Eine Reise in die Provinz

»Paterson«, der neue Film von Regisseur Jim Jarmusch ist eine sehr besondere, sehr entschleunigte Tragikkomödie. Der unaufgeregt strukturierte Film ist nach einer gewöhnlichen Arbeitswoche im Leben eines Busfahrers namens Paterson in der amerikanischen Provinzstadt Paterson in New Jersey angelegt. Ein Mann, der ein ruhiges Leben mit Frau und Hund führt und dessen Alltag durch die immer gleichen Abläufe, Rituale und Muster einer tagtäglichen Meditation ähnelt.

paterson_pic
Marvin sorgt für Unruhe.                                                                                                                                                          Foto: pr

Doch Paterson ist auch Dichter. Wann immer es ihm sein minutiös durchgetakteter Tagesablauf ermöglicht, schreibt er Gedichte in sein kleines Notizbuch, welches er immer dabei hat. Seine Frau, die ein sehr quirliger und temperamentvoller Gegenentwurf zur Persönlichkeit ihres Mannes ist, ermutigt ihn, sein Talent mit der Welt zu teilen, doch Paterson scheint nur für sich selbst zu schreiben und zufrieden zu sein mit seinem genügsamen Leben.Jim Jarmusch, der auch das Drehbuch zu »Paterson« schrieb, hat einen wahnsinnig poetischen, wunderschön beobachteten Film gemacht, der gerade durch die Weglassung von dramatischen Konflikten, verbissenen Figuren und überladenen Handlungssträngen, eine ruhige Kraft entwickelt, die selten im Kino zu sehen ist.
Mit Liebe zum Detail, Liebe für Lyrik, einer englischen Bulldogge als Antagonist und einem Arsenal an skurilen und unwiderstehlich gestalteten Nebenfiguren, ist »Paterson« ein Film, der hiermit herzlichst und dringlichst empfohlen wird.
Paterson (USA 2016, Jim Jarmusch, 118 Min) läuft in der Originalfassung im Rollberg Kino, in der Rollbergstraße 70.  bk
Weitere Informationen unter: www.yorck.de/filme/paterson.