Was bringt das neue Jahr?

Auf ein Neues!                                                                                                                                                                                Foto: mr

Mehr Mindestlohn und neuer Fuffziger

Auch dieses Jahr treten wieder einige Gesetzesänderungen in Kraft, die den Geldbeutel der Neuköllner betreffen.
Die wichtigste Änderung zuerst: Der gesetzliche Mindestlohn wird zum 1. Januar auf 8,84 Euro brutto je Zeitstunde erhöht. Das bedeutet eine Erhöhung um vier Prozent. Die prognostizierte Inflationsrate für dieses Jahr beträgt knapp zwei Prozent. Eine weitere Neuerung für die Arbeitnehmer ist die Einführung der Flexi-Rente. Ab 1. Januar gilt: Wer eine Regelaltersrente bezieht und trotzdem weiterarbeitet, erhöht seinen Rentenanspruch, wenn er weiter Beiträge zahlt. So kann ein Arbeitnehmer seine Rente um bis zu neun Prozent jährlich steigern. Was bringt das neue Jahr? weiterlesen

Kinder in Not

Jeder getötete Mensch ist einer zu viel. Trotz allem werden nicht alle gleich behandelt. Pro Woche sterben drei Kinder infolge häuslicher Gewalt. Die Medien berichten immer wieder darüber.
Die Politik jedoch reagiert nicht. Verglichen mit dem terroristischen Anschlag auf dem Breitscheidplatz, der eine Welle der Angst und Empörung hervorrief und den Ruf nach Videoüberwachung laut werden ließ, gehören die getöteten Kinder offensichtlich zu einem nicht abwendbaren gesellschaftlichen Phänomen.
Den Jugendämtern, die oftmals an ihrem Limit arbeiten, kann keiner einen Vorwurf machen. Sie leisten mit dünner Personaldecke das, was sie können. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Politiker, der sich des Themas annimmt, allerdings findet er kein Gehör. Kinder haben offensichtlich in diesem Land keine ausreichende Lobby.

Petra Roß

AfD-Stadtrat scheitert in zwei Wahlgängen

BVV lernt die neuen Parteien kennen

Eigentlich hatte sich die zweite Bezirksverordnetenversammlung (BVV) dieser Legislaturperiode am 7. Dezember bereits eine lange Liste von Themen vorgenommen, die abgearbeitet werden sollten. Dazu kam es allerdings nicht. Dafür gab es Turbulenzen. Der Grund war eine Entschließung der Linken unter der Überschrift »Neukölln sagt Nein zu Rassismus«, die für Empörung bei der AfD sorgte.
In der darauf folgenden Diskussion erklärten die AfD-Vertreter, sie seien eine moderne, aufstrebende Partei, der es nur darum gehe, über die Probleme der Menschen im Bezirk zu reden und nach Lösungen zu suchen.
Wie das aussehen kann, zeigten sie anschließend, als sie darauf bestanden, dass über die Wahl der 72 Bürgerdeputierten einzeln abgestimmt werden sollte, was mehr als eine Stunde in Anspruch nahm. Üblicherweise wird in einem Wahlgang über die komplette Liste der Deputierten abgestimmt. AfD-Stadtrat scheitert in zwei Wahlgängen weiterlesen

Repressalien gegen Medienvertreter nehmen weltweit zu

PEN-Vizepräsident ruft zu Solidarität mit verfolgten Autoren auf

Weltweit sitzen mehr als 800 Autoren im Gefängnis, weil sie Texte geschrieben haben, die ihren Regierungen missfallen. An sie sollte die Veranstaltung im Museum Neukölln »Writers in Prison – Zur Situation inhaftierter Autor*innen« am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte erinnern. Es war die letzte Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung »Die Magie des Lesens«, die am 30. Dezember endete.

Dong West und die vertonte Lyrik der Verfolgten.                                                                                              Foto: mr

»Freiheit ist die Grundbedingung der Demokratie«, sagte Udo Gösswald, Leiter des Museums. Er erinnerte daran, dass sich viele Autoren, deren Bücher in der Ausstellung vertreten waren, für die Freiheit einsetzten. Repressalien gegen Medienvertreter nehmen weltweit zu weiterlesen

Besser und schneller

Wartezeit in den Bürgerämtern reduziert

Nach der Neueinstellung von 20 Kollegen im Laufe des Jahres im Amt für Bürgerdienste, davon 13 im Bürgeramt, konnten die Wartezeiten auf einen Termin in den Neuköllner Bürgerämtern deutlich gesenkt werden: Innerhalb von durchschnittlich zwei Wochen bekommen Bürger aktuell einen Termin.
Insgesamt wurden im November 2016 in Neukölln 25.239 Kunden bedient – im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 10.000. Etwas mehr als die Hälfte kam mit Termin. Jeden Tag werden im Bezirk Termine freigeschaltet. Zurzeit werden nach Möglichkeit auch kurzfristig morgens vor Öffnung noch Termine für den gleichen Tag über das Bürgertelefon 115 und online freigeschaltet. Besser und schneller weiterlesen

Wie funktioniert Demokratie?

Innenansichten – die Kiez und Kneipe im Bundestag

Insbesondere dann, wenn sich die Parteien zur Wahl stellen, stellt sich für den Wähler nicht nur die Frage nach der einzig wählbaren Partei, sondern auch die Frage danach, wie es denn so funktioniert mit der Demokratie.

Plenum des Deutschen Bundestags.                                                                                                                               Foto: pr

Während der Begleitung des Neuköllner Bundestagsabgeordneten Fritz Felgentreu bei seiner Arbeit, ergaben sich erhellende Momente für die Dinge, die den Wählern verborgen bleiben. Immerhin ist das, was im Bundestag an Gesetzen beschlossen und im Bundesrat noch abgestimmt wird, dann von der Kanzlerin und dem entsprechenden Fachminister gelesen und vom Bundespräsidenten unterzeichnet wird, bindend für alle Bürger, die in diesem Land leben. Wie funktioniert Demokratie? weiterlesen

Wenn das Leben früh aus den Fugen gerät

Über den Zusammenhang zwischen häuslicher Gewalt und Sucht

Chaim Jellineks kleine Sucht.                   Foto: pr

»Im Allgemeinen verfallen nur solche dem gewohnheitsmäßigen Alkoholmissbrauch, die einen schwachen Willen haben und denen eine gewisse seelische Minderwertigkeit angeboren ist.« Bella Müller »Die Familienärztin – ein ärztliches Nachschlagebuch«, 1929.
Vieles von diesem Gedankengut ist bis in die Gegenwart lebendig. Noch heute ist es so, dass Sucht selbst in Arztpraxen nicht auf Augenhöhe behandelt wird. Geht ein Patient mit einer Gicht zum Arzt, redet er mit dem Patienten auf Augenhöhe, kommt er mit erhöhten Leberwerten oder gar einer Hepatitis C, ändert sich das Verhältnis schlagartig. Der Arzt als Gott im weißen Kittel schaut abfällig hinab auf den Entgleisten, so dass sich der Patient seines Leidens schämen soll. Das tut er und weiß es auch im Vorfeld, weil sich seine Umwelt ebenso verhält. Das wiederum hat zur Folge, dass der Kranke den Arzt erst dann aufsucht, wenn die Krankheit sehr weit voran geschritten ist. Sucht wird aus Scham geheim gehalten. So weit ist die alte Denkweise noch immer in den Köpfen. Wenn das Leben früh aus den Fugen gerät weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 1 – Mittwoch, 3. Januar 1917
Der Jahreswechsel wurde in Neukölln in stiller Weise gefeiert. Die Lokale hatten sich zahlreichen Besuches zu erfreuen, aber die Stimmung der Gäste entsprach meist dem Ernste der Zeit. Auf den Straßen wurde es etwas lebhafter, als um 12 Uhr die Kirchenglocken feierlich das neue Jahr einläuteten. Auch als um 1 Uhr die sämtlichen Lokale ihre Gäste entließen, herrschte eine Zeitlang auf den Straßen reges Leben. Allgemeines Aergernis erregten beim Publikum zahlreiche halbwüchsige Burschen und Schuljungen, welche mit Feuerwerkskörpern und Schußwaffen stundenlang auf den Straßen den ärgsten Unfug trieben. Der Neujahrstag selbst verlief in Neukölln in ruhigster Weise. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Ein Mauerblümchen mit langer Geschichte

125 Jahre Britzer Bürgerverein

Kaum bemerkt und mit wenigen hochrangigen Vertretern aus Kommune und Berliner Politik, feierte 2015 der »Britzer Bürgerverein 1890 e.V.« sein 125. Jubiläum.

Kuckense rin                                                                                                                                                                                     .Foto: rr

Die Situation, die 1890 zur Vereinsgründung führte, beschreibt die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen so: «Britz war zu dieser Zeit eine der ärmsten Gemeinden am Rande der Reichshauptstadt. Die Verkehrsverhältnisse lagen im Argen. Die beiden Hauptstraßen des Ortes, Britzer Damm und Buschkrugallee, waren Kreis-Chausseen ohne jegliche Beleuchtung. Die Pferdebahn endete an der Rixdorfer Knesebeckstraße (jetzige Silbersteinstraße). Die einzige Schule des Ortes befand sich in der damaligen Kirchstraße. Ein Mauerblümchen mit langer Geschichte weiterlesen

Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance?

Teil 1: Der erste Eindruck

Berlin wird schon lange als Gründerhauptstadt gehandelt. Eine Studie des »Instituts für Strategieentwicklung« (IFSE) erklärt die Start-up-Szene zum fünftgrößten Arbeitgeber in Berlin. Auch in Neukölln boomt die Kreativwirtschaft, Bezirks­amt und Senat bieten umfangreiche Fördermöglichkeiten, gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit hoch. Große Hoffnungen werden in die Neuköllner Start-up-Szene gesetzt, dabei sieht sie ganz anders aus, als viele denken.
In dieser Serie widmen wir uns der Szene genauer.

Wo sind die Start-ups?                                                                                                                                                               Foto: mr

Neukölln liegt mitten im »Berlin Valley«. Ein Ort, den man auf keiner Landkarte finden wird, der aber seit ein paar Jahren durch Politik und Medien schwirrt, sogar eine Onlinezeitung trägt diesen Namen. Berlin ist eine der Gründungshauptstädte Europas. Ohne Frage braucht es da einen schnittigen Begriff und was passt besser, als die Anspielung auf den Geburtsort von Facebook und Co, das fast schon sagenumwobene Silicon Valley. Ein boomender High-Tech-Standort im gleißenden Licht der kalifornischen Sonne steht also Pate für den Namen der Berliner Gründerszene. Bei geschlossenen Augen erscheinen Bilder von jungen, hippen Menschen mit MacBooks und Matcha-Lattes, die in Start-ups mit innovativen Ideen irgendwie Geld mit »diesem Internet« verdienen. Start-up-Szene Neukölln: bloßer Hype oder große Chance? weiterlesen

Situation entspannt sich

Wiedereröffnung der Jahn-Sporthalle nach Nutzung als Flüchtlingsunterkunft

Die Jahn-Sporthalle war die erste wettkampftaugliche Neuköllner Sporthalle, die der Bezirk für die Unterkunft von Geflüchteten zur Verfügung stellen musste. Vom 8. September 2015 bis zum 9. Juli 2016 stand sie als Notunterkunft für 150 Menschen zur Verfügung. Die Halle wurde damit dem Vereinssport (ISS Basketball und TUS Neukölln) sowie dem Schulsport (Nutzung durch die Karl-Weise-Grundschule, das Ernst-Abbe-Gymnasium, die Evangelische Schule und die Carl-Legien-Berufsschule) entzogen.

Sportler wieder welcome.                                                                                                                                                      Foto: mr

Am 9. Juli 2016 erfolgte der Auszug aus der Halle im Rahmen des Freizugskonzepts des Senats. Am 2. August 2016 wurden die durch die Fremdnutzung entstandenen Schäden im Einvernehmen mit dem Landesamt für Flüchtlinge, der »Berliner Immobilienmanagement GmbH« und dem Bezirk Neukölln begutachtet. Situation entspannt sich weiterlesen

Von Böhmen und Verwöhnern

Snacken und entdecken auf der »Eat the World Culture & Food Tour«

Das Angebot an Küchen in einem internationalen Schmelztiegel wie Neukölln ist immens. Orientierung gibt da die Firma »Eat the World« mit ihren kulinarisch-kulturellen Stadtführungen. 2008 in Kreuzberg gestartet, werden mittlerweile Touren in mehreren Berliner Kiezen wie auch in über 25 weiteren deutschen Städten angeboten, die Blicke hinter die Kulissen der Großstadt und, abseits der Touristenpfade, in kleine, authentische Viertel eröffnen sollen. Neben Infos zu Geschichte, Kultur und Architektur gibt es stets auch Kostproben in ausgewählten und kieztypischen gastronomischen Betrieben.

Adrian Castillo voller Stolz in bester Haltung.                                                                                                       Foto: hlb

Wir treffen den Neuköllner Guide, Adrian Castillo, einen sympathischen Schweizer Swingsänger mit mexikanischen Vorfahren, mittags am Pavillon auf dem Richardplatz. In den nächsten drei Stunden wird er uns in gemächlichem Schlendertempo und lockerem Plauderton bis zur Weichselstraße mit auf eine Spazierreise nehmen und kulinarische Entdeckungen, durchaus auch für Kiezkenner, und so manches geschichtliche Detail präsentieren. Von Böhmen und Verwöhnern weiterlesen

Kein Theater am Kamin

Heimelige Barkultur in »Willi Moeller’s Holz Kohle Bar«

An kalten Wintertagen ins knisternde Kaminfeuer zu blicken und die Zeit gemächlich verstreichen zu lassen, das ist wahrer Luxus. In der Leinestraße kann man dazu noch ordentliche Cocktails oder kühles Jever vom Fass schlürfen und gefälligem Pop, Rock, Folk oder Blues aus flachen 3-Weg-Boxen lauschen. Die »Willi Moeller’s Holz Kohle Bar« ist eine gemütliche Kiezbar mit Schick und Stammladenpotenzial.

WILLI hätte sich wohlgefühlt.                                                                                                                                            Foto: hlb

Abgehängte Decken, indirekte Beleuchtung, viel Kerzenschein und die unverputzten Backsteinwände schaffen eine behaglich schummrige Atmosphäre. Die Tische um den und Hocker am großen U-förmigen Tresen mit seinem geschmackvoll illuminierten Rückregal sowie die Sofas im hinteren Kaminzimmer sind ideal für den abendlichen Plausch oder kleinere Feierlichkeiten. Kein Theater am Kamin weiterlesen

»Babbobar« – Italien auf der Zunge

Delikate Kulinarik bei den D‘Ambrosis

Die »Babbobar« könnte auch den Untertitel tragen: Achtung, Sie betreten feinstes Italien.

Die Signora beim Verkaufsgespräch.                                                                                                                              Foto: fh

Susanne D’Ambrosi und ihr Ehemann übernahmen im März 2016 die alte »Babbobar«. Die ehemaligen Betreiber mussten aus gesundheitlichen Gründen das Lokal aufgeben und haben mit dem befreundeten Ehepaar D’Ambrosi würdige Nachfolger gefunden.
Die D’Ambrosis veränderten das Lokal kaum. Schon beim Betreten verlässt der Gast die Neuköllner Hektik und befindet sich in einem schlichten italienischen Ambiente. Holztische und Stühle stehen ordentlich im Raum, das Licht ist freundlich und die Raumakustik angenehm. »Babbobar« – Italien auf der Zunge weiterlesen

Annäherungen

Integration mit Nadel und Faden

Der palästinensische »Wohl­tätigkeitsverein Al-Huleh e.V.« in der Weisestraße leistet wichtige Arbeit zur Integration von Flüchtlingen im Schillerkiez.
Ein Beispiel für gelungene Integrationsarbeit ist das gemeinnützige Pro­jekt »Kreativcafé«. Ge­fördert aus Mitteln des »Masterplans Integration und Sicherheit« der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales trafen sich an insgesamt zwölf Projekttagen zehn Frauen zu einem gemeinsamen Frühstück mit anschließendem Nähkurs. Ziel des Projektes war es, für die Frauen durch die Vermittlung von Grundkenntnissen in den Bereichen Nähen und Taschenherstellung neue Zukunftsperspektiven zu schaffen, damit sie sich besser in den Arbeitsmarkt integrieren können. Ganz nebenbei konnten die Frauen bei den gemeinsamen Frühstücken ihre Sprachkenntnisse verbessern.
Die Ergebnisse des Integrationsprojektes wurden am 17. Dezember unter der Anwesenheit der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey der Öffentlichkeit vorgestellt.
Aufgrund des großen Erfolgs ist eine Neuauflage des Nähprojektes ge­plant.

rb

Spaziergänge mit Schmuckstücken

Liebenswertes Neukölln abseits ausgetretener Pfade

Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich ein Tier im Zoo. Täglich werden Gruppen von Touristen durch Neukölln geschleust, die aufgeregt knipsen und Schauergeschichten über den Brennpunkt erzählt bekommen. Wie aufregend muss es sein, an der Treppe vorbei zu gehen, wo doch damals diese Frau hinuntergestoßen wurde. Oder vor der Schule zu stehen, die den ersten Brandbrief an den Berliner Senat schrieb. Die Touristen kommen, sehen sich sensationsgierig satt und gehen. Wir – die Neuköllner – bleiben. Und wir tun es aus Überzeugung.

Entdeckungen bei »Carol and me«.                                                                                                                                    Foto: fh

Die meisten von uns wohnen gern hier. Wir haben es uns ausgesucht und sind stolz darauf. Und es gibt abseits von touristischen Touren und hippen Bars ein Neukölln der Neuköllner: Einen echten Kiez mit kleinen Läden, Ateliers und Cafés. Über dieses Neukölln möchte ich heute berichten. Spaziergänge mit Schmuckstücken weiterlesen

Architektur aus neuer Sicht

»Exterieur« im »Kunstverein Neukölln«

Einsichten, Aufsichten, Ansichten sind Thema der neuen Ausstellung »Exterieur« im »Kunstverein Neukölln«. Drei Künstler nähern sich hier auf verschiedene Weise der äußeren Erscheinung des umbauten Raums.

                                                                                                                             Foto: mr

Die Betonskulpturen von Ute Hoffritz, die architektonische Grundformen im Miniaturformat darstellen, erscheinen auf den ersten Blick klar, einfach und überschaubar. Hermetisch und kompakt, wirken sie erst einmal abweisend wie Festungen oder Schutzräume. Aber diese Gehäuse haben Öffnungen: Ein Sehschlitz, eine kleine Pforte oder ein sich von oben eröffnender Innenhof. Wohin sie führen, was sich dahinter verbirgt, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Architektur aus neuer Sicht weiterlesen

Von Wurzeln und Träumen

Ashia Bison Rouge spielt auf ihrem Cello verträumte Neukölln-Songs

Die Oder ist mehr als ein Fluss. Sie ist die Grenze zwischen zwei Ländern, Deutschland und Polen, und zwischen zwei Welten, Ost und West. In diesen Fluss ließ sich Ashia Grzesik fallen, um zu ertrinken und auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Auf der Suche nach ihren Wurzeln war die Oder ihre Orientierungslinie und gab ihrem letzten Album den Namen.

Ashia Bison Rouge.                                                                                                                                                                       Foto: pr

Geboren in Polen und aufgewachsen in Deutschland und den USA, ist die Frage nach der eigenen, vielfältigen Identität die treibende Kraft hinter dem künstlerischen Schaffen der Cellistin. In Polen wird sie wegen ihres Akzents nicht als Polin erkannt, doch ihre Seele zieht es immer wieder dorthin zurück. In Neukölln hat sie ihre Mitte gefunden. Eine Mitte zwischen Ost und West, eine Insel im grünen brandenburgischen Meer. Überhaupt ist Berlin eine Insel für Ashia, nicht nur wegen der politischen Geschichte, sondern auch in der Gegenwart. Ein kosmopolitischer Ort, der wie eine verlorene Insel zum Träumen und Umherwandern verführt. Von Wurzeln und Träumen weiterlesen

Vielstimmiger Wohlklang

»Orchestra & Choral Society Berlin« mit neuen Projekten

Proben für »A Sea Symphony«.                                                                                                                                             Foto: pr

Einen sehr hohen Ton singen und dabei ein imaginäres Blümchen vom Boden pflücken, eine halbe Standwaage und die Töne innerhalb einer Oktave im Glissando singen, der ganze Körper ist das Instrument – so stehen die Sängerinnen und Sänger hinter der Bühne kurz vor dem Konzert und singen sich unter der Leitung von Wolfgang Roese ein. Am 28. November 2016 lud das »ORSO« (Orchestra & Choral Society) zu »A Sea Symphony« in die Berliner Philharmonie. Es war ein Konzert der besonderen Art, fast die Hälfte der Karten wurde kostenlos an Flüchtlinge verteilt, finanziert durch Solidartickets. Einerseits ein Willkommenskonzert für Flüchtlinge, aber auch ein Gedenken an all jene, die es nicht geschafft haben. Vielstimmiger Wohlklang weiterlesen

Gesundes Frühstück

Fit für den Kita- und Schulalltag

Ernährungsexperten mit ihren Produkten.                                                                                        Foto: Hanna Esser

Gesellschaftliches Engagement von Kindern, bei dem sie gleichzeitig etwas lernen und Spaß haben – ist das möglich? Ja! Die SchülerInnen der Klassen 1-3 der Johann-Georg-Elser-Grundschule im Schillerkiez haben das im Rahmen des Modellprojekts »Service-Learning in den MINT-Fächern« der Siemens-Stiftung und der Freudenberg -Stiftung bewiesen. Der Zauberspruch lautet ganz einfach: »Tu’ was für andere und lern’ was dabei!«
Was bedeutet das konkret? Die Schulkinder haben sich zunächst intensiv mit dem selbstgewählten Thema »gesunde Ernährung« beschäftigt. Im Rahmen des Projektunterrichts haben die Schülerinnen und Schüler gebacken und gekocht, Experimente durchgeführt, ein Gesundheitsquiz gelöst, sich als »Fettdetektive« engagiert, Lebensmittelpyramiden gestaltet, an einem Stationslauf teilgenommen und Plakate zu unterschiedlichen Ernährungsthemen entworfen. Gesundes Frühstück weiterlesen

»Da müsst ihr euch mal drum kümmern«

Über einen, der den Finger in die Wunden der Stadt legte

Es war ein eher ungewöhnlicher Ort für eine Buchvorstellung. Aber es ist auch etwas Besonderes, dass ein kommunistischer Neuköllner Arbeiter- und Parteiveteran vier Jahre nach seinem Tod eine Denkschrift erhält.
Am 14. Dezember wurde das Buch »Da müsst ihr euch mal drum kümmern: Werner Gutsche (1923 – 2012) und Neukölln. Spuren, Erinnerungen, Anregungen« im Vorraum des BVV-Saals im Rathaus Neukölln der Öffentlichkeit vorgestellt.
»Der Titel ist passend«, sagte Kulturstadtrat Jan Christopher Rähmer, denn in Neukölln gebe es viele Baustellen und es sei wichtig, auch in die Vergangenheit zu schauen, um zu sehen, wo die Wurzeln vieler Entwicklungen liegen. Und Werner Gutsche war einer derjenigen, der die Funktionsträger immer wieder auf Dinge hinwies, um die sie sich kümmern sollten. »Da müsst ihr euch mal drum kümmern« weiterlesen

Vom Wedding in die Fußballstadien der Welt

»PENG! PENG! BOATENG!« in der Probebühne des Heimathafens

Die Eigenproduktionen des Heimathafens stehen ganz in der Tradition des Volkstheaters, das gerade in Neukölln eine lange Geschichte hat. Mit ihrem »Neu-Berliner Volkstheater« will die künstlerische Leitung lebensnahe Unterhaltung für die Kiezbewohner auf die Bühne bringen. Die Regisseurin Nicole Oder hat sich in den letzten Jahren in ihrer »Neuköllner Trilogie« besonders mit den Themen Familie, Herkunft und Selbstbestimmung beschäftigt und sich damit auch über die Grenzen Neuköllns hinaus einen Namen gemacht.

Ausbruch aus dem Käfig.                                                                                                                                Foto: Verena Eidel

Auch das aktuelle Stück »PENG! PENG! BOATENG!« kreist um diese Themen. Entstanden nach Motiven aus dem Buch »Die Brüder Boateng. Drei deutsche Leben zwischen Wedding und Weltfußball« des Journalisten Michael Horeni, geht Oder der Frage nach, »wie man wird, was man ist«. Vom Wedding in die Fußballstadien der Welt weiterlesen

Besser spät als nie

»Toni Erdmann« in Neukölln

Es mag Leute geben, die sich gleich zum Kinostart eines neuen Films in einem Yorck-Kino einfinden. Dann gibt es immer auch die, die es gemütlicher angehen lassen, sich sämtliche Film-Trailer und Teaser mehrmals ansehen, alle lobenden und vernichtenden Kritiken der Feuilletons lesen, in Kneipen und auf Partys leidenschaftlich über Bildgestaltung und Genrezugehörigkeit mitdiskutieren, ohne den tatsächlichen Film jemals gesehen zu haben. Es stellt sich die Frage, ob es dann überhaupt noch notwendig ist, sich einen Film anzusehen, der irgendwie innerlich wie gesellschaftlich durchdekliniert zu sein scheint. Besser spät als nie weiterlesen

Warten auf Godot?

Schwierige Kommunikation mit dem »LaGeSo«

Als Sylvia-Fee Wadehn 2013 in die Seniorenwohnanlage der Wohnungsbaugesellschaft »Stadt und Land« einzog, waren sich weder die Bezirkspolitiker noch die Wohnungsbaugesellschaft inklusive der Senioren im Rollbergkiez darüber im Klaren, dass sich nun alles ändern würde. Mit vollem Elan schuf sie in dem Haus Zusammenhalt, bot kulturelle Veranstaltungen an und hat regelmäßige Treffen für die Senioren im Reuter- und Rollbergkiez organisiert.


Allein ging das nicht. Unterstützung kam von »Stadt und Land« und aus der Bezirkspolitik. Manchmal dauerte es und kostete viel Energie, aber Wadehn ist heute Geschäftsführerin des »MoRo Seniorenwohnanlagen e.V.«, hat über 30 Mitarbeiter, die den Bürobetrieb am Laufen halten und niederschwellige Pflege und Beratung anbieten. Warten auf Godot? weiterlesen

Hamamelis: Winterliches Blühen

Schönes mit wohltuenden Eigenschaften

Die Blüten, gelbbräunliche Büschel, erscheinen zwischen Dezember und Februar, wenn das Wetter so bleibt, also in Kürze. So kommt etwas Farbe in den sonst so grauen Winter. Die Virginische Zaubernuss, wie sie botanisch heißt, wird wirtschaftlich intensiv als Heilpflanze genutzt. Sie besitzt eine blutstillende, entzündungshemmende, adstringierende und Juckreiz stillende Wirkung.

Zaubernuss.                                                                                                                                                    Historische Zeichnung

In der Lessinghöhe steht ein Exemplar. Im letzten Frühjahr schlang sich ein Efeu an ihm hoch, das meldete ich dem Gartenbauamt, und noch am gleichen Tag wurde das Gewächs, irgend etwas zwischen Baum und Busch, davon befreit. Hoffen wir, dass sich auch dieses Jahr gut um sie gekümmert wird, denn sie braucht, um weiter zu gedeihen, einen aufgelockerten Boden, der nährstoffreich ist. Hamamelis: Winterliches Blühen weiterlesen

Basteln mit Rolf

Diesmal: Deckelgesichter

Das Neue Jahr ist da! Alle deshalb geleerten Flaschen sind hoffentlich anschließend im Glascontainer gelandet. Deren metallene Schraubverschlüsse lassen sich einfach zu kleinen Kunstwerken wandeln. Platt getreten, oder mit einem Hammer flach geschlagen, macht ein wasserfester Marker daraus ein kleines Portrait. Ob farbige oder metallfarbene Deckel, fast alle Resultate sind eindrucksvoll. Ein passender Rahmen adelt so ein Gesicht. Der lässt es auch zu einem sehr persönlichen und einmaligen Geschenk werden, denn kein Verschluss gerät wie der andere. Kindern macht so etwas besonders viel Spaß. Einfach einmal selbst oder mit Kindern ausprobieren.

rr

Petras Tagebuch

Rauhnächte

Die Zeit zwischen Weihnachten und dem sechsten Januar ist für mich ein bisschen unheimlich. Es gibt viele Regeln, an die ich mich in der Hoffnung halte, dass das nächste Jahr besser wird als das verstrichene. Ich wasche keine Wäsche, lärme wenig, verwende keinen Staubsauger und lüfte viel. Während dieser Zeit, in der keiner so recht weiß, welche Geister unterwegs sind, passieren auch immer eigenartige Dinge. Petras Tagebuch weiterlesen