht, mit unterschiedlichen Mitteln, diese Empfindungen für den Betrachter erfahrbar zu machen. Mittels Video, Fotografie oder Zeichnung wollen sie den Fluchtprozess nachempfinden.

Kinder zeichnen die Flucht. Foto:mr

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Große Opernarien hautnah

Matinee im Foyer des Kulturstalls im Gutshof Britz

Einst war es eine Brennerei zur Schnapsherstellung, später wurde dann daraus der Guts­hof Britz, und heute ist dort die »Musikschule Paul Hindemith« beheimatet. Mit 4.500 Schülern ist sie wohl die größte Musikschule Deutschlands.

Ein Genuss für die Ohren.                                                                                                                                   Foto: ro

An diesem historischen Ort, im Foyer des Kulturstalls, fand am 12. November die zweite Sonntags-Matinee statt. Veranstalter war der Verein »Freunde der Sommer Oper Britz«. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die jährliche Sommeroper stattfinden kann. Große Opernarien hautnah weiterlesen

Über Ludwig, Maurus, Kunst & Wesen

Kiezkneipe der Möglichkeiten

Objekte, die mit der Komposition des Raumes spielen, zeitgenössische Malereien an der Wand, eine wunderbar eigene Eleganz, ein wahrscheinlich hundert Jahre alter Tresenschrank, der sich nicht mehr verrücken lässt und Maurus Knowles – das LUDWIG.

Maurus Knowles mit Schirm und Birne.                                                                                                       Foto:pr

Den Namen hat es vom alten Anzengruber, der hieß mit Vornamen so – »das ist Tradition und Veränderung«.
Maurus Knowles, der Besitzer, hatte nach 20 Jahren das Angestelltendasein satt, »da bleibt nichts anderes, als was Eigenes zu machen«, sagt er, und eröffnete mit seinem Partner das LUDWIG im Juni 2016. Über Ludwig, Maurus, Kunst & Wesen weiterlesen

Tucholsky und Fotofantasien

Ausstellung im »Landsmann« am Herrfurthplatz

Ausstellungen beim »Landsmann« sind immer etwas Besonders. In Wohnzimmeratmosphäre fühlen sich die Gäste heimisch, und so war es auch an diesem 24. November.

Wolfgang Schnell stellte seine neuen Fotofantasien vor. Beispielsweise setzt er in der Montage ein Flugzeug vom Flughafen Tempelhof vor den Dom von `s-Hertogenbosch. Irgendwo tauchen auf den Bildern, die sich mit der Veränderung von Umgebungen befassen, Möwen oder andere Figuren, wie Loriots Möpse auf.
Das Publikum indessen ist auch gefordert. Aus den Fenstern auf den Bildern schauen Menschen aus dem Schillerkiez. Die Gäste durften suchen und hatten ihren Spaß dabei.
Umrahmt wurde die Veranstaltung von Christiane Schoon. Die Schauspielerin las Texte von Kurt Tucholsky. Thema waren die Familie, die Rede und die Erfindung des Reißverschlusses. Es war ein anregender und unterhaltsamer Abend.

ro

Loriot mit Niki de Saint Phalle?

Neue Ausstellung von Wolfgang Schnell

Warum nicht, wenn Wolfgang Schnell die beiden Figuren im Hof der romanischen Kirche von Drübeck in Sachsen-Anhalt zusammen spielen lässt?
Ein Beispiel für seine neuen Fotofantasien, die ab 24. November bei Mario Landsmann in der Kultur-Lounge am Herrfurthplatz 11 zu sehen sind. Diesmal sämtlich in schwarzweißen digitalen Fotomontagen, die uns von Drübeck über Heringsdorf, Stockholm, ’s-Hertogenbosch, Meißen, Wien und Goslar bis nach Alberobello und Bari in Apulien führen und den markanten dortigen Gebäuden oder Plätzen Menschen und Dinge hinzufügen, die aus dem oft schönen Urlaubsbild etwas ganz anderes werden lassen. Loriot mit Niki de Saint Phalle? weiterlesen

Postsparbuch für Lebensfreude

»Museum für Werte« versucht Abstraktes konkret zu machen

Irgendwo zwischen Leitkultur-Debatte und »wie viel kostet der Döner?« fragen wir uns alle mal: »Was sind eigentlich Werte?« Ein junges Team aus Studenten und Künstlern wollte sich diesem abstrakten, ausgehöhlten Begriff einmal ganz gegenständlich nähern. Im »Museum für Werte« stellten sie im Oktober für fünf Tage Gegenstände aus, die jeweils einen von drei Werten darstellen sollten.

Werte im Wertemuseum .                                                                                                                                    Foto: jt

Zu sehen war dann etwa ein Perlenohrring für Respekt, ein Stofffisch für Freundschaft oder ein Postsparbuch für Lebensfreude. Postsparbuch für Lebensfreude weiterlesen