Raue Schönheit dauert

KINDL-Zentrum eröffnet erst nächstes Jahr

Als Burkhard Varnholt, der Eigentümer der ehemaligen Kindl-Brauerei und Initiator des »KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst« in seiner Rede zur Eröffnung des Kesselhauses im September letzten Jahres George Bernard Shaw zitierte, der einmal sagte, dass es verrückte Leute brauche, um große Dinge ins Rollen zu bringen, hat er sich bestimmt nicht träumen lassen, wieviel Verrücktheit tatsächlich notwendig sein würde, um dieses kühne und ambitionierte Projekt fertigzustellen.

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Ewige Baustelle.                                                                                                             Foto: Wibke Scharpenberg/KINDL

Bereits im Herbst 2012 wurde mit dem aufwändigen Umbau des denkmalgeschützten Gebäudeensembles, das aus Maschinenhaus, Kesselhaus und Sudhaus besteht, begonnen. Als erster Gebäudeteil wurde im Herbst 2014 das würfelförmige Kesselhaus fertiggestellt und mit der Installation »Kitfox Experimental« des Schweizer Künstlers Roman Signer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Etwa 14.000 Besucher haben in der Zwischenzeit die beeindruckende Arbeit, die noch bis 28. Juni zu sehen ist, bewundert.
Ursprünglich war ge­plant, die anderen beiden Teile des Gebäudeensembles, das Maschinenhaus und das Sudhaus, diesen Sommer zu vollenden. Im Zuge der Bestandsaufnahme der bisherigen Arbeiten wurde jedoch deutlich, dass sich der Aus- und Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes weitaus aufwändiger gestaltet als bisher angenommen. Der neue Zeitplan der Architekten sieht nun vor, das Maschinenhaus mit seinen drei Ausstellungsetagen und der neu erschlossenen Ostfassade zum Frühjahr 2016 fertigzu stellen. Gleichzeitig soll auch das Sudhaus mit dem zukünftigen Café seinen Betrieb aufnehmen.
Burkhard Varnholt und Andreas Fiedler, der künstlerische Leiter und Kurator des »KINDL«, gehen aber trotz der Verzögerungen keine Kompromisse ein und halten trotz aller Widrigkeiten am ursprünglichen Konzept der Umbaumaßnahmen, die spezifische architektonische Qualität der einzelnen Gebäudeteile zu erhalten, fest.
Die beiden sind von der rauen Schönheit der Gebäude und den mannigfaltigen Nutzungsmöglichkeiten der Räumlichkeiten nach wie vor sichtlich begeistert. Glücklicherweise können die beiden ursprünglich für dieses Jahr geplanten Ausstellungen, eine Einzelausstellung des Berliners Malers Eberhard Havekost und die Gruppenausstellung »How long is now« dank der Flexibilität der beteiligten Künstler auch im nächsten Jahr realisiert werden.
Um die Wartezeit etwas zu verkürzen, sind im Kesselhaus für den September drei Veranstaltungen mit dem Neuköllner Kunstprojekt »Quiet Cue« geplant. Genaueres wird noch nicht verraten.
Es bleibt nur, dem Team um Andreas Fiedler einen langen Atem zu wünschen. Mögen sie von weiteren unliebsamen Überraschungen verschont bleiben, auf dass sie der Immobiliensünde der Firma »Ziegert« in unmittelbarer Nachbarschaft ein künstlerischer Dorn im Auge bleiben.

rb