Empanadas und andere südamerikanische Sünden

Uruguayische Esskultur auf der Sonnenallee

Empanadas, Steaks oder Chorizo al Pan sind nur ein paar der Spezialitäten des »Pecados«. In den gediegenen und großzügigen Räumlichkeiten des einstigen »Pape’s Gasthaus« in der Sonnenallee, wo zuletzt eher glücklos Edelschnitzel angeboten wurden, kommen nun »kleine Sünden«, so »pecados« übersetzt, auf den Tisch.

GAUCHOS Favorit.     Foto: hlb

Gegründet haben das Restaurant Dierk Draeger und seine Frau Mariana, die aus Uruguay kommt, aber seit über zwei Jahrzehnten Wahl-Berlinerin ist. Mit ihren Foodtrucks versorgen sie die Stadt bereits seit Längerem mobil mit uruguayischen Köstlichkeiten, jetzt haben sie seit März ihr festes Lokal, dessen Küche genug Platz für die Produktion ihrer diversen gefüllten Teigtaschen und aufwendigeren Gerichte bietet. Insbesondere südamerikanische Gäste bestätigen und freuen sich über die authentische Qualität der Speisen, die ihnen ein Stück Heimat in die Stadt bringt. Empanadas und andere südamerikanische Sünden weiterlesen

Litfaßsäulen in Gefahr?

Analoge Werbung im digitalen Wandel

Berlin ist und bleibt mit rund 3.000 Stück die Hauptstadt der Litfaßsäulen, und selbst nach 164 Jahren wird sich daran so schnell nichts ändern, obwohl gerade einige abgerissen oder ausgetauscht werden. Der bisherige Außenwerber Wall hatte die neue Ausschreibung der Säulen gegen eine Firma aus Stuttgart verloren und ist zudem vertraglich verpflichtet, nun alle Säulen abzureißen.

LItfaßsäule in Britz. Foto: rr

Der inzwischen angelaufene Austausch blieb nicht überall unkommentiert. Viele Berliner sahen plötzlich eine Institution in Gefahr, und bald trugen einige vom Abriss bedrohte Säulen Protest- oder Trauerbotschaften. Es wurde auch befürchtet, dass historisch bedeutende Litfaßsäulen ebenso verschwinden könnten. Für 24 kann das nun ausgeschlossen werden, da sie noch rechtzeitig unter Denkmalschutz gestellt wurden. Vom Abriss betroffen wären 2.500 Säulen, darunter auch solche, die wegen Mängel oder wegen einer Asbestbelastung sowieso ausgetauscht worden wären. Litfaßsäulen in Gefahr? weiterlesen

Swingen ohne Zwiespalt

Respekt für freie Körper

An der Oberlandstraße 1, bereits Tempelhof, besuche ich die »Swingeroase Zwiespalt«, um mit dem Geschäftsführer ein Interview zu führen. Eine freundliche und gut gekleidete Dame lässt mich ein und führt mich in den Barbereich. Ich darf am Tresen Platz nehmen und ein alkohol­freies Getränk bestellen.

Vorraum zum Entspannungsbereich.    Foto: pr

Die Bar ist gemütlich mit Sesseln, Sofas und bequemen Barhockern eingerichtet. Das Licht ist gedämmt. Eine Tür in Form eines großen beleuchteten Herzens führt in die Rückzugsräume. Das anwesende Publikum ist leicht bekleidet und wirkt entspannt. Im Nachmittagsbetrieb ist der Club weniger besucht als am Wochenende oder abends. Swingen ohne Zwiespalt weiterlesen

»Think positive!«

Ausstellung im Saalbau

Ein riesiger, runder Tisch, der sich durch alle Räume zieht, ist der Blickfang in der Ausstellung »Think positive!« von Thilo Droste und Saeed Foroghi in der Galerie im Saalbau. Symbolisch wird dieser Tisch im Durchgang des Saalbaus und auf dem Hof mit einer dicken schwarzen Linie am Boden fortgesetzt.

Runder Tisch von Thilo Droste.      Foto: mr

Auf dem Tisch werden Symbole und Trophäen inszeniert wie Blumen und Gläser, die von Vernissagen stammen, die Thilo Droste besucht hat. Am Ende des Abends hat er das Glas aus dem er getrunken hatte mitgenommen, in Bruchstücke zerschlagen und zu neuen Formen zusammengesetzt. »Think positive!« weiterlesen

Skulpturen im Entstehen

Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

In der Ausstellung »The Process of Becoming – Zeitliche Dimensionen der Skulptur«, beschäftigen sich acht internationale Künstler mit dem Medium Skulptur. Ihnen geht es dabei um den Prozess der Entstehung, um das vermeintlich Unfertige. Ihre Materialien sind Stahl, Plastik und sogar einzellige Lebewesen.
Heine Kjargaard Klausen zeigt in seiner Arbeit »turning inside out« den inneren Hohlraum von Porzellanfiguren, die er abgegossen hat. Nicht das polierte Äußere, sondern das unvollkommene Innenleben ist für ihn von Interesse.

Anna Borgmans Laufbänder. Foto:mr

»The Play« von Morten Stræde ist eine Skulptur, die sich jeden Tag neu erschafft, weil die einzelnen Versatzstücke immer wieder neu arrangiert werden.
Auch Thomas Feuersteins Skulptur »Parliament« ist ständiger Veränderung unterworfen. Verschiedene Sorten von Schleimpilzen wandern auf der Suche nach Nahrung durch die Rohre einer Glas-Skulptur. Skulpturen im Entstehen weiterlesen

»Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit«

Ausstellung in der Helene-Nathan-Bibliothek

Vor dreißig Jahren fiel die Mauer. 28 Jahre lang hatte sie die beiden Nachbarbezirke Neukölln und Treptow getrennt.
Am 13. August, dem 58. Jahrestag des Mauerbaues, eröffnete in der Neuköllner Helene-Nathan-Bibliothek die Ausstellung »Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit« der »Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur«. Sie zeigt die dramatischen Ereignisse der Jahre 1989/90.

WÄnde zur Wende. Foto: mr

Mit über 100 zeit­historischen Fotos und Dokumenten wird auf 20 Tafeln an den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, an die Fluchtbewegung im Sommer und die Massenproteste im Herbst erinnert. Sie berichtet von der deutsch-deutschen Solidarität und den außenpolitischen Weichenstellungen bis zur Wiedererlangung der Deutschen Einheit. QR-Codes verlinken zu 18 Videointerviews mit Akteurinnen und Akteuren der Friedlichen Revolution. »Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit« weiterlesen

Die Entdeckung des öffentlichen Raumes

Besondere Stadtführungen mit Christine Scherzinger

»Es mag naiv erscheinen, als Stadtführerin Fragen zu stellen, statt gleich Antworten zu geben. Dabei geht es mir darum, die Menschen zu bewegen, den öffentlichen Raum auf besondere Weise zu entdecken.« Christine Scherzinger ist Grundschullehrerin und Geographin, die ihren Doktortitel an der Berliner Humboldt Universität erwarb. Zufällig steht sie vor meinem Haus, als ich zum Einkauf gehen will. Da hängt ein alter und lange nicht genutzter Kaugummiautomat, eine Besonderheit, an der Erwachsene vorbei gehen, während Kinder von dem Drehgerät fasziniert sind. Christine Scherzinger weist darauf hin, von wann der simple Automat stammen könnte und was seinerzeit geschah. Die Entdeckung des öffentlichen Raumes weiterlesen

»Sie komponiert wie ein Mann«

Neuköllner Oper präsentiert »Casting Clara«

Beim Vergleich weiblicher Rollenbilder aus dem 19. Jahrhundert und heute rühmt sich unsere Gesellschaft großer Fortschritte. Undenkbar, dass es damals kein Frauenwahlrecht gab, keine Gleichberechtigung im gesetzlichen Sinne, ganz abgesehen von strikten Erwartungshaltungen an jede Frau, sie habe Haus und Familie zu hüten. Ein Blick in die Vergangenheit sorgt für Kopfschütteln gegenüber einem patriarchalen Geschlechtermodell und wirft Fragen auf, wie sich Frauen damals persönlich entfalten konnten und wo wir heute stehen.

Clara Schumann mal sieben. Foto: Philipp Plum

Die Neuköllner Oper widmet nun Clara Schumann zu ihrem 200. Geburtstag das Stück »Casting Clara«, in welchem anhand des Lebenswegs der Protagonistin die Komplexität jener Fragen beleuchtet wird. »Sie komponiert wie ein Mann« weiterlesen

Geflügelte Neuköllner

Von Bienen, Wespen und Hornissen

Der Neuköllner Tierpark in der Hasenheide ist um eine Attraktion reicher.
Am 24. August eröffnete Bezirksbürgermeister Martin Hikel einen Bienenwagen, in dem das Treiben im Inneren der Bienen-, Wespen- und Hornissenvölker zu beobachten ist. Eine durchsichtige Röhre bietet Einblick in das Herein- und Herauslaufen der Hornissen, ihre Materialtransporte ebenso wie ihre Begrüßungsrituale.

Die Baumeister der Wabentechnik lassen sich bei der Produktion des Honigs beobachten, der in Kürze – kaltgeschleudert – unseren Speiseplan bereichern kann.
Unterstützung hat das Team des Bienenwagens durch derzeit vier engagierte junge Leute, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisten. Chiara Radina, die »… auf jeden Fall zum Schutz der Umwelt studieren und arbeiten will …«, drehte mit den Kindern, die zahlreich anwesend waren, eine Bienenwachskerze nach der anderen.
Motten-Manne, der Rüpel der anwesenden »Insekten im Menschenkostüm«, initiierte ein kleines Experiment. Eine Honigbiene wurde aus dem Bienenwagen, der in der Nähe der Minigolfanlage steht, zum Columbia­damm transportiert und dort frei gelassen. Sie benötigte knapp zwei Minuten für diese Strecke von circa einem Kilometer, um wieder in ihren Bienenstock einzufliegen.
Wer sich vor Ort informieren möchte, kann täglich zwischen 9:00 und 19:30 den Bienenwagen besuchen. Es lohnt sich!

bs

Nachruf

Wolfgang Schnell (27.12.1942 – 16.08.2019)

Als Kiez und Kneipe auf der Suche nach geeigneten Redaktionsräumen war, sprach mich Wolfgang darauf an, ob wir nicht Lust hätten, in seinen Räumlichkeiten zu produzieren. Und ob wir Lust hatten. Nach Besichtigung der Räumlichkeiten war der Untermietvertrag schnell unterschrieben. Das war im Oktober 2012. Keiner von uns sollte das je bereuen.

Foto:privat

Es entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft. Mit Stolz kann ich sagen, mit ihm einen wirklich außergewöhnlichen Menschen zu meinem engeren Freundeskreis zählen zu dürfen. Im Laufe der Zeit lernte ich viel über diesen Mann, der eines am Besten konnte, nämlich Stadtteile planen. In enger Abstimmung mit Natur- und Denkmalschutz setzte er etliche Bauvorhaben in die Praxis um.
Eine seiner besonderen Fähigkeiten zeigte sich im Umgang mit anderen Menschen. Wie kaum ein anderer konnte er im richtigen Moment mit den richtigen Worten zu den richtigen Menschen sprechen. Nachruf weiterlesen

Fenstergespräche

Blick auf Wohnwagen

KuK: Was beschäftigt Sie hier in der Oderstraße?
Halil: An sich ist alles gut, man kommt gut miteinander aus. In der Oderstraße gibt es mir mittlerweile nur zu viele Campingwägen. Es werden immer mehr, die ganze Straße ist voll damit. Ein paar Leute die campen, damit habe ich kein Problem, aber hier ist das ganze Jahr über alles zugeparkt, und als Anwohner findet man kaum noch einen Platz, das ist manchmal nervig. Außerdem stört mich der permanente Hasch- und Grasgeruch, der von der Straße hier in die Wohnung zieht und schwer wieder rauszubekommen ist.
KuK: Haben Sie in letzter Zeit sonst noch etwas beobachtet im Kiez?
Halil: Nebenan wohnt ein Mann in seinem Auto, einfach auf der Straße. Klar, er hat ein Dach über dem Kopf, aber ich kann nicht zusehen, wie jemand so vor sich hinvegetiert. Der Mann ist krank und braucht Hilfe. Ich möchte ja was tun, aber was? Ihm jeden Tag eine Stulle machen? Wir alle haben unsere Last zu tragen und können nicht immer für alle da sein. Die Stadt müsste sich mehr engagieren. Es muss doch möglich sein, die Grundbedürfnisse aller Menschen hier abzudecken. Der Mann kann ja noch nicht mal duschen. Es braucht mehr Angebote der Stadt, um die Leute von der Straße zu holen, gerade wenn sie psychische Krankheiten haben. Leider werden diese Probleme in der Politik gern vergessen, und manchmal könnte ich resignieren, wenn ich sowas sehe. Aber eins ist klar: Man darf die Hoffnung nicht verlieren –weiterkämpfen, auf die Straße gehen.

me
*Halil, Oderstraße

Des Teufels Zwirn

Zerstörerische Umarmung

Die gemeine Waldrebe ist eine alte Volksarzneipflanze und giftig. Sie gehört zu den Clematis-Pflanzen. Das Gift heißt Proteanemonin. Sie wird auch homöopathisch unter anderem bei Hautausschlägen verwendet. Der Saft der frischen Pflanze reizt die Schleimhäute stark und führt zu Blasenbildung auf der Haut.

Waldrebe Clematis chrysocoma.     Foto: historisch

Im Mittelalter entstellten sich Bettler ihre Haut mit dem Pflanzensaft, um durch ihr Aussehen Mitleid zu erregen und die Spendenfreudigkeit der Bürger zu fördern. Deshalb nannte man die Pflanze damals »Teufelszwirn«. Außerdem: In Österreich werden alte trockene Stängel gerne von Kindern angezündet und als »Lianentschik« (Tschick = Zigarette) geraucht. In der Schweiz ist das gleiche Verhalten auch bekannt als »Niele-rauche«. Des Teufels Zwirn weiterlesen

Basteln mit Rolf

Bällephant

Bleiben wir noch etwas am Ball und auch beim Tier. Es werden wieder zwei ausrangierte Tennisbälle benötigt, dazu zwei kleine Nägel mit flachen Köpfen, eine stabile Schere, vier »Mensch ärgere dich nicht«-Spielsteine, eine feine Ahle, guter Klebstoff oder Heißkleber und wie immer: Lust zum Pfriemeln.
Die vier »Mensch ärgere dich nicht« Spielsteine, möglichst gleicher Farbe, werden zu Füßen des Elefanten. Ein Tennisball wird mit gutem Kleber so auf die vier Spielsteine geklebt, dass der Ball stabil darauf ruhen kann. Aus dem zweiten Ball wird anschließend der Kopf samt Ohren, Rüssel und Stoßzähnen geschnitten. Mit dem Kleber wird der Kopf des Tieres an den Ball geklebt. Mit der Ahle werden zwei Löcher für die Augen gestochen, durch die die Nägel bis in den Ball-Körper durchgesteckt werden. Richtig platziert sind danach die Nagelköpfe die Augen des Tieres. Puristen dürfen gerne noch aus dünnem gelben Garn hinten einen Schwanz ankleben. Fertig, oder »Törööö« würde da wohl Benjamin Blümchen tröten!

Petras Tagebuch

Von Foltern und Reparaturen

Ich bin ins Stolpern gekommen. Während des Sturzes stützte ich mich an der Wand ab und landete sicher auf meinen Beinen.
Mein Handgelenk tat etwas weh, dem schenkte ich aber keine Beachtung. Vielleicht waren ein paar Sehnen gezerrt.
Am nächsten Morgen verrichtete ich die Dinge des Alltags in nahezu gewohnter Form, allerdings unter Schmerzen. Meine erste Handlung war, in meinem Badezimmerschrank nach einem Verband zu suchen, um das Handgelenk zu stabilisieren. Wie immer war ich für solche Fälle nicht ausgestattet.
Also rief ich Felix an. »Kannst du bitte mal nachschauen, ob du einen Verband hast? Ich habe mir am Handgelenk weh getan, es sollte stabilisiert werden.« Felix reagierte trocken: »Ich hab sowas, muss aber noch suchen.« Petras Tagebuch weiterlesen

Saufen und laufen

vom Barhocker auf den Rasen.   Foto: ro

Der Ball bleibt rund beim Kiezkneipenfußballturnier

Das wohl lustigste Fußballturnier auch für Nichtfußballer ist das »Neuköllner Kiez­kneipenfußballturnier«, das am 14. Juli im »Werner-Seelenbinder-Sportpark« stattfand.
Kneipiers und deren Gäste erhoben sich von den Barhockern und widmeten sich der Kunst, das Runde ins Eckige zu bringen.
Insgesamt elf Mannschaften trafen an diesem Tag in den frühen Morgenstunden zwischen elf und zwölf Uhr ein, um sich anzumelden. Der »Bierbaum 1« verblüffte den Pächter des Kioskes gleich mit einer Bestellung von 30 Bieren, die ein Fußballer einhändig und tänzelnd in die Fanmeile balancierte. Saufen und laufen weiterlesen

Transparenz stärkt Demokratie

Jede dritte Anfrage von Berlinern nach geltendem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wird von den zuständigen Behörden nicht innerhalb der vorgeschriebenen Vier-Wochen-Frist beantwortet beziehungsweise abgelehnt. Im seltenen Ausnahmefall mag es durchaus gute Gründe geben, im Regelfall eher nicht. Gerade bei politisch aktuellen und relevanten Themen führt das zu verspäteter Aufklärung der Bevölkerung, was die Informationsfreiheit ad absurdum führt. Hinzu kommen teilweise horrende Auskunftsgebühren, die weniger wohlhabende Bürger davon ausschließen, ihre Rechte wahrzunehmen.
Für das vorliegende Transparenz-Gesetz Berlin gibt es neun gute Gründe, die auf der Website zu finden sind.
Bemerkenswert für uns alle ist: Die mit Steuermitteln zu erarbeitenden Daten sollen über eine Transparenz-Plattform zu erreichen sein, womit die Verwaltung letztendlich entlastet wird und ihre Digitalisierung in die Pötte kommt.

Beate Storni

Bio verdrängt Bio

Pionierinnen der »Bioase44«

Vorreiter seit 2013.       Foto: pr

Bis zur Katastrophe von Tschernobyl 1986 gab es eine Nische für Reformhäuser. Hier fanden sich Kunden ein, die gesunde Lebensmittel kaufen wollten. Dort erhielten sie nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch hervorragende Fachberatung. In anderen Läden erhielt der Kunde die Reformhausartikel wie Grünkern, besondere Heiltees, spezielle Säfte und Kindernahrung nicht. Tschernobyl war dann die Geburtsstunde der Bioläden. In diesen Zeiten suchten Mütter verzweifelt nach nicht belasteter Milch und Milchprodukten. Der Markt reagierte: Schnell wurden regionale Lebensmittel, die eine geringe oder gar keine Radioaktivität aufwiesen, von ernährungsbewussten Kunden, insbesondere von Müttern, nachgefragt.
Ein enges Netz von Bio­läden hat sich seither entwickelt. Die Karl-Marx-Straße wurde von dieser Entwicklung jedoch nicht berührt. Zusehends wurde die ehemals sehr schöne Einkaufsstraße zu einer Billigmeile. Bis zu dem Tag im Jahr 2013, als Nadia Massi und Elke Dornbach beschlossen: »Die Zeit ist reif für einen Bio­laden in der Karl-Marx-Straße«. Mit einem Mitgliedschaftssystem der Kunden konnten sie den Start schaffen. Bio verdrängt Bio weiterlesen

Der gläserne Staat

Volksentscheid Transparenz startet durch

Am 3. August startet die Unterschriftensammlung für ein Volksgesetz über öffentliche Transparenz, das bei der Bundestags- und Ab­gordnetenhauswahl 2021 den Bürgern zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
Hier der Volksentscheid in einigen Sätzen: »Um Landes- und Bezirkspolitik besser kontrollieren zu können, wollen wir per Volksbegehren ein Transparenzgesetz auf den Weg bringen. Dies zwingt Politik, Verwaltung und landeseigene Unternehmen, wichtige Informationen für alle zugänglich auf einem zentralen Online-Portal zu veröffentlichen.
Darunter fallen sämtliche Verträge, Gutachten, Senats- und Bezirksentscheidungen, die öffentliche Auftragsvergabe, Treffen von Senatsmitgliedern mit Interessenvertretern. Landes- und Bezirkspolitik werden somit transparenter«, erläutert Oliver Wiedmann, Vorsitzender des Vereins »Mehr Demokratie«.
Bereits 33 Organisationen unterstützen das Transparenzbegehren. Auffällig ist derweil: Alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien meiden bislang die Stellungnahme zu diesem Volksbegehren. Nichtsdestotrotz beginnt am 3. August die berlinweite Unterschriftensammlung.

th
info@volksentscheid-transparenz.de, Tel. 030 420 823 70
www.volksentscheid-transparenz.de
www.bb.mehr-demokratie.de

Weigandufer: Streit um Sanierungsarbeiten

Wo einst Bäume und Sträucher standen, nun versiegelte Flächen und Steinbänke ihren Platz fanden

Der Streit um die Rodungen durch Sanierungsarbeiten am Weigandufer geht in die nächste Runde. Nachdem über die vergangenen zwei Monate mehr als 300 Anwohner und Anwohnerinnen Beschwerde beim Rathaus Neukölln, dem Straßen- und Grünflächenamt, dem Sanierungsträger »Brandenburger Stadterneuerungsgesellschaft mbH« (BSGmbH) und den Parteien SPD und GRÜNE einreichten, hat das »Beteiligungsgremium Sonnenallee« am 22. Juli durch einstimmigen Beschluss das Bezirksamt aufgefordert, eine Umplanung vorzunehmen.

Beton statt Büsche.    Foto: mr

Während die Verwaltung weiterhin darauf beharrt, die Rodung von Sträuchern sei notwendig, um Barrierefreiheit garantieren zu können und der Verwilderung des Ufers Einhalt zu gebieten, fordern Anwohner eine gezielte Beachtung des Klima- und Artenschutzes und nennen die Sanierungspolitik des Bezirksamtes »unzeitgemäß und rückwärtsgewandt«. Kritik wird außerdem gegenüber der »BSGmbH« geübt, da diese bei ihrer Planung und Umsetzung eine ökologische Baubegleitung versäumt habe. Weigandufer: Streit um Sanierungsarbeiten weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 178 – Donnerstag, 7. August 1919
Verleihung der Bezeichnung »Frau« an Kriegerbräute. In mehreren deutschen Staaten ist durch Ministerialverfügungen die Möglichkeit geschaffen worden, Bräuten gefallener Kriegsteilnehmer auf Antrag die Bezeichnung »Frau« zu verleihen und ihnen die Annahme des Familiennamens des Verlobten zu gestatten. Voraussetzung hierfür ist, daß die ernstliche Absicht der Verheiratung bestand und die Eheschließung nur wegen des Todes des Verlobten unterblieben ist. Ebenso kann für ein aus dem Verlöbnis hervorgegangenes Kind die Genehmigung zur Führung des väterlichen Familiennamens beantragt werden. An der rechtlichen Stellung der Braut ändert sich durch die Verleihung der Bezeichnung »Frau« und die Führung des Namens des Verlobten nichts; die Braut erlangt hierdurch nicht die rechtliche Stellung einer Ehefrau und erwirbt weder einen Anspruch auf Witwengeld, noch ein gesetzliches Erb­recht gegenüber dem Verlobten. Auch dem Kinde steht mit der Verleihung des väterlichen Familiennamens ein Anspruch auf Waisenrente nicht zu: es kann nur wie jedes uneheliche Kind im Falle des Bedürfnisses eine widerrufliche Zuwendung aus Heeresmitteln erhalten. Auskunft über die Einzelheiten der Antragstellung erteilt die örtliche Fürsorgestelle. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Gute Nachricht für den Körnerpark

Neuköllns schönster Park bekommt neue Bänke

Noch ist der Bänkemangel im Körnerpark den Besuchern ein Dorn im Auge. Entlang der Hauptgrünfläche, zwischen Galerie und Brunnen befinden sich insgesamt 16 Buchten für Sitzflächen, von denen bisher nur noch fünf auch Bänke beinhalten, während in den verbleibenden lediglich Bodenhalterungen von einst dort angebrachten Sitzgelegenheiten prangen.

Bald wieder schöner zum Sitzen. Foto: me

Doch das soll sich nun ändern. Wie Rainer Sodeikat vom Grünflächenamt Neukölln bestätigt, wurden zehn Bänke bestellt. Bereits im vergangenen Jahr versprach Bezirksbürgermeister Martin Hikel die Bestellung neuer Sitzgelegenheiten, wobei sich der Prozess als schwierig herausstellte aufgrund der hohen Kosten jedes Einzelstücks, um den Richtlinien des Denkmalschutzes zu genügen. Gute Nachricht für den Körnerpark weiterlesen

Von Kiezhand gefüllte Stullen

Neue Croques und Piadine im Schillerkiez

Brot mit was drauf beziehungsweise drin – wessen Kühlschrank nicht genug zum Selbstbelegen hergibt, hat nun gleich zwei neue Anlaufstellen im Schillerkiez, die sich Edelvarianten der guten alten Stulle verschrieben haben. Beide seit Mai, nur eine Straßenecke voneinander entfernt, mit Hausnummer 40 und ähnlichem Konzept. Und beide ohne »feindliche« Übernahmen erfreulicherweise aus dem Kiez heraus entstanden.

Fladenbrot hier, nebenan Bier. Foto: hlb

Das »Pipapo« steht nicht für Pizza, Pasta, Pommes, sondern Piadine. In den nahezu unveränderten, mediterran-rustikalen Räumlichkeiten des einstigen Burgerlokals »Rundstück warm« werden nun diese dünnen italienischen Fladenbrote frisch gebacken und gefüllt. Die Inhaber der Kiezbar »Frollein Langner« haben den benachbarten Laden zu ihrem achtjährigen Jubiläum einfach an sich angedockt. Bestellt, gegessen und getrunken werden kann nun hier wie dort. Von Kiezhand gefüllte Stullen weiterlesen

»NK Flohmarkt«

Neukölln hat einen Neuen

Seit dem 9. Juni hat Neukölln einen neuen Flohmarkt – auf dem Kranoldplatz, dort wo allwöchentlich am Sonnabend der Wochenmarkt »Die Dicke Linda« stattfindet.

Klamotten shoppen auf dem Kranoldplatz. Foto: pr

Die Atmosphäre ist entspannt, noch muss sich nicht durchgedrängelt werden, der Platz ist luftig, obwohl die Standzahl auf mittlerweile 80 Stände angewachsen ist. Die Anmeldung für einen Stand ist sehr unkompliziert und bis 48 Stunden vor Marktbeginn möglich, die übrig­gebliebenen Stände werden am Markttag vor Beginn verteilt. Um 16 Uhr gibt es eine musikalische Einlage von Künstlern aus Berlin. Kleiner Wermutstropfen ist, dass es hauptsächlich Klamotten gibt und nicht so viele Kleinode.

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Der Flohmarkt findet alle zwei Wochen sonntags statt, die nächsten Termine sind der 4. und 18. August von 11 bis 17 Uh

Widerstand in Britz – HUFI

Mieter in der Hufeisensiedlung verbünden sich

Bei Mietern der »Deutsche Wohnen« rund um die Hufeisensiedlung in Britz gärt es. Diese private börsennotierte deutsche Wohnungsbaugesellschaft mit Hauptsitz in Berlin besitzt in dieser Stadt rund 111.000 Wohnungen, 95.000 davon waren ehemals Landeseigentum. Der Berliner Senat gedachte damals, mit ihrem Verkauf der desolaten Finanzlage der Stadt begegnen zu können.

Versammlung im Juni. Foto: rr

Für viele Mieter verkaufter Sozialwohnungen hat das nun fatale Folgen. Die neuen Besitzer erhöhen die Mieten, verdrängen so oft alte Stammmieter und fördern eine soziale Entmischung. Die »Deutsche Wohnen« fällt dabei besonders auf, denn sie muss die Gewinne steigern5, damit ihre Aktionäre gute Dividenden erhalten.
Die Lage für Mieter, nicht nur der »Deutsche Wohnen« in Berlin, wird dramatisch. Stetig steigen die Mieten, bezahlbarer Wohnraum wird stadtweit, selbst im Umland, knapp. Immer mehr Menschen müssen deshalb ihre angestammten Kieze verlassen. Blauäugig hat sich damals die Politik auf eine Regelung durch den freien Markt verlassen. Nun fehlen nicht nur 135.000 Wohnungen, Berlin hat derzeit auch den höchsten Bauüberhang, weil Bauverwaltungen überlastet sind und die Bauindustrie kaum noch Kapazitäten hat.
Aufgeschreckt durch die derzeit desaströsen Zustände auf dem Berliner Wohnungsmarkt, werden die Mieter inzwischen selber aktiv. Widerstand in Britz – HUFI weiterlesen

Geplantes, Gezeichnetes, Gespiegeltes

Wolfgang Schnell – Planer mit vielen Gaben

Wir sitzen über einem großen Plan, auf dem allerlei Straßen, Flurstücke, Häuser und noch vieles mehr eingezeichnet sind, und ich löchere Wolfgang Schnell mit Fragen, was dies oder das zu bedeuten habe. Er sagt: »Mensch, da gibt’s eine Legende, ich erkläre dir jetzt nicht jeden eingezeichneten Baum.« Am Ende tut er es doch, sehr liebevoll und geduldig.


Schnell ist Architekt, Stadtplaner, Fotograf und ein »echter« Berliner. Nur eine kurze Zeit lebte er nicht in der Stadt: Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges ging er mit seiner Mama, sie war Schriftstellerin, ins Künstlerdorf Worpswede und später dann für ein Jahr nach Hannover. Geplantes, Gezeichnetes, Gespiegeltes weiterlesen

Ein bunter Strauß aus Klängen

Musik aus aller Welt im Körnerpark

Ein bunter Strauß an Rhythmen und Klängen verschiedenster Herkunft erwartet das Publikum der Augustkonzerte. Das Programm spannt sich von indischem Funk über zeitgenössischen Salsa, Rock und Blues Songs alter Woodstockhelden, Arbeiterkampflieder auf Nasenflöten, bis hin zu anatolischen Volksweisen in modernem Jazzgewand.

Ananda Dhara – Foto: Hanna Salzer

Die Musiker von »Ananda Dhara«, die am 4. August auftreten, mischen gekonnt Elemente des bengalischen Folk und der traditionellen indischen Musik mit Rock, Blues und Jazz. Ein bunter Strauß aus Klängen weiterlesen

Fenstergespräche

Bremsschwellen und Verdrängung

KuK: Was beschäftigt dich im Kiez?
Max: Als erstes fällt mir die Verkehrslage in der Donaustraße, an der Ecke zur Erkstraße, ein. Hier ist eigentlich eine Tempo 30 Zone, nur leider hält sich kaum ein Autofahrer an die Begrenzung. Im Hochparterre sorgt das für mächtig Lärm und auf der Straße für eine hohe Unfallgefahr. Ich habe in den vergangenen Jahren schon mehrere Unfälle gesehen, die durch zu schnell fahrende Autos verursacht wurden. Ich wünsche mir auf der Höhe des Lidl Supermarkts Bremsschwellen, damit dieses Risiko ganz einfach ausgeschaltet wird. Fenstergespräche weiterlesen

Tradition beginnt mit »T«

Aufsteiger SV Tasmania gegen Tennis Borussia

Anfang August be­ginnt für den »SV Tasmania« das »Abenteuer Oberliga« – zur Erinnerung: Das Team aus Neukölln schaffte in der abgelaufenen Spielzeit den Aufstieg aus der Berlin-Liga und spielt erstmals seit 20 Jahren wieder überregional.

Tasmania und Tennis Borussia anno 2014. Foto: pr

Die Fans freuen sich besonders auf die Auswärtsfahrten, die über den Berliner Ring hinausgehen: von Rostock im Norden über Stendal westwärts, und Seelow im Osten wären das insgesamt acht Fahrten. Gehören von den Berliner Oberligisten »Hertha 06« und der »SC Staaken« eher zu den weniger beschriebenen Blättern, haben der »FC Hertha 03«, »Blau-Weiß 90« (Bundesligist 1986/87) und »Tennis Borussia« (Bundesligist 1974/75 und 1976/77) dagegen klangvolle Namen vorzuweisen. Und da der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) Wünsche der Vereine für den ersten Spieltag entgegennimmt, wählte Tasmania ein Heimspiel gegen »TeBe«. Das ging in Erfüllung: Am Sonntag, 4. August um 14 Uhr, empfangen die Neuköllner in ihrem ersten Saisonspiel die Lila-Weißen im heimischen Werner-Seelenbinder-Sportpark. Tradition beginnt mit »T« weiterlesen

Vernachlässigungen am Mauerweg

Giersch – Allrounder unter den Wildkräutern

Wird ein Hobby-Gärtner gefragt, was die eierlegende Wollmilchsau unter den Pflanzen alles können müsste, würde er antworten, dass sie Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze in einem sein sollte.Wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine muss sie enthalten, schnell nachwachsen, vom Geschmack zu Suppen, Salaten, Kartoffeln, Nudeln und Eierspeisen passen und dabei immer wieder neue Geschmacksrichtungen entfalten. Reste der Pflanze müssten als Mulch auf den Beeten den Boden mit neuen Nährstoffen versorgen.

wild(!)Kraut.                                                                                                                                             Foto: historisch

Nichts leichter als das. Leider rümpfen die meisten Gartenbesitzer die Nase, wenn sie den Namen dieses Alleskönners hören. Giersch! Oh nein, Giersch ist »Unkraut« (das Wort benutze ich nicht mehr, für mich heißt das Wildkraut), wuchert durch die Gärten und wächst bei jedem Ausrottungsversuch nur noch mehr. Dennoch bleibt es wie es ist: Giersch ist ein Allroundtalent. Vernachlässigungen am Mauerweg weiterlesen

Basteln mit Rolf

Tennisballmann

Nach Wimbledon sind die Tennisballakteure natürlich weitergezogen. Noch im traditionellen »Old England Dresscode«: Weiß zieht auch mein Ball mit. Wir brauchen einen Tennisball, einen schwarzen Edding, zwei Einmallöffel, zwei Umrührstäbchen, alle aus weißem Kunststoff, einen größeren weißen Schraubverschluss, ein Teelicht, ein scharfes Messer, ein Paar lederne Arbeitshandschuhe und wie immer: Lust zu Pfriemeln.
Einmalplastikbesteck lässt sich nach kurzem und vorsichtigem Erwärmen über einer Flamme gut verformen. Dabei sollten die Arbeitshandschuhe getragen werden, um die Finger vor der Wärme des Kunststoffes zu schützen. Aus den Löffeln entstehen die Füße und aus den Umrührstäbchen die Arme. Mit dem Messer werden vorsichtig vier Schlitze in den Ball gestochen, durch die dann die Stiele unserer »Gliedmaßen« ins Innere des Balles geschoben werden.
Mit einem Edding erhält der Ball ein Gesicht, womit unserer Ballakteur eigentlich schon fertig wäre. Seine fesche Kopfbedeckung ist ein Schraubverschluss samt Gewinde einer Plastik-Pillendose, die so beschnitten wurde, dass am Gewindeteil Material für eine Hutkrempe stehen blieb.

rr
Ein Foto eures Nachbaus herzlich gern bitte an rolf@kuk-nk.de

Petras Tagebuch

Ein Tiger in der Wohnung

Wenn ich mich am Sonnabendmorgen auf einen langen Arbeitstag vorbereite, brauche ich schlichtweg meine Ruhe, um alles nochmal durchzugehen, um nichts zu vergessen. Um 8:15 Uhr fahre ich dann los, um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen.
An diesem Sonnabend war meine gewohnte Ruhe vorbei, als es an der Tür klingelte. Dort stand mein Nachbar und bat um Einlass. Ich bot ihm eine Tasse Tee an, und er sagte nur einen Satz: »In meiner Wohnung ist ein Tiger.« Petras Tagebuch weiterlesen

Nachhaltiges Neukölln

Das »Schön wie wir« Maskottchen Lilo und der Bürgermeister.Foto: mr

Auf dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest wird an die Bürger appelliert

Wie wollen wir langfristig als Gesellschaft leben? Was kann jeder einzelne tun, um ein lebenswertes, nachhaltiges und vor allem müllfreies Neukölln zu gestalten? Das zweite Umweltund Nachhaltigkeitsfest Neukölln am 22. Juni am Herrfurthplatz stellte dazu wichtige Ideen vor. Organisiert wurde es vom »Genug e.V.« und von der Bewegung »Schön wie wir«, das mit dem Projekt »Mehrweg-Beratung« das Müllproblem bei der Wurzel packen will. Nachhaltiges Neukölln weiterlesen

Drogenhandel und Spätverkauf

Das hat nicht sehr viel miteinander zu tun, sollte man meinen. Stimmt aber leider nicht. Beides basiert genau wie Waffenhandel, Geldwäsche, wilde Abfallentsorgung, Mietwucher und weitere »nette« Angelegenheiten auf Gesetzesverstößen. Es gibt nun mal ein Ladenöffnungsgesetz, und daran hat man sich zu halten. Es gibt geregelte Ausnahmen, der sonntags geöffnete Späti gehört nicht dazu.
Das gefällt verschiedenen Leuten, insbesondere einigen den »Grünen« zuzurechnenden, nicht. Die sind daher bereits dabei, die gesetzliche Grundlage mit mehr oder minder fadenscheinigen Argumenten ändern zu wollen. Man kann doch nicht ernsthaft behaupten, dass das gesamte Gebiet innerhalb des S-Bahnrings touristisch ist! Dann sollte schon lieber den Vorstellungen von- Florian Swyter gefolgt werden.

Harald Schauenburg

Kiezkultur versus Gesetz

Spätkaufinhaber demonstrieren für Sonntagsöffnung

Die Milch für den Sonntagskaffee ist alle, der Tabak auch, und etwas zum Naschen wär auch noch ganz schön. Alles kein Problem, denn wenn die Supermärkte dicht haben, versorgen die Spätis Anwohner und Touristen mit dem Lebensnotwendigen.
Legal ist das nicht, denn gemäß dem Ladenöffnungsgesetz dürfen Spätis an Sonn- und Feiertagengar nicht geöffnet haben. Für die kleinenLäden sind die Sonntagsöffnungszeiten aber wichtig, weil sie dann quasi konkurrenzlos das beste Geschäft der Wochemachen.
Am 16. Juni haben rund 250 Späti-Betreiber auf dem Hermannplatz füreine Modernisierung des Gesetzes demonstriert und eine Gleichstellung mit Tankstellen und Bahnhofsgeschäften gefordert, für die es Ausnahmen gibt.

Spätidemo. Foto:mr

»Spätis gehören zu Berlin so wie die BVG, der Checkpoint Charlie und der Mauerpark. Sie sind zentraler Bestandteil der Berliner Kiezkultur, Nachbarschaftstreffpunkte und schaffen Arbeitsplätze«, rief Alper Baba, Neuköllner Späti-Betreiber und Vorsitzenderdes Vereins »Späti e.V« den Anwesenden zu. Wenn der Sonntag gestrichen werde, würden viele Läden zumachen müssen und Familien ihre Existenzenverlieren. »Meine Familie und ich wollenselbst entscheiden, wann wir arbeiten.« Kiezkultur versus Gesetz weiterlesen

»58 Plus« will mehr

»Sostaplan e.V.« bremst aktive Senioren aus

»Eine Nachbarin hat mir gesagt, sie kann nur 82 werden, dann sind alle ihre Ersparnisse verbraucht«, sagt Ariane Metzger empört. »Wir haben ein Leben lang gearbeitet und bekommen dafür zu wenig Rente. Steigende Mieten können wir uns nicht leisten. Aus meiner Wohnung im Bergmannkiez wurde ich heraus gentrifiziert, zum Glück habe ich hier im Flughafenkiez eine Genossenschaftswohnung gefunden.« Ariane Metzger gehört zu den Wegbereiterinnen und zum sechsköpfigen Beirat des Projektes »58 plus« für den Flughafenkiez.
Der Flughafenkiez ist dicht bebaut und durchzogen von Durchgangsstraßen. Sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund leben hier und betreiben Geschäfte, ebenso viele junge Menschen, die nur vorübergehend in Berlin sind. Selten sieht man ältere Menschen auf den Straßen. Im Kiez leben etwa 700 Leute, die im Rentenalter sind. Die Altersarmut im Flughafenkiez überschreitet zwanzig Prozent, erreicht damit das Vierfache des Berliner Durchschnitts. »58 Plus« will mehr weiterlesen

Ringen in der BVV

Reinigungskräfte, Buschkrugpark, Werbeflächen für Hilfsangebote

Weil immer wieder Reinigungsfirmen gekündigt werden muss, da sie ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht oder nur ungenügend nachkommen, soll die Reinigung in den Neuköllner Schulen rekommunalisiert werden. Das beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 10. Juni.

Bezirk will selber putzen. Foto: Symbolbild

Ebenfalls angenommen wurde der Antrag der Grünen, sich beim Senat für eine Verbesserung der Personalsituation der August-Heyn-Gartenarbeitsschule (AHGAS) einzusetzen. Die Schule betreut jährlich rund 30.000 Menschen, vom Kita- bis ins Erwachsenenalter, in Umweltbildungsangeboten und leistet damit sehr wichtige Bildungsarbeit. 20 Klassen betreuen eigene Beete auf dem Gelände der AHGAS. Um diese Arbeit auch in Zukunft anbieten zu können, ist eine feste Unterstützungskraft für den administrativen Bereich erforderlich. Ringen in der BVV weiterlesen

»Blaues Gold« kostenlos vor dem Rathaus Neukölln

Neuer Trinkwasserbrunnen für alle

Seit dem 5. Juni sprudelt kostenloses Trinkwasser aus einem schmalen, filigran gestalteten Brunnen auf dem Platz vor dem Rathaus Neukölln. Die künstliche Quelle ist von der Farbe her passend tiefblau gestrichen. Die Einweihung durch Bürgermeister Hikel und Johannes Tiefensee von den Berliner Wasserbetrieben war Teil einer »Trinkwasseroffensive«.

Und fröhlich sprudelt das Nass. Foto: fh

Obwohl Wasser in der Nutzung transparent erscheint, gilt es als »blaues Gold«, welches der Erde den Namen »der blaue Planet« verliehen hat, denn die Erde besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Für die Gesundheit aller Lebewesen auf der Erde ist Wasser unverzichtbar. Es kann zum wichtigsten Rohstoff des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden.
Beliebt ist Wasser bei den Berlinern auf jeden Fall. Im Monat Mai bei starker Hitze verbrauchten sie so viel Trinkwasser wie seit 18 Jahren nicht mehr. Die »Berliner Morgenpost« gibt laut Auswertung der Berliner Wasserbetriebe 21,4 Millionen Kubikmeter an. Doch nur fünf Prozent davon werden für Kochen und Trinken genutzt. 14 Prozent entfallen auf Waschen und Geschirrspülen, 31 Prozent auf Toilettenspülung und 40 Prozent auf Körperpflege. Zum Trinken wird industriell produziertes Mineralwasser bevorzugt. »Blaues Gold« kostenlos vor dem Rathaus Neukölln weiterlesen

von Neuköllnern für Neuköllner

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