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Autofahrverbot am Freitag

Künftiges Szenario in der Karl-Marx-Straße?                                                                                                          Foto: fh

Osterhase bringt neues Gesetz

Keiner hätte es für möglich gehalten, dass es so weit kommen könnte. Der Berliner Senat hatte auf Bestreben der Grünen einen Gesetzesvorschlag erarbeitet für autofreie Feiertage in Berlin. Anknüpfen sollte das Fahrverbot an den autofreien Sonntag, der während der Ölkrise in der 70er-Jahren vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) durchgesetzt wurde.
Beim letzten Plenum nun wurde der Gesetzesvorschlag von dem frisch gebackenen Abgeordneten Georg Kössler (Grüne) verlesen. Bei der Passage »Das Fahrverbot für PKW wird ab Ostern 2017 als Pilotversuch freitags in Neukölln in Kraft treten« zuckte keiner der wenigen Anwesenden zusammen. Gemeint war doch das Fahrverbot an Feiertagen, im Gesetzesvorschlag versehentlich mit freitags geschrieben. Die Abstimmung wurde durchgeführt, das Gesetz beschlossen. Autofahrverbot am Freitag weiterlesen

Raum für alle

Es wurde Zeit, dass sich in der Berliner Verkehrswelt etwas bewegt hin zu mehr Gleichberechtigung unter den Verkehrsteilnehmern.
Damit sind nicht nur die Fahrradfahrer gemeint, auch Fußgänger, Rollstuhl- und Autofahrer. Alle brauchen ihren Raum und haben ihre Befindlichkeiten. Natürlich fühlen sich in diesem ersten Schritt die Autofahrer benachteiligt. Sie müssen damit rechnen, dass ihnen Fahrspuren zugunsten der Radler genommen werden und sie auf Parkplätze verzichten sollen, damit Platz für parkende Fahrräder geschaffen wird.
Das ist gut so, denn jahrzehntelang wurde das Auto bevorzugt. Es gibt einen guten Grund zu der Hoffnung, dass Klagen über Fahrradrowdys bald der Vergangenheit angehören, wenn die Bedingungen für Radler im Straßenverkehr verbessert werden. Und wenn dann noch die Polizei korrektes Verkehrsverhalten belohnt, dann könnte es unter den Verkehrsteilnehmern tatsächlich zu einem Waffenstillstand kommen. Petra Roß

»Da geht der Puls hoch«

Senat verspricht bessere Infrastruktur für Fahrradverkehr

Im Feierabendverkehr mit dem Fahrrad auf Neuköllner Hauptstraßen zu fahren ist eine Herausforderung. Das musste auch Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey feststellen, nachdem sie einen Selbstversuch gewagt hatte.

Radfahren macht Giffey glücklich.                                    Foto: Volksentscheid Fahrrad/norbert Michalke

»Da geht der Puls hoch«, berichtete sie bei der Diskussion »Herausforderung Verkehrswende: Was macht Neukölln?« am 6. März im vollbesetzten Café »Prachtwerk« in der Ganghoferstraße. Zuvor hatte sie gemeinsam mit dem Staatssekretär für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Jens-Holger Kirchner und Aktiven des »Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln« (NFN) eine Radtour vom Hermannplatz über die Karl-Marx-Straße und Sonnenallee zum Alfred-Scholz-Platz unternommen.
Man könne nicht davon sprechen, dass die Karl-Marx-Straße fahrradfreundlich sei, sagte sie, versprach aber, dass die Straße noch vor Abschluss der großen Sanierungsarbeiten für den Radverkehr sicherer gemacht werden solle. Geplant sei außerdem, Nebenstrecken zu den stark befahrenen Hauptstraßen attraktiver zu gestalten und dort auch für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen. Bis 2021 seien für die Verbesserung der Radinfrastruktur in ganz Neukölln knapp sechs Millionen Euro einge­plant.

»Da geht der Puls hoch« weiterlesen

Gereizte Stimmung bei Bürgerversammlung

Containerdorf auf dem Tempelhofer Feld – viele Fragen blieben unbeantwortet

Seit Anfang Februar wird auf dem Tempelhofer Feld gebaut. Bis Juli 2017 entsteht hier ein Dorf aus 976 Wohncontainern, in denen bis zu 1.100 Personen Unterkunft finden sollen, die derzeit noch in den Hangars und in der Not-unterkunft im Internationalen Congress Centrum (ICC) leben. Ende 2019 sollen die Container wieder abgebaut werden.

Schöner Wohnen ist anders.                                                                                                                                                 Foto: mr

Um überhaupt bauen zu können, musste das per Volksentscheid durchgesetzte Tempelhofer-Feld-Gesetz geändert werden. Vertreter der Bürgerinitiative »100 % Tempelhofer Feld« befürchten daher, dass mit dieser Siedlung nur der erste Schritt getan wird, um das derzeitige Bauverbot auf dem Gelände auszuhebeln. Gereizte Stimmung bei Bürgerversammlung weiterlesen

Frauenkampftag

Ohne Hermine kein Harry (in Band 2)

                                                                                                                                                                                                                      foto:mr

Ausgelassene Stimmung herrschte auf dem Hermannplatz, violette Luftballons schwebten über den Köpfen, dazwischen ragten Transparente auf mit Aufschriften wie »Ohne Hermine wäre Harry bereits in Band 1 gestorben«. Mehr als 7.000 Menschen hatten sich aus Anlass des internationalen Frauentages am 8. März versammelt, um für Gleichstellung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gegen Rassismus, Sexismus und Gewalt zu demonstrieren. Frauenkampftag weiterlesen

Zwangsheirat ist Menschenrechtsverletzung

Expertinnen berichten über Hilfestellung für Mädchen

Viele junge Mädchen dürfen nicht selber entscheiden, wen sie heiraten wollen. Ihre Eltern suchen den künftigen Ehemann aus, denn sie wissen am besten, was gut für die Kinder ist, so die Begründung. Außerdem sei es ihre Aufgabe, die Töchter vor schlechten Einflüssen zu schützen und die Familienehre zu sichern. Häufig werden Mädchen bereits mit 13, 14 oder 15 Jahren verheiratet. Um mehr über diese Problematik zu erfahren, hatte die Neuköllner Gleichstellungsbeauftragte Sylvia Edler am 9. März zu einem Podiumsgespräch mit Expertinnen aus der Jugendarbeit ins Rathaus geladen.

Sechsfache Frauenpower.                                                                                                                                                      Foto: mr

Begrüßt wurden die Anwesenden von Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey, die die Gelegenheit nutzte, einer Mitarbeiterin von »Madonna Mädchentreff« einen Scheck über 500 Euro zu überreichen, ihr Honorar für den »Hauptstadtbrief«, in dem sie sich bereits 2015 zu dem Thema äußerte. Zwangsheirat ist Menschenrechtsverletzung weiterlesen

Kneipengespräche

Kiez und Kneipe lädt Kandidaten ein

Im Rahmen des Bundestagswahlkampfes 2013 stellte die Kiez und Kneipe die Neuköllner Bundestagskandidaten in Kneipengesprächen vor. Das Format kam bei den Politikern und den Gästen so gut an, dass auch in dem aktuellen Wahlkampf die Kneipengespräche stattfinden werden.

Die Auftaktveranstaltung findet mit dem Kandidaten der FDP, Marcus Jensen, am 26. April um 19 Uhr im »Das Kapital«, Karl-Marx-Platz 18 statt. Jensen wird mit einem Neuköllner Bürger darüber diskutieren, was die FDP im Bundestag für Neukölln machen kann.
Moderiert wird das Gespräch von der Kiez und Kneipe. Gäste, die mitdiskutieren oder sich informieren wollen, sind herzlich eingeladen.Am 28. April folgt die Diskussion im gleichen Format mit der Bundestagskandidatin der Linken, Judith Benda, im »Bierbaum 3«, Schillerpromenade 31 ab 19 Uhr. 

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Der Dreck muss weg

Und ewig mehrt sich der Müll

Neukölln hat ein Müllproblem, denn viele Anwohner halten die Gehwege für Mülldeponien.

Müll nimmt Platz.                                                                                                                                                                         Foto: mr

In der Antwort zur Großen Anfrage der CDU in der Bezirksverordnetenversammlung vom 29. März erklärte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey als Chefin des Ordnungsamtes erst einmal die Zuständigkeiten. Die liegen nämlich bei der BSR, die aber erst tätig wird, wenn das Ordnungsamt einen Auftrag erteilt. Die entsprechenden Informationen zum Müllaufkommen erhält es durch Meldungen von Anwohnern über das »Ordnungsamt Online« oder durch Streifengänge der Mitarbeiter. Allerdings sind 350 Kilometer Straßenland nur schwer von den gerade mal 39 Außendienstkräften zu überwachen. Der Dreck muss weg weiterlesen

Der Bundesrat – die Vertretung der Landesregierungen

Machtbefugnisse und Rechte des »ewigen Organs«

Der Bundesrat ist das »Parlament der Länderregierungen« und damit eines der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland. »Bundesratswahlen« gibt es nicht. Verfassungsrechtlich gesehen ist er ein »ewiges Organ«, das sich jedoch durch Landtagswahlen von Zeit zu Zeit erneuert, denn seine Zusammensetzung ist durch die Wahl der Landesregierungen bestimmt, die die Ratsmitglieder bestellen. So erhält der Bundesrat seine demokratische Legitimation.
Die zentralen Aufgaben des Bundesrates sind im Artikel 50 des Grundgesetzes beschrieben: »Durch den Bundesrat wirken die Länder bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes und in Angelegenheiten der Europäischen Union mit.«

Sitz des Bundesrates.                                                                                                                                                                Foto: mr

Kein Bundesgesetz kommt zustande, ohne dass der Bundesrat damit befasst war. Viele Gesetze können sogar nur dann in Kraft treten, wenn der Bundesrat ihnen ausdrücklich zustimmt. Der Bundesrat – die Vertretung der Landesregierungen weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 78 – Dienstag,  3. April 1917
Weitere Einschränkung des Papierverbrauchs. Nunmehr wird auch die Herstellung von Büchern und Zeitschriften eingeschränkt. Der Reichskanzler hat soeben eine Bekanntmachung erlassen, durch die für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni das Kontingent auf 90 v. H. derjenigen Menge festgesetzt wird, die – berechnet auf einen Zeitraum von 3 Monaten – im Vorjahre zur Herstellung von Büchern und Zeitschriften verwendet worden ist. – Hoffentlich werden nun auch die Behörden etwas sparsamer mit Papier. Es kommt aber nicht darauf an, daß sie ihre Aktenbogen um die Hälfte verkleinern, sondern sie sollten auch die Herstellung von Aufklärungsschriften, neuen Zeitschriften und dergleichen ein klein wenig beschränken. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Wohnungslotsen für Wohnungslose

Wenn nach dem Krankenhausaufenthalt nur noch die Straße wartet

Fast immer, wenn ich in der U8 sitze, ziehen auch Bettler, Straßenzeitungsverkäufer oder Musiker durch das Abteil. Die U-Bahn-Ausgänge säumen oft Obdachlose. Wenn die »Fälle« im eigenen Umfeld näherrücken, wird es langsam beängstigend. Eine Frau verliert in der psychischen Krise ihre Wohnung. Ein Mann, der nach jahrelanger Stabilität auch in eine Krise gerät, wird selbst mit Betreuer seine Wohnung los. Ein Mann büßt während eines langen Psychia-trieaufenthaltes seinen betreuten Wohnplatz ein, wird aus dem Krankenhaus auf die Straße entlassen.

Hausen ohne Zuhause.                                                                                                                                              Foto: Internet

Mir sind Fälle bekannt, bei denen das Sozialamt ein Betriebskostenguthaben oder einen Zuverdienst abzog, obwohl auf den Konten der Betroffenen gar keine Gelder eingegangen waren. Wer dagegen nicht vorgeht, kann letztlich die Miete nicht zahlen, da auf dem Konto plötzlich Ebbe ist. Viele können sich aber nicht wehren, weil sie zu alt und krank sind. Wohnungslotsen für Wohnungslose weiterlesen

Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance?

Teil 4: Die Zeiten ändern sich — der Kiez auch

In den ersten drei Teilen dieser Serie haben wir uns der Neuköllner Start-up-Szene von außen in einem ersten Eindruck genähert, die Fördermittel von Land und Bezirk erörtert und sind dann ins Innere der Szene vorgedrungen, um zu erfahren, wie sie denn wirklich aussieht. Im letzten Teil stellen wir nun die unumgängliche Frage: Was macht diese Entwicklung eigentlich mit dem Kiez?

»misuki« – Laden für Hangemachtes aus Neukölln.                                                                                             Foto: pr

Auch die Folgen für den Kiez müssten dann um einiges anders aussehen. In Neukölln stellt sich zwingend die Frage nach den Arbeitsplätzen, immerhin steht hier das zweitgrößte Jobcenter Deutschlands, das sich um die 15 Prozent Neuköllner kümmert, die keinen Job haben. Mit einer Existenzgründung schaffen sich Selbstständige erstmal ihren eigenen Arbeitsplatz, müssen dann aber teilweise noch aufstocken, um über die Runden zu kommen. Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance? weiterlesen

Per Feuermelder in die Kabine

Im »Kauz und Kiebitz« versteckt sich nun auch eine Speakeasy-Bar

Vogelhochzeit wird jeden Abend im Reuterkiez bei handgemachten Bieren, Longdrinks oder jeder Menge feinster Schnäpse gefeiert. Das »Kauz und Kiebitz« hat sich in anderthalb Jahren als gute Ausgehadresse etabliert. Sven Breitenberg heißt der engagierte junge Wirt. Er arbeitete hier am Ende der Lenaustraße bereits in den »Kiebitz«-Vorgängerlokalen »16 Doors« und »Heinz Schüftan«. Jetzt ist er sein eigener Chef und seinem Ziel, eine perfekte, zeitgenössische Kiezkneipe mit qualitativ hochwertigem Angebot zu führen, schon ganz schön nah gekommen. Mit seiner vielseitigen, kenntnisreich kuratierten Getränkekarte lässt er keine Wünsche offen. Mehrere Zapfhähne bringen Hauspils, Craft- und Gastbiere hervor; Gin Tonics, Sekt oder Cidre zeugen von der Sorgfalt der Auswahl.

Tor zum Trunk.                                                                                                                                                                               Foto: hlb

Die begleitende Barfoodkarte konzentriert sich mit Craft Beer-Buletten (leider nur donnerstags bis samstags in Begleitung von in Tonic mariniertem Gurkensalat) oder Brezeln mit Landrahm aufs gute Wesentliche. Jeden Dienstag macht die Küche Platz für ambitionierte Street-Food-Projekte mit ihren Leckereien aus allen Ecken der Welt, von Tacos, Raclette, Rindfleisch- oder veganem Curry bis zu Fish & Chips. Per Feuermelder in die Kabine weiterlesen

Kaffee in die Tasse – Tasse aus Kaffee

Recycling aus dem Kaffeesatz

Kaffeeliebhaber Julian Lechner studierte in Bozen Produktdesign. Nebenbei lernte er in der Heimat der Barista, dass dort Kaffeesatz gern als Haushaltsmittel eingesetzt wird, als Dünger, als Peelingzusatz in Seifen, als Nährboden für Pilze oder auch nur als Geruchskiller. Zunehmend beschäftigte ihn, wie jene gewaltigen Mengen des Brühabfalls, die täglich in Bars und Cafés anfallen, wieder zu verwenden wären. Mit einer Masterarbeit zu diesem spannenden Thema schloss er sein Studium ab.
Die Idee, dem Kaffeesatz eine neue Form zu geben, hatte er 2009. Es hätte ein Tablett werden können, ein Teller, ein Tisch. Er favorisierte die Kaffeesatz-Tasse, weil sie am besten zu einem Recyclingkreislauf passt.

Satz auf Satz.                                                                                                                                                                                      Foto: rr

Experimentiert wurde nebenberuflich über Jahre in der eigenen Küche. Sein erstes Bindemittel: karamellisierter Zucker. Das verwarf er wieder. Der Zucker süßte jeden Kaffee zusätzlich und er begrenzte das Tassenleben auf einen dreimaligen Gebrauch. Kaffee in die Tasse – Tasse aus Kaffee weiterlesen

Bayerisch-Vegetarisches im »Yodel«

Münchner Gschichten und bunte Knödel

Ein riesiges Alpenpanorama, das Urlaubsgefühle weckt, prangt an der Wand, die rustikale Einrichtung böte eine gute Akustik für kernige Jodler. Seit November betreibt Nina Kränsel zusammen mit Red Hübner – neben ihrem Vegancafé »Let It Be« – nun das Wirtshauscafé »Yodel« und hat damit ein Stück ihrer bayerischen Heimat in die Weserstraße geholt.

Alpenidyll.                                                                                                                                                                                         Foto: hlb

Anders als im anderen Kiezbayern, dem schnitzel- und gulaschseligen »Schwammerl« in der Weichselstraße, setzt die Karte der Tiroler Küchenchefin Pia Rolandelli auf vegan-vegetarische Gerichte, die dennoch deftig-herzhaft ausfallen und zum Beispiel Knödeln per Spinat, Roter Bete oder Kürbis nicht nur farblich neue Facetten entlocken. Bierstubenflair trifft hier auf eine auf internationales Publikum ausgerichtete urbane Café- und Res­taurantkultur. Bayerisch-Vegetarisches im »Yodel« weiterlesen

Ärztliche Versorgung mit Katze

Praxis Katzenstein und Tallafuss in der Bürknerstraße

Ärzte sind in Neukölln rar im Vergleich zu anderen Berliner Bezirken, ihre Praxen daher häufig hoffnungslos überfüllt. Etwas Entlastung bringt eine neue Praxis für Allgemeinmedizin, die bereits im vergangenen Jahr in der Bürknerstraße eröffnet hat. Zwei Ärztinnen hatten genug von ihrer Tätigkeit als Rettungsärztinnen. Die Arbeit war anstrengend, sie mussten sich immer wieder auf neue, unerwartete Situationen einstellen und schnell diagnostizieren.
In ihrer Praxis hingegen können sie sich in Ruhe den Patienten widmen und den persönlichen Kontakt aufbauen. Die Erfahrungen als Rettungsärztinnen kommen den Patienten dabei sicherlich zugute.

Behandlungsraum.                                                                                                                                                Foto: Alex Grimm

Die Räumlichkeiten sind hell, freundlich und großzügig. Der Wartebereich lässt keine Langeweile aufkommen. Ärztliche Versorgung mit Katze weiterlesen

Großstadthonig

Flucht aus verseuchtem Umland

Wie jeden Frühling schwärmen auch in diesem Jahr die Bienen wieder aus, nicht nur um Schleckermäuler mit Honig zu beglücken, sondern auch, um die Pflanzen zu bestäuben. Ohne Bestäubung gibt es keine Früchte, und die Menschheit müsste auf lebenswichtige Nahrungsmittel verzichten.

Honigsammlerinnen bei der Arbeit.                                                                                                                                 Foto: fh

Und genau das kann passieren. Durch Monokulturen und den dadurch erforderlichen Einsatz von Pestiziden können die Bienen sterben, auf jeden Fall hat das eine negative Auswirkung auf die Brut. Der Honig, den sie produzieren, ist ebenso mit Pestiziden belastet. Die Mittel sind meist fettlöslich, was zur Folge hat, dass die Pestizide sich im Wachs anreichern. Großstadthonig weiterlesen

Amüsanter Sonntagsauftakt

Die »Freunde der Sommeroper Britz« stellen sich vor

Dass Oper nicht kompliziert sein muss, sondern amüsant und charmant sein kann, zeigt alljährlich das »Festival Schloss Britz« mit der Sommeroper. Die Spezialität des Festivals ist die Wiederentdeckung vergessener, aber seinerzeit berühmter Werke großer Komponisten der Opera buffa, des deutschen Singspiels und der Opéra comique, deren Breitenwirkung wieder möglich wird durch Aufführung in deutscher Sprache und mit möglichst originaler Orchesterbesetzung.

Weinseliger Gesang.                                                                                                                                                                  Foto: mr

Um dieses Highlight im Neuköllner Kulturleben auch in Zukunft zu sichern, wurde 2016 der »Verein Freunde der Sommeroper Britz« gegründet, in dem sich Mitwirkende und langjährige Zuschauer zusammengefunden haben. Sie wollen mithelfen, den musikalischen Nachwuchs zu fördern und zu unterstützen. Dafür sind Förderveranstaltungen sowie thematisch ausgerichtete Workshops für den musikalischen Nachwuchs geplant. Amüsanter Sonntagsauftakt weiterlesen

Neuköllner Heimatverein ohne feste Heimat

Leidenschaft für Lokalgeschichten

Der Volksschullehrer Emil Fischer eröffnete 1897 ein naturhistorisches Schulmuseum. Es gilt als der Vorläufer des heutigen Museums Neukölln in Britz.

Gegründet 1921.                                                                                                                                                                           Foto: pr

1920 erwähnte Fischer in einem Schreiben an das neu gebildete Bezirksamt Neukölln, dass der geplante Heimatverein zu Neukölln nun gegründet sei. Warum 1937 anlässlich der 700-Jahr-Feier Berlins der Verein nochmals ins Vereinsregister eingetragen wurde, bleibt vage. Das gesamte Vereins­archiv und das Vereinsquartier befanden sich in dem Trakt des Rathauses Neukölln, der im Krieg völlig zerstört wurde. Neuköllner Heimatverein ohne feste Heimat weiterlesen

»Das Maß der Dinge«

Ingo Gerken und Florian Neufeldt im Saalbau

Der Aufstieg.                                           Foto: mr

Die Galerie im Saalbau bietet derzeit einen etwas ungewöhnlichen Anblick. Ein Teil der Wandpaneele ist abgenommen und an anderer Stelle wieder zusammenmontiert worden, so dass teilweise die rohen Wände mit Bohrlöchern und Dübeln zu sehen sind.
Das ist das Werk der Künstler Ingo Gerken und Florian Neufeldt, die den Raum selbst als Grundlage für ihre künstlerische Arbeit betrachten. »Sie haben den Raum in die Hand genommen«, beschreibt es Kuratorin Dorothee Bienert. Beide Künstler bedienen sich dabei alltäglicher Dinge, die in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden. »Das Maß der Dinge« weiterlesen

»Wolf« im wilden Bruch

Neues Konzept mit Kino, Bar, Café und Studio

Zwei Jahre dauerten die Renovierungs- und Umbauarbeiten, um aus einem Bordell an der Ecke Wildenbruch-/We­ser­straße ein modernes Kino zu machen. Anfang März 2017 war es dann endlich soweit. Der »Wolf« öffnete seine Pforten.

Wölfe in Neukölln.                                                                                                                                                                 Foto: pschl

Der Ort unterscheidet sich völlig von anderen Programmkinos. Neben zwei Kinosälen mit neuester Technologie gibt es im »Wolf« ein geräumiges Café, das ab zehn Uhr vormittags geöffnet ist, eine schicke Bar und einen multifunktionellen Saal für unterschiedliche Aktivitäten. »Wolf« im wilden Bruch weiterlesen

Frau Polinna und ihre Puppen

Wenn das Puppenbein ausgekugelt ist

»Puppenklinik« steht auf dem Schild über dem schmalen Schaufenster des kleinen Souterrainladens in der Richardstraße 99. Und das seit 1981. Sein Inventar und Material sind wesentlich älter und stammen aus einer Reparaturwerkstatt für Puppen in Kreuzberg. Die musste schließen und alles sollte auf dem Müll landen. Als Brigitta Polinna und ihre Freundin, beide Puppenliebhaberinnen, davon erfuhren, fassten sie spontan den Entschluss, nicht nur die alten Schätze zu retten, sondern auch dieses aussterbende Handwerk weiter auszuführen.

Die Doktorin mit ihren kleinen Patienten.                                                                                                                   Foto: rr

Nach kurzer Einweisung durch die Witwe des »Puppendoktors« zogen sie in den Teil Neuköllns, der früher zu Rixdorf gehörte. Polinnas Faible für alte Sachen und ihre Ausbildung als Schneiderin und Kostümbildnerin erleichterten ihr den Einstieg. Inzwischen kennt sie sich bestens aus mit alten Puppen und alten Teddys. Frau Polinna und ihre Puppen weiterlesen

Michael Tilgen

Nachruf auf einen Neuköllner Künstler

Foto: HD Seibt

Michael Tilgen war ein umtriebiger Künstler, der nicht nur Kontakt zu anderen Malern pflegte, sondern auch gerne mit Musikern, Schriftstellern und Schauspielern verkehrte. Das war auch der Impuls für die Gründung seiner »Artgarage«, einer zum Kunstraum umgebauten Garage in der Karl-Marx-Straße, in der einmal jährlich Konzerte, Lesungen und Performances stattfanden.
Leider wird es die »Artgarage« dieses Jahr nicht mehr geben. Am 22. März ist Michael Tilgen im Neuköllner Ricam Hospiz verstorben. Michael Tilgen weiterlesen

Die Vogelmiere

Unkraut oder wertvolle Heilpflanze?

Die Vogelmiere (Stellaria media) begleitet den Menschen seit der Steinzeit und kommt heute weltweit in gemäßigten Breiten vor. Bei uns ist sie ein überall vorhandener Bodendecker, der sich sehr früh zeigt und bis zum Schluss bleibt.

Vogelmiere.                                                                                                                  Historische Zeichung

Für mich ist das Wort Unkraut schon lange gestrichen, für Hobbygärtner leider noch nicht. »Vogelgemier« wird von Gartenbesitzern trotz ihrer schmerzlindernden Wirkung aufgrund ihrer starken Vermehrung zu den Wildkräutern gezählt. Sie ist auch ein Nahrungs- beziehungsweise Genussmittel. Ihr Geschmack erinnert an jungen, rohen Mais. Bereits 50 Gramm Vogelmierensalat entsprechen in etwa dem Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen. Sie macht sich auch sehr gut in einer Kräuterbutter, im Kräuterquark, im grünen Smoothie oder als Pesto. Die Vogelmiere weiterlesen

Basteln mit Rolf

Osterfensterbild aus einer Toilettenrolle

Ostern naht rasch.Noch reicht die Zeit, eine leere Toi­lettenrolle einfach in ein Fensterbild zu wandeln. Gebraucht wird dazu nur eine Schere, Klebstoff, etwas braunes Transparentpapier, ein Filzstift und Lust zum Pfriemeln!
Die Rolle wird in fünf gleich breite Ringe geteilt. Zwei bilden, aufeinander geklebt, Körper und Kopf. Zwei weitere Rollenabschnitte bilden, etwas länglich gedrückt und rechts und links an den Kopf geklebt, die Hasenohren. Die verbleibenden Rolle wird aufgeschnitten. Daraus entstehen die Beine. Die beiden Enden werden zu kleinen Kreisen gedreht und dann, wie auf dem Bild zu sehen, unter den Körper geklebt. Nun werden die Stirnkanten einer Seite mit Klebstoff bestrichen und das Transparentpapier draufgelegt. Nach dem Trocknen werden mit der Schere alle Überstände abgeschnitten. Mit dem Filzstift bekommt der Hase noch Augen, Nase und Maul. Nun kann der Hase vor ein Fenster gestellt, oder, mittels eines Fadens, davorgehängt werden.

Petras Tagebuch

Süßer Köder

Fahrradfahrer und Polizei sind in der Regel kein gutes Gespann. Der Radler übertritt Verkehrsregeln, manchmal weil er meint, einen Verkehrsregelfreifahrtschein zu haben, oder weil es ihm sinnvoll erscheint, das eine oder andere Gesetz aus Sicherheitsgründen zu brechen.
Zur letzten Gruppe gehöre ich, eine Ganzjahresfahrradfahrerin. Es gibt Fußgängerampeln, die ich mit Vorliebe bei Rot überquere, um mich noch vor der Grünphase der Autofahrer links einzuordnen, damit ich den Verkehr nicht störe. Und es ist mir auch schon passiert, dass die Polizei mich genau aus diesem Grund angehalten hat. Petras Tagebuch weiterlesen

Temporäre Heimat im Wohnmodul

Containertristesse.                                                                                                                                                                     Foto: mr

Flüchtlingsunterkunft in der Gerlinger Straße wird bezogen

In langen Reihen stehen die grauen Container an der Gerlinger Straße in Buckow am südlichsten Rand des Bezirkes. Seit Mitte Februar leben in diesen sogenannten »Tempohomes« Flüchtlinge, die zuvor in den Turnhallen Lobeckstaße (Friedrichshain-Kreuzberg), Buckower Damm und Efeuweg (Neukölln) sowie Glienicker Weg (Treptow-Köpenick) untergebracht waren. Die 126 Wohneinheiten bieten bei Vollbelegung Platz für 504 Personen.
Aber bevor die ersten Bewohner einzogen, hatten Anwohner aus der Nachbarschaft die Gelegenheit, sich im Rahmen eines Tages der offenen Tür am 11. Februar einen Überblick zu verschaffen. 8000 Einladungsbriefe seien losgeschickt worden, sagte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey bei der Eröffnung, und die Besucher kamen in Scharen. Temporäre Heimat im Wohnmodul weiterlesen

Seltsame Koalitionen

Wenn es um die Menschen geht, denen ein Problem unter den Nägeln brennt, sollte Politik reagieren. Hat sie in Neukölln auch. Mit dem Dringlichkeitsantrag von SPD, Grüne und Linke zur Entwicklung eines Verkehrskonzepts für den Süden Buckows wollten sie den Prozess beschleunigen. Durch die Eröffnung des Flüchtlingsheims sind die Busse dort völlig überlastet. Die Buckower wollen dafür eine Lösung. Das ist verständlich und notwendig.
Da kam dem Bezirk allerdings der Schulterschluss von AfD, CDU und FDP in die Quere. Der Antrag wurde von ihnen abgelehnt. Das ist schwer verständlich, weil doch alle drei Parteien versprachen, im Interesse ihrer Wähler zu handeln. Vielleicht aber wollten sie nur den politischen Betrieb blockieren. Aber auf Kosten ihrer Wähler?
Wie schön, dass Neukölln eine beherzte Bürgermeisterin hat, die sich persönlich der Sache annehmen wird, auch ohne expliziten Auftrag aus der Bezirksverordnetenversammlung. 

Petra Roß

Young Newköllner Abgeordnete

Derya Çağlar, Anne Helm und Georg Kössler im Gespräch

Die Kiez und Kneipe traf sich mit den drei frisch gebackenen Abgeordneten der Koalition Rot/Rot/Grün (R2G) in einem Neuköllner Café. Anne Helm (Die Linke), Jahrgang 1986, Derya Çağlar (SPD), Jahrgang 1982 und Georg Kössler (Grüne), Jahrgang 1984 leben Koalition wie sie sich jeder Wähler vorstellt. Da gibt es keine parteilichen Vorbehalte gegeneinander, sie haben gemeinsame Interessen, die gleichen Schwierigkeiten, arbeiten zusammen und mögen sich.

Georg Kössler, Anne Helm und Derya Çağlar.                                                                               Foto: Simon Straub

Die größte Schwierigkeit, die sie haben, ist, sich in den politischen Betrieb einzuarbeiten. Wie werden Anfragen im Parlament gestellt, wie ist der Verwaltungsvorgang, und wer muss das alles absegnen? Nun verstehen sie, warum Entscheidungen so lange brauchen. Alle drei haben noch eins gemeinsam: sie brennen für ihre Tätigkeit im Berliner Abgeordnetenhaus. Young Newköllner Abgeordnete weiterlesen

Haase, Igel und Giffey für U-Bahn zum BER

Der Süden von Neukölln benötigt ein neues Verkehrskonzept.

Bereits im letzten Jahr hatte sich Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey dafür eingesetzt, die U7 von Rudow nach Schönefeld zum Flughafen BER zu verlängern. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 22. Februar fragte Brigitte Gloeden (CDU) in etwas süffisantem Ton nach, was sie denn seitdem unternommen habe und warum dieses Projekt keinen Eingang in die Koalitionsvereinbarungen des Senates gefunden habe.
Die Anbindung des Flughafens an das U-Bahnnetz und die damit verbundene Verkehrsentlastung im Süden Neuköllns bleibe selbstverständlich auch unabhängig von Wahlterminen ein Schwerpunkt ihrer Arbeit, erklärte Giffey. »Ein Hauptstadtflughafen braucht auch eine Hauptstadtanbindung. Wir wollen unsere Gäste aus aller Welt gut empfangen und so einfach wie möglich in die Stadt bringen.« Darüber sei sie sich auch mit ihren Bürgermeisterkollegen Oliver Igel aus Treptow-Köpenick und Udo Haase aus Schönefeld einig. Haase, Igel und Giffey für U-Bahn zum BER weiterlesen

Die verschleierte Gefahr?

Frauen in der muslimischen Gesellschaft

Der »Deutscher Staatsbürgerinnen-Verband e.V.« und der »Bürgerverein Britz« luden im Januar zum Vortrag: »Frauen in der muslimischen Gesellschaft«. Die Referentin Zana Ramadani hat muslimische Eltern, war Mitgründerin, Vorsitzende und Aktivistin von Femen Deutschland. Sie stand der Jungen Union Wilsdorf-Wilden (Siegerland) vor und ist nun Mitglied der CDU.

Ramadani Zana kämpft um die Köpfe.                                                                                                                           Foto: rr

In Skopje, Mazedonien, 1984 geboren, lebt sie seit ihrem siebten Lebensjahr in Deutschland. Hier, außerhalb der Familie, lernte sie ein anderes Frauenbild und westliche Werte kennen. Das wollten die Eltern weder dulden noch akzeptieren. Ihre vom Islam geprägte Vorstellung, wie eine anständige Muslima sich zu verhalten habe, versuchten sie mit Unterdrückung und körperlicher Gewalt bei ihr durchzusetzen. Die verschleierte Gefahr? weiterlesen

Wider den Vervolkungswahn

Neukölln zeigt sich solidarisch gegen Gewalt und rechtsextremes Gedankengut

Mehrere Hundert Menschen hatten sich am 18. Februar zu einer Solidaritätskundgebung unter dem Motto »Neukölln bleibt bunt – wider den rechten Terror« vor der Alten Dorfschule in Alt-Rudow versammelt. Die Teilnehmer zeigten ihre Solidarität mit den jüngsten Opfern rechter Brandanschläge in Rudow und Britz: Schriftstellerin Claudia von Gélieu, Peter Scharmberg und Mirjam Blumenthal von der SPD, Buchhändler Heinz Ostermann, Gewerkschafter Detlef Fendt und Christel Jachan von der Evangelischen Kirchengemeinde Rudow.

Demo für ein demokratisches Miteinander.                                                                      Foto: Stefanus P.armann

Gefährlich seien aber nicht nur diese Aktionen rechten Terrors, sondern auch Parteien wie die AfD, sagte Hubert Dünnemeier vom Aktionsbündnis Rudow, denn die würde »Nazis eine politische Heimat bieten«. Mit guten Argumenten müsse gegen rechtsextremes Denken vorgegangen werden, um eine Normalisierung solcher Ansichten zu verhindern. Wider den Vervolkungswahn weiterlesen

Wer wählt, wer kann gewählt werden? (Teil 2)

Die Parteien ermitteln ihre Wahlkreiskandidaten für die Bundestagswahl 2017

Die Kiez und Kneipe hat alle Parteien, die in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln vertreten sind, nach ihrem Verfahren zur Nominierung ihrer Bundestagskandidaten befragt. Es haben alle geantwortet. Lediglich die AfD scheint Opfer eines Datennirwanas geworden zu sein. Die Anfrage wurde zwar weitergeleitet, eine Antwort kam in der Redaktion aber nicht an.
Die Befragung ist nunmehr abgeschlossen, denn SPD, CDU und DIE LINKE haben sich in der Februarausgabe erklärt. Wer wählt, wer kann gewählt werden? (Teil 2) weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 50 – Donnerstag, 1. März 1917
Fleischliche Genüsse am goldenen Hochzeitstage. In letzter Zeit haben sich die Anträge auf Ueberweisung von Fleisch zu Festlichkeiten sehr vermehrt. Die Reichsfleischstelle ist aber nicht in der Lage, diese Anträge berücksichtigen zu können und wird in Zukunft Fleischzulagen nur für die Feier der goldenen Hochzeit bewilligen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Ehrenamtliche Helfer in Blau

Unverzichtbar im Einsatz: das Technische Hilfswerk in Britz

In Britz, an der Haarlemerstraße, hat der Ortsverband des Technischen Hilfswerks Neukölln (THW), seit 1987 sein Domizil. Strategisch günstig befindet es sich in der Nähe der Stadtautobahn und nur wenige Meter vom Teltowkanal entfernt. Die Pressesprecherin Anja Villwock gewährte der Kiez und Kneipe einen interessanten Einblick. Es gibt hier 130 aktive, nur ehrenamtliche Helfer. Darunter sind 16 weiblich. Ebenfalls existiert eine gemischte Jugendgruppe. Jeder Donnerstagabend ist hier Trainingstag. Übende, auf die gerade herrschende klirrende Kälte angesprochen, antworteten gelassen, dass sie sich schließlich das Wetter bei realen Einsätzen auch nicht aussuchen könnten.

Hebekissen.                                                                                                                                                    Foto: Wolfgang Daube

Das THW wurde 1950 gegründet. Ein Jahr später entstand dieser Ortsverband, damals noch zusammen mit Kreuzberg. Er ist, wie alle anderen auch, eine Bevölkerungs- und Katastrophenschutzorganisation und untersteht dem Minister des Innern. Bundesweit ist die Farbe ultramarin Blau einheitlich für Mannschaftskleidung und Lackierung aller Fahrzeuge. Kurioserweise war diese durchgängige Kennfarbe damals auch eine Voraussetzung für eine Kfz-Steuerbefreiung aller Fahrzeuge. Ehrenamtliche Helfer in Blau weiterlesen

Kostenlose Mieterberatung in Milieuschutzgebieten

Mieter sollten auf ihre Rechte achten

Im vergangenen Jahr wurden im Norden Neuköllns bereits fünf Gebiete unter Milieuschutz gestellt, jetzt sollen zwei weitere dazu kommen. Dabei handelt es sich um die Gegend rund um den Hertzbergplatz und die Treptower Straße sowie um den Bereich zwischen Silberstein- und Glasower Straße. Damit wird die Schutzzone erstmals über den S-Bahn-Ring ausgedehnt.

Empfehlung ihres Hauses.                                                                                                                                                     Foto: mr

Am 7. Februar waren Bewohner des Kiezes Hertzbergplatz zu einer Informationsveranstaltung über Möglichkeiten und Grenzen des Milieuschutzes ins Rathaus Neukölln eingeladen. Dabei stellte sich heraus, das der Kiez zwischen Onckenstraße und der Bezirksgrenze zu Treptow-Köpenick bei den Untersuchungen übersehen wurde. Bezirksstadtrat Jochen Biedermann und der Leiter des Stadtentwicklungsamtes, Rolf Groth, versprachen zu prüfen, ob die Haushaltsbefragungen hier noch nachgeholt werden können. Kostenlose Mieterberatung in Milieuschutzgebieten weiterlesen

Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance?

Teil 3: Start-up ist nicht gleich Start-up und Neukölln macht sein Ding

In Teil 1 und 2 unserer Serie berichteten wir schon vom Bild, das gemeinhin von der Neuköllner Start-up-Szene besteht und von den konkreten Fördermöglichkeiten, die Land und Bezirk bereitstellen. Aber wie sieht die Neuköllner Start-up-Szene tatsächlich aus?

Nicht jedem gefällt die Entwicklung.                                                                                                                                Foto: jt

Egal ob die Start-up-Szene zum Heilsbringer auserkoren oder als heiße Luft abgetan wird, was genau mit dieser »Szene« gemeint ist, bleibt meist unklar. »Start-up ist ein Modebegriff, eigentlich geht es hier um Existenzgründung«, erklärt Clemens Mücke. Im Duden wird Start-up schlicht als »neu gegründetes Wirtschaftsunternehmen« definiert, während das Gabler Wirtschaftslexikon das geringe Startkapital der Neuunternehmer hervorhebt, die dann auf die Investition von Risikokapital angewiesen sind, um sich zu vergrößern. Folgt man dieser letzten Definition, müsste Neukölln ganz schnell von der Landkarte des »Berlin Valley« gestrichen werden. Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance? weiterlesen

In sieben Minuten zum Stammgast

Künstlerkollektiv bespielt den »Stammtisch«

Seit 17 Jahren betreibt das Berliner Ehepaar Norbert und Roswitha Rotter die Altberliner Eckkneipe »Stammtisch« in der Weser-/ Ecke Finowstraße. Im Laufe der Jahre kam aber immer weniger Stammkundschaft, und die beiden Wirtsleute dachten ans Aufgeben.

Der Urneuköllner Wirt Norbert Rotter, es war kurz vor sechs.                                                             Foto: pschl

Es war ein Glücksfall, dass das Künstlerkollektiv »dollytakesatrip« vor zwei Jahren im Rahmen des Kunstfestivals »48 Stunden Neukölln« unter dem Motto »Kunst rettet den Stammtisch« eine Crowdfunding-Aktion für die Kneipe startete. Mit dem gesammelten Geld wurde eine Bühne gebaut und eine Beleuchtungsanlage installiert. Die Aktion war aber nicht auf »48 Stunden Neukölln« begrenzt. Fortan konnten diverse Künstler – Musiker, Tänzer, Performer, Schauspieler – die Bühne im »Stammtisch« für ihre Aufführungen nutzen. In sieben Minuten zum Stammgast weiterlesen