Argumente gegen die Bebauung

Das berlintypische Freiheits- und Identitätsgefühl manifestiert sich weltweit erkennbar durch das Tempelhofer Feld. Durch die weltgeschichtlich einzigartige Berliner Luftbrücke ist das Gemeinschaftsgefühl der Berliner gestärkt worden und bis heute erhalten.

unterm Schnee ist der See.      Foto: Dirk Müller

In Zeiten des anhänglichen und mutierenden Virus ist »das Feld« eine der wenigen Freiflächen, die den Berlinern die Möglichkeit zum Luftschnappen und der Ausübung von Sportarten bietet, unter Einhaltung der Abstandsregeln. Mehr denn je wissen sie »das Feld« und seinen unbezahlbaren Wert für Gesundheit, Wohlergehen und Daseinsvorsorge zu schätzen. Umso unverständlicher erscheint, dass im jetzigen Wahlkampf das Thema Randbebauung und ein neuer Volksentscheid auf der Tagesordnung auftaucht. Ein Volksentscheid sollte ohnehin aus der Zivilbevölkerung heraus entstehen und nicht aus Parteien oder Zusammenschlüssen bauwilliger Lobbyisten, auch nicht getarnt als Verein. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Flächenfraßes und dessen negativen Folgen denken immer mehr Architekten, Landschafts- und Stadtplaner um. In Berlin werden Frei- und Grünflächen zunehmend Mangelware, Friedhöfe und Ackerflächen betoniert, Ausgleichsflächen nicht geschaffen. Immer wieder wird mit mangelndem Wohnraum argumentiert. Unstrittig, den gibt es, resultierend aus jahrzehntelanger unzeitgemäßer Stadtplanung. Biodiversität, Artenschutz und Klimanotstand erscheinen als Randnotizen, werden aber lautstark von zivilgesellschaftlichen Zusammenschlüssen und Naturschutzverbänden ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Kaltluftentstehung, Abzugsschneisen und Erd­erwärmung sind dabei wichtige Eckpunkte. Berlin heizt sich auf und in Folge auch das Grundwasser, ein bisher wenig beachteter Umstand. Langzeitmessungen haben gezeigt, dass dies im Bereich des Tempelhofer Feldes nicht der Fall ist. »Das Feld« liegt inmitten der Stadt, gilt als grüne Lunge, die nachts die Kaltluft am liebsten mittels durchgängiger Schneisen in die Stadt schickt. Des Weiteren gewinnt das Feld zunehmend als Ort der Umweltbildung für Heranwachsende an Bedeutung.
Berlin braucht für Gegenwart und Zukunft mehr denn je ein freies, unbebautes Tempelhofer Feld! Und es braucht mehr denn je viel breitere Eingänge, damit die steigende Zahl der Besucher weiterhin die pandemiebedingten Abstandsregeln einhalten kann.

bs