»Steini« Wolfgang Stein ist tot

Herz des Kiezes ohne Brimborium

»Ich habe erst einmal genug von Nachrufen!« Das sagte Wolfgang »Steini« Stein, als er im Quartiersrat Nachrufe auf die verstorbenen Mitglieder Ralf Körber und kurze Zeit später Georg Friedrich Müller per Mail verteilte. Sie waren voller Feingefühl und nicht ohne Kritik daran, dass sich um die Verstorbenen zuvor zu wenig gekümmert wurde. Jetzt kommt dieser Nachruf auf ihn, der sehr plötzlich und unerwartet für immer von uns gegangen ist.
Ein Kind von Traurigkeit war Wolfgang Stein nicht. Er hat Marihuana geraucht, er hat Bier getrunken, doch das tun ja viele. Er genoss alles in Maßen. Na, als er ganz jung war, so steckte es mir eine Freundin, hatte er es vielleicht ein wenig übertrieben. Seine Wohnung allerdings stellte er für Parties zur Verfügung, auch wenn er nicht dabei war. Er hatte immer eine soziale Ader und ein Bedürfnis nach Kommunikation.
Wir lernten uns im Quartiersrat Schillerkiez kennen, dem er lange angehörte. Dort hat »Steini« nie ein Blatt vor den Mund genommen und das getan, wozu er gewählt wurde: Die Interessen der Anwohner und Anwohnerinnen stark zu vertreten und das Agieren des Quartiersmanagments zu hinterfragen. Ihn empörte, dass lange Zeit behauptet wurde, im Schillerkiez finde keine Gentrifizierung statt. Er verlangte Transparenz, wollte nicht einfach nur bereits vorhandenen staatlichen Plänen zustimmen. Zusätzlich engagierte er sich im Kirchenrat der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde. Wolfgang machte sich stark gegen den Verkauf des Gemeindehauses an der Schillerpromenade, in dem derzeit die Oberstufe des evangelischen Gymnasiums residiert.
Er hinterläßt seine Frau Claudia, seinen Sohn und seine Tochter. Seine Familie hat ihm viel Kraft verliehen, die die drei Hinterbliebenen jetzt brauchen. Ihr Glaube wird ihnen dabei helfen.
Zur Trauerfeier und Urnenbeisetzung am 18. Dezember war die Kapelle voll. Es kamen Menschen, die Wolfgang alle kannten, sich untereinander aber vielfach nicht, zu Tränen gerührt. Bis zum Schluss wurde die Zusammenkunft durch Querflötenspiel begleitet.
Auf Kiez und Kneipe war er übrigens nicht gut zu sprechen. »Da annoncieren die Gentrifizierer.« Das sagte er mir schmunzelnd, als ich gerade frisch gedruckte Exemplare im »Daffke« ablieferte. Wie immer lachten wir gemeinsam.

th