Michael Tilgen

Nachruf auf einen Neuköllner Künstler

Foto: HD Seibt

Michael Tilgen war ein umtriebiger Künstler, der nicht nur Kontakt zu anderen Malern pflegte, sondern auch gerne mit Musikern, Schriftstellern und Schauspielern verkehrte. Das war auch der Impuls für die Gründung seiner »Artgarage«, einer zum Kunstraum umgebauten Garage in der Karl-Marx-Straße, in der einmal jährlich Konzerte, Lesungen und Performances stattfanden.
Leider wird es die »Artgarage« dieses Jahr nicht mehr geben. Am 22. März ist Michael Tilgen im Neuköllner Ricam Hospiz verstorben.Vor seinem Umzug nach Neukölln im Jahr 2002 lebte und arbeitete er im Ruhrgebiet. In den 60ern begann er als Inneneinrichter, Möbel-, Keramik- und Textildesigner. Von den 70ern bis in die 90er war er als Szene-, Kunst- und Großgastronom in Köln, Essen und Dortmund tätig. Schon damals beschäftigte er sich intensiv mit Bildarbeiten. In den 90ern wurden seine Arbeiten in Essen, London, Paris und New York ausgestellt.
Materialität, Prozess und Veränderung durchzogen sein Leben wie auch seine Kunst. Tilgen malte in Öl, formte mit Feuer, komponierte mit Zement und Worten.
Seine Arbeitsreihe »Feuerzeiten« oszillierte zwischen Vergänglichkeit und Verbleibendem. Durch Verbrennungen auf Holz, Schiefer und Karton mit Lacken, Kunststoffen und Papier beschäftigte er sich mit der Frage, wann Veränderung beginnt und aufhört.
Auch literarisches Schaffen wurde in seiner letzten Lebensphase wichtig. In den eng an seine Texte gebundenen Malereien beschäftigte er sich zunehmend mit Menschen: Liebende, Streitende, Forderer oder Verweigerer. Mit kräftigen Farben, aber auch feinen, sanften Kreidestrichen empfand er seine Figuren in vielen Facetten und stets ausdrucks- und charakterstark nach.
Der Mensch Michael Tilgen wird uns fehlen, aber seine Kunst wird bleiben.pschl

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