242 Kerzen

Erste Neuköllner Gedenkfeier für einsam Verstorbene

Spirale für 242 Verstorbene.    Foto: mr

242 Kerzen, angeordnet als leuchtende Spirale, brannten im Altarraum der Philipp Melanchthon Kirche. Jedes Licht stand für einen Menschen, der im letzten Jahr einsam verstorben ist und – wie es im amtsdeutsch heißt – »ordnungsbehördlich« bestattet wurde, weil der Tote entweder keine Angehörigen mehr hatte, oder diese die Verantwortung für die Ausrichtung der Beisetzung ablehnten. Dieser Menschen wurde am 19. Januar in einer Andacht gedacht, an der rund 60 Personen, darunter auch einige Bezirkspolitiker, teilnahmen.
»Die Spirale soll den Kreislauf des Lebens symbolisieren und Hoffnung darauf geben, dass auch mit dem Tod dieser Kreislauf nicht endet«, sagte Gerhard Paul, Vorstand der »Heilhaus-Stiftung«, die die Neuköllner Gedenkfeier gemeinsam mit dem Bezirksamt Neukölln und dem Sprengel Nordwest-Neukölln initiiert hatte. Es war die erste derartige Veranstaltung im Bezirk, mit der den Betroffenen Respekt erwiesen werden sollte.
»Wir gedenken der Menschen, unabhängig davon, wie sie gelebt haben«, sagte Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU), der die Feier unterstützt, obwohl die Datenschützer in seiner Behörde Bedenken angemeldet hatten.
»Im Kreise seiner Lieben zu sterben und würdig beerdigt zu werden, ist nicht jedem vergönnt«, sagte Pfarrer Jan von Campenhusen in seiner Ansprache. Manch einer werde erst nach Tagen in seiner Wohnung gefunden. Andere sterben einsam am Straßenrand. Aber niemand solle namenlos einfach verschwinden, sagte der Pfarrer weiter. Deshalb wurden bei der Gedenkfeier alle Namen der Verstorbenen einzeln verlesen, begleitet von Gedichten und musikalischen Beiträgen des Kirchenchores.

mr