Jugendamt Neukölln gut aufgestellt

Hoffentlich kommt keine Ansteckung dazwischen

Im Jugendamt Neukölln wurde schnell auf die Krisensituation durch Corona reagiert. Das zeigt sich im Team für Kinderschutz. Dort wird in zwei Schichten gearbeitet. Wie in den anderen Abteilungen auch, gibt es zusätzlich eine Telefonansage und Emailadressen für Nachfragen. »Es ist ein gutes System. Wir werden erreicht und haben den Kontakt zu anderen Teams. Am Wochenende gibt es weiterhin den Notdienst. Es ist immer jemand da«, sagt  eine mitarbeitende Person.
Verharmlost wird angesichts des Ernstes der allgemeinen Situation allerdings nichts. Das Jugendamt kooperiere mit freien Trägern, die ihre Arbeit zum Schutz ihrer Mitarbeiter eingeschränkt hätten. Ambulante Dienste würden von Familien teilweise nicht mehr in die Wohnung gelassen, da diese »Corona ins Haus bringen« könnten. Insgesamt sei die aufsuchende Betreuungsarbeit eingeschränkt. »Wir erhalten Hinweise. Krankenhäuser rufen an, wenn sie in Sorge um ein bei ihnen in Behandlung liegendes Kind sind. Nachbarn geben auch Hinweise. Derzeit sind doch die meisten Menschen zuhause. Abends sieht man so viel Licht in den Wohnungen wie nie. Da müssen wir uns auf Nachbarn verlassen, die uns alarmieren, sollte ihnen etwas auffallen. Natürlich fragen wir auch bei den uns bekannten betroffenen Menschen nach.«
Die mitarbeitende Person des Jugendamtes spricht zuversichtlich und vermittelt einen starken Eindruck des anhaltenden Engagements in allen Teams. Sollten die einschränkenden Vorschriften länger anhalten, werde es dennoch immer schwieriger. »Es ist ein sehr großer Einschnitt in unser soziales Gefüge. Die Menschen und Familien, die jetzt schon starke Probleme haben, müssen als erste schwer mit der häuslichen Isolation kämpfen. Alles ist geschlossen, die Kitas, die Schulen. Nicht jede Familie hat die Kapazität, das dauerhaft aufzufangen, was professionelles Personal für ihre Kinder tut.«
Noch ist der Ausblick in die Zukunft nicht vollkommen düster. »Ich bin froh, hier in Neukölln im Jugendamt zu arbeiten. Wir entwickeln engagiert Strategien, reflektieren gemeinsam alles und sind gut aufgestellt. Daher konnten wir so schnell unsere Arbeit an die neuen kritischen Umstände anpassen.«
Grund für übertriebenen Optimismus bestehe dennoch nicht. »Der gesellschaftliche Zustand ist praktisch wie Krieg. Darauf ist niemand vorbereitet. Die Bundes- und Landesregierungen zeigen mit ihren Regulierungen nicht nur Vorsicht, sondern auch, wie weit sie von der Basis entfernt sind. Es wird nicht einfach einen Neuanfang im Selbstlauf geben, alles wird neu aufgebaut werden müssen. Im Amt hoffen wir, das wir gesund bleiben, und halten uns an Vorschriften. Sollte einer infiziert sein, können alle nicht mehr arbeiten. Ich gehe zur Arbeit, einkaufen und bleibe dann zuhause.«

th
Neuköllner Kinderschutzhotline; 030 90 239 55555