Demokratie ist anstrengend. Die meisten begnügen sich damit, zur Wahl zu gehen und dann vier Jahre lang die Füße hoch zu legen. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Menschen sich auch zwischen den Urnengängen aufraffen und Stadtteilkonferenzen veranstalten, so wie in Britz und im Reuterkiez. Die hatten genau das zum Ziel: Gemeinsam den Kiez gestalten. Besser geht es eigentlich nicht. Wenn Menschen sich von »unten« einbringen und mitentscheiden, nehmen sie den populistischen Schreihälsen den Wind aus den Segeln, die so gerne sagen: »Wir sind das Volk.« Dem können die Engagierten getrost erwidern: »Ok, aber wir sind volker, und wir müssen uns nicht über eine Repräsentationskrise beklagen, wenn wir selbst entscheiden.« So kann übrigens auch unsere (von manchen für klinisch tot erklärte) Demokratie gerettet werden, eher als mit jedem Volksentscheid. Aber sie ist, wie sie ist, die Demokratie: anstrengend.

Jana Treffler