Alle Beiträge von mr

A-Hörnchen & B-Hörnchen

Café, Cocktails und Carpaccio zwischen Heide und Schillerkiez

Wer A sagt, muss auch B sagen. Neben dem beliebten, nach seinem Vater »A.HORN« benannten Café an der Kreuzberger Admiralsbrücke betreiben Ludwig Horn und sein junges motiviertes Team, das über die Jahre zu einer richtigen kleinen Familie geworden ist, nun als kleine Gastroschwester das »B.HORN« an der Fontanestraße, wo Hasenheide und Columbia­damm beginnen.

NACH dem A. ins »B.HORN«.                                                                                                                         Foto: hlb

Der erste Eindruck gibt sich punkig, mit dem großen, wie aus Klebeband improvisierten »B.HORN«-Logo über der Tür und der graffitireichen Fassade. Das Innendesign des Lokals ist jedoch ebenso gemütlich wie cool. Der lässige Stil passt zur freundlichen und kreativen Atmosphäre. Zur Eröffnungsparty Anfang Juni durften die Außenbänke sogar von Freunden, Kindern und sonstigen Künstlern nach Gusto bemalt werden – und dürfen es immer noch, wenn sich eine Idee und das Plätzchen dafür finden. A-Hörnchen & B-Hörnchen weiterlesen

Dem Rathaus aufs Dach steigen

Das »NIC« hat wieder geöffnet

NIC
Weises Rathausmotto.                                                                                                                             Foto: Wilfried Winzer

Das »Neukölln Info Center« (NIC) im Eingangsbereich des Rathauses ist seit dem 17. März wieder regelmäßig geöffnet. Betrieben wird es jetzt von einem Netzwerk, in dem sich Neuköllner Kreative zusammengeschlossen haben, in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung und dem Fachbereich Kultur des Bezirksamts Neukölln. Beim Netzwerk machen die Publizistin Tanja Dickert, sie ist federführend, der Stadtführer Reinhold Steinle, der Designer Martin Mai von der »Berlinfabrik« und der Blechschilderhersteller Heiko Büttner mit.
Dem Rathaus aufs Dach steigen weiterlesen

Selbstbewusst gegen Moscheehetze

Es ist unerträglich, welche Tiraden mit inzwischen trauriger Regelmäßigkeit aus der »Al Nur Moschee« an die Öffentlichkeit dringen.
Ob ein Verbot des gesamten Vereins durchsetzbar ist, ist jedoch fraglich, denn dem steht der Schutz der Religionsfreiheit entgegen. Das heißt aber nicht, dass die Mehrheitsgesellschaft derartige Äußerungen tatenlos hinnehmen sollte. Im Gegenteil, alle Demokraten sind dazu aufgerufen, diesem Steinzeitislam selbstbewusst entgegenzutreten und Rechtsbrüche nicht zuzulassen. Einzelpersonen, die rassistische und frauenverachtende Hetze verbreiten, können und sollen durchaus zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu gehört aber ebenso, dass Menschen, die aus diesen Strukturen ausbrechen wollen, Schutz und Sicherheit geboten wird. Und es gehört dazu, den jungen Menschen Perspektiven zu bieten und sie davon zu überzeugen, dass ein selbstbestimmtes Leben allemal besser ist als ein Leben im Gefängnis mittelalterlicher Traditionen.

Marianne Rempe

Neue Pläne für die alte Frauenklinik

Investor stellt sein Konzept zum Wohnungsbau vor

Lange tat sich nichts auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik am Mariendorfer Weg. Die »Comer Group«, die noch 2013 vollmundig den Bau von 1.000 Eigentumswohnungen verkündete, ließ die Gebäude immer weiter verfallen.
Jetzt kommt aber offenbar wieder Bewegung in die Sache. Im Januar 2015 kaufte die »AVILA-Gruppe,« zu der auch das katholische »Petruswerk« gehört, das Areal.

frauenklinik1
Historischer Teil der Frauenklinik, der erhalten bleibt.                                                                                   Foto: mr

Die »AVILA Management & Consulting AG« wurde vor zehn Jahren gegründet. Ihr Chef, Douglas Fernando, ist mit 60 Prozent an der Unternehmensgruppe beteiligt, die restlichen 40 Prozent hält die »Karmel Missionsstiftung«, in die auch die Unternehmensgewinne fließen.
Neue Pläne für die alte Frauenklinik weiterlesen

Bibliothek stöhnt unter den Aufgaben

Zu wenig Personal für zu viele Besucher

Vom Schnupperbesuch für die Kleinen bis zu Suchstrategien im Informationsdschungel, die »Helene-Nathan-Bibliothek« bietet mehr als die Ausleihe von Büchern.
BibliothekMorgens vor der Öffnungszeit kommen bereits Schulklassen, die Projektarbeiten machen, oder Kitagruppen, die hier spielerisch erste Erfahrungen mit der Bibliothek sammeln. Schüler werden beim Erwerb von Sprach- und Lernkompetenz unterstützt, Hausaufgabenhilfe wird angeboten. Die Musik­abteilung ist eine der größten Berlins und wird von Musikern aus der gesamten Stadt genutzt. Daneben werden Ausstellungen organisiert und Leseabende angeboten. Bibliothek stöhnt unter den Aufgaben weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. RempeNK_Tagblatt-Kopf

Nr. 53 – Donnerstag, 04. März 1915
Pappelabholzung auf dem Tempelhofer Felde. Mehr als ein Dutzend alter Pappeln, die den Ringbahndamm in der Nähe des Bahnhofs Papestraße gegen die Westseite des Tempelhofer Feldes begrenzten, sind nunmehr der Axt zum Opfer gefallen. Das Gelände am Ringbahndamm, das der Eisenbahnverwaltung gehört, wird gegenwärtig für Laubenkolonisten hergerichtet und parzellenweise an Beamte und Arbeiter der Staatsbahn vergeben, um mit der Bestellung von Frühkartoffeln und Gemüse zu beginnen. Da die alten Bäume sehr viel Platz beanspruchten und auch infolge ihres Schattens dem Gemüseanbau hinderlich sind, mußten sie leider das Feld räumen. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Letzter Vorhang für den König von Neukölln

Unspektakulärer Abgang in der Bezirksverordnetenversammlung

Wer eine pathetische Abschiedsvorstellung erwartet hatte, wurde enttäuscht. In wenigen knappen Sätzen erklärte Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 28. Januar, dass er den Regierenden Bürgermeister Michael Müller gebeten habe, ihn zum 1. April in den Ruhestand zu versetzen. Aus gesundheitlichen Gründen.
Die BVV-Mitglieder erinnerte er noch einmal daran, »Wo Neukölln ist, ist vorn!« Das wurde von allen Fraktionen mit stehenden Ovationen quittiert.

Buschi
Wo Buschy war, war vorne.Foto: mr

Letzter Vorhang für den König von Neukölln weiterlesen

Leben um jeden Preis?

Diskussion über Würde, Tod und Selbstbestimmung in der »Dorfschule Rudow«

Cartoon_Tod KopieDer Saal in der alten Dorfschule Rudow war rappelvoll. Kein Wunder, ging es um ein Thema, das jeden früher oder später betrifft: wie kann ein würdevolles Sterben gelingen. Führt Sterbehilfe zu mehr Selbstbestimmung auch am Ende unseres Lebens oder geht es für diejenigen, die Sorge haben, im Alter oder bei schwerer Krankheit anderen zur Last zu fallen nicht vielmehr um großen Druck und Fremdbestimmung? Leben um jeden Preis? weiterlesen

Prügelei in der U-Bahn

»Importierter Antisemitismus« als Scheinargument

Das Jahr 2015 beginnt äußerst unschön für Shahak Shapiro, einen jungen Israeli, der seit Jahren in Deutschland lebt. Mit ein paar Freunden ist er in der Silvesternacht unterwegs zu einer Bar, die U-Bahn ist proppenvoll. Als eine Gruppe mutmaßlich arabisch-stämmiger Jugendlicher beginnt, antisemitische Parolen zu grölen, scheinen alle im Zug plötzlich Unmengen an SMS zu bekommen, keiner versucht auch nur empört auszusehen. Nur zwei Männer fordern die Gruppe auf, das Gerufe zu beenden und werden daraufhin bedrängt und eingeschüchtert. Shahak filmt das Ganze, was letztlich den Zorn der Jugendlichen auf ihn lenkt, und es kommt zur Schlägerei. Ohne sein Zutun gelangt alles an die Presse, und was danach passiert, ist erstaunlich: verschiedene Stellen nutzen das Ereignis für ihre Zwecke, und hauptsächlich wird die Gelegenheit ergriffen, um wieder einmal vom »importierten Antisemitismus« durch muslimische Migranten zu erzählen. Prügelei in der U-Bahn weiterlesen

Bürgerbeteiligung im Digitalzeitalter

Die Online-Plattform zum Tempelhofer Feld – eine vertane Chance?

Ein gelungener Volksentscheid, eine Party auf dem Feld, die Schlacht um das «Wiesenmeer» scheint gewonnen. Doch was jetzt? Eine Bebauung schließt das neue Gesetz auf dem Tempelhofer Feld aus, doch sonst lässt es Raum für Neugestaltung und Änderungen, bei denen die Bürger die Möglichkeit haben sollten mitzubestimmen.

adhocracy
https://tempelhofer-feld.berlin.de

Unter dem schnittigen Namen «Adhocracy» hat der in Neukölln ansässige gemeinnützige Verein «Liquid Democracy e.V.» eine freie Software geschaffen, die als Betriebssystem für demokratische Beteiligung fungiert. Diese wurde im Dezember 2014 vom Senat für Stadtentwicklung als Diskussionsforum rund um das Tempelhofer Feld freigeschaltet, alles im Rahmen der Erstellung des »Entwicklungs- und Pflegeplans« (EPP). Mit der Koordination des Projekts betreute Ex-Bausenator Michael Müller den Geschäftsführer des »BUND«, Tilmann Häuser, damals ein vehementer Kritiker des Gesetzesentwurfs der Regierung. Bürgerbeteiligung im Digitalzeitalter weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

NK_Tagblatt-KopfNr. 28 – Mittwoch,  03. Februar 1915
Berechtigte Klagen über den Mangel an Nickelgeld. In fast allen Kreisen geschäftlicher Unternehmungen wird seit Beginn des Krieges schwer über den Mangel an Nickelgeld geklagt. Dieser Mangel ist in erster Linie auf die Sammelbüchsen der verschiedenen Vereinigungen zurückzuführen. Die Sammelbüchsen enthalten meistens Nickelmünzen im ungefähren Betrage von je 50 Mark. Bleiben von diesen Büchsen 10.000 Stück längere Zeit und zwar, wie es vorgekommen ist, über vier Monate ungeleert, so ergibt dies einen dem Geldverkehr vorenthaltenen Betrag von einer halben Million Mark. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Ergo sum – also bin ich

Ein Leben in Bildern in der Galerie im Saalbau

Emel_Eris_2
Emel Eris. Foto:mr

»Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich« lautet der berühmte Satz von René Descartes, der das subjektive Erkennen als Beweis der menschlichen Existenz betrachtet. „ergo sum – also bin ich!“ lautet der Titel der Ausstellung in der Galerie im Saalbau, in der die Malerin Emel Geris ihre Sicht auf das menschliche Dasein präsentiert.
Die Bilder von Emel Geris sind surreale Gedankencollagen, die sich einer festen Interpretation entzie- hen. Farbenprächtige, wohnzim-merartige Innenräume geben den Blick frei auf eine geheimnisvolle Außenwelt. Die immer wieder-kehrende Figur einer Frau ist auf wenige Merkmale reduziert, ein Kopf, eine Hand, die eine Feder führt oder einen Blumenstrauß hält, ein Schnürstiefel, der kraftvoll auftritt. Auf anderen Bildern sind die Figuren nur noch Strichmännchen, die auseinander stieben. Ergo sum – also bin ich weiterlesen

Onkel -kys Märchenstunde

Lesung mit Schnauze im »Leuchtturm«

Zum Auftakt der Lesereihe 2015 lud die »Bürgerstiftung Neukölln« am 28. Januar zu einem nostalgischen Leseabend mit Horst Bosetzky, besser bekannt unter seinem Pseudonym -ky, in den »Neuköllner Leuchtturm«.
Bosetzky ist in Neukölln aufgewachsen. Er besuchte in den Nachkriegsjahren jene Volksschule, die heute als »Campus Rütli« bekannt ist. Die Erinnerungen des Bestseller-Autors mit Fotografien der Berliner Künstlerin Rengha Rodewill erwecken längst vergessene Orte der Kindheit Bosetzkys in Neukölln wieder zum Leben.
Entstanden ist ein amüsant-nostalgisches Buch, das sich vor allem an die Leser der Nachkriegsgeneration richtet. So war das Publikum auch fast ausnahmslos jenseits der Sechziger. Onkel -kys Märchenstunde weiterlesen

Bilder der Vergänglichkeit

»Exitus« in der Galerie im Körnerpark

Kaum etwas wird in unserer Gesellschaft so tabuisiert wie der Tod. Er wird ausgegrenzt und abgeschoben in Krankenhäuser und Hospize. Die Kunst dagegen zerrt den Tod wieder ins Leben zurück.
Die Künstler, deren Werke derzeit in der Ausstellung »Exitus« in der Galerie im Körnerpark zu sehen sind, beschäftigen sich aus ganz persönlicher Betroffenheit mit den Themen Trauer, Melancholie, Vergänglichkeit, Tod, Verlust.

Exitus
Das Bild »Mordbrand thematisiert Gewalt und Terror.                                                                                    Foto: mr

Bilder der Vergänglichkeit weiterlesen

Der idyllische Zauber der Neuköllner Peripherie

Milena Aguilars Gemälde im »Museum Neukölln«

Milena
Milena Aguilera                                                          Foto:mr

Bei schönem Wetter fährt sie an den Stadtrand, um Orte zu suchen, an denen Stadt und Land ineinander übergehen. Hat sie einen Ort gefunden, baut sie ihre Staffelei auf, um diesen Anblick festzuhalten. Die Bilder, die auf diese Weise entstanden, zeigt die in Neukölln lebende Malerin Milena Aguilar seit dem 23. Januar im »Museum Neukölln« unter dem Titel »Brücke über stillem Wasser«.
Es sind idyllische Land- schaften, in den satten Farben des Sommers. Milena Aguilar malt ausschließlich unter freiem Himmel, die kältere Jahreszeit ist dafür eher ungeeignet. In den Bildern spielt zwar die Natur die Hauptrolle, das urbane Leben wird aber überall sichtbar, wie bei dem Feld, hinter dem sich in der Ferne die Skyline der Gropiusstadt erhebt, der Baustelle des Flughafens BER, vor der sich ein Mohnfeld ausbreitet oder der blühenden Wiese, hinter der eine Straße zu erahnen ist. Der idyllische Zauber der Neuköllner Peripherie weiterlesen

Schönes aus der Tiefe der Erde

Steiniges und Geschliffenes im rechten Licht

Mineral_1
Bunte Mineralien.                                                                                                                                                                         Foto:mr

Fasziniert betrachteten die Besucher Millionen Jahre alte Fossilien und funkelnde Edelsteine. »Die versteinerte Welt« im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt gab am 10. und 11. Januar rund 40 Ausstellern die Gelegenheit, ihre Schätze aus der Welt der Edelsteine und Mineralien, aber auch Schmuck und Kunsthandwerk zu präsentieren. Schönes aus der Tiefe der Erde weiterlesen

Hoch hinaus

Treppenläufer beim Tower-Run

HausHoch hinaus geht es beim Tower- Run. Nach einer Einführungsrunde von 400 Metern geht es 465 Stufen bis zur 30. Etage aufwärts in das höchste Berliner Wohnhaus an der Fritz-Erler-Allee!
Der diesjährige Lauf am 11. Januar war bereits der fünfzehnte seiner Art, der von der »TuS Neukölln«, der SPD Neukölln und der Bauge- nossenschaft »IDEAL« organisiert wird.
Der Tower-Run bildet den Auftakt zu einer Treppenlaufserie in Deutschland, bei der am Ende auch ein offizieller Gesamtsieger ermittelt wird. Mitmachen kann jeder, gelaufen wird in unterschiedlichen Altersklassen. Hoch hinaus weiterlesen

Eine Bürgerinitiative wird kaltgestellt

Senat zieht die Zuständigkeit für die Buckower Felder an sich

Buckower Feld
Erste Bautätigkeiten auf den Buckower Feldern.                                                                                                   Foto:cr

Nach dem Erfolg des Volksentscheids über das Tempelhofer Feld hatte Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller einen anderen Umgang mit der Stadtgesellschaft versprochen. Wie der aussehen könnte, hat er in einer seiner letzten Amtshandlungen als Senator für Stadtentwicklung demonstriert.
Es geht um die Buckower Felder, der letzten landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Buckower Damm, Gerlinger Straße und der Grenze zu Brandenburg. Dort sollen vier- bis fünfgeschossige »Wohnschlangen« entlang der Straßen, zwei- bis dreigeschossige Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Stadtvillen im Zentrum, dazu viergeschossige »Torhäuser« entstehen; außerdem zwei neue Kitas und Grünflächen.
Eine Bürgerinitiative wird kaltgestellt weiterlesen

Müller in Form

Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller versprach nach den Erfahrungen mit dem Volksbegehren zum Tempelhofer Feld einen anderen Umgang mit Bürgerbeteiligung. Das hat er gehalten, allerdings nicht so, wie die Berliner erhofft hatten.
Bei dem Bürgerbegehren gegen die Bebauung der Buckower Felder übergab der Bezirk, als es mit den Bürgern ungemütlich wurde, flugs die Verantwortung an den Senat. Müller nahm dankend an, und das Bürgerbegehren, das auf Bezirksebene durchgeführt wurde und durchaus Aussicht auf Erfolg hatte, war hinfällig.
Ein verheerendes Signal, zeigt es doch der Bevölkerung, dass die Politik nach wie vor nicht willens ist, sich auf einen Dialog mit ihnen einzulassen und Kompromisse zu suchen.
Wenn die Bürger aufmüpfig werden, kehrt die Politik nach wie vor gerne den Obrigkeitsstaat heraus. Bei solchen Entscheidungen ist es wenig verwunderlich, wenn das Volk der Politik mit immer größerem Mißtrauen begegnet.

Marianne Rempe

Verpasste Chancen

Flüchtlingsheim bleibt in privater Trägerschaft

Eigentlich war die erst Anfang des letzten Jahres fertiggestellte Flüchtlingsunterkunft in der Späthstraße nur als Provisorium gedacht und sollte bereits Ende dieses Jahres wieder abgerissen werden. Der Pachtvertrag für das Privatgrundstück läuft am 31. Dezember 2015 aus.

flüchtlingsheim(2)
LeichtbauWohnen.                                                                                                                                                                      Foto: mr

Inzwischen hatte der Eigentümer, Möbelunternehmer Kurt Krieger, dem Land den Rückkauf des Grundstücks angeboten, sogar weit unter dem Preis, den er selbst beim Erwerb an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin gezahlt hatte. Eigentlich ein gutes Geschäft für das Land. Es verkauft ein Grundstück teuer, erwirbt es für weit weniger zurück, spart die Abrisskosten der Gebäude in Millionenhöhe und erhält die 400 Heimplätze, deren Bau ebenfalls mehr als acht Millionen Euro gekostet hat. Verpasste Chancen weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

NK_Tagblatt-KopfNachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr. 1 – Freitag,  01. Januar 1915
Wenn wir Weißbrot und Kuchen, so wie wir es bisher gewohnt waren, weiter essen, wird unser Vorrat an Weizen höchstens noch bis zum April reichen. Früher wurde unser deutscher Weizenvorrat durch eine Zufuhr von etwa vierzig Millionen Zentnern aus dem Auslande ergänzt, von dieser Zufuhr sind wir jetzt abgeschnitten. Es heißt also, sich beizeiten daran zu gewöhnen, nur Roggenbrot zu essen. Dies ist für gesunde und kräftige Menschen nicht schwer, für schwache und kranke aber um so schwerer. Darum ist es die Pflicht jedes gesunden Menschen, schon jetzt auf Weißbrot und Kuchen zu verzichten, damit das Weizenmehl für die, die es nur sehr schwer entbehren können, länger reicht. Es geziemt sich auch nicht, daß wir uns hier in Festkuchen, Stollen, Pfannkuchen, feinen Backwaren usw. gütlich tun, während die Blüte unserer Nation draußen im blutigen Ringen steht und den größten Entbehrungen ausgesetzt ist. Wir müßten uns schämen, wenn wir nicht einmal ein so kleines und unbedeutendes Opfer zu bringen vermöchten. Weihnachten ist vorüber, und es sind gewaltige Mengen von Weizenmehl zu Kuchen verwendet worden. Damit ist es aber genug. Von jetzt ab gehört kein Kuchen mehr in ein deutsches Haus. Betä­tigt diese Gesinnung auch schon zu Neujahr! Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Elterngeld – Teilen für den Nachwuchs

WennderVatermitdemSohne
Mehr Zeit für die Kinder.                                                                                                                                                         Foto:mr

Gesetzesänderung sorgt für mehr Flexibilität bei der Erziehungszeit

Was vor wenigen Jahren noch als »Wickelvolontariat« verspottet wurde, wird langsam zu einem gesellschaftlichen Trend: die sogenannten Vätermonate bei der Erziehungszeit.
Das neue Gesetz zum »Elterngeld Plus«, das zum 1. Januar 2015 in Kraft tritt und für Geburten ab dem 1. Juli 2015 gilt, soll durch die flexible Kombination von Elterngeldbezug und Teilzeitarbeit den Weg in die Familienarbeitszeit weiter ebnen. Elterngeld – Teilen für den Nachwuchs weiterlesen

Turbulenzen um den »Frauentreffpunkt Schmiede«

Frauenförderung zur Selbsthilfe benötigt Unterstützung

SylviaEdler
Sylvia Edler.                                                               Foto: mr

Der »Frauentreff- punkt Schmiede« am Richardplatz ist seit 1991 als sozialer und kultureller Anlauf- punkt eine unverzichtbare Institution für Frauen in Neukölln. Frauen in schwierigen Lebenssituationen erhalten hier Rat und Hilfe. Es werden Fortbildungen und Beratungen in den Bereichen Bildung, Kultur, Gesundheit und Selbsthilfe angeboten. Sprachunterricht und PC-Kurse helfen bei der beruflichen Weiter-bildung. Außerdem laden ein Café und eine kleine Galerie zum Verweilen ein. Turbulenzen um den »Frauentreffpunkt Schmiede« weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

NK_Tagblatt-Kopf

Nachrichten aus dem»Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

Nr 281 – Dienstag, 01. Dezember 1914
Die Aufgabe von Weihnachtspaketen für unsere Krieger zeitig­te in den letzten Tagen auf dem hiesigen Hauptpostamt einen solchen Ansturm, daß die Paket=Annahmestelle zeitweise geschlossen werden mußte. Freilich hatte sich unsere Post auch in keiner Weise für diesen Ansturm, der vorauszusehen war, vorbereitet. Nur wenige Beamte standen zur Abfertigung des Publikums zur Verfügung, so daß sich die Abnahme der Pakete in einem wahren Schneckentempo bewegte. Hunderte von Paketaufgebern mußten daher stundenlang geduldig im Schalterraum harren, bis sie ihr Paket loswurden, und wem diese Zeit fehlte, mußte leider mit seinem Paket wieder den Heimweg antreten. Es ist bedauerlich, daß auch hierbei unsere Post wieder einmal gänzlich versagte. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Blick in ein kurzes Soldatenleben

Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg

Als_ob_die_Welt18 Jahre alt war Bernhard Appelt aus Neukölln, als er seine Lehre zum Kaufmann abbrach und als Freiwilliger in den Krieg zog. Zuerst an die Ost-, später an die Westfront. Dreieinhalb Jahre später war er tot. Gefallen auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges. Einer von fast 17 Millionen Opfern dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Was von ihm blieb, ist eine Kassette mit Tagebüchern, Fotos und Briefen, die er von der Front an seine Mutter und seine Schwester schickte.
Viele Jahre später fand sein Großneffe Bernhard Schmidtbauer die Briefe und veröffent­lichte sie als Buch. Den Grund dafür nennt er in seinem Vorwort: »Weil ich mir sicher bin, dass die ,große‘ Geschichte des Ersten Weltkriegs erst durch seine vielen kleinen Geschichten begreifbar wird.« Blick in ein kurzes Soldatenleben weiterlesen

Die Welt aus Eierkuchensicht

Rührende Ausstellung im Saalbau von Gaby Taplick

Die kleinste Eierkuchenfabrik der Welt ist derzeit in der Galerie im Saalbau aktiv.

Eierkuchenfabrik
Eierkuchenfabrik.                                                                                  Foto: mr

Gaby Taplick hat sie für ihre Ausstellung »In den Raum geflüstert« entwickelt. Daneben stehen begehbare Skulpturen im Raum, in einer Landschaft aus bergartigen Dreiecken. Die Welt aus Eierkuchensicht weiterlesen

Tatort Lesung

»Gesicht eines Mörders« und »Kalter Hund« in Neukölln

volker_Kaminsky_1 Kopie
Volker Kaminski beim Krimimarathon.                                Foto: mr

Spannung, Grusel, manchmal auch schwarzer Humor erwartete die Liebhaber der Kriminalliteratur. Mehr als 60 Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg beschäftigten sich zwischen dem 19. und dem 23. November mit Mord und Totschlag und den Untiefen des menschlichen Charakters. Auch Neukölln war »Tatort« in diesem fünften Krimimarathon. Im »CIC Berlin-Brandenburg« (Centrum für Cochlear Implant Rehabilitation) in der Paster-Behrens-Straße stellten zwei Autoren ihre Kriminalromane vor. Tatort Lesung weiterlesen

Mittel weg – Leistung gefährdet

Stadtteilmütter sind eine Stütze der Integration

Sie ermutigen Eltern, ihre Stärken wahrzunehmen und setzen sich für ein friedliches Zusammenleben in einer Stadt der Vielfalt der Lebensentwürfe ein. Die »Stadtteilmütter« feierten am 29. September ihr zehnjähriges Jubiläum.

Stadtteilmütter-Group
Stadtteilmütter stehen stramm.                                                                                                                                         Foto: sp

Mittel weg – Leistung gefährdet weiterlesen

Schuhkartonweihnachten

Missionierung per »Carepaket«

Alle Jahre wiederweihnachten_im_schuhkarton_2010_06_1 werden Schuhkartons mit Süßigkeiten, Spielzeug und Kleidung gepackt. »Weihnachten im Schuhkarton« heißt diese inzwischen allseits beliebte Charity Aktion des christlichen Vereins »Geschenke der Hoffnung«. Vielen Kindern wird damit sicherlich eine Freude bereitet. Was für uns ganz normale Alltagsgegenstände sind, ist für viele Familien in Osteuropa von unschätzbarem Wert, denn meist können sie sich selbst diese Dinge nicht leisten.
Schuhkartonweihnachten weiterlesen

Goya und Picasso in der Arena

Das Schloss Britz zeigt »Die Kunst des Stierkampfes«

Nein, hier soll keine Werbung für den Stierkampf gemacht werden. Aber die Besucher dieser musealen Corrida erhalten die Gelegenheit, zwei unterschiedliche Interpretationen eines äußerst emotional geladenen Themas zu studieren.
Im Schloss Britz werden bis zum 22. Februar 2015 die kompletten Graphikzyklen von Francisco de Goya und Pablo Picasso präsentiert, die sich im Abstand von hundert Jahren dem Thema »Die Kunst des Stierkampfs«, «La Tauromaquia« widmeten, der die Ausstellung auch ihren Titel verdankt.

stierkampf
Auf in den Kampf.                                                                                                                                                                          Foto:mr

Goya und Picasso in der Arena weiterlesen

Kunst in Krisenzeiten

»Tempus Ritualis« in der Galerie im Körnerpark

Zeit und Ritual, zwei gegensätzliche Begriffe sind die Stichworte, unter denen sich zehn griechische und deutsche Künstlerinnen mit den kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen in Zeiten der Krise beschäftigen.
»Tempus Ritualis« heißt die Ausstellung, die noch bis zum 11. Januar in der Galerie im Körnerpark zu sehen ist. Mit ganz unterschiedlichen Mitteln gehen die Künstlerinnen der Frage nach, welche Formen von Solidarität sich in Zeiten des Umbruchs entwickeln. Bilden sich möglicherweise neue Rituale heraus oder gibt es neue Formen von Freundschaften?

DSC_0623_2
Beziehungsklötzchen.                                                                                                                                                               Foto: mr

Kunst in Krisenzeiten weiterlesen

Stadtbibliothek wird Galerie

»Buckower Malgruppe« zeigt ihre Werke

Hinter glas
Leuchtendes Glas.                                                                           Foto:mr

Vor dreißig Jahren gründeten ein paar Hobbykünstler bei einem Malkurs der Neuköllner Volkshochschule die »Buckower Malgruppe«. Dieser ist noch bis zum 6. Dezember in der Helene Nathan Bibliothek in den Neukölln Arcaden eine Ausstellung gewidmet.
Die Zusammensetzung der Gruppe änderte sich mit den Jahren, aber es blieb immer bei acht Mitgliedern. Aufgenommen wird nur, wer sein Handwerk beherrscht.
Stadtbibliothek wird Galerie weiterlesen

Neuköllner Alltägliches

Nachrichten aus dem »Neuköllner Tageblatt« vor 100 Jahren, bearbeitet von M. Rempe

NK_Tagblatt-KopfNr. 259 – Mittwoch, 04. November 1914
Wem gehören die aus Wunden entfernten Geschosse? Eine seltsame Frage taucht auf. Vor einiger Zeit wurde an einem Berliner kriegsärztlichen Abend eine Gewehrkugel gezeigt. Der Arzt, der die Kugel herumgehen ließ, schien des Glaubens zu sein, daß diese Kugel ihm gehöre. Das legt die Frage nahe, ob der Arzt, der aus einer Wunde ein Geschoß entfernt, Eigentum daran besitzt. Es ist, wie die Berliner »Aerzte=Korrespondenz« schreibt, auffallend, daß die Juristen bisher an die­sem Thema fast achtlos vorübergegangen sind, obwohl vor einigen Jahren ein ähnlicher Fall bereits die Gerichte beschäftigt hat. Neuköllner Alltägliches weiterlesen

Imame schlagen Pfarrer

Interreligiöser Kick beim Berliner Fußballfest

Wie friedlich wäre unsere Welt, wenn alle Religionskriege auf dem Fußballfeld ausgetragen würden. Ein Beispiel dafür lieferte das interreligiöse Spiel Pfarrer gegen Imame beim Berliner Fußballfest am 7. September auf dem Tempelhofer Feld.

Fußball
Tore dank Allahs Hilfe. Foto: mr                                                                                                                                            

Imame schlagen Pfarrer weiterlesen

Mit Plastiktüten ins Guinnessbuch

Weltrekord als Protest gegen Ressourcenverschwendung

Klimagipfel in New York, Demonstrationen gegen Ressourcenverschwendung in vielen Städten auf der Welt. Und auf dem Tempelhofer Feld wurde ein Rekord aufgestellt.
Beim Umweltfest der »Stiftung Naturschutz Berlin« am 20. September setzten über 3.000 Besucher mit einer neun Kilometer langen Kette aus 30.000 Einwegtüten das weltweit größte Zeichen gegen den Gebrauch von Plastiktüten. Das Band zog sich im Zickzack über die nördliche Rollbahn und sah aus der Vogelperspektive aus wie ein riesiges Ausrufezeichen.

Tüten_3
Tütenmann klärt auf. Foto: fh

Mit Plastiktüten ins Guinnessbuch weiterlesen

Schwerer Parcours in voller Montur

Wettstreit der Riesendrachen und der Feuerwehren auf dem Tempelhofer Feld

Feuerwehr- und Rettungswagen in großer Anzahl waren aufgefahren. Dazwischen jede Menge Feuerwehrleute in voller Montur. Es war aber kein Großbrand zu löschen oder eine Massenpanik zu bekämpfen. Am 12. September war »Firefighter Combat Challenge« auf dem Tempelhofer Feld.
700 Feuerwehrleute aus ganz Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz traten in diesem Wettbewerb gegeneinander an, der auf extreme Weise die Realität eines Feuerwehreinsatzes vom Anfang bis zum Schluss simuliert.

firefighter
Das schlaucht ganz schön. Foto: mr

Schwerer Parcours in voller Montur weiterlesen

Wer hat das Stroh um den Platz gerollt?

Böhmisch- und Deutsch-Rixdorf feiern ausgelassen

Die Einhörner sind los. Familie Schniepel gibt sich die Ehre. Riesenbabys und komische Goldhelme bevölkern Neukölln. Für Eingeweihte ist das normal, denn zum »Popráci« ist eben alles ein bisschen anders.
Eine ganze Woche übernahmen die Rixdorfer den Platz um die alte Schmiede, um ausgelassen zu feiern. Neben dem Strohballenrollen gab es wie immer zahlreiche Kulinaritäten und ein buntes Bühnenprogramm.

Popraci_1
Anmut, Grazie, Schweiß. Foto: cr

Wer hat das Stroh um den Platz gerollt? weiterlesen

Bilder gegen Vorurteile

Fotoausstellung zeigt die Vielfalt Neuköllns

Saalbau_2
Sabine von Bassewitz. Foto:mr

Neukölln wird je nach Sichtweise entweder als hundekotverdreckter Problembezirk voller Integrationsverweigerer und Hartz IV-Empfänger oder als mit Hipstern bevölkerter Gentrifizierungsschwerpunkt beschrieben.
Wenn die Fotografin Sabine von Bassewitz mit solchen Etikettierungen konfrontiert wird, fragt sie sich, ob sie stimmen. Und findet haufenweise Bilder, die dem widersprechen. Das beweist sie mit der Ausstellung »Ordinary City«, die seit dem 5. September in der »Galerie im Saalbau« zu sehen ist.

Saalbau_1
Neukölln hält jung. Foto:mr

Bilder gegen Vorurteile weiterlesen