Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 233 – Donnerstag, 4. Oktober 1917
Giftmord an einem Säugling. Im Krankenhause Bethanien starb das vier Wochen alte Kind Ilse der Arbeiterin Minna Roskoden, das von der Mutter dorthin gebracht worden war, unter Vergiftungserscheinungen. Unter dem dringenden Verdacht, das Kind vergiftet zu haben, wurde der Geliebte der Roskoden und der Vater des unehelichen Kindes, der Arbeiter Franz Metag, festgenommen. Er soll am 30. September in der Wohnung der Roskoden gewesen sein und in die Milch Gift gemischt haben. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Mit Stoff und Seele

Jeder Frau steht ein gut geschnittenes Kleid

Eigentlich wollte Marion Czyzykowski nach der Schule Dekorateurin werden, aber da machte ihr der Staat einen Strich durch die Rechnung. Die DDR wollte nur noch Männer zum Dekorateur ausbilden. Sie fanden die Arbeit für eine Frau zu schwer. Also ist Czyzykowski in die Fußstapfen ihrer Großmutter getreten und wurde Schneiderin.

Modeln bei Kutschen-Schöne.                                                                                             Foto: privat

An dieser Stelle darf dem DDR-Staat durchaus gedankt werden, denn Marion Czyzykowski wurde Schneiderin mit Leib und Seele. Als sie 1979 nach Westberlin kam, lag die Schneiderei in der Stadt am Boden. Sie hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, verlor die Schneiderei jedoch nicht aus den Augen. Über die Jahre hat sie sich einen treuen Kundenstamm aufbauen können, den sie bei der Auswahl von Farben, Mustern und Formen berät. Mit Stoff und Seele weiterlesen

Herrn Lindemanns berauschende Heilkräutertinkturen

Originelle Cocktail-Kreationen am Richardplatz

Geschmackvoll eingerichtete Bars mit gut gemixten Drinks und einem aufmerksamen, unaufdringlichen Service sind nicht gerade das gastronomische Markenzeichen unseres mal geliebten, mal gehassten, ach so hippen Kiezes. Insofern zählt die Bar von Peter Edinger und seinem Team wohl eher zu den wohltuenden Ausnahmen des Neuköllner Nachtlebens. Den Futschi für einen Euro, wie in der Vorgänger-Kneipe »Hang Over«, gibt es bei »Herr Lindemann« allerdings nicht mehr.

Am Tresen ist ein Plätzchen frei.                                                                                                                     Foto: pr

Stattdessen findet der Gast bei der Durchsicht der liebevoll gestalteten und sehr informativen Getränkekarte neben bekannten Cocktail-Klassikern auch eine kleine, aber feine Auswahl an von Edinger selbst kreierten und mit selbst hergestellten Kräutertinkturen zubereiteten Cocktails auf Heilkräuter-Basis. Herrn Lindemanns berauschende Heilkräutertinkturen weiterlesen

Natürlich mit Liebe

Sommelier Pedro und Chef Yoav machen Weinbartraum wahr

»Es war Liebe auf den ersten Blick«, sagt – noch auf englisch – Pablo, der einst das Sommelierfach in seiner Heimat in Barcelona lernte, über den Moment, als er die seit Monaten leer stehende Weinbar (zuvor »W«) als Objekt seiner Traumverwirklichung entdeckte. Seit zwölf Jahren kennt er Berlin, arbeitete zuvor – nach vielen gastronomischen Stationen – zwei Jahre mit seinem kochenden Freund Yoav in Mitte, aber erst im Nordneuköllner Kiez fühlt er sich »wie zuhause«. (Nur) mit Yoav sollte es nun ein eigenes Lokal werden, das Liebe, Wein und einfach delikates Baressen verbindet.

ZWEI Naturelle servieren Natürliches.                                                                                                      Foto: hlb

So setzen die beiden freundlich aufmerksamen Männer die Tradition des Vorgängers »W« mit eigenem, einladenden Stil um, und die Nachbarschaft freut sich bereits über den neuen legeren Hangout.
Zu trinken gibt es Weine, die Pedro bei der Verkostung überrascht haben. »Die Berliner sind offener und experimentierfreudiger.« Je vier offene weiße und rote Weine (3 bis 5 EUR pro Glas) – dazu Rosé und »Bubbles« – aus Europa, gern auch mal aus Serbien oder Ungarn, unbedingt organisch und ökologisch einwandfrei bis hin zu Naturweinen, »Naturales« eben, stehen immer auf der Tafel. An der Flaschenkarte wird eifrig gearbeitet (also testgetrunken). Natürlich mit Liebe weiterlesen

Eine Stimme ist jedem inne

In Hinterhöfe schauen lohnt sich wieder

In den kreativen Neuköllner Hinterhöfen tummeln sich vielfältige Manufakturen, vom Kunsthandwerk über Studios bis hin zum angesagten Restaurant.
In einem der Gewerbehöfe in der Elbestraße hat sich Bianca Döring, Schriftstellerin, Malerin und Sängerin, gemeinsam mit Kunsthistorikerinnen, Journalistinnen, einer Gestalttherapeutin und einem Verein für Kinder und Jugendliche in der vierten Etage eingerichtet.
Ihr Multifunktionsraum lädt mit seiner warmen und bunten Atmosphäre sofort dazu ein, sich wohlzufühlen und völlig ungezwungen auszuprobieren. Worin? Das kann sich jeder aussuchen! Eine Stimme ist jedem inne weiterlesen

Britz ist bunt

Laut, rhytmisch und fröhlich in der Pfingstkirche

Immer sonntags fallen vor der Kirche »zum heiligen Schutzengel« in Britz, die stets festlich gekleideten Menschen auf. Die Vermutung, sie würden dort am katholischen Gottesdienst teilnehmen, ist falsch, denn den gibt es dort nicht mehr. Das katholische Erzbistum Berlin Brandenburg legte die stark geschrumpfte Gemeinde mit einer anderen in Britz zusammen, entwidmete 2011 die Kirche und verkaufte sie aus Kostengründen.

Gott ohne Vorgaben.                                                                                                                                             Foto: rr

Sie heißt nun »Cathedral of Prayer« und ist im Besitz einer freien, lutherischen Pfingstgemeinde. Diese christliche Glaubensgemeinschaft formierte sich um Pastor Kingsley Nimo und ist eine selbständige Tochtergemeinde des christlichen Zentrums, dem die Kirche am Südstern gehört. Britz ist bunt weiterlesen

Gott und die Zeit

Herr Arndt und die Liebe zum Comiczeichnen

Aike Arndt sitzt am liebsten in einem Cafe oder einer Kneipe und zeichnet Storyboards für seine Comics. Er möchte nicht die Menschen oder das Geschehen dort zeichnen, vielmehr mag er die in der Öffentlichkeit belebte Atmosphäre, das Angebundensein ans Leben und doch Ruhe und Raum für sich zu haben. Aike studierte in Münster Illustration, machte 2007 sein Diplom und lebt seit 2010 in Neukölln.
Eines seiner zentralen Themen ist die Zeit. So auch schon in seinem Diplomfilm »STYX«. Der schwarz-weiß gezeichnete Animationsfilm erzählt liebevoll und humoristisch die Überfahrt ins Reich der Toten. In der griechischen Sage ist der Fluß Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Hades, der Unterwelt. Um auf die andere Seite zu gelangen, muss der Fährmann Charon bezahlt werden.

Aike macht Live-Zeichnen auf Hochzeiten, Konferenzen und Betriebsfeiern und zeichnet ab und zu auch für Magazine.
Er gibt auf Anfrage auch Comic-Workshops für alle möglichen Gruppen, seien es Firmen oder Schulklassen. Hauptsächlich allerdings interessiert ihn das narrative Kontinuum des Comics, das Erzählen in mehreren Bildern. Gott und die Zeit weiterlesen

»Anwohnerklopfen«

Isabelle Stamm im Gespräch mit dem Bildhauer Axel Peters

Der Neuköllner Künstler Axel Peters arbeitete vom 17. Juli bis 11. August auf der Terrasse der Galerie im Körnerpark. Die Parkbesucher hatten die Gelegenheit, Zeugen seines künstlerischen Arbeitsprozesses zu werden.
Die Aktion wurde mit Mitteln des Fachbereichs Kultur des Bezirksamts Neukölln unterstützt.

Der Körnerpark wird zur öffentlichen Werksatt                                                                         .Foto: Klenner

Wie haben die Besucher auf Sie und den Steinblock, der sich durch Ihre Hände zum Kunstwerk transformierte, reagiert?
Die Besucher waren sehr interessiert und kommunikativ, mich hat das große Redebedürfnis der Anwohner erstaunt. Wir führten nicht nur Gespräche über die Arbeit des Bildhauers, sondern auch über Gott und die Welt. Alle Bevölkerungsschichten fühlten sich angesprochen Kollegen, Laien, Anwohner, Obdachlose, Kinder. »Anwohnerklopfen« weiterlesen

Spuren und Spiralen

Faszinierende Arbeiten im KINDL

Den aktuellen Arbeiten ist ein großes Publikum zu wünschen, denn beide Ausstellungen sind, so unterschiedlich ihr künstlerischer Ansatz auch ist, absolut sehenswert.

Silo der Stille .                                                                                                                                                           Foto: pr

Die neuesten Werke der Berliner Bildhauerin Asta Gröting, die in der untersten Etage des Maschinenhauses unter dem Titel »Berlin Fassaden« gezeigt werden, sind Silikonabgüsse von Mauerstücken, die noch die Wunden des Zweiten Weltkriegs in Form von Einschusslöchern in sich tragen. Das Silikon lässt jede noch so kleine Unebenheit an den Fassaden sichtbar werden. Durch die starke Haftung werden Jahrzehnte alter Staub, Dreck, kleine Mauerstücke, selbst Graffities auf die Abdrücke mit aufgenommen, die so wie bemalt wirken. Die Einschusslöcher treten als Narben der Geschichte auf den Negativabdrücken hervor. Spuren und Spiralen weiterlesen

Mensch, Maschine und Musik

Das Label »Mechatronica« macht erfolgreich Elektronik

Die Musiklegende »Kraft­werk« könnte das Vorbild der Gründer von »Mechatronica« gewesen sein, denn Federico und Daniel sind fasziniert von der Verbindung von Mensch und Maschine und der Musik, die aus dieser Symbiose entsteht. Eigentlich ist ihnen dieser Vergleich zu einfach, schließlich sind »Kraftwerk« der Ursprung fast aller elektronischer Musik, und gerade davon wollen sie sich abgrenzen.

Da, wo alles begann: »Mechatronica« im »Samehaeds«                                                                     .Foto: pr

Die Berliner Clubszene wird ihrer Meinung nach von immer gleichem, massentauglichem Minimal und Techhouse dominiert.
Federico aus Italien und Daniel aus Chile lernten sich in einem Deutschkurs kennen. Als sie dann vor fünf Jahren ihre erste Party im »Sameheads« veranstalteten, setzten sie auf analoge Geräte und industriellere Klänge. Damit trafen sie den Nerv einer Nische, und bald folgten Partys im »Loophole« und in der »Griessmühle«, auf denen mittlerweile Künstler aus der ganzen Welt spielen. Mensch, Maschine und Musik weiterlesen

»Kazim, wie schaffen wir das?«

Biographie eines Kämpfers gegen Sprachlosigkeit und Gewalt

Ohne Sprachkenntnisse, mit wenig Geld aber großen Träumen kam Kazim Erdoğan 1974 aus der Türkei in Deutschland an. Wie es ihm gelang, in Deutschland anzukommen, einen Studienplatz zu bekommen, Deutsch zu lernen, Psychologie und Soziologie zu studieren und zu einem der führenden Integrationsexperten in Deutschland und Träger des Bundesverdienstkreuzes zu werden, das berichtet die Journalistin Sonja Hartwig in ihrem Buch »Kazim, wie schaffen wir das?«. Am 25. September stellte sie es gemeinsam mit Kazim Erdoğan in der Neuköllner Oper vor.

Kazim Erdoğan und Sonja Hartwig.                                                                                                             Foto: mr

Mehrere Jahre hat sie Erdoğan begleitet und bei seiner Arbeit beob­achtet. Sie zeichnet ein liebevolles Porträt des Gründers der ersten Selbsthilfegruppe für türkische Männer, eines von vielen Projekten des Vereins »Aufbruch Neukölln«, dessen Vorsitzender er ist. »Kazim, wie schaffen wir das?« weiterlesen

Ausgezeichnet und engagiert

»Leporello« in Rudow erhält den deutschen Buchhandlungspreis

So richtig gerechnet hat Heinz Ostermann nicht mehr mit dem Buchhandlungspreis. Zum dritten Mal in Folge hat sich der Inhaber der »Leporello«-Buchhandlung in Rudow für den Preis beworben, zweimal ist er leer ausgegangen. Er sei schon enttäuscht gewesen, erzählt der Buchhändler, denn er sei immer sehr aktiv gewesen.
In der Tat ist Heinz Ostermann sehr engagiert. Sechsmal veranstaltete er bereits das Literaturfestival »Rudow liest«, außerdem organisiert er einen Leseklub, und es finden regelmäßig Lesungen statt. Seit einem Jahr ist er auch in der Initiative »Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus« aktiv. Ausgezeichnet und engagiert weiterlesen

Immer wieder sonntags

Die große Musikwelt im kleinen Zitronencafé

Nach den Sommerkonzerten im Körnerpark mit neuem Besucherrekord, geht es im Herbst im Zitronencafé etwas kleiner weiter, aber mit ebenso hohem Anspruch. Im gemütlichen Ambiente präsentieren sich Musiker, die aus unterschiedlichen Ländern wie Bulgarien, England, den USA und Deutschland kommen, aber eine feste Bleibe in Berlin haben.

Subsystem.                                                                                                                                     Foto: Sandra Schuck

Eröffnet wird die Reihe am 8. Oktober um 18 Uhr mit dem »BalkaNova Duo«. Bulgarische Volkslieder und klassische Sagen des Balkans, auf jazzige Weise interpretiert, sind der Stoff, aus dem die bulgarische Sopranistin Viktoria Lasaroff und der deutsche Gitarrist Andreas Brunn ihre emotionalen, mitreißenden Auftritte generieren. Mit ihrer warmen facettenreichen Stimme und seiner siebensaitigen Akustikgitarre verweben die beiden Künstler feinsinnige Harmonien, rasante Rhythmen und die für den Balkan typische Metrik zu einem besonderen Klangerlebnis. Immer wieder sonntags weiterlesen

Chapeau Château

Tagebuch über eine Weinreise

Josephine Raab.Foto:                                                   Julia Schwarz

Im vergangenen Jahr fuhren Josephine Raab, Felix Hungebühler und Stefan Bubenzer von »Das schwar­ze Glas« mit dem Wohnmobil quer durch Frank­reich. Ziel war, so viele Winzer wie möglich aufzusuchen, um so eine Auswahl der besten Weine für das »Schwarze Glas« zu treffen. Das Wohnmobil hat den unschlagbaren Vorteil, dass alle drei an den Weinverkostungen teilnehmen konnten und den folgenden Rausch ohne Autofahrt wegschlafen konnten. Chapeau Château weiterlesen

Berlin-Liga

Von Rixdorf bis Rudow – bislang »keene Musike«

Seit dem Aufstieg vergangene Saison macht »Schwarz-Weiß Neukölln« seinem Namen alle Ehre: Entweder es läuft schlecht, oder gut – durchschnittlich dagegen eher selten. Nur drei Punkte aus acht Spielen holten sie bislang. Dazu fallen wichtige Spieler aus – mit Jacobsen etwa der beste Torschütze 2016/17 (14 Treffer).
Kleiner Trost: Letzte Saison lief es lange Zeit auch schlecht für den Verein aus Britz-Süd. Noch also kein Grund zur Panik bei den abstiegskamferprobten Schwarz-Weißen. Vielleicht klappt‘s mit dem ersten Sieg ja im Heimspiel gegen den »Nordberliner SC« (15.10.) – am 29.10. gibt dann Tabellenführer »Croatia« seine Visitenkarte in Britz-Süd ab.

Zum Verzweifeln: Tobias Schmidt (Schwarz-Weiß) trifft den Innenpfosten, von dort landet der Ball in den Armen des Torwarts von Eintracht Mahlsdorf – die Neuköllner verlieren 0:1                                                                                                                                                                                     Foto: Hagen Nicklé

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Basteln mit Rolf

Kastagnetten

Noch einmal ein einfaches Klanginstrument, dass wieder gut mit jüngeren Kindern gemacht werden kann. Gebraucht wird eine Schere, etwas Karton oder Well­pappe, zwei Kronkorken und Heißkleber. Und, wie immer, Freude am Pfriemeln!


Der benötigte Pappstreifen sollte 15 – 20 Zentimeter lang und etwa zwei Zentimeter breit sein und mittig gefaltet werden. An die Enden der Innenseite werden die Kronkorken so geklebt, dass sie mit ihrer Außenseite aufeinander treffen. Wird eine Papphälfte zwischen Daumen und Mittelfinger gehalten, kann die gegenüberliegende mit dem Mittelfinger drauf geschlagen werden. Schon kann toll geklappert werden.
Wer möchte, kann die Pappstreifen noch bemalen, oder, weil es schon Walnüsse zu kaufen und zu sammeln gibt, an Stelle der Kronkorken, auch zwei leere halbe Nussschalen nehmen.

rr

Vitamine in Schale geworfen

»Ein Apfel am Tag spart den Arzt«

Der richtige Wildapfel, so wie er an der Thomasstraße zu finden ist, ist roh nicht essbar, wird aber in Scheiben geschnitten und getrocknet zu einem leckeren Tee.
Der Holzapfel ist vielleicht die heimische Stammform des Kulturapfels. Er steht vielfach in den Rollbergen und sieht schön in vorweihnachtlichen Sträußen aus.

Gottesfrucht.                                                                                                                                historische Zeichung

Äpfel sind tatsächlich älter als wir Menschen. Kein Wunder, dass in der Bibel im ersten Kapitel unsere Entstehung mit einer Frucht, die schon ewig da ist, in Verbindung gebracht wird. Vitamine in Schale geworfen weiterlesen

Petras Tagebuch

Fragen an die »BSR«

Die Berliner Kranoldplätze in Neukölln und Lichterfelde-Ost sind historisch interessante Orte.
Während der Amtszeit von Viktor Ferdinand Kranold (1838 – 1922) als Präsident der Eisenbahndirektion Berlin wurden die Eisenbahnstrecke nach Lichterfelde-Ost sowie der Bahnhof Hermannstraße in Neukölln gebaut. Ihm zu Ehren erhielten die Plätze ihren Namen.
Über Lichterfelde-Ost kann ich mich nicht äußern, aber den Neuköllner Kranoldplatz besuche ich häufiger. Er sieht schon ein wenig heruntergekommen aus: Die Bäume behaupten sich halblebig zwischen den Pflastersteinen und versuchen zu überleben. In den Baumscheiben finden sich wenige Gräser, die sich stolz, aber kränkelnd über Hundekacke, leere Schnaps- und Bierflaschen, benutzte Windeln und coffee-to-go-Bechern erheben. Die Wall-Toilette ist seit Monaten kaputt und fügt sich somit gut in das morbide Ensemble. Dabei war auf dem Platz vor vielen Jahren ein durchaus lebendiger Markt, der sich bis in die Seitenstraßen zog. Heute ist dort wieder ein Markt: DIE DICKE LINDA. Klein und fein versucht er, die Morbidität zu übertünchen. Petras Tagebuch weiterlesen

Per Pedale durch Neukölln

In Zukunft sicher durch die Karl-Marx-Straße?                                                                                       Foto: fh

Neue Radwege in der Karl-Marx-Straße

Seit der Regierungsbildung des neuen Senats hat das Fahrrad eine neue Bedeutung bekommen. Radwege sollen entstehen und Gefahrenstellen für Radler entschärft werden.
Als die Lenkungsgruppe [Aktion! Karl-Marx-Straße] am 8. August tagte, stand eben dieses Thema im Vordergrund. Die Lenkungsgruppe ist ein Beteiligungsgremium, das die Belange von Bürgern und Gewerbetreibenden in der Karl-Marx-Straße und den abzweigenden Nebenstraßen koordiniert.
Geplant ist ein Radweg beidseitig der Karl-Marx-Straße von der Weichselstraße bis zum Hermannplatz. Diese Lösung stellt nur eine Zwischenlösung dar, weil die Sanierung der Karl-Marx-Straße wahrscheinlich erst 2022 beendet sein wird. Bis dahin wird an einer dauerhaften Lösung gearbeitet. Die Karl-Marx-Straße ist eine Hauptverkehrsader und fällt von der Zuständigkeit und der Finanzierung dem Senat zu.
Folgerichtig war Roland Jannermann, zuständig in der Senatsverwaltung für Verkehrsplanung, anwesend. Drei Planungsvarianten wurden vorgestellt: Per Pedale durch Neukölln weiterlesen

Wählen gehen!

Zur Bundestagswahl treten diesmal 42 Parteien an. Neben den derzeit vertretenen Parteien sind themenspezifische zu Grundeinkommen, Mieten oder Naturschutz bis hin zur Vegetarier-Partei sowie Allianzen und Bündnisse im Angebot. Da sollte doch für jeden das Passende dabei sein.
Laut Artikel 38 Grundgesetz hat jeder volljährige Deutsche die Möglichkeit, sein Wahlrecht zu nutzen. Schließlich ist der Souverän unseres Landes immer noch das Volk.
Die Wahlprogramme der einzelnen Parteien sind gezielte Absichtserklärungen, an denen sich die spätere Arbeit der Abgeordneten messen lassen muss.
Viele Wähler haben den Glauben an Parteien und Abgeordnete verloren und engagieren sich in Bewegungen und Ini­tiativen, die Direkte Demokratie einfordern und umsetzen. Das ist gut und wünschenswert, widerspricht jedoch in keiner Weise der Möglichkeit, sein Wahlrecht auszuüben.
»Nicht-Wählen« ist zwar auch eine Aussage, nur leider keine, mit der sich inhaltlich arbeiten lässt.

Beate Storni

Haus 104 – Die Stadt sind wir!

Eröffnung des Bürgerhauses auf dem Tempelhofer Feld

Das Gebäude 104 auf dem Tempelhofer Feld ist seit dem 14. August 2017 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Während einer kleinen Feier wurden die Schlüssel für Haus 104 von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz an Evelyn Bodenmeier von der Geschäftsstelle für die Feldkoordination übergeben.

Neue Inhalte zwischen Feldlerchen.                                                                                                             Foto: mr

Es ist eines von circa 30 Bestandsgebäuden auf dem Feld und diente schon im Zweiten Weltkrieg als Peilanlage zur Funkortung von Flugzeugen, später der US Air Force als Radiosondenstation und Flugwetterwarte. Zuletzt wurde das Gebäude von der Freien Universität als Wettermessstation genutzt.
Nun wird das Haus 104 seiner Bestimmung als Treffpunkt der weiteren Bürgerbeteiligung, entsprechend des Entwicklungs- und Pflegeplans (EPP) zum Tempelhofer Feld, zugeführt. Haus 104 – Die Stadt sind wir! weiterlesen

Fritz & Kneipe

Fritz Felgentreu steht Rede und Antwort

Vor vier Jahren wurde Fritz Felgentreu (SPD) von den Neuköllnern als Direktkandidat in den Bundestag gewählt. In der nächsten Legislaturperiode möchte er diese Arbeit fortsetzen. Auch bei dieser Wahl tritt er wieder als Direktkandidat an.

Neulich im »neulich«.                                                                                                                                          Foto: mr

Im Brauhaus »neulich« berichtete er am 22. August über seine Arbeit in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für Verteidigung und gab einen Überblick über die Themen, denen er sich in den kommenden Jahren widmen möchte.
Sein Credo ist, Bildungs- und Familienpolitk als Einheit zu betrachten. Daher setzt er sich auch dafür ein, nicht das Kindergeld zu erhöhen, sondern dieses Geld in Schulen und Kitas zu investieren, weil das die beste Förderung von Familien und Kindern sei. Im Sinne der Chancengleichheit sollten besonders den Kindern aus bildungsfernen Familien, die zuhause keine Unterstützung erhalten, in der Schule gute Rahmenbedingungen zum Lernen geboten werden. Dazu gehöre auch der Rechtsanspruch auf Hortplätze. Ein kostenloses Mittagessen sei zudem für die Familien eine große Erleichterung. Fritz & Kneipe weiterlesen

Deutschland hat die Wahl

Es wird neu gemischt

Am 24. September wird der 19. Deutsche Bundestag, die Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland, gewählt. An diesem Tag können die Bundesbürger darüber entscheiden, welche Parteien für die nächsten vier Jahre im Parlament und in der künftigen Bundesregierung die Geschicke des Staates lenken werden.

Regieren macht Spaß.                                                                                                                                          Foto: fh

42 Parteien bewerben sich um die Stimmen der rund 61,5 Millionen Wahlberechtigten, in Berlin sind es 24 Parteien.
Die Bundesrepublik ist in 299 Wahlkreise eingeteilt, in denen jeweils ein Abgeordneter direkt gewählt wird. Die übrigen Mandate werden über die Landeslisten der Parteien vergeben. Somit haben die Wähler zwei Stimmen, die sie beliebig verteilen können. Mit der Erststimme wählen sie die Wahlkreiskandidaten. Das Direktmandat gewinnt der Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen erhält. Die Zweitstimme entscheidet über die Anteile der Parteien im Bundestag. Ins Parlament einziehen können aber nur Parteien, deren Stimmenanteil mindestens fünf Prozent der abgegebenen Zweitstimmen beträgt. Deutschland hat die Wahl weiterlesen

Wahlen

Direktkandidaten zur Wahl

Im Rahmen der Bundestagswahl hat die Kiez und Kneipe die Neuköllner Direktkandidaten zu ihren Programmen befragt. Ausgewählt wurden die Parteien, die derzeit in der Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln vertreten sind.
Ziel der schriftlichen Befragung ist es, dass die Kandidaten in wenigen Worten ihre Positionen darstellen und der Leser einen direkten Vergleich hat. Alle Kandidaten haben die folgenden Fragen erhalten:
Fragen an die Kandidaten für den Bundestag
1. Welche politischen Themen haben für Sie im Moment die absolute Priorität?
2. Kinder einkommensschwacher Eltern haben schlechtere Bildungschancen. Was wollen sie dagegen tun?
3. Wie schätzen Sie hinsichtlich der Umweltproblematik die Zukunft des Autoverkehrs ein?
4. Wie wollen Sie die Renten für die Zukunft sichern?
5.  Gibt es für Sie eine Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland?
6. Wie stehen Sie zur erkennungsdienstlichen Videoüberwachung im öffentlichen Raum? Wahlen weiterlesen

Aufruf an Kinder und Jugendliche

U18-Wahl und Party in Neukölln

Unter der Schirmherrschaft von Jugendstadtrat Falko Liecke findet am 15. September die U18-Wahl in Neukölln statt. Alle Kinder und Jugendlichen sind aufgerufen, sich in 15 Wahllokalen in ganz Neukölln zu beteiligen.
Eines der Wahllokale befindet sich im Rathaus Neukölln,
Karl-Marx-Straße 83,
Raum A168 (1. Etage), 08:00 bis 15:00 Uhr.
Im Anschluss an die Wahl im Rathaus startet ab 16:00 Uhr die große bezirkliche U18-Wahlparty im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe, Mittelweg 30, 12053 Berlin.
Am 15. September öffnen deutschlandweit die U18-Wahllokale ihre Türen. Alle unter 18-Jährigen, die ihre Stimme abgeben möchten, können vorbeikommen und ihre Kreuzchen machen. U18 liefert damit kurz vor der Bundestagswahl ein politisches Stimmungsbild der Kinder und Jugendlichen in Deutschland.
U18-Wahlen werden seit dem ersten Mal im Jahr 1996 immer neun Tage vor einem offiziellen Wahltermin abgehalten. Zur Bundestagswahl, Europawahl und Landtagswahlen rücken politische Zukunftsdiskussionen ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Das beschäftigt auch Kinder und Jugendliche, sie stellen sich Fragen und äußern politische Wünsche.
pm

Deutschland wählt

Der Gnom aus Neukölln macht sich Gedanken zur Bundestagswahl

Die Wahlen für die Zusammensetzung des nächsten Bundestages stehen vor der Tür. Im Grunde gibt es viel Normalität. Die Rituale sind hinlänglich bekannt. Vom Verlauf des sogenannten Wahlkampfs bis zum Prozedere der Auszählung und Verkündung des »amtlichen« Endergebnisses, eine ewige Wiederholung des immer Gleichen.
Was also hat der statis­tische »Durchschnittsneuköllner« mit seinen hinlänglich bekannten Problemen bei der Bewältigung des Alltags mit diesem »Wahltheater« zu tun? Die »Autonomen« und alle anderen Verfechter des Selbstverwaltungsgedankens wissen nur zu gut: Du musst deine Interessen in die eigenen Hände nehmen und mit den jeweils geeigneten Mitteln dafür sorgen, dass sie in den Parlamenten behandelt und durchgesetzt werden oder eine zivilgesellschaftliche Gegenmacht für deren Durchsetzung sorgt. Deutschland wählt weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 206 – Dienstag, 4. September 1917
Gegen die hohen Absätze. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit vorgekommenen schweren Unfälle, bei denen Schaffnerinnen überfahren, getötet oder schwer verletzt worden sind, haben die Preußischen Eisenbahnverwaltungen den Schaffnerinnen das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verboten.

Nr. 212 – Dienstag, 11. September 1917
Die Vorschriften für die feindlichen Ausländer werden jetzt in Berlin auch für die chinesischen Staatsangehörigen angewendet, nachdem uns China den Krieg erklärt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Über den Wolken

Kollektiv für gemeinschaftliches Feiern

In einem lockeren Hemd und mit Sonnenbrille sitzt Antoine am Kanal und nippt an seinem Bier. Es ist Freitag, früher Abend, und wer die Freiheit hat, genießt die Sonne. Sieben Jahre lang hat es Antoine deswegen immer wieder nach Berlin gezogen, wegen des Gefühls von Freiheit, das er in der Stadt spürt. In Neukölln ist der gebürtige Pariser schließlich geblieben.

Traumräume.                                                                                                                                                         Foto: pm

Wie er sind viele Franzosen nach Berlin gekommen, aber die große Welle sei vorbei, meint Antoine. Vielen geht es ums Feiern in den Berliner Clubs, und darum geht es auch Antoine, nur anders. Mit Freunden, die von überall aus der Welt nach Berlin gekommen sind, hat er das Kollektiv »Octavibes« gegründet, das, was Feiern angeht, einer Vision folgt: Sie wollen die sonntägliche Afterparty etablieren, die sie aus Paris oder Rom kennen und die in Berlin wegen nie endender Clubnächte meistens wegfällt. »Uns hat einfach die Gemütlichkeit und das Beisammensein der Afterpartys gefehlt«, sagt der 24-Jährige. Über den Wolken weiterlesen

Einzelnachhilfe beim Schüler zu Hause

Lernen ohne Stress mit ABACUS

Dorothee Beckmann berät Eltern und Schüler individuell.                                                                                   Foto: pm

Nach den Sommerferien stellt sich für viele Eltern und Schüler wieder die Frage, wie gesteckte Ziele (Notenverbesserung, Klassenziel) zu erreichen sind. Seit 1992 besteht das Institut ABACUS und bietet professionelle Nachhilfe an. Dorothee Beckmann betreut für die Firma die südlichen und südwestlichen Bezirke Berlins und beantwortete wichtige Fragen.
KuK: An welche Schüler richtet sich ihr Angebot?
Beckmann: An alle, die ihre schulischen Leistungen wirklich selbst verbessern möchten. Nur auf Wunsch der Eltern macht das wenig Sinn.
Mit welchen Problemen kommen Eltern und Schüler zu Ihnen?
Meist betrifft die erste Anfrage ein Schulfach. Im Gespräch vor Ort erfrage ich dann Hintergründe der Lernprobleme und mache mir ein Bild vom Schüler. Viele haben wenig Selbstvertrauen und oft den Spaß am Unterrichtsfach verloren. Einzelnachhilfe beim Schüler zu Hause weiterlesen

Die schönen Saiten des Jammens

Schöner Zupfen und Schlagen im Schillerkiez

Nicht immer zart-, aber stets wohlbesaitet – »well strung« auf Englisch –geht es seit Juli 2016 auf der Weisestraße zu. Die »Acoustic Boutique« »Well Strung« ist Shop und Musikschule in einem. Inhaberin Myra Moreta studierte Komposition, Musiktheorie und Gitarre an der kalifornischen Northridge-Uni und widmete sich insbesondere der Weltmusik von Afrika bis Bulgarien. In Berlin lernte sie Gesang und türkische Musik, spielte in diversen Ensembles und veröffentlichte 2014 gar ein eigenes Songwriter-Album.

Myras Akustikboutique.                                                                                                                                   Foto: hlb

Ihr hübscher, liebevoll mit Freunden renovierter Eckladen ist ein echtes Musiker-Dorado. Die Auswahl an Schüler- und Profizupfinstrumenten aus aller Welt dürfte einzigartig sein: Klassik- und Akustikgitarren, Ukulelen, Banjos, Banjotarren, Percussion- und andere Folk-Instrumente wie Balalaikas und Bouzoukis, allesamt von hochwertigen Marken oder Manufakturen, vor allem aus den USA, Irland oder Deutschland. Dazu gibt es Saiten für quasi alle Zupf- und Streichinstrumente sowie Plektren und Gurte. Wer nicht kaufen will oder kann, kann sich ein Instrument zum Üben leihen. Auch wer sein Instrument ein bisschen tunen, zum Beispiel die Saitenlage verbessern möchte, kann es gern vorbeibringen. Eine richtige Werkstatt für größere Reparaturen ist auch schon in Planung. Die schönen Saiten des Jammens weiterlesen

Energie und Wärme aus Neukölln für Neukölln

Das Holzheizkraftwerk in Rudow

Helme, Schutzbrillen und Warnwesten sind Pflicht beim Rundgang durch das Holzheizkraftwerk Rudow. Sicherheit wird hier groß geschrieben. Eingeladen zu diesem Rundgang hatte der Neuköllner Bundestagsabgeordnete der SPD, Fritz Felgentreu, der wissen wollte, wie eine nachhaltige Energieversorgung aussehen könnte, die sicherstellt, dass wir auch in Zukunft warme Wohnungen und eine leistungsfähige Industrie haben, ohne unseren Kindern eine Wüste zu hinterlassen. Die Führung zeigte den Arbeitsablauf vom Abladen des angelieferten Altholzes bis zur Entsorgung der Abfallprodukte.

holzschnitzelHeizkraftwerk.Foto: mr

Das Holzheizkraftwerk in Rudow wurde 2003 auf dem ehemaligen Gelände der »Eternit AG« als Ersatz für ein Kohlekraftwerk errichtet. Das Kraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, was bedeutet, dass Brennstoffenergie in einem Prozess zu Strom und Wärme wird. Es versorgt rund 20.000 Wohnungen in der Gropiusstadt, die Gropius-Passagen, Berlins größtes Einkaufscenter, das Kombibad Gropiusstadt, sowie das Krankenhaus Neukölln mit Wärme. Außerdem wird Strom für 40.000 Haushalte erzeugt.
Als Brennstoff dient Altholz, das keiner mehr haben will und das auch nicht mehr auf Deponien entsorgt werden darf wie alte Möbel, Fenster, Türen, Bauholz und Bahnschwellen. Es kommt überwiegend aus Berlin und dem Umland. Weil das Kraftwerk direkt am Teltowkanal liegt, wird das Holz zum größten Teil per Schiff aus Spandau angeliefert, wo es zuvor in der Holzschred­deranlage zerkleinert wurde. Vereinzelt kommen Holzladungen auch per Lkw. Nur wenn der Teltowkanal zugefroren ist, wird der gesamte Lieferverkehr vom Schiff auf die Straße verlagert. 5.000 Tonnen werden pro Woche verbraucht, im Winter 1.000 Tonnen mehr, pro Jahr rund 240.000 Tonnen.
Vom Schiff transportieren Förderbänder das Holz zu einem Magnetabscheider, der Nägel, Scharniere und Schrauben aussiebt. Anschließend geht das Holz in acht Silos mit je 500 Tonnen Fassungsvermögen und von dort weiter in die beiden Kessel, in denen das Holz bei 850 Grad Celsius verbrannt wird. Durch kleine Fenster durften die Besucher einen Blick in dieses Höllenfeuer riskieren.
Über den Kesseln verlaufen Wasserrohre, in denen Wasser durch die Wärme verdampft. Dieser Dampf wird auf 465 Grad Celsius erhitzt und treibt eine Turbine an, die 20 Megawatt Strom an das örtliche Stromnetz abgibt. Anschließend heizt der Dampf dann das Wasser für das Fernwärmenetz auf. 66 Megawatt thermische Leistung wird dabei erreicht. Für Spitzenzeiten oder für Notfälle steht zudem eine Gaskesselanlage bereit.
Überwacht und gesteuert wird die Anlage an den Computerplätzen im Kontrollraum, dem Gehirn des Kraftwerks.
Die Asche, die nach der Verbrennung übrig bleibt, wird, wenn sie belastet ist, im Bergbau zur Verfüllung von Schächten verwendet. Unbelastete Asche wird im Straßenbau genutzt, Flugasche wird unter Zugabe von Kalk im Tagebau verbaut.
Das Holzheizkraftwerk ist mit einer aufwändigen Rauchgasreinigung ausgestattet, durch die die schädlichen Bestandteile der Holzverbrennung herausgefiltert werden. Die Einhaltung der Emissionswerte wird ständig vom »Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin« (LAGetSi) überwacht.
Durch die Holzbefeuerung werden im Vergleich zur Kohlebefeuerung jährlich etwa 235.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart. So entsteht umweltschonende, regenerative Energie aus Neukölln für Neukölln. mr

Dion und sein Gefolge

Späti für besondere Genüsse

Dion leitet sich ab vom Namen des griechischen Gottes Dionysos, der für entfesselten Genuss, Freude und Hingabe steht. Genau das wollen die Betreiber Bärbel Schütz und André Ebeling des »Dion & Gefolge« vermitteln, das am 10. August in der Bürk­nerstraße 32 eröffnete. Das Gefolge erklärt sich aus den Nachbarn und Freunden, die dieses Projekt mit Tatkraft und Finanzen unterstützen.

DionS, hier ohne Gefolge.                                                                                                                                   Foto: ro

Sobald der Kunde den hellen, freundlichen Laden betritt, versteht er, was dieser griechische Gott meint. Hier gibt es nur erlesene Waren – sowohl aus der Region, als auch aus aller Welt. Schütz und Ebeling legen größten Wert darauf, genau zu wissen, wer die Hersteller der Produkte sind und wie produziert wird. Da finden sich mediterrane Köstlichkeiten wie Pastas, Pestos und hochwertige Öle, süße und salzige Leckereien. Auch an einer Auswahl an Bio-Limos und Säften können sich die Kunden sichtbar erfreuen. Darüber hinaus gibt es eine Abteilung mit unterschiedlichen Bieren. Auch hochwertige Weine sind erhältich sowie ausgewählte Spirituosen. Dion und sein Gefolge weiterlesen

Upcycling auf französisch

Aussortiertes wird umfunktioniert

Der Westschweizer François Rossier kommt eigentlich vom Film. Diese Schaffensseite gedachte er nur kurz zu unterbrechen, um sich einmal seinem Faible, dem Basteln, intensiver widmen zu können. Diese Pause dauert inzwischen fünf Jahre, ohne absehbares Ende. François ist leidenschaftlicher Upcycler. Berlin sei das Paradies, sowohl für seine Ambition als auch fürs Upcycling. Deshalb kam er mit seiner Familie nach Kreuzberg und eröffnete eine Ladenwerkstatt in Neukölln.

François Rossier vor seiner Ladenwerkstatt.                                                                                              Foto: rr

Fast täglich begegnen ihm abgestellte Dinge auf der Straße, die er dann unbedingt mitschleppen muss.
Weil Müll für ihn nur eine Frage der Definition ist, folgt der passionierte Bricoleur (Bastler) nun seinem Wunsch, das gängige Verhalten, stets Neues kaufen zu müssen, zu durchbrechen. Weil viele funktionstüchtige Objekte oder auch solide Materialien leichtfertig als obsolet erklärt und dann entsorgt werden, geht er übers bloße Recyceln hinaus. Er bewertet um und definiert neu, um mehr als nur den stofflichen Wert des Ausgangsobjektes zu erhalten. Upcycling auf französisch weiterlesen

Jazz im »Peppi Guggenheim«

Lina Allemanos Ohrenschmaus

Anfänglich als gemütliche Bar konzipiert, entwickelt sich das »Peppi Guggenheim« immer mehr zum Treffpunkt für Jazzliebhaber und Auftrittsort für internationale Künstler. Der kanadischen Trompeterin Lina Allemano scheint der Ort gut zu gefallen. Bereits drei Mal trat sie dieses Jahr dort auf.

Improvisationen mit Trompete.                                                                                                                 Foto: pschl

Für ihr Konzert am 19. August hatte sie den norwegischen Bassisten Dan Peter Sundland und den deutschen Schlagzeuger Michael Griener, beides virtuose und kreative Musiker, eingeladen.
Allemano spielte als junges Mädchen klassische Musik, wechselte dann zum Jazz und interessierte sich in den letzten Jahren zunehmend für improvisierte Musik und die Erweiterung der Trompetenklänge. »Extended techniques« – unorthodoxe oder »falsche« Techniken zur Erweiterung des Klang­spektrums der Trompete – und der Einsatz diverser Dämpfer ermöglichen eine große Klangvielfalt, die die sonoren Grenzen des Jazz sprengt und dadurch laufend mit Überraschungen aufwartet. Jazz im »Peppi Guggenheim« weiterlesen

Eine Gitarre, ein Fahrrad und 20.000 Kilometer

Von Berlin bis nach Australien

Moritz Ecker, Singer-Songwriter, Gitarrist und leidenschaftlicher Radfahrer aus Neukölln ist wieder auf Reisen. Im Gepäck sein im April erschienenes Debüt-Album »YES« und seine Gitarre.

Moritz Eckert.Foto:                                                                                                                                   Moritz Eckert

Alles fing an mit einem Fahrrad vor der Hochschule, an dem ein Zettel hing: »Zu Verschenken«. Das gefundene Fahrrad wurde repariert und ist seitdem treuer Begleiter von Moritz. Die erste gemeinsame Reise führte ans Nordkap. Und da Abende alleine im Zelt manchmal recht einsam sein können, kaufte er sich in Stockholm eine Ukulele, und damit nahm seine Karriere als Singer-Songwriter ihren Lauf. Die nächste Reise führte nach Istanbul und Albanien. Eine Gitarre, ein Fahrrad und 20.000 Kilometer weiterlesen

Wo Banker kunstvoll weinen

Leuchtende Kunst von der Rolle

Fluoreszierende Zuckerwürfel in dunklen Kellern, weinende Banker, Werbeplakatübermalungen, Kunst von der Rolle – die Arbeiten von Friederike Hammann sind in keinen Stil zu pressen, sondern belebt von sehr unterschiedlichen Materialien, sie spielen aber fast immer mit der Wahrnehmung des Betrachters.

Hammann.Foto:                                                                                                                                    Afonso Azevedo

Die Künstlerin ist am Niederrhein aufgewachsen und lebt seit 1992 in Neukölln. Sie hat Kunst an der UdK studiert und zeichnet und malt, seit sie einen Stift halten kann. Sie erzählt, dass es ganz klassisch dazu kam: Sie lag als Kind krank im Bett und fing an zu zeichnen. Ihre Mutter sorgte in den folgenden Jahren immer für genug Papier und Stifte im Haus. Wo Banker kunstvoll weinen weiterlesen

Fünf Tore in 15 Minuten

Beim Kick im Kiez kriegt man was geboten

Am 17. September trägt Hertha BSC in Hoffenheim das erste Bundesligaspiel aus, das an einem Sonntag um 13:30 Uhr angepfiffen wird – zur besten Amateurfußball-Zeit. Man darf also gespannt sein, ob noch weniger Zuschauer den Weg zum Verein um die Ecke finden, weil man lieber mittags Bundesliga in der Sky-Kneipe guckt.

Schön in Schöneberg – »Tasmania« gewinnt beim Aufsteiger, danach lief es aber nicht mehr so.Foto:                                                                                                                                                         Hagen Nickelé

Dabei wird beispielsweise bei den drei Neuköllner Vereinen in der Berlin-Liga regelmäßig großes Drama geboten. Nach der überraschenden Auftaktniederlage gegen den Aufsteiger »SV Sparta« etwa berappelte sich der »TSV Rudow« und siegte bei den Füchsen in Reinickendorf (2:1) und gegen »Schwarz-Weiß Neukölln«. Fünf Tore in 15 Minuten weiterlesen

TalentCampus

Kinder und Jugendliche bauen Riesenpuppe

Monster in Rixdorf.                                                                                                                                         Foto: pschl

Mit einer mitreißenden Show aus Tanz und Akrobatik von Kindern und Jugendlichen und der Präsentation der größten Marionette Neuköllns endete der vierwöchige »TalentCampus Neukölln«. Auf der Streuobstwiese in der Nähe des Richardplatzes zeigten die Teilnehmer des TalentCampus bei ihrer Abschlussveranstaltung am 19. August, was sie in den vier Wochen geschaffen hatten.
Geleitet wurde das Puppentheaterprojekt von Artur Albrecht, dessen Puppentheatervorführungen im Hotel Rixdorf bereits legendär sind.
Seinem großen Engagement ist es zu danken, dass Kinder und Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern sich während der Sommerferien in spannenden Projekten ausprobieren konnten.
Der Bau einer riesigen Marionette forderte dabei die Fantasie und auch das handwerkliche Geschick aller heraus. So waren sie mit großem Einsatz bei der Sache und stolz darauf, das Ergebnis bei der Abschlussveranstaltung Eltern, Freunden, Verwandten und Bekannten präsentieren zu dürfen.

pschl

Basteln mit Rolf

Kronkorkenrassel

In den Ferien sollten Eltern mit ihren Kindern auch zusammen basteln. Aus Kronkorken lassen sich einfach Geräuschinstrumente herstellen. Heute bauen wir eine Rassel.

Benötigt wird eine Astgabel, ein paar Kronkorken und Blumendraht. Zum Zuschneiden der Astgabel benötigen wir eine Gartenschere, zum Lochen der Korken genügen ein Hammer sowie ein Nagel und zum Ablängen des Drahtes ein Seitenschneider. Noch wichtiger ist die Lust aufs Pfriemeln.
Der Nagel sollte schon etwas dicker sein als der Blumendraht. Das Lochen sollte auf einem alten Brett geschehen, damit der Nagel beim Durchdringen des Korkens per Hammerschlag nicht jedwede teure Unterlage zerstört. Die gelochten Korken werden auf den Draht gezogen und die Drahtenden an die Enden der Astgabel befestigt. Schon kann losgerasselt werden!

rr.

von Neuköllnern für Neuköllner