Wildtiere im Großstadtdschungel

Die Stadt als Rückzugsraum für seltene Tiere

Füchse in Britz? Nicht nur deren angestammte Lebensräume werden kontinuierlich eingeschränkt oder zerstört. Stadtgebiete werden so zum letzten Rückzugsraum für Wildtiere. Alles Folgen einer stetig wachsenden Bevölkerung, der Industrialisierung und einer massiv maschinell betriebenen Landwirtschaft.

Nashornkäfer Detail
Rhinokäfer                                                                                                                                                               Foto: rm

Auf engstem Raum bieten moderne Städte viele unterschiedliche Biotope. Wildtiere erobern diese immer mehr. Berlin besitzt ausgedehnte Parkanlagen, große, zusammenhängende Grünflächen und sogar Waldgebiete. Dazu gibt es reichlich Wasser, viele alte Friedhöfe, verwilderte Brachen und stillgelegte Bahnhofs- und Gleisanlagen. Das sind reichlich potenzielle neue und dazu noch pestizidfreie Lebensräume.Die Nähe des Menschen garantiert Futter. Wer sich anpasst, hat gute Überlebenschancen. Anders als die Wildschweine in den Außengebieten ziehen immer mehr Arten dauerhaft auch in engste Wohngebiete. Steinmarder müssten eigentlich wegen ihrer Vorliebe für Zündkabel Automarder heißen. Am Alex lebt erfolgreich ein Waschbär in einer Tiefgarage. Selbst Biber wurden in der Spree in Mitte gesichtet. Mein Komposthaufen ist schon länger ein festes Revier von Nashornkäfern. Infolge der Klimaerwärmung überleben immer mehr exotische Insekten wie etwa Gottesanbeterinnen.
Spechte, Eichelhäher und viele Greifvögel gehören nun zum Stadtbild. Vermehrt nutzen Zugvögel die Stadt auch als Winterquartier. Andere bleiben für immer. Tauben brüten auch noch im Winter, hinter wärmenden Leuchtreklameschildern. Dem fließenden Verkehr haben sich die Wilden angepasst. Futtersuche geht auch auf befahrenen Straßen. Die Fahrspuren nutzend, laufen nicht nur Tauben furchtlos unter fahrenden Autos und Bussen. Inzwischen gibt es Kaninchenbauten auf Straßeninseln oder Mittelstreifen, und die überleben dort schon einmal zehn Jahre und mehr. Spechte hacken zunehmend ihre Bruthöhlen in die Wärmedämmungen von Wohngebäuden. Nachtigallen erweitern ihren morgendlichen Gesang schon einmal um den einen oder anderen Klingelton. Der gern zitierte Großstadtdschungel wird durch Wildtiere zunehmend real.

rm