Hinter der Oberfläche

Während das Gesprächs in einem Neuköllner Hinterhof steht Elke Graalfs immer wieder auf – mit dem Pinsel in der Hand steigt sie aufs Gerüst, um neue Farben und Striche zu setzen, der 7,5- Tonner soll bald auf die Reise gehen. Der schwarze LKW ist mittlerweile schon rundum mit Linien versehen, sie ist dabei, ihn mit Farben zu bestricken. Für Elke aber eher eine Landschaft, die sich in der Unendlichkeit der Bewegung später auflösen wird.

Wandcollage »wo wer nun«                                                                                                          Foto: Elke Graalfs

In ihrem Atelier stehen einige großformatige Leinwände mit eben diesem Strickmuster. Auf die Frage, weshalb Strickmuster, erzählt sie, dass ihre Professorin sie dazu bringen wollte, mehr Stofflichkeit zu gestalten, also malte sie einen Wollpullover, eher nur die Maschen und die Struktur – »Bild nr 1«. Schwarzer Hintergrund – der Schatten, grau in grau – die Materie, 120 mal 240 Zentimeter groß. Es folgen eine Vielzahl großformatiger Strickbilder, sie sind lebenspersönlich, es gibt immer eine Geschichte dahinter. Für Elke Graalfs umspielt die Oberfläche diese Geschichten, die Oberfläche zeigt das Dahinter.
Ihre Raumarbeiten greifen zum Teil die gestrickten Oberflächen auf – direkt auf die Wand gemalt oder tapeziert, bei anderen nutzt sie Figuren und Teile aus Büchern, um riesige Collagen an die Wand zu bringen.
Die Bücher – es sind Bücher, die sie selbst findet oder geschenkt bekommt, deren Inhalt wird überklebt und bemalt, bezeichnet und einbezogen –, sie muten wie Tagebücher an und lassen einen in Geschichten und Verrücktheiten schwimmen. Am liebsten möchte man sich einen ganzen Regentag darin verlieren und eine Flasche Rotwein dazu trinken.
Ein weiterer Begleiter Elkes ist ein uraltes Sony Ericsson, das nichts weiter kann als unscharfe, verpixelte Fotos zu machen. Es war ihr erstes Mobiltelefon, sie kaufte es, um zu fotografieren. Sie fotografiert alles mögliche, hauptsächlich Landschaften, immer im Nachtmodus – in Island, Amerika und anderswo. Die Bilder sind malerisch und komprimiert, verpixelt und tragen eine ganz eigene Lichtstimmung in sich – Magenta.
In ihrem Atelier in der Jonasstraße 44 lädt sie zeitweilig in ihren Ausstellungsraum »Ostfriesland« andere Künstler zur Zusammenarbeit ein. Es entstehen ausstellungen, Performances und Konzerte.

js
www.elke-graalfs.de