Von Belfast in den Schillerkiez

tori Knewberry.                                                                            Foto: th

Tori Knewberry (26) aus Belfast arbeitet als Barfrau in der »Keith Bar«, doch ihre kreative Profession ist die Arbeit als Frauen-DJ. Sie engagiert sich als Feministin und Queeraktivistin, ebenso liegt ihr die instabile Situation in Nordirland am Herzen. Warum lebt sie in Berlin? »Ich möchte mein Bewußtsein öffnen. In Belfast gibt es noch keine solche Offenheit«.
Ihre Musik produziert sie im Studio. »Musik ist eine Übung. Ich schaffe Musik, die mir hilft, mich spirituell von den Spannungen zu lösen. Sie ist gesund«. Insbesondere nimmt sie an der Entwicklung einer queeren Tanzkultur teil, die offen für alle ist. »Mit Musik bin ich nie allein, ich arbeite weiter daran. Es bedeutet einen langen Prozess, meine Kunst auszuüben und eine Plattform dafür zu entwickeln«, erklärt sie in lebendiger Stimmung.
1992, als der Krieg – »the troubles« genannt – auf vollen Touren ohne Ende in Sicht lief, wurde Tori in Ostbelfast geboren, das strikt protestantisch und loyalistisch ist. Der britische Union Jack ist überall präsent. Der Kiez, in dem sie aufwuchs, grenzt an Short Strand, der einzigen katholischen und republikanischen Enklave in Ostbelfast. Die irische Trikolore bestimmt hier das Bild. Beide Gegenden waren No-Go-Zonen für die Mitglieder der opponierenden Communities. 1998 schließlich wurde in Nordirland durch das Karfreitagsabkommen der Friedensprozess eingeleitet.
»Ich bin ein ‚Peace Process Baby‘. Meine Eltern erzählten mir, ‚das gibt es nicht‘, doch das gibt es auf jeden Fall. Die Mehrheit beider Seiten geht noch getrennte Wege. Es gibt viel Trauma, das die Generationen übergreift. Ich fühle ganz tief die Enge, in der wir dort leben«. Diese Enge liegt an der übermächtigen Dominanz, die die Befangenheit zwischen der irischen und der britischen Tradition hat. Doch zunehmend kommen andere wichtige Probleme ans Tageslicht.
»Wir Feministinnen und Queeraktivistinnen wenden uns gegen die hohe Rate häuslicher Gewalt und die Vernachlässigung der Gesundheitsberatung von Frauen. Schwangerschaften von Teenagerinnen nehmen zu. Eine gute Bildung ist sehr wichtig. Ich kenne aufregende Organisationen, die Veränderungen bewirken wollen und Belfast in eine positive Zukunft pushen wollen. Ich spüre großes Verlangen, dabei zu helfen«.

th