Zur rostig-neurustikalen Ecke

Gelungener Imagewandel – vom Puff zum Schweinebauch

Dieses Eckhaus nahe des Maybachufers hat von der Gründer-Destille über den »Pigalle«-Puff bis zu Bar, Disco und Burgerlokal schon manches beherbergt. Mit der dritten Filiale des eher glücklosen »Filetstück«-Dry-Aged-Steak-Restaurantkonzepts wurde es hier dann auch den probierfreudigen Kiezlern zu viel mit dem mitteartigen Trend- und Wer-die-neuen-Mieten-zahlen-kann-zahlt-auch-das-Gedöns.

RUST-STÄTTE mit Vergangenheit.                                                                                                               Foto: hlb

Dass der Koch wie auch der Restaurantleiter im nun steaklosen »rusty«, das schon vor Eröffnung an gleicher Stelle mit kiez­gerechterer Küche warb und heute noch »alles außer Lüster und Chi-Chi« verspricht, die gleichen blieben und eine Hängematte am Eingang etwas zu demonstrativ von neuer Lockerheit zeugen sollte, weckte Skepsis bis Häme. Unnötigerweise.Der Mittagstisch des »rusty« mit seinen gut fünf Gerichten zieht von Anfang an Stammkunden, die samt Getränk gern um die zehn Lunch-Euro investieren – etwa in Thüringer Bratwurst mit Bratkartoffeln oder Risotto. Der italienische Küchenchef Fabrizio Cervellieri hat das Restaurant übernommen und bietet mit seinem international erfahrenen Team auf einer nicht zu großen Karte eine mediterran basierte, offen zubereitete Küche mit regionalen, saisonalen Produkten und Klassikern abseits des Standards. Sternerestauranterfahren – und jüngst in die Nähe seines Arbeitsplatzes gezogen – weiß Fabrizio, dass es auch am Herd die mutig-einfache Mischung macht: scharf, sauer, süß, salzig, weich und knuspernd, Hauptsache lässig-flott und freudig kombiniert und gekocht.
Die sizilianische Caponata aus Auberginen, Zucchini, Pinienkernen, Kapern und mehr zu geröstetem Brot ist eine nahrhaft gute und beliebte Vorspeise für zwei, ebenso die Tintenfischgerichte oder einfach herzhafte Fleischbällchen. Etliche Hauptspeisen – Kalbsbäckchen, panierte Schweinebäuchlein mit Pilzen, Gnocchi mit Muscheln oder Lachsforelle mit Serrano-Schinken – haben bereits ihre festen Fans gefunden. Auch wegen der Portionen.
Für das unkomplizierte, doch professionelle Flair sorgt auch der restaurantleitende Robbi, der gut, vertrauensvoll und aufgeschlossen emp­fiehlt, erklärt und Wünsche erfüllt. Aus Kroatien über nachdrückliche Hotelmanagementerfahrungen in Asien hat ihn die Liebe vor zwei Jahren in die Berliner Gastronomie geführt. Nun freut er sich wie die Gäste über die reellen Gaumenspäße.
Das »rusty« könnte gekommen sein, um mehr als eine Weile eine legere Anlaufstelle für echtes, fair gepreistes Essen zu bleiben.

hlb
rusty, Sanderstr. 17 Ecke Friedelstr., Mo – Fr 12 – 16 Uhr, Mo – Sa 18 – 23 Uhr, www.rusty-rusty.de, Facebook: Restaurant Rusty