Kräuter wändeweise

Das »Grüne Café« macht es uns vor

Die Brüder und jungen Unternehmer Lukas und Sebastian Dehl bezeichnen sich selbst als »Stadtgärtner«. In ihrem Start-up »Britzer Kräuter« arbeiten sie beharrlich daran, möglichst überall in dieser Stadt platzsparend Nutzpflanzen anbauen zu können.

Hofladen im alten »Deutscher«.Foto: rr

Ein erster Schritt, nämlich ressourcen- wie umweltschonend und biologisch Kräuter, Salate und essbare Blüten, ganz nah am Kunden und auch noch citynah zu ziehen, ist getan. Seit zwei Jahren gedeihen in Britz, in den alten Gewächshäusern der ehemaligen Gärtnerei Deutscher an der Mohriner Allee und auf Freiflächen dahinter, schon solche Pflanzen.
Ihr Ziel, Pflanzen ohne Erde, auf wenig Grundfläche, dazu mit wenig Wasser und nur mit Sonnenlicht als Energiequelle heranzuziehen, ist bereits erreicht, aber sie tüfteln weiter an der Effizienz. So sind grüne, platzsparende Wände das Herzstück der Dehlschen Planungen. Ihre Kräuter sollten direkt beim Endverbraucher wachsen können. Für einige Berliner Gastronomen bestücken sie bereits solche Wände. Bis aber alle Barkeeper die Minze für den Cocktail vom hängenden Beet in der Bar ernten oder jeder Koch in oder an der Küche seine Kräuter pflückt, wird noch etwas Zeit vergehen.Ihre grünen Wände kommen jetzt schon ohne Erde aus. Ökologische Baumwollvliese leiten das Wasser zu den Pflanzen, die von einer Art recycelter Wolle gehalten werden. Lukas Dehl arbeitet gerade an einer noch schlankeren, grünen Wand, die zudem noch aus einem 3D-Drucker kommen soll. Dafür nutzt der studierte Werkstoffwissenschaftler weiterhin auch seine Uni-Kontakte. Das Ziel, viele Gebäudewände dieser Stadt einmal beackern zu können, wird weiterverfolgt.
Das Gärtnern haben beide Brüder sich abgeguckt und durch viel Experimentieren selbst erarbeitet. Ihre Pflanzen verkaufen sie bereits in der »Markthalle Neun«, aber inzwischen auch, direkt an ihrem Produktionsstandort im kürzlich erst eröffneten »Grünen Café« mit dem Bio-Hofladensortiment. Hier beträgt der Vertriebsweg gerade einmal 35 Meter.
Mit dem harten Lock­down Mitte Dezember 2020 schloss leider auch der Hofladen. Hier verkauften sechs Mitarbeiter das, was den Ansprüchen der Brüder und ihrer Freunde genügt. Selbstgemachtes aus der Region, von eingelegten Gurken über Honig bis hin zu Gin. Dazu mit viel Herzblut selbst gebackenen Kuchen, aber auch diverse Quiches und Stullen, natürlich stets mit Zutaten aus eigenem Anbau. Den Wildkräutersalat mit Sauerampfer, Löwenzahn, Schafgarbe, Spitzwegerich, Gundelrebe und essbaren Blüten gab es auch zum Mitnehmen. Ge­plant waren sogar schon gefüllte Picknickkörbe für den Besuch im nahen Britzer Garten. Die Brüder hoffen, den Hofladen zügig wieder öffnen zu können.

rr
Britzer Kräuter, Mohriner Allee 69, britzer-kraeuter.de/