Parkplätze zu Lebensraum

Alternativen für den zugestellten Schillerkiez

Die Diskussion um die Verteilung des öffentlichen Raumes ist in vieler Munde, so auch in Neukölln in vielen Kiezen.
Im Schillerkiez besetzte die Gruppe »Parkplatz Transform« am 25. Juni einen Parkplatz in der Oderstraße, um auf die Verteilung des Straßenlandes aufmerksam zu machen. In einer kleinen Ausstellung präsentierten sie die Daten zum Schillerkiez.

Parkplatzbesetzung.   Foto: bs

Die Gesamtfläche des Schillerkiezes beträgt 500.000 Quadratmeter. Davon sind 140.000 öffentliches Straßenland, das 32.000 Quadratmeter Parkplätze umfasst, also 23 Prozent. Das ist in etwa die Fläche von 4,5 Fußballfeldern. Laut Zählungen vor ziemlich genau einem Jahr gibt es exakt 2.589 Parkplätze im Kiez, die wenigsten davon sind Menschen mit Handicap vorbehalten.
Etwa 30 Prozent der Haushalte im Schillerkiez verfügen über ein Auto, nicht jedes davon wird täglich genutzt.
Der Anteil an Grünflächen im Kiez beträgt 7.600 Quadratmeter, der an Spielplätzen 6.200 Quadratmeter.
Die Zahlen zeigen eine ungleiche Verteilung des öffentlichen Raumes, der sich besser nutzen ließe und höhere Aufenthaltsqualität für Menschen bieten könnte.
Wichtig wäre, dass sich Fußgänger und Radfahrer ungehinderter und angstfreier bewegen und gut sichtbar die Straßen überqueren können. Gleichzeitig wäre auch mehr Platz für die Außenbestuhlung der Gastronomie wünschenswert. Auch der Lieferverkehr könnte sich problemloser bewegen und müsste nicht zusätzlich die völlig zugeparkten Straßen blockieren. Gerade in den Pandemie-Monaten hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, sich im öffentlichen Raum bewegen zu können, um Luft zu schnappen, und welch große Bedeutung Frei-, Grün- und Spielflächen zukommt.
Auch das Thema »Kiez­blocks« wurde am gleichen Tag von den Neuköllner Grünen am Herrfurthplatz an der Genezareth-Kirche der Öffentlichkeit zum Start in den Wahlkampf präsentiert.
»Kiezblocks« sollen die Lebensqualität im Schiller-, Reuter- und Richard-Kiez verbessern und den Durchgangsverkehr heraushalten. Die Anwohner können ihre Kieze selbstverständlich ungehindert jederzeit mit dem Auto befahren.
In diesen drei Kiezen haben sich Anwohner-Initiativen stark dafür eingesetzt und im Richard-Kiez ein geeignetes Konzept entwickelt. Die Grünen Neukölln hatten Anträge für »Kiezblocks« in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht, die Anfang Juni zur Prüfung, Planung und Umsetzung beschlossen wurden.
Sämtliche Kandidaten der Grünen, sowohl für die BVV als auch für die Abgeordnetenhaus-Wahlen, waren anwesend und transportierten das Thema im wahrsten Sinne des Wortes zu Fuß und per Lastenrad. Stadtrat Jochen Biedermann, die Abgeordnete Susanna Kahlefeld und die Bürgermeisterkandidatin für Berlin, Bettina Jarasch, waren sich in ihren Statements einig: »Es ist in den Kiezen gerade für Senioren und Kinder zu gefährlich, die Straßen zu überqueren. Fahrradfahrer werden häufig übersehen und erleiden Unfälle. Wir müssen intensiv an einer anderen Verteilung der Flächen arbeiten und mehr Gerechtigkeit herstellen. Je dichter die Kieze bebaut sind, umso mehr Freiflächen müssen geschaffen werden.«

bs