Wiedersehen macht Freude

Pfandleihhäuser stopfen diskret akute Löcher

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Pfandleihhäusern das Verruchte und Geheimnisvolle anlastete. Manche sind in Ladenlokale eingebunden, ein anderes, in der Hermannstraße 91, hat als zusätzliches Standbein An- und Verkauf von Schmuck und das Versenden von Geld.
Hinter Panzerglas sitzen Betreiber und Mitarbeiter. Das ist auch notwendig, denn die Gegenstände, die sie aufbewahren, sind teilweise recht wertvoll.
Geschätzt werden Leihhäuser von Menschen, die schnell Geld benötigen und dieses auf diskretem Weg erhalten möchten. Das kann der Haushalt sein, der kurzfristig Geld benötigt, weil Versicherungen fällig werden, die Gehaltszahlung aber noch nicht eingetroffen ist. Der Unternehmer, dessen Forderungen noch nicht beglichen wurden, der jedoch die Gehälter an seine Mitarbeiter zahlen muss. Charakteristisch an diesem Geschäft ist, dass das Pfand weit unter seinem Verkaufswert liegt. Auf diese Weise wird erreicht, dass über 90 Prozent aller hinterlegten Gegenstände wieder abgeholt werden.
Der Gesetzgeber hat die Höhe der Zinsen und Gebühren festgelegt. Pro Monat werden ein Prozent Zinsen und etwa 2,5 Prozent Gebühren bis zu einem Pfandkredit von 300 Euro erhoben, die bei Auslösung des Pfandes entstehen.
Bei einem Pfandkredit über 300 Euro sind die Gebühren frei verhandelbar, liegen jedoch in der Regel zwischen zwei und drei Prozent. Die Lagerdauer beträgt drei Monate. Wer sein Pfand ohne Verlängerung nach diesem Zeitraum nicht abgeholt hat, wird sein gutes Stück nicht wiedersehen. Es kommt dann in ein staatlich anerkanntes Auktionshaus, in dem es versteigert wird. Nur wenn der Versteigerungswert höher ist als das, was der Kunde an Geld erhalten hat, bekommt der Verleiher aus dem Überschuss Gebühren und Zinsen ausbezahlt.
»Dieses Geschäft ist wohl eines der am stärk­sten regulierten in der freien Wirtschaft«, so der Betreiber des Leihhauses. Er ist beständig bemüht, den schlechten Ruf der Leihhäuser zu verbessern. Seriös und sachlich stellt er seine Arbeit dar, eine faire Tätigkeit.

ro