Georg Weishäupls »Peppis Käselager« und seine kulturellen Lebensmittel

Österreich, felix Austria, schön und eigensinnig, eine der europäischen Genussinseln, wo ganz unvegan noch Milch und Honig auf saftigen Almen fließen. Georg Weis­häupl, im westösterreichischen Vorarlberg aufgewachsen und geprägt, importiert ein Stück vom landwirtschaftlichen Glück seiner Heimatregion in die Weichselstraße.

GEORG und seine Mitarbeiterin rocken und rollen den Käse.                                                        Foto: hlb

Zum einen lässt er in seiner atmosphärischen wie gemütlichen, für seine jazzig-avantgardistischen Live-Musik-Ereignisse beliebten und prämierten Kneipe »Peppi Guggenheim« gute Biere, Weine (Veltliner) und Schnäpse (Enzian, Saubirne!) servieren. Zum anderen ist da der Käse.
Nach 18 Jahren in Wien machte der »Diplomkünstler« Georg nach Neukölln rüber und eröffnete 2008 das »Peppi Guggenheim Spe­ci@l-cafe International« als zunächst sporadischen Projekt- und Kunst-raum, benannt nach seinem Wiener »vagabundieren Kunstkollektiv«. Hier begann es mit Punk und Happenings. Heute bringt das »Peppi« ein erdendes, austrisches Flair und niveauvolle Musik in den Kiez.
Doch den Naturbub ließen die Kuhliebe und das Potenzial der käsigen Vielfalt nicht los. Mit einem Freund baute er in Wien einst ein Portal für einen Sennervertrieb mit auf. Die Vermittlung und Verbreitung von Rohmilchprodukten glücklicher Weiderinder, direkt von den Sennern und Sennerinnen hin zum Käsefan, war und ist seine Passion und sollte irgendwann nicht nur innerhalb Öster­reichs passieren. Sondern auch nach und in Berlin. Denn: »Rohmilchkäse rockt!«
Berliner Feinschmecker und Alltagsgenießer haben »Peppis Käselager« längst als Trüffelschwein für die besten handwerklich hergestellten Vorarl­berger, weitere österreichische und Schweizer Käse auf dem Zettel. Er und sein Team präsentieren dort, dem »Peppi« schräg gegenüber, wie auch auf aktuell drei sams­täglichen Märk­ten ein unvergleichbares Repertoire an rund 70 Sorten davon. Von Bergkäsen diverser Lagerungen, Noten und Texturen, über (mitunter schon hirnige) Blauschimmelkäse bis hin zu Standards wie Parmesan und Gouda, alles aus guten Bauernhänden und mit Erfahrung in der Behandlung und Wirkung von Kälberlabkulturen.
Ins »Lager« kommen nur Erzeugnisse persönlich bekannter Weidemilchsennerinnereien (wie die der vorbildlichen Vorarl­berger Bäuerin Theresia Schneider – wandert’s halt amol hin!). Mindestens einmal im Jahr geht’s auf Käsetour und Produzentencheck. Wo sich sicher neue Unikate auftun, die Georg dann ab und an bei »Extremverkostungen« von über 20 Käsen nebst Kunst und Musik als »Cheese Club« in den neben dem Käseladen gelegenen Räumen verkostet.
Probieren geht eben auch im Käselager über Studieren. Tolles Brot einer Hannoveraner Bäckerei, Speck, Wurzn und Dauerwurst von selbstschlachtenden Metzgern, Säfte, Weine und Schnäpse lohnen zudem den Großeinkauf bei »Peppikäse«, nicht nur zum Wochenende.

hlb
Peppis Käselager, Weichselstr. 65,
Di 14 – 20, Mi – Fr 10 – 20, Sa 10 – 18 Uhr,
www.peppikaese.de
Märkte sonnabends 10-16: Südstern, Herrfurthplatz, Kranoldplatz (Neukölln).