160 Jahre SPD haben auch ein weibliches Gesicht

16 Frauen prägen den Forschritt der Partei

Die SPD gibt es in diesem Jahr seit 160 Jahren. Die »Friedrich Ebert Stiftung» hat eine bemerkenswerte Ausstellung ins Willy Brandt Haus gebracht, mit einer sehr guten Dokumentation:
»Das weibliche Gesicht der Sozialdemokratie – 160 Jahre 16 Frauen«. Frauen waren von Anfang an aktiv und kämpfend in der Partei beziehungsweise ihren Vorläuferorganisationen tätig. Leicht war das nie in einem von Männern geprägten Ambiente, schon deswegen nicht, weil Frauenrechte nicht unbedingt automatisch in den Mittelpunkt gestellt wurden.
Für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland muss zuerst Elisabeth Selbert hervorgehoben werden. Sie wird 1948 in den »Parlamentarischen Rat« gewählt, der das Grundgesetz ausarbeitet. Mit Unterstützung anderer Frauen und einer Kampagne der SPD-Frauensekretärin Martha Schanzenbach kann die Gleichberechtigung als Verfassungsgrundsatz verankert werden. Die Männer wollten ursprünglich die Formulierung verankern: »Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.« Nach zähem Kampf wird der heutige Artikel 3 des Grundgesetzes verabschiedet. »Männer und Frauen sind gleichberechtigt.« Vieles davon steht bis heute auf dem Papier. Doch nun ein Blick zu den Anfängen der Sozialdemokratie.
Sophie Gräfin von Hatzfeldt führt nach dem Tod Ferdinand Lassalles als Präsidentin den »Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein« und unterstützt die Arbeiterbewegung finanziell. Sie begegnet übelstem Antifeminismus, einer ihrer Gegner ist Karl Marx, der vor manchen negativen Bemerkungen nicht zurückschreckt.
Julie Bebel, die Frau von August Bebel, ist ehrenamtlich in der SPD tätig und führt den Handwerksbetrieb fort, während ihr Mann wegen »Majestätsbeleidigung« in Festungshaft sitzt und er sie liebevoll als »Buchhalterin ohne Gehalt« bezeichnet.
Eleanor Marx ist 1889 an der Gründung der »Zweiten Internationale« beteiligt, als Vertreterin britischer Gewerkschaften hält sie dort Vorträge, davor hatte sie sich einen Namen als Journalistin gemacht. Ihr Vater hatte ihr zuvor die Beziehung zu einem französischen Sozialisten verboten.
Clara Zetkin ist Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 initiiert sie den Internationalen Frauentag, der in Berlin heutzutage gesetzlicher Feiertag ist.
Rosa Luxemburg erhebt Einspruch dagegen, dass die SPD mit Reformen und praktischer Alltagsarbeit aus ihrer Sicht zu sehr vom Ziel abweicht und gar schließlich den imperialistischen Ersten Weltkrieg begrüßt. Sie wurde 1919 ermordet.
Luise Zietz veröffentlicht zahlreiche Beiträge in der Frauenzeitschrift »Die Gleichheit«. Sie wächst in bitterer Armut auf, wird im Alter von 14 Jahren als Dienstmädchen tätig und ruft die Frauen unermüdlich dazu auf, sich gewerkschaftlich zu organisieren. »Willst Du arm und unfrei bleiben?«, fragt sie.
Marie Juchacz gründet 1918 die Arbeiterwohlfahrt. Sie kämpft für den Sozialstaat. Arbeitslosenversicherung, Mutter­schutz, Wohnungsbau. Das alles ist nicht selbstverständlich, als sie 1917 Frauensekretärin der SPD wird und 1919 als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung spricht.
Toni Sender kämpft für Frieden, Gerechtigkeit und Antifaschismus. »Der Faschismus ist der schlimmste Feind der Menschheit.« In der UNO wirkt sie an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit.
Käte Strobel setzt durch, das sexuelle Aufklärung schließlich auch die Schulen erreicht.
Annemarie Renger wird die erste Bundestagspräsidentin der Bundesrepublik. »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« ist ihr Ziel.
Katharina Focke wird 1984 Spitzenkandiatin für die Europawahl.
Regine Hildebrand, in der DDR aufgewachsen, tritt ein für »einen Alltag ohne Diskriminierung- für alle«.
Anke Fuchs setzt das Thema bezahlbares Wohnen auf die politische Agenda.
Andrea Nahles schließlich ringt als Bundesarbeitsministerin zäh um einen gesetzlichen Mindestlohn.

th