Archiv der Kategorie: Kultur

Das mangelnde Licht

Vier Lebenswege in Georgien

Es ist ein Roman, der verschlungen werden will und der verschlingt. Nino Haratischwili erzählt so mitreißend, schonungslos und dicht, dass die mehr als 800 Seiten einen nächtelang wach sein und lesen lassen.
Im Mittelpunkt stehen vier Freundinnen: Keto, die Erzählerin, die später Restauratorin und Malerin wird, Dina, eine zukünftige Kriegsfotografin, Ira, später eine erfolgreiche Juristin, und Nene, die bei ihrem kriminellen Onkel aufwächst. Sie wachsen gemeinsamen in einem Hinterhof in Tiblissi, Georgien in den 80/90er Jahren auf.
Der Roman be­ginnt mit einer Szene, in der die vier in den Botanischen Garten einbrechen, um in den Brunnen zu springen. Es klingt idyllisch, doch dann kommt die Auflösung der Sowjetunion, 1991 die Unabhängigkeit Georgiens, wenig später der Sturz des ersten frei gewählten Präsidenten. Es folgen Bürgerkrieg und Chaos. Das mangelnde Licht weiterlesen

Enter_Nature – Die Sehnsucht des Menschen nach der Natur

Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

Die Sehnsucht des Menschen nach der Natur, nach dem verlorenen Paradies, ist das Thema der neuen Ausstellung in der Galerie im Körnerpark. Unter dem Titel »Enter Nature« zeigen acht internationale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke, die von Malerei über Skulptur und Performance bis zur Medienkunst reichen.

un_ravel. Foto: mr

Der Blickfang der Ausstellung ist die Skulptur »un_ravel«, eine gewebte Landschaft aus Schollen und Verflechtungen mit einem Webrahmen in der Mitte, der die Besucher zum gemeinschaftlichen Weben einlädt.
Das Bild einer Weltkugel mit Schleife und dem Slogan »Alles muss raus« zeigt drastisch den Ausverkauf der Welt. Enter_Nature – Die Sehnsucht des Menschen nach der Natur weiterlesen

Fundstück

Josephine und die kleinen Dinge

Die Zeichnungen von Josephine Raab als »Fundstücke« sind lange ein fester Bestandteil der Kiez und Kneipe, keine Ausgabe erscheint ohne sie.


Alltägliches verwandelt die Künstlerin in Botschaften, die bei oft hintergründigem Ernst humorvoll sind. Sie filtert aus Gesprächen stets einen Kern heraus. Manchmal regt sie zum Nachdenken an, und auch dazu, genauer auf die kleinen Dinge zu schauen. Manchmal lassen sie aber auch nur schmunzeln, besonders dann, wenn sie lustige Versprecher aufgespießt hat.
Unsere Kollegin in der Redaktion arbeitet darüber hinaus als Illustratorin und Objektkünstlerin.

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Destabilität, Durchleuchtung und politische Ästhetik

Mona Hatoum und Rémy Markowitsch im KINDL

Dunkelgraue Metallstreben, zusammengesetzt zu einer riesigen Struktur, abweisend im ersten Moment. Dann fängt diese Struktur an zusammenzubrechen, und es entsteht plötzlich etwas sehr Fragiles. Dann stabilisiert sie sich wieder, es folgt der nächste Zusammenbruch.

Fragil existent.     Foto: Jens Ziehe

Das fast neun Meter hohe gerasterte Objekt erinnert an ein im Bau oder Rückbau befindliches Gebäude. Die Installation »All of a quiver« (Alles ein Zittern) von Mona Hatoum im 20 Meter hohen Kesselhaus des »KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst« »verweist auf die Umwälzungen der Gegenwart und unsere prekäre und fragile Existenz«. Balance und Zusammenbruch sind wichtige Inhalte ihrer Werke.
Hatoum wurde 1952 in Beirut geboren, floh während des Bürgerkrieges nach London, sie lebt und arbeitet dort. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit Migration, Exil und Politik. Destabilität, Durchleuchtung und politische Ästhetik weiterlesen

Der schönste Tag

Ausstellung rund ums Thema Hochzeit im Museum Neukölln

Zu den Klängen des Hochzeitsmarsches schritten Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Kulturstadträtin Karin Korte zur Tat und durchtrennten das Band, das den Eingang zum Ausstellungsraum versperrte. Damit eröffneten sie die neue Sonderausstellung im Museum Neukölln »#Der schönste Tag – Hochzeit in Neukölln«, die sich mit der Frage beschäftigt: Ist die Hochzeit noch zeitgemäß oder ist sie es gerade wieder?

Der Füller der 10.000 Ehen.      Foto: mr

Die Besucher treten ein in ein begehbares Fotoalbum, das Einblicke gibt in die unterschiedlichen Facetten der Hochzeit – vom ersten Kuss bis zur Goldenen Hochzeit. Neuköllner Paare haben dem Museum dazu nicht nur über 150 Fotos aus ihren privaten Familienalben zur Verfügung gestellt, sie haben auch von ihren persönlichen Hochzeitserlebnissen erzählt. Die daraus entstandenen Hörstücke können sich die Besucher in der Ausstellung anhören.
Ausgewählte Objekte aus der Sammlung des Museums Neukölln wie der Füller eines Neuköllner Standesbeamten, der über 10.000 Ehen geschlossen hat, oder eine Hochzeitstruhe ergänzen die Ausstellung. Der schönste Tag weiterlesen

Starke Frauen im Rathaus Neukölln

»Was die Afghaninnen uns zu sagen haben…«

Seit der Machtübernahme der Taliban vor über einem Jahr sind afghanische Frauen und Mädchen mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert und fast aus dem öffentlichen Leben verschwunden.

Foto: mr

Aus Anlass des »Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen« wurde die Wanderausstellung »Was die Afghaninnen uns zu sagen haben…« in der ersten Etage des Rathauses eröffnet. Die Ausstellung stellt fünf afghanische Fotografinnen vor, die wegen ihrer Arbeit verfolgt, misshandelt und ins Exil getrieben wurden.
Am Abend fand in der Programmschänke »Bajszel« ein Podiumsgespräch statt, in dem die Fotografin Tahmina Alizada, die Rapperin Ziba Hamidi, die Journalistin Lailuma Sadid und Rebecca Schönenbach vom Verein »Frauen für Freiheit« über ihre Erfahrungen mit persönlichen Angriffen, die sie zur Flucht veranlasst haben, und ihre Wünsche an die westlichen Gesellschaften sprachen.
»Die Taliban wollen die Identität der Frauen vernichten«, sagte Lailuma Sadid. Sie rief dazu auf, trotz aller anderen Krisen die afghanischen Frauen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Rebecca Schönenbach warnte vor Kulturrelativismus. Die vom Ausland finanzierten Koranschulen sorgten auch hier dafür, dass Frauen sich nicht frei im öffentlichen Raum bewegen können.

mr
Die Ausstellung endet am 10. Dezember, Bilder von Tahmina Alizada sind auch im »Bajszel«, Emser Str. 6 zu sehen.

Die Diversität der Ausbeutung

Ein Versuch, Antirassimus auf eine marxistische Basis zu stellen

Sehr fundiert und gewagt zugleich gehen acht Autorinnen und Autoren daran, Karl Marx und seine Kapitalismuskritik zu aktualisieren. Dabei setzen sie sich kritisch mit bestehenden wissenschaftlichen und politischen Ansätzen ausein­ander, die dem aus ihrer Sicht vorherrschenden Strömungen des Antirassismus zu Grunde liegen.
Diese Aktualisierung der Theorie und Methodik von Karl Marx geht weiterhin davon aus, dass der Kapitalismus als Warengesellschaft auf der Produktion von Mehrwert durch die Arbeiterklasse basiert, und damit auf Ausbeutung. Durchgängig wird ebenso der Begriff der Überausbeutung verwendet. Nur auf dieser Basis sei es möglich, gemeinsame Kämpfe der Arbeiterklasse gegen die Vorherrschaft des Kapitalismus zu organisieren. Der Klassenbegriff wird weiter gefasst als im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert, die arbeitende Bevölkerung hat sich um Intellektuelle erweitert, die der Kapitalproduktion und -verwertung unterliegen. Die Diversität der Ausbeutung weiterlesen

Reise in das Berlin vor 125 Jahren

Erinnerungen an eine zumeist noch friedliche Vaterstadt

Herbert Friedrich Witzel hat das Programm seines kleinen Neuköllner »worttransport«-Verlags um eine geschichtlich hochinteressante Preziose bereichert. Im Rahmen seiner Recherchen zum im 19. Jahrhundert in Rixdorf lebenden und auf dem »Neuen Jacobi-Friedhof« begrabenen Philosophen und Bibelkritiker Bruno Bauer stieß er auf dessen Patenkind Agathe Nalli-Rutenberg. Die 1838 auf der Fischerbrücke geborene Schriftstellerin ist die Tochter von Adolf Friedrich Rutenberg, eines Freundes von Karl Marx und Chefredakteur der »National Zeitung«. Sie war Lehrerin in Schöneberg, reiste viel durch Europa und heiratete in Italien den Römer Fausto Nalli, blieb ihrer geliebten Heimatstadt aber stets treu verbunden.
1907 schrieb sie erstmals ihre Erinnerungen an und als »Mein liebes altes Berlin« auf, 1912 folgte die verbesserte Neu-Ausgabe »Das Alte Berlin«, die nun, von Witzel aus der Frakturschrift übertragen, sanft redigiert und klug bebildert, in seiner »A&O-Reihe« (Aufgefrischte Originaltexte) und natürlich als »Buch ohne Eselsohren« eine bibliophile Wiedergeburt erlebt. Reise in das Berlin vor 125 Jahren weiterlesen

Einblicke in Müll und Werkstätten

Neue Ausstellungen in der »Galerie im Saalbau«

Der Titel »Ersatz Teile Körper« ist auf den ersten Blick ein wenig irreführend, denn bei der neuen Ausstellung in der »Galerie im Saalbau« geht es nicht um Ersatzteile für den menschlichen Körper.

Schrauber bei der Arbeit.      Foto:mr

Es geht hier eher um die Transformation von Dingen. Dabei geben die beiden Künstlerinnen Ingeborg Lockemann und Birgit Schlieps Einblicke in Welten, die sonst eher verborgen bleiben.
Ingeborg Lockemann untersucht legale und illegale Mülldeponien in Brandenburg. Berliner Abfälle landen seit jeher in Brandenburg, seit der Wende ist das Land jedoch auch Ziel internationaler Müllentsorgungen. Einblicke in Müll und Werkstätten weiterlesen

»Tief verwurzelt«

Galerie im Körnerpark stellt Schätze aus

Die Galerie im Körnerpark wurde 1983 eröffnet, als erste kommunale Galerie in Berlin. Neben zeitgenössischer Kunst liegt der Schwerpunkt in der Ansicht von Frauen in der Kunst.

Fossilien aus der Kiesgrube.   Foto: mr

Die jetzige Ausstellung »Tief verwurzelt« wurde von zwei Frauen kuratiert. Zum einen Sonja Schönberger, die unter dem Titel »Pflaumenbaum« die Geschichte von Franz Körner (1838-1911) thematisiert. Der Körnerpark ist eine ehemalige Kiesgrube von Franz Körner. Es geht in der Ausstellung um Steine. Die andere Künstlerin Silvina Der–Meguerditchian behandelt das handgeschriebene Notizbuch ihrer Urgroßmutter, das 300 Heilpflanzen aus Anatolien beschreibt. »Tief verwurzelt« weiterlesen

Das zweite Leben der Dinge

Objekte mit Witz und Kreativität

Ob Orangenschalen, Tennisbälle, Bierdosen, Plastikflaschen oder Teebeutel – nichts ist sicher vor Rolf Reicht. Der Zahnarzt und passionierte Tennisspieler wuchs in Neukölln auf und schafft kleine Kunstwerke, die meist ein Schmunzeln beim Betrachter hervorrufen, zuweilen aber auch nachdenklich machen können oder einfach nur schön anzuschauen sind.

Rolf Reicht.Foto:     Luca Gefäller

Schon in der Schule entdeckte er seine kreative Ader, er sagt selbst, er habe das große Glück gehabt, einen Künstler als Kunstlehrer gehabt zu haben. Während des Studiums kamen Leute von der Va­gantenbühne auf ihn zu und fragten, ob er Lust hätte, Zahnkulissen herzustellen. Natürlich hatte er das, er stellte strassbesetzte, goldene und bunte Schienen für die Schauspieler des Stückes »Bella Ciao« her. Er machte auch Schmuck. Ein kurioses Stück ist ein Ring, den statt eines Edelsteins, ein Nierenstein seines Vaters schmückt. Schon zeitig probierte Rolf Reicht alles aus, jede Technik war ihm willkommen und wurde je nach Material genutzt. Er baut, malt, bastelt, schneidet, klebt, wie es ihm gefällt. Das zweite Leben der Dinge weiterlesen

Feldmusik

Tempelhofer Feld swingt auch klassisch

Ein Ohrenschmaus der besonderen Art war Ende Juli zu genießen. Die »Unibigband Berlin« und »Imperial College London« sind in einen klangvollen Wettstreit getreten. Klassik, Swing, Rock und Pop wurden meisterhaft gespielt zur Begeisterung zahlreicher Besucher.
Manche summten oder tanzten zu den wohltuenden Klängen, andere genossen das Konzert auf der Wiese liegend.

Battle of Big Bands.     Foto: Feldmusik.thf100

Organisiert wurde dieses besondere Tonerlebnis von den »THF 100%-Feldmusikern« und dem Verein »Haus 104«. Feldmusik weiterlesen

Sinti und Roma kämpfen für ihre Rechte

Eindrucksvolle Filme über die Überlebenden des Genozids

Es ist eine sehr aktuelle sehenswerte Dokumentation des Filmemachers Peter Kestler bis 21.10.22 in der 3sat-Mediatkek auf Sendung: »Unrecht und Widerstand – Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung«.

Romani Rose.    Foto: Rainer Komers / Strandfilm

Romani Rose, seine Familie, die Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Bürgerrechtsbewegung stehen im Zentrum des Films »Unrecht und Widerstand«. Eindrucksvoll beschreibt der Film ihren jahrzehntelangen mutigen wie beharrlichen Widerstand gegen die Ungleichbehandlung sowie den Kampf um die Anerkennung des an ihnen verübten Genozids. Als Überlebende des Völkermords, der von der deutschen Bundesregierung erst 1982 offiziell anerkannt wurde, waren und werden sie von staatlichen Behörden und der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt. Bis in die späten 1970er Jahre wurden die Täterinnen und Täter des Völkermords nicht zur Verantwortung gezogen. In einflussreichen Ämtern und Funktionen in Polizei, Justiz, Kirche und Universitäten erhielten sie vielmehr die Gelegenheit, die Überlebenden als Kriminelle zu verleumden und sich selbst zu rehabilitieren. Zudem verfestigten sie das stereotype Bild der Minderheit in Staat und Gesellschaft und trugen wesentlich zur jahrzehntelangen Nichtanerkennung des an Sinti und Roma begangenen Völkermords bei. Sinti und Roma kämpfen für ihre Rechte weiterlesen

Musikalischer Erlebnisparcours

Ein Spiel mit den Elementen für Sehende und Nichtsehende

Wie nehmen nichtsehende Menschen ihre Umgebung war? Welche Sinne sind mehr oder anders ausgeprägt? Und wie fühlt es sich als sehender Mensch an, nichts mehr zu sehen?

Kieseltraining.      Foto: jr

Andrea Heuer und Henrike Baum­gart haben zusammen mit der Musikerin Silke Lange ein Projekt entwickelt, gefördert vom Berliner Projektfonds »Urbane Praxis DRAUSSENSTADT Call for Action«. So entstand ein Erlebnisparcours, der um die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde kreist. Andrea, Theaterpädagogin und Schauspielerin, wird zu Frau Itzenblitz und Henrike, Sängerin und Performerin, wird zu Unku Blau; die beiden führen die Teilnehmer durch den Parcours, die Musikerin begleitet und mischt sich akustisch in den Ablauf ein. Musikalischer Erlebnisparcours weiterlesen

Das Zischen der Jazzbesen

Fünfter März

Die Zeit flutet über mich,
Der Wahnsinn schleicht,
Das Schlafzimmer Durcheinander,
Die schreienden Wände,
Rufen wieder auf die Straße,
allein um zu sterben,
und die Love Brigade los zu werden,
Kopf und Herz bei mir,
Ein Schatten legt einen guten Tanz hin zur Musik am Set,
Ich bin stets der erste und letzte der vergisst,
und bleib doch mitten drin.
Dean Reeve Das Zischen der Jazzbesen weiterlesen

»48 Stunden Nowosibirsk«

Eine letzte Bastion kritischer Diskurse

Immer wieder Krieg.     Foto: mr

»48 Stunden Nowosibirsk« ist das sibirische Partnerfestival zu »48 Stunden Neukölln«, ein Festival für zeitgenössische Kunst, das bisher zwei Mal mit zuletzt mehr als dreihundert Künstlern an mehr als vierzig Orten in Russlands drittgrößter Stadt durchgeführt wurde. Das Projekt bietet der lokalen Szene Nowosibirsks eine Plattform und vernetzt sie mit Akteuren aus Deutschland, um der Marginalisierung der zeitgenössischen Kunst, die in Russland oft als degeneriert diffamiert wird, entgegenzuwirken.
Ansätze dieser Art sind in Russland, wo künstlerische Freiräume gerade an großen Institutionen seit Jahren beschnitten werden und nunmehr kaum noch existieren, besonders relevant. ­Selbstorganisierte Initiativen sind letzte, prekäre Bastionen kritischer Diskurse und Praktiken.
Nachdem Neuköllner Künstler 2019 und 2021 in Nowosibirsk zu Gast waren, stellen jetzt sibirische Künstler in der Neuköllner »Galerie im Saalbaau« aus. »48 Stunden Nowosibirsk« weiterlesen

Betonung der Körperlichkeit

Der Ursprung des Lebens ist Kunst

Im Rahmen von »48 Stunden Neukölln« wurden drei bemerkenswerte Ausstellungen im Atelierformat eröffnet, durch den »Kunstverein Neukölln«, in der »Pequod Books« und im »Atelier Corazón Verde«.
Alle drei ­Kunstangebote vereint die Betonung der Körperlichkeit und die Suche nach Antworten aus einer bedrängenden Situation.

Nova. Teamarbeit von Jennifer Jennsel und Willi Büsing

»Die Ausstellung »Rescue Rituals« versammelt Arbeiten aus den Bereichen Video, Fotografie und Zeichnung, die mit besonderen rituellen Handlungen unter Einsatz des eigenen Körpers verbunden sind,« heißt es treffend in der Ankündigung des »Kunstvereins Neukölln«. Barbara Caveng präsentiert ausgewählte Fotografien ihrer Serie »daily wounds«. Betonung der Körperlichkeit weiterlesen

40 Jahre »Fête de la Musique« in Berlin

Kommt raus und macht Musik!

Nach zwei Jahren als Online-Festival bringt die »Fête de la Musique« zum Sommeranfang 2022 wieder Publikum und Musizierende real zusammen.


Also: Den Staub von den Instrumenten pusten, die Übungsräume durchlüften und das Gefühl genießen, wieder vor und für Menschen zu spielen. Open Air, im Club, in Universitäten, in heiligen und profanen Häusern, in und auf Sternwarten, an Kiez-Ecken oder beim Discounter – ohne Eintrittsbarriere kommen Menschen am längsten Tag des Jahres wieder zusammen und feiern das Fest der Musik.
In die bewegten Beats mischen sich aber auch nachdenkliche und solidarische Töne, wenn wir geflüchteten Musikern eine Bühne bieten und zeigen, dass Musik eine starke Waffe für ein friedliches Zusammensein ist.
Die vom Senat für Kultur und Europa seit 2018 direkt verantwortete »Fête de la Musique« hat in diesem Jahr Neukölln mit Fokus auf die Gropiusstadt als Partnerbezirk ausgewählt.
Am 21. Juni 2022, dem Tag des Sommerbeginns, können Sie in Neukölln und seinen Ortsteilen sowie berlin- und europaweit an ungezählten Plätzen das vielfältigste und nachhaltigste Musikprogramm des Jahres erleben. 40 Jahre »Fête de la Musique« in Berlin weiterlesen

Vom Skateboardstar zum Streetartkünstler

Schloss Britz zeigt Werke des US-amerikanischen Künstlers Danny Minnick

In den USA und England gehört er zu den gefragtesten Nachwuchskünstlern. Jetzt ist Danny Minnick auch in Berlin angekommen. Unter dem Titel »My Own Privat Paradise« sind im Schloss Britz bis zum 21. August Werke des Künstlers zu sehen, die während der letzten beiden Jahre entstanden sind.

Minnicks Knochenmann.   Foto: mr

Zu sehen sind imposante großformatige Leinwandarbeiten in knalligen Farben, die Pop-Art, Street-Art und Graffiti, abstrakte und symbolische Elemente miteinander verbinden, aber auch diverse Schwarz-weiß-Werke, die häufig Knochenmänner mit Pluszeichen auf Hüft­höhe zeigen, eine Art Markenzeichen in Minnicks Wandbildern. Ein solcher Knochenmann ist auch auf einer eigens für diese Ausstellung gestalteten Fahne zu sehen, die während der Ausstellungseröffnung über dem Schloss aufgezogen wurde. Vom Skateboardstar zum Streetartkünstler weiterlesen

Wer hat etwas zu erzählen?

Der Britzer Gesprächskreis sucht Geschichten

Interessierte Britzer treffen sich seit 2007 mit dem Ziel, Erlebnisse heutiger und ehemaliger Bewohner anzuhören und, um sie zu bewahren, diese Geschichten auch aufzuschreiben.


Daraus entstand bereits 2011 das erste Heft mit dem Titel »Britzer erzählen aus ihrer Siedlung«. Zum 10-jährigen Bestehen des Gesprächskreises erschien 2017 das zweite Heft »Britzer erzählen – Teil 2«.
Beide Hefte stießen auf so großes Interesse, dass nun ein drittes Heft erscheinen soll. Dazu werden noch weitere Britzer Geschichten, vielleicht ja auch Ihre gesucht.
Wir treffen uns jeweils am zweiten Mittwoch im Monat um 15:30 Uhr in der »Seniorenfreizeitstätte Bruno Taut« im Hufeisengebäude in der Fritz-Reuter-Allee 50. Oder kontaktieren Sie uns per Telefon oder per E-Mail. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Geschichten!
Ihr Britzer Gesprächskreis
E-Mail: britzer.kreis@gmail.com
Telefon: 01578 / 1945690

Theater machen

Mitspieler willkommen

Wer aufmerksam durch Neukölln geht, denkt sicher oft, dass hier schon viel zu viel Theater um alles Mögliche gemacht wird.
Wer sich allerdings die Frage stellt, ob das Theater die Welt ändern kann, der merke jetzt auf. Hier werden Menschen gesucht, die Lust haben, sich auf der Bühne auszuprobieren. Es entsteht gerade eine Theatergruppe, die noch Mitspieler sucht. Das Ganze wird ein Amateur-No-Budget -Projekt.
Gesucht werden: Menschen ab 18, die Lust auf Theaterkunst haben. Menschen, die Lust haben, mit neuen Formen des Ausdrucks zu experimentieren. Menschen, die es auf die Bühne zieht. Experimentieren mit Stimme, Körper und Geist. Der Seele, dem Verstand und dem Körper einen neuen Ausdruck geben!
Ein aktuelles Stück existiert schon und soll im Mittelpunkt der Arbeit stehen.
Die wesentliche Sprache des Stücks ist Deutsch, aber es können alle Sprachen eingewoben werden.
Neben Mitspielern sind natürlich auch andere Akteure willkommen. Für eine Inszenierung gibt es immer eine Menge zu tun: Kostüm, Maske, Bühnenbild und vieles mehr.
Alle weitere Fragen klären wir gerne in einem Gespräch.
Wer sich angesprochen fühlt, schicke bitte eine Mail an
info@shadesneukoelln.de

pm

Ohne Eselsohren, aber mit Ecken und Kanten

Neues aus Herbert Friedrich Witzels kleinem Verlagsuniversum

Über »Buchgestalter, -hersteller und -verleger« (Eigenbezeichnung) Herbert Friedrich Witzels mitunter unberechenbares, buntes Verlagsprogramm, das der bibelfeste und streitbare Warthestraßenbewohner aus seinem heimischen Rixdorfer Verlag wissbegierigen und humorfesten Lesern in die Welt schickt, hatten wir schon im Mai 2021 berichtet. Doch Witzel teilt unermüdlich seine neuen wie gereiften Entdeckungen und »Einladungen ins Reich des Geistes«.

witzels neue Erhellungen.     Foto: hlb

So und in persona, samt Songs und schon legendärer »Ur«-Suppe, auf seiner vierteljährlichen »Bunten Bücherbühne« (in der Kreuzberger Marthakirche, wenige Meter oberhalb der Thielenbrücke des Landwehrkanals). Für Fans des »Worttransport« wird dort stets ein signiertes und durchnummeriertes »Vierteljahrbuch« vorgestellt, das Auszüge aus dem »worttransport«-Programm, Fremdtexte und – wie bei Witzel oft eingesetzte – handschriftliche Kommentare und Ausführungen versammelt und mit unorthodoxer, meist augenzwinkernder Gestaltung zu einem individuellen Machwerk wird.
»Nicht nur Provokationen, sondern stabile Qualität für die Zukunft« umschreibt Witzel das Verlagskonzept seiner Buchinhalte. Ohne Eselsohren, aber mit Ecken und Kanten weiterlesen

Profitgier beeinflusst das Klima

Einblick in den Zusammenhang von Natur und Wirtschaft

Klimawandel kommt nicht von ungefähr. Er ist verknüpft mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zwischen den Menschen und den wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen gelebt und produziert wird. Wer über das Klima spricht, sollte über das Kapital nicht schweigen. Valeria Bruschi und Moritz Zeiler haben bei »Dietz Berlin« einen Sammelband von verschiedenen Artikeln und Essays herausgegeben. Es entsteht beim Lesen ein interessanter wissenschaftlich fundierter Eindruck über die Ursachen und Folgen des weltweiten Klimawandels. Vor allem fällt der Blick nicht eurozentrisch aus, sondern umspannt auch die Auswirkungen in den ärmeren Regionen der Erde. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Artikeln der Versuch, Karl Marx und seine Analysen vor allem in seiner dreibändigen Schrift »Das Kapital« zu aktualisieren. Profitgier beeinflusst das Klima weiterlesen

Wie der Fußball nach Deutschland kam

Vortrag über den Fußballpionier Walther Bensemann

Eigentlich sollte bereits am 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 2020 ein zweitägiges Freundschafts-Jugendfußballturnier stattfinden, ausgerichtet vom »BSV Grün-Weiss Neukölln 1950 e. V.« und dem »TSV Rudow 1888 Berlin e. V.«.
Coronabedingt musste es ausfallen. An Pfingsten wird es nun nachgeholt.
Insgesamt werden am 4. und 5. Juni von 9:00 bis 14:30 auf den Sportanlagen in der Johannisthaler Chaussee 125 und der Neuköllner Str. 277 18 internationale Mannschaften mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren gegeneinander antreten.
Das Turnier trägt den Namen: »Tournament of Peace – in memoriam Walther Bensemann«.

Der Autor.      Foto: mr

Wer dieser Mann war, erzählte am 15. Mai im »Zentrum Dreieinigkeit« der Autor Bernd M. Bey­er, der unter anderem den biografischen Roman »Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte« geschrieben hat, in dem er die schillernde Persönlichkeit Walther Bensemanns lebendig werden lässt und einen Einblick gibt in jene Zeit, in der das Fußballspiel zum deutschen Volkssport aufstieg. Wie der Fußball nach Deutschland kam weiterlesen

Ein Zeichen für Solidarität

Zeichnungen für den Frieden

Dirk Müller studierte Architektur an der Beuth-Hochschule. Er arbeitete als selbstständiger Entwurfs- und Designarchitekt. Heute arbeitet er für die öffentliche Hand und berät bei der Realisation von Schulbauten.
Aber er ist auch ein gestaltender Künstler, der ein Projekt gestartet hat, um die Menschen in der Ukraine zu unterstützen.

Zeichnung: Dirk Müller

Kurz nach Beginn des Krieges in der Ukraine hat er ein Bild gemalt, bestehend aus fünf Tafeln zum Thema Frieden – PEACE. Jede Tafel zeigt ein Segelschiff mit einem blau-gelben Segel, das einen sicheren Hafen ansteuert. Geleitet werden die Schiffe immer durch einen Leucht- beziehungsweise Fernsehturm. Bei dem Original im DIN A4 Format handelt es sich um eine Graphitzeichnung, die nachträglich mit Aquarellfarben koloriert wurde. Ein Zeichen für Solidarität weiterlesen

Klassenjustiz

Buchrezension von Anne Seeck

»Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich« heißt das 270-seitige Buch des promovierten Juristen und Redakteurs der Süddeutschen Zeitung Ronen Steinke. Der Autor zeigt systematische Ungerechtigkeiten im Strafsystem auf. Einkommensarme Menschen, die schwarzfahren oder einen kleinen Ladendiebstahl begehen, werden hart bestraft. Verfahren wegen Wirtschaftskriminalität werden dagegen eingestellt oder es wird milde geurteilt. Ronen Steinke recherchierte bei Staatsanwält*innen, Richter*innen, Anwält*innen und Verurteilten. Dabei geht der Autor in verschiedenen Kapiteln die einzelnen Stationen der rechtlichen Verfahren durch. Er beschreibt die Rolle der Anwält*innen, untersucht Urteile (zum Beispiel die Bedeutung verhängter Geldstrafen) und analysiert die Auswirkungen der U-Haft und von Gefängnisaufenthalten. Nach den Kapiteln zur Wirtschafts- und zur Elendskriminalität legt er schließlich Ideen vor, wie es gerechter zugehen könnte. Klassenjustiz weiterlesen