Archiv der Kategorie: Kultur

Produktiv, vielfältig und schöpferisch

»Handwerk hat goldenen Boden«, heißt es. Trotzdem ziehen es viele junge Menschen vor zu studieren, statt ein Handwerk zu erlernen.
Wie interessant, spannend und vielfältig Handwerk sein kann und welche schöpferischen Qualitäten es hat, zeigt die neue Ausstellung »In guten Händen. Handwerk in Neukölln« im Museum Neukölln.

Gut angezogen auf der Walz.                                                                                                                          Foto: mr

»Das Museum hat mit dieser Ausstellung den Zeitgeist getroffen, denn das Handwerk spielt heute wieder eine große Rolle«, sagte Kulturstadträtin Karin Korte (SPD) bei der Eröffnung am 10. Mai.
Der Mangel an Handwerkern ist deutlich spürbar. Die Auftragsbücher sind voll, aber es fehlen Mitarbeiter, um diese Aufträge zeitnah zu erfüllen. Das sei besonders bei öffentlichen Bauvorhaben ein großes Problem, weil das zu Bauverzögerungen und damit auch zu Kostensteigerungen führe, soKorte.
Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Den Grund dafür sieht Korte in der nach wie vor geringen Wertschätzung des Handwerks – genau der richtige Zeitpunkt also für eine Würdigung der Vielfalt und Produktivität des Handwerks in Neukölln.
27 Neuköllner Handwerksbetriebe stellen in dieser Ausstellung ihre Werkstücke und Produkte vor, von der Schneiderin über den Steinmetz und der Schmiedin bis zur Glaserei und Tischlerei. Kurze Filme bieten einen Blick hinter die Kulissen der Werkstätten und beschreiben den Alltag, die Faszination und die besonderen Anforderungen des jeweiligen Berufes. Zusätzlich zeigen Fotoserien den Umgang mit den verschiedenen Materialien in den Werkstätten.
Historische Werkzeuge, Ofenkacheln und ein Mosaik der »Mosaikwerkstätten Puhl & Wagner« aus der Sammlung des Museums weisen auf die lange Tradition des Handwerks in Neukölln hin. Umfassende Informationen zu jedem einzelnen Objekt können die Besucher an Computerterminals abrufen.

Schularbeit.                                                                                   Foto:mr

Wie auch die Schule dazu beitragen kann, Interesse an einem Handwerksberuf zu wecken, zeigt die Alfred-Nobel-Schule. Schüler haben im Werkunterricht einen Stuhl entworfen und gebaut, den sie stolz in der Ausstellung präsentieren.

mr
Die Ausstellung ist bis 30. Dezember im Museum Neukölln, Alt-Britz 81 zu sehen. Das Museum öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Afrobeat, Jazz und Flamenco im Freien

Konzertreihe »Sommer im Park« startet

Nachdem sich der Frühling beim letzten Konzert der Salonmusik am 7. April von seiner schönsten Seite zeigte, fragten viele Zuhörer, wann denn die Open Air-Konzerte der Reihe »Sommer im Park« beginnen.
Am 16. Juni ist es soweit. Dann wird der Vorplatz der Orangerie im Körnerpark zur Frei­luftbühne.
Die Eröffnung bestreiten traditionell Gruppen, die nicht nur zum Zuhören, sondern mit mitreißenden Rhythmen auch zum Tanzen einladen. Wer könnte das besser als eine Band aus Westafrika?

Afrikadelle.                                                                                                                        Foto: Julian von Schumann

Die drei Musiker-Koryphäen, der Bassist und Sänger Arcadius Didavi aus Benin, der Schlagzeuger, Perkussionist und Sänger Tunde Alibaba Agonglo, ebenfalls aus Benin, und der Balafon- und Djembe-Spieler Moussa Coulibaly aus Burkina Faso trafen sich 2017 im Schmelztiegel Berlin. Sie gründeten gemeinsam eine Band, in der sie ihre westafrikanischen Wurzeln mit Afrobeat, Salsa, Funk, Blues und Jazz kombinieren. Heraus kam eine feurige Tanzmusik, die sie noch mit Trompete und Jazzgitarre erweiterten und augenzwinkernd »Afrikadelle« tauften. Afrobeat, Jazz und Flamenco im Freien weiterlesen

Ein unbequemes Drogenresümee

»9 Tage wach« in der Neuköllner Oper

Heute Star der deutschen Fernsehlandschaft, offenbart Eric Stehfest in seinem autobiographischen Werk »9 Tage wach« eine Vergangenheit voller Drogen, Verwirrung und Abstürzen.

Rausch im Rauch.                                                                                                                     Foto: Matthias Heyde

Aufgewachsen im Dresdener Umland mit einer Faszination für das Leben in der Stadt, macht der jugendliche Eric schon früh Erfahrungen mit Subkulturen. Er raucht Gras, experimentiert mit chemischen Drogen und findet seine vermeintliche Erlösung – Crystal Meth. Ein chaotischer Komplex aus Intrigen und der Abtreibung seines Kindes nimmt seinen Lauf. Das Chaos kulminiert, als Eric allein in seiner Wohnung durch den Einfluss von Crystal Meth neun Tage wach ist und sich in Wahnvorstellungen verliert. Ein unbequemes Drogenresümee weiterlesen

Kunst und Vielfalt des Druckhandwerks

Druckwerkstatt in der »Galerie im Körnerpark«

Die Welt des Drucks ist derzeit in der Ausstellung »Druck Druck Druck« in der Galerie im Körnerpark zu sehen. Da gibt es Druckerzeugnisse in unübersehbarer Menge zu bestaunen, von Plakaten, Flugblättern über Kunstbücher bis zu sogenannten Zines, von Fans hergestellten Publikationen.

SCHÖN wie gedruckt.                                                                                                                                         Foto: mr

Auch die dazugehörigen Geräte werden präsentiert. Ein besonderer Hingucker: Ein mobiler, auf ein Fahrrad montierter Drucker. Teilweise können die Geräte während der Ausstellung auch benutzt werden, Denn es werden hier nicht nur fertige Druckerzeugnisse gezeigt, hier wird auch gedruckt. Die Galerie wird zur Werkstatt. Kunst und Vielfalt des Druckhandwerks weiterlesen

Aufruf zur Erinnerung

»Mauergucker und Mauerspechte«

Die SPD-Kreisverbände Treptow-Köpenick und Neukölln rufen gemeinsam dazu auf, persönliche Erinnerungen an die Teilung Berlins und den Fall der Mauer wachzurufen, die in Form von eigenen Berichten oder der künstlerischen Verarbeitung dieser Erinnerung veröffentlicht werden sollen. Beide sammeln die Erinnerungsberichte und beabsichtigen, sie in einer gemeinsamen Veranstaltung anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls öffentlich zu präsentieren. Aufruf zur Erinnerung weiterlesen

Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour«

Vielfältiges Leseprogramm

Bereits zum vierten Mal veranstalten die unabhängigen Buchhandlungen in Neukölln das »LiteraTour-Festival Neukölln!«
Es beginnt am 15. Mai um 20 Uhr in der »Galerie Olga Benario«, Richardstraße 104, mit einer Lesung und anschließendem Berlin-Buffet. Die Buchhändler der teilnehmenden Buchhandlungen lesen ihre Lieblingstexte.
Nebenan in der »Biografischen Bibliothek« blickt Christian Dietrich am 18. Mai um 19 Uhr auf das Schaffen des jungen Revolutionärs Eugen Leviné zurück. Sein Engagement für die KPD, seine Arbeit für die »Rote Fahne« und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik sind Schlaglichter einer bemerkenswerten Biographie. Kiezbuchhandlungen gehen auf »LiteraTour« weiterlesen

Wein trifft Taste

Klavierkonzert mit erlesenen Weinen

»Wein trifft Taste« – was da passiert, konnten die Besucher am 9. März im Klaviersalon »Die Taste« erleben. In Zusammenarbeit mit dem Weinladen »Das Schwarze Glas« in der Jonasstraße hat Holger Laudert, Pianist, Klavierlehrer und Eigner des Klaviersalons in der Sonnenallee, ein Konzert veranstaltet. Zu einem Crémant und fünf unterschiedlichen Weinen wurden dazu passend ausgesuchte Klavierstücke von sechs Komponisten dargeboten.

schwarz und schwarz – Klang und Genuss.                                                                     Foto: Holger Laudert

Philip Glass‘ »Etude No. 18« begleitete zum Beginn mit ihren perlend zirkulierenden Tonfolgen, die sofort das Bild der aufsteigenden Bläschen vor Augen führten, den Crémant »Etincelle« auf ideale Weise. Der nachfolgend gereichte Muscadet »La Louvetrie« wurde mit den »Pièces froides« von Erik Satie untermalt. Zum anschließenden »Clair de Lune« der »Domaine Bourdic« konnte selbstverständlich nur ein einziger Komponist gewählt werden: Claude Debussy mit seinem gleichnamigen Stück. Wein trifft Taste weiterlesen

»Trialogues« präsentiert neue CD

Live im »Peppi Guggenheim«

Trialogues.                                                                                                                                     Foto: Christian Ender

Seit ihrer Gründung vor rund drei Jahren ist die Gruppe »Trialogues« regelmäßig zweimal jährlich zu Gast im »Peppi Guggenheim«. Hier und da gibt es aber bei diesem Jazztrio ein besonderes Bonbon, so auch diesmal bei seinem nächsten Konzert am 6. April. Dann präsentiert die Band ihre neue Doppel-CD, die sie im Juli 2018 im Tonstudio »derArt« in Marzahn eingespielt hat. Gesponsert wurden die Aufnahmen von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die ausgewählten Bands dieses erstklassige Studio jeweils eine Woche lang zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt. »Trialogues« präsentiert neue CD weiterlesen

»City Movement – Von Menschen und Räumen«

Ausstellung in der Galerie im Saalbau

Um Bewegung im Stadtraum und um deren Eingrenzung durch Repression, bauliche Hindernisse, politische, soziale und ökonomische Prozesse geht es in der neuen Ausstellung »City Movement – Von Menschen und Räumen« in der Galerie im Saalbau.
Kuratiert wird sie von Isabelle Stamm, die als Volontärin im Neuköllner Kulturamt arbeitet und damit ihre erste eigenständige Ausstellung verantwortet, ihr Meisterstück.
Sechs Künstler untersuchen mit unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen, wie unsere Bewegungen beeinflusst und gegebenenfalls auch eingeschränkt werden.

U-BAhnstation Hallesches Tor.                                                                                                                       Foto: mr

Larissa Fassler nimmt sich beispielsweise Verkehrsknotenpunkte wie den U-Bahnhof Hallesches Tor vor. Dabei setzt sie ihren eigenen Körper ein, um den U-Bahntunnel nachzubauen. Einer ihrer Schritte entspricht dabei einem Zentimeter des Modells. »City Movement – Von Menschen und Räumen« weiterlesen

Exhibit Model Four

Jonathan Monk macht Kunst auf der Tapete

Jonathan Monk: Exhibit Model Four, Installationsansicht Maschinenhaus M1.    Foto: Jens Ziehe

Die Maschinenhäuser im »Kindl« fordern geradezu heraus, dass Kunst mit handwerklichem Können verbunden wird. Der in Berlin lebende britische Künstler Jona­than Monk erweist sich als Meister der Tapete. Wandfüllende Fototapeten, Collagen seiner Werke aus den letzten 20 Jahren, überwiegend in Schwarzweiß gehalten, kleiden das Maschinenhaus M1 aus. Obwohl sie zweidimensional sind, entfalten sie komplexe räumliche Tiefe in kaum zu überbietender Exaktheit. Fast entschwinden die im Raum aufgestellten dreidimensionalen Objekte befreundeter Künstlerinnen und Künstler dem ersten Blick des Besuchers. Exhibit Model Four weiterlesen

Bibliotheken im Nationalsozialismus

Ausstellung in der »Galerie Olga Benario«

Mit der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wollte das NS-Regime die Universitäten auf ihre »Blut-und-Boden«-Ideologie (ein rassisch reines Volk auf eigenem Boden als Grundlage der Staatspolitik) einschwören. Die Bücherverbrennung war der Höhepunkt einer von langer Hand geplanten »Aktion wider den undeutschen Geist«. Nicht nur am Berliner Opernplatz brannten die Bücher. In mehr als 20 deutschen Städten eröffneten die Nazis die Hetzjagd auf Deutschlands Kultur, auf viele der bekanntesten Schriftsteller dieser Jahre und ihre Werke. Ein Jahr später standen auf »schwarzen Listen« mehr als 3.000 Titel.

Mitarbeiterin in der Reichstauschstelle, 1941.                                                                       Foto: historisch

Aus Anlass des 85. Jahrestages dieser schaurigen Aktion konzipierte die »Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz« in Zusammenarbeit mit dem »Aktiven Museum« und der »Zentral- und Landesbibliothek Berlin« im vergangenen Jahr die Sonderausstellung »Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus«. Bis zum 30. Juni ist diese Ausstellung nun in der »Galerie Olga Benario« zu Gast. Bibliotheken im Nationalsozialismus weiterlesen

Einzigartiges Puppentheater-Museum

An Fäden geführt.                                                                                                                                                  Foto: pr

Puppenmuseum kämpft um sein Überleben

Von der lärmenden Karl-Marx-Straße durch einen hellen Hinterhof – da ist sie, diese kleine andere Welt. Zuweilen begrüßt der »Hausmeister« Blasius Manfredi seine kleinen und gro­ßen Gäste, ein ziemlich gruselig dreinschauender Gefährte, der vor allem bei den kleineren Gästen gleichermaßen Neugier und ein bisschen Furcht hervorruft. Blasius Manfredi, eine Handpuppe aus Spanien, ist nur eine der rund 3.000 Puppen aus Nikolaus Heins Sammlung im Puppentheater-Museum in Neukölln.
Aus einer Ecke schaut einen der Teufel mit den drei goldenen Haaren an, aus der nächsten der Kleine Onkel aus Pippi Langstrumpf, eine Seiltänzerin turnt unter der Decke, und auch Charlie Chaplin lässt grüßen – in dem großen offenen Raum wimmelt es nur so von unterschiedlichen Charakteren des Puppenspiels. Die Handpuppen, Marionetten und Stabpuppen kommen aus vier Jahrhunderten und der ganzen Welt. Einzigartiges Puppentheater-Museum weiterlesen

Die Schonzeit ist vorbei

Steht zu uns, helft uns, greift ein!

Juna Grossmann ist in Berlin geboren, hängt einer liberalen Form des Judentums an und hat das freie Leben in der Hauptstadt immer geliebt. Auch ihre Eltern und Großeltern sind hier geboren. Deutschland ist ihr Zuhause. Trotzdem wird sie häufiger gefragt: »Wann gehen Sie wieder nach Hause?«

Juna Rossmann stellt ihr Buch vor.                                                                                                               Foto: mr

Diese und viele andere Formen des wiederaufkommenden Antisemitismus beschreibt Grossmann, die seit 2008 den Blog »irgendwie juedisch« betreibt, in ihrem Buch »Schonzeit vorbei«, das sie am 18. Februar auf Einladung der Anwohnerinitiative »Hufeisern gegen Rechts« im »Hufeisencafé« in der Fritz-Reuter-Allee vorstellte. Die Schonzeit ist vorbei weiterlesen

Salonmusik im März

Unzählige Saiten Musik

Fee Stracke & Alex Beierbach. Fotografin: Irina Steinbrecher

Ein vielfältiges Programm bieten die Konzerte der Salonmusik im März. Die Reihe beginnt am Sonntag, dem 3. März, mit dem Duo der Pianistin Fee Stracke und des Saxofonisten Alexander Beierbach. Die beiden sind nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat ein Paar. Diese Vertrautheit und ihre vom Modern Jazz beeinflussten Kompositionen könnten nirgendwo besser passen als im intimen Rahmen des Zitronencafés. Salonmusik im März weiterlesen

Rappen für die Gleichstellung

Politik und Bässe von Frauen für Frauen

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland luden Bezirksbürgermeister Martin Hikel und das Netzwerk »Frauen in Neukölln« am 19. Januar 600 Frauen und Mädchen aus Neukölln zu einem Rapkonzert der Musikerinnen Alice Dee, Leila A. und Gizzel in das Gemeinschaftshaus Gropiusstadt ein.

Leila A. und Alice Dee.                                                                                                                                        Foto: me

Zur Eröffnung des Events begrüßte die Neuköllner Gleichstellungsbeauftragte Sylvia Edler das Publikum mit einer starken Rede, die tiefe Einblicke in die noch immer bestehende Lebensrealität vieler Frauen gewährte. Edler richtete dabei ihren Blick auf die Gesetzgebung. Sie forderte eine Politik, die ein freies, selbstbestimmtes und vor allem diskriminierungsfreies Leben von Frauen fördert. Rappen für die Gleichstellung weiterlesen

Hummer in Aspik

Organische Stoffe in experimenteller Veränderung

»Kunst ist ein sinnlicher Prozess. Es sind alltägliche Dinge, die mich interessieren und an denen wir oft einfach vorübergehen, die aber in ihrer Kleinigkeit besonders sind.« Die Wahl ihrer Materialien entspricht dieser außergewöhnlichen Absicht. In ihrer bildenden Kunst arbeitet Josephine Raab momentan experimentell mit Aspik und einem Vakuumiergerät.

Josephine mit Igor.                                                                                                                             Foto: Anaïs Edely

»Ich stelle Dinge in einen Kontext, in den sie eigentlich nicht gehören.« Ein Hummer scheint in einem Block aus Aspik zu schwimmen. Eine Qualle, getrocknet auf einem Papier, wirkt wie eine Kornblume. Ein Stockfisch aus einer Kneipe in Kiew schwebt vakuumiert in Plastik. Lebende Tiere verwendet sie nie, sondern sammelt nur das schon Verblichene auf. Das Spektrum reicht von Lampen, Haaren und Pflanzen bis hin zu Blattgold und Tomaten. Hummer in Aspik weiterlesen

Salonmusik startet in die neue Saison

Modern Jazz, klassische Musik des 20. Jahrhunderts, Tango und feinster Flamenco

Nach einer kurzen Winterpause startet die Salonmusik im Zitronencafé im Körnerpark am 3. Februar in die neue Saison.

Out of Print.Foto:                                                                                                                                   Katharina Poos

Zur Eröffnung konzertiert das Jazztrio »Out of Print«. Die drei hochkarätigen Berliner Jazzmusiker Volker Kottenhahn am Klavier, Dirk Strakhof am Kontrabass und Johannes Bockholt am Schlagzeug formierten ihr Trio bereits vor zwanzig Jahren. Seither arbeiten sie konsequent an der steten Weiterentwicklung ihres ganz eigenen Klangkosmos‘. In ihrem Schaffen sind sie stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und setzen auf Eigenständigkeit und Reife, wo andere kurzfristigen modischen Trends nachjagen.

Avlos Trio.                   Fotograf: Stephan Klonk

Die musikalische Vielfalt der Salonmusik zeigt sich im Kontrast zum Konzert des »Avlos Trio d‘Anches« eine Woche später: Einem Jazztrio folgt ein rein klassisches Bläsertrio mit einem Programm konzertanter klassischer Musik des 20. Jahrhunderts, darunter Werke von Darius Milhaud, Jacques Ibert und Eugène Bozza. Salonmusik startet in die neue Saison weiterlesen

Revolten und Revolutionen

»Are you satisfied?« in der Galerie im Körnerpark

Bilder von Straßenkämpfern und Demonstrationen, Aufrufe, Transparente: Die Galerie im Körnerpark widmet sich in der aktuellen Ausstellung »Are you satisfied?« den Bedingungen und Mechanismen revolutionären Handelns und seiner Folgen.
Die Ausstellung wurde bereits in Kiel aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes, dem Auslöser der deutschen Novemberrevolution, gezeigt. Sie thematisiert Formen des Widerstands, des Protests und revolutionären Handelns, die ein Jahrhundert später die mediale Realität der globalisierten Welt der Gegenwart prägen.

Demo als Kunst.                                                                                                                                                    Foto: mr

Die Künstler befassen sich mit den Potenzialen des Aufruhrs, den Grenzen der Partizipation, mit aktuellen Spielarten staatlicher Regulierung, Spuren und Mechanismen von Unterdrückung in den Demokratien und den modernen Konsumgesellschaften. »Die jüngsten Unruhen auf den Straßen Frank­reichs während der Proteste der Gelbwesten haben gezeigt, wie schnell und vehement heutzutage eine aufständische Bewegung die Grundfeste eines Staates in Frage stellen kann«, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung des Kulturamtes. Revolten und Revolutionen weiterlesen

Zerbrechliche Schönheit

Ausstellung von Martina M. Thies im Museum Neukölln

Porzellan, seine zerbrechliche Schönheit ist das Thema der Rauminstallation »Die Blaue Blume«, die am 17. Januar im Museum Neukölln eröffnet wurde.
Martina M. Thies beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vielfalt des Porzellans. »Seit 35 Jahren bin ich auf keramischer Entdeckungsreise und bewege mich in den Bereichen der angewandten und bildenden Kunst sowie der räumlichen Gestaltung mit Kunst am Bau«, beschreibt sie sich und ihre Arbeit. Mit ihren künstlerischen Arbeiten ist sie in zahlreichen Sammlungen im In- und Ausland vertreten.

Neue Kreationen.                                                                                                                                                  Foto: mr

In der von ihr gestalteten Rauminstallation stellt sie ihre verformten, applizierten und bemalten Porzellanarbeiten historischen Objekten aus der Keramik-Sammlung des Museums Neukölln gegenüber. Hier trifft Kunst auf Alltagsgegenstände. Häufig wiederkehrendes Motiv bei ihren ausgestellten Arbeiten ist das Muster der »blauen Blume«, ein zentrales Motiv der Romantik. Es findet sich als Applikation auf Vasen oder gemalt auf Schalen und Kacheln. Zerbrechliche Schönheit weiterlesen

Geister der Mieter

Weiße Gestalten sitzen im Kiez.                                                                                                                    Foto: mr

Kunstaktion im Schillerkiez gegen Verdrängung

Geisterhaft bleiche Gestalten sitzen auf dem Gehweg. Sie haben Utensilien ihres Alltagslebens dabei, eine Zeitung, einen Kaffeebecher, ein Buch, so als seien sie gerade aus ihrer Wohnung vertrieben worden und wüssten nicht, wohin.
Es sind lebensgroße und – obwohl komplett weiß angestrichen – sehr lebensecht wirkende Puppen, die das Künstlerkollektiv »Reflektor Neukölln« am 15. Dezember einen Tag lang auf der Herrfurthstraße ausgesetzt hat. Jeder Puppe haben die Künstler einen Namen und eine Biographie gegeben, die Passanten mit Hilfe eines Smartphones über einen QR-Code hören oder in einer Sprechblase neben der Puppe lesen können. So werden konkrete Einzelschicksale erfahrbar, Geschichten von jungen und alten Menschen, Frauen und Männern, mit oder ohne Migrationshintergrund. Allen gemeinsam ist der Verlust ihres Lebensumfeldes. Inspiration für diese Geschichten waren die Kiezbewohner und die Situation im Schillerkiez. Geister der Mieter weiterlesen

Kunstwerke besichtigen!

Einladung IM GRÜNEN BEREICH

Ein typischer Eckhäuserblock in Neukölln: Ein schöner Haupteingang und dann diverse Türen, von denen keiner so recht weiß, was sich dahinter verbirgt. Es könnte ein Kohlenkeller sein. Anders ist es in der Weserstraße 180. Die Stahltür führt in ein Appartement mit einem einzelnen Raum, einem kleinen Flur und einer Toilette. Eine weitere Tür öffnet den Blick in einen weiteren Wohnbereich. Hier sind die zum Lager umfunktionierte Küche und zwei Ateliers zu sehen.

Amy und Frédéric.                                                                                                                                                  Foto: pr

Amy J. Klement und Frédéric Krauke arbeiten hier und stellen ihre Werke aus. Amy J. Klements Atelier ist voll mit ihren Häkelarbeiten. Die lebendige rothaarige Frau erzählt mit Begeisterung und Hingabe von ihren Häkelprojekten, die sie auch gerne im öffentlichen Raum ausübt. Inspiriert von einer Kombination aus Mythen, Mathematik, Handarbeit und ausgeführt mit Humor und Ironie, umhäkelte sie beispielsweise die Trümmerfrau in der Hasenheide. Dieses Projekt, und das ist auch ihr zentrales Thema, ist Geduld. Als Gründerin des Anarchic Crochet »Kraft durch Häkeln« ist sie die Initiatorin von großformatigen kooperativen häkelbasierten sozialen Skulpturen im öffentlichen Raum. Kunstwerke besichtigen! weiterlesen

»Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit«

Ausstellung zur Revolution vor 100 Jahren im mobilen Museum

Pünktlich zum hundertsten Jahrestag der Revolution eröffnete am 9. November das »Mobile Museum Neukölln« im Rathaus die Ausstellung »Revolution! Neukölln 1918/19«, die im Rahmen des Themenjahres »100 Jahre Revolution – Berlin 1918/19« stattfindet.

Übersichten.                                                                                                                                                            Foto: mr

Bezirksbürgermeister Martin Hikel dankte dem Leiter des Museums, Udo Gößwald, für die Hartnäckigkeit, mit der er um den Ausstellungsplatz vor dem Bürgermeisterbüro gestritten habe. »Somit bietet mir diese Ausstellung auch persönlich die Möglichkeit der täglichen Vergewisserung über die Grundlagen unserer politischen Arbeit, die in der Demokratie von Weimar gelegt wurden«, sagte er in seinem Grußwort. »Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit«, sie müsse verteidigt werden gegen die, die sie abschaffen wollen, sagte er weiter und rief dazu auf, sich in politische Prozesse einzumischen, sich zu informieren, sich zu beteiligen.
Kulturstadträtin Karin Korte machte darauf aufmerksam, das es eine bemerkenswerte Anzahl von Frauen gab, die im Kampf für demokratische Rechte eine Rolle spielten. So war die erste Frauenvertreterin der Rixdorfer SPD, Marie Juchacz, die erste Frau, die eine Rede in einem deutschen Parlament hielt. »Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit« weiterlesen

Chapeau, Jurassica Parka

Hauptberuflich Frau

Jurassica Parka.                                                       Foto: M.Olszinksi

Mario Olszinski wurde 1979 in Neukölln geboren und ist dort auch aufgewachsen. Er studierte Kommunikationsdesign und war in Werbeagenturen als »Art Director« erfolgreich. Ab 2003 trat er nebenberuflich so lange als Travestiekünstler auf, bis er merkte, dass ein Bürojob unter der Woche und die Bühnenarbeit am Wochenende nicht befriedigend zu stemmen waren. Deshalb tauschte er 2008 mutig den »ordentlichen Beruf« gegen seine Berufung Travestie ein.
Seitdem ist Mario Olszinski hauptberuflich: Frau. Das ist seine erfüllte, gelebte und inzwischen auch einträgliche Leidenschaft. Seine gegengeschlechtliche Kunstfigur heißt Jurassica Parka, eine Verballhornung aus Jurassic Park und Sarah Jessica Parker, deren beider Fan er ist. Chapeau, Jurassica Parka weiterlesen

Unstable Fakers of Change in Self

Die inspirierende Kraft von 20 Cent

Auf den ersten Blick: Im Maschinenraum M0 auf dem Kindl Gelände sieht es aus, als wenn morgen wieder der Bautrupp kommt. Gerüste stehen im Raum verteilt, dazu stoßen Videos mechanische Klänge aus, in der Endlosschleife steckend. Auf den zweiten Blick zeigen sich in dieser konstruktiven Eckigkeit Feinheiten, eine elegante Akribie ist zu entdecken.

Stabile Unstabilität.Foto: pr

Die Skulpturistin und Videokünstlerin Sofia Hultén hat in der großen Halle M0 neun Installationen aufgestellt, die auf Gerüsten ruhen. Ausgangspunkt ist eine italienische 20-Cent-Münze, auf der Umberto Boccionis 1913 entstandene Bronzeplastik »Unique Forms of Continuity in Space« zu sehen ist. Dieses futuristische Werk wollte die Bewegung eines Körpers und dessen Dynamik im Raum sichtbar machen. Sofia Hultén hat die Anfangsbuchstaben U-F-o-C- i-S genommen und ihrer Installation den Titel »Unstable Fakers of Change in Self« gegeben. Auf den Grundgerüsten finden sich Gegenstände zunächst alltäglicher Art: Baunetz, Rundschlinge, Blecheimer, Holzplatte, Kabelbinder, Plastilinkugel und italienische 20-Cent-Münzen. Die Spuren, die die Künstlerin dabei hinzufügt, lassen sich durch Videosequenzen nachvollziehen. Unstable Fakers of Change in Self weiterlesen

Ötzi auf der Durchreise in Britz

Der Mann aus dem Eis ist da

Ötzi in voller Montur.                                                                                                                                          Foto: mr

Es war eine archäologische Sensation, als 1991 Wanderer in den Ötztaler Alpen die mumifizierte Leiche eines Mannes fanden, der vor rund 5.300 Jahren gelebt hatte. Einen so gut erhaltenen Menschenkörper aus der Jungsteinzeit hatte die Welt noch nicht gesehen.
Unter dem Titel »Ötzi – Der Mann aus dem Eis« präsentiert Schloss Britz bis zum 17. Februar 2019 die Wanderausstellung des Neanderthal Museums und des Magazins GEO, die über die letzten Stunden der legendären Gletscherleiche erzählt, die unter ihrem Spitznamen Ötzi weltberühmt wurde. Wer war Ötzi? Wie lebte er, warum begab er sich auf den gefährlichen Weg in die Berge, und warum musste er inmitten von Schnee und Eis sterben?
Viele Indizien sprechen für einen prähistorischen Kriminalfall. »Ein Pfeilschuss von hinten durchstieß das linke Schulterblatt und drang bis kurz vor die Lunge vor: »Ein Blattschuss«, beschrieb Carina Bammesberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Neanderthal Museums, den Tathergang bei der Ausstellungseröffnung am 19. November. »Mit Ötzi tritt ein Einzelschicksal aus dem Dunkel der Geschichte. Ein Mensch, über dessen Leben und dramatisches Sterben wir immer mehr Details erforschen und erfahren und der uns somit nahe wird«, sagte sie. Ötzi auf der Durchreise in Britz weiterlesen

Schlagzeug und Fagott treffen Bücher

Ein spannendes Konzert fand am Donnerstag, den 29. November in der »Helene-Nathan-Bibliothek« statt. Die Kombination Fagott-Schlagzeug ist äußerst selten.

Heiko Löchel und Philippe Carnoy.                                                                                 Foto: Kathrin Schrader

Zudem kommen beide Musiker aus ganz unterschiedlichen musikalischen Bereichen, der Fagottist Heiko Löchel aus der zeitgenössischen Musik, der Schlagzeuger Philippe Carnoy vom Jazz. Die Improvisationsmusik bietet ihnen die Möglichkeit, ihre verschiedenen musikalischen Wurzeln miteinander in Einklang zu bringen und zu verschmelzen.
Heiko Löchel erklärte dem Publikum in kurzen Redebeiträgen zwischen den Stücken das Wesen der Improvisationsmusik. Teils bilden musikalische Skizzen die Grundlage, teils werden Geschichten vertont. Manchmal wird aber auch ohne Vorgaben völlig frei gespielt.
Als Gast war der Pianist und Komponist Detlof Drees geladen. Dessen Solostück wurde von Löchel gekonnt interpretiert und im zweiten Teil vom Pianisten und Komponisten Drees am Klavier begleitet.
Die nachfolgende Improvisation von Drees, Löchel und Carnoy bildete einen gelungenen Abschluss eines ungewöhnlichen Konzert­abends.

pschl

Alabaster, Papier und ein Schwarm

Künstlerportrait über Line Claudius

Als Kind besuchte Line Claudius eine Malerin in ihrem Atelier, sie war fasziniert und sagte sich, das mache ich, wenn ich alt bin. Malerin ist sie nicht geworden, Künstlerin aber doch. Sie wuchs in Hamburg auf und lebt seit mehr als dreißig Jahren in Berlin. Anfangs stand sie Modell bei Bildhauer- und Aktzeichenkursen, bis sie selbst ihre Liebe zu den Steinen und zum Zeichnen entdeckte. Sie arbeitet vor allem mit Marmor und Alabaster.

Alabasterkörper.                                                                                                          Foto: pr

Ihre feinsinnigen, schmiegsamen Skulpturen aus Alabaster haben eine lichtdurchscheinende Leichtigkeit. Für Claudius trägt das Material zugleich Stabilität, Weichheit und Dehnbarkeit inne. Sie sucht sich einen Stein aus, hat eine schlummernde Idee, schleicht manchmal wochenlang um ihn herum und fängt dann an, ihn zu bearbeiten, steigt in den Stein ein, und er gibt zurück. Steine zu hauen: »Das Schönste ever, es gibt fast nichts Schöneres«, erzählt sie. Alabaster, Papier und ein Schwarm weiterlesen

Intime Klänge im Dezember

Von Melbourne nach Berlin in der Salonmusik

Die Musikerin Anna Morley wurde im australischen Melbourne geboren und wuchs in Ballarat auf, 120 km entfernt von Melbourne. Bereits in der Grundschule hatte sie großes Interesse an Musik. Zuerst lernte sie Geige, dann Vibraphon und Perkussion. Nach ihrem High School Abschluß begann sie ein Studium der Orchesterperkussion am »Melbourne Conservatorium of Music«. Am »Victorian College of Arts« machte sie dann ihren Bachelorabschluss. Es hielt sie aber nicht in Australien. Sie zog nach Barcelona, wo sie sieben Jahre lang lebte und, inspiriert durch das mediterrane Flair der Stadt, ihre erste EP »Character« und ihr erstes Album »Red Balance« herausbrachte. Die nächste Station war Berlin, wo sie noch heute lebt. Dort veröffentlichte sie mehrere Alben und gab Konzerte in Klubs und auf diversen Bühnen. Bei ihren Auftritten spielt sie zusätzlich zum Vibraphon auch Keyboard, singt und setzt in ihren außergewöhnlichen Kompositionen auch elektronische Beats und Samples ein. Am 2. Dezember war sie mit dem Cellisten Nikolaus Herdieckerhoff zu hören. Dieses Duo mit dem programmatischen Namen »Reise« entführte das Publikum auf eine faszinierende sphärische Schall-Reise.

Nos Envolées.                                                                                                                             Foto: Benjamin Riehm

Ganz anders verlief das Leben des Saarländers Benjamin Riehm. Nachdem er mehrere Jahre als Jugend- und Heimerzieher gearbeitet hatte, wandte er sich 2005 von seinem ursprünglichen Beruf ab, um sich auf seine Leidenschaften Musik und Film zu konzentrieren. Intime Klänge im Dezember weiterlesen

Junge Autoren ringen um Preise und Verlage

Wichtigster Jungautorenpreis wurde im Heimathafen vergeben

Der »open mike« ist unbestritten der wichtigste Preis für junge Literatur.
Zwischen Händeschütteln und Visitenkarten, Lesungen wie Staffelläufen und ein wenig gegenseitigem Schulterklopfen dann vor allem: Ein Wettbewerb. Hier lesen, so der Gedanke, Deutschlands Literaten von morgen. Und vier davon tragen heute schon einen Preis in der Tasche.
Seit 2012 in Neukölln zu Gast, ist die Veranstaltung als Start in den Betrieb gedacht: Eine kleine Zahl an Lektoren wählt 20 Finalisten aus, deren Texte in einer Anthologie erscheinen und gelesen werden – nach den Lesungen ermittelt eine Jury aus drei prominenten Autoren drei Schreibende, die den jeweils auf 7.500 Euro dotierten Preis erhalten und zusätzlich den taz-Publikumspreis gewinnen können. Junge Autoren ringen um Preise und Verlage weiterlesen

Musikalisches Spektrum im ORi

Konzerte gegen den Herbst-Blues

Alexina Hawkins, ihres Zeichens Bratschistin und neuerdings Veranstalterin von Konzerten, präsentiert eine neue Musikreihe in Neukölln. Die gebürtige Australierin, die seit der Saison 2016/17 Mitglied des Deutschen Kammerorchesters Berlin ist und nebenbei freischaffend in diversen Kammerorchestern mitwirkt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Konzerte zu kuratieren, die folkloristische Elemente mit progressiven Ideen im familiären Ambiente des ORi verknüpfen.

Einladung zum Tanz.                                                                                                                                            Foto:pr

Den Anfang machte am 25. Oktober Marwan Alkarjousli mit einer Darbietung seiner eigens komponierten Songs auf der Oud. Die Oud, die als Vorgängermodell der europäischen Laute gilt, ist eines der traditionsreichsten Instrumente aus Persien, und Alkarjousli ließ die Zuhörer wissen, warum. Durch arabische Harmonien und fast schon als Hofmusik zu bezeichnende Klänge wurde die Dynamik des Instruments auf exzellente Weise vorgetragen, und auch Alexina Hawkins ließ es sich nicht nehmen, einige der Songs auf ihrer Viola zu begleiten. Musikalisches Spektrum im ORi weiterlesen

Keine Spur von Traurigkeit

Salonmusik im November

Wer im West-Berlin der 1980er Jahre Country Musik hören wollte, brauchte nicht weit zu fahren. In unzähligen Musiklokalen spielten amerikanische, aber auch deutsche Musiker diesen Musikstil. In einer der Bands, der »Earthwood Family«, die Kult-Status hatte, spielte Gibbi Franzen die Lead-Gitarre.

Proud Fools.                                                                                                                             Foto: Christine Franzen

Bei einem der vielen Gigs der Band lernte er Hotte Lietz kennen. Kurz darauf gründeten sie die Band »Fire on the Mountains«. Mit ihrer Mischung aus Country, Rock bis hin zu Punk- Elementen waren sie ihrer Zeit weit voraus.
In den aufregenden 1990er Nachwende-Jahren verloren sich die beiden jedoch aus den Augen. Erst im November 2016 trafen sie sich zufällig wieder und beschlossen, als »Proud Fools« erneut miteinander aufzutreten. Mit ihrem Programm, das zur Hälfte aus eigenen Songs aus der Feder von Gibbi besteht und zur anderen Hälfte aus handverlesenen Cover-Songs von Country bis zu Cowpunk, begeisterten sie schon viele Fans in Berlin und Brandenburg. Die werden sicher auch am 4. November einen Abstecher ins Zitronencafé machen, wenn Gibbi und Hotte aufspielen. Keine Spur von Traurigkeit weiterlesen

»So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer«

Ausstellung in der »Galerie im Körnerpark«

Die bettelnde Frau oder musizierende Männer in der U-Bahn: Oftmals werden die Bilder von Roma auf diese Klischees reduziert. »Die anderen Roma sehen wir eigentlich nicht, weil die versuchen, unsichtbar zu bleiben«, sagt der Fotograf Nihad Nino Pušija. Wie ihr Leben jenseits von Vorurteilen aussieht, zeigt er in der Ausstellung »So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer«, die noch bis zum 9. Januar in der Galerie im Körnerpark zu sehen ist.

Nihad Nino Pušija.                                                                                                                                               Foto: mr

Pušija hat mit etwa 20 Roma-Familien in ganz Europa Kontakt. Er trifft sich immer wieder mit ihnen und dokumentiert ihr Leben. Viele von ihnen sind wie er selbst vor den Bürgerkriegen auf dem Balkan geflüchtet und versuchen, unter schwierigsten Bedingungen ihr Überleben zu sichern. Ungeschminkt zeigt er den deprimierenden Alltag, aber auch die Familienzusammengehörigkeit und ihre Feste. Mit seinen Fotos schafft er einen Gegensatz zu den folkloristischen, exotischen Stereotypen von Handleserinnen, Tänzerinnen oder Dieben, die in einer digitalen Collage von Bildern alter Meister in einem abgetrennten Raum zu sehen sind. »So ist das bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer« weiterlesen

»Down There Where the Spirit Meets the Bone«

Bildband von Nihad Nino Pušija

Es liegt ein beeindruckend wuchtiger und schöner Bildband des Fotokünstlers und Fotojournalisten Nihad Nino Pušija vor: »Down There Where The Spirit Meets the Bone«. Der bei »Peperoni Books« erschienene Foliant ist eine lyrische Liebeserklärung an die Menschen und ihre Schicksale, denen Pušija auf seiner Migrationsreise aus Ex-Jugoslawien durch den Balkan bis Berlin begegnet ist.

Sprung von der Mostarbrücke.                                                                                       Foto: Nihad Nino Pušija­

Angst und Leid gehen einher mit einem verlangendem Ja zum Leben. Ob aller sichtbarer Armut, in kargen Wohnungen und zwischen Ruinen, Frauen wie Männer gewinnen an Stolz in schmucken Kleidern. Es wird viel gefeiert. »Down There Where the Spirit Meets the Bone« weiterlesen

»Pirate Jenny« im Saalbau

Erinnerung an die Arbeiterkultur der Weimarer Republik

Vor Hundert Jahren stürzte eine Massenbewegung den Deutschen Kaiser und beendete den Ersten Weltkrieg. Den Jahrestag dieser deutschen Novemberrevolution nimmt Ina Wudtke zum Anlass, sich mit den künstlerischen Methoden der Arbeiterkultur in der Weimarer Republik auseinanderzusetzen.

November.                                                                                                                                                                Foto: mr

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Pirate Jenny“, die noch bis zum 25. November in der Galerie im Saalbau zu sehen ist, steht das gemeinsame Wirken von Bertolt Brecht und Margarete Steffin. Der aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Dichter und die Arbeiterin lernten sich in der Theaterklasse der „Marxistischen Arbeiterschule“ in Neukölln kennen. Sie arbeiteten seit Anfang der 1930er Jahre bis zu Steffins Tod 1941 im Moskauer Exil eng zusammen. »Pirate Jenny« im Saalbau weiterlesen