Tempelhofer Feld wieder Spekulationsobjekt

Trojanisches Pferd namens »Randbebauung«.      Foto: Thf100

Senatspolitik versus direkte Demokratie

»Wir stehen hier vor einem der größten Gebäude in Europa, und es ist vielfach noch ungenutzt. Warum sollen Menschen draußen in Containern leben, wo es ein Gebäude gibt, das auch nutzbar als Wohnraum ist«, sagt die Feldaktivistin Mareike Witt von »100 % Tempelhofer Feld«. »Es besteht kein Grund, auf den Außenflächen zu bauen und damit den Weg zu einer Randbebauung zu ebnen. Genau das hat der Senat vor, indem das THF-Gesetz geändert wird, zunächst für Unterkünfte für Geflohene. Das Trojanische Pferd des Senats und potentieller Bauinvestoren steht jetzt tatsächlich auf dem Feld.«
»Noch vor wenigen Wochen versprach dieser Senat, eine Änderung am Tempelhofer Feld Gesetz nur nach Beteiligung der Bevölkerung überhaupt in Erwägung zu ziehen. Hierfür war sogar eine Änderung der Verfassung im Gespräch, falls es denn um eine Volksbefragung gehen sollte. Das ist offensichtlich Schnee von gestern.« Der Senat will jetzt eine Änderung des von den Berlinerinnen und Berlinern durch einen Volksentscheid vor einer Randbebauung geschützten riesigen Areals des ehemaligen Flughafens einleiten. Betroffen davon sind zwei ausgewiesene Flächen auf der Tempelhofer Seite und am Columbiadamm.
Der Widerstand dagegen wächst zunehmend und kraftvoll, ebenso stark ist die Kritik am Politikstil des amtierenden CDU-SPD-Senats. Lisa Wiedekamm, ebenfalls Feldaktivistin, stellt fest: »Grünflächen kassieren, direkte Demokratie aushebeln, Bezirke entmachten – das ist der Politikstil dieser Koalition. Wir erleben das nicht nur auf dem Tempelhofer Feld, sondern auch in Pankow, am Hermannplatz, beim Emanmauswald, die Liste ist lang.«
»THF 100« stützt sich auf den großen Erfolg der Volksabstimmung, bei der mehr als 60 Prozent der aktiv Wählenden in einem Gesetz den Erhalt des Feldes ohne Randbebauung beschlossen. Seither nutzen bis zu 70.000 Menschen täglich das riesige Areal für Sport und Freizeitvergnügen. Allein während der Pandemie fanden sie dort genügend Raum, um an der frischen Luft und in Gesellschaft sein zu können. Die Initiative findet deutliche Unterstützung durch die Grünen und die Linke, beide Parteien fordern einen Ausbau der Bürgerbeteiligung und sprechen sich weiterhin gegen eine Randbebauung aus.
Um das Tempelhofer Feld effektiv weiter schützen zu können, läuft jetzt eine Petition mit dem Ziel, das Areal zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären. Bereits mehr als 25.000 Menschen haben die Online-Petition unterzeichnet. »Der Eintrag in die Liste als Weltkulturerbe der UNESCO gewährt dem Tempelhofer Feld langfristig Schutz vor baulicher Umwidmung und Spekulation«, so der Initiator Wolf-Rüdiger Kehrer auf der Petitionsplattform »Campact«.
Marlis Fuhrmann schreibt dazu als Erweiterung: »Untrennbar mit dem THF verbunden sind die Flughafengebäude. Die abschnittweise Sanierung ist eine Generationenaufgabe, der sich der
Senat nicht durch einen Verkauf entziehen darf. Eine Unterschutzstellung
als Weltkulturerbe wäre auch für das Gebäude zu begrüßen. Notwendig ist ein pragmatischer Gesamtplan. Auch ehemalige Kasernenbereiche wie der derzeit von der Polizei belegte ehemalige Standort der Gardekürassiere am Columbia­damm sollten auf eine mögliche Wohnnutzung untersucht werden.«

th
»Demokratische Initiative 100 % Tempelhofer Feld e.V.«
www.thf100.de
Online-Petion »THF als UNESCO Weltkulturerbe:«
https://weact.campact.de/petitions/tempelhofer-feld-als-weltkulturerbe-eintragen