Von Alchemilla bis Zichorie

Heilsames und Giftiges in Neukölln

Am Freitag, den 13. April, erscheint das Buch »Heilsames Neukölln«, geschrieben von Eva Willig, die auch Kolumnistin unserer Zeitung ist und regelmäßig über Kräuter und Heilpflanzen berichtet. Ob das Datum ein schlechtes Omen ist? Hoffentlich nicht! Und wenn doch, dann gibt’s im Buch so manch guten Tipp zur Behandlung der Folgen. So hilft ein Tee aus Johanniskraut gegen depressive Verstimmung, und gegen das »traurige Herz« hilft, laut Hildegard von Bingen, die Königskerze. Weißdorn könnte auch hilfreich sein. Aber das wird hier wohl nicht nötig sein.
Dank mehr als 100 besprochener Pflanzen – von Gräsern, Kräutern, Sträuchern bis zu Bäumen – findet der Leser eine Vielfalt guter Anwendungen für eine Vielzahl an Beschwerden. Augen, Ohren, Magen, Frauenleiden, Spinnen- und Schlangenbisse, Wunden – für alles ist was dabei. Man muß sich nur auf den Weg machen und sich die Pflanzen beschaffen. Die Zubereitungen sind im Buch beschrieben, und dem ortskundigen Neuköllner werden auch die Fundorte nicht unbekannt sein, sind sie doch fast immer angegeben. Wer die Mühsal scheut, kann sich das Meiste auch im gut sortierten Kräuterladen beschaffen. Wer die Pflanzen nicht so genau kennt, oder wer sich nicht zutraut, sie anhand der Bilder zu erkennen, ist gut beraten, an einem (oder mehreren) der regelmäßig angebotenen Exkursionen teilzunehmen. Im April geht’s los, die Termine stehen in der Kiez und Kneipe. Es wird wieder so manches Unbekannte zu entdecken geben.
Das Buch ist lesenswert, aber nicht leicht zu lesen. Die Sprache ist manchmal etwas »übergendert«, dadurch wird der Lesefluß unterbrochen, insbesondere dann, wenn man von derartiger Modeerscheinung sowieso nichts hält. Unabhängig davon: Die Tipps sind interessant und auf jeden Fall ausprobierenswert; wenn die Natur tatsächlich helfen kann, ist sie allemal der Pharmaindustrie vorzuziehen. Auch das Plädoyer für »Guerilla gardening« und gegen so manche Machenschaften des Grünflächenamts ist im Sinn von »Legal– Illegal – scheißegal«, weil es um unsere Natur, unsere Gesundheit und unsere Zukunft geht!

hs