Großstadthonig

Flucht aus verseuchtem Umland

Wie jeden Frühling schwärmen auch in diesem Jahr die Bienen wieder aus, nicht nur um Schleckermäuler mit Honig zu beglücken, sondern auch, um die Pflanzen zu bestäuben. Ohne Bestäubung gibt es keine Früchte, und die Menschheit müsste auf lebenswichtige Nahrungsmittel verzichten.

Honigsammlerinnen bei der Arbeit.                                                                                                                                 Foto: fh

Und genau das kann passieren. Durch Monokulturen und den dadurch erforderlichen Einsatz von Pestiziden können die Bienen sterben, auf jeden Fall hat das eine negative Auswirkung auf die Brut. Der Honig, den sie produzieren, ist ebenso mit Pestiziden belastet. Die Mittel sind meist fettlöslich, was zur Folge hat, dass die Pestizide sich im Wachs anreichern.
In der Stadt hingegen werden keine Pestizide versprüht. Dort haben die Bienen eine geringere Schadstoffbelastung als auf dem Land.
Malte Eismann ist Neuköllner Imker. Zehn Jahre betrieb er die Imkerei in Berlin als Hobby. Seit Anfang 2017 hat er seinen Programmiererjob aufgegeben und widmet sich nun ausschließlich der Imkerei. Mit seiner Biozertifizierung unterliegt er strengen Richtlinien. Jedes Jahr reicht er einen Wanderplan bei seiner Zertifizierungsstelle ein, die überprüft, ob die Plätze, an denen seine Bienen stehen, schadstoffarm sind. Seine etwa 100 Bienenvölker erfreuen sich an den besten Berliner Standplätzen wie beispielsweise dem Britzer Garten.
Pro Bienenvolk rechnet er mit einem Honigertrag von durchschnittlich 50 Kilogramm. Die doch beachtliche Menge vertreibt er an Wiederverkäufer wie »Peppikäse«, »Bioase44« und seinen benachbarten Tabakladen in der Fuldastraße 15, wo sein gesamtes Sortiment gelistet ist. Dort finden die Neuköllner alles, was sie zum Leben brauchen: Biohonig, Honigschnaps, Bio-Propolis und Lederfett.
Zu seinem Glück, denn die Imkerei ist Eismanns Passion, fehlen ihm aber immer noch Stellplätze. »Am besten wäre es, wenn ich auf einem Betriebsgelände stehen könnte, denn dort sind die Bienen besser vor Diebstahl geschützt.«
Seine Betriebsräume in Neukölln, in denen er den Honig herstellt, werden auch eng, und er sucht händeringend nach einer neuen Produktionsstätte im Bezirk.
ro