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Widerstand lohnt sich

Rezept gegen die Vertreibung aus der Mietwohnung

Klaus E. sieht aus, als komme er aus der avantgardistischen Kunstszene Berlins. Mit seinen vielen Ringen und Ketten könnte er auch zum Karl Lagerfeld der Emser Straße erklärt werden. Vor ungefähr 17 Jahren ist Klaus nach Neukölln gezogen, in einer Zeit, als viele Vermieter noch mit »Frei« Mieten lockten.

Die Geschichte von Klaus beginnt allerdings in Moabit. Damals wohnte er zur Untermiete in einer Wohngemeinschaft. Von heute auf morgen wurde ihm gekündigt. Mit einer schizoaffektiven Störung stand Klaus damals hilflos auf der Straße. Untergekommen ist er im »Weglaufhaus«, einer antipsychiatrisch orientierten Kriseneinrichtung in Berlin. Nach neun Monaten bot ihm das zuständige Amt eine Wohnung in der Emser Straße 71 an. Ein Zimmer auf 40 qm ohne Heizung und Warmwasser, dafür äußerst günstig. Klaus griff sofort zu. Der ehemalige Betriebswirt und Koch lebt von seiner kleinen Rente, die aufgestockt wird. Im Mai ist Klaus 71 Jahre alt geworden. Vor zwei Jahren dann der große Schreck. Klaus bekommt ein Kündigungsschreiben der Immobilien Firma »TARSAP Immobilienberatung Berlin Brandenburg GmbH«.

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In dem Schreiben heißt es, dass seine Miete nach der Sanierung erhöht wird.

Doch langfristiges Ziel der Firma sei es, die Wohnungen an Privatkäufer zu verkaufen. Das ganze Haus wird einer Generalrenovierung unterzogen.

Auch von einem Fahrstuhl ist die Rede. Klaus findet das alles toll, nur wie soll er in Zukunft die Miete bezahlen? Um eine neue Sozialwohnung zu bekommen, müsste er etwa eineinhalb Jahre warten. So wie Klaus geht es gerade vielen Neuköllnern. Die Nachfrage nach Wohnungen im Berliner Trendbezirk Neukölln steigt stetig. Trotz seiner vielen sozialen Brennpunkte und der hohen Arbeitslosigkeit punktet der Bezirk weiter. Immobilienbesitzer freuen sich über die große Nachfrage und renovieren in Rekordzeit. Alte Mieter, die nicht zu den Zahlungskräftigen gehören, werden durch eine Mieterhöhung rausgemobbt. Doch Klaus will sich das nicht gefallen lassen. Als erstes versucht er, bei den Behörden und Ämtern Hilfe zu holen. Hier fühlt sich keiner verantwortlich. Dann nimmt sich Klaus einen Anwalt. Nun wird ein Gegenvorschlag der »TARSAP GmbH« eingereicht. Klaus willigt einer Mieterhöhung zu, wenn diese auch mit seinem Status bezahlbar bleibt. Noch ist unklar, ob Klaus in seiner Wohnung bleiben darf.

»Buschkowsky interessiert sich doch nicht für die Vertreibung der Bewohner in Neukölln, doch Widerstand lohnt sich. Mein Anwalt hat mir gute Chancen versichert«, so Klaus.tz